Altersresidenz für Elefanten

Das ist eine tolle Idee: Im Karlsruher Zoo ist Europas erste „Seniorenresidenz“ für Elefanten eröffnet worden. Als „Senior“ gelten Elefanten in diesem Fall ab einem Alter von 40 Jahren. Das Gehege mit mehr als 3000 Quadratmetern Außenfläche soll bis zu fünf alten, alleinstehenden Asiatischen Elefantendamen aus Zoos oder Zirkussen ein Zuhause bieten. Nicht nur Zoos können also „überzählige“ alte Elefantenkühe dort unterbringen, sondern auch Zirkusse, die aus der Elefantenhaltung aussteigen. Bisher leben im Karlsruher Zoo schon die aus einem DDR-Staatszirkus stammende, 36 Jahre alte Jenny (Foto: dpa) und die 52-jährige Nanda, die ebenfalls aus einem Zirkus kam. Auch die bundesweit älteste Elefantendame Rani, die im Februar mit 63 Jahren starb, lebte im Karlsruher Zoo.
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Der mit den Nashörnern redet – und der sie rettet

Es gehört zu den interessantesten Revieren des Nürnberger Tiergartens: das weitläufige „Revier 4“. Sein Mittelpunkt ist das Dickhäuterhaus – Kenner des Tiergartens wissen, dass es früher „Elefantenhaus“ hieß, als am Schmausenbuck noch Elefanten gehalten wurden. Im „Revier 4“ leben pflanzenfressende Tiere aus vier verschiedenen Kontinenten: südamerikanische Guanakos, schottische Hochlandrinder, aus Asien stammende Panzernashörner und Hirsche sowie die in Afrika beheimateten Somali-Wildesel und Grévy-Zebras. Die „Stars“ des Reviers sind natürlich die Panzernashörner. Derzeit gibt es im Tiergarten allerdings nur noch die oben abgebildete Nashorndame Sofie (Foto: Tiergarten Nürnberg) und ihren Sohn Sanjay. Sein Vater Ropen lebt bekanntlich seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr.

Jeder Tierpfleger würde wohl gern in einem solchen Revier arbeiten, in Nürnberg hat René Kaiser dieses Glück. Der stellvertretende Revierleiter berichtet am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über seine Arbeit. Er will die ganz besonderen Ansprüche seiner Schützlinge vorstellen, ebenso wie das tägliche Management und das Spezialtraining mit den Tieren in seinem Revier. Außerdem geht es bei Kaisers Vortrag um die Frage, ob seine „gepanzerten“ Nashörner in Wirklichkeit nicht eher „dünnhäutige Dickhäuter“ sind. (Der Eintritt zum Vortrag ist gratis.)

In freier Wildbahn sind die asiatischen Panzernashörner stark bedroht. Dieses Stichwort bringt mich auf einen anderen Vortrag, den ich letzte Woche im Nürnberger Presseclub besucht habe. Dort war Ralph Koczwara zu Gast. Er ist Gründer der „Hemmersbach Rhino Force“, einer privaten Schutztruppe, die im südlichen Afrika den Kampf um das Überleben der Nashörner gegen Wilderer und deren Geschäfte mit asiatischen Syndikaten aufgenommen hat. (Über das Unheil, das kriminelle Tierhändler und verbrecherische Geschäftsleute aus Asien durch verbotenes Bejagen und Abschlachten von bedrohten Tierarten anrichten, habe ich in diesem Blog ja schon öfter geschrieben, etwa hier oder hier.) Etwa ein Fünftel des jährlichen Gewinns, den Koczwara mit seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH & Co. KG macht, fließt in diesen Nashorn-Trupp. Beileibe keine geringe Summe, die Koczwara allerdings nicht veröffentlicht haben möchte. Man kann sich aber vorstellen, dass es sich um viel Geld handelt, wenn man die Firmendaten kennt: rund 3500 Mitarbeiter in 35 Ländern, 700 davon sind in Nürnberg tätig.

Ich werde demnächst über eine zweite Rettungsaktion berichten, die Ralph Koczwara gestartet hat: die Umsiedlung von bedrohten Elefanten in Gebiete, wo sie in Sicherheit leben können.

Tierbilder von Wilhelm Kuhnert

Der eine oder andere meiner Leser hat vor Weihnachten vielleicht ein paar Tage Urlaub – so wie ich selber im Augenblick auch. Jetzt ist ja die ideale Zeit für Städtereisen, die sich gut mit Weihnachtseinkäufen oder dem Besuch von Weihnachtsmärkten verbinden lassen. Oder mit Museumsbesuchen. Wenn es dann noch einen Zusammenhang gibt zwischen einem Museum und dem Thema Tiere, dann nichts wie hin! So etwas gibt es derzeit in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, wo eine Retrospektive des Künstlers Wilhelm Kuhnert zu sehen ist. Die Schau mit 120 Werken heißt „Der König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“ (Foto: epd).

Als einer der ersten europäischen Künstler hat Wilhelm Kuhnert (1865-1926) Expeditionen nach Afrika unternommen, und das gleich vier Mal. Er hat dort Tiere wie zum Beispiel Löwen, Elefanten und Kaffernbüffel in ihrem Lebensraum eingehend studiert und sich Notizen über ihre Verhaltensweisen gemacht. Seine Bilder sind sogar in Naturkundebüchern – etwa in „Brehms Tierleben“ – zu finden; sie zierten auch Schokoladeverpackungen oder Wände von öffentlichen Gebäuden. Trotzdem ist dieser Künstler weitgehend unbekannt – höchste Zeit also, sein Werk kennenzulernen!

Kuhnerts Bilder sind außerdem vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte interessant. Sein Werk hat in Deutschland oder auch den USA die Vorstellung von Afrika als Land mit wilder Natur und ohne menschliche Kultur geprägt. Auf seinen Gemälden sind Inszenierungen wilder Tiere zu sehen. Zu Lebzeiten Kuhnerts galten Darstellungen von Löwen oder Elefanten als Sinnbild der Stärke, Herrschaft und Überlegenheit. Sie waren auch Ausdruck von Sehnsucht nach wilder Freiheit.

Die Ausstellung dauert bis zum 27. Januar 2019. Wer also vor Weihnachten keine Gelegenheit hat, nach Frankfurt zu fahren und sie anzuschauen, dem bleibt nach den Feiertagen noch ausreichend Zeit dazu.

Schwerer Schlag gegen die Wildtiermafia!

Folgende gute Nachricht passt hervorragend zu meinem letzten Beitrag, deswegen möchte ich sie – in gekürzter Form – vom WWF übernehmen:

Innerhalb nur weniger Tage haben Zollfahnder und Strafvollzugsbehörden in Asien und Afrika große Mengen an Nashorn und Elfenbein sichergestellt und damit die perfekte Vernetzung und die mannigfaligen Verbindungen der Wildtiermafia zwischen Thailand, Vietnam, Gambia, Malawi und Kamerun nachgewiesen. In Thailand stießen die Beamten bei einer Routine-Untersuchung in zwei Koffern auf 21 Nashorn-Hörner mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilogramm. Die Koffer hatten zwei Thailänderinnen dabei, als sie aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geflogen kamen. Der Wert des Fundes wird auf fünf Millionen Dollar geschätzt, damit ist es einer der größten während der letzten Jahre.

Erst wenige Tage zuvor wurden in Thailand in einem Container 422 Elefanten-Stoßzahnteile konfisziert – 33 Kilogramm Elfenbein! Die Fracht kam aus Malawi. Beamte durchsuchten die Container, weil Malawi seit einigen Jahren als wichtiger Teil der internationalen Elfenbein-Schmuggelroute bekannt ist. Auch in Hanoi ist den Zollbeamten ein Schlag gegen die Wildtiermafia gelungen. Am Noi Bai-Flughafen wurden in zwei Koffern 118 Kilogramm Nashorn-Horn sichergestellt. Die Kofferbesitzer kamen aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Außerdem glückte afrikanischen Behörden ein Coup gegen den Elfenbeinhandel. In Kamerun fanden Kontrolleure in einem LKW 159 Stoßzähne. Drei Männer konnten verhaftet werden; sie waren offenbar auf dem Weg nach Norden, um das Elfenbein nach Nigeria zu schmuggeln.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Lage der für die Wildtiermafia interessanten Tierarten in Afrika dramatisch. So wurden innerhalb von nur 24 Stunden (!) in Südafrika Anfang dieses Monats zum Beispiel 13 Nashörner getötet. Die erfolgreiche Strafverfolgung und Aufdeckung des verbotenen Handels mit Elfenbein und Nashorn-Horn ist auch nur ein Teil der Anti-Wildereiarbeit – genauso wichtig ist es, den Tod der Tiere für medizinischen Irrglauben und Statussymbole zu verhindern. Da haben Organisationen wie der WWF noch viel zu tun und verdienen jede nur mögliche Unterstützung bei ihrer Arbeit.

Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

Soll Elefantenhaltung im Zirkus verboten werden?

ZirkuselefantEs war vorherzusehen: Nachdem am Samstag in Buchen (Odenwald) eine aus dem Zirkus Francordia ausgebüxte Elefantdendame einen Mann erdrückt hat, geht nun wieder die Diskussion darüber los, ob Wildtiere im Zirkus gehalten werden dürfen oder nicht. Tierschutzaktivisten – zum Beispiel Peta – behaupten, das Unglück hätte man voraussehen können. Peta will nun Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung stellen; allerdings hat die Organisation schon viele Anzeigen gegen alle mögliche erstattet, die zu nichts geführt haben. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ dagegen plädiert erst einmal für eine vollständige Aufklärung des Vorfalls und wendet sich gegen voreilige Schlussfolgerungen von Tierrechtlern, es habe sich nun erneut gezeigt, dass solche Tiere nicht im Zirkus gehalten werden dürften.

Die Polizei glaubt indessen nicht, dass Elefant „Baby“ die aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen des Zirkusunternehmens aus eigener Kraft überwinden konnte. Wenn niemand das Tier freigelassen habe, dann müsse zumindest ein Fehler beim Schließen gemacht worden sein. Der Zirkusdirektor hat auch postwendend Tierrechtler beschuldigt, beim „Ausbruch“ der Eelefantendame nachgeholfen zu haben.

Nun stellt sich die Frage, ob Baby als besonders aggressives Tier bekannt war. Auch da gehen die Meinungen auseinander. Laut der Organisation Elefanten-Schutz Europa kam das Tier 1997 in den Zirkus. Seitdem habe es zehn Vorfälle, Angriffe und Ausbrüche gegeben. Ein Gutachter, der Baby als verhaltensgestört einstufte, habe deshalb den Behörden empfohlen, den Elefanten nicht länger im Zirkus zu lassen. Doch das Bündnis „Tiere gehören zum Circus“ führt ein aktuelles Gutachten ins Feld, nach dem die Elefantendame völlig normal sei. – Welchem Gutachten soll man da glauben?

Für die insgesamt 50 Zirkus-Elefanten in Deutschland gelten – wie für die anderen dort lebenden Wildtiere auch – die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Elefanten dürfen dabei nicht einzeln gehalten werden – das war aber bei Baby der Fall. In 18 anderen Ländern der EU dürfen Zirkusse überhaupt keine Elefanten halten. Während Organisationen wie Peta fordern, dass in Deutschland endlich auch so ein Verbot gilt, steht das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ auf dem Standpunkt, eine tiergerechte Haltung von Elefanten im Zirkus sei möglich, wenn die Leitlinieneingehalten und dies entsprechend kontrolliert würde.

Ich finde es schwierig, zu entscheiden, welche der beiden Seiten hier mehr im Recht ist und bin im speziellen Fall von Elefanten unentschlossen.

„Manege frei“ für Zirkustiere?

Das Thema Wildtiere im Zirkus spaltet die Menschheit ähnlich wie das Thema Delfine in Delfinarien. Befürworter und Gegner haben ihre feste Meinung, von der sie sich kaum abbringen lassen. Argumenten, und mögen sie noch so einleuchtend sein, sind beide Seiten nur in Ausnahmefällen zugänglich. Spätestens seit in einigen Ländern wie Österreich, Belgien und Finnland ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt wurde, fordern Tierschutzaktivisten bei uns das auch. Weniger rigoros zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund, der die Tierhaltung in Zirkussen nur dann ablehnt, wenn sie nicht bestimmten Vorgaben entspricht. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ wiederum setzt sich ausdrücklich für die Zirkustierhaltung ein.
In der Wissenschaft beschäftigt sich bei uns in Deutschland vor allem der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin, Gründer des Vereins „Verhaltensforschung bei Tieren“, mit dem Thema Zirkustiere. Er vertritt im Großen und Ganzen die These, dass  den Tieren das Leben im Zirkus nicht  schadet – vorausgesetzt, ihnen wird  gute und ausreichend Beschäftigung geboten, und die Unterbringung der Tiere erfüllt bestimmte Mindeststandards. Birmelin geht sogar so weit zu sagen, die Größe eines Käfigs oder eines Zeltes sei weniger wichtig, wenn sich die Zirkusleute intensiv um ihre tierischen Kollegen kümmern und ihnen ein geeignetes Programm gegen die Langeweile bieten. Im Proinzip also eine ähnliche Argumentation wie die von Zoo-Befürwortern.
Nun beschäftigt sich auch das deutsche Fernsehen mit der Problematik. Im WDR sind ab Pfingstmontag die beiden ersten Folgen der fünfteiligen Dokumentation „Manege frei“ zu sehen, die sich um das Verhalten von Zirkustieren drehen. Immanuel Birmelin wirkt bei der Reihe mit. Er führt verschiedene Experimente durch, die zeigen, wie Tiere selbst auf Problemlösungen kommen und wie dies dann in Zirkusnummern eingebaut wird. Auch auf die enge Beziehung zwischen Zirkustieren und ihren Dompteuren – ich bevorzuge dieses Wort, auch wenn heute meist von „Tierlehrern“ gesprochen wird – geht die Doku ein. Birmelin will anhand von Messungen des Stresshormons Cortisol außerdem beweisen, dass Zirkustiere bei guter Haltung, regelmäßiger medizinischer Kontrolle und nicht zu weiten Transporten nicht unter Stress stehen. Auch hier sind die Parallelen zu Zoos unübersehbar. Der Tiergarten Nürnberg beispielsweise hat ebenfalls immer wieder Cortisolmessungen bei den Großen Tümmlern vorgenommen und keine erhöhten Werte festgestellt.
Die ersten Folgen von „Manege frei“ drehen sich um Zirkuslöwen und -elefanten. Ich gehe davon aus, dass Immanuel Birmelin nach der Ausstrahlung von Tierrechtlern massiv angefeindet wird, denn er kommt zu einem für die Zirkusse mit kontrolliert guter Tierhaltung postitiven Ergebnis. Tierschutzaktivisten, etwa die Organisation Peta, behaupten das Gegenteil. Und werden diesen Standpunkt mit Sicherheit nicht aufgeben.
Die Sendetermine im WDR:
Pfingstmontag 25. Mai, 16.35 bis 17.20 Uhr: Folge 1: „Schule der Löwen“ (Wiederholung Dienstag, 26. Mai, 6.15 bis 7 Uhr)
Sonntag, 31. Mai, 15 bis 15.45 Uhr: Folge 2: „Elefanten im Spiegel“ (Wiederholung Freitag, 5. Juni, 5.30 bis 6.10 Uhr)

So, nun bleibt mir nur noch, meinen Lesern schöne Pfingsten – vielleicht mit dem einen oder anderen Tiererlebnis – zu wünschen!

Stoppt endlich den Elfenbein-Schmuggel!

Ob sich Tierschützer in dieser Sache durchsetzen können? Nach dem Willen der Artenschutzorganisation Pro Wildlife soll die Bundesregierung das gesamte Elfenbein zerstören, das in den letzten Jahren in Deutschland beschlagnahmt wurde. Seit 1996 waren das laut Pro Wildlife über 6500 Schnitzereien aus Elfenbein und 135 komplette Stoßzähne. Elfenbein von frisch erlegten Tieren darf seit 1989 nicht mehr in die EU eingeführt werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat vor ein paar Wochen bei einer Konferenz in London eine Erklärung zur Vernichtung beschlagnahmter Wildtierprodukte mit
unterschrieben; daran muss sie sich jetzt messen lassen. Immerhin gibt es mittlerweile weltweit eine Bewegung, die dem millionenschweren Handel mit Elfenbein den Garaus machen will. Andere Staaten sind bei der Zerstörung von Elfenbein mit gutem Beispiel vorangegangen, etwa die USA, Kenia und Frankreich. In Deutschland halten die Behörden nichts davon, weil die hier gelagerten Elfenbein-Mengen nicht groß genug seien, um wirklich ein Zeichen gegen illegalen Wildtierhandel zu setzen. Statt dessen will man die beschlagnahmten Waren beispielsweise für Schulungen oder die Forschung hernehmen.

Die deutschen Behörden schlagen eine andere Lösung vor: Es sind große Mengen von Mammut-Elfenbein vorhanden, in Form von Stoßzähnen der ausgestorbenen Tiere. Davon liegen allein an der Polarmeerküste angeblich 700 000 Tonnen – das in Kanada oder Alaska im Permafrost konservierte Material noch gar nicht eingerechnet. Artenschützer sind davon allerdings nicht überzeugt, weil Laien den Unterschied zwischen Elefanten- und Mammut-Elfenbein kaum sehen. Sie befürchten deshalb, der Handel mit Mammut-Stoßzähnen könnte zum Einfallstor für Elfenbein von gewilderten Elefanten werden.

Sehr tröstlich!

Elefanten üben ja auf die meisten Menschen eine große Faszination aus – auch auf mich. Es sind eben ganz besondere Tiere. Das beweist jetzt eine neue Studie aus Thailand: Forscher haben herausgefunden, dass sich Asiatische Elefanten gegenseitig Trost spenden. Das tun sie in den meisten Fällen ähnlich wie wir oder wie Schimpansen: Sie berühren ihre Artgenossen, um zu zeigen, dass jemand da ist, auf den sie sich verlassen können. Nur legen sie natürlich nicht den Arm um sie, sondern sie fassen sie meist mit dem Rüssel an oder reiben sich aneinander (Foto: Elise Gilchrist/Think Elephants International). Manchmal stecken sie dem zu Tröstenden sogar den Rüssel ins Maul, was als eine Art Handschlag unter Elefanten gilt.

Der Tierpsychologe Joshua Plotnik hat über dieses Phänomen im Online-Journal „PeerJ“ berichtet. Plotnik hat mit Kollegen über einen Zeitraum von fast einem Jahr 26 Asiatische Elefanten in einem Reservat in Nordthailand beobachtet. Er registrierte genau, wie sie auf Stress – zum Beispiel einen streunenden Hund oder eine Schlange – reagierten. Zum ersten Mal konnte ein Wissenschaftler damit empirisch nachweisen, dass Elefanten hochintelligent und mitfühlend sind. Das geht so weit, dass ein Tier selbst unruhig wird, wenn es einen gestressten Artgenossen bemerkt; es nähert sich ihm dann und beruhigt ihn.

Diese Erkenntnis bestätigt Richard Lair, der Berater des thailändischen Elefantenschutzzentrums, der die Tiere in Thailand über 30 Jahre lang beobachtet hat. Nach Lairs Erfahrung sind – wen wundert´s – besonders weibliche Dickhäuter gut im Trösten. Diese besondere Art der  Zuwendung dauert manchmal einige Tage lang. Wenn eine Elefantenkuh beispielsweise ihr Baby verliert, steht sie unter besonders starkem Stress – dann trösten die anderen Tiere der Herde sie entsprechend länger.

Elefantenhaltung zu teuer

Ab sofort ist auch der Zoo Rostock ein Zoo ohne Elefanten. Die letzte dort lebende Elefantendame wurde heute eingeschläfert: Sara ist 51 Jahre alt geworden – ein biblisches Alter für afrikanische Elefanten; sie war damit die älteste afrikanische Elefantenkuh in einem europäischen Zoo. Ich habe Sara bei einem Besuch des Zoos gesehen und hier im Blog auch schon über sie geschrieben. Sie war noch ein Wildfang aus Afrika und lebte schon seit 1964 im Rostocker Zoo, viele Jahre auch in einer kleinen Herde. Die letzte Artgenossin in ihrem Gehege war die Nürnberger Elefantendame Yvonne (von ihren Pflegern auch „Bibi“ genannt), die aber bald nach ihrem Umzug in den hohen Norden starb. Damit Sara wenigstens nicht ganz allein zurückblieb, hielten ein paar Kamerunschafe Einzug bei ihr. Beide Tierarten kamen gut miteinander aus, das konnte man genau beobachten.

Der Tod von Sara bedeutet gleichzeitig das Ende der Haltung dieser majestätischen Tiere in Rostock. Der Zoo kann die seit einiger Zeit erforderlichen Bedingungen dafür nicht bieten. Einen Um- bzw. Ausbau der Elefantenanlage kann sich die Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten – dafür wären Millionen nötig.

Da geht es dem Zoo an der Ostsee ganz ähnlich wie dem Tiergarten Nürnberg. Auch hier ist das Geld für die Einhaltung der heutzutage vorgeschriebenen Richtlinien nicht vorhanden. Sehr zum Bedauern vieler Tiergartenbesucher, die immer wieder betonen, wie sehr sie die Dickhäuter vermissen. Klar – Elefanten gehören zu den attraktivsten Zootieren überhaupt. Jeder findet auch, dass die Richtlinien für ihre Haltung zu Recht hoch angesetzt wurden. Aber die können nur noch wenige Zoos erfüllen – Zoos in öffentlicher Hand sind dabei klar im Nachteil. In Nürnberg dürfen wir trotzdem hoffen, dass wir irgendwann wieder graue Riesen am Schmausenbuck bewundern dürfen. Aber bis dahin wird wohl noch viel Wasser die Pegnitz hinunterfließen.