Lieber roh oder gekocht?

schimpansenBleiben wir doch gleich bei den Menschenaffen – nach Orang-Utan Sandra sind heute die Schimpansen an der Reihe. Amerikanische Wissenschaftler führten mit den Primaten Experimente durch, bei denen es um Fragen ging wie diese: Haben Schimpansen Geduld genug, um rohe Speisen nicht sofort zu verzehren, sondern um abzuwarten, bis sie gar sind? Dazu ist eine Portion Selbstbeherrschung nötig, die sonst nur der Mensch besitzt. Und: Beherrschen die Menschenaffen kognitive Fähigkeiten, die zum Kochen von Nahrungsmitteln benötigt werden? Der Vorteil von Gekochtem besteht vor allem darin, dass es im Vergleich zu Früchten, Blättern oder rohem Fleisch mehr Energie liefert. Forscher gehen davon aus, dass im Laufe der Evolution der Wechsel zu dieser neuen Art von zubereiteter Nahrung die Voraussetzung dafür war, ein größeres Gehirn zu entwickeln, weil dazu mehr Energie nötig ist.

Die Wissenschaftler ließen Schimpansen – mit die engsten Verwandten des Menschen –  neun Tests absolvieren, um die Frage zu klären, ob schon die letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen über die notwendigsten Fähigkeiten für das Kochen von Nahrung verfügten. Die Affen mussten bei den Versuchen nicht mitmachen; ihre Teilnahme war freiwillig. Die Tiere saßen bei den Versuchen an einem Tisch gegenüber dem Versuchsleiter und trafen ihre Entscheidung jeweils durch Zeigen auf einen Herd und eine „Black Box“ oder, indem sie diese Geräte berührten.

Und das kam bei den Experimenten heraus: Schimpansen ziehen gekochte Nahrung roher vor, selbst wenn sie längere Zeit darauf warten müssen. Die Menschenaffen besitzen außerdem viele menschliche Fähigkeiten, die man zum Kochen braucht. Die Tiere schafften es in kurzer Zeit, die für sie neue Art und Weise der Essens-Verarbeitung zu erlernen. Für die Wissenschaftler zeigt das, dass das Garen von Nahrung in der menschlichen Evolution schon früh auftrat.

Weltrekord im Pazifik

grauwalIch gehöre normalerweise zu den Leuten, die es mit Rekorden oder – noch schlimmer – dem „Guinnessbuch der Rekorde“ – überhaupt nicht haben. Anders sieht das aber bei Rekorden aus, die Tiere erreicht haben. Und da hat mich jetzt die Leistung eines neun Jahre alaten Grauwal-Weibchens schwer beeindruckt. Es legte im Pazifischen Ozean in 172 Tagen eine Strecke von sage und schreibe 22 511 Kilometern zurück – die längste Distanz, die Menschen je bei einem Säugetier dokumentiert haben. Erst schwamm es innerhalb von 69 Tagen von der Küste der russischen Insel Sachalin bis vor die mexikanische Küste – 10 880 Kilometer -, danach kehrte das riesige Tier um und kam fast ein halbes Jahr später wieder dort an, wo es gestartet war. Dabei nahm es einen anderen Rückweg, was für seine hoch entwickelte Orientierungsfähigkeit spricht. Die bewundern auch die US-Forscher in ihrer Studie, die im britischen Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht wurde.

Wale überwinden so weite Entfernungen übrigens nicht aus Jux und Tollerei oder aus der Freude an Bewegung, wie es uns so mancher „Walfreund“, zum Beispiel vom WDSF, glauben machen will. Vielmehr tun die Tiere das, um in dem anderen Teil des Ozeans zu überwintern. Die Biologen aus den USA hatten sieben Grauwale mit Spezialsendern ausgestattet, die Signale übermitteln. Damit konnten sie verfolgen, wie die Wale durchs Meer ziehen – allen voran „Varvara“, wie die Wissenschaftler das Tier für sich genannt haben.

Wenn man nicht schwitzen kann…

Kinder - Schläfriges Kuscheltier im Baum - KoalaSie leben in heißen Regionen, können aber trotzdem nicht schwitzen: Koalabären besitzen keine Schweißdrüsen. Da geht es ihnen im Prinzip so wie vielen anderen Säugetieren. Das Problem ist nur: Wenn sie versuchen,  ihre Körpertemperatur durch Hecheln herunterzufahren, droht ihr Körper zu viel Wasser zu verlieren. Und weil sie auf Bäumen leben, haben sie auch keine Möglichkeit, in Erdhöhlen Zuflucht zu suchen.

Auch in diesem Fall hat die Natur eine geniale Lösung gefunden, wie Forscher der Universität von Melbourne nun entdeckt haben. Die Koalas wenden eine raffinierte Methode an, indem sie dicke Äste der Eukalyptusbäume umklammern – die Wirkung ist mit der einer Klimaanlage vergleichbar. Die Wissenschaftler haben genaue Messwerte der Lufttemperaturen sowie die der Baumstämme und Äste ermittelt und die Körpertemperatur der Tiere mit Hilfe von Wärmebildkameras gemessen. Dabei stellte sich heraus, dass die Baumstämme bei extremen Durchschnittstemperaturen von 36 Grad zwischen fünf und acht Grad kühler sind als ihre Umgebung. Wenn es besonders heiß ist, pressen die Koalas ihren Körper ganz an die tiefliegenden, dicksten Äste und kühlen sich dadurch ab. So benötigen sie nach den Berechnungen der Wissenschaftler nur rund die Hälfte der Energie, die sie gebraucht hätten, wenn sie dieselbe Wirkung durch Hecheln hätten schaffen wollen. Und sie verschwenden dabei auch keine Flüssigkeit.

Nein – daraus wird kein Knoten!

Es ist immer wieder erstaunlich, womit Biologen sich befassen können. Manchmal gehen sie Fragen nach, die einem Normalsterblichen nicht einmal im Traum einfallen würden. Der Laie wundert sich zuerst, doch wenn man dann liest, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen, ist man fasziniert, auf welche Phänomene sie da wieder gestoßen sind.

So haben sich jetzt israelische Biologen mit dem Thema beschäftigt, warum Kraken sich nicht ständig selbst verknoten und verheddern. Schließlich befinden sich an jedem ihrer acht Arme Hunderte von Saugnäpfen. Normalerweise haften die bei Berührung sofort an jeder Oberfläche fest. Wenn sich ein Oktopus bewegt, streift er ständig seine eigenen Arme – da müsste er sich doch eigentlich an sich selbst festsaugen. Warum das nicht so ist, haben die Wissenschaftler nun erforscht. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, weil man weiß, dass sich die einzelnen Arme dieser Tiere voneinander unabhängig bewegen. Salopp ausgedrückt, weiß der Krake nicht, was jeder einzelne seiner acht Arme gerade tut.

Binyamin Hochner von der Hebrew University in Jerusalem und seine Mitarbeiter haben zur Lösung des Rätsels mit einzelnen, amputierten Armen von Kraken Experimente durchgeführt. Das ist möglich, weil sich die Extremitäten noch eine Stunde, nachdem sie abgetrennt wurden, weiter bewegen und sich an allem festsaugen, was ihnen in den Weg kommt. Bei den Versuchen blieben die Saugnäpfe aber nie an anderen Armen hängen. Nur wenn man den Armen die obere Haut entfernt hatte, taten sie es. Gegenständen, die von den Forschern mit Krakenhaut überzogen worden waren, wichen sie aus. Und sie blieben nur ganz schwach an Oberflächen hängen, die von den Biologen mit einem Extrakt aus den Krakenarmen behandelt worden waren. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Oktopusse in ihrer Haut chemische Stoffe herstellen, die den Haftmechanismus der Saugnäpfe stoppen. Allerdings ist es noch nicht gelungen herauszufinden, um welche Substanz es sich dabei genau handelt. – Aber wir können uns trösten: Mit dieser Frage werden sich diese Wissenschaftler bestimmt als nächstes befassen, und sicher finden sie auch darauf wieder eine erstaunliche Antwort.

Je treuer, desto mehr Nachwuchs

Auch im Tierreich gibt es verschiedene Arten, bei denen sich die Partner ein Leben lang treu sind. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit sentimentalen Gefühlen zu tun, sondern dient vor allem einem Zweck: Bei bestimmten Tieren, wie zum Beispiel den Blaufußtölpeln, ist Treue ein Garant für mehr Erfolg bei der Fortpflanzung. Diese tropischen Meeresvögel binden sich lange an ihren jeweiligen Partner, weil sie dann früher Eier legen und mehr Küken haben. Das haben mexikanische Wissenschaftler nun in einer Studie bewiesen. Bei Blaufußtölpeln handelt es sich um eine Vogelart, die hauptsächlich auf den Galapagosinseln vorkommt, außerdem an den Küsten von Kalifornien, Mexiko und Ecuador. Ihren Namen tragen die Tiere wegen ihrer kräftig blau gefärbten Füße, die durch die Zusammensetzung der Nahrung zustandekommt.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Blaufußtölpel mit Langzeitbindung ihre Eier bis zu einem Monat früher legen als die Erstlingspaare dieser Vogelart. Sie schaffen es auch, mehr Eier auszubrüten und ziehen bis zu einem Drittel mehr Küken auf. Oscar Sánchez-Macouzet und seine Kollegen von der Universidad Nacional Autónoma in Mexiko-Stadt haben auch den Grund dafür herausgefunden: Wenn sich immer dieselben Vogelpartner paaren, brauchen sie weniger Zeit für die Partnersuche und weniger Energie, bis es zur Paarung kommt. Weil die Partner, die schon lange zusammen sind, eng miteinander vertraut sind, sind sie in Sachen Nachwuchs hervorragend aufeinander eingespielt. Solche Vogelpaare harmonieren in allen Fragen der Brutaktivitäten besser als Paare, die sich erst aneinander gewöhnen müssen. Sie bewältigen etwa die Verteidigung ihres Reviers müheloser und ergänzen sich auch optimal beim Nestbau, bei der Aufzucht und der Betreuung der Küken. Übrigens: Die Weibchen der Blaufußtölpel fahren am meisten auf die Männchen ab, deren Füße besonders intensiv blau leuchten. Die haben eindeutig die größten Chancen, von den Damen auserwählt zu werden.

Emanzipierte Vogelweibchen

Vogelgesang, so heißt es landläufig, haben wir den männlichen Vögeln zu verdanken. Doch das haben Wissenschaftler nun widerlegt. Auch die Weibchen zwitschern bei den meisten Singvögeln, wie Forscher der Universität von Maryland (Baltimore) herausgefunden haben. Ihrer Studie zufolge ist es sogar eher die Regel als die Ausnahme, wenn Vogelweibchen singen. Bisher waren Ornithologen davon ausgegangen,  dass Vogelmännchen den Gesang in erster Linie bei der Brautschau einsetzen und mit ihrem Tirilieren Nebenbuhler ausstechen wollen. Die amerikanischen Biologen berichten über ihre Forschungsergebnisse im Online-Journal „Nature Communications„.

Karan Odom und ihre Mitarbeiter klopften in der Fachliteratur über 1000 beschriebene Arten ab. Bei 323 Spezies aus 34 von 44 untersuchten Singvogelfamilien stießen sie auf brauchbare Hinweise auf weibliche Vogelgesänge. Demnach hatten Facheute bei 229 Arten regelmäßiges Singen von Vogelweibchen beschrieben. Dies entspricht einem Anteil von 71 Prozent. Die Biologen bezogen in ihre Untersuchung auch die Zuordnung der singenden Weibchen zu einem auf Gendaten beruhenden Stammbaum der Singvögel ein. Dabei kam heraus, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sozusagen schon seit Urzeiten einen weiblichchen Vogelgesang gibt.

Die Gleichberechtigung ist also auch in der Vogelwelt wesentlich weiter fortgeschritten als gedacht. Und wieder einmal hat sich eine alte Volksweisheit als Trugschluss erwiesen…

Frei nach Marx: Opium für Delfine

YouTube Preview ImageDiese Meldung und das dazugehörige Video haben in dieser Woche Furore gemacht: Delfine, die „high“ sind, nachdem sie vorsichtig auf Kugelfischen herumgekaut haben und diese dann in der Gruppe herumgehen lassen wie ein Haschischpfeifchen. Der kleine Film dient als Werbung für eine neue Doku der BBC über die Meeressäuger und wurde prompt von Bloggern, Radio- und Fernsehsendern und in sozialen Netzwerken aufgegriffen. Die „kiffenden Delfine“ sorgten fast für so viel Aufsehen wie das Kokain, das bei Aldi zwischen Bananen gefunden wurde. Und dabei sind wir noch ein ganzes Stück vom 1. April entfernt, an dem so etwas normalerweise als Scherz die Runde macht.

Zurück zu den Großen Tümmlern. Wissenschaftler haben folgendes herausgefunden: Die Meeressäuger nutzen es aus, dass die Kugelfische ein Nervengift absondern, sobald sie angegriffen werden. Dieses Gift – in kleinen Dosen genossen – sorgt für einen Rauschzustand bei den Delfinen, den Fernsehkameras eindrucksvoll eingefangen haben. Die Tümmler ließen sich im Wasser herum- und, die Nase nach oben, an die Oberfläche hochtreiben und schienen dort von ihrem eigenen Spiegelbild fasziniert zu sein, beschrieb der britische Zoologe Rob Pilley diesen Zustand; Pilley ist einer der Produzenten der Doku-Serie.

Irre Geschichte, finde ich. Aber statt nur darüber zu schmunzeln und Witze zu reißen, sollte man vielleicht lieber mal überlegen, ob man dieses Phänomen nicht für die Zoohaltung von Delfinen nutzen könnte. Wenn die Großen Tümmler in Delfinarien – zum Beispiel im Zoo Duisburg oder im Tiergarten Nürnberg – so leiden, wie es Delfinariums-Gegner wie Peta, WDSF, die Grünen oder neuerdings auch die Piraten behaupten, dann könnte man den Tieren ab und zu doch ein paar Kugelfische spendieren – und schon würden sie ihr hartes Los nicht mehr – oder nur noch eingeschränkt – mitbekommen. Das wäre, analog zum „Opium des Volkes“, wie Karl Marx die Religion umschrieb, „Opium für Delfine“ –  und auf jeden Fall realistischer als Auswilderung.

Die eigentlichen Erfinder der La-Ola-Welle

Sie gehören auch im Tiergarten Nürnberg zu den Lieblingen der Zoobesucher: Präriehunde. Die in Nordamerika beheimateten Nagetiere sind Verwandte der europäischen Murmeltiere. Ihr Gehege am Schmausenbuck befindet sich dort, wo früher einmal das Badebecken der Flusspferde war – direkt am gleichnamigen Haus.

Fußballfans in aller Welt kennen die sogenannte La-Ola-Welle. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wer sie erfunden hat. Wir Tierfreunde aber wissen schon lange: In Wahrheit waren es die Präriehunde. Wenn es ein Mitglied einer Kolonie plötzlich auf die Hinterbeine hochreißt, macht ihm das ein Tier nach dem anderen nach, so dass es wie die „Welle“ beim Fußball aussieht.  Kanadische Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum die Präriehunde das tun – schließlich sind sie doch gar keine Fußballfans.

Bisher mussten mehrere Erklärungen dafür herhalten: Die Tiere würden damit ihr Territorium markieren, es würde Entwarnung nach einer Gefahr bedeuten oder zeige einfach eine stärkere soziale Bindung einzelner Koloniemitglieder zu ihren Nachbarn. Wissenschaftler in Winnipeg haben diese Annahmen jetzt entkräftet. Sie haben genau beobachtet, was die Tiere tun, wenn sie so eine Welle ins Rollen gebracht haben. Dabei stellten die Biologen folgendes fest: Je mehr Artgenossen mitmachen und je länger die „Welle“ deshalb dauert, desto länger geht das Tier danach auf Futtersuche. Die Kolonie ist während dieser Zeit besonders wachsam, so dass sich das Einzeltier sicherer fühlen kann als sonst. Die Stdie wurde jetzt  im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.

Eine tierische Sensation

Nein, das auf dem Foto ist kein Kleiner Panda. Obwohl eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem possierlichen Tierchen – der unvergessene Bernhard Grzimek verwendete dieses Wort gern in seiner Kultsendung „Ein Platz für Tiere“ – vorhanden ist. (Zum Vergleich bitte hier klicken, zu einem Blog-Eintrag über Kleine Pandas im Tiergarten Nürnberg.) Auf diesem Bild sieht man dagegen eine Tierart, die gerade erst entdeckt wurde: ein Olinguito.

Während die Kleinen Pandas oder Katzenbären, wie man sie auch nennt, aus Asien stammen und zur Gattung der Ailurus gehören, lebt der Olinguito in den nördlichen Anden und gehört zu den Olingos oder Makibären (wissenschaftliche Bezeichnung: Bassaricyon). Der Katzenbär hat – wer zu meinem frühren Beitrag geklickt hat, konnte es sehen – spitze Ohren wie eine Katze (!), der Olinguito runde Ohren wie alle (Maki-)Bären.

Genug der biologischen Systematik – zurück zur Neuentdeckung! Die ist einerseits eine Sensation, weil seit 35 Jahren erstmals wieder in der westlichen Hemisphäre ein neues Raubtier wissenschaftlich erfasst werden konnte. Andererseits ist die Geschichte, wie es dazu kam, fast interessanter als das Tier an sich. Denn den Olinguito haben Forscher nicht etwa bei einer Expedition in die Nebelwälder der Anden auf einem Baum sitzend gefunden. Vielmehr brachten ein paar ausgestopfte Tiere die Forscher auf die richtige Spur.

Und das geschah so: Eine Gruppe von Wissenschaftlern vom Smithsonian´s National Museum of Natural History in Washington D.C. wollte wissen, wie viele Arten von Makibären (oder Olingos, wie wir eben gelernt haben) wo genau existieren. Um das herauszufinden, untersuchten sie zunächst eine Reihe von Museums-Ausstellungsstücken dieser Art. Dabei bemerkten sie, dass einige Exemplare kleiner waren und ein dichteres Fell hatten und einen anders geformten Schädel sowie nicht die gleichen Zähne besaßen wie die übrigen Exponate. Den alten Museumsunterlagen zufolge stammten diese Tiere aus den nördlichen Anden, und zwar aus einem Gebiet, das 1500 bis 2700 Meter hoch liegt – höher als der bisher bekannte Lebensraum der Makis. Daher veranlassten die Wissenschaftler eine genetische Untersuchung dieser ausgestopften Tiere. Dabei stellte sich heraus: Es handelt sich um eine noch nicht beschriebene neue Art.

So kam es dann doch noch zu einer Expedition, bei der die Forscher tatsächlich einigen Olinguitos in freier Wildbahn begegneten. Das sind kleine, quicklebendige Raubtiere, die allerdings nur nachts munter sind, kaum ihre Bäume verlassen und – wenn sie Nachwuchs haben – jeweils ein Junges aufziehen. Und eines verhält sich bei den Olinguitos leider nicht anders als bei allen anderen Neuentdeckungen von Tieren in der letzten Zeit: Kaum wissenschaftlich erfasst, werden sie schon wieder als gefährdet eingestuft. Im Fall der Makibären ist bereits fast die Hälfte (genauer: 42 Prozent) ihres Lebensraums, die Nebelwälder in den Anden, zerstört, sei es durch Umwandlung des Waldes in Ackerland oder in Siedlungsflächen.

Nun will man die Olinguitos zu „Botschaftern“ für die bedrohten Nebelwälder in Ecuador und Kolumbien ernennen, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit über die putzigen Tiere auf dieses ernste Thema zu lenken. – Wie viel so was tatsächlich bringt, hat man ja bei Knut und Flocke gesehen, die für die Erhaltung ihres Lebensraums in der Arktis werben sollten: So gut wie nichts, fürchte ich. Oder bin ich da schon wieder zu negativ?

Lebenswichtige soziale Netzwerke

Wer sagt denn, soziale Netzwerke existieren erst seit Beginn des digitalen Zeitalters und funktionieren nur über Twitter, Facebook usw. ? Weit gefehlt! Völlig daneben liegt auch, wer annimmt, sie seien vom Menschen erfunden. Nein, es gibt auch verschiedene Tierarten, die schon vor langer Zeit soziale Netzwerke entwickelt haben. Für manche von ihnen ist es sogar lebenswichtig, gut in sozialen Netzwerken eingebunden zu sein. Sind sie es nämlich nicht, kann ihr Überlebenskampf noch viel härter werden, als er es für die meisten Tiere in freier Wildbahn sowieso schon ist.

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir dafür die neuesten Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland her, die sich den sozialen Verbänden bei Totenkopfaffen gewidmet haben. Die Forscher haben vor kurzem herausgefunden, dass diejenigen Gruppenmitglieder am schnellsten an unbekannte Futterquellen herankommen, die am besten sozial vernetzt sind. Für die Versuche arbeiteten die Wissenschaftler mit den „Bossen“ zweier Totenkopfaffen-Gruppen: Die beiden Affen bekamen jeweils ein verschlossenes Gefäß mit Futter präsentiert und wurden dann in unterschiedlichen Methoden trainiert, dieses Behältnis zu öffnen.

Nach der Schulung kehrten die Alpha-Tiere in ihren Affenstaat zurück (frei nach dem „Dschungelbuch“; leider steht unter dem YouTube-Video fälschlicherweise „Affenstall“ statt „Affenstaat“, wie es im Lied heißt, und der Name des Affenkönigs ist auch falsch geschrieben, richtig wäre Louie, nicht Lui). Die Forscher konnten genau folgende Abläufe beobachten: Die Gruppenmitglieder, die über die vielfältigsten sozialen Verbindungen verfügen, sind rascher in der Lage, sich die Technik von ihrem Chef abzuschauen und selbst anzueignen, als die Äffchen, die eher Randfiguren im Verbund sind. Und noch etwas stellten die Biologen fest. Etwas, das ich als Aufmunterung für diejenigen unter meinen Lesern betonen möchte, die – wie ich selbst – nicht mehr die Jüngsten sind: Das Alter der Affen spielte bei den Experimenten überhaupt keine Rolle!!! Dieser Aspekt des Studienergebnisses wundert mich allerdings überhaupt nicht. Ähnliches beobachte ich tagtäglich in meiner näheren Umgebung.