Und noch ein Zaun – diesmal gegen Wildschweine

Man könnte selbst verrückt werden angesichts von immer neuen verrückten politischen Entscheidungen, die unsere Welt jeden Tag ein bisschen schlechter machen. Auf den einen Größenwahnsinnigen in den USA will ich hier gar nicht weiter eingehen, das besorgt schließlich mein Blogger-Kollege Arndt Peltner regelmäßig in seinem Blog. Doch der Wahnsinn scheint immer näher zu rücken. Jetzt hat er die dänisch-schleswig-holsteinische Grenze erreicht, wo ein Zaum gegen deutsche Wildschweine errichtet wird. Meine Leser haben wahrscheinlich davon gehört oder gelesen. Dieses denkwürdige Bauwerk – 70 Kilometer lang und ungefähr 1,50 Meter hoch – soll die Afrikanische Schweinepest von unserem nördlichen Nachbarland fernhalten. Es ist unglaublich!

Wie naiv müssen Politiker eigentlich sein, die solch einen Schwachsinn veranlassen? Nicht nur, dass es hierzulande bisher keine Fälle dieser Tierseuche gibt. (Vorläufig ist sie noch nicht über Osteuropa hinausgekommen.) Aber anzunehmen, ein Zaun könnte die Erreger abhalten, das ist in meinen Augen der pure Irrsinn. Auch wenn es sich um einen Stahlzaun handelt, der einen halben Meter weit in den Boden hineinreicht, damit es die Wildschweine nicht schaffen, sich darunter durchzuwühlen. Selbst das halte ich für zweifelhaft. So schlau, wie die Schwarzkittel (Foto: dpa) sind, gilt für sie sicher der Grundsatz: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

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Warum die ganze Aufregung?

ZooOdenseVor allem auf Facebook schlugen die Protestwellen hoch, als die Ankündigung des dänischen Zoos in Odense bekannt wurde, dass man vor den Augen der Zoobesucher einen Löwen sezieren wolle.
Eine Online-Petition gegen die Sezierung hatte rund
130 000 Unterstützer gefunden. Das Tier wurde bereits vor neun Monaten gekeult, der Kadaver seitdem in einem Kühlfach aufbewahrt. Hintergrund für die Tötung der Raubkatze war, dass kein Platz mehr für junge Löwen in anderen Zoos vorhanden war und das Tier deshalb nicht abgegeben werden konnte. Im eigenen Zoo hätte die Gefahr von Inzucht bestanden.

Kinder und Erwachsene konnten nun heute zusehen, wie zwei Biologen den Kadaver aufschnitt und Herz, Lunge und andere Organe herausnahm, sie den Zoobesuchern zeigte und beschrieb. Der Zoo in Odense seziert seit 20 Jahren regelmäßig Tiere in den Schulferien. Für dänische Kinder ist das also nichts Besonderes – für sie sind solche Biologiestunden der besonderen Art normal. Auch die Europäische Vereinigung für Zoos und Aquarien unterstützt dieses Vorgehen.

Im Ausland dagegen gab es jede Menge Empörung – eine Aufregung, die man in Dänemark wiederum nicht versteht. Mir geht es genauso: Was soll schlimm daran sein, wenn Kinder anschaulich lernen, wie es im Inneren von Tierkörpern aussieht? Auf diese Art und Weise wird auch deutlich, dass es sich bei Zootieren keineswegs um Kuscheltiere handelt – ein Eindruck, der mancherorts durchaus entstehen könnte. Schließlich wird ja auch niemand gezwungen hinzugehen und sich die Sektion anzuschauen.

Dänische Zoos geraten immer wieder mit Aktivitäten in die Schlagzeilen, die anderswo als zu grausam empfunden werden. Wir erinnern uns:  Im vergangenen Jahr hatten der Tod und das öffentliche Zerlegen der Giraffe Marius im Zoo von Kopenhagen auf der ganzen Welt wahre Entrüstungsstürme ausgelöst. Das ging so weit, dass der Zoodirektor sogar Morddrohungen bekam.

Löwentötung im Kreuzfeuer der Kritik

Der Zoo von Kopenhagen kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Nachdem dort im Februar eine Giraffe namens Marius geschlachtet und vor den Augen von Besuchern an Löwen verfüttert worden war, woraufhin ein weltweiter Aufschrei im Internet folgte, ging es jetzt den Löwen selbst an den Kragen: Zwei erwachsene Löwen und deren Junge wurden eingeschläfert, um Platz für ein neues Zuchttier zu schaffen und Inzucht zu verhindern. Im Internet gab es auf der Homepage des Zoos einen Shitstorm, rund 100 000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, und auch sonst reißen die Proteste nicht ab. Mittlerweile kritisieren auch deutsche Zoodirektoren das Vorgehen ihrer dänischen Kollegen.

Sie sind der Ansicht, dass man sich vor dem Züchten von Jungtieren genau überlegen müsse, wie bzw. wo der Nachwuchs später einmal untergebracht werden kann. Mit einer vorausschauenden Planung hätte man das Töten der Löwen vermeiden können, meint etwa der Frankfurter Zoochef Niekisch. Für Raubtiernachwuchs aus dem Frankfurter Zoo habe man bisher immer einen Platz in einem anderen Zoo gefunden. In der Stuttgarter Wilhelma teilt man diese Ansicht und betont, dass aus Gründen drohender Inzucht keine Tiere getötet werden dürften. Statt dessen solle man auf bestehende Verhütungsmethoden zurückgreifen.

Die Zooleitung in Kopenhagen dagegen wünscht sich eine sachliche Debatte über die Angelegenheit. Generell lehnt man dort die Verniedlichung der Natur ab – ebenso wie die Empfängnisverhütung bei Löwen. Letztere auch, weil deren Folgen nicht genügend bekannt seien. Da ist allerdings wirklich etwas dran: Im Nürnberger Tiergarten hat man die Erfahrung gemacht, dass „die Pille“ bei den Löwinnen zu Krebserkrankungen führen kann.