Bergmolch ist „Lurch des Jahres“

Molche stehen sicher nicht auf der Liste der beliebtesten Zootiere. Trotzdem ist es wichtig, dass sich Zoos auch für solche Tiere besonders einsetzen. Das tut der Tiergarten Nürnberg im Fall des Bergmolches (Foto: Michael Matejka): Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat ihn  zum „Lurch des Jahres 2019“ auserkoren. Der Tiergarten Nürnberg und der Tiergarten Schönbrunn, Wien, unterstützen die DGHT bei der Kampagne „Lurch des Jahres“ als Hauptsponsoren.

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Wo der Feldhamster zurückkehrt

Ich bin ganz vernarrt in diese Tiere – vielleicht, weil ich als Kind mehrere Goldhamster halten durfte. Feldhamster hingegen galten ja lange Zeit als Schädlinge und wurden bejagt oder mit Chemie unschädlich gemacht. So gründlich, dass diese Tierart heute auf der Roten Liste steht. Umso erfreulicher, dass es jetzt auf Feldern in der Nähe von Mannheim ein interessantes Projekt für Feldhamster gibt. Wissenschaftler versuchen dort 40 gezüchtete Hamster wieder anzusiedeln. Dafür haben Fachleute Löcher vorbereitet, in die sie mit Hilfe von Plastikrohren die Tiere hineinbugsieren. Mit Landwirten wurde vereinbart, dass die Hamster auf dem Gelände gute Lebensbedingungen haben sollen. Für die Nager wurde Luzerne angepflanzt, damit sie genügend Deckung, aber auch Nahrung finden. Ziel der Projekts ist es, eine tragfähige Population aufzubauen.

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Ein Tag für Papageienfreunde

Am nächsten Samstag kommen Papageienfreunde im Tiergarten Nürnberg voll auf ihre Kosten: Dort findet von 9 bis 16 Uhr in der „Waldschänke“ der vierte Nürnberger Papageientag statt (Foto: Harald Hofmann). Die Veranstaltung ist für Papageienbesitzer gedacht, es geht dabei um Fragen der Papageienhaltung und des Trainings von Papageien, außerdem um die richtige Ernährung, das Fortpflanzungsverhalten dieser beliebten Vögel und um den Artenschutz. Das Ganze läuft in Form eines Seminars ab, für das noch Restplätze vorhanden sind. Die Kosten betragen inklusive Tiergarteneintritt 59 Euro. Weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist, muss man sich anmelden; das ist hier möglich. Der Erlös der Veranstaltung fließt als Spende in Artenschutzprojekte

Rede und Antwort stehen an diesem Tag die Verhaltenstierärztin Daniela Zurr, René Wüst von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), Gerd Britsch von der Vogel- und Reptilienpraxis Karlsruhe, Jürgen Hirt, Mitarbeiter beim Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz (BNA), Fritz Karbe von der Exotenpraxis Nürnberg und Hermann Kempf von der Exotenpraxis Augsburg.

Experte zur Kampagne „Silent Forest“

Ich habe ja vor ein paar Wochen schon darüber geschrieben, dass auch der Tiergarten Nürnberg an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA) teilnimmt. Passend zu diesem Thema gibt es demnächst einen Vortrag, und zwar von Simon Bruslund, dem Vogelkurator des Heidelberger Zoos. Er spricht am Donnerstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über den Rückgang der Singvögel im südostasiatischen Tropenwald.

Das dürfte ein äußerst interessanter Abend werden, denn Brusland will sowohl auf die problematische Situation der tropischen Singvögel in Südostasien eingehen, als auch die betroffenen Vogelarten vorstellen und mögliche Gegenmaßnahmen nennen, die Zoos ergreifen können. Der Vogelexperte wird außerdem erklären, wie derzeitige Schutzprojekte die Wissenschaftler dauerhaft beim Schutz verschiedener bedrohter Vogelarten unterstützen, etwa des oben abgebildeten, stark gefährdeten Bali-Stars (Foto: dpa). Außerdem wird Bruslund die Arbeit des europäischen Zooverbands erläutern und auf dessen Artenschutzkampagnen und politische Einflussnahme innerhalb und außerhalb Europas eingehen. In Asien selbst wird durch verschiedene Bildungsangebote bei den dortigen Zoobesuchern ebenfalls Interesse für das Thema geweckt.

Der Nürnberger Tiergarten wird, um auf die Silent-Forest-Kampagne optisch aufmerksam zu machen, bis Ende Februar unter dem Vordach des Delfinariums einen „Vogelmarkt“ aufbauen.

Der Wolf kommt bald nach Nürnberg

Auch in Nürnberg werden bald Wölfe erwartet. Foto: dpa

Die einen sind hocherfreut, die anderen zücken schon das Gewehr. Dass der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist, spaltet die Menschen in zwei Lager. Nun rücken diese wunderbaren Tiere auch in Bayern immer näher heran. Von Grafenwöhr und vom Veldensteiner Forst aus, wo nachweislich junge Wölfe leben, ist es für sie nicht mehr weit bis zum Reichswald. Und so gibt es in dessen nördlichem Teil, im Bereich Erlangen-Höchstadt, ebenso schon Wolfssichtungen wie im Hersbrucker Land. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Tiere vor den Toren Nürnbergs ankommen.

Vielleicht schon heuer, spätestens aber im nächsten Jahr, werden junge Wölfe auf der Suche nach neuen Quartieren hier unterwegs sein, erwartet man beim Bund Naturschutz, Kreisgruppe Nürnberg. Dass sich die scheuen Tiere dauerhaft in Stadtnähe ansiedeln, hält man beim BN eher für unwahrscheinlich. Aber zumindest auf der Durchreise werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Nürnberger Reichswald passieren. (Das wäre dann womöglich ganz in der Nähe des Tiergartens Nürnberg, in dem es ja leider keine Wölfe mehr gibt; in ihrem großen Gehege leben jetzt Luchse.) Der BN warnt vor Panikmache, fordert aber rechtzeitige Vorbereitungen.

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Tiergarten braucht Vogelkäfige für „Silent Forest“

Eine Reihe von deutschen Zoos macht schon mit, jetzt beteiligt sich auch der Nürnberger Tiergarten an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA). Der Tiergarten sucht zu diesem Zweck gebrauchte Vogelkäfige. Die Behausungen sollen aufgehängt werden, um ein sichtbares Zeichen für die Kampagne zu setzen, die asiatischen Singvögeln zugute kommt. Von den rund 850 in den Regenwäldern Asiens lebenden Vogelarten stehen viele kurz vor der Ausrottung. Vor allem in Südostasien werden täglich Tausende von Singvögeln gefangen und auf großen Vogelmärkten verkauft. Nicht selten fristen die Tiere ihr Dasein in viel zu kleinen Käfigen – ob als Haustiere oder Teilnehmer an Gesangswettbewerben – und können das nur wenige Tage überleben (Foto: Silent Forest, EAZA).

Durch den breit angelegten Vogelfang sind die meisten Singvogelarten aus den Wäldern verschwunden. Von der Stille, die deswegen dort herrscht, leitet sich der Name „Silent Forest“ ab. Die Kampagne soll die Lage der asiatischen Singvögel in ihrem Lebensraum verbessern, indem sie darüber informiert und Verständnis für die Bedrohung der Vögel weckt. Außerdem wird im Rahmen der Aktion für Artenschutzprojekte gesammelt, um Schulmaterial für die lokale Bevölkerung zu entwickeln. Es werden Zuchtstationen in Asien und in Zoos aufgebaut, die bei der Kampagne mitmachen, auch Forschungs- und Wiederansiedlungsprojekte sind geplant.

Wer gebrauchte – gern auch kaputte – Vogelkäfige abzugeben hat, kann eine Mail an den Zoopädagogen Christian Dienemann schicken, und zwar unter folgender Adresse: zooschule@stadt.nuernberg.de

Zu Jahresbeginn gleich eine gute Nachricht

Zwar ein bisschen spät – aber besser spät als nie! – wünsche ich meinen Lesern alles Gute für 2019. Ich kann gleich mit einer guten Nachricht zum Start ins neue Jahr aufwarten, nämlich mit einer Erfolgsmeldung in Sachen Artenschutz: Die Kampagne „Zootier des Jahres“ hat im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Euro für den Schutz der Scharnierschildkröten erbracht. Geld, das jetzt in zwei Projekte fließt, die sich die Rettung dieser hochbedrohten Gattung zum Ziel gesetzt haben: das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) in Münster und das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha. Die Spendengelder werden dazu verwendet, nachhaltige Maßnahmen wie die bevorstehende Auswilderung von Scharnierschildkröten zu finanzieren (Foto: IZS Münster).

Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) hatte die Kampagne vor drei Jahren ins Rollen gebracht. Im ACCB steht die Aufzucht von Amboina-Scharnierschildkröten im Vordergrund. Damit die Auswilderung der Schildkröten in einem geschützten Gebiet klappt, kommt eine teure Telemetrie-Ausrüstung zum Einsatz, die mit „Zootier des Jahres“-Spenden angeschafft wurde. Die ausgewilderten Tiere werden mit Sendern ausgestattet, damit man ihren Weg verfolgen kann. So will man mehr über die Lebensräume, die Größe von Territorien und Wanderungsbewegungen dieser Tiere lernen. Denn nur so kann eine Wiederansiedlung auf Dauer funktionieren. weiter lesen

Der mit den Nashörnern redet – und der sie rettet

Es gehört zu den interessantesten Revieren des Nürnberger Tiergartens: das weitläufige „Revier 4“. Sein Mittelpunkt ist das Dickhäuterhaus – Kenner des Tiergartens wissen, dass es früher „Elefantenhaus“ hieß, als am Schmausenbuck noch Elefanten gehalten wurden. Im „Revier 4“ leben pflanzenfressende Tiere aus vier verschiedenen Kontinenten: südamerikanische Guanakos, schottische Hochlandrinder, aus Asien stammende Panzernashörner und Hirsche sowie die in Afrika beheimateten Somali-Wildesel und Grévy-Zebras. Die „Stars“ des Reviers sind natürlich die Panzernashörner. Derzeit gibt es im Tiergarten allerdings nur noch die oben abgebildete Nashorndame Sofie (Foto: Tiergarten Nürnberg) und ihren Sohn Sanjay. Sein Vater Ropen lebt bekanntlich seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr.

Jeder Tierpfleger würde wohl gern in einem solchen Revier arbeiten, in Nürnberg hat René Kaiser dieses Glück. Der stellvertretende Revierleiter berichtet am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über seine Arbeit. Er will die ganz besonderen Ansprüche seiner Schützlinge vorstellen, ebenso wie das tägliche Management und das Spezialtraining mit den Tieren in seinem Revier. Außerdem geht es bei Kaisers Vortrag um die Frage, ob seine „gepanzerten“ Nashörner in Wirklichkeit nicht eher „dünnhäutige Dickhäuter“ sind. (Der Eintritt zum Vortrag ist gratis.)

In freier Wildbahn sind die asiatischen Panzernashörner stark bedroht. Dieses Stichwort bringt mich auf einen anderen Vortrag, den ich letzte Woche im Nürnberger Presseclub besucht habe. Dort war Ralph Koczwara zu Gast. Er ist Gründer der „Hemmersbach Rhino Force“, einer privaten Schutztruppe, die im südlichen Afrika den Kampf um das Überleben der Nashörner gegen Wilderer und deren Geschäfte mit asiatischen Syndikaten aufgenommen hat. (Über das Unheil, das kriminelle Tierhändler und verbrecherische Geschäftsleute aus Asien durch verbotenes Bejagen und Abschlachten von bedrohten Tierarten anrichten, habe ich in diesem Blog ja schon öfter geschrieben, etwa hier oder hier.) Etwa ein Fünftel des jährlichen Gewinns, den Koczwara mit seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH & Co. KG macht, fließt in diesen Nashorn-Trupp. Beileibe keine geringe Summe, die Koczwara allerdings nicht veröffentlicht haben möchte. Man kann sich aber vorstellen, dass es sich um viel Geld handelt, wenn man die Firmendaten kennt: rund 3500 Mitarbeiter in 35 Ländern, 700 davon sind in Nürnberg tätig.

Ich werde demnächst über eine zweite Rettungsaktion berichten, die Ralph Koczwara gestartet hat: die Umsiedlung von bedrohten Elefanten in Gebiete, wo sie in Sicherheit leben können.

Aarany und Subali sollen zum Artenschutz beitragen

Der neue Gorillamann Thomas im Nürnberger Tiergarten hat in den vergangenen Tagen zwei anderen Tieren die Show gestohlen, die ebenfalls in diesem Jahr als Neulinge in den Zoo am Schmausenbuck gekommen sind: die beiden Löwen, nämlich die Katze Aarany und der Kater Subali (Foto: Tiergarten Nürnberg). Aarany lebt seit Mai dieses Jahres in Nürnberg, Subali kam im August. In den ersten Monaten wurden sie voneinander getrennt gehalten, kürzlich durften sie sich in der Außenanlage beim Raubtierhaus zum ersten Mal beschnuppern. Und fanden offenbar Gefallen aneinander: Bis auf kleine Rangeleien, die dazu dienen, die Rangordnung zu klären, gab es keine Probleme. Nun bleibt abzuwarten, ob aus den beiden ein Zuchtpaar wird.

Ihre Vorgänger in Nürnberg waren Thar und Keera. Dieses Duo konnte aus Altersgründen längst nicht mehr für Nachwuchs sorgen. (Für mich ist es gefühlt eine Ewigkeit her, seit die letzten Löwenbabys in Nürnberg zur Welt kamen.) Die Zooleitung hatte sich dafür entschieden, dass Thar und Keera im Tiergarten ihr Gnadenbrot erhalten und bis zu ihrem Tod im Innen- und Außengehege für Löwen bleiben dürfen. Im Februar dieses Jahres starb erst Thar, seine Partnerin dann im Juli.

Im Nürnberger Tiergarten werden seit Jahrzehnten Asiatische Löwen gehalten. Diese Unterart war infolge starker Bejagung Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast ausgerottet. Nachdem sie unter Schutz gestellt wurden, ein Jagdverbot in Kraft trat und in den 1960er Jahren ein Nationalpark eingerichtet wurde, konnte die Art gerade noch gerettet werden. Aber aufgrund des geringen Bestands ging die genetische Vielfalt verloren, es kam auch zu Inzuchten. Die heute in Zoologischen Gärten lebenden Asiatischen Löwen gehen auf zwei Paare zurück, mit denen ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm aufgebaut wurde. Der Fortbestand der Asiatischen Löwen ist nach wie vor gefährdet, sie stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten.

Umso wichtiger wäre Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg. Natürlich sind Löwenbabys auch ein Publikumsmagnet, aber der Artenschutz dieser Tiere ist für den Zoo noch wichtiger. Hoffen wir also, dass Aarany und Subali ihren Teil dazu beitragen!

Warum die Jagd auf Wölfe gar nicht geht

Nicht nur, weil ich Wolf heiße, ist mir die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ein wichtiges Anliegen, wie ich schon einige Male in meinem Blog deutlich gemacht habe. Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie sich mehrere deutsche Bundesländer gegen die Wiederansiedlung dieser wunderbaren Tiere stemmen (Foto: dpa). In Bayern reagieren zum Beispiel einige Weideviehhalter, die ihre Tiere im Sommer auf die Alm lassen, regelrecht panisch aus Angst, Kühe oder Kälber könnten vom bösen Wolf gerissen werden. Und erst vor ein paar Tagen haben Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg einen Antrag im Bundesrat eingereicht, mit dem Ziel, Wolfsabschüsse künftig zu erleichtern. Dazu müsste sogar das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden.

Und selbst das wäre nicht genug, denn die Dezimierung von Wölfen in Deutschland, die von der Großen Koalition in Berlin beabsichtigt wird, verstößt gegen EU-Recht. Laut für die ganze EU geltenden Verträgen soll der Wolf wieder in seine angestammte Heimat zuückkehren und wurde deshalb EU-weit unter den höchsten Schutzstatus gestellt. Bei Verstößen gegen dieses Recht riskiert Deutschland ein Strafverfahren. Und wer bezahlt am Ende die Zeche? Ganz klar: die deutschen Steuerzahler – also wir alle.

Schweden beispielsweise hat schon Verfahren am Hals, weil dort trotz Verbot Wölfe gejagt wurden und werden. In Schweden gibt es  bekanntlich eine starke Lobby von Jägern, Viehzüchtern und Bauern, die auf Wölfe Jagd machen (wollen). Überhaupt sind die Schweden mit dem Abschuss von Wildtieren schnell bei der Hand. Dabei haben – mal abgesehen von der EU – verschiedene schwedische Verwaltungsgerichte in mehreren Regionen des Landes schon vor ein paar Jahren ein Wolfsjagd-Verbot verhängt.

Wölfe abzuschießen, verbietet sich in Europa auch deshalb, weil sich laut Bundesministerium für Naturschutz noch längst nicht genügend Tiere wieder hier angesiedelt haben, um ihren Bestand für die Zukunft zu sichern. Sollen Wölfe etwa ein zweites Mal ausgerottet werden und dann womöglich endgültig aussterben?