"Wolfserwartungsland": bitte nicht!

Es gibt Wortschöpfungen, da könnte ich mir die Haare ausraufen – oder Schlimmeres. „Wolfserwartungsland“ ist ein solches Wort, das mir als Wolf natürlich besonders weh tut. Bayern soll angeblich Wolfserwartungsland sein. Das meldet jedenfalls die Online-Redaktion des Bayerischen Rundfunks auf einer Seite zur Sendung „Unkraut“. Ob den BR-Redakteuren das Wortungetüm selbst eingefallen ist, ob sie es nur von der ehemaligen bayerischen Wolfsbeauftragten Giulia Kriegel oder vom Landesamt für Umwelt übernommen haben, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Das ist ein grauenhaftes Wort!!! Warum kann man nicht einfach sagen oder schreiben, dass es auch in Bayern wohl bald wieder Wölfe geben wird?

Seit Jahrhunderten wird bei uns vom „bösen Wolf“ geschrieben und gesprochen – eine üble Nachrede! Längst ist erwiesen, dass das nicht stimmt. Ich finde es deshalb wenig zweckdienlich, wenn sich die BR-Onliner in ihrem Beitrag über Wölfe zu der Aussage hinreißen lassen, „… sie wandern heimlich, unerkannt und meist bekommt der Mensch ihre Anwesenheit erst mit, wenn der Wolf ein Tier reißt“. Na toll! Vorurteile zu bestätigen, statt sie auszuräumen, sollte eigentlich die Aufgabe der Redakteure beim BR sein. – Sei´s drum!   Versöhnlich stimmt mich ein Satz weiter unten in dem Beitrag: „Wölfe sind extrem anpassungsfähig und intelligent“, heißt es da. Damit kann ich leben.

Scheibe verkratzt – was nun?

Gerade mal ein paar Tage ist die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg für Zoobesucher zugänglich – schon hat einer (oder eine?) von ihnen der neuen Anlage für Große Tümmler, Seelöwen und Seekühe mutwillig Schaden zugefügt: Bereits in der vergangenen Woche wurde die riesige Panoramascheibe verkratzt, durch die man vom „Blauen Salon“ aus Delfinen und Seelöwen unter Wasser beim Schwimmen und Tauchen zuschauen kann (auf dem Foto ist der 51-jährige Moby durch die Scheibe zu erkennen, im Vordergrund eine der künstlichen Algen der Unterwasserlandschaft).

Der Tiergarten hat diese Sachbeschädigung nicht an die Medien weitergegeben – vielleicht aus Angst, andere damit auf dumme Ideen zu bringen, vielleicht auch aus Angst vor erneut schlechter Presse über die Lagune. Schließlich hatten im Vorfeld und am Tag der Eröffnung der Lagune zahlreiche Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender immer wieder negativ und einseitig über die Lagune berichtet. Auch das Bayerische Fernsehen hat sich da pseudokritisch eingereiht, wie hier bereits ausführlich berichtet.

Nun prangen in der Mitte der sündhaft teuren, 18 Meter langen, gekrümmten Acrylscheibe Kratzer in Zickzachform auf einer Fläche von ungefähr 25 mal 25 Zentimetern. Mancher Besucher mag sie im Halbdunkel gar nicht bemerken, vor allem wenn er in die Beobachtung der faszinierenden Meeressäuger vertieft ist. Andere werden sich vielleicht über den Akt von Vandalismus ärgern, wieder andere könnten sich animiert fühlen, dem bisher noch einsamen Kratzer einen weiteren zur Gesellschaft hinzuzufügen.

Leider ist man dem „Täter“ (warum eigentlich Anführungszeichen, es handelt sich ja eindeutig um eine Straftat?) nicht auf die Schliche gekommen. Die Überwachungskamera hat keine Bilder geliefert, auf denen man den Bösewicht erkennt. Tiergartenmitarbeiter, die immer wieder sozusagen auf Streife unterwegs sind, vermuten, es könnte ein Kind gewesen sein: Ständig tatschen nämlich Buben und Mädchen mit den Händen an die Scheibe und rennen davor auf und ab. Dabei könnte ein Kind ein „Werkzeug“ zum Verkratzen in der Hand gehabt haben. Es könnten auch Jugendliche gewesen sein, die sich ja überall im Stadtgebiet künstlerisch verewigen. Und dann bleibt natürlich die Möglichkeit, dass einer der Lagunen-Gegner seiner Wut über die Anlage freien Lauf gelassen hat.

Wie dem auch sei: Nun muss der Tiergarten die wertvolle Scheibe für teures Geld (die Kosten stehen noch nicht fest) reparieren lassen. Die Tiergartenleitung will vermeiden, dass sich irgendein zweiter Verrückter durch die Kratzer eingeladen fühlt, auch seine „Handschrift“ auf dem Acrylglas zu hinterlassen. An Absperrungen vor der Scheibe, die einen gewissen Sicherheitsabstand garantieren würden, denkt man – vorläufig jedenfalls – noch nicht. Denn der Besucher soll ja den Eindruck haben, dass die Tiere ganz nah auf ihn zuschwimmen. Da kann man nicht einen Meter entfernt vor der Scheibe stehen. Wenn die Überwachung verstärkt werden sollte, würde das auch zusätzliche Kosten verursachen. Was man schließlich auf keinen Fall möchte, ist, den Besuchern das Gefühl einer ständigen Überwachung zu vermitteln. In solch einer unguten Atmosphäre würde sich bestimmt niemand wohlfühlen – weder Mensch noch Tier.

Das Bayerische Fernsehen und die Lagune

Die neue Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg ist ab Samstag, 30. Juli,  endlich auch für die Zoobesucher zugänglich. „Endlich“ deshalb, weil sich nun jeder selbst ein Bild von der Anlage machen kann, die im Vorfeld deutschlandweit für einen Medienwirbel ohnegleichen gesorgt hat. Die Informationen, die über das Projekt gestreut wurden, waren tendenziös bis einseitig. Tierrechtler und Tierschutzaktivisten haben es geschafft, einen Großteil der Medien für sich zu vereinnahmen.

Eine ganze Reihe von Journalisten, die sich mit dem Thema Delfine bisher kaum beschäftigt haben, interviewten blauäugig Vertreter von PETA oder Pro Wildlife und ließen sich von denen alles Mögliche einreden, was vordergründig dagegen spricht, dass diese Tiere in Zoos gehalten werden können. Wobei offenbar weder die meisten Journalisten noch die Tierrechtler imstande sind,  zwischen „artgerecht“ und „naturgerecht“ zu unterscheiden.  Naturgerechte Haltung gibt es bei keinem Zootier, aber die Bestimmungen der Artenschutzgesetze werden in Zoos erfüllt; so auch in der Nürnberger Lagune.

In vielen Medien scheint es inzwischen Hauptsache zu sein,  sich als kritisch-engagiert zu geben – ob die Inhalte stimmen, ist dabei ganz egal. So macht man heutzutage Quote. Immer schön mit dem Mainstream schwimmen, sonst könnte man ja anecken und ein par Follower oder Freunde in den alles bestimmenden Internet-Foren verlieren.

Den Vogel abgeschossen hat für mich dabei das Bayerische Fernsehen. Am Donnerstag, als die Lagune offiziell eingeweiht wurde, brachte der Sender in der „Rundschau“ um 21 Uhr einen Beitrag über das Ereignis. Der Zuschauer erfuhr darin nicht sehr viel Neues über die Lagune und gar nichts über das Manatihaus, das immerhin ein Viertel der gesamten Investitionssumme des gemeinsamen Bauprojekts Lagune/Manatihaus ausmacht. In den Medien wurde das neue Zuhause für Seekühe allgemein sträflich vernachlässigt – leider, denn ich finde diese Tropenhalle als tiergärtnerische Anlage ehrlich gesagt wesentlich beeindruckender als die Lagune – ein echter Gewinn für den Tiergarten und die Stadt Nürnberg! Deshalb zeige ich einen Teil der Tropenhalle hier gern im Bild.

Aber zurück zum BR. Nachdem schon ein Großteil des aktuellen Beitrags über die Einweihung der Lagune aus Interviews mit Delfinariumsgegnern bestand, durfte hinterher im Studio auch noch eine Vertreterin von Pro Wildlife ihre Halbwahrheiten über die Biologie von Delfinen vom Stapel lassen. Sie behauptete zum Beispiel, die Delfine könnten in Becken wie der Lagune ihr Echolot-System nicht einsetzen. Das ist – mit Verlaub – Schwachsinn hoch drei! Delfine setzen dieses hochsensible Sonarsystem nämlich nur ein, wenn sie ihre Umgebung erkunden müssen. In Becken wie dem bisherigen Delfinarium, die sich über Jahre hinweg nicht verändern, können die Tiere auf das Echolot verzichten, weil sie es nicht brauchen; die Abmessungen des Beckens, Betonwände oder andere Hindernisse haben die Großen Tümmler längst sozusagen in ihrem Gedächtnis eingescannt. Erst wenn die Tiere die Umgebung wechseln (wie vor ein paar Wochen beim Umzug in die Lagune), aktivieren sie die Echolot-Peilung wieder. Sonst würden die schnellen Schwimmer brutal gegen die Beckenwände prallen. Haben sie die Formen, Wassertiefe und Maße der neuen Becken erst einmal neu im Gehirn programmiert, deaktivieren die Delfine das Sonarsystem.

Das ist nur ein Beispiel, wie diese Debatte seit Jahren geführt wird, und ein Grund, warum sie mir gelinde gesagt zum Hals heraushängt. Ich habe deshalb in meinem Blog lange Zeit nicht über Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien geschrieben. In den letzten Wochen blieb mir als Redakteurin der „Nürnberger Zeitung“ aus aktuellem Anlass aber nicht anderes übrig – die Delfinlagune ist halt nun mal ein Topthema für Nürnberg und die Region, das ich als Journalistin nicht ignorieren kann.

Söder: Eisbär mit Verspätung

Ich bin wieder vom Winterurlaub am Dachstein zurück – und wirklich zwei Wochen lang nicht ein einziges Mal ins Internet gegangen. Habe mich aber nicht nur deswegen bestens erholt (vielen Dank für die netten Urlaubswünsche, d´ecclesia).

Gerade lese ich die neuesten Beiträge und Kommentare in meinem Tier-Blog durch. Danke, Marco, dass Du auch diesmal wieder geholfen hast, und auch Dir, „Heidi“.

Apropos Marcos Beitrag über die „Nürnberger Schnauzen“:  In einer Zeitschleife gefangen schien mir auch unser neuer bayerischer Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder bei seinem Gastspiel bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. Sehr originell, ein geschlagenes Jahr nach dem großen Flocke-Hype im Eisbären-Kostüm aufzutreten! Ich dachte, die CSU ist neuerdings keine rückwärts-, sondern eine vorwärtsgewandte Partei! Oder sollte das gar nicht Flocke sein, sondern womöglich Rasputin, der neue Spielgefährte unseres Nürnberger Eisbär-Mädchens aus Moskau? Aber dass ausgerechnet ein CSU-Minister sich derart bei den Russen anwanzt – kann das denn sein? Die waren doch immerhin der einstige Klassenfeind!

Als er in der Fernsehsendung auf seine ach so originelle Verkleidung angesprochen wurde, fiel Söder auf die Schnelle noch nicht einmal Antwort ein. Komisch, sonst ist er doch auch nicht auf den Mund gefallen. Hat es Söder womöglich die Sprache verschlagen ob des ihm gegenüber sitzenden, als eine Art Cowboy verkleideten Innenministers Joachim Herrmann? Oder war er nur sauer, dass ihn die Faschings-Narren in diesem Jahr beinahe nicht beachteten, nachdem er in den vergangenen Jahren der Buhmann während der Sendung war? – Fragen über Fragen, die ich hier leider nicht beantworten kann und will.

Für alle, die sich den Auftritt Söders noch einmal anschauen möchten: Morgen, am Faschingsdienstag, besteht dazu Gelegenheit: Von 12.35 bis 16 Uhr wiederholt das Bayerische Fernsehen die Fränkische Fastnachts-Prunksitzung von Veitshöchheim.

Wenn die Flocke-Meldungen ausgehen

Es ist schon ein Kreuz, wenn man partout über Flocke berichten muss, obwohl es eigentlich nichts Neues gibt.

Die Zeitung mit den vier Großbuchstaben ist am meisten darin geübt, aus nichts etwas zu machen. Also setzte sie dieser Tage das Gerücht in die Welt, der Zoo in Kopenhagen sei scharf auf unsere Flocke. Die Tiergartenleitung weiß zwar nichts davon und hat sich auch ziemlich geärgert über die Meldung. Aber das ist der Boulevardzeitung natürlich sch…egal.

Und dann das Bayerische Fernsehen! Dort pflegt man ja normalerweise eine seriöse Berichterstattung. Doch mit dem täglichen „Flocke-Tagebuch“ in der Sendung „Wir in Bayern“ hat man sich selbst unnötig unter Druck gesetzt. Nun sind die Fernsehkollegen schon so weit, dass sie mit dem Zählen der Tage durcheinanderkommen. „Montag, 21. April, zehnter Tag in meinem eigenen Gehege“, ließen sie Flocke gestern aus dem Off sprechen. Es war aber in Wirklichkeit schon Tag Nummer 14. Durch die Papst-Berichterstattung in der vergangenen Woche,  der das „Flocke-Tagebuch“ zum Opfer gefallen war, hat man offenbar den Überblick verloren.

Das mag jetzt korinthenkackerisch wirken. Also gut, Schwamm drüber. Viel schlimmer aber ist, dass den BR-Leuten auch inhaltlich nichts mehr einfällt, was Flocke in ihrem Tagebuch erzählen könnte.  Die Bilder dazu sind sowieso schon mindestens eine Woche alt. Mangels neuer schneidet man jetzt, wo wir alle die Nase voll haben vom Winter, einfach Ausschnitte von irgendwelchen Langlauf-Veranstaltungen dazwischen, mit einem sinnigen Text unterlegt, wie es wohl am Nordpol sein könnte. Offenbar merken die Fernsehmacher aber selbst, wie schwach ihre Beiträge inzwischen sind. Sie kündigen das Flocke-Tagebuch vorsichtshalber schon gar nicht mehr eigens an.   

Wir sind Papst und Flocke!

papst.JPGFlocke ist seit über einer Woche in ihrem eigenen Gehege – und das öffentliche Interesse an ihr lässt nach. Zumindest das der Medien.

Sogar das Bayerische Fernsehen, das in seinem täglichen Magazin „Wir in Bayern“ um 16.05 Uhr nach wie vor „Flockes Tagebuch“ sendet (neuestes Motto: „Heute ist der soundsovielte, Tag X in meinem neuen Gehege“)  lässt jetzt schon mal einen Tag aus diesem „Buch“ sausen.

So zum Beispiel am Mittwoch. Da hat man lieber den Papstbesuch in den USA live im Bayerischen Fernsehen übertragen. Naja, wenn man nicht so genau hingeschaut und hingehört hat – weiß wie Flocke ist der Papst auch gewesen. Und die Riesentorte sieht fast aus wie ein Eisberg. Schließlich kommt Benedikt XVI. auch aus Bayern und ist ein Botschafter für die ganze Welt, wie Flocke eben: Wir sind Papst, und wir sind Flocke!