PETA lernt nichts dazu!

Das war ja nicht anders zu erwarten: Nach dem Tod zweier „Senioren“ im Tiergarten Nürnberg vor ein paar Wochen – Gorilla Fritz und der Große Tümmler Moby (Foto: Timm Schamberger, dpa) sind beide im September gestorben – treten nun wieder die Tierrechtler auf den Plan. Was sie fordern, ist allerdings keine große Überraschung: Der Tiergarten soll die Haltung von Gorillas, anderen Menschenaffen  und Delfinen einstellen. (Anmerkung meinerseits: Der Tiergarten hält gar keine anderen Menschenaffen mehr als Gorillas – aber so genau braucht man sich bei PETA wohl nicht zu informieren.)

PETA hat dazu eine Massenmail verschickt. Darin wird kritisiert, dass die Zooleitung einen neuen Haremsführer für die Gorilladamen sucht. (Anmerkungen meinerseits: Der Tiergarten hält dafür über das EEP in anderen Zoos nach einem geeigneten Silberrücken Ausschau. Und für Delfinmann Moby wird in nächster Zeit kein weiterer Bulle nach Nürnberg kommen, solange die leckende Delfinlagune saniert wird.) PETA plädiert dafür, lieber den natürlichen Lebensraum der Tiere zu erhalten, um diese Arten effektiv zu schützen, statt „Menschenaffen und Delfine einzusperren und zur Schau zu stellen“. Das sei mit dem heutigen Wissen über diese Arten nicht zu vereinbaren. „Tiere werden wie Gefängnisinsassen zwischen den Zoos hin- und hergeschoben“, kritisiert die Tierrechtsorganisation in der erwähnten Mail.

Nun ist ja nichts dagegen einzuwenden, die natürlichen Lebensräume von Tieren zu schützen. Zoos haben darauf zwar nur bedingt Einfluss, beteiligen sich aber an unterschiedlichen Naturschutzprojekten. Der Tiergarten Nürnberg zum Beispiel  tut dafür einiges durch Yaqu Pacha, die im Tiergarten beheimatete Gesellschaft zum Schutz wasserlebender Säugetierarten Südamerikas. Das erwähnt PETA vorsichtshalber nicht in Veröffentlichungen wie der neuesten Massenmail.

Und dann kommt wieder einmal die alte PETA-Leier: Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans seien „dem Menschen derart ähnlich“, dass sie „die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen“. Die intelligenten Tiere, so heißt es weiter, seien durchaus fähig, „Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“ zu verspüren. Da frage ich mich schon: Wurden Fritz und Moby aus reiner Verzweiflung so alt? Hat Moby aus Hoffnungslosigkeit heraus für Nachkommen gesorgt, die ihrerseits schon wieder Junge haben?

Einen äußerst fundierten Beitrag über das Verhältnis von Menschen zu „intelligenten“ Tieren hat übrigens der Biologe Benjamin Schulz verfasst, den ich zur Lektüre nur empfehlen kann; Ihr findet ihn hier.

Wem sollen diese Tests nützen?

Man könnte sich bei den Nachrichten dieser Tage angesichts der „Abgastests“ der Automobilindustrie mit Affen schier die Haare raufen. Doch diese unsäglichen Versuche sind ja nur ein Teil dessen, was an toxikologischen Versuchen mit Affen sonst noch so läuft. Darauf hat jetzt auch die Tierschutzorganisation „Ärzte gegen Tierversuche“ wieder hingewiesen. So gibt es zum Beispiel eine Statistik, nach der im Jahr 2016 in Deutschland 1789 Affen für Versuche mit giftigen Substanzen genutzt wurden. Und im vergangenen Jahr hat man 1328 Affen mit dem Futter oder über Inhalation 28 Tage lang schädliche Substanzen verabreicht. Solche Tiere werden im Anschluss daran in den meisten Fällen getötet, um ihre Organe auf Schädigungen hin untersuchen zu können.

„Ärzte gegen Tierversuche“ fordert nun eine Gesetzesänderung, um solche unethischen Versuche an allen Tieren zu verbieten. Im Hinblick auf die Abgas-Versuche mit Affen, die der Autokonzern Volkswagen durchgeführt hat, hat die Organisation klargestellt, dass solche Versuche auch aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig seien: Es könnten nämlich keinerlei Rückschlüsse auf den Menschen gezogen werden.

Ich frage mich, was noch alles passieren muss, bevor derartige Versuche endlich gesetzlich unterbunden werden. Darf sich die Autoindustrie denn bei uns wirklich alles erlauben?

Es ist so weit: Die ersten Klon-Affen sind da


Das wird sicherlich als Riesenerfolg in die Geschichte der Wissenschaft eingehen: Über 20 Jahre nach der Geburt von Klonschaf Dolly haben chinesische Forscher jetzt zwei Affen mit der bei Dolly angewandten Klon-Methode „erzeugt“. Die beiden Äffchen sind Javaneraffen und haben die Namen Zhong Zhong und Hua Hua bekommen (Foto: dpa). Die zwei wurden lebendig geboren und haben bereits die ersten Wochen überlebt. Das kann man als echte Sensation einordnen, denn bisher hat die Dolly-Klon-Methode noch nie bei Affen funktioniert – bei anderen Tierarten wie zum Beispiel Kühen, Schweinen und Hunden hat sie dagegen geklappt.

Ich bin grundsätzlich skeptisch, was das Klonen von Tieren angeht. Mag sein, dass die Klon-Technik für die Erforschung neuer Therapien – beispielsweise gegen neurologische Krankheiten – Erfolge bringen kann. Auch für die Entwicklung neuer Arzneien soll sie hilfreich sein. Aber in ethischer Hinsicht empfinde ich das Klonen als äußerst fragwürdige Methode. Nun sind wir also schon bei Klon-Affen angelangt. Da ist der Schritt, auch Menschenaffen zu klonen, meiner Ansicht nach nicht mehr weit, auch wenn das offiziell immer strikt ablehnt wird. Ich fürchte, irgendeine ehrgeizige Forschergruppe wird sich eines Tages nicht mehr davon abhalten lassen. Auch bei den beiden Javaneraffen geht es mit Sicherheit nicht nur um hehre Wissenschaft, sondern auch um das Prestige von China: Die beiden Namen der Äffchen wurden bestimmt nicht zufällig gewählt. Zusammengenommen, also „Zhonghua“,  bedeuten sie so viel wie „chinesische Nation“.

Luxusanlage für Pippi Langstrumpfs Lieblingstiere

Und wieder gibt es Neuigkeiten über die Totenkopfäffchen im Nürnberger Tiergarten (hier zusammen mit Tierpfleger Ramón Göschel, Foto: Günter Distler). Viele Zoobesucher – vor allem Kinder – kennen diese kleinen Primaten hauptsächlich durch die Pippi Langstrumpf-Geschichten, in denen Pippis Affe „Herr Nilsson“ ja eine wichtige Rolle spielt. Darüber habe ich in meinem Blog schon ab und zu geschrieben, zuletzt hier.

Im Frühjahr waren die Totenkopfäffchen aus dem Ausweichquartier im Gut Mittelbüg in Schwaig in ihr angestammtes Gehege zurückgekehrt. Die Totenkopfäffchen-Anlage ist im Giraffenhaus untergebracht, die lustigen Zoobewohner können sich frei von der Anlage im Innern des Hauses in einen vorgebauten Wintergarten bewegen. Dort ist jetzt für Besucher ein überdachter Unterstand neu hinzugekommen, durch den man während der kalten Jshreszeit vor Regen und Wind geschützt ist. Und auch die bislang störende Spiegelung des verglasten Wintergartens gehört endlich auch der Vergangenheit an. – Die Äffchen können in der wärmeren Jahreszeit über eine Art Hängebrücke zu einer eigenen kleinen Insel mit einer riesigen Eiche gelangen, ein Ort den sie sehr genießen. weiter lesen

Endlich haben die Qualen ein Ende

Das ist mal ein Riesenerfolg für Tierschützer und passt wunderbar zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April: Durch jahrelange Proteste haben Tierschützer es geschafft, dass das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen seine Versuche an Affen endgültig eingestellt hat.  Einem als Pfleger arbeitenden Tierschützer war es gelungen, die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich zu filmen. Dadurch kamen Aufnahmen ans Licht, die zum Beispiel Affen mit Gehirnimplantaten zeigen. Eines der Tiere ist mit blutverschmiertem Kopf zu sehen, einem anderen Affen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Gegen die unhaltbaren Zustände hatten Tierschützer immer wieder Demonstrationen und Mahnwachen veranstaltet. Ein Durchhaltevermögen, das sich wirklich gelohnt hat!

Pippi Langstrumpf würde sich freuen

Vor allem die Kinder unter den Zoobesuchern haben sie vermisst – die Totenkopfäffchen im Nürnberger Tiergarten. Ihre Anlage am Giraffenhaus wurde ein gutes Jahr lang umgebaut, und während dieser Zeit waren die Tiere im Ausweichquartier Gut Mittelbüg untergebracht. Aber nun sind sie zurück und wieder an ihrem angestammten Platz zu sehen: entweder im umgestalteten Haus oder auf der Bauminsel gegenüber, wo sie auf den Ästen nach Herzenslust herumklettern. Die meisten Kinder fahren total auf Totenkopfäffchen ab – sie kennen schließlich „Herrn Nilsson“ aus den Pippi Langstrumpf-Büchern und -Filmen. Was wahrscheinlich nur wenige wissen: Die kleinen Primaten werden auch als Saimiri bezeichnet, und auf Englisch heißen die Tiere „squirrel monkeys“, also „Eichhörnchenaffen“. Das kommt wohl daher, dass sie mit ihrem langen Schwanz auf den Ästen balancieren und bei der Fortbewegung an Eichhörnchen erinnern. Ihre ursprüngliche Heimat ist Südamerika. Dort leben sie in ganz unterschiedlich großen Gruppen, bevorzugt im Bereich der Baumwipfel. Der Bestand in freier Wildbahn ist rückläufig, aber sie sind (noch?) nicht als bedroht eingestuft.

Mit der guten Nachricht über die Rückkehr der Totenkopfäffchen wünsche ich allen Lesern ein schönes Osterfest!

Zootiere werden älter, die zweite!

Über die Studie, dass Zootiere älter werden als ihre Artgenossen in der Wildnis, habe ich hier ja schon geschrieben, als sie gerade erschienen war. Nun habe ich aber im Tiergarten Nürnberg nachgefragt, was man daraus  für die Zooarbeit herausziehen kann. „Wir fühlen uns bestätigt, nehmen die Studie aber auch als Ansporn, unsere Tierhaltung noch weiter zu verbessern“, sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Das Foto von Dieter Wegener zeigt den Silberrücken Fritz. Er ist zwar noch ein Wildfang (1963 aus Kamerun), hat aber fast sein ganzes Leben im Zoo verbracht – seit 1970 im Nürnberger Tiergarten. Mittlerweile hat er fast 54 Jahre auf dem Buckel.

Die Verfasser der Studie haben herausgefunden, dass 84 Prozent der über 50 untersuchten Säugetierarten in zoologischen Gärten ein höheres Alter erreichen als in freier Natur. Lange Zeit war es schwierig, die Geburts- und Todesdaten von Tieren in der Wildbahn zu bestimmen. Inzwischen haben Wissenschaftler jedoch genügend statistisches Material darüber gesammelt, um einen Vergleich in Sachen Lebensdauer zwischen ihnen und Zoobewohnern derselben Art ziehen zu können.

Auffallend ist: Arten mit schnellem Lebensrhythmus – das heißt etwa: frühe Geschlechtsreife, starke Vermehrung und viele Stressfaktoren – werden im Zoo deutlich älter als Wildtiere derselben Art. Dagegen ist bei Tieren, die „von Natur aus“ eine höhere Lebenserwartung haben, sich erst später und weniger stark vermehren sowie eine längere Tragezeit haben, der Unterschied zwischen der Lebenserwartung im Zoo und in Freiheit eher gering. An Beispielen erklärt: Primaten werden im Zoo sehr alt und können im Freiland sogar noch älter werden. Dasselbe gilt für Flusspferde und Elefanten; vor allem Elefantenkühe scheinen – altersmäßig betrachtet – kaum Vorteile von einer Haltung in Menschenobhut zu haben. Kaninchen oder Wallabys hingegen besitzen in Zoos wesentlich mehr Aussichten, zum Methusalem zu reifen, als draußen in der Natur.

Einen Schluss erlaubt die Studie übrigens nicht: Dass es Zootieren besser geht als Tieren in freier Natur, wie Helmut Mägdefrau sofort einräumt: „Das Empfinden von Tieren ist nach wie vor für uns Menschen nicht messbar.“ Ob Tiere die Zoohaltung als Einschränkung oder gar als Gefangenschaft interpretieren, weiß niemand. Doch er weist gleichzeitig auf etwas anderes hin: Das Ergebnis der Untersuchung fiele noch eindeutiger zugunsten von Zootieren aus, wenn deren Todesursache in jedem Fall mit in die Rechnung einfließen würde: „Die Verfütterung von Zootieren wurde dabei nicht erfasst.“ So sei die Altersgrenze etwa bei manchen Antilopenarten in Zoos nicht genau zu ermitteln, denn als Futtertiere sterben sie meist nicht eines natürlichen Todes, sondern werden abgeschossen.
Dann gibt es wiederum Tierarten, bei denen das Ergebnis der Studie für Laien erstaunlich, aber für Fachleute durchaus erklärbar ist. Rehe zum Beispiel werden in Zoos nicht alt. „Die sind äußerst schwer zu halten, weil sie eben das Durchstreifen von Waldgebieten brauchen und mal da, mal dort an einem Ast knabbern wollen. Das können wir ihnen nicht bieten“, sagt der stellvertretende Tiergartenchef. Notfalls heißt das dann für einen Zoo auch, die Haltung einer bestimmten Art aufzugeben.

Erkenntnisse, die man dabei erlangt, können auch dem Schutz der Tiere in freier Wildbahn zugute kommen. Gerade bei Wiederansiedlungsprojekten für bedrohte Arten wie die Przewalskipferde habe sich gezeigt, dass der ursprüngliche Lebensraum für die Erhaltung der Art gar nicht ideal ist. Das liegt vor allem am Menschen, der diese Gegenden für die betreffenden Tiere einfach zu stark verändert hat. „Viele Tierarten überleben heute nur noch im Kulturland“, sagt Mägdefrau. Die Forscher haben noch eine weitere Erkenntnis gewonnen, welche die Lebenserwartung der Tiere beeinflussen kann: Die Tatsache, ob es sich um Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt. Fleischfresser leben demnach im Zoo länger, zeigen aber auch eher Verhaltensauffälligkeiten als in der Natur.
Helmut Mägdefrau zieht aus der Untersuchung folgenden Schluss: „Wenn die Lebenserwartung im Zoo nicht höher ist als im Freiland, ist was faul. Dann muss die Haltung verändert werden.“ Heutzutage hätten die Zoos da einen großen Vorteil: „Sie sind gut miteinander vernetzt und können Informationen schnell und leicht weitergeben. Es ist nicht mehr so wie früher, als noch jeder vor sich hingewurstelt hat.“ Und das kommt schließlich den Tieren am meisten zugute.

Weltältester Gorilla stirbt mit 60 Jahren

Colo, das älteste Gorillaweibchen der Welt, ist im Zoo von Ohio im Schlaf gestorben. Letzten Dezember hatte der Zoo noch ihren 60. Geburtstag gefeiert (Foto: Grahm S. Jones/Columbus Zoo and Aquarium/dpa). 60 Jahre – das passt hervorragend zu der Studie, über die ich hier schon geschrieben habe: Zootiere leben länger – auch wenn Zoogegner das nicht wahr haben wollen. Colo ist etwa 20 Jahre älter geworden als Gorillas sonst. Und: Sie hat noch einen weiteren Superlativ erreicht, denn sie war der erste Gorilla, der auch in einem Zoo geboren wurde. Ihr Name setzt sich aus den ersten Buchstaben von Columbus und Ohio zusammen. Colo galt als Botschafterin für diese Menschenaffenart, die in der Natur stark gefährdet ist. Laut dem Zoo-Verband AZA  werden 350 Gorillas in Zoos gehalten.

Die Gorilladame hat auch für ausreichend Nachkommen gesorgt: Sie selbst hat drei Junge geboren – Emmy, Oscar und Toni –,  woraus nicht weniger  als 16 Enkel, 12 Urenkel und drei Ur-Urenkel hervorgegangen sind. Woran genau Colo gestorben ist, will der Zoo noch herausfinden. Danach soll ihre Asche beigesetzt werden.

Der älteste Gorilla im Nürnberger Tiergarten ist übrigens Fritz, der 1963 geboren wurde und noch ein Wildfang ist; er stammt aus Kamerun. Und die Gorilla-Dame Fatou im Berliner Zoo wird in diesem Jahr 60.

Habibu ist auf einem guten Weg

Über das Gorillaweibchen Habibu im Tiergarten Nürnberg habe ich hier schon geschrieben. Sie ist leider ein echtes Sorgenkind – aber so etwas kommt eben auch unter Zootieren vor. Nach monatelangen gesundheitlichen Problemen, wegen derer das Tier von seinen Artgenossen getrennt wurde, scheint nun aber das Schlimmste überstanden: Habibu konnte endlich wieder in die Gorillagruppe im Affenhaus zurückkehren. Dieser Erfolg ist nicht nur den Nürnberger Tierpflegern und Tierärzten zu verdanken – die Veterinäre haben Kollegen aus ganz Europa und auch Humanmediziner in diesem schwierigen Fall hinzugezogen.

Habibu wird im Juli neun Jahre alt und kam aus dem Zoo Zürich, wo sie auch geboren wurde, im September 2014 nach Nürnberg. Am Anfang sah alles gut aus: Sie integrierte sich schnell in ihrer neuen Gruppe. Doch mit einer Verletzung am Fuß, genauer gesagt: an der rechten Ferse, im Frühjahr 2015 nahm das Unglück seinen Lauf. Denn die Wunde heilte äußerst langsam. Außerdem bekam Habibu offenbar Kopfschmerzen und reagierte manchmal aggressiv gegenüber ihren Artgenossen. Weitere Verletzungen an der rechten Ferse machten die Sache nicht besser, vor allem, weil die Heilung einfach nicht vorankam.

So wurde Habibu in Narkose gelegt und gründlich untersucht – Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber und Borreliose. Sorgen machte den Zoomitarbeitern auch, dass Habibus Körpergewicht von 56 auf 52,5 Kilogramm gesunken war. Also wurde Habibu zu weiteren medizinischen Behandlungen und aus Sicherheitsgründen von der Gruppe durch Gitter abgetrennt. Sie verlor immer noch weiter an Gewicht. Die Gorilladame machte aber zum Glück gut beim medizinischen Training mit und erholte sich – langsam, aber immerhin. Den Verdacht auf eine Autoimmunkrankheit als eventuell zusätzliche Ursache für die schlechte Wundheilung können die Tierärzte nicht ausschließen.

Inzwischen sind die Wunden weitgehend abgeheilt, Habibu ist etwas gewachsen und hat deutlich zugenommen; sie wiegt inzwischen 76,4 Kilo. Auch die Medikamente konnten abgesetzt werden. Als sie in die Gruppe zurückkehrte, wurde sie von den vier anderen Gorillas (Lena, Bianca, Louna und Fritz) freudig begrüßt. Da zeigte sich, wie gut die sozialen Strukturen in dieser Gruppe funktionieren: Es gab viele herzliche, ja fast schon zärtliche Körperkontakte. Nun muss man sehen, wie sich Habibu gesundheitlich weiterentwickelt. Ich hoffe, sie ist auf einem guten Weg!

Neue Hoffnung für Orang-Utans

Orang

Manchmal wollen Menschen Tieren helfen, übersehen dabei aber, dass sie genau dadurch neue Probleme schaffen. Das hier ist ein Beispiel dafür: Orang-Utans (Foto: Serge Wich/Science Advances/dpa) sind die einzigen Großen Menschenaffen, die es überhaupt noch in Asien gibt. Wenn Orangs dort aus Auffangstationen freigelassen werden, besteht die Gefahr, dass durch Paarung mit Tieren aus dem Freiland Mischlinge entstehen, die nur eine geringe Überlebenschance haben. Damit haben sich jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig befasst. Sie machen darauf aufmerksam, dass diese Menschenaffen ausschließlich in ihrer Herkunftsregion freigelassen werden dürfen.

In Indonesien ist seit Jahren der natürliche Lebensraum der Orang-Utans durch Abholzung und Wilderei in Gefahr. Der Orang-Utan-Bestand schmilzt dahin. Orangs leben auf der Insel Borneo und auf der ungefähr 1200 Kilometer entfernten Insel Sumatra. Laut WWF gibt es auf Borneo noch rund 54.000 Tiere. Nach einer neuen Studie sollen auf Sumatra doppelt so viele Orang-Utans leben wie bisher angenommen, nämlich über 14.600. Das hat ein Forscherteam der Universität von Liverpool herausgefunden. Die Affen leben nämlich auch in höher gelegenen Berggebieten und in Waldgebieten, wo Holz geschlagen wird. Borneo-Orang-Utans haben im Lauf von etwa 176.000 Jahren drei geografisch isolierte Unterarten mit bestimmten Merkmalen herausgebildet, was sich aber nur durch DNA-Tests sicher feststellen lässt.

Solche Tests haben die Wissenschaftler nun auch bei Auswilderungen von Orang-Utans in den Tanjung Puting Nationalpark im Süden der Insel Borneo angewandt, wo öfter Affen einer nicht in der Region heimischen Unterart freigelassen wurden. Die Paarung mit den Freiland-Tieren blieb natürlich nicht aus. Mit negativen Folgen für den Nachwuchs: Der war der schwächer war als andere Jungtiere, brachte selbst weniger Babys zur Welt oder auch Junge, die früher starben oder oft krank wurden. Es kann sogar dazu kommen, dass durch diese Kreuzungen die schlechten Eigenschaften vererbt werden. Langfristig würde das dazu führen, das die Population schrumpft. Allerdings muss das nicht passieren – die Fortpflanzung mit Artgenossen aus einer anderen Unterart kann auch gut funktionieren. Man spricht dann von „Hybrid-Vitalität“.

Zurzeit sind in den Auffangstationen auf Borneo und Sumatra rund 1500 Orang-Utans für die Auswilderung bereit. Vorher sollen aber noch Gentests durchgeführt werden, damit es nicht mehr zur Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten kommen kann. Wenn die Forscher das durchsetzen, kann man neue Hoffnung für die Zukunft dieser wunderbaren Tiere schöpfen.