Wirbel im Paradies

Ein Tipp für alle, die demnächst einmal nach Wien fahren: Ich empfehle einen Abstecher in den Tiergarten Schönbrunn. Nicht nur, weil er als einer der ältesten Zoologischen Gärten sowieso einen Besuch wert ist. Nein – er bietet derzeit noch eine zusätzliche Attraktion: die Kunstaktion „Trouble in Paradise“. Sie dauert bis 18. Oktober.

Christoph Steinbrener und Rainer Dempf, beides Deutsche, sorgen für Wirbel im Tierparadies. Sie haben Sachen in den Tierpark gestellt, die dort eigentlich gar nichts zu suchen haben: eine Ölförderpumpe bei den Pinguinen, ein Autowrack im Nashorn-Badeteich, Eisenbahnschienen im Bisongehege, eine Almhütte bei den Elefanten, eine Badewanne bei den Krokodilen und ein (leeres) Giftmüllfass im Aquarium.

Mit der „künstlerischen Intervention“ wollen die beiden die Rücksichtslosigkeit der menschlichen „Zivilisation“ gegenüber der Natur anprangern. Den Tiergartenbesuchern soll so das Problem der Umwelt- und Lebensraumzerstörung bewusst werden. Die Tiergartenleitung hat darauf geachtet, dass bei der Aktion die Zootiere nicht gefährdet werden.

Lustigerweise nehmen die Tiere die „Kunstwerke“ wie selbstverständlich an – so machen sie es in freier Wildbahn ja schließlich auch. Die Pinguine in Schönbrunn hüpfen also auf der Ölpumpe herum, das Nashorn wollte anscheinend schon immer mal sein dickes Hinterteil auf einem dicken Auto parken, und die Krokodile haben die Badewanne als zusätzliches Becken akzeptiert. Mit Protest haben bisher nur einige Menschen reagiert und ihre Dauer-Eintrittskarten gekündigt.  – Oder haben wir Menschen den Protest der Tiere nur wieder mal nicht mitbekommen?

Bisons und Wisente – nur Langweiler?

Das war wieder einmal typisch für den Berufsstand, dem ich (in diesem Fall muss ich sagen: leider) auch angehöre: Der Nürnberger Tiergarten lädt die Presse ein, um seine Bison- und Wisentbabys vorzustellen – und nur ganz wenige Journalisten gehen hin. Ist wohl nicht sensationell genug, der Nachwuchs bei diesen Tierarten.

Da liegen die lieben Kollegen allerdings ziemlich daneben. Offenbar haben sie keine Ahnung, dass die zur selben Familie gehörenden Wildrinder fast schon von unserer Erde verschwunden wären: In Amerika wurden 60 Millionen Bisons durch beispiellose Vernichtung der Siedler auf wenige Hundert dezimiert, in Europa machten Jäger im Jahr 1919 dem letzten freilebenden Wisent den Garaus.

Nur durch die „Arche Zoo“ konnten Wisente überleben. Die augenblickliche Population liegt bei gut 3000 Tieren; sie geht auf ganze 12 Gründertiere in Zoologischen Gärten zurück. Die Zahl der Bisons hat sich mittlerweile wieder auf rund 60 000 Exemplare erhöht, die alle in Schutzgebieten der USA leben.

Im Nürnberger Tiergarten kann man sich jetzt an drei Bison-Kälbern und einem Wisent-Baby erfreuen. Die Bisons bekommen dort ziemlich rgelmäßig alle zwei Jahre Nachwuchs, bei den Wisenten gab es zuletzt eine längere Zuchtpause. Allerdings kann man die Tiere auch nicht so häufig verpaaren, wie die das vielleicht gerne hätten: Wisente und Bisons sind inzwischen schwierig in anderen Zoos unterzubringen. Da geht es ihnen dann auch nicht anders als mit der Seite eins der Zeitungen…