Experte zur Kampagne „Silent Forest“

Ich habe ja vor ein paar Wochen schon darüber geschrieben, dass auch der Tiergarten Nürnberg an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA) teilnimmt. Passend zu diesem Thema gibt es demnächst einen Vortrag, und zwar von Simon Bruslund, dem Vogelkurator des Heidelberger Zoos. Er spricht am Donnerstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über den Rückgang der Singvögel im südostasiatischen Tropenwald.

Das dürfte ein äußerst interessanter Abend werden, denn Brusland will sowohl auf die problematische Situation der tropischen Singvögel in Südostasien eingehen, als auch die betroffenen Vogelarten vorstellen und mögliche Gegenmaßnahmen nennen, die Zoos ergreifen können. Der Vogelexperte wird außerdem erklären, wie derzeitige Schutzprojekte die Wissenschaftler dauerhaft beim Schutz verschiedener bedrohter Vogelarten unterstützen, etwa des oben abgebildeten, stark gefährdeten Bali-Stars (Foto: dpa). Außerdem wird Bruslund die Arbeit des europäischen Zooverbands erläutern und auf dessen Artenschutzkampagnen und politische Einflussnahme innerhalb und außerhalb Europas eingehen. In Asien selbst wird durch verschiedene Bildungsangebote bei den dortigen Zoobesuchern ebenfalls Interesse für das Thema geweckt.

Der Nürnberger Tiergarten wird, um auf die Silent-Forest-Kampagne optisch aufmerksam zu machen, bis Ende Februar unter dem Vordach des Delfinariums einen „Vogelmarkt“ aufbauen.

Tiergarten braucht Vogelkäfige für „Silent Forest“

Eine Reihe von deutschen Zoos macht schon mit, jetzt beteiligt sich auch der Nürnberger Tiergarten an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA). Der Tiergarten sucht zu diesem Zweck gebrauchte Vogelkäfige. Die Behausungen sollen aufgehängt werden, um ein sichtbares Zeichen für die Kampagne zu setzen, die asiatischen Singvögeln zugute kommt. Von den rund 850 in den Regenwäldern Asiens lebenden Vogelarten stehen viele kurz vor der Ausrottung. Vor allem in Südostasien werden täglich Tausende von Singvögeln gefangen und auf großen Vogelmärkten verkauft. Nicht selten fristen die Tiere ihr Dasein in viel zu kleinen Käfigen – ob als Haustiere oder Teilnehmer an Gesangswettbewerben – und können das nur wenige Tage überleben (Foto: Silent Forest, EAZA).

Durch den breit angelegten Vogelfang sind die meisten Singvogelarten aus den Wäldern verschwunden. Von der Stille, die deswegen dort herrscht, leitet sich der Name „Silent Forest“ ab. Die Kampagne soll die Lage der asiatischen Singvögel in ihrem Lebensraum verbessern, indem sie darüber informiert und Verständnis für die Bedrohung der Vögel weckt. Außerdem wird im Rahmen der Aktion für Artenschutzprojekte gesammelt, um Schulmaterial für die lokale Bevölkerung zu entwickeln. Es werden Zuchtstationen in Asien und in Zoos aufgebaut, die bei der Kampagne mitmachen, auch Forschungs- und Wiederansiedlungsprojekte sind geplant.

Wer gebrauchte – gern auch kaputte – Vogelkäfige abzugeben hat, kann eine Mail an den Zoopädagogen Christian Dienemann schicken, und zwar unter folgender Adresse: zooschule@stadt.nuernberg.de

Zu Jahresbeginn gleich eine gute Nachricht

Zwar ein bisschen spät – aber besser spät als nie! – wünsche ich meinen Lesern alles Gute für 2019. Ich kann gleich mit einer guten Nachricht zum Start ins neue Jahr aufwarten, nämlich mit einer Erfolgsmeldung in Sachen Artenschutz: Die Kampagne „Zootier des Jahres“ hat im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Euro für den Schutz der Scharnierschildkröten erbracht. Geld, das jetzt in zwei Projekte fließt, die sich die Rettung dieser hochbedrohten Gattung zum Ziel gesetzt haben: das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) in Münster und das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha. Die Spendengelder werden dazu verwendet, nachhaltige Maßnahmen wie die bevorstehende Auswilderung von Scharnierschildkröten zu finanzieren (Foto: IZS Münster).

Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) hatte die Kampagne vor drei Jahren ins Rollen gebracht. Im ACCB steht die Aufzucht von Amboina-Scharnierschildkröten im Vordergrund. Damit die Auswilderung der Schildkröten in einem geschützten Gebiet klappt, kommt eine teure Telemetrie-Ausrüstung zum Einsatz, die mit „Zootier des Jahres“-Spenden angeschafft wurde. Die ausgewilderten Tiere werden mit Sendern ausgestattet, damit man ihren Weg verfolgen kann. So will man mehr über die Lebensräume, die Größe von Territorien und Wanderungsbewegungen dieser Tiere lernen. Denn nur so kann eine Wiederansiedlung auf Dauer funktionieren. weiter lesen

Der mit den Nashörnern redet – und der sie rettet

Es gehört zu den interessantesten Revieren des Nürnberger Tiergartens: das weitläufige „Revier 4“. Sein Mittelpunkt ist das Dickhäuterhaus – Kenner des Tiergartens wissen, dass es früher „Elefantenhaus“ hieß, als am Schmausenbuck noch Elefanten gehalten wurden. Im „Revier 4“ leben pflanzenfressende Tiere aus vier verschiedenen Kontinenten: südamerikanische Guanakos, schottische Hochlandrinder, aus Asien stammende Panzernashörner und Hirsche sowie die in Afrika beheimateten Somali-Wildesel und Grévy-Zebras. Die „Stars“ des Reviers sind natürlich die Panzernashörner. Derzeit gibt es im Tiergarten allerdings nur noch die oben abgebildete Nashorndame Sofie (Foto: Tiergarten Nürnberg) und ihren Sohn Sanjay. Sein Vater Ropen lebt bekanntlich seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr.

Jeder Tierpfleger würde wohl gern in einem solchen Revier arbeiten, in Nürnberg hat René Kaiser dieses Glück. Der stellvertretende Revierleiter berichtet am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über seine Arbeit. Er will die ganz besonderen Ansprüche seiner Schützlinge vorstellen, ebenso wie das tägliche Management und das Spezialtraining mit den Tieren in seinem Revier. Außerdem geht es bei Kaisers Vortrag um die Frage, ob seine „gepanzerten“ Nashörner in Wirklichkeit nicht eher „dünnhäutige Dickhäuter“ sind. (Der Eintritt zum Vortrag ist gratis.)

In freier Wildbahn sind die asiatischen Panzernashörner stark bedroht. Dieses Stichwort bringt mich auf einen anderen Vortrag, den ich letzte Woche im Nürnberger Presseclub besucht habe. Dort war Ralph Koczwara zu Gast. Er ist Gründer der „Hemmersbach Rhino Force“, einer privaten Schutztruppe, die im südlichen Afrika den Kampf um das Überleben der Nashörner gegen Wilderer und deren Geschäfte mit asiatischen Syndikaten aufgenommen hat. (Über das Unheil, das kriminelle Tierhändler und verbrecherische Geschäftsleute aus Asien durch verbotenes Bejagen und Abschlachten von bedrohten Tierarten anrichten, habe ich in diesem Blog ja schon öfter geschrieben, etwa hier oder hier.) Etwa ein Fünftel des jährlichen Gewinns, den Koczwara mit seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH & Co. KG macht, fließt in diesen Nashorn-Trupp. Beileibe keine geringe Summe, die Koczwara allerdings nicht veröffentlicht haben möchte. Man kann sich aber vorstellen, dass es sich um viel Geld handelt, wenn man die Firmendaten kennt: rund 3500 Mitarbeiter in 35 Ländern, 700 davon sind in Nürnberg tätig.

Ich werde demnächst über eine zweite Rettungsaktion berichten, die Ralph Koczwara gestartet hat: die Umsiedlung von bedrohten Elefanten in Gebiete, wo sie in Sicherheit leben können.

Qualen eines Tigers werfen Fragen auf

Leider hören die schlechten Nachrichten über das, was Menschen Tieren antun, auch vor Weihnachten nicht auf. Ein Video, das zeigt, wie ein Tiger in einem thailändischen Zoo misshandelt wird, sorgt bei Tierschützern auf der ganzen Welt für Wut und Empörung. Auf dem seit Anfang dieser Woche mehr als eine Million Mal angeklickten Film sieht man, wie ein Zoomitarbeiter den Tiger immer wieder mit einem Stock ins Gesicht stößt, um die Raubkatze zum Knurren zu bringen. Wozu diese Tierquälerei? Man glaubt es kaum, aber es ist leider wahr: für Fotos mit Touristen! Der Zoomitarbeiter ist angeblich wegen des Vorfalls inzwischen versetzt worden.

In dem Zoo wurden sämtliche Regeln, die eigentlich weltweit für alle Zoos gelten, missachtet. Die Touristen sitzen manchmal sogar neben oder auf dem Tiger (Foto: AFP/Wildlife Friends Foundation Thailand/Edwin Wiek). In Thailand sind Fotos von wilden Tieren mit Touristen, ähnlich wie das Reiten auf  Elefanten, ein Geschäft, das nur so flutscht. Der Zoo in Pattaya damit Reklame, dass jeden Tag bei einer Show ein Mann mit bloßen Händen gegen ausgewachsene Krokodile kämpft. Und Hunderte Male jeden Tag wird der Tiger gestochen, nur um ihn zum Brüllen zu bringen! Das hat die Tierschutzorganisation Wildlife Friends Foundation Thailand aufgedeckt, das Video im Zoo The Million Years Stone Park and Pattaya Crocodile Farm aufgenommen und auf Facebook ins Netz gestellt. (Ich erspare meinen Lesern das Video, das bloße Foto reicht mir schon!) Die Organisation tritt dafür ein, Selfies mit Tieren ganz zu verbieten. Das würde auch dem Schutz der Zoobesucher dienen, denn jedes Jahr werden viele Menschen in ähnlichen Situationen verletzt.

Mir kommt es so vor, als hätten Menschen in Asien besonders wenig Respekt vor Tieren und deren Rechten. Man denke nur an die Traditionelle Chinesische Medizin, für deren Wundermittelchen Tiere wie etwa Nashörner endlos leiden müssen, oder an die grausame Wal- und Delfinjagd der Japaner. Verliert man womöglich den Respekt vor anderen Lebewesen, wenn man in besonders bevölkerungsreichen Ländern lebt? Irgendwie werde ich diesen Verdacht nicht mehr los.

Kralle, Schnute oder Balou?

Wie soll der kleine Lippenbär im Berliner Zoo heißen? Darüber sollen jetzt die Fans des vor drei Monaten geborenen Tierbabys bis zum 3. April  über Facebook abstimmen. Zur Auswahl stehen drei Namen: Kralle (wegen der langen Krallen, die Lippenbären haben), Schnute (weil die Bären eine ganz charakteristische Schnauze besitzen) oder Balou (wie der Bär aus dem Dschungelbuch). Das noch namenlose Jungtier durfte jetzt zum ersten Mal im Freigehege des Berliner Zoos spielen. Dabei grub das drei Monate alte Männchen mit seinen schon angesprochenen Krallen wild in der Erde. Seine Mutter, die den Namen Kaveri trägt, kümmert such vorbildlich um ihren Nachwuchs und überwacht jeden Schritt, den der Kleine macht.

Lippenbären leben in freier Wildbahn in Indien und Sri Lanka, vereinzelt auch in Bangladesch, Bhutan und Nepal. Ihr Lebensraum reicht von den tropischen Feuchtwäldern bis hin zu feuchten Grasländern und Laubwäldern. Sie ernähren sich hauptsächlich von Termiten, lieben aber auch süße Früchte, Blüten und Honig. Ihre langen Krallen setzen sie geschickt ein, um Termitenbauten aufzubrechen. Ihre Beute saugen sie dann mit gespitzten Lippen auf – daher die Bezeichnung Lippenbär. Das kleine Exemplar in Berlin wird noch von der Mutter gesäugt, ist aber sehr temperamentvoll und klettert schon auf Seilen und Baumstämmen herum. Seine Mutter beißt er manchmal in die Schnauze – was wohl als Liebkosung zu verstehen ist.  Kaveri und ihr Nachwuchs sind jetzt jeden Tag im Außengehege zu beobachten – oder auf einem Video. Man darf gespannt sein, was sich der Zoo anlässlich der Namensgebung einfallen lässt.

P.S.: Es ist entschieden: Wie mir Leserin heidi_z freundlicherweise mitgeteilt hat, heißt der Kleine Balou. Gefällt mir, kann ich da nur sagen, denn das war ja auch mein Favorit!

Schwerer Schlag gegen die Wildtiermafia!

Folgende gute Nachricht passt hervorragend zu meinem letzten Beitrag, deswegen möchte ich sie – in gekürzter Form – vom WWF übernehmen:

Innerhalb nur weniger Tage haben Zollfahnder und Strafvollzugsbehörden in Asien und Afrika große Mengen an Nashorn und Elfenbein sichergestellt und damit die perfekte Vernetzung und die mannigfaligen Verbindungen der Wildtiermafia zwischen Thailand, Vietnam, Gambia, Malawi und Kamerun nachgewiesen. In Thailand stießen die Beamten bei einer Routine-Untersuchung in zwei Koffern auf 21 Nashorn-Hörner mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilogramm. Die Koffer hatten zwei Thailänderinnen dabei, als sie aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geflogen kamen. Der Wert des Fundes wird auf fünf Millionen Dollar geschätzt, damit ist es einer der größten während der letzten Jahre.

Erst wenige Tage zuvor wurden in Thailand in einem Container 422 Elefanten-Stoßzahnteile konfisziert – 33 Kilogramm Elfenbein! Die Fracht kam aus Malawi. Beamte durchsuchten die Container, weil Malawi seit einigen Jahren als wichtiger Teil der internationalen Elfenbein-Schmuggelroute bekannt ist. Auch in Hanoi ist den Zollbeamten ein Schlag gegen die Wildtiermafia gelungen. Am Noi Bai-Flughafen wurden in zwei Koffern 118 Kilogramm Nashorn-Horn sichergestellt. Die Kofferbesitzer kamen aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Außerdem glückte afrikanischen Behörden ein Coup gegen den Elfenbeinhandel. In Kamerun fanden Kontrolleure in einem LKW 159 Stoßzähne. Drei Männer konnten verhaftet werden; sie waren offenbar auf dem Weg nach Norden, um das Elfenbein nach Nigeria zu schmuggeln.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Lage der für die Wildtiermafia interessanten Tierarten in Afrika dramatisch. So wurden innerhalb von nur 24 Stunden (!) in Südafrika Anfang dieses Monats zum Beispiel 13 Nashörner getötet. Die erfolgreiche Strafverfolgung und Aufdeckung des verbotenen Handels mit Elfenbein und Nashorn-Horn ist auch nur ein Teil der Anti-Wildereiarbeit – genauso wichtig ist es, den Tod der Tiere für medizinischen Irrglauben und Statussymbole zu verhindern. Da haben Organisationen wie der WWF noch viel zu tun und verdienen jede nur mögliche Unterstützung bei ihrer Arbeit.

Nashörner ohne Horn – ist das die Zukunft?

So weit ist es jetzt schon gekommen: Nach dem grauenhaften Anschlag auf ein Nashorn im Zoo von Thoiry bei Paris reagiert nun der tschechische Zoo Dvur Kralove  und schneidet aus Angst vor Wilderern seinen Nashörnern die Hörner zurück. Der Zoo hält insgesamt 21 Nashörner. Bei Paris hatten Unbekannte – für mich sind es Wahnsinnige! – vor einer Woche ein seltenes Breitmaulnashorn in seinem Gehege erschossen, um an sein Horn heranzukommen, es abzusägen und zu stehlen. Damit hofften sie, auf dem asiatischen Schwarzmarkt einen guten Preis für aus Nashorn hergestellte vermeintliche Wundermittel zu erzielen.

„Ein Nashorn ohne Horn ist immer noch besser als ein totes Nashorn“, sagte eine Sprecherin des Tierparks Dvur Kralove laut dpa-Bericht. Die Hornkürzung werde unter Narkose vorgenommen und sei für die Tiere völlig schmerzlos, außerdem sei das Horn nicht lebensnotwendig. Es soll sogar in der Natur hin und wieder vorkommen, dass ein Horn abbricht, ohne dass es den Tieren schadet. Mit dem Zoo Dvur Kralove tauscht übrigens der Nürnberger Tiergarten immer wieder Tiere aus. Auf obigem Foto ist allerdings nicht ein Nashorn zu sehen, bei dem das Horn zurückgeschnitten wurde, auch kein Breitmaulnashorn, sondern der Panzernashornbulle Albrecht, als er im  Januar 2001 anlässlich der Tiergarten-Inventur in Nürnberg für die Medien vermessen wurde. Albrecht rieb sich sein Horn immer an den Sandsteinfelsen an seinem Gehege ab – so wie auch andere Nashörner in Nürnberg (früher waren es noch Breitmaulnashörner, die am Schmausenbuck inzwischen nicht mehr gehalten werden). Übrigens: Auch Natal, der älteste Nashornbulle von Dvur Kralove, wetzt sein Horn selbst ab.

Ich halte von der Maßnahme in dem tschechischen Zoo überhaupt nichts. Erstens, weil man damit Verbrechern nachgibt, statt Verbrechen zu bekämpfen. Zweitens, weil man die Nashörner nicht nur verunstaltet, sondern auch in ihrer Unversehrtheit verletzt. Wenn sich ein Nashorn sein Horn selbst abwetzt, ist das doch etwas ganz anderes!

Tigerfarmen: Das muss ein Ende haben!

Ich möchte mich heute mit diesem Blog einer Kampagne anschließen, die ich für äußerst unterstützenswert halte: „Schließt die Tigerfarmen!“, fordert derzeit eine ganze Reihe von Natur- und Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel der WWF. Ihre Kritik: Die Tiere würden unter schrecklichen Bedingungen und in viel zu engen Käfigen gehalten. Es gehe in diesen Einrichtungen außerdem weder um Umweltbildung, um ein Zuchtprogramm noch um Artenschutz. Obendrein werden die Raubkatzen auf solchen Farmen für die Herstellung von angeblichen medizinischen Wundermitteln – etwa aus Tigerknochen –  missbraucht.

Der International Fund for Animal Welfare, kurz IFAW, prangert an, dass es in China nicht mal mehr 50 Tiger in freier Wildbahn gibt, aber über 6000 dieser Raubkatzen in kommerziellen Farmen gehalten und nur für den Kommerz gezüchtet werden. Dadurch entwickelt sich ein Teufelskreis: Je mehr an zweifelhaften Produkten wie Tigerknochenwein oder Stärkungselixieren vor allem in Asien auf den Markt kommt und gekauft wird, desto größer wird die Nachfrage nach toten Tigern. Das nützt dann nicht nur diesen Farmen: Es werden dadurch auch immer mehr Menschen zum Wildern angestachelt. Immerhin gibt es einen schwachen Hoffnungsschimmer: Laut IFAW lehnen mittlerweile Anhänger der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Verwendung von Tigerprodukten ab und setzen sich dafür ein, alternative Mittel zu verwenden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich gegen Tigerfarmen zu engagieren. Deshalb möchte ich hier keine einzelne herausgreifen. Von Spenden für Aufklärungskampagnen der Bevölkerung bis zu Petitionen reichen die Möglichkeiten. Ich glaube, jeder sollte für sich den geeignetsten Weg herausfinden. Wichtig ist nur, irgendetwas zu tun, damit diese Tierquälerei bald beendet wird.

P.S. Mit einer Zucht zur Arterhaltung dieser bedrohten Tierart, wie einige Zoos sie betreiben, haben Tigerfarmen nichts, aber auch gar nichts zu tun!

A „Zar“ is born!

Man könnte meinen, der Fasching hat jetzt sogar schon im Tierreich Einzug gehalten. Dieses Raubkatzenbaby wäre demnach ein Tiger, der sich als Löwe verkleidet hat – oder umgekehrt. Im Ernst: Es handelt sich bei dem Tier um einen sogenannten Liger, eine Kreuzung  zwischen Löwe und Tiger. Er besitzt das beige Fell eines Löwen und hat im Gesicht die Zeichnung eines Tigers. Das seltene Exemplar hat in einem Wanderzoo bei Rostow am Dom (Südrussland) das Licht der Welt erblickt und heißt – typisch russisch – Zar. Das passt, denn seine Tiger-Mama heißt Prinzessin, sein Löwen-Vater Cäsar. Und als ob das ganze Arten-Kuddelmuddel nicht schon genug wäre, auch das noch: Eine Ziege aus dem Wanderzoo ist als Amme für den kleinen Zar eingesprungen und säugt ihn.

Liger gelten als die größten Raubkatzen der Welt. In der Wildnis kommen sie praktisch nicht vor, weil Tiger bekanntlich nur in Asien leben und Löwen in Afrika – abgesehen von den ganz wenigen Persischen oder Indischen Löwen. Solche wiederum kann man immerhin im Nürnberger Tiergarten sehen. Momentan soll es weltweit nur rund 20 Liger geben. Einer davon heißt Herkules und lebt – na klar, dort, woll alles „great“ ist seit Trump – in den USA. Er ist laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit die größte Raubkatze der Welt: 418 Kilogramm bringt er auf die Waage und ist 3,33 Meter lang. Mal sehen, ob ihn der vor zweieinhalb Monaten in Russland geborene Zar nicht eines Tages verdrängt, wenn er erst mal erwachsen ist!