Die Lagune soll endlich dicht gemacht werden

LaguneneuSeit vier Jahren gibt es Ärger um die Tatsache, dass nach der Eröffnung der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten Salzwasser aus der neuen Anlage ausgetreten ist. Eichen im angrenzenden Wald am Schmausenbuck wurden dadurch geschädigt, und die Tiergartenleitung experimentierte mit verschiedenen Möglichkeiten, um den Wasseraustritt zu vermeiden. So wurde etwa der Wasserspiegel abgesenkt – doch das kann auf lange Sicht keine Lösung sein.

Eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Dienststellen der Stadt Nürnberg arbeitet seit Monaten an Planungen zu einer dauerhaften Abdichtung der Lagune, die man nun umsetzen will. Auch andere Baumängel, die seit der Eröffnung der Anlage aufgetreten sind, sollen im Zuge dessen behoben werden. Als Sanierungszeitraum werden die Jahre 2016 bis 2018 genannt. Denn bevor man mit dem Beheben der Mängel beginnen kann, muss auch noch das nichtöffentliche Delfinarium II wieder fit gemacht werden, weil es als Ausweichquartier für die Delfine dienen soll. Die Sanierung selbst soll Becken für Becken erfolgen, und der Lagunenbetrieb soll währenddessen möglichst weiterlaufen wie gewohnt.

Zeit wird´s, dass endlich was passiert, kann man da nur sagen. Denn der Zoo am Schmausenbuck sieht sich seit Jahren Vorwürfen ausgesetzt, für die er gar nichts kann: Baumängel gehören nicht in seine Verantwortlichkeit. Aber sie passen halt so schön ins Bild, wenn man der Delfinlagune ablehnend gegenübersteht.

Rettet die Maui-Delfine!

MauidelfinDieses Foto könnte in einigen Jahren Seltenheitswert haben. Es zeigt einen Maui-Delfin (Foto: Auckland Conservancy/dpa). Das Aussterben dieser ausschließlich vor der Küste Neuseelands lebenden Meeressäuger ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Im Augenblick wird der Bestand dieser kleinsten Delfine der Welt – sie werden nur etwa 1,40 Meter groß und haben eine abgerundete Rückenflosse – auf ganze 45 (!!!) geschätzt. Vor 40 Jahren waren es laut Naturschutzbund (Nabu) noch etwa 2000 Exemplare. Tierschützer gehen davon aus, dass die Art in 15 bis 20 Jahren komplett verschwunden sein wird. Und sie werfen der neuseeländischen Regierung vor, der Entwicklung seit Jahren untätig zuzuschauen. Denn die Delfine bleiben häufig in den Schleppnetzen industrieller Fischer hängen. Etwa 95 Prozent dieser Meeressäuger sterben offenbar durch die Fischerei.
Als weiteres Problem kommt hinzu, dass sich Maui-Delfine sowieso besonders langsam vermehren. Bei Nabu hat man folgende Rechnung aufgemacht: Es würde über 80 Jahre dauern, bis der Bestand wenigstens wieder die 500er-Marke erreicht. Allerdings dürften dafür keine Tiere mehr durch Fischerei sterben. Und es gibt noch einen Negativfaktor: Der Lebensraum dieser kleinen Delfine wird immer interessanter für Ölfirmen. Sie sind durch ihre Bohrungen eine zusätzliche Bedrohung für die Art.
Naturschützer hoffen nun auf Druck durch die Öffentlichkeit, auf Proteste, an denen die Regierung nicht so einfach vorbeikommt. Die Hauptforderung sind mehr Schutzgebiete füßr die Maui-Delfine. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen sind die Tierschützer nicht der Meinung, dass die bisherigen Gebiete genügen.

Was ETT so alles behauptet…

LaguneNormalerweise stelle ich Artikel, die ich für die NZ geschrieben habe, nicht eins zu eins in mein Blog. Heute tue ich das ausnahmsweise, weil bei einer verknappten Darstellung die Argumente nicht genau genug wiedergegeben werden können. Also, es folgt – abgesehen von kleinen Änderungen – nun ein Artikel, der am Samstag im Lokalteil der NZ erscheint:

Sie möchte für ein Ende der letzten beiden Delfinarien in Deutschland eintreten: die Bewegung „Empty the Tanks“ (ETT). Sie hat für Samstag, 7. Juni, vor dem Tiergarten eine Demonstration gegen die Delfinlagune organisiert. Die Idee zur Bewegung „Empty the Tanks worldwide“ stammt von Rachel Carbary aus Seattle, einer „Sea Shepherd“-Aktivistin. „Sea Shepherd“ („Meereshirte“) ist eine Umweltschutz-Organisation, die für den Schutz der Meere, den Kampf gegen Walfang und Robbenjagd sowie gegen unverhältnismäßige Fischerei eintritt.
ETT fordert, Deutschland solle seine Gesetze ändern und „delfinariumfrei“ werden – so wie andere europäische Länder: die Schweiz, Kroatien, Estland, Irland, Lettland, Luxemburg, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Ich habe die Fragen oder Vorwürfe von ETT gegen den Tiergarten und die Antworten von Tiergartendirektor Dag Encke gesammelt und gegenübergestellt.

ETT:
Man stand in Nürnberg vor der Entscheidung, sich von den Delfinen zu trennen, das vorhandene Delfinarium abzureißen oder zu investieren und den Zoo durch geplante Mehreinnahmen zu retten, denn die Besucherzahlen waren/sind rückläufig.
Encke:
Die Besucherstatistik widerlegt diese Behauptung. Die Besucherzahlen hatten 2010 und 2013 Einbrüche aufgrund schlechter Witterung, sind ansonsten seit dem Jahr 2000 stabil mit einem Mittelwert von 1 070 000 Besuchern pro Jahr.

ETT:
Der größte Anteil der bisher bekannten Gesamtkosten von 30 Millionen Euro wird scheinbar über Kredite finanziert, welche die Stadt Nürnberg vorgestreckt hat und vom Tiergarten zurückgezahlt werden sollen. Klappt dies nicht, muss die Stadt dafür aufkommen, da der Tiergarten eine städtische Institution ist. Bisher funktionierte die Rückzahlung des Kredits jedoch offenbar nur unter Zuhilfenahme von Rücklagen, die inzwischen laut aktuellen Presseberichten auf 600 000 Euro abgeschmolzen wurden. Gelingt es dem Tiergarten nicht, seine Einnahmen exorbitant zu erhöhen, sind auch die verbliebenen Rücklagen in ein bis zwei Jahren aufgebraucht, und das Finanzierungsmodell droht zusammenzubrechen.
Encke:
Der Tiergarten hat mit einer Direktzahlung aus seinen Rücklagen die Hälfte der Mehrkosten von 7 Millionen Euro bezahlt. Aus dem gesamtstädtischen Haushalt wurden die verbliebenen 3,5 Millionen Euro finanziert, da der Tiergarten selbst im Bauvorhaben keinerlei Mehrkosten verursacht hatte. Beim Bau von Lagune und Manatihaus handelt es sich um eine gesamtstädtische Entscheidung, die von der Stadt Nürnberg beschlossen und umgesetzt wurde. Die Rückzahlung des vom Stadtrat beschlossenen Kredits in Höhe von 19,5 Millionen Euro durch den Tiergarten läuft seit 2012 regulär ab, und zwar ohne Rückgriff auf die wieder steigenden Rücklagen.

ETT:
Bei der Finanzierung der Lagune im Nürnberger Tiergarten unterstützt der Steuerzahler Tierquälerei.
Encke:
Es wurde noch nie Tierquälerei bei den Delfinen in Nürnberg festgestellt. Tierquälerei ist ein justitiabler Begriff, der vorsätzliches und dauerhaftes oder wiederholtes Verursachen von Leiden für die Tiere voraussetzt. Die Unterstellung von Tierquälerei ist eine Verleumdung.

ETT:
Im Tiergarten Nürnberg leben acht Delfine. (Es werden aber in einem Dokument, das mir vorliegt, neun aufgezählt.)
Encke:
Falsch: Im Tiergarten gibt es aktuell zehn Große Tümmler! Es wurden Dolly und Donna vergessen, Nachzuchten von 2007 aus Duisburg, die seit Mai 2014 in Nürnberg leben. Dafür wird noch Rocco aufgelistet, der gar nicht mehr in Nürnberg lebt, sondern in Malaga.

ETT:
Weiß der Zoobesucher, dass in der Delfinlagune auch teilweise kranke Tiere täglich Vorführungen mitmachen müssen? Moby und Jenny sind nierenkrank und werden  künstlich mit Süßwasser ernährt.
Encke:
Kranke Tiere nehmen nicht teil. Die bei Moby angeführte Süßwassergabe aufgrund schwacher Nieren führt dazu, dass das Tier sich vollkommen normal verhält und eben wegen der Wassergaben ein gesundes Leben führen kann. Deswegen nimmt er natürlich auch genauso an den Vorführungen teil wie die anderen Tiere.

ETT:
Wenn der Tiergarten Nürnberg, wie er behauptet, alle Delfine in einer Gruppe hält, verstößt er gegen das Säugetiergutachten („Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 7. Mai 2014“). Dieses besagt: „In einer Zuchtgruppe soll nur ein zuchtfähiges Männchen leben.“
Encke:
Die Haltung der Tümmler in Nürnberg wurde nach den Vorgaben des Säugetiergutachtens von 2014 genehmigt – ohne irgendwelche Beanstandungen. Es wurde sogar festgestellt, dass die Lagune für die Haltung von 18 erwachsenen Tümmlern zuzüglich Jungtiere geeignet wäre.

ETT:
Wissen Zoobesucher, dass es vor Nami keinerlei nennenswerten Delfin-Zuchterfolg im Tiergarten Nürnberg gab? Von 21 Geburten gelangen nur fünf Aufzuchten. Den aktuellsten Zuchterfolg gab es 2014, davor 1998! Große Tümmler unterliegen nicht dem Artenschutz, da sie nicht hoch bedroht sind. Deshalb gibt es hier keine Begründung für eine Zucht.
Encke:
Nach der EU-Zoorichtlinie ist der Einsatz von unbedrohten Tierarten bei entsprechendem Einsatz in der Zoopädagogik und Forschung als Beitrag zum Artenschutz klar definiert. Sonst dürften Zoos keine Tiere ohne Bedrohungsstatus mehr halten. Für alle Tierarten ist eine nachhaltige, also sich selbst erhaltende Population anzustreben. Dies ist bei Delfinen, die dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP angehören, der Fall. – In der ETT-Bilanz nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass in Nürnberg zwischen 2007 und 2012 die Delfinzucht unterbrochen wurde. Bei Sunny wurde erst im Herbst 2011 die Pille abgesetzt, Jenny und Anke bekommen sie nach wie vor. Auch von 1998 bis 2004 gab es keine Zuchtversuche.

ETT:
Delfintherapie – das ist eine höchst umstrittene Therapie ohne nachweislichen Erfolg. Eltern kranker Kinder sind verzweifelt. Es ist unseriös, ihnen für viel Geld Hoffnung zu machen.
Encke:
Es gibt nicht die Delfintherapie, sondern viele höchst unterschiedliche Ansätze von tiergestützten Therapien. Der Begriff ist nicht geschützt. In Nürnberg wird der Begriff „dolphin assisted therapy“ nur für die Methode, die Behinderungen und die Altersklassen von Kindern verwendet, für die signifikante Therapieeffekte nachgewiesen wurden. Diese publizierte Form der Therapie ist bis heute wissenschaftlich unumstritten. – Ein Geschäft wurde mit Therapien noch nie gemacht.

Ich denke, eine Organisation, die so schwere Vorwürfe gegen einen Zoo bzw. ein Delfinarium erhebt, und nicht einmal weiß, wie viele Delfine dort leben, disqualifiziert sich für jede ernsthafte Diskussion selbst. Aber immer schön Wirbel machen – wer die Lagune oder den Tiergarten nicht mag, wird´s schon glauben!

Da kann man doch nicht länger zuschauen!

Heute ist Tag des Ostseeschweinswals. Am 17. Mai wird auf die Bedrohung dieser Tiere aufmerksam gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswal-Population in der Ostsee alarmierend zurückgegangen, auf nur noch 450 Tiere!!! Umweltorganisationen werfen Bund und Ländern vor, sie würden beim Schutz der letzten Ostseeschweinswale versagen. Sie verlangen deren Schutz durch bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm.

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der in Deutschland vorkommt. Er ist mit dem Delfin verwandt und steht unter dem strengen Schutz der Habitat-Richtlinie der EU. In den letzten Jahren werden immer wieder Schweinswale tot an der Küste angeschwemmt, viele verenden jämmerlich in Stellnetzen. Zahlreiche Tiere erleiden schlimme Gehörschäden durch den sogenannten Rammschall, der etwa beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen entsteht, aber auch bei der Sprengung von Alt-Munition oder bei seismischen Untersuchungen mit Schallkanonen.

Seit acht Jahren gibt es zwar offiziell Offshore-Meeresschutzgebiete in der Ostsee, die Fischerei ist aber nicht eingeschränkt. So finden unzählige Tiere als Beifang in Stellnetzen den Tod. Außerdem wird kritisiert, dass die verschiedenen Bundesländer an der Ostseeküste keine einheitlichen Schutzmaßnahmen ergreifen. In Schleswig-Holstein existieren nur freiwillige Vereinbarungen in einer Wischiwaschi-Fischereiverordnung. Mecklenburg-Vorpommern schiebt die Verantwortung dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu. Und die geplante Ausweitung der Offshore-Windkraft in sensiblen Naturräumen macht Schutzmaßnahmen für Schweinswale völlig zunichte. Das Schallschutzkonzept des Bundesumweltministeriums zum Schutz von Schweinswalen bei der Errichtung von Offshore-Windkraft-Anlagen bezieht sich nämlich bisher nur auf die Nordsee.

Verschiedene Umweltorganisationen haben Ende Januar den Bund verklagt: wegen der Nicht-Umsetzung von Fischereiregelungen in
den deutschen Meeresschutzgebieten. Sie kritisieren außerdem den Entwurf des deutschen Maßnahmenprogramms der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Denn darin fehlen vor allem nutzungsfreie Zonen in den Schuutzgebieten, die bedrohten Arten wie dem Schweinswal als Rückzugsgebiete dienen. Die Umweltverbände haben eine „Schattenliste“ aufgestellt, mit den wichtigsten Herausforderungen zum Schutz der Nord- und Ostsee auf deutschem Gebiet. Die Liste kann man hier herunterladen. Wer sich für das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung interessiert, kann sich hier informieren.

Von wegen „Tierschützer“!

Sie nennen sich Tierschützer, aber sie greifen zu teils kriminellen Methoden wie etwa Brandanschlägen, Einbrüchen, Körperverletzung oder sogar Morddrohung, um ihre Ziele durchzusetzen. Dabei quälen sie manchmal auch noch Tiere, die sie angeblich retten wollen, auf brutalste Weise!

PutenIn der Nähe von Schwäbisch-Hall schlichen sich kürzlich drei Tierschutz-Aktivisten nachts in einen Putenstall, um die ihrer Meinung nach miserable Haltung des Geflügels mit einer Kamera zu filmen. Dabei verletzten sie den Geflügelhalter, der sie dabei erwischte, mit Pfefferspray. Bei einem Einbruch von Tierbefreiern im Kreis Rems-Murr gerieten die Puten in Panik, mit der traurigen Folge, dass 250 Tiere starben. In Niedersachsen, wo traditionell die Hühnerzucht eine wichtige Rolle spielt, besetzen Tierrechtler immer wieder Felder und Bauplätze oder blockieren Schlachthöfe. Die „Animal Liberation Front“ hat allein in Niedersachsen in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren fünf Brandanschläge verübt.

Ein Fall, der Schlagzeilen machte, war die in Großbritannien gegründete „Animal Liberation Front“, die im Jahr 2009 mit Molotov-Cocktails einen norditalienischen Zoo in Brand setzte, um gegen die dort „inhaftierten Vögel“ zu protestieren. Dumm nur, dass dabei 40 Mäusebussarde, Falken und Eulen elendiglich verbrannten.

Erst vor kurzem gingen der Fall des Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis durch die Presse, der an Affen Versuche durchführte. Er wurde über Monate hinweg bedroht und erklärte zuletzt, die Experimente mit Affen zu stoppen und in Zukunft nur noch Ratten dafür zu verwenden. Dem Forscher soll es nach der langen Zeit der Schlammschlacht gegen ihn körperlich und psychisch schlecht gehen.

Damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt: Ich will keinesfalls Massentierhaltung verteidigen. Ich unterstütze Tierschutz selbst, wenn ich kann. Aber echte Tierschützer lehnen jede Form von Gewalt ab, vor allem die gegen Menschen. Und dazu gehört für mich auch die bewusste Verbreitung von Behauptungen, die nicht der Wahrheit entsprechen, um Personen oder Institutionen zu schädigen, nur weil sie mit der eigenen Gesinnung nicht kompatibel sind. Man denke nur an die Leitung des Nürnberger Tiergartens, die sich ständig gegen Vorwürfe bezüglich der Delfinhaltung wehren muss, die jeder Realität entbehren. Wertvolle Zeit, die normalerweise für die Zootiere verwendet würde, geht so verloren. Tierschutz-Aktivisten wie Peta oder WDSF erreichen nicht selten das Gegenteil ihrer – angeblichen – Absicht!

Er hat nach meiner Pfeife getanzt!

Nach meinem Beitrag über die themenbezogenen Präsentationen in der Lagune des Nürnberger Tiergartens hat sich einer meiner treuesten Leser und Kommentatoren gemeldet: Stephan Koch. Er hatte im „Blauen Salon“ ein Erlebnis, das er so schön fand, dass er es mit möglichst vielen anderen teilen möchte. Mir gefällt die Geschichte auch. Deshalb veröffentliche ich sie hier als Gastbeitrag.

taktErinnern wir uns an einen wundervollen Tag im Tiergarten. Ich war zusammen mit guten Freunden im zahlenmäßig gen Nachmittag hervorragend besuchten Tiergarten, und als sich der Tag dem Ende neigte, wurde es auch mal Zeit, sich ein wenig auszuruhen: Der Blaue Salon sollte es dieses Mal sein. Das Spiel zwischen den Großen Tümmlern und den Kalifornischen Seelöwen, die zusammen in der Lagune leben und miteinander interagieren, ist immer sehenswert.

Wenn man zudem ein bisschen Geduld investiert, dann kann man auch Geschichten erleben, kleine, aber prägnante Geschichten. Kaum war wieder ein bisschen Ruhe nach der letzten Präsentation der Großen Tümmler eingekehrt und die Kalifornischen Seelöwen wieder zu den atlantischen Tümmlern gelassen worden, da widmete ein Seelöwe seine ganze Aufmerksamkeit der kleinen Hand eines Mädchens jenseits der Unterwasserscheibe. Ganz freiwillig – ohne Konditionierungspfeife und ohne Fisch als Belohnung – schwamm das Tier nahe an die Scheibe und untersuchte das, was es sah. Sein Interesse steigerte sich noch, als die Mutter sich zur Kleinen hinunterbeugte, sie in den Arm nahm und einen bunten Stab aus Plastik hervorholte. Ich weiß nicht genau, was dieser Stab nun konkret war, aber das Ding steigerte die Neugier des Seelöwen ins Unermessliche – ebenso wie die Freude des kleinen Mädchens, das nun vergnügt quietschend die Scheibe von links nach rechts und von rechts nach links ablief, während der Seelöwe brav dem Stock folgte … und zwar solange, bis das Tier verstand, dass es sich drehen sollte, wenn die Kleine den Taktstock drehte.

Dieses Spiel ging über eine halbe Stunde lang. Wenn der verspielte Seelöwe Luft brauchte, tauchte er auf, holte Luft und tauchte zur Freude der Kleinen wieder ab. Ganz um sich dem Mädchen mit dem Spielzeug zu widmen und mit ihm zu tanzen, Blickkontakt zu halten und dem Kind einen ganz bezaubernden Tag zu schenken. Dieser Augenblick des Glücks ist einer von denen, die das kleine Mädchen niemals vergessen wird. Mit stolzer Brust wird es Freundinnen und später vielleicht seinen Kindern erzählen, dass ein Seelöwe in seinem Takt getanzt hat.

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Tiergarten geht auf Besucher zu

350_4NWHJAOIn der Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg geht man neue Wege: Es gibt jetzt Präsentationen mit den Großen Tümmlern zu bestimmten Themenbereichen. Besucher dürfen zum Beispiel Fragen stellen, die Tierpfleger klären das Publikum darüber auf, wie postitive Konditionierung funktioniert, wie die Delfine medizinisch untersucht werden usw. Und im „Blauen Salon“ (Foto) sieht man Delfine und Kalifornische Seelöwen aus einer ganz anderen Perspektive. Erklärungen zur Anatomie der Tiere werden durch die Nähe zu den Meeressäugern unmittelbar an der Unterwasserscheibe viel plausibler.

Weil bekanntlich nichts langweiliger ist als ein auswendig gelerntes Programm, kann das den Vorführungen nicht schaden – ganz im Gegenteil. Man hat ja in Nürnberg schon in den letzten Jahren bewusst den Zirkus-Charakter der Vorführungen vermieden, mehr auf Information gesetzt und sich so von den Shows abgehoben, die in vielen Aquarien und Vergnügungsparks  – vor allem in den USA – geboten werden.

Jetzt werden auch noch die Besucher stärker einbezogen. Und bekommen von kompetenten Ansprechpartnern direkt Antwort auf ihre Fragen. Von Tierpflegern und Trainern, die seit Jahren tagtäglich mit den Tieren arbeiten und sie kennen wie andere Menschen ihre Kinder oder Partner. Und die sich immer wieder mit unsachgemäßer Kritik und nicht zutreffenden Vorwürfen von Tierschutzaktivisten auseinandersetzen müssen, etwa von Peta oder dem WDSF. Diese Leute werden sich auch durch die neuen Präsentationen nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen, für sachliche Argumentation sind sie ja nicht eben berühmt. Aber für alle anderen Zoobesucher – auch die kritischen – öffnet sich der Tiergarten nun ein ganzes Stück. Das kann ihm nur gut tun, finde ich.

Die wollen doch nur spielen!

YouTube Preview Image
Einfach köstlich, dieses Video von „Young & Rubicam“, das ich bei YouTube gefunden habe! Dahinter steckt allerdings ein ernstes Anliegen: Der Verein „Sharkproject“ engagiert sich gegen die Ausrottung von Haien, die mittlerweile zu den bedrohten Arten zählen. Jahr für Jahr werden etwa 200 Millionen von diesen faszinierenden Fischen getötet. Mit dem Film will „Sharkproject“ vor allem den schlechten Ruf von Haien verbessern, die oft als „Bestien der Meere“ bezeichnet werden. Eine pfiffige Idee, auf der Basis gängiger Delfin- und Wal-Shows eine Hai-Show zu inszenieren! Natürlich nicht ganz ernst zu nehmen, aber sehr amüsant anzuschauen! Die zum Teil sogar als „Killer“ verschrienen Meerestiere zeigen sich so zahm und gelehrig wie Delfine und kommen ebenso sympathisch rüber. Sie lassen Reifen kreisen und werfen Bälle zurück, richtig lustig, diese Kerle! Die beißen nicht, die wollen nur spielen, ist die Botschaft des Videos. In Wirklichkeit spielen allerdings keine echten Haie mit. Aber sie sehen täuschend echt aus, dank der Mithilfe der 3-D-Spezialisten von Dpost (Prag).

Tierschutz mal ganz anders, weder betulich und belehrend, noch scheinheilig und mit Unwahrheiten arbeitend, wie man es von einigen Tierschutzaktivisten leider gewohnt ist, sondern originell und satirisch. Gefällt mir sehr gut!!!

Gläubige und ungläubige Zoo-Menschen

Dag Encke, seit 2005 Nürnberger Tiergartendirektor, hat es mit den Medien nicht immer leicht – vor allem mit denen, die nicht in Nürnberg beheimatet sind. Immer wieder muss er zu denselben Vorwürfen in Sachen Delfinhaltung/Lagune Stellung nehmen. Die Fragen ähneln sich, die Artikel oder Sendungen ebenso. Einige Journalisten-Kollegen „recherchieren“ schon vor dem Hintergrund einer vorgefassten Meinung, die sie dann auch nicht mehr aufgegeben angesichts dessen, was sie vor Ort vorfinden. Die Artikel oder Berichte, die dabei herauskommen, lassen oft jede Neutralität vermissen, wie es zum Beispiel in der „Zeit“ vor einigen Wochen der Fall war. Delfine in Zoos oder Delfinarien – dass dieses Thema die Menschheit spaltet, haben wir ja immer wieder auch hier im Blog gesehen.

Ludwig Schick und Dan Encke im GesprächEs geht mittlerweile aber auch um die Frage, ob Zoos heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind. Ob Tierhaltung dort womöglich gegen ethische Grundsätze verstößt. Oder gegen die von Gott gewollte Ordnung. Derart dürften wohl die Hintergedanken für ein Gespräch gewesen sein, das vom Bildungszentrum Nürnberg veranstaltet wurde: Dag Encke und Erzbischof Ludwig Schick saßen sich gegenüber und unterhielten sich – wie immer in der Reihe „Starke Köpfe“ – in persönlicher Atmosphäre und ohne Moderator. Ludwig Schick ist seit 2002 Erzbischof von Bamberg. Bevor er sich für die Theologie entschied, hatte er Medizin studiert und kann von daher wissenschaftliche Gedankengänge besser nachvollziehen als so mancher reine Theologe. Schick hat außerdem alle Kontinente bereist und immer wieder Tiere in freier Wildbahn erlebt, die in unseren Breiten nur in Zoos zu sehen sind.

Eine gute Basis also für ein anregendes Gespräch – das dann wesentlich philosophischer geriet, als viele es wohl erwartet hatten. Eher nebenbei erfuhren die Zuhörer interessante persönliche Geschichten. Etwa, dass Encke als Zehnjähriger tief gläubig war, später aber „abschwor“ und einem naturwissenschaftlichen Weltbild für seine Lebensauffassung und -führung den Vorzug gab. Heute bezeichnet er sich selbst als „ungläubigen Zoo-Menschen“. Oder dass Schick früher zur Jagd ging und durchaus nachvollziehen kann, wenn jemand auf eine Trophäe wie zum Beispiel ein Geweih stolz ist. Die beiden Männer auf dem Podium vertraten – zu ihrem eigenen Erstaunen – oft gemeinsame Standpunkte, wenn auch vor einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund.

Dag Encke merkte man an, dass er froh war, einmal losgelöst von Vorwürfen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung über ethische und philosphische Fragen plaudern zu können. Dabei glänzte er mit einem breiten Wissen, mit dem er selbst den Erzbischof beeindruckte. Encke sprach aber auch von sich aus seine Haltung an, dass er kein Problem damit hat, Tiere zu töten und anschließend Zootieren zum Fressen vorzuwerfen – womit er in der Öffentlichkeit schon aneckte. Beim Erzbischof stieß er damit auf (Ein-)Verständnis. Schick seinerseits nahm Tierrechtlern den Wind aus den Segeln, die etwa Menschenrechte für Tiere fordern; er lehnt es auch strikt ab, „Tiere zu verherrlichen“. Aber er betonte auch: Tierrechte gibt es, und die sind einzuhalten – gerade von Zoos. Da waren die beiden Männer einer Meinung. Encke will im Tiergarten Tiere so zeigen, dass er sich nicht dafür schämen muss und misst sich selbst an diesem Anspruch. Zu Recht, wie der Applaus im Publikum nach eineinhalb spannenden Stunden unterstrich.

Der Post SV hat ein Herz für Delfine

Delfin_BasketballAus dem Lager der Zoo-Gegner kommt immer wieder der Vorwurf, Zoos und Tiergärten existierten heutzutage praktisch nur noch um ihrer selbst willen. Und wegen einiger Ewig-Gestriger, die solche Einrichtungen besuchen – in einer Zeit, in der man längst überall dorthin reisen könnte, wo die im Zoo gezeigten Tiere in der Natur leben. Lassen wir diese abstruse Argumentation mal beiseite und gehen auf eine weitere Behauptung der Anti-Zoo-Front ein, die da lautet, Zoos seien isolierte Einrichtungen und nicht ins  soziale Umfeld ihrer Standorte eingebunden. Dass auch das nicht stimmt, zeigt unter anderem ein Beispiel aus Nürnberg. Hier hatte man beim Post SV in der Basketball-Abteilung vor ein paar Jahren eine gute Idee: Statt gebrauchte Basketbälle, die für den Einsatz in der Halle nicht mehr taugen,  auszurangieren und zu entsorgen, bringt man sie lieber in den Tiergarten. Dort freuen sich die Delfine und ihre Betreuer in der Lagune über diese Spielsachen zum Nulltarif. Große Tümmler sind wie Kinder grundsätzlich  neugierig auf alles, was ihnen zum Zeitvertreib angeboten wird.

Der Post SV macht außerdem mit seinen U 10-Mannschaften jedes jahr zum Abschluss der Saison mit allen Spielern und deren Eltern einen Ausflug an den Schmausenbuck, um gemeinsam den Tiergarten zu besuchen. Dabei beobachten alle Beteiligten mit Freude, wie sich Kai (auf dem Foto) und seine Delfinfreunde die ehemaligen Post SV-Bälle zuwerfen. Und das – auch wenn es Zoo-Gegner einfacch nicht glauben wollen – ganz freiwillig und ohne Drill.