Zum Tod von Eisbärenbaby Fritz

Das dürfte wieder Wasser auf die Mühlen von Zoo-Gegnern und Tierschutzaktivisten sein: Im Berliner Tierpark ist Eisbärenbaby Fritz vier Monate nach seiner Geburt an einer Leberentzündung gestorben. Ich höre schon die Peta-Leute, wie sie zum zigsten Mal ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos fordern. Fritz war der Sohn von Tonja (sieben Jahre) und Wolodja (fünf Jahre) und am 3. November 2016 zur Welt gekommen – zusammen mit einem Zwilling, der allerdings nicht überlebte. Es handelte sich um den ersten Eisbärennachwuchs im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde seit 22 Jahren, das wurde natürlich groß gefeiert. Mutter Tonja kümmerte sich liebevoll um ihr Baby, alles schien gut zu laufen. Der Kleine, der bislang nur über eine Webcam zu sehen war, sollte noch in diesem Monat der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch am vergangenen Wochenende gab es erste Anzeichen für gesundheitliche Probleme bei Fritz, und am Montag lag er apathisch im Stall. Die Tierärzte und Pfleger entschieden, dass man den Kleinen von seiner Mutter trennen müsse, um ihn untersuchen zu können. Fritz wurde ins benachbarte Leibniz-Institut gebracht und dort durchgecheckt. Zunächst brachten die Untersuchungen allerdings kein Ergebnis. Man stellte schlechte Leberwerte fest, gegen die Fritz ein Antibiotikum bekam, außerdem verabreichte man ihm Schmerzmittel. Am Montagabend wurde sein Atem unregelmäßig. Der kleine Eisbär starb gegen 20 Uhr. Es wurde eine Obduktion angeordnet, um die Todesursache herauszufinden.

So traurig der Tod des Eisbärenbabys ist – in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten dieser Tiere sterben viele Polarbären einen wesentlich schlimmeren Tod: Sie krepieren regelrecht, weil ihnen aufgrund der Klimaerwärmung das Eis unter dem Hintern wegschmilzt und sie deshalb nur unter schwierigsten Bedingungen auf Robbenjagd gehen können. Die Folge: Sie verhungern jämmerlich oder schleppen sich monatelang völlig abgemagert auf der Suche nach Nahrung weiter. Ich habe hier ja auch das bekannte Foto von Kerstin Langenberger gezeigt und über das Problem geschrieben. Damals gab es zwar im Netz viel Aufregung, doch leider folgten dem virtuellen Aufschrei keine Taten, sprich Kehrtwende in der internationalen Umweltpolitik. Da sollte sich Peta mal so engagieren wie bei den vielen lächerlichen Aktionen gegen Zoos.

Internationaler Eisbärentag

Fast hätte ich es vergessen: Heute, am 27. Februar, ist ja Welt-Eisbärentag! Der darf natürlich nicht ohne Blog-Beitrag zu Ende gehen. Weil Eisbären in freier Wildbahn durch die Klimaerwärmung stark bedroht sind, sollte man an einem Datum wie dem heutigen daran erinnern, dass Zoos mit ihrer Eisbärenhaltung eine wichtige Rolle spielen. Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) weist denn auch darauf hin, dass in der Obhut von 15 der 69 wissenschaftlich geleiteten VdZ-Mitgliederzoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 31 Eisbären leben. Im vergangenen Jahr sind auch wieder zwei Jungtiere zur Welt gekommen: im Tierpark Berlin und im Münchner Tierpark Hellabrunn (dort enstand auch das Foto).

Und: Zoos tun einiges, um so über die Situation und die Gefährdung der Eisbären im Nordpolargebiet zu informieren und dieses natürliche Verbreitungsgebiet wenn irgend möglich zu schützen. So unterstützen der Münchner Tierpark und die beiden Zoos von Berlin die Organisation „Polar Bears International“ bei der Besenderung von weiblichen Eisbären in der Hudson Bay (Kanada). Die Untersuchungsergebnisse liefern Langzeitdaten über den Lebensraum der Tiere dort, der sich ja ständig verändert, und über den Einfluss dieser Veränderung auf die Eisbärenpopulation. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt, dass es weltweit noch zwischen 22.000 und 31.000 Eisbären in freier Wildbahn gibt. Eisbären werden als gefährdete Tierart eingestuft. Und die Aussichten für sie sind katastrophal schlecht: Der jetzige Bestand soll in den nächsten 45 Jahren noch einmal um mindestens 30 Prozent zurückgehen.

Den Zoos ist es ein wichtiges Anliegen, die Haltung von Eisbären immer weiter zu verbessern. So wurde im Tierpark Hellabrunn 2010 eine moderne Eisbärenanlage fertiggestellt, die viermal so groß ist wie die frühere. Im Tiergarten Nürnberg wurde schon 2001 im neuen Aquapark ein größerer Bereich mit einem abwechslungsreichen Land-Teil für die Polarbären geschaffen. Im Tierpark Berlin gingen die jüngste Eisbärengeburt und die Aufzucht noch in der alten Eisbärenanlage über die Bühne. Es gibt aber bereits einen Plan zur Umgestaltung. Mit der wurde nur deshalb noch nicht begonnen, um der Eisbärenmutter, die zum ersten Mal trächtig war, lieber ihre vertraute Umgebung zu bieten, damit alles glatt geht. In vielen Zoos gibt es für die Eisbären schon seit Jahren viele Ideen, mit denen die Tierpfleger ihre Tiere beschäftigen, damit sie sich nicht langweilen. Die Zucht klappt bei dieser Tierart recht gut, und Eisbären sind bei Zoobesuchern besonders beliebt. Trotzdem werden Tierrechtler und Tierschutzaktivisten wie PETA nicht müde, gegen die Haltung von Eisbären in Zoologischen Gärten zu protestieren und deren Verbot zu fordern. Die meisten Zoos haben sich aber auch schon gut auf solche Protestaktionen eingestellt.

Auf jeden Fall haben diese wunderbaren Tiere einen Tag im Jahr verdient, an dem man an sie und ihre Gefährdung erinnert. Und die Zoos leisten ihren Beitrag dazu.

PETA hat wieder mal zugeschlagen!

Zwei Wochen war ich im Urlaub, beim Langlaufen in Ramsau am Dachstein. Der eine oder andere wird sich schon gewundert haben, warum nicht so häufig wie sonst neue Beiträge in meinem Blog erschienen sind.

Im Urlaub hat mich eine Überschrift der online-Ausgabe unserer Zeitung kurz aufgeschreckt: „Im Tiergarten Nürnberg mussten 60 Tiere getötet werden“. Oh Gott, dachte ich, was ist denn da passiert, gerade jetzt, wo ich nicht da bin? Der folgende Text erwies sich allerdings als wesentlich harmloser. Es handelte sich lediglich um einen Vortrag, den Zoodirektor Dag Encke gehalten hatte. Darin ging es um den Artenschutz, der manchmal nur durch die Tötung von Tieren zu gewährleisten sei. Das Populationsmanagement könne sich für einen Zoo manchmal als problematisch erweisen. PavianjungesIn Nürnberg gibt es zum Beispiel derzeit elf überzählige Paviane, die im zoo-eigenen Gut Mittelbüg untergebracht sind. Man hofft, sie an einen chinesischen Zoo vermitteln zu können, der die europäischen Anforderungen an die Haltung erfüllt. Der erste Vermittlungsversuch schlug allerdings fehl.

Heute, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, hat sich die Tierrechtsorganisation PETA zu dem Thema gemeldet und – wer PETA kennt, wird sich darüber kaum noch wundern – wieder mal eine Anzeige gegen den Tiergartendirektor erstattet. Grund: Das Töten gesunder „Überschusstiere“ im Rahmen des Populationsmanagements eines Zoos stelle „keinen vernünftigen Grund nach § 17 des Tierschutzgesetzes“ dar. Schon im Mai 2015 hatte PETA gegen Encke Anzeige erstattet, ebenfalls „wegen der Tötung eines gesunden Pavians ohne vernünftigen Grund“. Jetzt geht die Organsisation noch weiter und fordert, dass der Zoochef sofort entlassen wird, weil er „offenbar unbesonnen weiter strafrechtlich relevant Tiere tötet“, so PETA.

PETA hat den Tiergarten Nürnberg seit Jahren auf dem Kieker, hauptsächlich wegen der Eisbären- und Delfinhaltung und des vermeintlichen „Bauskandals um die Delfinlagune“. Die bisherigen Anzeigen der Tierschutzaktivisten gegen die Tiergartenleitung hatten keinen Erfolg – haben aber den Verantwortlichen im Zoo schon unendlich viel Zeit gestohlen, die sie für wichtigere Arbeit hätten verwenden können.

Der WWF und die Eisbären-Sender

EisbaerDa hat mich mal wieder ein Newsletter des WWF erreicht, zum Thema Eisbären im Packeis diesmal (der auf dem Foto oben lebt allerdings nicht im Packeis, sondern im Zoo von Hannover), verbunden mit der Bitte um Hilfe, Eisbären mit Sendern auszustatten. So können die Bewegungen der Tiere – insbesondere in Beziehung zum vorhandenen Packeis – online verfolgt werden: Auf einer interaktiven Karte kann man sich an die Spuren der Eisbären heften und genau beobachten, wo sich welche Tiere aufhalten. Beim Anklicken auf einer Karte bekommt eine Art Steckbrief über das jeweilige Exemplar. Der WWF schreibt dazu:

Die Bewegungsdaten zeigen uns zum Beispiel, wohin die Bären in Jahren, in denen es wenig Packeis gibt, wandern. Informationen wie diese helfen uns, zu verstehen, wie sich der Klimawandel und andere Bedrohungen auf die verschiedenen Eisbär-Populationen auswirken.

Angesichts der schlimmen Situation, in der sich die Polarbären befinden, eine tolle Sache, finde ich. Für mich hat sie allerdings einen kleinen Haken: Nur weibliche Eisbären kann man mit einem Senderhalsband ausstatten. Bei den Männchen ist der Nacken nämlich dicker als der Kopf, so dass ein Halsband über den Kopf herunterrutschen würde. Diese Infor gibt der WWF selbst auf seiner Newsletter-Seite. Ich frage mich aber schon, wie aussagekräftig das Ganze dann überhaupt ist. Kann man die Männchen einfach so vernachlässigen?

Felix – ein Womanizer

felixinrhenenEr gilt als Womanizer unter den männlichen Eisbären: Eisbär Felix aus dem Tiergarten Nürnberg. Er ist der Vater der berühmten Nürnberger Eisbärin Flocke, die mittlerweile im „Marineland“ Antibes lebt und selbst eine Tochter namens Hope hat. Gerade erst hat Felix acht Monate lang Eisbärin Corinna in der Stuttgarter Wilhelma beglückt, nun ist er weitergereist in den holländischen Zoo Rhenen. Dort soll Felix wieder andere Eisbärinnen umgarnen, und das auf einer nagelneuen Anlage. Wie ich über Facebook von Jane J. de Wilde erfahren habe, kommt er in Rhenen offenbar für die Eisbärin Huggie als Partner in Frage.

Auf jeden Fall dürften die holländischen Eisbärendamen Gefallen an ihm finden, denn Felix ist ein wirklich imposanter Bär: In Stuttgart hat er 70 Kilo zugelegt und bringt jetzt fast eine halbe Tonne (genau 490 Kilo) auf die Waage.

Ob sein Aufenthalt in Stuttgart Folgen hatte, wird sich noch in diesem Winter zeigen. Auf jeden Fall hat der Koordinator des Europäischen Arterhaltungsprogramms (EEP) Corinna schon mal vorsorglich Ruhe vor männlicher Gesellschaft verordnet, damit sie ihren eventuellen Nachwuchs ungestört austragen kann. Der Koordinator hat auch den Umzug von Felix nach Rhenen eingefädelt.

Mit seinen 14 Jahren ist Felix, der 2001 in Wien geboren wurde, schon ziemlich weit in Europa herumgekommen. Nach einer Zwischenstation in Karlsruhe kam er 2004 nach Nürnberg, machte von Franken aus aber immer wieder Abstecher in andere Zoos, zum Beispiel nach Gelsenkirchen und Aalborg (Dänemark). Er ist mittlerweile so ans Reisen gewöhnt, dass er ohne zu zögern die Transportkiste betritt. Vor der Abreise, während der Fahrt und nach der Ankunft bleibt er jeweils ganz entspannt.

In Nürnberg haben Vera, die langjährige Partnerin von Felix, und seine jüngste Tochter Charlotte nun voraussichtlich für das ganze nächste Jahr das Freigehege für sich und können sich dort nach Herzenslust austoben.

Was kann dieses Foto bewirken?

Schon seit Jahren habe ich in meinem Blog immer wieder über die möglichen Folgen des Klimawandels auf die Tierwelt geschrieben, meist anlässlich von Studien verschiedener Wissenschaftler, zum Beispiel hier. Aber Wissenschaftler können, ebenso wie Journalisten, warnen, solange sie wollen – die Menschen neigen einfach dazu, solche Themen zu verdrängen. Ist ja alles so theoretisch und wird schon nicht so schlimm werden, denken sich wohl die meisten.

Und dann taucht da plötzlich ein Bild auf, das uns die grauenhaften Folgen des Klimawandels knallhart vor Augen führt – und plötzlich kapieren Zigtausende, was uns in Zukunft bevorstehen wird, wenn wir nicht schnell etwas tun. Das Foto von einer fast zum Skelett abgemagerten Eisbärin stammt von der Fotografin Kerstin Langenberger, die das entkräftete Tier auf einer Tour nahe Spitzbergen in Norwegen vor die Kamera bekam. Die Aufnahme wurde bei Facebook schon in der vergangenen Woche über 52.000 Mal geteilt. Kerstin Langenberger hat berichtet, dass dieses Tier beileibe kein Einzelfall war – sie hat auf ihrer Reise viele dürre Eisbären gesehen, lauter weibliche Tiere, dagegen kaum gut genährte Mütter und Jungtiere, wie man sie sonst zu dieser Jahreszeit sieht. Die Bärin auf dem Foto hat außerdem noch eine Verletzung am Bein. Die Fotografin meint, die könne von dem Versuch herrühren, ein Walross zu jagen. Kerstin Langenberger hat auf ihrer Tour auch beobachten können, wie sich die Gletscher im Vergleich zu ihren früheren Fahrten zurückgezogen haben und wie das Packeis in beängstigendem Tempo verschwindet. Letzteres bedeutet praktisch das Todesurteil für die Eisbärinnen: Sie finden keine Eisschollen mehr, auf denen genügend Platz für sie und ihre Jungen ist, und die Futtersuche wird zum Problem.

Es gibt zwar Experten, denen zufolge der Eisbärenbestand rund um Spitzbergen noch stabil sein soll, doch die Fotografin ist nach ihren Beobachtungen überzeugt, dass der Klimawandel die Ursache für die erschütternden Eisbären-Schicksale ist, die sie beobachtet hat. Kurz nach Kerstin Langenbergers Posting veröffentlichte der „National Geographic“-Fotograf Paul Nicklen auf Instagram das Foto eines Eisbären, den er ebenfalls bei Spitzbergen aufgenommen hatte. Das Tier war komplett abgemagert und bereits tot.

Unterdessen haben Klimaforscher gemeldet, dass es sich abzeichne, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 135 Jahren wird; bisher hatte das Jahr 2014 diesen Rekord gehalten. Die Forscher sind derzeit zur 10. Deutschen Klimatagung in Hamburg. In rund zwei Monaten beginnt die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, bei der es wieder um konkrete Maßnahmen gegen die Erderwärmung geht. Die bisherigen Klimakonferenzen brachten im Prinzip nur enttäuschende Ergebnisse. Wenn die Verantwortlichen nicht endlich effektivere Maßnahmen beschließen, werden so schreckliche Bilder wie das von der dürren Eisbärin  bald zur Normalität werden – und haufenweise Bilder von toten Tieren werden dazukommen.

Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

ARCHIV - Der kondensierende Atem der Eisbärin Tosca ist am 29.01.2011 im Zoologischen Garten in Berlin bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa "Mutter von Eisbär Knut soll eingeschläfert werden" vom 23.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Tosca (siehe Foto), die Mutter des berühmten Eisbären Knut, ist eingeschläfert worden. Für diese Entscheidung wurde zum ersten Mal im Berliner Zoo eine Ethik-Kommission einberufen, bestehend aus Tierärzten, Tierschutzbeauftragten, Kuratoren und Pflegern. Diese Kommission hatte die Entscheidung, die fast 30 Jahre alte Eisbärin einzuschläfern, in den letzten Tagen getroffen. Tosca war mittlerweile blind, taub und hatte keinen Geruchssinn mehr. So konnte sie nicht einmal mehr selbstständig ihr Futter finden. Deshalb wollte man der Eisbären-Seniorin unnötiges Leid ersparen.

Eine Entscheidung, die in einem Zoo eigentlich zum Alltag gehört. Gut, Eisbären sind besondere – auch umstrittene – Zootiere, aber das mit der Ethik-Kommission halte ich doch für reichlich übertrieben. Warum muss man das so hoch hängen? Ist doch klar, dass Tierärzte, Pfleger und Direktion in so einem Fall gemeinsam beraten, was das Beste für das Tier ist – und entsprechend handelt man dann.

Der Medien-Hype um Toscas Sohn Knut mag die Zooleitung dazu bewogen haben, mit der Ethik-Kommission an die Medien zu gehen. Auch die Kritik am früheren Zoodirektor, der mit seinen oft herzlos wirkenden Statements über seine Zootiere und über Zoos im Allgemeinen ein schlechtes Bild abgab. Aber eine Ethik-Kommission für Tiere ist in meinen Augen zu viel der Ehre. Und ich bin wirklich eine große Tierfreundin!

Tosca soll nun in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht werden, wo Pathologen den Grund ihrer Krankheit untersuchen sollen.  Da frage ich mich auch: Was soll schon der Grund gewesen sein – Tosca war einfach altersschwach! In freier Wildbahn werden Eisbärenweibchen 25 bis 30 Jahre, also hatte sie ein stolzes Alter erreicht. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, gehörte später zum Staatszirkus der DDR und kam 1998 in den Berliner Zoo. Dort lebt jetzt nur noch eine Eisbärin, ebenfalls eine „alte Dame“: die 30-jährige Katjuscha. Da Eisbären Einzelgänger sind, kann sie ihren Lebensabend gut allein im Zoo verbringen – vielleicht sogar besser, als wenn es manchmal zu Streit zwischen den Tieren kommt. Das war in der Vergangenheit manchmal der Fall gewesen.

Knut ist seit vergangenem Jahr übrigens auch wieder in Berlin: Im Naturkundemuseum in der Invalidenstraße kann man ihn als Präparat bewundern.

„Dreegbär“ Charlotte

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Sieht so ein Eisbärenkind aus? Die kleine Charlotte, die im vergangenen November im Tiergarten Nürnberg das Licht der Welt erblickte, gleicht fast schon einem Braunbären. Wahrscheinlich gehört sie zur typischen fränkischen Spezies der „Dreegbärn“. Weil ihre Lieblingsbeschäftigung darin besteht, sich auf dem Boden zu wälzen, ist ihr Fell nicht weiß, wie es sich für ein Eisbärenbaby gehört. Ihre Mutter Vera dagegen sticht mit ihrem blütenweißen Fell eindrucksvoll von den roten Sandsteinfelsen in ihrem Gehege ab. Manchmal bekommt Vera beim Spielen mit ihrer Tochter allerdings den einen oder anderen Schmutzflecken ab. Eisbärenmütter brauchen eben auch eine Menge Geduld mit ihrem Nachwuchs. Aber Hauptsache, der entwickelt sich so gut, wie es bei Charlotte der Fall ist!

Willkommen, Charlotte!

VeraCharlotteUnd das ist sie: Charlotte, das Eisbärenbaby, das am 21. November 2014 im Tiergarten zur Welt kam. Seit heute Mittag ist sie mit ihrer Mutter Vera auf der Eisbären-Freianlage des Aquaparks zu sehen. Die kleine Schwester von Flocke hat bisher mit ihrer Mutter Vera in der Geburtshöhle gelebt, in der sie das Licht der Welt erblickte. Auf dem Strohlager in den Sandsteinfelsen des Schmausenbuck waren die Beiden ausschließlich über eine Videokamera zu beobachten. Die Bilder zeigten während der vergangenen Monate, wie gut sich Charlotte entwickelte. Als Vera sich heute nach viereinhalb Monaten erstmals in der Türöffnung der Sandsteinfelsen zeigte, um ihren neuesten Nachwuchs aus der Höhle ans Tageslicht und die frische Luft zu bringen, klatschten die Zoobesucher begeistert Beifall. Beim dritten Anlauf wagte sich die Eisbärenmutter mit der Kleinen schließlich ganz nach draußen.
Dann folgte eine Schrecksekunde: Charlotte purzelte über die Sandsteinstufen, und Vera sprang ihr erschrocken nach. Doch als sich herausstellte, dass nichts passiert war, ging der Auftritt der zwei Tiere ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne. Charlotte ist eine putzmuntere Fellkugel und erkundet nun neugierig ihr „Reich“, die weiträumige Eisbären-Freianlage des Tiergartens. Allerdings sind in diesem Jahr nicht nur in Nürnberg Eisbärenbabys zu bewundern – bei diesen Tieren gibt es in Zoos zurzeit einen regelrechten Babyboom.

Eisbär Felix macht Platz für Charlotte und Vera

Als Greuther-Weib sehe ich da durchaus Parallelen zum Fußball: So, wie sich jedes Jahr zu einem bestimmten Zeitpunkt das Spieler-Karussell in der Bundesliga zu drehen beginnt, so setzt ziemlich regelmäßig auch der Austausch von Eisbären unter europäischen Zoos ein. Dabei sind allerdings nicht zig Millionen im Spiel, und es dreht sich nicht alles ums Toreschießen oder die Champions League. Vielmehr geht es nur um das Eine: Die Polarbären sollen sich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP fortpflanzen, ihr Bestand in den Zoologischen- und Tiergärten soll nicht schrumpfen wie in freier Wildbahn, sondern im Gegenteil größer werden.
Kistentraining_Felix_2015Eisbär Felix hat gestern den Tiergarten Nürnberg in einer Transportkiste verlassen, und zwar in Richtung Stuttgart bzw. Wilhelma. Dort soll er für die Eisbärendame Corinna nicht nur während der Frühlings- und Sommerzeit als Gefährte fungieren, sondern könnte sie auch decken. Felix steht mit seinen 13 Jahren voll im Saft, Corinna ist mit 25 allerdings nicht mehr die Jüngste und möglicherweise nicht mehr empfängnisbereit, vielleicht auch gar nicht mehr an Nachwuchs interessiert. Einem Partner wie Felix kann sie unter Umständen trotzdem nicht widerstehen, denn der gilt als echter Frauenversteher. Obendrein ist der in Wien geborene Bär schon weitgereist. Die Fahrten zu verschiedenen Zoos in Europa nimmt er immer gelassen hin und verschwindet jedesmal routiniert und ohne großes Tamtam in seiner Transportkiste, an die er sich längst gewöhnt hat.
Felix lebt seit 2004 am Schmausenbuck – jedoch mit Unterbrechungen: Zwischendurch besuchte er Eisbärinnen in Gelsenkirchen und Aalborg, um sich mit ihnen zu paaren – in dem dänischen Zoo auch mit Erfolg. Er ist außerdem der Papa von Flocke, die im Dezember 2007 geboren wurde und inzwischen selbst Mutter ist, von den Eisbärenzwillingen Gregor und Aleut (geboren 2010) und vom neuesten Jungtier Charlotte: Sie kam im November vergangenen Jahres zur Welt.
Ungefähr sechs Monate soll Felix, der bärige Charmeur, in Stuttgart bleiben. Wenn Vera  jetzt mit ihrer jüngsten Tochter Charlotte aus der Geburtshöhle auf die Freianlage herauskommt, haben die Beiden mehr Platz zum Kuscheln, Schwimmen, Spielen und Verstecken, denn sie können den von Felix vorübergehend nicht bewohnten Teil des Geheges mit nutzen. Bestimmt wird Charlotte genau so wie Flocke, ihre große, in Südfrankreich lebende Schwester, ein richtiger Besucherliebling!