Was leuchtet da im Tiergehege?

hyazinthara_mit_kuerbisKinder lieben es, manche Erwachsenen nervt es einfach nur – wie dem auch sei: Auch bei uns in Deutschland kommt längst niemand mehr an Halloween vorbei. Der Tiergarten Nürnberg will von dem Riesengeschäft, das mit dem Grusel-Event gemacht wird, ebenfalls profitieren. Deshalb heißt es am 31. Oktober von 10 bis 16 Uhr: „Wer findet Hokkaido und Co. im Landschaftszoo?“ Jeder Zoobesucher kann unter diesem Motto auf Kürbissuche im Tiergarten gehen. Bei der „Kürbis-Safari“ gilt es, die orangefarbenen Früchte in verschiedenen Tiergehegen – wie zum Beispiel bei den Hyazinth-Aras auf diesem Foto – zu entdecken. Die Fundorte sind auf einer Teilnahmekarte zu verzeichnen, die man sich am Eingang abholt. Bei richtigem Eintrag ergibt sich ein Lösungswort. Am Ende des Tiergartenrundgangs wirft man die Karte in eine Box am Ausgang. Zu gewinnen gibt es Jahres-, Familien- und Tageskarten für den Zoo am Schmausenbuck.

„Horror-Clowns“, die ihr Unwesen treiben, haben in diesem Jahr im Vorfeld des Halloween-Festes für Grauen gesorgt. In Nürnberg haben einige Geschäfte darauf reagiert und Clowns-Masken aus dem Sortiment genommen. Eine harmlosere Grusel-Variante, die große wie kleine Kinder begeistert, ist der Brauch, an Halloween Kürbisse auszuhöhlen und Fratzen in die Schale zu schnitzen. Davon hat man sich im Tiergarten anregen lassen. Die leuchtenden Früchte sind gleichzeitig eine willkommene Abwechslung und ein interessantes Spielzeug für die Zootiere. So macht auch ihnen Halloween Spaß.

Kopf ab – soll das lustig sein?

GänsereitenIn Bochum-Wattenscheid gibt es eine alte Karnevalstradition am Rosenmontag: das „Gänsereiten“. Ein Brauch, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, als man so etwas vielleicht noch lustig fand: Eine eigens zu diesem Zweck getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Wer das schafft, wird für ein Jahr zum „Gänsereiterkönig” ernannt. Die Gans wird anschließend verspeist.

Das Spektakel gibt es auch in anderen Städten, doch dort verwendet man längst  Attrappen statt der echten Tiere. Nur in Bochum-Wattenscheid hängt man an der echten toten Gans. Der Brauch wurde einst von spanischen Kriegern abgekupfert, als körperliches und psychisches Training für die Reiter: Sie sollten möglichst alle Skrupel verlieren, um in den Krieg ziehen zu können. In den Anfängen des „Gänsereitens“ riss man sogar einer lebenden Gans den Kopf ab. Das wurde aber schon im Jahr 1806 verboten.

Tierschützer fordern seit einiger Zeit, dass Gänse für diesen Karnevalsbrauch nicht getötet werden dürfen. Sie argumentieren auch damit, dass die Misshandlung von Tieren der Misshandlung von Menschen vorausgehe und vor allem dazu führe, bei jungen Leuten Gewalt zu verharmlosen. Gegner dieser Veranstaltung fordern die Stadt Bochum auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder das blutige Schauspiel nicht sehen sollten, weil es zu grausam sei. Mittlerweile wurde eine Petition gestartet, bei der man gegen das „Gänsereiten“ unterzeichnen kann. Wer das tun möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Motte ist ein Naturtalent

LebekrippeSie ist schon eine erfahrene Darstellerin bei der „Lebenden Krippe“ im Tiergarten Nürnberg – um nicht zu sagen: ein alter Hase. Eselin Motte macht seit Jahren mit, um in der Adventszeit den Zoobesuchern ein besonderes Erlebnis zu bieten. Sie besitzt beachtliche schauspielerische Qualitäten!

In diesem Jahr hat sich aber der Standort der „Lebenden Krippe“ mit Schaf und Esel, Maria, Josef und dem Hirten verändert: Zum ersten Mal muss man nicht bis zum Kinderzoo im hinteren Tiergartenbereich laufen. Die Attraktion findet man jetzt vielmehr gleich, wenn man den Haupteingang passiert hat, ganz in der Nähe des großen Weihnachtsbaums. Neu ist auch, dass es einen kleinen Adventsmarkt mit wechselnden Ständen rund um die Krippe gibt. Dort bekommt man verschiedene regionale, ökologische und nachhaltige
Kleinigkeiten wie Schmuck, Taschen oder Keramik. Auch Glühwein und Lebkuchen dürfen bei einem solchen Angebot in Nürnberg natürlich nicht fehlen.

Die „Lebende Krippe“ und den Adventsmarkt gibt es an den Adventswochenenden samstags und sonntags jeweils von 11 bis 15.30 Uhr. Sogar am Heiligen Abend kann man die „Lebende Krippe“ noch von 11 bis 15.30 Uhr bewundern.

In der Vorweihnachtszeit finden weitere stimmungsvolle Veranstaltungen im Tiergarten statt: Ein Lichterzug startet am Samstag, 12. Dezember, um 16.30 Uhr am Haupteingang (Erwachsene zahlen 4 Euro, Kinder nichts). Die Kinder können Laternen mitbringen. Aber bitte keine Taschenlampen – sonst werden die Tiere geblendet! Und dann gibt es noch die traditionelle Waldweihnacht mit Posaunenchor am Sonntag, 20. Dezember; Treffpunkt ist um 16 Uhr am Tiergarteneingang (freier Eintritt). Auch dabei bitte daran denken: Laternen sind erlaubt, Taschenlampen nicht!

So – nun wünsche ich allen viel Spaß bei diesen Veranstaltungen, die ich wirklich jedem Besucher, vor allem natürlich den kleinen, ans Herz legen möchte.

Das Kreuz mit dem Kreuz

Ich habe ja hier schon über die Feierlichkeiten anlässlich des bevorstehenden Osterfests in Bolsena geschrieben. Überall in der kleinen Stadt sind in der vergangenen Woche die Vorbereitungen zu spüren gewesen. Dabei geht es nicht um Ostereier, die hier praktisch keine Rolle spielen, und auch Osterhasen sind höchstens mal vereinzelt in der Süßwarenabteilung des Supermarktes zu finden. Nein – Ostern ist hier, zumal in der Nähe von Rom, vor allem ein kirchliches Fest.

Am Gründonnerstag fand bei der Abendmahlsfeier in der Basilika Santa Cristina die traditionelle Fußwaschung statt, und zwar mit den Erstkommunionkindern. Am Karfreitag abend dann war die große Karfreitagsprozession durch den Ort angesagt. Dabei stellen die Einwohner von Bolsena verschiedene Stationen der Passionsgeschichte in lebenden Bildern dar, mit Reitern der römischen Besatzer zu Lebzeiten Jesu und mit allen Figuren aus dem Neuen Testament, die bei der Passion eine wichtige Rolle spielen. Sie ziehen vom unteren Ortsteil hinauf zur Burg bzw. zur Kirche des Heiligen Salavtore. Schaulustige Einheimische, Touristen und Gläubige folgen dem Zug und verharren mucksmäuschenstill vor der Kirche, während drinnen eine Christusfigur abgenommen wird, die man anschließend in der Prozession mit durch den Ort trägt, ebenso wie eine Madonnenfigur. Dabei kommen die Träger zum Teil ziemlich ins Schwitzen, der eine oder andere muss auch abgelöst werden, weil er nicht mehr kann.

Dann zieht die Prozession durch die dunklen kleinen Gassen im Burgviertel, und überall schauen Menschen aus den Fenstern auf das Geschehen herab. Manche haben Kerzen in die Fenster gestellt, alle bekreuzigen sich, wenn „Jesus“ mit dem schweren Kreuz bei ihnen vorbeikommt und dabei manchmal – durchaus echt wirkend – ins Straucheln gerät. Weiter geht es über die Piazza San Giovanni, die Piazza Matteotti (den Hauptplatz von Bolsena) bis zur Basilika Santa Cristina. Vor dem Kirchenbau befindet sich ein großer freier, mit Mauern eingefasster Platz. Eine Seite grenzt direkt an einen Hügel an, auf dem drei Kreuze aufgebaut sind. Dort wird nun die Kreuzigungsszene nachgestellt. Zum „Todeszeitpunkt“ von Jesus erschüttern künstliche Donnerschläge die Umgebung, Blitze zucken über den Himmel, und die Erde bebt tatsächlich ein bisschen – die gewaltige Lautsprecheranlage leistet ganze Arbeit.

Am nächsten Tag in der Bar wird dann genau analysiert, ob die Veranstaltung sich von der im Vorjahr unterschieden hat, ob es die Organisatoren im letzten Jahr womöglich besser gemacht haben oder ob alles war wie immer. – Ich kann das nicht beurteilen, aber ich muss sagen: Es war ein beeindruckendes Spektakel, nicht nur aus touristischer Sicht, sondern weil man auch spürt, wie gläubig die Menschen hier sind und was ihnen Ostern bedeutet. In diesem Sinne: Buona Pasqua (Frohe Ostern)!

Olivenbaumzweige überall

Es ist Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, und spätestens heute ist mir so richtig bewusst geworden, wie nahe Bolsena bei Rom und damit dem Weltzentrum der katholischen Kirche liegt: Die Karwoche hat begonnen, die „Heilige Woche“ im Jahreslauf der katholischen Kirche. An diesem Tag findet traditionell die Palmweihe statt. Sie soll daran erinnern, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog und die Menschen ihm dort als dem Messias mit Palmwedeln huldigten.

Während bei uns in Deutschland – soweit mir bekannt ist – Salweidenkätzchen bei der Palmweihe zum Einsatz kommen, sind es hier in Italien Olivenbaumzweige. Auf dem Hauptplatz von Bolsena, der Piazza Matteotti, wurden heute Morgen schon riesige Mengen davon in Kleinlastwagen angeliefert und auf Tischen verteilt. Jeder konnte sich davon nehmen, und als ich mir einen holte, wurde ich gleich aufgefordert, doch noch einmal zuzugreifen. Dabei hatte mir meine Vermieterin Germana schon heute früh einen Zweig vor die Tür gelegt…

Immer mehr Menschen trafen auf dem Platz ein, und dann begann dort der Gottesdienst mit der Palmweihe, bei der die Zweige mit Weihwasser besprengt werden. Dieser Zeremonie schloss sich die Prozession vom Platz über den Corso della Repubblica zur Basilika der Heiligen Christina an. Überall kamen die Verkäufer aus den am Sonntagvormittag geöffneten Geschäften und grüßten die vorbeiziehenden Menschen, die mit den Zweigen winkten. In der Basilika ging der Gottesdienst dann weiter, wobei die Passion mit verteilten Rollen vorgelesen wurde. Frauen aus der Gemeinde unterstützten die beiden Priester, die Kirche war noch voller als sonst. Schon die ganze Woche über kamen Pilger aus verschiedenen italienischen Regionen  – wie zum Beispiel Umbrien und den Marken – nach Bolsena. Und in den nächsten Tagen geht es ja erst richtig los mit den Osterfeierlichkeiten.

Der Palmsonntag wurde für mich aber auch noch aus einem anderen Grund ein richtig schöner Sonntag: Die Fußballmanschaft von Bolsena, Virtus Bolsena, gewann zu Hause gegen La Storta Calcio aus Rom mit 2:1  – dasselbe Ergebnis, das die SpVgg Greuther Fürth am Samstag, ebenfalls zu Hause, gegen Erzgebirge Aue erzielte!

Ein schweinisch schönes Fest!

Ein Weihnachtsfest ohne Tiere – unvorstellbar! Ochs und Esel an der Krippe, die sind klassisch und gehören dazu wie das Jesuskind, Maria und Josef. Nicht zu vergessen Schafe und der Hütehund der Hirten. Und dann kommen am Dreikönigstag ja auch noch die Kamele dazu. Ich persönlich mag besonders gern fränkische oder bayerische Krippen, die in eine der Heimatregion nachempfundene Miniaturlandschaft hineingebaut sind. Da spielt sich die Weihnachtsgeschichte fast immer auf einem Bauernhof ab, deshalb wuselt auch noch jede Menge anderes Getier um den Stall herum: Pferde, Hühner, Gänse, Katzen, Hunde – und sogar Schweine.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine Marzipan-Ausstellung in Hamburg empfehlen, die das Schwein als klassisches Weihnachtstier deklariert. Zu Recht, finde ich. Denn wie der Hamburger Historiker Burkhard Jodat, Kurator der Ausstellung im Altonaer Museum, bin auch ich der Meinung, dass das Schwein als Weihnachtstier allgemein zu wenig Beachtung findet. Da haben es die Nordeuropäer und Norddeutschen etwas besser als wir, denn dort wird das Borstenvieh traditionell enger mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Das Schwein ist, wie der Ausstellungsmacher sehr einleuchtend ausführt, ein besonderes Tier: Während andere Nutztiere auf dem Bauernhof Milch, Eier oder Wolle liefern, ist das Schwein selbstlos: Es schenkt sich uns selbst – und das nicht nur zu Weihnachten. Zu Weihnachten wurden allerdings in früheren Zeiten die Vorratskammern geplündert, die man nach den Schlachtungen im Herbst mit Schweinefleisch und Würsten gefüllt hatte. Und: Im 19. Jahrhundert, so erfährt man in der Ausstellung ebenfalls, gab es sogar Weihnachtsbäume, die mit Würsten statt Schmuck behängt wurden.

Die Ausstellung dreht sich natürlich auch um das Glücksschwein, das zur Jahreswende wieder Hochkonjunktur hat. Der alte Brauch hat sich übrigens folgendermaßen entwickelt: Auf Schützenfsten durften die Gewinner einen Ochsen oder einen Pferd als Trophäe mit nach Hause nehmen, die Verlierer dagegen bekamen als Trostpreis nur ein Ferkel. So ist schließlich die Redensart „Schwein gehabt“  entstanden. Aus dem echten Ferkel wurde mit der Zeit der schweinische Glücksbringer aus Marzipan.

Wer also in der Zeit zwischen den Jahren Gelegenheit hat, Hamburg zu besuchen, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen: „Marzipan. Das Brot der Engel“ im Altoaner Museum, Museumstr. 23, 22765 Hamburg. Sie läuft bis zum 5. Januar 2014.

Ein Silberstreif am Horizont?

In Asien wird am 10. Februar das Neujahrsfest gefeiert. Das Fest, das sich nach dem Lauf von Sonne und Mond richtet und jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt, bedeutet für einige Tierarten nichts Gutes. Denn nach wie vor ist es zu diesem Fest Brauch, Medizin und Glücksbringer zu verschenken, die aus den Körperteilen von Tieren hergestellt sind – noch dazu aus Körperteilen von gefährdeten Tierarten.

Die traditionelle chinesische Medizin wird aus diesen tierischen „Zutaten“ hergestellt, und teure Produkte aus exotischen Tieren sind höchst beliebt. Dabei werden nicht nur Familienmitglieder mit Neujahrsgaben bedacht. Auch so mancher Angestellte macht seinem Chef ein teures Geschenk, in der Hoffnung, auf der Karriereleiter schneller nach oben zu klettern. Pasten aus Tigerknochen, Pulver aus Schuppentieren, Amulette aus Schildkrötenpanzern – das sind nur einige Beispiele für Neujahrsgeschenke. Die Käufer lassen durchaus umgerechnet Hunderte von Euro springen. Dafür geht es Tieren in den Wäldern Asiens an den Kragen, besonders Tigern, Schlangen, Leoparden, Schildkröten, Schuppentieren und Kragenbären.

Die Wildtierprodukte sind zwar illegal, aber sie werden von hervorragend organisierten Schmugglerringen vertrieben; vor allem von Thailand aus nach Vietnam und China blüht der Handel. Weltweit gibt es einen boomenden Schwarzmarkt, auf dem in manchen Jahren Geschäfte von über 20 Milliarden Euro abgewickelt werden. Man schätzt, dass ein Viertel des nach dem Artenschutzabkommen Cites verbotenen Handels mit Wildtieren in Asien über die Bühne geht.

Nun beginnen aber die chinesischen und vietnamesischen Behörden einzuschreiten. Sie haben in den letzten Monaten eine beträchtliche Menge an illegalen Tiertransporten beschlagnahmt, Hunderte von Kobras oder Schildkröten von Lastwagen oder auf dem Flughafen von Bangkok befreit. Immerhin: erste Schritte, um den skrupellosen Schmugglern das Handwerk zu legen. In Südchina hat man äußerst medienwirksam Tierschmuggler verhaftet. Offenbar hat das schon dazu geführt, dass die Zahl an Wildtier-Bestellungen, die von China nach Thailand aufgegeben werden, rückläufig ist. Die chinesischen und thailändischen Behörden kooperieren mittlerweile auch in dieser Angelegenheit, deshalb geht man davon aus, dass die Schmuggler in diesem Jahr deutliche Einbußen bei ihren Geschäften machen.

Mag sein, dass das erst ein kleiner Silberstreif  am Horizont ist. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. Nun müssen die Behörden allerdings an der Sache dranbleiben, wenn wirklich etwas erreicht werden soll.

Sushi am Stiel

Ab und zu lohnt es sich ja,  hier im Blog einen Film zu empfehlen. Das möchte ich nach längerer Zeit heute mal wieder tun, auch wenn es sich nicht um einen Tierfilm im herkömmlichen Sinn handelt.

Aus der Tradition der japanischen Küche heraus hat Sushi die Welt erobert. Der Siegeszug der ebenso schmackhaften wie gesunden Häppchen mit rohem Fisch und Reis ist nicht mehr zu stoppen. Doch was steckt hinter dem globalen Sushi-Boom? Dieser Frage geht Mark S. Hall in seinem Dokumentarfilm „Sushi – the Global Catch“ nach, der am 7. Juni in den deutschen Kinos startet (nebenstehendes Foto: Neue Visionen Filmverleih).

Japanische Köche zelebrierten die Zubereitung von Sushi und Sashimi einst als Kunst. Sie schufen Kreationen, bei denen Fisch und Reis eine Einheit bildeten. Die Ausbildung zum Sushi-Chef dauerte Jahre, und der Fisch, den sie verwendeten, zeichnete sich durch höchste Qualität aus. So läuft das heute nur noch in Restaurants der Spitzenklasse. Mittlerweile hat sich weltweit ein Industriezweig entwickelt, der Sushi zu Massenware gemacht hat: Sushi zum Mitnehmen, Sushi am Stiel, Sushi als Fastfood oder in Klarsichtfolie abgepackt im Supermarkt.

Spätestens seit in Ländern wie Indien und China die Nachfrage nach Sushi unaufhaltsam steigt, gibt es ein globales Problem, dessen Folgen noch gar nicht richtig absehbar sind: Der Bestand der großen Thunfischarten ist seit den 1950er Jahren um 90 Prozent geschrumpft. Vor allem die verschiedenen Arten des Blauflossenthunfischs sind vom Aussterben bedroht. Auf dem berühmten Tsukiji-Fischmarkt in Tokio wurde ein einziger Fisch bereits zum Preis von 700 000 US-Dollar versteigert. Wissenschaftler sagen voraus, dass die Weltmeere in 35 Jahren leergefischt sein werden und ihr ökologisches Gleichgewicht zerstört sein wird.

Kann der einzelne Verbraucher etwas dagegen tun, wenn ganze Regierungen dieser katastrophalen Entwicklung offenbar machtlos zusehen? Mark S. Hall holt in seinem Dokumentarfilm (Originalfassung mit Untertiteln) Restaurantbesitzer vor die Kamera, Meeresbiologen, Forscher, Vertreter von Umweltschutzorganisationen und Fischer. Er lässt einen Restaurant-Chef zu Wort kommen, der in San Francisco Sushi mit alternativen Fischarten anbietet und damit einen Riesenerfolg bei den Gästen gelandet hat. Er stellt Listen verschiedener Verbände vor, die den Konsumenten informieren, welche Fische er bedenkenlos essen kann und auf welche er lieber verzichten sollte.

Thunfischfarmen an der australischen Küste könnten eine Alternative zum Thunfisch-Wildfang bilden: Junge Thunfische werden aus dem Meer gefangen und gemästet. Der aus Deutschland stammende, in Australien lebende, Hagen Stehr betreibt ein Institut, in dem er Blauflossenthunfische zum Laichen bringt. Er versucht nun, die Fische an Futter aus Getreide und Pflanzenöl zu gewöhnen, um die Population der Beutefische nicht zu gefährden. Auch solche Hoffnungsschimmer beleuchtet der Film. Er besticht insgesamt durch seine nüchterne Bestandsaufnahme, die umso deutlicher vor Augen führt, dass etwas geschehen muss, wenn wir das Leben in den Ozeanen der Welt retten wollen.

Taiwan lässt die Sau raus

Ich kaufe bewusst keine Produkte mit dem Vermerk „Made in Taiwan“. Allerdings bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass man mich als Kunden tatsächlich immer darauf hingeweist, wenn etwas dort hergestellt wurde. Sehenden Auges aber lasse ich jedenfalls die Finger von Waren aus Taiwan.

Ich boykottiere diese Produkte also sowieso schon. Täte ich das nicht, würde ich jetzt damit beginnen, nachdem ich eine dpa-Meldung vom Wochenende gelesen habe. In Taiwan wird immer noch eine etwa 200 Jahre alte Tradition hochgehalten, die ich für Tierquälerei der unmenschlichsten Art halte: Der Wettbewerb um das dickste Schwein, das dann für einen Gottheit geschlachtet und geopfert wird. In diesem Jahr sind neun Schweine in die Endrunde um den bei ihren Züchtern begehrten Titel gekommen. Gewonnen hat ein Borstenvieh, das über eine Tonne auf die Waage brachte. Es konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, so fett war es. Früher sollte der Brauch dem Besitzer Glück bringen, und das Fleisch wurde unter den Bewohnern eines Dorfes geteilt Heute erkaufen sich Großbauern Anerkennung mit dem Mästen der Tiere. Dabei schrecken sie nicht vor den grausamsten Mitteln zurück: Auf Video ist zum Beispiel dokumentiert, wie ein Schwein mit einem Schlauch zwangsernährt wird.

Über 100 000 Menschen haben am Wochenende bei dem Opferfest in Xinbei mitgefeiert. Dort steht der letzte Tempel in Taiwan, wo das Spektakel noch über die Bühne gehen darf. Das Ritual sieht so aus: Erst werden die Schweine bemalt, dann mit Früchten und Schmuck herausgeputzt, damit sie der Gottheit auch wirklich gefallen, wenn man sie opfert.

Taiwanesische Tier- und Umweltschützer versuchen zwar, etwas gegen den grausamen Brauch zu unternehmen, aber die Besucher wollen unbedingt an dieser Tradition festhalten.

Süßes, oder es setzt was!

Halloween droht uns wieder. Mir persönlich geht es ziemlich auf die Nerven, wie dieses Fest auch hierzulande ausgeschlachtet wird – es hat ja nichts mit unserer Kultur zu tun. Aber heutzutage regiert schließlich die Wirtschaft die Welt, und in den Läden lässt Halloween natürlich die Kassen klingeln.

Zu allem Überfluss kommt es auch noch immer mehr in Mode, in irgendeiner Form Tiere in die Halloween-Feiern mit einzubeziehen. In den USA verpassen mittlerweile viele Tierbesitzer ihren vierbeinigen Lieblingen ein Halloween-Kostüm – egal, ob die sich darin wohlfühlen oder nicht. Am aberwitzigsten finde ich die Halloween-Hunde-Parade in Kalifornien, bei der Hunderte „beste Freunde des Menschen“ mitmachen. Auch das eine oder andere Schwein oder Katzen mischen sich darunter.

Tierschützer sehen das mehr als kritisch. Denn Kostüme schränken zum Beispiel die Bewegungsfreiheit der Tiere ein. Und vor allem laute Musik und der sonstige Krach bei den Umzügen stressen die Viecher furchtbar. Deswegen lehnt auch der Deutsche Tierschutzbund die Modeerscheinung ab, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tiere zu verkleiden.

Sogar manche Zoos machen bei dem Irrsinn schon mit, leider auch in Deutschland. So der Zoo in Hannover, der ja zu den geschäftstüchtigsten hierzulande gehört. Dort liegen beispielsweise ausgehöhlte Kürbisse in den Gehegen, und die Zootiere können schauen, was sie damit anstellen. Die Erdmännchen klettern, vorwitzig wie sie nun mal sind, durch die orangefarbenen geschnitzten Fratzen hindurch. Löwen würden Kürbisse normalerweise wohl eher ignorieren. Aber damit es aussieht, als hätten sie daran Interesse, verstecken Pfleger Fleischstücke darin – und schon schnüffeln die Raubkatzen brav daran.

Ich warte schon darauf, dass die Nachbarskatze am Montagabend bei mir an der Tür klingelt und „Süßes, oder es setzt was“ maunzt. Für alle Fälle besorge ich mir schon mal ein bisschen Trockenfutter, denn sie hat ganz schön scharfe Krallen.