Kralle, Schnute oder Balou?

Wie soll der kleine Lippenbär im Berliner Zoo heißen? Darüber sollen jetzt die Fans des vor drei Monaten geborenen Tierbabys bis zum 3. April  über Facebook abstimmen. Zur Auswahl stehen drei Namen: Kralle (wegen der langen Krallen, die Lippenbären haben), Schnute (weil die Bären eine ganz charakteristische Schnauze besitzen) oder Balou (wie der Bär aus dem Dschungelbuch). Das noch namenlose Jungtier durfte jetzt zum ersten Mal im Freigehege des Berliner Zoos spielen. Dabei grub das drei Monate alte Männchen mit seinen schon angesprochenen Krallen wild in der Erde. Seine Mutter, die den Namen Kaveri trägt, kümmert such vorbildlich um ihren Nachwuchs und überwacht jeden Schritt, den der Kleine macht.

Lippenbären leben in freier Wildbahn in Indien und Sri Lanka, vereinzelt auch in Bangladesch, Bhutan und Nepal. Ihr Lebensraum reicht von den tropischen Feuchtwäldern bis hin zu feuchten Grasländern und Laubwäldern. Sie ernähren sich hauptsächlich von Termiten, lieben aber auch süße Früchte, Blüten und Honig. Ihre langen Krallen setzen sie geschickt ein, um Termitenbauten aufzubrechen. Ihre Beute saugen sie dann mit gespitzten Lippen auf – daher die Bezeichnung Lippenbär. Das kleine Exemplar in Berlin wird noch von der Mutter gesäugt, ist aber sehr temperamentvoll und klettert schon auf Seilen und Baumstämmen herum. Seine Mutter beißt er manchmal in die Schnauze – was wohl als Liebkosung zu verstehen ist.  Kaveri und ihr Nachwuchs sind jetzt jeden Tag im Außengehege zu beobachten – oder auf einem Video. Man darf gespannt sein, was sich der Zoo anlässlich der Namensgebung einfallen lässt.

P.S.: Es ist entschieden: Wie mir Leserin heidi_z freundlicherweise mitgeteilt hat, heißt der Kleine Balou. Gefällt mir, kann ich da nur sagen, denn das war ja auch mein Favorit!

Zootiere leben länger!

gorilla_aeltester_berlin_zooJetzt gibt es einen wissenschaftlichen Nachweis, der Zoogegner mal wieder auf die Palme bringen dürfte: Viele Säugetiere leben in Zoologischen Gärten länger als in freier Wildbahn. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universitäten Zürich und Lyon sowie des Zoologischen Gartens Halle hat dieses Phänomen bei über 50 Säugetierarten untersucht.

Klar: Bei Tieren, die nicht in Menschenobhut leben, ist es schwierig, Geburts- und Todesdaten zu bestimmen. In Zoos dagegen wird darüber lückenlos Buch geführt. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Studien über freilebende Tiere mit genauen Altersangaben, um Vergleichsdaten zu erstellen. Die Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass über 80 Prozent der in Zoos lebenden Säugetiere länger leben als in „Freiheit“. Dazu gehören zum Beispiel Kaffernbüffel, Rentiere, Zebras, Biber oder Löwen. Bei Raubtieren ist es sogar so, dass alle 15 untersuchten Arten in Tiergärten eine höhere Lebensdauer erreicht haben. Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), der im deutschsprachigen Raum 70 wissenschaftlich geleitete Zoos vertritt, ist naturgemäß hocherfreut über dieses Forschungsergebnis – straft es doch die wie ein Mantra immer wieder vorgetragene Kritik von Zoogegnern Lügen, die Sterblichkeitsrate von Zootieren sei besonders hoch. Allerdings ist die Lebensdauer von Tieren nur ein Indikator unter mehreren zur Beurteilung von Tierhaltung.

Die Studie belegt außerdem, dass ein paar besonders langlebige Arten in der Natur älter werden als im Zoo, beispielsweise Schimpansen. Weil die meisten Zoos in letzter Zeit aber gerade bei den Anlagen für Menschenaffen aufwändig um- oder neugebaut haben, dürfte in einiger Zeit auch bei den Primaten die Altersstatistik eine andere Sprache sprechen. Einige Menschenaffen erreichen auch jetzt schon in Menschenobhut ein biblisches Alter, etwa der auf obigem Foto abgebildete älteste Gorilla des Berliner Zoos (Foto: Zoo Berlin) oder der im Tiergarten Nürnberg lebende Silberrücken Fritz. (Wie heidi_z vorhin in ihrem Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben hat, kennt sie die alte Gorilladame auf dem Bild: Es handelt sich um Fatou, die nächstes Jahr hoffentlich auch noch ihren 60. Geburtstag feiern kann. Vielen Dank für den Hinweis!)

Wetten, dass die Zoogegner auch hier wieder ein Haar in der Suppe finden und die Studie für unglaubwürdig oder unsinnig hinstellen? Diese Wette gewinne ich – hundertprozentig!`

Happy Birthday, Tierpark Friedrichsfelde!

Friedrichsfelde
Heute feiert der Tierpark Friedrichsfelde im ehemaligen Ostberlin seinen 60. Geburtstag. So etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk waren vier Sibirische Tigerbabys, die Tigerin Aurora Ende April zur Welt brachte. Der Zoo wurde zu DDR-Zeiten am 2. Juli 1955 im Beisein von Staatspräsident Wilhelm Pieck eröffnet. Erste Bewohner waren ein Storch und ein Kamel, die aus dem Zoo in Halle stammten.

Die Entwicklung ging dann recht schnell weiter, etwa mit der Eisbärenanlage und dem im Jahr 1963 eröffneten Alfred-Brehm-Haus, in dem Löwen und Tiger präsentiert wurden. Später folgte eine Tropenhalle. Kurz vor der Wende kam noch ein Elefantenhaus mit Freianlage dazu. Danach gab es Überlegungen, den „Ost-Zoo“ ganz zu schließen, was dann aber doch nicht umgesetzt wurde: Der Tierpark war nämlich äußerst beliebt. Neuer Direktor wurde Bernhard Blaszkiewitz, der den Gründungsvater, Tierparkdirektor Heinrich Dathe, 1991 ablöste. Er war gleichzeitig Direktor des Berliner Zoos. In Friedrichsfelde ließ er neue Tieranlagen errichten, war aber umstritten wegen seiner oft  ruppig wirkenden Äußerungen, vor allem den Medien gegenüber. Blaszkiewitz blieb bis Frühjahr 2014 Zoochef.

Im Vergleich zum Zoo im einstigen West-Berlin ist Friedrichsfelde ein riesiger Flächenzoo: Er ist der größte Landschaftstiergarten Europas und umfasst 160 Hektar, die Platz für 7500 Tiere bieten. Der Tiergarten Nürnberg, der ja auch als Landschaftszoo gilt, hat knapp 70 Hektar. In Sachen Besucher ziehen der Nürnberger Tiergarten und der Tierpark Friedrichsfelde in etwa gleich: Rund eine Million Besucher sind es durchschnittlich pro Jahr (in Nürnberg etwas wenig mehr). In Friedrichsfelde mangelt es allerdings an ausländischen Touristen, die offenbar den Berliner Zoo vorziehen.

Zum Tierpark-Jubiläum ist von großer Feststimmung leider nicht die Rede. Denn Friedrichsfelde gilt unter Fachleuten längst als unrentabel. Der Tierpark wird mit rund 5,5 Millionen Euro jährlich vom Land unterstützt, während der Zoo im Westteil Berlins mittlerweile ohne Zuschüsse zurechtkommt. Einige Gehege stammen noch aus DDR-Zeiten und sind zum Teil altmodisch eingezäunt. Kritisiert wird eine Reihe von Dingen, etwa die nicht mehr zeitgemäße Energieversorgung, die zu wenigen und nicht besonders ansprechenden Spielplätze, die Unübersichtlichkeit der Anlage, die unzureichende Gastronomie.

Es gibt jetzt einen neuen gemeinsamen Direktor für den Zoo Berlin und den Tierpark Friedrichsfelde: Andreas Knieriem, von Beruf Tierarzt und vorher Leiter des Münchner Tierparks Hellabrunn. Er hat angekündigt, den früheren DDR-Zoo von Grund auf umzukrempeln. Ihm schwebt zum Beispiel eine Afrika-Lodge vor oder Himalaya-Gipfel für Bergtiere. Das alles unter dem neuen Motto „Ab in die Wildnis – Abenteuer erleben“. Dafür rechnet er mit Kosten in Höhe von 92 Millionen Euro – Geld, das nicht vorhanden ist, aber irgendwoher kommen soll. Vielleicht kann ja der Verein der Freunde der beiden Hauptstadtzoos einen Teil beitragen; jedenfalls steht er den Plänen aufgeschlossen gegenüber. Als erstes steht jetzt die Sanierung des Raubtierhauses an. Auf jeden Fall lehnt Knieriem jeden Schließungsplan für Frierichsfelde ab. Er ist überzeugt davon, dass für die Hauptstadt und die Metropolregion Berlin ein Zoo nicht ausreicht.

Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Vor allem müssen es aber zwei Zoos mit ganz unterschiedlichem Konzept sein. Knieriem sollte darauf achten, dass sich die beiden Einrichtungen nicht zu ähnlich werden. Und er muss aufpassen, dass in Friedrichsfelde nicht eine Art Vergnügungspark mit angeschlossenem Zoo entsteht. Damit kann man zwar mehr Geld machen – aber so etwas würde gerade zu Friedrichsfelde überhaupt nicht passen.

Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

ARCHIV - Der kondensierende Atem der Eisbärin Tosca ist am 29.01.2011 im Zoologischen Garten in Berlin bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa "Mutter von Eisbär Knut soll eingeschläfert werden" vom 23.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Tosca (siehe Foto), die Mutter des berühmten Eisbären Knut, ist eingeschläfert worden. Für diese Entscheidung wurde zum ersten Mal im Berliner Zoo eine Ethik-Kommission einberufen, bestehend aus Tierärzten, Tierschutzbeauftragten, Kuratoren und Pflegern. Diese Kommission hatte die Entscheidung, die fast 30 Jahre alte Eisbärin einzuschläfern, in den letzten Tagen getroffen. Tosca war mittlerweile blind, taub und hatte keinen Geruchssinn mehr. So konnte sie nicht einmal mehr selbstständig ihr Futter finden. Deshalb wollte man der Eisbären-Seniorin unnötiges Leid ersparen.

Eine Entscheidung, die in einem Zoo eigentlich zum Alltag gehört. Gut, Eisbären sind besondere – auch umstrittene – Zootiere, aber das mit der Ethik-Kommission halte ich doch für reichlich übertrieben. Warum muss man das so hoch hängen? Ist doch klar, dass Tierärzte, Pfleger und Direktion in so einem Fall gemeinsam beraten, was das Beste für das Tier ist – und entsprechend handelt man dann.

Der Medien-Hype um Toscas Sohn Knut mag die Zooleitung dazu bewogen haben, mit der Ethik-Kommission an die Medien zu gehen. Auch die Kritik am früheren Zoodirektor, der mit seinen oft herzlos wirkenden Statements über seine Zootiere und über Zoos im Allgemeinen ein schlechtes Bild abgab. Aber eine Ethik-Kommission für Tiere ist in meinen Augen zu viel der Ehre. Und ich bin wirklich eine große Tierfreundin!

Tosca soll nun in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht werden, wo Pathologen den Grund ihrer Krankheit untersuchen sollen.  Da frage ich mich auch: Was soll schon der Grund gewesen sein – Tosca war einfach altersschwach! In freier Wildbahn werden Eisbärenweibchen 25 bis 30 Jahre, also hatte sie ein stolzes Alter erreicht. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, gehörte später zum Staatszirkus der DDR und kam 1998 in den Berliner Zoo. Dort lebt jetzt nur noch eine Eisbärin, ebenfalls eine „alte Dame“: die 30-jährige Katjuscha. Da Eisbären Einzelgänger sind, kann sie ihren Lebensabend gut allein im Zoo verbringen – vielleicht sogar besser, als wenn es manchmal zu Streit zwischen den Tieren kommt. Das war in der Vergangenheit manchmal der Fall gewesen.

Knut ist seit vergangenem Jahr übrigens auch wieder in Berlin: Im Naturkundemuseum in der Invalidenstraße kann man ihn als Präparat bewundern.

Unterirdischer Zoo-Krimi

Morgen ist Valentinstag. Vielleicht sucht der eine oder andere ja noch ein Geschenk. Ich hätte da einen Tipp – einen tierischen natürlich: Erdmännchen sind ungemein beliebt bei den Zoobesuchern auf der ganzen Welt, und Leseratten lieben Krimis. Warum also nicht beides kombinieren und Erdmännchen zu kriminalistischen Ermittlern machen? Auf diese Idee ist Moritz Matthies (ein Pseudonym, das nicht verraten wird) gekommen. Er hat das  halbstarke Erdmännchen Ray zu seinem Krimihelden erkoren. Schon zum zweiten Mal darf der einen Fall lösen.

„Voll Speed“ ist der Titel der umwerfend komischen Geschichte, die sich im Berliner Zoo abspielt, teils auch inm Labyrinth der Kanäle darunter. Ray und sein genialer, aber schüchterner Bruder Rufus klären eine mysteriöse Geschichte auf, in der es im doppelten Sinn um „Speed“ geht. Wegen einer gefährlichen Droge sind einige Zoobewohner außer Rand und Band, und das detektivische Brüderpaar geht – für Erdmännchen ja nicht so außergewöhnlich – im Untergrund auf Spurensuche: Nicht nur im Bau des Erdmännchenclans, sondern mit Hilfe eines Speed-Bootes auch auf den unterirdischen Wasserstraßen des Zoos und der Umgebung. Dort lauert allerdings, von einer menschlichen Wasserleiche mal abgesehen, eine Gefahr: das mit den Erdmännchen verfeindete Rattenvolk.

Im Buch gibt es übrigens auch einen Menschen, dem Ray vertraut und der mit auf Verbrecherjagd gehen darf. Detektiv Phil beherrscht die Erdmännchensprache und erinnert sonst ziemlich stark an ein großes literarisches Vorbild: Philip Marlowe, die berühmte Romanfigur von Raymond Chandler, dessen Rolle Humphrey Bogart in „The Big Sleep“ gespielt hat. Wer diese Figur mochte, gerne in den Zoo geht und ein Fan des Romans und Films „Der dritte Mann“ mit der Verfolgungsjagd durch die Kanalisation der Stadt Wien ist, der wird auch „Voll Speed“ am liebsten nicht mehr aus der Hand legen – und vielleicht auch unbedingt den ersten Erdmännchen-Krimi „Ausgefressen“ von Moritz Matthies noch lesen wollen. (Die Erdmännchen-Krimis von Moritz Matthies sind bei Fischer erschienen.)

PS.: Noch ein tierischer Tipp für den Valentinstag: Der Tiergarten Nürnberg lädt am 14. Februar alle Paare dazu ein, mit einem Erinnerungsfoto an ein gemeinsames Rendezvous im Tiergarten zu kommen. Jedes Paar, das an der Tiergarten-Kasse ein solches Foto vorlegt, kann den Zoo am Schmausenbuck zum halben Preis besuchen.

Knut lebt als Denkmal weiter

Knut ist zwar seit eineinhalb Jahren tot, aber im Berliner Zoo lebt der berühmte Eisbär ab sofort weiter – als Bronze-Statue. Die wurde heute in dem Zoo im Rahmen einer Einweihungsfeier am Bärenfelsen enthüllt. Geschaffen hat das Kunstwerk der aus der Ukraine stammende, in Nürnberg lebende Bildhauer Josef Tabachnyk. Ich habe hier im Blog schon mal kurz darüber geschrieben.

Tabachnyk nennt sein Kunstwerk „Knut, der Träumer“, denn es stellt einen sinnierenden Eisbären dar, der auf einer „Eisscholle“ aus weiß-grauem Granit liegt.  Der Künstler hat acht Monate lang daran gearbeitet und ist froh, dass das Projekt nun beendet ist. Er ist gespannt, wie die Statue bei den Zoobesuchern ankommt. Finanziert wurde das Knut-Denkmal über Spenden.

Bei der Einweihungsfeier hat Zoodirektor Blaszkiewitz vor einem Totenkult um Knut gewarnt und darauf hingewiesen, dass es Unterschiede zwischen einem toten Menschen und einem toten Tier gibt. Einige Knut-Fans reagierten darauf ziemlich wütend. Sie unterbrachen die Rede des Zoodirektors mehrmals mit Zwischenrufen.

Knut als Klettergerät

Wir Nürnberger hatten unsere Flocke und haben Knut immer skeptisch gegenübergestanden. Viel zu viel Aufhebens haben sie um den Berliner Eisbären gemacht –  genauso wie um seinen Pfleger Thomas Dörflein. Unserer mittelfränkischen Mentalität entspricht das gar nicht, und so hat man im Nürnberger Tiergarten das Eisbären-Rührstück um Flocke auch zurückhaltender gehandhabt als die Berliner ihres um Knut.  Das hat sich allerdings auch bei der Vermarktung des süßen Tierbabys bemerkbar gemacht: Von den Millionen, die der Berliner Zoo mit Knut eingefahren hat, kann der Tiergarten nur träumen.

Doch Knut und Thomas Dörflein sind mittlerweile tot, während unsere Flocke noch lebt – wenn auch nicht am Schmausenbuck, sondern im fernen Antibes an der Côte d´Azur -, und alle vier Ziehmütter und -väter von Flocke erfreuen sich ebenfalls bester Gesundheit. Wir hatten in Nürnberg inzwischen sogar wieder Eisbärennachwuchs, der aber, weil er auf natürliche Weise von seiner Mutter großgezogen wurde, kein großes überregionales Interesse bei den Medien gefunden hat.

In Berlin aber geht der Knut-Hype weiter. Zunächst stritt man sich darüber, ob der eisbärige Superstar ausgestopft werden sollte oder nicht,  nun hat man sich endlich auf ein Denkmal für Knut geeinigt. Und da kommt wieder Nürnberg ins Spiel – zwar nicht der Tiergarten oder seine Eisbären, aber ein in Nürnberg lebender Künstler:  der Bildhauer Josef Tabachnyk. Für alle Nürnberger unter meinen Lesern: Von diesem Künstler stammt zum Beispiel auch die Willy-Brandt-Skulptur auf dem gleichnamigen Platz in Nürnberg. Heute hat Tabachnyk das Modell für das Knut-Denkmal in die Kameras halten dürfen. Es zeigt einen schlafenden kleinen Eisbären auf einem Felsen. Im Sommer soll die Bronzeskulptur am Bärenfelsen im Berliner Zoo aufgestellt werden. Laut Zoodirektion soll das Denkmal nicht dem Totengedenken dienen, sondern eine Art Spielgerät für Kinder werden, die darauf herumklettern dürfen. Immerhin 15 000 Euro wird das Ding kosten; dem Zoo-Förderverein fehlen derzeit noch 5000 Euro dafür.

 

 

Eisbärenzucht ade?

Und schon wieder gerät der Berliner Zoo mit seiner Eisbärenhaltung in die Schlagzeilen: „Berliner Zoo legt Eisbären-Sex auf Eis“ titelt – nein, nicht eine große Boulevard-Zeitung, sondern die Deutsche Presseagentur eine entsprechende Meldung. Sex sells, Eisbären ebenso und Eisbären im Berliner Zoo seit Knut erst recht.

Liest man den Rest der Meldung, wird es schon deutlich dünner. Aber weil ich ganz gern immer mal wieder einen Blick auf den Zoo in unserer Hauptstadt werfe und viele meiner Leser sich dafür interessieren, möchte ich die Information doch weitergeben. Also: Nach den Beißereien der Berliner Eisbärendamen Tosca, Nancy und Katjuscha (alle rechts im Bild) um – oder mit? – dem Eisbärenmann Troll, über die ich hier schon geschrieben habe, hat man sich schließlich von Troll getrennt; einen Nachfolger für ihn soll es auch nicht mehr geben. Die Zooleitung will nun gar keine Eisbärenzucht mehr. Im Tierpark Friedrichsfelde, im früheren Ostteil der Stadt gelegen, soll es dagegen weiterhin Eisbärenbabys geben; schließlich kommen ja in einer ganzen Reihe von Zoos immer wieder Junge zur Welt und werden in der Mehrheit auch von ihren Müttern aufgezogen.

Ich vermute mal, Direktor Bernhard Blaszkiewitz reicht es nach dem ganzen Trubel und der Kritik um Knuts Tod und den ständigen Protesten von Tierschutzaktivisten gegen den Berliner Zoo, die nicht nur die Zucht von Eisbären ablehnen, sondern überhaupt die Haltung dieser Tiere in Menschenobhut. Der Zoochef wird wohl darauf hinarbeiten, dass endlich wieder ein wenig Ruhe im Zoo Berlin einkehrt. Ob in Sachen Eisbärenzucht wirklich das letzte Wort gesprochen ist, wage ich aber zu bezweifeln. Man wird wohl erst ein wenig Gras über Knut und die Folgen wachsen lassen und die Tierrechtler besänftigen wollen.

Unterdessen plagen den Zoo, der mit Knut Millionen gemacht hat, auch finanzielle Nöte: Ihm droht die Streichung von Landeszuschüssen in Höhe von immerhin 1,3 Millionen Euro im Jahr. Keine schönen Aussichten fürs neue Jahr!

 

Ein zoo-besessener Fotograf

Na, Halloween gut überstanden? Kein angetrocknetes Ei an der Haustür, das man heute mühsam abkratzen muss? Kein abgerolltes Klopapier, das als weißes Endlos-Band den Vorgarten verschönert und nun von spitzen Fichtennadeln oder dornigen Rosen abgezogen werden muss? Gut – dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen.

Auch mir bleibt leider nichts anderes übrig. „Leider“ deshalb, weil ich nach einem verlängerten Wochenende in Berlin wieder zurück bin, wie immer absolut begeistert von dieser Stadt. „Treue“ Leser, wie wir sie in der Zeitung nennen würden (und ich übernehme das jetzt mal für mein Blog), wissen, dass ich auf Reisen fast immer auch einen Zoo besuche. Diesmal hat die Zeit dafür allerdings nicht gereicht, denn neben all dem, was Berlin so zu bieten hat, war ich auch noch zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, die einen Tag lang dauerte.

Den Berliner Zoo, der mit Eisbär Knut Schlagzeilen machte, kannte ich schon von früheren Berlin-Besuchen her, deshalb hätte mich diesmal sowieso nur der Tierpark Friedrichsfelde interessiert. Doch wie gesagt, ich hatte nicht genügend Zeit. Aber ich habe den idealen Mittelweg zwischen Kulturprogramm und Tierpark gefunden: Eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie mit Fotos von Friedrich Seidenstücker. Dieser geniale Fotograf (1882-1966) ist genauso gern in den Zoo gegangen wie ich – wahrscheinlich noch lieber und vor allem viel, viel öfter. Seine Zoo-Fotos sind mittlerweile Kult. Seidenstückers Spezialität: Bilder, auf denen er Zoo-Tiere und Zoo-Besucher gleichzeitig eingefangen hat, zum Beispiel Menschen, die sich beinahe verrenken, um ein bestimmtes Tier vor die Kamera zu bekommen. Besondere Berühmtheit hat sein Foto „Tochter und Papa“ erreicht, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Es entstand um das Jahr 1955 und zeigt zwei Berliner Originale: die Flusspferde Boulette und Knautschke.

Für alle, die demnächst eine Reise nach Berlin vorhaben: Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Februar 2012 in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, und ist täglich außer Dienstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Hackordnung wie im Hühnerstall

Der Berliner Zoo kommt einfach nicht zur Ruhe seit Knut(s Tod). Mit dem Nachfolge-Männchen für den im März verendeten Eisbär-Superstar gibt es nun offenbar auch Probleme. Die Medien in Berlin springen gern auf das Thema auf, hier zum Beispiel.

„Troll“ heißt der neue Knut und kommt aus dem früheren Ostberliner Zoo, dem Tierpark in Friedrichsfelde. Troll ist aber kein Teenager mehr, sondern ein gestandener Eisbärenmann. Und das führt dazu, dass unter den Damen im Eisbärengehege ein Kampf um die Rangordnung ausgebrochen ist – kennt man ja bei Menschen auch (Stichwort „Zickenkrieg“). Sogar zu ausgeschlagenen Zähnen soll es unter den drei Weibchen Nancy, Katjuscha und Tosca (der Mutter von Knut) schon gekommen sein.

Besucher wiederum stehen am Gehege und zeigen sich entsetzt ob der Szenen, die sich dort abspielen. Tierschützer und solche, die sich selbst dazu ernannt haben, schreiben Protestbriefe an den Aufsichtsrat des Berliner Zoos. Sie wollen die Beißereien nicht länger ertragen und werfen dem Zoo sogar vor, er würde mit der neuen Zusammenstellung der  Eisbärengruppe einen „Tierversuch“ vor den Augen der Besucher durchführen.

Die Situation ist schwierig. In freier Natur sind Eisbären Einzelgänger, Mann und Frau treffen nur zur Paarung aufeinander und gehen dann wieder ihre eigenen Wege. Der Berliner Zoo möchte nach bzw. trotz Knut weiter Eisbären züchten. Also sorgt man für eine Begegnung zwischen den Eisbärendamen und Troll. Vielleicht wäre es besser, jeder aus dem Trio ein einzelnes Date mit Troll zu verschaffen, um blutige Auseinandersetzungen zu vermeiden? – Ich fürchte, dazu hat der Zoo nicht die räumlichen Voraussetzungen auf der Eisbärenanlage.

Die Besucher wollen Rangkämpfe, wie sie in der Natur – bei unterschiedlichsten Tieren und sowohl unter Weibchen als auch Männchen – vorkommen, anscheinend im Zoo nicht sehen. Sie zimmern sich mit Unterstützung der Boulevard-Presse ihre eigene heile Tierwelt zusammen. „Tosca darf endlich wieder knutschen“: Solche Schlagzeilen lesen sich auch in der Zeitung besser als „Beißereien im Eisbärengehege“. Knut passte da durch sein enges Verhältnis zu seinem „Ziehvater“ Thomas Dörflein gut ins Schema.

Vielleicht gibt es wahre Eisbärenliebe ja gar nicht unter Eisbären, sondern nur zwischen Mensch und Eisbär, wer weiß?