A „Zar“ is born!

Man könnte meinen, der Fasching hat jetzt sogar schon im Tierreich Einzug gehalten. Dieses Raubkatzenbaby wäre demnach ein Tiger, der sich als Löwe verkleidet hat – oder umgekehrt. Im Ernst: Es handelt sich bei dem Tier um einen sogenannten Liger, eine Kreuzung  zwischen Löwe und Tiger. Er besitzt das beige Fell eines Löwen und hat im Gesicht die Zeichnung eines Tigers. Das seltene Exemplar hat in einem Wanderzoo bei Rostow am Dom (Südrussland) das Licht der Welt erblickt und heißt – typisch russisch – Zar. Das passt, denn seine Tiger-Mama heißt Prinzessin, sein Löwen-Vater Cäsar. Und als ob das ganze Arten-Kuddelmuddel nicht schon genug wäre, auch das noch: Eine Ziege aus dem Wanderzoo ist als Amme für den kleinen Zar eingesprungen und säugt ihn.

Liger gelten als die größten Raubkatzen der Welt. In der Wildnis kommen sie praktisch nicht vor, weil Tiger bekanntlich nur in Asien leben und Löwen in Afrika – abgesehen von den ganz wenigen Persischen oder Indischen Löwen. Solche wiederum kann man immerhin im Nürnberger Tiergarten sehen. Momentan soll es weltweit nur rund 20 Liger geben. Einer davon heißt Herkules und lebt – na klar, dort, woll alles „great“ ist seit Trump – in den USA. Er ist laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit die größte Raubkatze der Welt: 418 Kilogramm bringt er auf die Waage und ist 3,33 Meter lang. Mal sehen, ob ihn der vor zweieinhalb Monaten in Russland geborene Zar nicht eines Tages verdrängt, wenn er erst mal erwachsen ist!

Trauer um Jia Jia

jiajiaKaum komme ich aus meinem achttägigen Wander-Urlaub im Allgäu zurück, gibt es schon wieder eine äußerst traurige Nachricht aus dem Tierreich zu vermelden: Der älteste, in einem Tierpark lebende Riesenpanda der Welt ist tot. Es handelt sich um Jia Jia, die im Ocean Park von Hongkong (in dem sie fast ihr halbes Leben verbracht hat) im Alter von 38 Jahren eingeschläfert wurde. Die Tierärzte wollten der Bärin, die schon länger krank war, weiteres Leiden ersparen. Ihr Gesundheitszustand – sie litt wegen ihres hohen Alters unter anderem an Bluthochdruck und wollte auch nichts mehr fressen – hatte sich seit zwei Wochen immer mehr verschlechtert. Im Ocean Park leben noch drei andere Riesenpandas.

In freier Wildbahn werden Riesenpandas 18 bis 20 Jahre alt, in Menschenobhut erreichen sie oft 30 Jahre und mehr. Die als Nationaltiere von China geltenden Bären gehören zu den am stärksten gefährdeten Arten der Welt: In freier Wildbahn leben nur noch um die 1600 Tiere – hauptsächlich in den Bergen der südwestchinesischen Provinzen Sichuan und Shaanxi -, in Zoos und Tierparks rund 300 Exemplare. In Zoohaltung kommt es allerdings äußerst selten zu Nachwuchs. Die Weibchen sind nur an drei Tagen des Jahres zur Paarung bereit; deshalb versuchen Zoos immer wieder eine künstliche Befruchtung. Jia Jia hat im Laufe ihres Lebens sechs Babys zur Welt gebracht. Sie selbst wurde in der Wildnis geboren und mit zwei Jahren in ein Zuchtzentrum der Provinz Sichuan (China) gebracht. 1999 kam sie zusammen mit dem Panda An An nach Hongkong, anlässlich des zweiten Jahrestags der Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie an China.

Wenn Kolosse umziehen müssen

NashornUmzug – das ist, glaube ich, für jeden Menschen eine Strapaze. Da muss der Umzug von Nashörnern von einem Nationalpark in einen anderen der reine Wahnsinn sein, oder? Der WWF hat trotzdem die Organisation dieses Unternehmens auf sich genommen. Denn es gilt, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: In Nepal sollen künftig wieder 800 Nashörner leben – so viele, wie es ursprünglich einmal waren.

Die Zahl dieser Tiere war dort in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend zurückgegangen, vor allem wegen der Wilderei. Man muss sich das einmal vorstellen: Nepal verlor pro Jahr 37 Nashörner durch Wilderer! Doch die vielen Aufklärungskampagnen von Kommunen, Naturschützern und auch der Regierung zeigen erste Erfolge. Seit 2011 ist jetzt schon in drei Jahren kein einziges Tier mehr der Wilderei zum Opfer gefallen. Mittlerweile gibt es wieder 645 Nashörner in Nepal.

Doch die Entwicklung läuft nicht überall gleich. So waren im Bardia Nationalpark etwa seit Anfang des neuen Jahrtausends praktisch sämtliche Nashörner durch Wilderei verschwunden. Dagegen ging ihre Zahl im Chitwan Nationalpark im Süden von Nepal wieder nach oben. Nun sollen die tonnenschweren Dickhäuter gleichmäßig in den Parks verteilt werden. Für diese Aktion ist ein Team von 250 Helfern im Einsatz – und über 30 Elefanten. Die sind nämlich das beste „Verkehrsmittel“, um die Nashörner zu entdecken.

Der WWF organisiert dann den Umzug der Tiere. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: per Lkw oder per Helikopter. Bei letzterem werden die Nashörner für den Transport unter Narkose gesetzt und baumeln dann kopfüber – mit verbundenen Augen – an einem Seil, das an ihren  Beinen und am Hubschrauber befestigt ist. Und das ein paar hundert Meter über Boden! Sieht irre aus, wird aber von Tierärzten streng überwacht. Der WWF hat vor einem Jahr auf diese Art und Weise zum Beispiel 19 Spitzmaulnashörner in Südafrika umgesiedelt. Ich finde, diese Naturschutzorganisation macht eine tolle Arbeit, die ich immer wieder gern unterstütze.

Wenigstens ein erster Erfolg!

HaiflossenZuerst die schlechte Nachricht:  Ungefähr 70 Millionen Haie werden dem WWF zufolge weltweit jedes Jahr gefangen. Gejagt werden sie vor allem wegen der begehrten Haifischflossen; die gelten hauptsächlich in Asien als Delikatesse. Der restliche Hai ist meist so uninteressant für die Fänger, dass sie den Tieren nur die Flossen abschneiden und sie dann – oft noch bei lebendigem Leib!!! – wieder ins Wasser werfen. Das bezeichnet man als „Shark Finning“ – eine unglaubliche Verachtung der Tiere und eine Quälerei ohne Ende!

Und jetzt die gute Nachricht, über die der WWF berichtet: Das zweitgrößte Schifffahrtsunternehmen der Welt wird keine Haifischflossen und andere Haiprodukte mehr transportieren. Mitarbeiter des WWF Honkong haben seit vergangenem Sommer mit Mediterranean Shipping Company (MSC) verhandelt und den Zusammenhang zwischen dem industriellen Hai-Fang und den wegbrechenden Bestandszahlen erklärt. Der WWF stellt die Reaktion und das entschiedene Handeln von MSC als leuchtendes Beispiel für andere Unternehmen dar. Und er kündigt an: „Wir werden weiter mit Schiff- und Luftfahrt an einem kompletten Transportbann für Hai-Produkte arbeiten!“

Übrigens gelten fast ein Viertel der über 400 Hai- und Rochenarten derzeit als bedroht. Hauptgrund dafür ist die Fischerei.  Laut WWF haben sich weltweit zwischen 1950 und 2003 die Haifischfänge von etwa 273.000 pro Jahr auf fast 900.000 Tonnen erhöht. Die EU ist einer der Hauptlieferanten für Haie und Haiflossen. Vor drei Jahren einigten sich die Vertragsstaaten der Washingtoner Artenschutzkonvention darauf, fünf besonders bedrohte Arten zu schützen: den Weißspitzen-Hochseehai, den Heringshai und drei Hammerhai-Arten.

…da waren´s nur noch drei

BreitmaulnashornDa waren´s nur noch drei: Mit dem Tod von Nashorndame Nola im Zoo von San Diego gibt es jetzt weltweit lediglich noch drei (!) Exemplare Nördlicher Breitmaulnashörner. Sie leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia. Ursprünglich kamen diese Dickhäuter in einem riesigen Gebiet vor: vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad. Nola wurde im Alter von 41 Jahren eingeschläfert, nachdem sie vor wenigen Monaten wegen eines Hüftleidens operiert werden musste. Im Juli war in einem tschechischen Zoo ebenfalls ein Tier dieser Art gestorben.

Das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) wird als das seltenste Großsäugetier der Welt eingestuft und ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. Vor allem die starke Nachfrage aus Asien nach dem Horn dieser Tiere hat die Bestände ausbluten lassen. Dieses Horn besteht aus Keratinfasern und wird in Asien zur Herstellung traditioneller Medizin und einiger Wundermittelchen verwendet. Für ein Kilo Nashorn legen Vietnamesen Preise von bis zu 20.000 Euro auf den Tisch.

Breitmaulnashörner besitzen übrigens zwei Hörner; das vordere kann bei den Weibchen bis zu 165 Zentimeter lang werden. Sie sind die drittgrößten Landsäugetiere der Erde. Bei den Männchen kann die  Schulterhöhe bis zu 1,90 Meter betragen, und sie bringen ein Gewicht von bis zu 3,6 Tonnen auf die Waage. Breitmaulnashörner werden etwa 40 Jahre alt – insofern hatte Nola zumindest ein stolzes Alter erreicht. Aber dass die Art von der Erde verschwindet, lässt sich nicht mehr ändern.

Im Gegensatz zum Nördlichen Breitmaulnashorn sieht es für das Südliche Breitmaulnashorn ganz gut aus: Laut WWF haben Schutzmaßnahmen dazu beigetragen, dass der Bestand wieder auf über 20.000 Tiere angewachsen ist.

Das ist brandgefährlich für Orang-Utans!

OrangSie gehören sowieso schon zu den bedrohten Tierarten. Jetzt wurden Orang-Utans in Indonesien auch noch durch verheerende Waldbrände gefährdet, sowohl in Schutzgebieten als auch in freier Wildbahn. Eine Feuerwalze hat das Land mit beißendem Rauch überzogen und ganze Lebensräume der Menschenaffen praktisch zerstört. Auf der Insel Borneo kämpfen Tierschützer in einer Rettungsstation seit Tagen um das Überleben ihrer Schützlinge. Inzwischen haben zwar Regenfälle wenigstens den Smog gemindert, der durch die Waldbrände entstanden war, auch die Luft wurde etwas besser. Aber über 500 Orang-Utans sind mit Atemwegserkrankuungen in einem Reha-Zentrum in der Provinz Kalimantan in Behandlung.

Ein solches Phänomen ist für uns hierzulande kaum vorstellbar: In Indonesien wüten seit zwei Monaten Tausende von Bränden. Zum großen Teil wurden sie  von Menschen gelegt: zum Zweck der Brandrodung. Damit entsteht Platz für neue Ölpalmen- oder Industrieholz-Plantagen. In Kalimantan und auf der benachbarten Insel Sumatra zerstörten die Wald- und Torffeuer bisher 1,7 Millionen Hektar Wald. Auf Sumatra sind auch andere Tiere wie Sumatra-Tiger und Sumatra-Elefanten bedroht. Zwar treten dort jedes Jahr während der Trockenzeit Brände auf, heuer ist es aber wegen El Nino besonders schlimm – die diesjährige Katastrophe wird als die verheerendste seit 1997 eingeschätzt.

Man befürchtet, dass in den Wäldern auch Orang-Utans verbrannt sind. Veterinäre, Kletterer und Techniker mit Betäubungspfeilen sind nun im Einsatz, um in Not geratene Affen aufzuspüren. Orangs, die aus dem Feuer gerettet wurden, sind oft unterernährt, dehydriert und haben panische Angst vor Menschen. Die Mitarbeiter der Orang-Utan-Station können nicht verstehen, dass es immer noch kaum Fortschritte bei der Brandbekämpfung gibt, obwohl diese Feuer seit rund 20 Jahren etwa zur gleichen Zeit wieder ausbrechen.

Dieser Frage kann ich mich nur anschließen. Ich frage mich auch, warum die vielen Brandrodungen nicht gestoppt werden können. Aber vielleicht will man das ja gar nicht wirklich, aus wirtschaftlichen Gründen?

Jetzt geht es nur noch um das Eine

samursexneuSeit 14 Monaten lebten sie in derselben Anlage im Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens, doch „getrennt von Tisch und Bett“- ich erlaube mir hier diesen Ausdruck, auch wenn es sich nicht um Menschen, sondern um Sibrische Tiger handelt: Katinka und Samur, zwei wahre Prachtexemplare ihrer Art. Zu jung sind die beiden jungen Raubkatzen bisher gewesen, um als Paar  zusammenzuleben, ohne dass es sozusagen zu Mord und Totschlag geführt hätte. Denn Tiger sind in freier Wildbahn Einzelgänger, die sich einander nicht grün sind. Selbst Weibchen und Männchen treffen sich nur, wenn es ihnen um das Eine geht, das im Tierreich an oberster Stelle steht: sich vermehren, um als Art zu überleben.

Die dreijährige Katinka und der um ein Jahr jüngere Samur kamen über das Europäische Arterhaltungsprogramm EEP an den Schmausenbuck, auf dass sie dort wachsen, gedeihen und sich mehren mögen. Letzteres scheiterte bislang daran, dass die aus Moskau stammende Tigerdame als gleichzeitig kratzbürstiger und scheuer Typ gilt und deshalb nicht auf den gutmütigen Kater aus dem Wuppertaler Zoo losgelassen werden konnte. Seine „Zukünftige“ war Samur ihm auch körperlich überlegen.

Doch nun ist Katinka rollig und damit bereit zur Empfängnis, Samur ist fast ausgewachsen; die zwei sind geschlechtsreif. Es kann also losgehen – richtiger: Es ist schon losgegangen. Katze und Kater haben in jeder Hinsicht Gefallen aneinander gefunden und gönnen sich kaum eine ruhige Minute. Wenn sie sich weiter so stark zueinander hingezogen fühlen, dürfen sie ihre „Flitterwochen“  ungestört und allein im Raubtierhaus verbringen – ohne die indiskreten Blicke der Besucher: Die müssen nämlich erst mal draußen bleiben.

Die Löwen wohnen in den nächsten Tagen und Nächten in der Außenanlage und überlassen das Tigerpaar im Raubtierhaus seinem Liebesglück – kein Problem für asiatische Löwen, schon gar nicht in diesem milden Winter. Jetzt brauchen sie sich die Aufmerksamkeit der Besucher einmal nicht mit den attraktiven Tigern zu teilen. – Nennt man so etwas eine Win-Win-Situation? Ich glaube, ja.

Der Tiergarten: ein Besucher-Magnet

Die Löwen und Tiger im Raubtierhaus des  Nürnberger Tiergartens haben neue, „märchenhafte“ Mitbewohner, über die sich vor allem auch alle Ornithologen freuen dürften: Dort hält der Zoo neuerdings drei Elfenblauvögel-Paare, die auch unter dem Namen Türkissirenen bekannt sind. Diese Singvögel leben in freier Wildbahn in Südostasien und gehören zur Familie der Feenvögel. Ihren Namen tragen sie zurecht – wegen ihres Federkleids: Die Männchen haben ein glänzend schwarzes, teilweise leuchtend kobaltblaues Gefieder, die Weibchen sind türkisfarben und haben graue Flügel. Beide Geschlechter besitzen rote Augen und werden 21 bis 26 Zentimeter groß. In den dichten Tropenwäldern Südostasiens sind diese Vögel meist hoch in den Baumwipfeln in kleineren Gruppen unterwegs. Sie suchen dort nach Früchten, fressen aber auch Insekten und Spinnen. Die Weibchen bauen ihre Nester aus Zweigen, Moos und Wurzeln in den Astgabeln der Bäume; sie legen zwei bis vier Eier, die sie allein ausbrüten. Von den Männchen werden sie aber bei der Fütterung der Jungen unterstützt.

Die Elfenblauvögel hat der Tiergarten von einem holländischen Züchter übernommen. Sie mussten wie alle Vögel, die Zoologische Gärten von Privatpersonen übernehmen, erst einmal in Quarantäne – das heißt im Fall des Tiergartens: 30 Tage Gut Mittelbüg. Als nächstes wurden zwei Paare im Betriebshof einquartiert und ein Paar zur Eingewöhnung in der Voliere hinter der Kunstfelswand des Raubtierhauses. Die Vögel haben sich inzwischen akklimatisiert und haben auch kein Problem, die Glasscheiben zu erkennen. Für die Besucher sind die Elfenblauvögel nicht nur eine optische Bereicherung: Auch ihre Gesänge sind einen Abstecher ins Raubtierhaus wert.

Und noch etwas durchaus Erfreuliches gibt es aus dem Tiergarten zu vermelden: Im ersten Quartal dieses Jahres hat der Zoo einen Rekordbesuch verbucht. Allein im März waren es 96.350 Besucher (Vorjahr 50.372, Fünf-Jahres-Durchschnitt 55.653 Besucher), und das ganze erste Vierteljahr war mit 175.596 Besuchern das beste in der Geschichte des Tiergartens. Auch der schon im vergangenen Jahr florierende Verkauf von Dauerkarten hält weiter an: Heuer wurden bereits 2159 Dauerkarten verkauft (Vorjahr: 1450).

So viel zu den ewigen Zweiflern, die dem Tiergarten schon das Ende voraussagen und behaupten, die Einrichtung würde in der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert!

Wenn Tiere in den Rang von Menschen erhoben werden

Die Welt wird immer wundersamer. Da beherrscht tagelang eine getötete Zoogiraffe, die den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird, die Schlagzeilen – als ob es sonst nichts Schrecklicheres auf der Welt gäbe. Und nun sind in Belgien zwei Pandabären empfangen worden, als wären sie mindestens Staatsgäste. Ich bin wirklich eine große Tierfreundin, aber meiner Meinung nach sollte man doch die Kirche im Dorf lassen und Tiere wie Tiere behandeln, nicht wie Menschen.

Gestern ist das Panda-Paar, das aus China kommt, auf dem Flughafen von Brüssel mit Glanz und Gloria begrüßt worden – von keinem Geringeren als dem Ministerpräsidenten Elio Di Rupo persönlich. Und die Presse hat das Ereignis ebenfalls wie einen Staatsempfang behandelt: 100 Journalisten waren zur Stelle, um das denkwürdige Ereignis zu dokumentieren. Außerdem hießen 40 Kinder einer benachbarten Schule die Bären willkommen. Passend dazu: Kaiserwetter mit strahlendem Sonnenschein. Die Tiere kamen in einem pagodenförmigen Käfig an, der vom Flugzeug auf einen Lastwagen umgeladen wurde.  Der Transport ging unter Polizeischutz (!) weiter zum Tierpark „Pairi Daiza“ in Brugellette. Das Panda-Paar besteht aus einem vierjährigen Weibchen namens Hao Hao (Die Freundliche) und ihrem gleichaltrigen Partner Xing Hui (Funkelnder Stern). Es ist geplant, dass die beiden 15 Jahre lang als Leihgabe in Belgien bleiben.

In dem kleinen Land wird ein Hype um die Pandas gemacht, der auszuufern droht. Im Tierpark von Brugellette waren gestern keine Eintrittskarten mehr zu bekommen – ausverkauft! Und das, obwohl die Zooleitung vorher bekannt gegeben hatte, das die Neuzugänge erst in Quarantäne müssen, bevor sie für die Besucher zu sehen sind. Auch eine Eingewöhnungszeit will man den Tieren gönnen, bevor sie Anfang April vom Publikum bewundert werden können. Der Zoo hat für die zwei Gäste aus China eine Menge investiert: Zehn Millionen Euro wurden für ein Luxusgehege aufgebracht, das den Bären ein Schwimmbecken, eine Höhle und einen Bambushain bietet. Außerdem muss der Zoo offenbar eine Million Euro als Leihgebühr für die Pandas bezahlen.

Wäre es nicht sinnvoller, dieses Geld in ein Schutzprogramm für frei lebende Pandabären und in Naturschutzprojekte zu stecken? In freier Wildbahn gibt es nur noch 1600 Exemplare dieser Tierart, die bekanntlich zu den am stärksten bedrohten Arten überhaupt gehört. Der Anteil der in Zoos gehaltenen Pandabären ist mit 300 beachtlich hoch, er soll zur Rettung dieser Art beitragen.

Sehr tröstlich!

Elefanten üben ja auf die meisten Menschen eine große Faszination aus – auch auf mich. Es sind eben ganz besondere Tiere. Das beweist jetzt eine neue Studie aus Thailand: Forscher haben herausgefunden, dass sich Asiatische Elefanten gegenseitig Trost spenden. Das tun sie in den meisten Fällen ähnlich wie wir oder wie Schimpansen: Sie berühren ihre Artgenossen, um zu zeigen, dass jemand da ist, auf den sie sich verlassen können. Nur legen sie natürlich nicht den Arm um sie, sondern sie fassen sie meist mit dem Rüssel an oder reiben sich aneinander (Foto: Elise Gilchrist/Think Elephants International). Manchmal stecken sie dem zu Tröstenden sogar den Rüssel ins Maul, was als eine Art Handschlag unter Elefanten gilt.

Der Tierpsychologe Joshua Plotnik hat über dieses Phänomen im Online-Journal „PeerJ“ berichtet. Plotnik hat mit Kollegen über einen Zeitraum von fast einem Jahr 26 Asiatische Elefanten in einem Reservat in Nordthailand beobachtet. Er registrierte genau, wie sie auf Stress – zum Beispiel einen streunenden Hund oder eine Schlange – reagierten. Zum ersten Mal konnte ein Wissenschaftler damit empirisch nachweisen, dass Elefanten hochintelligent und mitfühlend sind. Das geht so weit, dass ein Tier selbst unruhig wird, wenn es einen gestressten Artgenossen bemerkt; es nähert sich ihm dann und beruhigt ihn.

Diese Erkenntnis bestätigt Richard Lair, der Berater des thailändischen Elefantenschutzzentrums, der die Tiere in Thailand über 30 Jahre lang beobachtet hat. Nach Lairs Erfahrung sind – wen wundert´s – besonders weibliche Dickhäuter gut im Trösten. Diese besondere Art der  Zuwendung dauert manchmal einige Tage lang. Wenn eine Elefantenkuh beispielsweise ihr Baby verliert, steht sie unter besonders starkem Stress – dann trösten die anderen Tiere der Herde sie entsprechend länger.