Kuh „Madel“ und ihr Star-Auftritt

Heute mal wieder – nach den letzten beiden Schreckensmeldungen hier im Blog – etwas zum Schmunzeln: Eine Geschichte, die ich beim Stöbern in Agenturmeldungen gefunden habe. Dass Kühe von Hindus als heilig Tiere verehrt werden, dürfte bekannt sein. Das kann unter bestimmten Umständen zu recht absurden Situationen führen. So ließ jetzt in Bremen eine hinduistische Gemeinde eine Baustelle, die für einen neuen Tempel in Frage kommt, erst einmal von einer Kuh begehen: Großer Bahnhof für Milchkuh „Madel“ vor Fernsehkameras und Medienauftrieb (Foto: dpa).

Für Madels Besitzer war es auch ein ungewohnter Auftritt. Sein Schützling hatte eine Blumengirlande um den Hals, und auf Madels Rücken lagen ein Tuch, Blüten und buntes Pulver. Dazu der Duft von Räucherstäbchen, der über die matschige Wiese zog. Der Hindu-Priester aus Indien betete und sang mit nacktem Oberkörper. Als „Madel“ auf die Wiese pinkelte, freute sich der Gemeindesprecher: Das gilt nämlich als gutes Zeichen. Schlecht wäre es der Tradition zufolge gewesen, wenn die Kuh weggelaufen wäre: Dann wäre der Ort als Bausplatz nicht geeignet. Der neue Tempel soll auf einem Grundstück der Bremer Heimstiftung gebaut werden und einen zwölf Meter hohen Turm bekommen. Wenn der Bau fertig ist, wird Madel höchstwahrscheinlich wieder ihren großen Auftritt haben. Denn auch bei der Einweihung eines Tempels muss eine Kuh dabei sein.

Eisbären-Pech für den Berliner Tierpark

So hat sich Eisbär Wolodja im Berliner Tierpark Friedrichsfelde (Foto: dpa) das wohl kaum gewünscht: Fast elf Monate nach dem frühen Tod seines Söhnchens Fritz ist im Tierpark wieder ein Jungtier von ihm gestorben – knapp einen Monat nach der Geburt. Es hat zu wenig bei seiner Mutter Tonja getrunken. Tierpark-Direktor Andreas Knieriem – gerade noch zum „Berliner des Jahres 2017“ gekürt – hat das Eisbärenbaby, ein Weibchen, mit obduziert. Die Kleine ist an Dehydrierung gestorben. Ein Fehler der achtjährigen Eisbärenmutter ist bisher nicht erkennbar. Über die Überwachungskameras konnte man nicht erkennen, dass das Junge zu wenig trank. Der Tierpark Berlin hatte die Geburt des Eisbärenbabys am 7. Dezember 2017 bekannt gegeben. Die Begeisterung nach der Geburt war riesig, fast zehn Jahre nach dem Hype um Eisbär Knut und der Hysterie nach seinem Tod im Berliner Zoo im Westen der Stadt Berlin. Dort lebt er immerhin als Bronze-Plastik weiter.

Und schon kommt wieder die übliche Kritik an der Eisbärenhaltung in Zoos, diesmal vom Berliner Tierschutzverein. Dass mehr als 60 Prozent der Eisbärenbabys in deutschen Zoos in den vergangenen Jahren nur wenige Wochen alt geworden seien, spreche nicht für eine artgerechte Haltung. Diese Meinung halte ich für falsch, wie hier schon mal ausführlich dargelegt. Ich bin schon gespannt, wann Peta auf den Zug aufspringen wird – die brauchen halt immer ein wenig länger. Tierpark-Direktor Knieriem jedenfalls sieht weder Fehler bei der Haltung noch Anzeichen dafür, dass Tonja und ihr Partner Wolodja – mit acht und sechs Jahren beide im besten Alter – genetisch nicht miteinander harmonieren könnten. Deshalb sollen sie sich auch wieder paaren dürfen.

Kein schlechtes Wolfsjahr


Das Jahr geht zu Ende, und für die Wölfe in Deutschland (Foto: dpa, aufgenommen in einem Gehege des Biotopwildparks Anholter Schweiz) war es kein ganz schlechtes – was mich als Wolf natürlich besonders freut. Meine „Artgenossen“ haben sich heuer bei uns wieder ein wenig vermehren können.

Inzwischen sind hierzulande 60 Rudel nachgewiesen. Diese Zahl stammt vom Bundesamt für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Dort geht man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus. Vor einem Jahr waren es 140. Die Zahlen werden in den Bundesländern erhoben und kommen durch überprüfbare Nachweise zustande: Zum Beispiel durch das Auswerten von Kot und anderen Spuren, die Wölfe hinterlassen. Auch Aufnahmen aus Fotofallen helfen bei der zahlenmäßigen Erfassung weiter. Amtlich werden Rudel, Paare und sesshafte Einzelwölfe erfasst, die für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Die eindeutige Erfassung der Welpen ist allerdings schwierig, weil sie oft früh sterben. Schließlich kann auch die Anzahl der Wölfe pro Rudel stark schwanken.

Die Wolfspopulation hat sich in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten Deutschlands verdichtet. Trotzdem hat sich ihr Verbreitungsgebiet nicht so stark ausgeweitet, wie man es anhand der Rudelzahlen vermuten könnte. Das wundert auch die Experten. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen, insgesamt sind sie jetzt in sieben Bundesländern anzutreffen– auch in Bayern.

Bisher stellen Straßen die größte Gefahr für die Wölfe dar: Seit dem Jahr 2000 waren bei 140 von rund 200 tot gefundenen Tieren Verkehrsunfälle die Todesursache. Außerdem wurden zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 30. April 2017 fünf Wölfe illegal getötet. Damit ist die Zahl solcher Straftaten seit dem Jahr 2000 auf 26 gestiegen. Viele Nutztierhalter und Jäger wollen erreichen, dass Wölfe abgeschossen werden dürfen, weil sie dem Weidevieh gefährlich werden könnten. Umweltschützer fordern dagegen verstärkte Prävention, zum Beispiel durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

Bestimmte Interessengruppen schüren auch die Angst vor Wölfen bei der Bevölkerung. Dabei ist bisher kein einziger Angriff auf Menschen bekannt, seit sich diese wunderbaren Tiere wieder in Deutschland angesiedelt haben. Unsere Gesellschaft muss einfach lernen, Wölfe als selbstständige und freie Tiere zu respektieren. Es gibt aber auch einige Verrückte, die Wölfe für Fotos „anfüttern“. Dabei kann es wirklich gefährlich werden, wenn sich Wölfe erst mal an Menschen gewöhnen. Ich halte auch die Forderung einer Obergrenze für Wölfe in Deutschland für unsinnig (genauso unsinnig übrigens wie eine Obergrenze für Flüchtlinge). Deutschland ist groß – groß genug für noch mehr Wölfe!

Es gibt übrigens auch Neues über die vor über zwei Monaten im Bayerischen Wald entlaufenen Wölfe: Eines der beiden überlebenden Tiere zieht derzeit vermutlich durch Österreich, und zwar durch den Raum Linz, auch im Landkreis Passau wurde er bereits gesichtet. Über den Verbleib des zweiten noch lebenden Wolfes weiß man im Augenblick nichts. Ich hoffe, auch er hat es geschafft, sich irgendwie durchzuschlagen. Ursprünglich war ja behauptet worden, die Wölfe seien in Freiheit nicht überlebensfähig, weil sie im Nationalparkgehege immer gefüttert wurden. Wirklich bedauerlich finde ich, dass zwei der freigelassenen Wölfe erschossen wurden.

Wen würden (Zoo-)Tiere wählen?

In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so unsicher war wie diesmal, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Diverse Diskussionsrunden und Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern im Fernsehen haben mir bisher auch nur bedingt weitergeholfen; zumindest weiß ich aber schon mal, wen ich nicht wähle. Mit dieser Eingrenzung auf bestimmte verbleibende Parteien habe ich den Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe herangezogen und bin wieder ein Stück vorangekommen: Nun sind nur noch zwei Parteien übrig, zwischen denen ich immer noch schwanke.

Da erreichte mich in diesen Tagen der Newsletter des WWF (siehe obiges Foto). Mitarbeiter der Umweltorganisation haben Interviews mit Spitzenpolitikern von CDU, SPD, DIE LINKE und den GRÜNEN geführt und herausgearbeitet, inwieweit umweltrelevante Themen Eingang in die Wahlprogramme gefunden haben. Außerdem wurden die Politiker befragt, welche Maßnahmen und Vorhaben für Natur- und Umweltschutz ihre jeweilige Partei konkret nach der Wahl angehen will. weiter lesen

Endlich haben die Qualen ein Ende

Das ist mal ein Riesenerfolg für Tierschützer und passt wunderbar zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April: Durch jahrelange Proteste haben Tierschützer es geschafft, dass das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen seine Versuche an Affen endgültig eingestellt hat.  Einem als Pfleger arbeitenden Tierschützer war es gelungen, die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich zu filmen. Dadurch kamen Aufnahmen ans Licht, die zum Beispiel Affen mit Gehirnimplantaten zeigen. Eines der Tiere ist mit blutverschmiertem Kopf zu sehen, einem anderen Affen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Gegen die unhaltbaren Zustände hatten Tierschützer immer wieder Demonstrationen und Mahnwachen veranstaltet. Ein Durchhaltevermögen, das sich wirklich gelohnt hat!

Wie groß soll die Gruppe sein?

Sie sind bei vielen Besuchern mit Abstand die beliebtesten Zootiere: Erdmännchen. Deutsche und britische Forscher haben nun im Fachmagazin „Royal Society Open Science“ einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie empfehlen, dass Erdmännchen in Zoos lieber in großen Gruppen gehalten werden sollten. Die in kleinen Gruppen gehaltenen Erdmännchen seien gestresster als die in großen, sagen die Wissenschaftler von der britischen Universität Exeter und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Ihre Untersuchung basiert auf zehn Erdmännchengruppen in acht verschiedenen Zoos in Großbritannien. Die Forscher sammelten über mehrere Tage die Ausscheidungen der Erdmännchen ein und untersuchten diese auf eine Gruppe von Hormonen, die auf Stress rückschließen lassen. Demnach waren Tiere in größeren Gruppen weniger gestresst als solche in kleinen. Die Gruppengrößen in den Zoologischen Gärten reichten von zwei bis zu 17 Tieren.

Erdmännchen waren für die Untersuchung ausgesucht worden, weil es bei dieser Tierart viele Erkenntnisse über freilebende Tieren gibt. Erdmännchen leben in trockenen Regionen des südlichen Afrikas in Gruppen zwischen zwei und fünfzig Tieren. Laut früheren Studien sind freilebende Tiere in sehr kleinen Gruppen gestresster, weil sie dann weniger gut vor Feinden geschützt sind. Aber auch in sehr großen Gruppen sind die Stresslevel der Tiere erhöht – vermutlich, weil es dann eine stärkere Konkurrenz um Nahrungsmittel gibt. Die Wissenschaftler empfehlen Zoos deshalb die Haltung in einer großen Gruppe, weil das den Erdmännchen ein Gefühl von Sicherheit gebe.

Im Nürnberger Tiergarten wird derzeit eine Gruppe von acht männlichen Erdmännchen gehalten. Laut dem stellvertretenden Zoochef Helmut Mägdefrau ist es entscheidend, „dass die soziale Struktur der Gruppe passt“ – und das sei in Nürnberg der Fall. Bevor man sich auf männliche Tiere spezialisierte, gab es Probleme: Die mit den Erdmännchen in einem Gehege lebenden Fuchsmangusten hatten Erdmännchenbabys gefressen. Dabei harmonieren beide Tierarten sonst sehr gut miteinander. Oft nutzen sie sogar gemeinsam die im Gehege aufgestellten Wärmelampen.

Kralle, Schnute oder Balou?

Wie soll der kleine Lippenbär im Berliner Zoo heißen? Darüber sollen jetzt die Fans des vor drei Monaten geborenen Tierbabys bis zum 3. April  über Facebook abstimmen. Zur Auswahl stehen drei Namen: Kralle (wegen der langen Krallen, die Lippenbären haben), Schnute (weil die Bären eine ganz charakteristische Schnauze besitzen) oder Balou (wie der Bär aus dem Dschungelbuch). Das noch namenlose Jungtier durfte jetzt zum ersten Mal im Freigehege des Berliner Zoos spielen. Dabei grub das drei Monate alte Männchen mit seinen schon angesprochenen Krallen wild in der Erde. Seine Mutter, die den Namen Kaveri trägt, kümmert such vorbildlich um ihren Nachwuchs und überwacht jeden Schritt, den der Kleine macht.

Lippenbären leben in freier Wildbahn in Indien und Sri Lanka, vereinzelt auch in Bangladesch, Bhutan und Nepal. Ihr Lebensraum reicht von den tropischen Feuchtwäldern bis hin zu feuchten Grasländern und Laubwäldern. Sie ernähren sich hauptsächlich von Termiten, lieben aber auch süße Früchte, Blüten und Honig. Ihre langen Krallen setzen sie geschickt ein, um Termitenbauten aufzubrechen. Ihre Beute saugen sie dann mit gespitzten Lippen auf – daher die Bezeichnung Lippenbär. Das kleine Exemplar in Berlin wird noch von der Mutter gesäugt, ist aber sehr temperamentvoll und klettert schon auf Seilen und Baumstämmen herum. Seine Mutter beißt er manchmal in die Schnauze – was wohl als Liebkosung zu verstehen ist.  Kaveri und ihr Nachwuchs sind jetzt jeden Tag im Außengehege zu beobachten – oder auf einem Video. Man darf gespannt sein, was sich der Zoo anlässlich der Namensgebung einfallen lässt.

P.S.: Es ist entschieden: Wie mir Leserin heidi_z freundlicherweise mitgeteilt hat, heißt der Kleine Balou. Gefällt mir, kann ich da nur sagen, denn das war ja auch mein Favorit!

Rettet die Haselmaus!

In einigen Ländern steht sie schon auf der Roten Liste, weil sie vom Aussterben bedroht ist. In Deutschland gibt es auf einem Hektar Land auch nur noch drei bis vier Exemplare. Die Rede ist von der Haselmaus, die jetzt von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2017 gekürt wurde. Ich finde es schade, dass man die niedlichen Nager so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Das liegt nicht nur daran, dass sie mittlerweile so selten geworden sind, sondern auch daran, dass sie über die Hälfte des Jahres verschlafen. Die ersten Vertreter der Art kommen in diesen Tagen aus ihren Nestern, in denen sie sich seit Oktober verkrochen hatten.

Die Haselmaus ist hauptsächlich aus Mangel an Lebensraum so sehr bedroht. Sie lebt vor allem im Wald und am Waldrand oder in Baumkronen. Weil durch die intensive Landwirtschaft die Übergangsbereiche zwischen Feld und Wald kaum noch stehen bleiben, hat die Haselmaus ein Problem. Diese Tiere halten sich nämlich meist in Sträuchern oder Hecken auf. Dort zeigen sie sich als wahre Akrobaten: Mit ihrem Schwanz halten sie sich an Zweigen fest und hangeln sich daran weiter. In Hecken und Sträuchern gibt es auch genügend Futter und kaum Fressfeinde. Die kleinen Tiere haben ihren natürlichen Feinden keine Schutzmechanismen entgegenzusetzen und können sich auf freien Flächen nicht verstecken. Ihnen fehlen zunehmend auch Baumhöhlen für den Winterschlaf. Auf die Haselmaus wirkt sich außerdem der Klimawandel negativ aus: Es wird immer früher im Jahr warm, so dass die Tiere zu früh aus dem Winterschlaf aufwachen – ein fast sicheres Todesurteil, denn bei zu niedrigen Temperaturen finden sie nichts zu fressen.

Haselmäuse gehören in Europa zu den geschützten Arten. Die nachtaktiven Tiere sind ungefähr so groß wie ein Daumen. Es wird in der nächsten Zeit entscheidend sein, dass die Haselmaus genügend Nahrung findet und ihr Lebensraum geschützt wird – sonst gibt es keine Zukunft für die possierlichen Tiere. Immerhin tun manche Organisationen etwas für das bedrohte Wildtier. So hat zum Beispiel die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein Grünbrücken gebaut, die den Mäusen über stark befahrene Straßen helfen. Auch die Übergangszonen zwischen Wald und Feld versucht man stärker zu schützen.  Wer der Haselmaus beim Überleben helfen will, kann selbst etwas tun, beispielsweise als freiwilliger Helfer beim Aufhängen von Nistkästen. Oder man richtet seinen eigenen Garten extra für die Haselmaus ein: mit Hecken und Sträuchern, die man möglichst wild wuchern lässt.

Alles Gute zum Zehnten, Hennes!

Nach dem traurigen Thema meines letzten Beitrags hier mal wieder was zum Schmunzeln. Es geht um den Geißbock Hennes, der in Köln ebenso Kult ist wie Willy Millowitsch oder der Dom. Angeblich reagiert Hennes sogar auf den rheinischen Dialekt seiner Tierpflegerin im Kölner Zoo. Am 10. März wird Hennes VIII. zehn Jahre alt. Auch wenn ich als Greuther-Weib und Fan der SpVgg Greuther Fürth Hennes als Maskottchen des 1. FC Köln nicht hundertprozentig toll finden kann, muss ich als Tierfreundin doch zugeben: Der Geißbock ist ein sehr sympathisches Wahrzeichen sowohl seines Vereins als auch seiner Stadt.

Der jetzige Hennes hat seinen Zusatz „VIII.“ nicht von ungefähr. Es war im Jahr 1950, als der 1. FC Köln auf den Geißbock kam. Der erste Hennes soll allerdings nur zur Hälfte ein „kölsche Jong“ gewesen sein: Seine Mutter stammte aus Thüringen. Die Geiß kam über einen Kölner Zirkus, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Thüringen seine Zelte aufgeschlagen hatte, an den Rhein. Mitarbeiter hatten das völlig verängstigte Tier gefunden und nach Hause mitgenommen. 1949 brachte die Ziege einen Bock zur Welt, den der Zirkus dem Verein ein Jahr später zum Geschenk machte – wie sich das für Köln gehört, bei einer Karnevalssitzung. Der damalige Trainer Hennes Weisweiler wurde Namenspate. Damit konnte Hennes I. sozusagen inthronisert werden. Es waren noch lustige Zeiten damals im Profi-Fußball: Hennes war höchstpersönlich bei fast allen Auswärtsspielen dabei und reiste manchmal sogar im Mannschaftsbus mit. Später – und das ist so bis zum heutigen Tag – durfte er nur noch bei Heimspielen dabei sein.

Da die Lebenszeit von Geißböcken begrenzt ist, folgte bald Hennes II., der III. und so weiter. Glück brachte dem Verein vor allem Hennes IV. Als er „regierte“, schaffte der FC Köln das Double: Er wurde Deutscher Meister und holte den DFB-Pokal. Unter Hennes VII. stieg der Verein viermal auf und ab. Kein Wunder, wenn man weiß, dass er bei zwei Heimspielen gar nicht persönlich ins Stadion durfte, weil gerade die Maul- und Klauenseuche grassierte. Das Hennes-Double aus Pappe konnte das Original eben nicht ersetzen.

Das heutige Geburtstagskind Hennes VIII. hat dem Verein bisher sportliche Stabilität beschert. Er ist das erste Maskottchen in der Vereinsgeschichte, das ein eigenes Häuschen im Kölner Zoo bewohnen darf. Und er bekam sogar eine Partnerin: Anneliese. Hennes ist allerdings gar kein richtiger „Bock“ – er ist kastriert. Als Anneliese trotzdem eines Tages trächtig war, hat Hennes Größe bewiesen und die Sache so genommen, wie sie eben war. Warum sollte es nicht auch bei Tieren Patchwork-Familien geben? Doch Anneliese starb vor kurzem – jetzt ist Hennes also auch noch alleinerziehender Vater. Und so endet die Geschichte leider doch nicht so lustig, wie sie begonnen hat.

Zum Tod von Eisbärenbaby Fritz

Das dürfte wieder Wasser auf die Mühlen von Zoo-Gegnern und Tierschutzaktivisten sein: Im Berliner Tierpark ist Eisbärenbaby Fritz vier Monate nach seiner Geburt an einer Leberentzündung gestorben. Ich höre schon die Peta-Leute, wie sie zum zigsten Mal ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos fordern. Fritz war der Sohn von Tonja (sieben Jahre) und Wolodja (fünf Jahre) und am 3. November 2016 zur Welt gekommen – zusammen mit einem Zwilling, der allerdings nicht überlebte. Es handelte sich um den ersten Eisbärennachwuchs im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde seit 22 Jahren, das wurde natürlich groß gefeiert. Mutter Tonja kümmerte sich liebevoll um ihr Baby, alles schien gut zu laufen. Der Kleine, der bislang nur über eine Webcam zu sehen war, sollte noch in diesem Monat der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch am vergangenen Wochenende gab es erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme bei Fritz, und am Montag lag er apathisch im Stall. Die Tierärzte und Pfleger entschieden, dass man den Kleinen von seiner Mutter trennen müsse, um ihn untersuchen zu können. Fritz wurde ins benachbarte Leibniz-Institut gebracht und dort durchgecheckt. Zunächst brachten die Untersuchungen allerdings kein Ergebnis. Man stellte schlechte Leberwerte fest, gegen die Fritz ein Antibiotikum bekam, außerdem verabreichte man ihm Schmerzmittel. Am Montagabend wurde sein Atem unregelmäßig. Der kleine Eisbär starb gegen 20 Uhr. Es wurde eine Obduktion angeordnet, um die Todesursache herauszufinden.

So traurig der Tod des Eisbärenbabys ist – in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten dieser Tiere sterben viele Polarbären einen wesentlich schlimmeren Tod: Sie krepieren regelrecht, weil ihnen aufgrund der Klimaerwärmung das Eis unter dem Hintern wegschmilzt und sie deshalb nur unter schwierigsten Bedingungen auf Robbenjagd gehen können. Die Folge: Sie verhungern jämmerlich oder schleppen sich monatelang völlig abgemagert auf der Suche nach Nahrung weiter. Ich habe hier ja auch das bekannte Foto von Kerstin Langenberger gezeigt und über das Problem geschrieben. Damals gab es zwar im Netz viel Aufregung, doch leider folgten dem virtuellen Aufschrei keine Taten, sprich Kehrtwende in der internationalen Umweltpolitik. Da sollte sich Peta mal so engagieren wie bei den vielen lächerlichen Aktionen gegen Zoos.