…da waren´s nur noch drei

BreitmaulnashornDa waren´s nur noch drei: Mit dem Tod von Nashorndame Nola im Zoo von San Diego gibt es jetzt weltweit lediglich noch drei (!) Exemplare Nördlicher Breitmaulnashörner. Sie leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia. Ursprünglich kamen diese Dickhäuter in einem riesigen Gebiet vor: vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad. Nola wurde im Alter von 41 Jahren eingeschläfert, nachdem sie vor wenigen Monaten wegen eines Hüftleidens operiert werden musste. Im Juli war in einem tschechischen Zoo ebenfalls ein Tier dieser Art gestorben.

Das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) wird als das seltenste Großsäugetier der Welt eingestuft und ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. Vor allem die starke Nachfrage aus Asien nach dem Horn dieser Tiere hat die Bestände ausbluten lassen. Dieses Horn besteht aus Keratinfasern und wird in Asien zur Herstellung traditioneller Medizin und einiger Wundermittelchen verwendet. Für ein Kilo Nashorn legen Vietnamesen Preise von bis zu 20.000 Euro auf den Tisch.

Breitmaulnashörner besitzen übrigens zwei Hörner; das vordere kann bei den Weibchen bis zu 165 Zentimeter lang werden. Sie sind die drittgrößten Landsäugetiere der Erde. Bei den Männchen kann die  Schulterhöhe bis zu 1,90 Meter betragen, und sie bringen ein Gewicht von bis zu 3,6 Tonnen auf die Waage. Breitmaulnashörner werden etwa 40 Jahre alt – insofern hatte Nola zumindest ein stolzes Alter erreicht. Aber dass die Art von der Erde verschwindet, lässt sich nicht mehr ändern.

Im Gegensatz zum Nördlichen Breitmaulnashorn sieht es für das Südliche Breitmaulnashorn ganz gut aus: Laut WWF haben Schutzmaßnahmen dazu beigetragen, dass der Bestand wieder auf über 20.000 Tiere angewachsen ist.

Rettungsversuch für die Breitmaulnashörner

Die Geschichte von den Meeresschildkröten, über die ich hier kürzlich geschrieben habe, hat einigen Lesern gut gefallen, weil sie einen glücklichen Ausgang hatte. Deshalb möchte ich – schließlich haben wir ja immer noch Weihnachten – heute eine Tiergeschichte nachschieben, die zumindest auf ein Happy-End hoffen lässt.

urn:newsml:dpa.com:20090101:091218-99-04550Hier ist sie: Vier der letzten acht in Gefangenschaft lebenden Nördlichen Breitmaulnashörner sind vom tschechischen Zoo Dvur Kralove in Ostböhmen ins 6000 Kilometer entfernte Naturschutzreservat Ol Petaja in  Kenia umgesiedelt worden: zwei weibliche und zwei männliche Tiere. Die dickhäutigen Kolosse wurden per Flugzeug in ihre neue Heimat gebracht und haben den Transport gut überstanden.

Diese Nashornart gilt in freier Wildbahn als „vermutlich ausgerottet“, nachdem seit mehr als einem Jahr laut Weltnaturschutzunion IUCN kein Exemplar mehr gesichtet wirde. In Zoos leben weltweit außer den bisher sechs Breitmaulnashörnern in Dvur Kravole nur noch im Zoo von San Diego zwei Exemplare.

Nun will man durch Auswilderung von Zootieren in die freie Wildbahn versuchen, die Art zu retten. So etwas  ist in der Vergangenheit beispielsweise schon mit den Przewalskipferden – den Urwildpferden – gelungen. Der Versuch zur Auswilderung von Breitmaulnashörnern ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird komplett von Sponsoren finanziert.

In Gefangenschaft sind seit dem Jahr 2000 alle Versuche gescheitert, das Breitmaulnashorn vor dem Aussterben zu bewahren. Zwischen 1977 und 2000 waren im Zoo von Dvur Kralove noch fünf Breitmaulnashorn-Babys zur Welt gekommen – seitdem aber keines mehr. Das ist auch ein Grund dafür, dass sich der tschechische Zoo zu der Auswilderungs-Aktion entschlossen hat. Die vier Tiere, die in den Zoos von Dvur Kralove und San Diego übrig bleiben, sind nicht mehr zeugungsfähig.

Nashornbaby dank Gefriersperma

Breitmaulnashörner stehen ganz weit oben auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Bei diesen Tieren könnte es, ähnlich wie bei den Przewalski-Urwildpferden, so weit kommen, dass die Art nur durch Zucht in Zoologischen Gärten erhalten werden kann.

Aber auch in Zoos klappt es nicht immer so einfach mit dem Nachwuchs bei Breitmaulnashörnern. Deshalb tüfteln Wissenschaftler Möglichkeiten aus, wie man der Sache nachhelfen könnte. Im Zoo von Budapest haben die Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung jetzt einen aussehenerregenden Erfolg verbuchen können: Dort hat mit ihrer Hilfe weltweit zum ersten Mal ein mit Gefriersperma gezeugtes Breitmaulnashorn das Licht der Welt erblickt.

Und so hat das Ganze funktioniert: Im Juni vergangenen Jahres wurde Nashorn-Dame Lulu im Zoo von Budapest mit Sperma befruchtet, das vorher drei Jahre lang bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagert wurde. Das Sperma stammte von dem schon 38 Jahre alten Nashornbullen Simba, der im Zoo von Colchester (Großbritannien) lebt. Die künstliche Besamung war überaus schwierig und glückte nur dank einer ausgefeilten Technik. Weibliche Breitmaulnashörner besitzen nämlich einen eineinhalb Meter langen Genitaltrakt und einen stark gefalteten Gebärmutterhals.

Eigentlich war man davon ausgegangen, dass das künstlich gezeugte Nashornbaby erst im November geboren würde. Es kam aber bereits ein paar Wochen früher zur Welt. Dem bei der Geburt 45 Kilo schweren Nashorn-Baby geht es gut, und Lulu ist eine vorbildliche Mutter, die sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmert.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass man mit Hilfe von gefrorenem Sperma weltweit neues Erbmaterial in die Nashornzucht bringen kann. Sie denken bereits daran, in freier Wildbahn lebende Bullen zu betäuben, um ihnen Sperma zu entnehmen, das dann in Zoos für künstliche Befruchtung eingesetzt werden könnte.