Hommage an Bernhard Grzimek

Wenige Wochen vor seinem 106. Geburtstag – geboren wurde er am 24. April 1909 – kehrt er ins Fernsehen zurück: der  große Bernhard Grzimek. Natürlich nicht er selbst, schließlich ist er schon 1987 gestorben. Grzimek ist in Person des Schauspielers Ulrich Tukur zu sehen (Foto unten). Die ARD drehte einen zweiteiligen Fernsehfilm über das Leben des berühmten Tierarztes, Frankfurter Zoodirektors und Tierfilmers Bernhard Grzimek. Ausgestrahlt wird das Werk auf einen Rutsch am Karfreitag, 3. April, ab 20.15 Uhr. Wer nach 165 Minuten noch immer nicht genug hat, kann sich danach noch eine halbstündige Doku über das Leben und Wirken von Grzimek reinziehen. Beide Sendungen tragen den schnörkellosen Titel „Grzimek“.
GrzimekVor sechs Jahren, zum 100. Geburtstag des großen Tierfreunds, habe ich ihn hier schon einmal gewürdigt. Sein Leben lang hat er sich unermüdlich für Tiere, Natur und Umwelt eingesetzt. Die Sendung „Ein Platz für Tiere“ – die mittlerweile Kult ist – hat ihn fast 30 Jahre lang direkt in die deutschen Wohnzimmer gebracht, immer zusammen mit einem lebendigen Tier, das bei seiner Moderation dabei sein durfte  – oder, aus heutiger Sicht, eher musste. „Ein Platz für Tiere“ startete in den 1950er Jahren, lief also in einer Zeit, als man noch nicht zwischen -zig Fernsehkanälen wählen konnte. Deshalb sah ihn praktisch jeder Zuschauer, der den Apparat an diesem Abend einschaltete.
Als Themen wie Tier-, Arten- und Naturschutz bei uns noch niemanden sonst interessierten, war Grzimek schon Vorkämpfer für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren, vor allem auf dem afrikanischen Kontinet. Er engagierte sich dort für die Einrichtung von Naturreservaten und setzte sich mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ selbst ein Denkmal: Als erste deutsche Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg  wurde sie 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet. Aber Grzimeks Freude darüber dürfte sich in Grenzen gehalten haben, denn ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu diesem Werk kam sein Sohn Michael durch einen Flugzeugabsturz ums Leben; er wurde nicht einmal 25 Jahre alt. Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf Grzimek, als sein Adoptivsohn Thmoas 1980 Selbstmord beging.
Die Drehbuchautoren mussten in Grzimeks Fall nicht allzu viel Phantasie mitbringen. Denn das Leben dieses Mannes war gespickt mit privaten Höhen und Tiefen und bietet so jede Menge Stoff für großes Kino, oder besser gesagt: für großes Fernsehen. Regisseur Roland Suso Richter und die Besetzung der Person Grzimeks mit Ulrich Tukur sowie seiner Frau Hilde mit Barbara Auer lassen auf einen packenden Fernsehabend hoffen!

Danke, Bernhard Grzimek!

Eigentlich hätte ich auf diesem Weg gern ihm selbst noch gratuliert: Bernhard Grzimek würde heute seinen 100. Geburtstag feiern – wenn er noch leben würde. Doch er starb bereits im Jahr 1987. Die Deutsche Post ehrt ihn jetzt mit einer Sondermarke. Die zeigt ihn so typisch, dass ich sie jedem anderen Foto vorziehe.

„Guten Abend, meine lieben Freunde“: Mit diesem Satz und seiner unverkennbaren, leicht gepresst wirkenden Stimme hat er jede seiner beliebten Fernsehsendungen „Ein Platz für Tiere“ eingeleitet. Und: Immer hatte er ein Tier auf der Schulter sitzen oder neben sich auf dem Moderationstisch, auf sich herumklettern, um den Hals gelegt oder sonstwo – das konnte je nach Tierart variieren. Den Zoofachleuten der Gegenwart stehen die Haare zu Berge, wenn man sie auf dieses Phänomen anspricht. Es sei nicht tiergemäß und kein gutes Vorbild, schimpfen sie – aber es war eben das unverwechselbare Markenzeichen von Grzimeks Sendung und entsprach dem damaligen Zeitgeist. Das hat zum Beispiel Loriot erkannt, der Grzimek die inzwischen weltberühmte Steinlaus sozusagen auf den Leib zeichnete.

Über Bernhard Grzimek hat es in diesen Tagen jede Menge Beiträge in unterschiedlichen Medien gegeben. Seine Verdienste als Direktor des Frankfurter Zoos wurden ebenso gewürdigt wie seine tollen Tierfilme und sein Engagement für den Tierschutz.  Deshalb muss ich hier nicht noch mal alles wiederholen, was eh schon gesagt ist.

Lieber möchte ich noch etwas Persönliches anfügen: Seine Sendung war die einzige, die ich mir als Kind im Fernsehen anschauen durfte. Und ich hing von der ersten bis zur letzten Sekunde vor der Glotze, verpasste nie eine Folge. Grzimek hat mein Interesse für Tiere geweckt, und ohne ihn würde ich weder für die NZ über den Nürnberger Tiergarten schreiben noch hätte ich jemals mit diesem Blog begonnen.

Fernsehtipp: Hier noch zwei Tipps für alle, die nichts über Grzimek lesen oder sehen wollen, sondern Werke von ihm: Im Fernsehen ist morgen, 25. April, um 12.03 Uhr im Ersten Programm der Film „Kein Platz für Wilde Tiere“ zu sehen, mit dem Grzimek im Jahr 1956 auf die Gefährdung der afrikanischen Wildnis aufmerksam machte; der Film bekam 1956 den Goldenen Bären. – Außerdem bringt das Erste am Samstag, 2. Mai, ebenfalls um 12.03 Uhr den Klassiker „Serengeti darf nicht sterben“ aus dem Jahr 1959, bei dem Grzimek Regie führte und mit dem er 1960 den Dokumentarfilm-Oscar gewann.