Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

Glückwunsch an den Vater der Tigerente!

JanoschTiger, Bär und Tigerente: Sie gehören zu meinen größten tierischen Stars. Ihr „Vater“, der Illustrator und Autor Janosch, feiert heute, am 11. März, seinen 85. Geburtstag. Auch wenn sich mein Blog normalerweise um Tiere dreht, möchte ich auch von hier aus herzlich gratulieren, denn ein Mensch, der Tiere so genial zeichnet und versteht wie er, hat auch in einem Tier-Blog einen Ehrenplatz verdient.

Eigentlich heißt Janosch ja gar nicht Janosch, sondern Horst Eckert. Er ließ sich von seinem Verleger zu diesem Pseudonym überreden. Der 1931 in Oberschlesien geborene spätere Künstler hatte eine richtig harte Kindheit und fing schon mit 13 Jahren eine Lehre als Schmied an. Nachdem er 1946 mit seinen Eltern nach Westdeutschland geflohen war, arbeitete er im Raum Oldenburg in mehreren  Textilfabriken und besuchte dann eine Textilfachschule in Krefeld. 1953 schrieb er sich für ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in München ein. Doch dort attestierte man ihm mangelnde Begabung, und so verließ er die Akademie nach wenigen Semestern.

Aber er machte als freischaffender Künstler weiter und schrieb ab 1956 für Zeitungen. 1960 erschien dann sein erstes Kinderbuch, in den 70er Jahren folgte ein Titel dem anderen. Für mich ist er im Bilderbuch-Bereich einer der Originellsten. Wer mein Blog kennt, weiß, warum: Weil in Janoschs Büchern fast immer Tiere die Hauptrollen spielen. Außer den schon genannten – Tiger, Bär und Tigerente – auch Figuren wie Emil Grünbär, Günter Kastenfrosch oder Tante Gans. Ich kann gar nicht sagen, welches meine Lieblingsfigur ist, ich liebe sie einfach alle!

Tierisch gute Weihnachten!

Buch-Mario-LudwigGanz so traurig wie mit meinem letzten Beitrag über das hilfesuchende Tierheim Nürnberg und seine Schmuggelwelpen möchte ich mich nun doch nicht vor den Weihnachtsfeiertagen  verabschieden. Deshalb hier noch ein richtig erfreuliches Thema und gleichzeitig ein Geschenktipp in allerletzter Minute: das Buch „Genial gebaut!“ von Mario Ludwig (erschienen bei Theiss, gebundene Ausgabe zum Preis von 24,95 Euro). Der Wissenschaftsautor ist sicher vielen durch seine häufigen Auftritte in verschiedenen Fernsehsendungen bekannt. Radiofreaks haben den Biologen vielleicht in seiner wöchentlichen Sendung im Deutschlandradio gehört: „Das Tiergespräch“. Im weitesten Sinne ist er auch ein Kollege von mir, denn für Focus online schreibt er einmal im Monat eine Kolumne.

Das vor ein paar Monaten erschienene Buch ist so genial wie sein Titel – oder sind die Tiere einfach so genial? Letzteres auf jeden Fall! Mario Ludwig zeigt, welche Stararchitekten sich selbst hinter den kleinsten Lebewesen verbergen können. Bei der Lektüre lernt man nicht nur eine Menge über Tiere als Baumeister – sie macht ganz einfach Spaß. Über ein Kapitel habe ich mich besonders amüsiert: über das mit den Präriehunden, die unterirdisch Riesenstädte anlegen. Wer mein Blog regelmäßig liest, weiß, warum.

So, nun ist aber endgültig Schluss vor dem Fest. Ich wünsche allen meinen Lesern – und denen, die es werden wollen – tierisch gute Weihnachten!

Die mit den Raubkatzen liebäugelt

raubkatzenTierfreunden, die für Weihnachten noch ein Geschenk suchen – vielleicht auch für sich selbst -, kann ich einen bärenstarken Tipp geben: Das Buch „Raubkatzen in menschlicher Obhut“ von Katerina Mirus. Die Autorin hat schon im Kindesalter mit dem Fotografieren begonnen. Am liebsten beschäftigt sie sich dabei mit Tieren, und da wiederum mit Raubkatzen. Seit 2013 besuchte sie deshalb gezielt Zoos, Zirkusse und private Raubtierhalter und sprach dort mit Pflegern, Trainern, Haltern und Zoologen. Ursprünglich wollte Katerina Mirus „nur“ einen Fotoband daraus machen. Doch nach den vielen Besuchen und Gesprächen hatte sie so viel interessantes Material, dass sie es auf jeden Fall verwerten wollte. Viele Informationen bekam sie auch im Tiergarten Nürnberg, der das Buch mit unterstützt hat.

Da Katerina Mirus gebürtige Tschechin ist, hat sie Zoos in Tschechien und der Slowakei besucht und von dort Bilder und Texte mitgebracht, zum Beispiel aus dem Prager Zoo, dem Zoo Dvur Kralove oder der Tigeroase Kostolna bei Bratislava. Außerdem hat sie faszinierende Momentaufnahmen aus dem Circus Krone und dem Tiergarten Schönbrunn/Wien eingefangen.

Sehr interessant finde ich das Kapitel über Raubtierparks, von denen manche auch in Not geratene Tiere aufnehmen und ihnen Asyl gewähren. Die Autorin hat sich in den bekanntesten Raubtierparks – in der Schweiz und Tschechien – umgesehen. In dem Buch werden nicht nur Fotos und Texte dazu präsentiert. Es gelingt Katerina Mirus immer wieder, nur mit einer Fotofolge – ohne Text – Geschichten zu erzählen. Mir persönlich gefällt es besonders gut, dass in dem Buch viele Schwarzweißfotos zu finden sind.

Und nun noch eine kleine Quizfrage: Wer weiß, um welche Raubkatze es sich auf dem Titelbild des Buches handelt? Zu gewinnen gibt es nichts, aber vielleicht mag ja doch jemand eine Antwort schicken.

Das Buch ist als Paperback erschienen bei Tredition, hat 200 Seiten und kostet 29,99 Euro.

Hier geht es zur Homepage zum Buch: http://raubkatzen-in-menschlicher-obhut.jimdo.com/

Im nächsten Frühjahr gibt es eine Austellung mit Fotos aus dem Buch, und zwar im Foyer des Naturkundehauses im Tiergarten Nürnberg: Vom 27. März bis 8. Mai.

Unterirdischer Zoo-Krimi

Morgen ist Valentinstag. Vielleicht sucht der eine oder andere ja noch ein Geschenk. Ich hätte da einen Tipp – einen tierischen natürlich: Erdmännchen sind ungemein beliebt bei den Zoobesuchern auf der ganzen Welt, und Leseratten lieben Krimis. Warum also nicht beides kombinieren und Erdmännchen zu kriminalistischen Ermittlern machen? Auf diese Idee ist Moritz Matthies (ein Pseudonym, das nicht verraten wird) gekommen. Er hat das  halbstarke Erdmännchen Ray zu seinem Krimihelden erkoren. Schon zum zweiten Mal darf der einen Fall lösen.

„Voll Speed“ ist der Titel der umwerfend komischen Geschichte, die sich im Berliner Zoo abspielt, teils auch inm Labyrinth der Kanäle darunter. Ray und sein genialer, aber schüchterner Bruder Rufus klären eine mysteriöse Geschichte auf, in der es im doppelten Sinn um „Speed“ geht. Wegen einer gefährlichen Droge sind einige Zoobewohner außer Rand und Band, und das detektivische Brüderpaar geht – für Erdmännchen ja nicht so außergewöhnlich – im Untergrund auf Spurensuche: Nicht nur im Bau des Erdmännchenclans, sondern mit Hilfe eines Speed-Bootes auch auf den unterirdischen Wasserstraßen des Zoos und der Umgebung. Dort lauert allerdings, von einer menschlichen Wasserleiche mal abgesehen, eine Gefahr: das mit den Erdmännchen verfeindete Rattenvolk.

Im Buch gibt es übrigens auch einen Menschen, dem Ray vertraut und der mit auf Verbrecherjagd gehen darf. Detektiv Phil beherrscht die Erdmännchensprache und erinnert sonst ziemlich stark an ein großes literarisches Vorbild: Philip Marlowe, die berühmte Romanfigur von Raymond Chandler, dessen Rolle Humphrey Bogart in „The Big Sleep“ gespielt hat. Wer diese Figur mochte, gerne in den Zoo geht und ein Fan des Romans und Films „Der dritte Mann“ mit der Verfolgungsjagd durch die Kanalisation der Stadt Wien ist, der wird auch „Voll Speed“ am liebsten nicht mehr aus der Hand legen – und vielleicht auch unbedingt den ersten Erdmännchen-Krimi „Ausgefressen“ von Moritz Matthies noch lesen wollen. (Die Erdmännchen-Krimis von Moritz Matthies sind bei Fischer erschienen.)

PS.: Noch ein tierischer Tipp für den Valentinstag: Der Tiergarten Nürnberg lädt am 14. Februar alle Paare dazu ein, mit einem Erinnerungsfoto an ein gemeinsames Rendezvous im Tiergarten zu kommen. Jedes Paar, das an der Tiergarten-Kasse ein solches Foto vorlegt, kann den Zoo am Schmausenbuck zum halben Preis besuchen.

Achtung, Wolf!

Ab und zu – wenn man gar nichts anderes zu tun hat 😉 – googelt man sich so durch Netz. Gebe ich den Titel meines Blogs, „Achtung, Wolf“ ein, dann freue ich mich, dass ich gleich als erstes erscheine. Danach folgt ein Eintrag, den ich mir nun mal genauer angeschaut habe. Und das hat sich gelohnt, denn „Achtung, Wolf“ ist auch der Titel eines Kinderbuchs von Emily Gravett, das mir sehr (vor-)lesenswert zu sein scheint: Die Geschichte von einem kleinen Kaninchen, das wissen will, wie sich das mit Rotkäppchen und dem Wolf wirklich verhalten hat. Die Hauptfigur namens Rabbit begibt sich durch seine Neugierde in Lebensgefahr. Weil es die Warnung „Achtung, Wolf“ nicht auf Anhieb versteht, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Die englische Autorin und Illustratorin erzählt da eine äußerst hintersinnige Geschichte, ein wenig makaber auch, und mit einer Prise des unverwechselbaren englischen Humors. Nichts für Kinder, die nur glücklich sind, wenn ein Buch gut ausgeht – die sollten lieber die Finger davon weglassen, sonst gibt es womöglich Tränen!

Als Erwachsener – und Wolf obendrein! – amüsiere mich natürlich königlich über das schräge moderne Märchen. Vor allem auch, weil es mit ganz wenigen Worten auskommt – und das ist in unserer so geschwätzig gewordenen Welt meiner Meinung nach die reinste Wohltat. Wer jetzt auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, dem kann ich „Achtung, Wolf!“ nur empfehlen!

Er lebte mit den Fischen

Heute mal wieder ein Buchtipp: Über den berühmten Meeresforscher Jacques Cousteau ist in der „Bibliothek der Entdecker“ des Verlags Frederking & Thaler eine neue Bildbiographie von Kathrin Schubert erschienen  (ISBN 978-3-89405-928-6, Preis: 24,95 Euro).

Er wollte mit den Meeresbewohnern auf Du und Du und am liebsten selbst ein Fisch sein: Jacques Cousteau. Dazu ließ er sich seine berühmte „Tauchende Untertasse“ bauen. Das war im Jahr 1959. Cousteau ging noch weiter: Um zu beweisen, dass man unter Wasser genauso leben konnte wie an Land, wurde nach seinen Anweisungen die Unterwasserstation „Précontinent“ gebaut. Mindestens genauso berühmt wie die „Tauchende Untertasse“ wurde Cousteaus Forschungsschiff „Calypso“, das nach seinen Vorstellungen ausgestattet wurde. Er fuhr damit um die ganze Welt, und an Bord reisten Tiere mit, deren Verhalten erforscht wurde.

Cousteau ist allerdings nicht unumstritten. Um an spektakuläre Aufnahmen zu kommen, war ihm (fast) jedes Mittel recht. So provozierten er und sein Team zum Beispiel Haie und bannten damit manipulierte Szenen auf Zelluloid. Dafür schreckten sie auch nicht davor zurück, ein Blutbad in einer Gruppe von Haien anzurichten. Auch diesen Aspekt berücksichtigt die Autorin des Buches, dessen Lektüre ich wärmstens empfehlen kann – auch wegen der vielen wunderbaren Fotos.

 

 

 

 

 

Sie wurde beinahe selbst zum Tier

Heute würde eine Frau 80 Jahre alt, die Tiere so liebte, dass sie ihr Leben für sie opferte: Dian Fossey, die Autorin des berühmten Buchs „Gorillas im Nebel“, das Michael Apted 1988 mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle verfilmt hat (siehe Foto).

Fossey wurde am 16. Januar 1932  in San Francisco geboren und wollte eigentlich Tierärztin werden. Aber ihre Noten in den naturwisenschaftlichen Fächern am College waren nicht gut genug. So wurde Fossey zunächst Bewegungstherapeutin. Ihr Leben veränderte sich, als sie 1963 erstmals einen Vortrag über Berggorillas hörte, den der berühmte Anthropologe Louis Leakey hielt. Fossey hatte Blut geleckt und reiste nach Ostafrika, um selbst bei Forschungen über diese Tiere mitzuarbeiten. Was sie dort sah, versetzte ihr einen regelrechten Schock: Gorillas wurden von Wilderern regelrecht abgeschlachtet, Gorilla-Babys waren wahre Goldgruben für die Wilderer, die sie für teures Geld weiterverkauften.

Fossey kämpfte für eine finanzielle Unterstützung, um ein Forschungsprojekt mit den faszinierenden Menschenaffen starten zu können und rief 1967 in den Virunga Mountains (Ruanda) ein Foschungszentrum ins Leben – in 3000 Metern Höhe, in einer unwirtlichen, nebligen Gegend, in die sich die Berggorillas zurückgezogen hatten.

Fossey machte sich an die Beobachtung der Tiere, und es gelang ihr schließlich, direkt in Kontakt mit ihnen zu kommen. Sie lebte mit den Tieren zusammen und imitierte ihr Verhalten, bis die Gorillas sie schließlich in ihrem Verband akzeptierten. Im Laufe von 18 Jahren entwickelte sie tiefe Gefühle für die Tiere und entfernte sich gleichzeitig immer mehr von den Menschen.

Fossey konte nachweisen, dass Berggorillas mitnichten die grausamen Bestien waren, als die sie verschrieen waren, sondern vielmehr in sozialen Verbänden friedlich zusammenleben und sich besonders liebevoll um die Aufzucht ihres Nachwuchses kümmern. Das alles legte sie 1983 in ihrem Buch „Gorillas im Nebel“ dar; 1974 hatte sie bereits den Doktor in Zoologie an der Universität von Cambridge gemacht.

Doch trotz ihrer neuen wissenschftlichen Erkenntnisse schaffte Fossey es nicht, der Wilderei ein Ende zu bereiten – obwohl sie mit aggressiven Mitteln dagegen vorzugehen versuchte. Fossey machte sich damit äußerst unbeliebt, auch bei den Einwohnern in der Gegend ihrer Forschungsstation, weil sie sich weigerte, dort den Weg für Öko-Tourismus zu ebnen, der Geld ins Land gebracht hätte. Sie wurde immer wieder bedroht, nahm die Drohungen aber im Kampf für die Gorillas in Kauf. Am 27. Dezember 1985 wurde Dian Fossey von einem Mitarbeiter ihrer Station mit zertrümmertem Schädel neben ihrem Bett liegend tot aufgefunden. Der Mord wurde nie ganz aufgeklärt.

Dian Fossey hatte verfügt, auf dem Gorillafriedhof begraben zu werden. Dort liegt sie – neben ihrem einstigen Lieblingsgorilla, dem Gorilla-Mädchen Digit, zu dem sie eine besonders enge Beziehung entwickelt hatte.

 

Er redete mit dem Vieh …

Der Heilige Abend nähert sich erbarmungslos in Riesenschritten. Für alle, die immer noch fieberhaft auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk sind, habe ich hier einen Tipp – sozusagen in allerletzter Minute: Ein Buch mit Tiergeschichten, die ausgerechnet der frühere Kulturreferent der Stadt Nürnberg, Hermann Glaser, geschrieben hat. „Ausgerechnet“ deshalb, weil Glaser in seiner Amtszeit eher der Mann für (gesellschafts-)politische Themen war. Doch im Alter werden alle Menschen weise, und da hat wohl auch er erkannt, wie wichtig Tiere in unserem Leben sind. Das Ergebnis ist ein Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Maler Walter Bauer entstanden ist.

„Die Mitteilungsmöglichkeiten des Menschen sind gewaltig, doch das meiste, was er sagt, ist hohl und falsch. Die Sprache der Tiere ist begrenzt, aber was sie damit zum Ausdruck bringen, ist wichtig und nützlich.“ Das Genie Leonardo da Vinci hat sich mit diesem Satz klein gemacht gegenüber der oft als minderwertig eingeschätzten Kreatur. Hermann Glaser stellt das Zitat seinem kleinen Band „Tierleben“ voran, in dem er mit verschiedenen Tieren in Dialog tritt.

Wenn ein Mensch wie Glaser das tut,  dann geht es nicht um Banalitäten. Er packt vielmehr den gesamten Wissens- und Erfahrungsschatz seines Lebens in diese Unterhaltungen, streut da mal ein Häppchen Philosophie ein, dort einen Satz aus einem Theaterstück oder eine sonstige literarische Anspielung. Er parliert in geschliffener – an einigen Stellen leider in etwas gestelzter – Sprache mit seinen tierischen Gesprächspartnern. Von einfachen Unterhaltungen kann keine Rede sein, sie besitzen durchwegs einen tieferen Sinn.
Nicht alle Texte sind so gelungen wie der über den Frosch, der nicht mehr weiß, was er noch quaken soll. Glaser rät ihm, dann eben zu quaken, dass er nichts zu quaken wisse. Damit hat der Frosch einen so unerwarteten wie unglaublichen Erfolg. Oder das Stück über die Ameisen, die sich als gebildeter erweisen, als der Mensch es in seinen kühnsten Träumen vermutet hätte. Es sind vor allem die kurzen Beiträge, Aphorismen gleich, die in dem Büchlein überzeugen.
Ein Text fällt ein wenig aus dem Rahmen: die Eingangsgeschichte „Das arme Schwein“ – der erste Versuch des (damals noch jugendlichen) Autors, mit Tieren sprachlich Kontakt aufzunehmen. Hier fließt viel Autobiographisches mit ein und – für den sonst eher kühl analysierenden Glaser – außerordentlich viel (Mit-) Gefühl. Auch in seiner Einführung, einem fiktiven Interview mit sich selbst, stößt man auf solche Stellen.
Auf den Vorwurf seiner Enkelin, die Tiere könnten doch gar nicht sprechen, entgegnet der Autor: „Natürlich weiß ich, dass die Tiere nicht sprechen können, aber sie können dir was sagen, ohne dass sie sprechen, und dann meinst du, sie sprächen doch.“

Das ist die beste Erklärung für das kleine Buch, die man geben kann. Hermann Glasers Tiergeschichten sind von Walter Bauer illustriert worden. Der Nürnberger Maler, der sich selbst als „Powerpainter“ bezeichnet, hat die im Buch vorkommenden Tiere mit kräftigen Pinselstrichen in Öl auf Leinwand verewigt.  – Eine, wie man so schön sagt, „fruchtbare Zusammenarbeit“.
Wer das Buch kaufen will – hier sind die notwendigen Angaben: Walter Bauer (Hrsg.): Glasers Tierleben. A.M.S. Verlag Hersbruck, 104 Seiten mit 41 farbigen Abbildungen von Walter Bauer. 9,80 Euro. Übrigens: Der Bayerische Rundfunk stellt das Buch am Samstag, 14. Januar 2012, um 21.05 Uhr auf Bayern 2 vor.

König der Maler, König der Löwen

Irgendwie ist es nicht mehr zu übersehen: Es weihnachtet sehr. Und viele Leute sind wieder verzweifelt auf der Suche nach einem passenden Geschenk. Ich hätte einen guten Tipp, nicht nur für Tier-, sondern auch für Kunstfreunde. Es heißt „Das große Buch der klassischen Tierporträts“.

Albrecht Dürer war ein Narziss. Auf seinem „Selbstbildnis im Pelzrock“ hat er sich angeblich noch ein wenig schöner gemacht, als er sowieso schon war. Wäre der König der Maler als Tier zur Welt gekommen, dann sicher als Löwe – der ja König der Tiere ist. Das hat Svjetlan Junakovic, freier Maler, Bildhauer, Grafiker, Kinderbuchautor und Dozent für Illustration, treffsicher erkannt und diese originelle Bildkomposition geschaffen.

Das Buch  ist ein Sammelsurium solcher wunderbarer Werke. Der Kroate springt leichtfüßig zwischen Kunst- und Tierwelt hin und her und schreibt zu seinen Bildern auch noch witzige Texte: „In Museen, Galerien und Kunstbänden begegnen wir häufig . . . Menschen, die uns von den Porträts herab beobachten. Immer sind sie von ein und demselben Wunsch beseelt: durch die Bilder für alle Ewigkeit präsent zu bleiben. Man hat lange geglaubt, dass Tiere derartige Wünsche nicht haben . . . Doch heute wissen wir, dass dem nicht so ist. Dieses Buch soll die Vielfalt der Tiere zeigen, die von einigen der bedeutendsten Maler mit Pinsel und Farbe festgehalten wurden, und zwar in allen möglichen Epochen der Kunstgeschichte.“

Besser als Junakovic selbst kann man es nicht sagen.  Das Buch ist im Verlag Antje Kunstmann erschienen und kostet 16,90 Euro. Absolut empfehlenswert!!!