Zootiere werden älter, die zweite!

Über die Studie, dass Zootiere älter werden als ihre Artgenossen in der Wildnis, habe ich hier ja schon geschrieben, als sie gerade erschienen war. Nun habe ich aber im Tiergarten Nürnberg nachgefragt, was man daraus  für die Zooarbeit herausziehen kann. „Wir fühlen uns bestätigt, nehmen die Studie aber auch als Ansporn, unsere Tierhaltung noch weiter zu verbessern“, sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Das Foto von Dieter Wegener zeigt den Silberrücken Fritz. Er ist zwar noch ein Wildfang (1963 aus Kamerun), hat aber fast sein ganzes Leben im Zoo verbracht – seit 1970 im Nürnberger Tiergarten. Mittlerweile hat er fast 54 Jahre auf dem Buckel.

Die Verfasser der Studie haben herausgefunden, dass 84 Prozent der über 50 untersuchten Säugetierarten in zoologischen Gärten ein höheres Alter erreichen als in freier Natur. Lange Zeit war es schwierig, die Geburts- und Todesdaten von Tieren in der Wildbahn zu bestimmen. Inzwischen haben Wissenschaftler jedoch genügend statistisches Material darüber gesammelt, um einen Vergleich in Sachen Lebensdauer zwischen ihnen und Zoobewohnern derselben Art ziehen zu können.

Auffallend ist: Arten mit schnellem Lebensrhythmus – das heißt etwa: frühe Geschlechtsreife, starke Vermehrung und viele Stressfaktoren – werden im Zoo deutlich älter als Wildtiere derselben Art. Dagegen ist bei Tieren, die „von Natur aus“ eine höhere Lebenserwartung haben, sich erst später und weniger stark vermehren sowie eine längere Tragezeit haben, der Unterschied zwischen der Lebenserwartung im Zoo und in Freiheit eher gering. An Beispielen erklärt: Primaten werden im Zoo sehr alt und können im Freiland sogar noch älter werden. Dasselbe gilt für Flusspferde und Elefanten; vor allem Elefantenkühe scheinen – altersmäßig betrachtet – kaum Vorteile von einer Haltung in Menschenobhut zu haben. Kaninchen oder Wallabys hingegen besitzen in Zoos wesentlich mehr Aussichten, zum Methusalem zu reifen, als draußen in der Natur.

Einen Schluss erlaubt die Studie übrigens nicht: Dass es Zootieren besser geht als Tieren in freier Natur, wie Helmut Mägdefrau sofort einräumt: „Das Empfinden von Tieren ist nach wie vor für uns Menschen nicht messbar.“ Ob Tiere die Zoohaltung als Einschränkung oder gar als Gefangenschaft interpretieren, weiß niemand. Doch er weist gleichzeitig auf etwas anderes hin: Das Ergebnis der Untersuchung fiele noch eindeutiger zugunsten von Zootieren aus, wenn deren Todesursache in jedem Fall mit in die Rechnung einfließen würde: „Die Verfütterung von Zootieren wurde dabei nicht erfasst.“ So sei die Altersgrenze etwa bei manchen Antilopenarten in Zoos nicht genau zu ermitteln, denn als Futtertiere sterben sie meist nicht eines natürlichen Todes, sondern werden abgeschossen.
Dann gibt es wiederum Tierarten, bei denen das Ergebnis der Studie für Laien erstaunlich, aber für Fachleute durchaus erklärbar ist. Rehe zum Beispiel werden in Zoos nicht alt. „Die sind äußerst schwer zu halten, weil sie eben das Durchstreifen von Waldgebieten brauchen und mal da, mal dort an einem Ast knabbern wollen. Das können wir ihnen nicht bieten“, sagt der stellvertretende Tiergartenchef. Notfalls heißt das dann für einen Zoo auch, die Haltung einer bestimmten Art aufzugeben.

Erkenntnisse, die man dabei erlangt, können auch dem Schutz der Tiere in freier Wildbahn zugute kommen. Gerade bei Wiederansiedlungsprojekten für bedrohte Arten wie die Przewalskipferde habe sich gezeigt, dass der ursprüngliche Lebensraum für die Erhaltung der Art gar nicht ideal ist. Das liegt vor allem am Menschen, der diese Gegenden für die betreffenden Tiere einfach zu stark verändert hat. „Viele Tierarten überleben heute nur noch im Kulturland“, sagt Mägdefrau. Die Forscher haben noch eine weitere Erkenntnis gewonnen, welche die Lebenserwartung der Tiere beeinflussen kann: Die Tatsache, ob es sich um Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt. Fleischfresser leben demnach im Zoo länger, zeigen aber auch eher Verhaltensauffälligkeiten als in der Natur.
Helmut Mägdefrau zieht aus der Untersuchung folgenden Schluss: „Wenn die Lebenserwartung im Zoo nicht höher ist als im Freiland, ist was faul. Dann muss die Haltung verändert werden.“ Heutzutage hätten die Zoos da einen großen Vorteil: „Sie sind gut miteinander vernetzt und können Informationen schnell und leicht weitergeben. Es ist nicht mehr so wie früher, als noch jeder vor sich hingewurstelt hat.“ Und das kommt schließlich den Tieren am meisten zugute.

Weltältester Gorilla stirbt mit 60 Jahren

Colo, das älteste Gorillaweibchen der Welt, ist im Zoo von Ohio im Schlaf gestorben. Letzten Dezember hatte der Zoo noch ihren 60. Geburtstag gefeiert (Foto: Grahm S. Jones/Columbus Zoo and Aquarium/dpa). 60 Jahre – das passt hervorragend zu der Studie, über die ich hier schon geschrieben habe: Zootiere leben länger – auch wenn Zoogegner das nicht wahr haben wollen. Colo ist etwa 20 Jahre älter geworden als Gorillas sonst. Und: Sie hat noch einen weiteren Superlativ erreicht, denn sie war der erste Gorilla, der auch in einem Zoo geboren wurde. Ihr Name setzt sich aus den ersten Buchstaben von Columbus und Ohio zusammen. Colo galt als Botschafterin für diese Menschenaffenart, die in der Natur stark gefährdet ist. Laut dem Zoo-Verband AZA  werden 350 Gorillas in Zoos gehalten.

Die Gorilladame hat auch für ausreichend Nachkommen gesorgt: Sie selbst hat drei Junge geboren – Emmy, Oscar und Toni –,  woraus nicht weniger  als 16 Enkel, 12 Urenkel und drei Ur-Urenkel hervorgegangen sind. Woran genau Colo gestorben ist, will der Zoo noch herausfinden. Danach soll ihre Asche beigesetzt werden.

Der älteste Gorilla im Nürnberger Tiergarten ist übrigens Fritz, der 1963 geboren wurde und noch ein Wildfang ist; er stammt aus Kamerun. Und die Gorilla-Dame Fatou im Berliner Zoo wird in diesem Jahr 60.

Habibu ist auf einem guten Weg

Über das Gorillaweibchen Habibu im Tiergarten Nürnberg habe ich hier schon geschrieben. Sie ist leider ein echtes Sorgenkind – aber so etwas kommt eben auch unter Zootieren vor. Nach monatelangen gesundheitlichen Problemen, wegen derer das Tier von seinen Artgenossen getrennt wurde, scheint nun aber das Schlimmste überstanden: Habibu konnte endlich wieder in die Gorillagruppe im Affenhaus zurückkehren. Dieser Erfolg ist nicht nur den Nürnberger Tierpflegern und Tierärzten zu verdanken – die Veterinäre haben Kollegen aus ganz Europa und auch Humanmediziner in diesem schwierigen Fall hinzugezogen.

Habibu wird im Juli neun Jahre alt und kam aus dem Zoo Zürich, wo sie auch geboren wurde, im September 2014 nach Nürnberg. Am Anfang sah alles gut aus: Sie integrierte sich schnell in ihrer neuen Gruppe. Doch mit einer Verletzung am Fuß, genauer gesagt: an der rechten Ferse, im Frühjahr 2015 nahm das Unglück seinen Lauf. Denn die Wunde heilte äußerst langsam. Außerdem bekam Habibu offenbar Kopfschmerzen und reagierte manchmal aggressiv gegenüber ihren Artgenossen. Weitere Verletzungen an der rechten Ferse machten die Sache nicht besser, vor allem, weil die Heilung einfach nicht vorankam.

So wurde Habibu in Narkose gelegt und gründlich untersucht – Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber und Borreliose. Sorgen machte den Zoomitarbeitern auch, dass Habibus Körpergewicht von 56 auf 52,5 Kilogramm gesunken war. Also wurde Habibu zu weiteren medizinischen Behandlungen und aus Sicherheitsgründen von der Gruppe durch Gitter abgetrennt. Sie verlor immer noch weiter an Gewicht. Die Gorilladame machte aber zum Glück gut beim medizinischen Training mit und erholte sich – langsam, aber immerhin. Den Verdacht auf eine Autoimmunkrankheit als eventuell zusätzliche Ursache für die schlechte Wundheilung können die Tierärzte nicht ausschließen.

Inzwischen sind die Wunden weitgehend abgeheilt, Habibu ist etwas gewachsen und hat deutlich zugenommen; sie wiegt inzwischen 76,4 Kilo. Auch die Medikamente konnten abgesetzt werden. Als sie in die Gruppe zurückkehrte, wurde sie von den vier anderen Gorillas (Lena, Bianca, Louna und Fritz) freudig begrüßt. Da zeigte sich, wie gut die sozialen Strukturen in dieser Gruppe funktionieren: Es gab viele herzliche, ja fast schon zärtliche Körperkontakte. Nun muss man sehen, wie sich Habibu gesundheitlich weiterentwickelt. Ich hoffe, sie ist auf einem guten Weg!

Neue Hoffnung für Orang-Utans

Orang

Manchmal wollen Menschen Tieren helfen, übersehen dabei aber, dass sie genau dadurch neue Probleme schaffen. Das hier ist ein Beispiel dafür: Orang-Utans (Foto: Serge Wich/Science Advances/dpa) sind die einzigen Großen Menschenaffen, die es überhaupt noch in Asien gibt. Wenn Orangs dort aus Auffangstationen freigelassen werden, besteht die Gefahr, dass durch Paarung mit Tieren aus dem Freiland Mischlinge entstehen, die nur eine geringe Überlebenschance haben. Damit haben sich jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig befasst. Sie machen darauf aufmerksam, dass diese Menschenaffen ausschließlich in ihrer Herkunftsregion freigelassen werden dürfen.

In Indonesien ist seit Jahren der natürliche Lebensraum der Orang-Utans durch Abholzung und Wilderei in Gefahr. Der Orang-Utan-Bestand schmilzt dahin. Orangs leben auf der Insel Borneo und auf der ungefähr 1200 Kilometer entfernten Insel Sumatra. Laut WWF gibt es auf Borneo noch rund 54.000 Tiere. Nach einer neuen Studie sollen auf Sumatra doppelt so viele Orang-Utans leben wie bisher angenommen, nämlich über 14.600. Das hat ein Forscherteam der Universität von Liverpool herausgefunden. Die Affen leben nämlich auch in höher gelegenen Berggebieten und in Waldgebieten, wo Holz geschlagen wird. Borneo-Orang-Utans haben im Lauf von etwa 176.000 Jahren drei geografisch isolierte Unterarten mit bestimmten Merkmalen herausgebildet, was sich aber nur durch DNA-Tests sicher feststellen lässt.

Solche Tests haben die Wissenschaftler nun auch bei Auswilderungen von Orang-Utans in den Tanjung Puting Nationalpark im Süden der Insel Borneo angewandt, wo öfter Affen einer nicht in der Region heimischen Unterart freigelassen wurden. Die Paarung mit den Freiland-Tieren blieb natürlich nicht aus. Mit negativen Folgen für den Nachwuchs: Der war der schwächer war als andere Jungtiere, brachte selbst weniger Babys zur Welt oder auch Junge, die früher starben oder oft krank wurden. Es kann sogar dazu kommen, dass durch diese Kreuzungen die schlechten Eigenschaften vererbt werden. Langfristig würde das dazu führen, das die Population schrumpft. Allerdings muss das nicht passieren – die Fortpflanzung mit Artgenossen aus einer anderen Unterart kann auch gut funktionieren. Man spricht dann von „Hybrid-Vitalität“.

Zurzeit sind in den Auffangstationen auf Borneo und Sumatra rund 1500 Orang-Utans für die Auswilderung bereit. Vorher sollen aber noch Gentests durchgeführt werden, damit es nicht mehr zur Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten kommen kann. Wenn die Forscher das durchsetzen, kann man neue Hoffnung für die Zukunft dieser wunderbaren Tiere schöpfen.

Die Welt lacht mit einem Affen

Dieses YouTube-Video geht derzeit im Netz rauf und runter: Über 1,5 Millionen Mal wurde es seit dem Hochladen vor zwei Tagen geklickt. Aufgenommen wurde es im Zoo von Barcelona. Ein „Zaubertrick“, den ein Orang-Utan offenbar zum Kringeln findet. Der Affe bricht – so sieht es zumindest aus – in brüllendes Gelächter aus, als die Kastanie durch Zauberei verschwunden ist. Vorher verfolgt er die „Zauber-Vorstellung“ konzentriert und aufmerksam.

Egal, ob wir als Betrachter die Reaktion des Orang-Utans aus rein menschlicher Sicht interpretieren und sein Brüllen nur für Gelächter halten, weil in diesem Augenblick auch der „Zauberer“ in lautes Gelächter ausbricht, oder ob diese Menschenaffen wirklich so ticken wie wir: Es ist einfach ein köstliches Video, das man sich ganz anschauen sollte. „Buzzfeeed“, der junge Mann, der das Filmchen hochgeladen hat, meint, der Orang würde uns einen „fucking day“ bescheren. Naja, wenn er meint. (Übersetzt wird das in der Erklärung übrigens mit „Sie verdienen diese Freude.“)

Das ist brandgefährlich für Orang-Utans!

OrangSie gehören sowieso schon zu den bedrohten Tierarten. Jetzt wurden Orang-Utans in Indonesien auch noch durch verheerende Waldbrände gefährdet, sowohl in Schutzgebieten als auch in freier Wildbahn. Eine Feuerwalze hat das Land mit beißendem Rauch überzogen und ganze Lebensräume der Menschenaffen praktisch zerstört. Auf der Insel Borneo kämpfen Tierschützer in einer Rettungsstation seit Tagen um das Überleben ihrer Schützlinge. Inzwischen haben zwar Regenfälle wenigstens den Smog gemindert, der durch die Waldbrände entstanden war, auch die Luft wurde etwas besser. Aber über 500 Orang-Utans sind mit Atemwegserkrankuungen in einem Reha-Zentrum in der Provinz Kalimantan in Behandlung.

Ein solches Phänomen ist für uns hierzulande kaum vorstellbar: In Indonesien wüten seit zwei Monaten Tausende von Bränden. Zum großen Teil wurden sie  von Menschen gelegt: zum Zweck der Brandrodung. Damit entsteht Platz für neue Ölpalmen- oder Industrieholz-Plantagen. In Kalimantan und auf der benachbarten Insel Sumatra zerstörten die Wald- und Torffeuer bisher 1,7 Millionen Hektar Wald. Auf Sumatra sind auch andere Tiere wie Sumatra-Tiger und Sumatra-Elefanten bedroht. Zwar treten dort jedes Jahr während der Trockenzeit Brände auf, heuer ist es aber wegen El Nino besonders schlimm – die diesjährige Katastrophe wird als die verheerendste seit 1997 eingeschätzt.

Man befürchtet, dass in den Wäldern auch Orang-Utans verbrannt sind. Veterinäre, Kletterer und Techniker mit Betäubungspfeilen sind nun im Einsatz, um in Not geratene Affen aufzuspüren. Orangs, die aus dem Feuer gerettet wurden, sind oft unterernährt, dehydriert und haben panische Angst vor Menschen. Die Mitarbeiter der Orang-Utan-Station können nicht verstehen, dass es immer noch kaum Fortschritte bei der Brandbekämpfung gibt, obwohl diese Feuer seit rund 20 Jahren etwa zur gleichen Zeit wieder ausbrechen.

Dieser Frage kann ich mich nur anschließen. Ich frage mich auch, warum die vielen Brandrodungen nicht gestoppt werden können. Aber vielleicht will man das ja gar nicht wirklich, aus wirtschaftlichen Gründen?

Soll Robby den Zirkus verlassen?

BellyWieder einmal macht ein Zirkustier Furore: Diesmal ist es Schimpanse Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus. Seit fast 40 Jahren gehört er nun schon zum „Circus Belly“ und ist fast so etwas wie ein Familienmitglied der Truppe. Das soll sich jedoch bald ändern, denn der Amtstierarzt hat dem Zirkus die Genehmigung zur Haltung des Menschenaffen jetzt nicht mehr verlängert. Robby soll in eine Spezialeinrichtung zur Resozialisierung von Schimpansen, damit er künftig unter Artgenossen leben kann. Die jetztige Haltung im Zirkus sei nicht artgerecht.

Robby kam zum Circus Belly, als er drei Jahre alt war und wurde dort fast wie ein Menschenkind behandelt. Kein Wunder, dass der Zirkusdirektor nun auf die Barrikaden geht. Er will es nicht zulassen, dass Robby woanders eingesperrt wird und meint, das sei das sichere Ende des Schimpansen. Er verweist auch darauf, dass vor gar nicht langer Zeit Amtsveterinäre dem Zirkus bescheinigt hätten, dass es Robby gut gehe. Und laut einem Gutachten soll der Affe auch zu alt für eine Resozialisierung sein. Zu dem jetzt ausgesprochenen Verbot ist es nach Ansicht des Zirkusdirektors nur gekommen, weil sich der Tierarzt nicht länger mit den Tierrechtsaktivisten von Peta habe herumärgern wollen, die schon seit langem für die Freilassung von Robby eintreten.

Die niederländische Stiftung „Aap“ hat zugesagt, dass sie Robby zur Sozialisierung aufnehmen will. Dort soll er Schritt für Schritt lernen, in einer Gruppe Schimpansen zu leben. Nach Erfahrung der Einrichtung kann eine solche Wiedereingliederung unterschiedlich lang dauern.

Ich bezweifle eher, dass dieser Weg dazu führt, dass Robby glücklicher wird. Dass Schimpansen mittlerweile nicht mehr als Zirkustiere gehalten und präsentiert werden dürfen, finde ich zwar richtig. Aber in diesem Einzelfall, wo das Tier seit fast vier Jahrzehnten an seine Umgebung und „seine“ Menschen gewöhnt ist und auch schon ein beträchtliches Alter erreicht hat, halte ich es für falsch, es aus seinem vertrauten Leben herauszureißen. Soll Robby doch sein Leben als letzter Zirkusaffe Deutschlands beenden dürfen!

Urheberrecht für Tiere?

NarutoFür mich schießen die Tierrechtler von Peta wieder mal den Vogel ab. Ihr neuester Coup: Sie fordern ein Urheberrecht für Tiere und haben im Streit um das Urheberrecht an Tier-Selfies bei einem Bundesgericht in San Francisco Klage im Namen eines betroffenen Affen eingereicht. Peta verlangt, der sechs Jahre alte Makake Naruto von der indonesischen Insel Sulawesi solle zum Urheber und Eigentümer seines Fotos erklärt werden. Begünstigt wird diese abstruse Geschichte durch die Tatsache, dass das Urheberrechtsgesetz in den USA  einem Tier nicht das Copyright verbietet. Peta argumentiert nun, der Makake habe das Selfie von sich gemacht, daher liege auch das Copyright bei ihm.

Und so ist es ursprünglich zu dem Selfie gekommen: Der britische Fotograf David Slater hatte vor vier Jahren auf Sulawesi eine Serie von Tierbildern aufgenommen. In einem Buch, das er später veröffentlichte, waren auch zwei Selfies von Naruto abgedruckt. Für den Fotografen steht es außer Frage, dass er das Urheberrecht an den Fotos hat. Schließlich habe er das Stativ aufgebaut und sich dann nur für wenige Minuten davon entfernt. In dieser kurzen Zeit hat der Makake dann Slaters Kamera an sich gerissen.

Was Naruto mit dem Urheberrecht anfangen will, sollte er es vom Gericht zugesprochen bekommen, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber den Tierrechtlern von Peta geht es offenbar wieder mal ums Prinzip, nicht um den Sinn ihrer Aktivitäten.

Glück in Frankfurt, Entsetzen in Breslau

Herzlichen Glückwunsch an den Frankfurter Zoo! Dort hat die  Gorilladame Dian Zwillinge bekommen – die erste Zwillingsgeburt bei diesen Menschenaffen in Frankfurt seit fast 50 Jahren. Noch ist das Geschlecht der Gorillababys nicht bekannt, weil Dian ihre Kleinen ganz eng am Körper hält, so dass die Pfleger nicht sehen können, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt. Die beiden Kleinen sind das zweite und dritte Baby von Dian. Vater der Zwillinge ist der Silberrücken Viatu. Nachdem die Geburt unter den Augen einer Pflegerin problemlos abgelaufen war, macht man sich im Zoo inzwischen Sorgen um eines der Zwillingsbabys, das sehr schwach wirkt. Die Pfleger kommen aber nicht an die Gorillamutter und ihren Nachwuchs heran, um das Kleine zu untersuchen. Besorgt sind die Zoomitarbeiter vor allem deshalb, weil erst im Juli das Baby des Gorillaweibchens Shira aus bisher unbekannten Gründen gestorben war.

So sehr man sich in Frankfurt über die Gorilla-Zwillingsgeburt freut, so groß ist das Entsetzen im Zoo von Breslau: Ein Sumatra-Tiger hat in seinem Außengehege einen Pfleger tödlich verletzt, der dort anscheinend den Rasen mähte. Schockierte Kollegen des 57-jährigen Mannes haben angegeben, dass er ein sehr erfahrener Tierpfleger gewesen sei. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, weiß man noch nicht. Der schreckliche Vorfall überschattet die Jahreskonferenz des europäischen Zooverbands EAZA, die noch bis zum 19. September im Breslauer Tierpark stattfindet und zu der über 700 Teilnehmer aus aller Welt angereist sind.

Nachtrag: Wie ich oben angedeutet hatte, sorgten sich die Tierpfleger in Frankfurt gestern schon um eines der beiden Gorillababys. Nun ist das Kleine tatsächlich gestorben, die Todesursache ist noch unklar. Gorillamutter Dian trägt immer noch beide Babys mit sich herum. Die Pfleger wollen ihr das tote Baby nicht wegnehmen, sondern warten, bis sie es von selbst ablegt. Dem Geschwisterchen geht es aber – Gott sei Dank! – nach wie vor gut.

Schon wieder haltlose Vorwürfe

gorillafbZugegeben: Dieses Foto vom verletzten Fuß der Gorilladame Habibu im Tiergarten Nürnberg sieht schrecklich aus. Es wurde von der Tierrechtsorganisation Great Ape Project im Internet verbreitet, die dem Zoo eine mangelnde medizinische Versorgung des achtjährigen Gorillaweibchens vorwirft. Auf Facebook erschienen dazu die üblichen Kommentare, etwa „Dieser Zoo gehört angezeigt!“. In einem Beitrag wird behauptet, die Tierärzte seien untätig und würden wohl lieber in den Biergarten sitzen, statt etwas zu unternehmen.

Und das ist das, was mich genauso aufregt wie die Verantwortlichen im Tiergarten oder in anderen Zoos: Irgendwelche Behauptungen oder Unwahrheiten lassen sich kinderleicht über das Netz verbreiten. Die Zoos geraten jedesmal in Zugzwang und müssen sich verteidigen. Am Ende bleibt immer der Eindruck, dass wohl schon was dran sein wird an den Vorwürfen.

Dabei könnte man vieles durch einfaches Nachfragen klären. Das hat in diesem Fall eine Kommentatorin auf Facebook auch getan. Sie hat Antwort vom Tiergarten bekommen und diese ebenfalls gepostet. Doch manche interessiert die Antwort gar nicht. Sie werfen dieser Kommentatorin lieber Naivität und was weiß ich noch alles vor.

Ich habe für die „Nürnberger Zeitung“ bei Zootierärztin Katrin Baumgartner nachgefragt, was mit Habibu los ist. Die Veterinärin hat mir erzählt, dass die Fußverletzung schon einige Zeit her ist und ganz gut verheilt war, aber Habibu kratzt sie sich immer wieder auf. Weil das Tier auch immer wieder Magen- und Darmprobleme hat, wurde es vor kurzem für eine umfangreiche Untersuchung, bei der ein Humanmediziner und ein Zahnarzt hinzugezogen wurden, in Narkose gelegt. Es wurde eine Gastroskopie gemacht, außerdem Ultraschall, und Habibu wurde Blut abgenommen. Bisher konnte aber noch keine Ursache für die instabile Gesundheit des Gorillas gefunden werden. Derzeit wird Habibu mit Antibiotika behandelt.