Papageien zu Ostern – warum nicht?

Das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht aus dem Tierreich – passend zu Ostern, aber nicht abgedroschen wie Meldungen über Osterlämmer  und -hasen: In Schöneiche (Brandenburg) ist eine Nachzucht vom Spix-Aras (Cyanopsitta spixii) gelungen. Die äußerst seltene, in der Wildnis als ausgestorben geltende, Papageienart war in Brasilien heimisch, bevor ihr natürlicher Lebensraum nach und nach zerstört wurde. Auch der Tierhandel ist mit verantwortlich für das Aussterben dieser Vögel in der Natur.

In Zuchtstationen lebten derzeit weltweit rund 90 Spix-Aras. Die brasilianische Regierung möchte diese Papageien nach und nach durch Wiederansiedlungsprojekte auswildern. Der Brandenburger Verein beteiligt sich am Zuchtprogramm dafür; in Schöneiche leben derzeit sieben erwachsene Spix-Aras. Die Vereinsmitglieder können auf einige erfolgreiche Nachzuchten in den vergangenen Jahren verweisen. Vor einigen Tagen sind dort wieder zwei Küken geschlüpft: ein Hahn und eine Henne, die auf die Namen Tiago und Carla getauft wurden. Der Verein zur Erhaltung bedrohter Papageien ist zurecht stolz auf diesen erneuten Erfolg. Die beiden Küken haben noch keine Federn und werden per Hand aufgezogen – mit einem eigens für sie zusammengemischten Brei, den sie alle zwei Stunden gefüttert bekommen. Damit sich die Papageienjungen gut entwickeln, steckt man sie noch den größten Teil des Tages in den Brutkasten.

Spix-Aras spielen übrigens auch in dem gerade angelaufenen Animationsfilm „Rio 2 – Dschungelfieber“ mit.

Europas Geier in Lebensgefahr!

Europas Geier sind in Lebensgefahr! Davor warnen der Naturschutzbund NABU, sein internationaler Partner BirdLife International und die European Vulture Conservation Foundation. Die Gefahr geht von dem Wirkstoff Diclofenac aus, einem starken schmerz- und entzündungshemmenden Mittel. Wenn die Greifvögel von toten Tieren fressen, die damit behandelt wurden, sterben sie einen qualvollen Tod: Ihre Nieren versagen. Auf diese Weise wurden schon die meisten Geierarten in Indien, Pakistan und Nepal beinahe ausgerottet. Dieses Schicksal könnte sich nun in Europa wiederholen, befürchten die Vogelschützer. Sie fordern daher ein Verbot des Einsatzes von Diclofenac bei Nutztieren. Das Mittel wurde kürzlich für die Behandlung von Tieren wie Rindern, Schweinen und Pferden in Italien und Spanien zugelassen – dabei gibt es andere Medikamente für Tiere, die für Geier unschädliche Wirkstoffe enthalten. In den genannten Ländern leben 80 Prozent aller Geier Europas. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.

Fachleute von NABU und BirdLife International befürchten ein Geier-Massensterben in Europa. Das wäre doppelt tragisch, denn zuletzt haben jahrzehntelange Schutzprogramme für die Greifvögel endlich Erfolge gezeigt. Die in Europa vorkommenden vier Geierarten sind Schmutzgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier (siehe Foto) und Bartgeier. Gänsegeier und Bartgeier haben sich in ihrem Bestand einigermaßen erholt – durch Schutzmaßnahmen, die die Europäische Union Millionen Euro gekostet haben. Es wurden auch erfolgreiche Auswilderungen durchgeführt, beispielsweise mit Bartgeiern aus dem Tiergarten Nürnberg.

Auf dem indischen Subkontinent haben Millionen von Geiern in den 1990er Jahren mit dem Leben dafür bezahlt, dass sie Rinder-Kadaver gefressen haben, die Diclofenac-Rückstände enthielten. Innerhalb von etwa zehn Jahren sind so 99 Prozent aller Geier Indiens verschwunden. Fast wären sie ganz ausgestorben, wenn nicht Naturschützer über das Netzwerk SAVE-Vultures ein Verbot der Anwendung von Diclofenac bei Tieren durchgesetzt hätten. In den EU-Mitgliedsstaaten gilt die EU-Vogelschutzrichtlinie und eine Gesetzgebung, die Tier-Medikamente vorschreibt, die keinen ökologischen Schaden anrichten.  Der NABU hat deshalb die Bundesregierung aufgefordert, bei der EU-Kommission eine europaweite Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.

Putin, der Leopardenflüsterer

Bleiben wir beim traurigen Thema Sotschi, auch wenn der folgende Beitrag darüber ebenfalls nicht sehr erfreulich ist.

Er stellt sich gern als toller Hecht dar, mal mit freiem Oberkörper, damit die Muckis auch gut zu sehen sind, mal mit wilden Tieren wie Tigern und jetzt – im Vorfeld der Olympischen Winterspiele – mit Leoparden: der russische Präsident Wladimir Putin. Als wahrer Leopardenflüsterer ist er jetzt aufgetreten. Vor laufenden Kameras hielt er eine dieser Wildkatzen auf dem Schoß. Das Tier hatte kurz vorher immerhin zwei Journalisten angegriffen, wohl aus Panik oder Ärger angesichts der zahlreich erschienenen Pressevertreter. Russische Medien berichten, der Leopard mit dem schönen Namen Grom (auf Deutsch: Donner) habe zwei Journalisten in seinem Käfig angegriffen. Wie und warum die dort überhaupt hineinkamen, geht aus den Meldungen leider nicht hervor. Jedenfalls soll der eine an der Hand, der andere am Knie verletzt worden sein. Da kam der große Putin und zeigte den Schlaffis von der Presse, wie man mit so einem Tier richtig umgeht: Er begab sich angeblich auch in den Käfig, um den Leoparden zu beruhigen. Und siehe da: Grom verwandelte sich zum Kuscheltier und ließ sich von Putin auf den Knien halten. Der bescheidene Kommentar des Präsidenten dazu:  „Ich mag Tiere, es scheint, ich habe ein Gefühl für sie. Wir mochten einander.“

Anlass für diesen tollen Auftritt war folgender: Putin präsentierte ein Programm zur Auswilderung von Leoparden in der Nähe der Sportanlagen für die Winterspiele bei Sotschi. Dabei behauptete er, die Umweltsituation habe sich durch die Bauarbeiten für Olympia nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil sogar verbessert. Für diesen „Beweis“ hatte er Mitglieder des Olympischen Komitees mit seinem eigenen Geländewagen zu einer Aufzuchtstation für Leoparden in einem Naturreservat oberhalb der Stadt am Schwarzen Meer gekarrt. Umweltschützer dagegen sind der Auffassung, durch die Bauarbeiten würden Schäden verursacht, die sich nicht wieder beheben ließen. Das Auswilderungsprogramm für persische Leoparden sieht ihre Wiederansiedlung in den Bergen der Olympiaregion vor. Die Tiere gelten dort seit den 1950er Jahren als ausgestorben. Die an dem Projekt beteiligten Raubkatzen hat Russland aus Turkmenistan, dem Iran und Portugal als Geschenk erhalten.

 

Jetzt auch noch die Piraten!

Die Grünen haben es vorgemacht – nun fordern auch die Piraten ein Haltungsverbot für Delfine, und zwar in den Zoos von Nordrhein-Westfalen. Einen entsprechenden Antrag will die Landtagsfraktion der Piraten nächste Woche im Landtag einbringen. Die Partei will auch prüfen lassen, ob Delfine ausgewildert werden können.

Da frage ich mich schon: Hat man bei den Piraten in Nordrhein-Westfalen eigentlich nichts vom Vorstoß der Grünen – und zwar deren Fraktion im Bundestag! – mitbekommen? Wollen diese Landtagspolitiker jetzt das Rad neu erfinden? Wissen sie überhaupt, dass in Nordrhein-Westfalen nur in Duisburg noch Delfine gehalten werden und deutschlandweit außer in Duisburg nur noch in Nürnberg (siehe Foto)? Oder stellen sie diesen Antrag einfach mal so, weil es halt populistisch ist und sie damit ein paar Tierrechtler auf ihre Seite bringen wollen, die bekanntlich seit Jahren gegen Delfinarien kämpfen? Vielleicht ist auch jemand von Peta Mitglied bei den Piraten in Nordrhein-Westfalen?

Eine solche Ahnungslosigkeit von Politikern finde ich wirklich beängstigend. Schon der Vorstoß der Grünen im Frühsommer zeugte für mich von Unwissenheit. Ich erinnere mich außerdem gut an den Redaktionsbesuch von Jürgen Trittin bei der NZ, kurz vor der Bundestagswahl. Als ich ihn fragte, ob er überhaupt schon eines der Delfinarien in deutschen Zoos selbst gesehen habe, musst er verneinen. Für einen Besuch der Delfinlagune in Nürnberg hatte er natürlich auch keine Zeit gehabt, den Duisburger Zoo kannte er ebenfalls nicht. Trotzdem für das Verbot zu stimmen, damit hatte Trittin offenbar keine Probleme gehabt. Dafür erzählte er, er gehe mit seinen Enkeln gerne in Zoos, und er sei überzeugt, die Pfleger würden sich viel Mühe geben, auch bei der Delfinhaltung. – Da konnte sich jeder Wähler heraussuchen, was ihm gefiel.

Würde man bei den Piraten in Nordrhein-Westfalen nachhaken, kämen wahrscheinlich ähnlich unsägliche Antworten. Kein Wunder, wenn Politiker als immer unglaubwürdiger gelten! Sie geben tatsächlich ihr Bestes dafür.

 

Erstes Wisentbaby in freier Wildbahn

Im April hatte ich über ein interessantes, wissenschaftlich begleitetes Auswilderungsprojekt geschrieben: Im Rothaargebirge (Nordrhein-Westfalen) lebt erstmals seit über einem Jahrhundert wieder eine Herde von Wisenten in freier Wildbahn. Nun gibt es schon die erste gute Nachricht über das Projekt zu vermelden: Die Leitkuh der Herde hat ein gesundes Kalb zur Welt gebracht.

Der kleine Bulle wurde auf den Namen Quintus getauft, weil er das fünfte Jungtier dieses Artenschutzprojekts ist, bei dem vorher – als die Wisentherde noch in einem großen Gehege in Gefangenschaft lebte – bereits vier Babys geboren worden waren. Die Mutter kümmert sich vorbildlich um Quintus, der laut den Wildhütern „putzmunter“ ist. Die Ranger raten allerdings Spaziergängern, die den Tieren begegnen, besonders großen Abstand zu halten, weil die Mutter ihren Nachwuchs instinktiv schütze und daher angriffslustiger als sonst sei.

Die im April freigelassene Herde hat mittlerweile ein Gebiet in der Größe von 2000 bis 2500 Hektar für sich erschlossen. Obwohl Wisente als sehr scheu gelten, lassen sich die im Rothaargebirge ausgewilderten Tiere immer wieder von Mountainbikern und Wanderern beobachten. Alles in allem ein Projekt, das vielversprechend angelaufen ist, und dem ich weiterhin gutes Gelingen wünschen möchte.

Weitere Informationen über das Projekt findet man hier.

Luchskiller im Bayerischen Wald

So erfreulich die Neuigkeit vom Fledermaus-freundlichen Kloster Plankstetten war, so schrecklich ist eine Nachricht, die jetzt aus dem Nationalpark Bayerischer Wald kommt. Dort hatten Spaziergänger vor kurzem am Silberberg, in der Nähe von Bodenmais, einen toten Luchs entdeckt und das der Polizei gemeldet. Bei der Untersuchung des Kadavers hat sich nun herausgestellt, dass es sich um ein etwa zwei Jahre altes weibliches Tier handelte, das von einem Unbekannten durch einen Schuss in die Brust getötet wurde. Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass die Luchsin mit drei Föten trächtig war.

Damit ist im Nationalpark Bayerischer Wald nun schon zum zweiten Mal ein weiblicher Luchs unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen: Im letzten Jahr war ein Tier namens Tessa mit dem Insektizid Carbofuran vergiftet worden (Foto). Der Tod von Tessa hatte für viel Wirbel gesorgt. Sie war von Mitarbeitern des Nationalparks mit einem Halsband mit GPS und Minisender ausgerüstet worden, um die Streifzüge der Luchsin und ihre Wege durch den Nationalpark verfolgen zu können. Der Nationalpark berichtete regelmäßig über Tessa, die dadurch in der Öffentlichkeit eine gewisse Popularität erreichte. Die Staatsanwaltschaft nahm nach dem Tod von Tessa die Ermittlungen auf, musste sie aber im Herbst ohne Ergebnis einstellen.

Ich befürchte, dass bei den polizeilichen Ermittlungen in Sachen der jetzt erschossenen Luchsin auch nicht mehr herauskommt als bei damals bei Tessa. Ob es sich womöglich um denselben Täter handelt? Der Tod der beiden Tiere ist jedenfalls nicht nur traurig. Er bedeutet auch einen Rückschlag für die Population der Luchse. Denn diese größte heimische Wildkatze gilt in unseren Wäldern als vom Aussterben bedroht. In den 1980er Jahren waren auf tschechischer Seite des Böhmerwaldes 17 Luchse ausgewildert worden. Infolgedessen hatten Luchse sich langsam auch im Bayerischen Wald wieder angesiedelt. Der Nationalpark Bayerischer Wald hat einige Luchse mit Peilsendern ausgestattet, um Daten zu sammeln. Dabei handelte es sich um ein auf vier Jahre angelegtes Projekt, das Ende dieses Monats zu Ende geht. Die Ergebnisse sollen demnächst präsentiert werden. Und da wird ausgerechnet kurz vorher wieder ein Luchs getötet – ein eigenartiger Zufall!

Wisente wieder in freier Wildbahn

Sie waren in Deutschland vor etwa 90 Jahren schon vom Aussterben bedroht. Letztlich haben wir es Zoologischen Gärten zu verdanken, dass Wisente bei uns überlebt haben. Heute gibt es wieder fast 4000 Exemplare dieses größten europäischen Landsäugetiers, die alle von 12 (!) Tieren abstammen. Experten sehen den engen genetischen Pool der mächtigen Ur-Rinder durchaus als problematisch an.

In dieser Woche wird zum ersten Mal eine Wisent-Herde in Deutschland ausgewildert: im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Zehn Jahre hat man in das Projekt investiert, in den letzten drei Jahren wurde die Herde, die acht Tiere umfasst, gezielt auf die Auswilderung vorbereitet. Sie lebt seitdem bereits im Rothaargebirge: In einem 88 Hektar großen Gehege, wo sie von Rangern betreut wird. Diese Ranger werden am Donnerstag auch den ersten Teil des vier Kilometer langen Zaunes abbauen. Die Herde kann sich dann frei in der Gegend bewegen. Man rechnet damit, dass sie nach und nach ein Gebiet von 2000 bis 3000 Hektar für sich beanspruchen wird. Am Anfang dürften die Rinder noch ganz in der Nähe bleiben und sich erst nach und nach weiter von dem bisher eingezäunten Gelände entfernen.

Wahrscheinlich, so nehmen die Betreuer an, werden die Wisente auch immer wieder zu ihren bisherigen Futterstellen zurückkehren. Im Winter sollen sie dort auch weiterhin versorgt werden, damit die Tiere kräftig genug bleiben. Die Herde wird von einer Leitkuh und einem Bullen angeführt. Drei Wisente haben ein Halsband um, das mit einem GPS-Sender ausgestattet ist, so dass man die Tiere nicht aus dem Blick verliert. Eine wirklich hundertprozentige Auswilderung wird es nicht nur wegen der Winterfütterung nicht sein: Die Betreuer werden wegen des schon angesprochenen engen Gen-Pools der Wisente künftig auch in die Struktur der Herde eingreifen. Sobald die weiblichen Jungtiere geschlechtsreif werden, soll der Bulle ausgetauscht werden, damit es nicht zur Inzucht kommt.

Trotz dieser Einschränkungen bleibt das Ganze aber ein spannendes Projekt, das bislang von drei Universitäten wissenschaftlich begleitet wird.

Glück und Pech im Jahr 2011

Weihnachtsgans gut verdaut, unpassende Geschenke umgetauscht? Gut, dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen. Das heißt, so ganz alltäglich ist diese Zeit zwischen den Jahren ja nicht. Man macht sich Gedanken über Vergangenes und Zukünftiges, zieht Bilanz, blickt nach vorne. Das habe ich in den Vorjahren in meinem Blog ebenfalls getan und möchte auch zu diesem Jahreswechsel nicht darauf verzichten.

Für einige Tierarten ist das zu Ende gehende Jahr alles andere als ein gutes gewesen. Ganz besonders schlecht verlief es zum Beispiel für Grauwale: Die werden sowieso schon immer weniger, und die letzten 130 Exemplare vor der russischen Insel Sachalin sind auch noch durch Ölförderprojekte bedroht.  Wie schlimm es um Nashörner steht, habe ich erst im November geschrieben. Übel ist auch der Irawadi-Delfin in Südostasien dran: 85 Tiere gibt es nach Angaben des WWF noch im Mekong. Die Jungtier-Sterblichkeit ist ungewöhnlich hoch, und die Fischerei tut ein Übriges, um die lächerliche Bestandszahl weiter zu dezimieren.

Aber wir brauchen gar nicht so weit weg zu gehen: Auch in unseren Breiten sind Tiere beinahe ausgerottet, weil der Mensch nur an sich denkt. In der Donau waren zum Beispiel einmal sechs verschiedene Störarten vertreten – jetzt ist es nur noch eine. Das kommt mir irgendwie vor wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“. Schuld an der Entwicklung ist vor allem der illegale Handel mit Kaviar. Mittlerweile gibt es in der EU nur noch in Rumänien und Bulgarien wildlebende Störe.

Damit das Jahr in meinem Blog nicht nur mit solch traurigen Tier-Meldungen zu Ende geht, hier auch noch die eine oder andere positive Nachricht:

Es geht aufwärts mit den Berggorillas, die schon einmal kurz vorm Aussterben standen. Der WWF kommt bei seiner neuesten Zählung auf  insgesamt 780 Exemplare in teils grenzüberschreitenden afrikanischen Nationalparks in Uganda, in Ruanda und im Kongo. Aufatmen dürfen wir auch beim Europäischen Luchs: Man geht davon aus, dass im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald heute wieder etwa 25 Exemplare leben.

Beenden möchte ich die erfreulichen Entwicklungen mit den Przewalski-Wildpferden, die vor 15 Jahren als ausgestorben galten. Seit sie in der Monoglei ausgewildert werden, gibt es nun in freier Natur wieder rund 300 dieser Urwildpferde. Der Tiergarten Nürnberg hat mit seiner erfolgreichen Zucht einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Im Tiergarten kann man nach wie vor eine Przewalski-Herde beobachten, ebenso wie im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst. Obwohl – ich kenne Leute, die dort schon öfter waren und die Tiere noch nie zu Gesicht bekommen haben. Denen kann ich versichern: Die Urwildpferde sind dort, man muss aber schon ein wenig Glück und Geduld haben, sie zwischen Bäumen und Sträuchern in der weitläufigen Anlage zu entdecken.

 

Hat Ric O´Barry den "Bambi" verdient?

Die diesjährige „Bambi“-Verleihung dürfte in die Mediengeschichte eingehen: Nicht nur die Verleihung des Medienpreises an den Rapper Bushido ist mehr als fragwürdig und hat bekanntlich Proteste ausgelöst. Nein, auch dass der Preis in der Kategorie „Unsere Erde“ an Richard O´Barry für sein Engagement als Delfinschützer geht, kann man durchaus kritisch hinterfragen.

Für viele Tierschutz-Aktivisten ist O´Barry eine Art Heiliger, allerdings einer, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Schließlich arbeitete er einst als Delfintrainer bei der Fernsehserie „Flipper“. Gut, er hat das später bedauert; man sollte ihm das also nicht sein Leben lang immer wieder aufs Brot schmieren. Und keiner kann wohl O´Barrys Verdienst vom Tisch wischen, das er sich durch den Film „Die Bucht“ erworben hat: So wurden Millionen von Menschen auf das sinnlose Abschlachten von Delfinen in der Bucht von Taiji aufmerksam und protestierten dagegen – wenn auch leider (noch?) nicht mit großem Erfolg.

Doch O´Barry schlägt auch manchmal über die Stränge. „Auswilderung“ lautet das Zauberwort, das er in Sachen Delfinhaltung gebetsmühlenartig wiederholt und als Allheilmittel betrachtet. Dass Auswilderung aber oft gar nicht möglich ist, hat er selbst schon schmerzhaft erfahren müssen. Bei publikumswirksam inszenierten Befreiungsaktionen hat er Tieren nämlich schon schwer geschadet.

Ein Beispiel gefällig? O.k.: 1996 konnten zwei zuvor in menschlicher Obhut gehaltene Delfine wenige Tage nach ihrer  „Befreiung“ vor der Küste Floridas durch den prominenten Tierrechtler gerade noch rechtzeitig gerettet werden; sie waren schwer verletzt und stark unterernährt, weil niemand sie auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet hatte. Das hatte schwerwiegende Konsequenzen: O´Barry und seine Organisation wurden wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz im Meer lebender Säugetiere und wegen Tierquälerei zur Höchststrafe von 40 000 Dollar verurteilt. Damit nicht genug: Wegen unsachgemäßer und illegaler Auswilderung bekam er eine zweite Strafe aufgebrummt: 19 500 Dollar. Und auch das von O´Barry mit ins Leben gerufene „Sugarloaf Dolphin Sanctuary“ hat man geschlossen und die Delfine beschlagnahmt. Die Behörden konnten u.a. nachweisen, dass die Tiere nicht ausreichend von Veterinären versorgt wurden.

 

In eigener Sache

Ab und zu muss man so ein Blog auch ein wenig verwalten. Dabei habe  ich gestern plötzlich über 20 als „Spam“ eingestufte Kommentare gefunden. Bei ihrer Durchsicht habe ich festgestellt, dass manche gar keine Spams waren. Also habe ich sie im Nachhinein als Kommentare freigegeben.

Darunter war zum Beispiel der Kommentar von Marlon zu meinem Beitrag über Andreas Kielings Buch „Ein deutscher Wandersommer“, der vor ein paar Tagen abgeschickt wurde. Und gerade vor ein paar Minuten habe ich Timos Kommentar zu den falschen Behauptungen des WDSF über die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg unter der Rubrik „Spam“ gefunden und ebenfalls nachträglich freigegeben.

Tut mir leid – offenbar will unser Verlag sozusagen tausendprozentig sichergehen beim Verdacht auf Spams und hat strengste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ich habe darauf keinen Einfluss. Hoffentllich ist bei meinen Lesern nicht der Eindruck entstanden, ich würde Kommentare unterdrücken!

Da in meinem Blog kein Beitrag erscheinen soll, in dem es nicht um Tiere geht, möchte ich noch ganz kurz eine fast schon bizarre tierische Begebenheit aus Malaysia erzählen: Dort lebte in einem Zoo seit Jahren die rauchende Orang-Utan-Dame Shirley, die sich auf die weggeworfenen Kippen der Zoobesucher stürzte; die fanden das anscheinend sehr komisch. Doch nun haben Pfleger der Sache ein Ende gemacht und Shirley auf Entzug geschickt. Sie musste in den Zoo von Malacca umziehen, wo sie sie sich das Rauchen abgewöhnen soll. Wenn sie das schafft, muss sie vielleicht nie wieder in einem Zoo leben, sondern darf auf der Insel Borneo an einem Auswilderungsprogramm teilnehmen.