Wem sollen diese Tests nützen?

Man könnte sich bei den Nachrichten dieser Tage angesichts der „Abgastests“ der Automobilindustrie mit Affen schier die Haare raufen. Doch diese unsäglichen Versuche sind ja nur ein Teil dessen, was an toxikologischen Versuchen mit Affen sonst noch so läuft. Darauf hat jetzt auch die Tierschutzorganisation „Ärzte gegen Tierversuche“ wieder hingewiesen. So gibt es zum Beispiel eine Statistik, nach der im Jahr 2016 in Deutschland 1789 Affen für Versuche mit giftigen Substanzen genutzt wurden. Und im vergangenen Jahr hat man 1328 Affen mit dem Futter oder über Inhalation 28 Tage lang schädliche Substanzen verabreicht. Solche Tiere werden im Anschluss daran in den meisten Fällen getötet, um ihre Organe auf Schädigungen hin untersuchen zu können.

„Ärzte gegen Tierversuche“ fordert nun eine Gesetzesänderung, um solche unethischen Versuche an allen Tieren zu verbieten. Im Hinblick auf die Abgas-Versuche mit Affen, die der Autokonzern Volkswagen durchgeführt hat, hat die Organisation klargestellt, dass solche Versuche auch aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig seien: Es könnten nämlich keinerlei Rückschlüsse auf den Menschen gezogen werden.

Ich frage mich, was noch alles passieren muss, bevor derartige Versuche endlich gesetzlich unterbunden werden. Darf sich die Autoindustrie denn bei uns wirklich alles erlauben?

Es ist so weit: Die ersten Klon-Affen sind da


Das wird sicherlich als Riesenerfolg in die Geschichte der Wissenschaft eingehen: Über 20 Jahre nach der Geburt von Klonschaf Dolly haben chinesische Forscher jetzt zwei Affen mit der bei Dolly angewandten Klon-Methode „erzeugt“. Die beiden Äffchen sind Javaneraffen und haben die Namen Zhong Zhong und Hua Hua bekommen (Foto: dpa). Die zwei wurden lebendig geboren und haben bereits die ersten Wochen überlebt. Das kann man als echte Sensation einordnen, denn bisher hat die Dolly-Klon-Methode noch nie bei Affen funktioniert – bei anderen Tierarten wie zum Beispiel Kühen, Schweinen und Hunden hat sie dagegen geklappt.

Ich bin grundsätzlich skeptisch, was das Klonen von Tieren angeht. Mag sein, dass die Klon-Technik für die Erforschung neuer Therapien – beispielsweise gegen neurologische Krankheiten – Erfolge bringen kann. Auch für die Entwicklung neuer Arzneien soll sie hilfreich sein. Aber in ethischer Hinsicht empfinde ich das Klonen als äußerst fragwürdige Methode. Nun sind wir also schon bei Klon-Affen angelangt. Da ist der Schritt, auch Menschenaffen zu klonen, meiner Ansicht nach nicht mehr weit, auch wenn das offiziell immer strikt ablehnt wird. Ich fürchte, irgendeine ehrgeizige Forschergruppe wird sich eines Tages nicht mehr davon abhalten lassen. Auch bei den beiden Javaneraffen geht es mit Sicherheit nicht nur um hehre Wissenschaft, sondern auch um das Prestige von China: Die beiden Namen der Äffchen wurden bestimmt nicht zufällig gewählt. Zusammengenommen, also „Zhonghua“,  bedeuten sie so viel wie „chinesische Nation“.

Schwedischer Zoo tötet Junglöwen

Dieses Löwenpaar im Tiergarten Nürnberg (Foto: dpa) ist schon alt und wird mit Sicherheit nicht mehr für Nachwuchs sorgen. Trotzdem bleibt es bis zum Tod im Tiergarten. Anders verfahren da skandinavische Zoos – überzählige Tiere werden da häufig einfach getötet. So auch in einem Zoo in Südschweden, der damit jetzt wieder für Schlagzeilen sorgt, weil dort über mehrere Jahre hinweg immer wieder junge Löwen getötet wurden – insgesamt neun gesunde Jungtiere, wie die Zooleitung einräumt.

Die Aggression in der Gruppe ist laut dem Zoodirektor zu groß geworden, da habe man sie eben töten müssen. Das war besonders heikel, weil die jungen Löwen schon Namen bekommen hatten und den Besuchern damit als Individuen bekannt waren. Für problematisch halte ich außerdem, dass die Löwenbabys dem Publikum noch stolz präsentiert wurden. Später dann waren sie plötzlich „Überschusstiere“ und passten nicht mehr in den Tierbestand des Zoos. Der Direktor argumentiert damit, dass es für eine Löwenherde wichtig sei, Junge zu bekommen, um natürliche soziale Verhaltensweisen auszubilden. Später habe man versucht, Platz in anderen Zoos und Tierparks für den Löwennachwuchs  zu finden, allerdings ohne Erfolg. Für die eineinhalb Jahre alten Löwen gab es nirgends Platz.

Zoos – das muss man zugeben – sind da in einem gewissen Dilemma: In der Wildnis verlassen Junglöwen die Familienherde spätestens dann, wenn die älteren Tiere sie nicht mehr akzeptieren. In einem Zoo geht das natürlich nicht; man kann den Nachwuchs nur an andere Zoos abgeben. Doch gerade männliche Tiere sind oft schwer zu vermitteln.

Ich kann zwar die Aufregung nicht verstehen, wenn skandinavische Zoos angegriffen werden, weil sie regelmäßig tote Zootiere vor den Augen des Zoopublikums sezieren. Darüber habe ich ja in meinem Blog auch schon geschrieben, zum Beispiel hier. Da kann ich nichts Schlimmes dran finden. Aber eine Tierart bewusst zu züchten, nur um den Nachwuchs dann schnell wieder umzubringen – das halte ich denn doch für übertrieben. Wozu gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP)? Mit dessen Hilfe kann sich jeder Zoo vorab informieren, wie es bei einer bestimmten Art mit Individuen in europäischen Zoos aussieht. Da wäre es bestimmt ersichtlich gewesen, dass man – zumindest männliche – Junglöwen später nicht loswerden kann. Da keimt bei mir dann schon der Verdacht, dass man nur mit niedlichen „Katzenbabys“ Besucher anlocken wollte und das Tierwohl hintangestellt hat. Was meint Ihr?

Die Kunst ist frei!

In der Kunstgalerie Fürth waren gerade noch Bilder von ihm zu sehen – allerdings nicht solche, bei denen er  Tierblut verwendet hatte, sondern ausschließlich mit rotbrauner Acrylfarbe anstelle von Blut gestaltete. Doch normalerweise kreiert der österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch (Foto) seine Werke gern im Rahmen von Performances, die nach einer Art Opfer-Ritual ablaufen, mit dem Blut von frisch geschlachteten Bullen.

So eine Performance will Nitsch nun im Juni auch auf der Insel Tasmanien, die zu Australien gehört, veranstalten. Aber Tausende von Australiern haben dagegen proestiert und in einer Petition gefordert, dass  die Aufführung verboten wird. Die Performance soll drei Stunden dauern, und Nitsch tötet dabei kein Tier, er will aber das Blut und den Kadaver eines bereits geschlachteten Bullen verwenden. Für solche Performances wurde der österreichische Künstler, der dem „Wiener Aktionismus“ zuzurechnen ist, schließlich berühmt.

Die Aufführung soll im Rahmen des Dark-Mofo-Kunstfestivals stattfinden, und zwar in einem Museum in der Inselhauptstadt Hobart. Der Gründer des Museums für Alte und Neue Kunst, David Walsh, befürwortet die Performance. Er möchte damit die Frage in den Raum stellen, warum Menschen Fleisch als Lebensmittel in Ordnung finden, Fleisch für Rituale dagegen nicht. Kinder haben bei Nitsches geplanter Aufführung übrigens keinen Zutritt, zugelassen sind nur Zuschauer über 18 Jahre. Nach der Performance soll das Fleisch gegessen werden.

Also, ich bin zwar ein großer Tierfreund. Trotzdem störe ich mich nicht daran, dass bei der Aktion ein frisch geschlachteter Bulle verwendet werden soll. Ich gehe allerdings davon aus, dass es sich um ein Tier handelt, das sowieso geschlachtet werden soll. Da ich kein Vegetarier bin und Fleisch gern esse – wenn auch nicht täglich, sondern nur ein- bis zweimal pro Woche – sehe ich keinen Grund dafür, eine solche Performance abzulehnen. Ob sie mir gefallen würde, wage ich allerdings zu bezweifeln. Doch das steht auf einem anderen Blatt und ist schließlich Geschmacksache. Auf jeden Fall ist es meiner Meinung nach keine Tierquälerei – das ist für mich das entscheidende Kriterium. Die Kunst ist frei – und soll es auch bleiben!

Brisant – aber offen und ehrlich

Gerade erst auf Facebook entdeckt – der Beitrag lief bereits am 10. Mai  in der ARD-Sendung „Brisant“.

Ich finde die Sendung informativ und vor allem objektiv. Das Verfüttern von im Zoo getöteten überzähligen Tieren wie Antilopen, Hirschen, Rindern, Kaninchen oder anderen Nagetieren sollte kein Tabu sein. Dass die Tierrechtsorganisation Peta das anders sieht, ist bekannt. Ein Peta-Vertreter kommt in dem Beitrag auch zu Wort. Er kann mich aber nicht überzeugen. Für mich gibt es keine Alternative dazu, vom Aussterben bedrohte Arten wie zum Beispiel die im Film gezeigten Mendesantilopen in Zoos zu halten und im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP zu züchten. Wenn dann wegen der Haremsbildung zu viele männliche Nachkommen da sind – warum sollte man die ins Tierkrematorium karren und verbrennen oder auf einem Tierfriedhof verscharren, wenn sie gesund sind und als besonders hochwertiges Futter für die Raubtiere verwendet werden können?

Es freut mich, dass endlich auch eine Fernseh-Redaktion das ohne Emotionen zeigt und nicht wieder die üblichen Tierretter-Freibiergesichter vor die Kamera geholt hat, die – wie leider mehrmals in den letzten Jahren – wieder mal gegen den Nürnberger Tiergarten vom Leder ziehen. Ein Beitrag, der aufklärt und nicht aufhetzt!

 

Pinguine zum Spaß für Badegäste?

Pinguin
Da taucht wieder mal das Thema auf, das die Emotionen hochkochen lässt: Dürfen Tiere nur zum Spaß von Menschen gehalten werden? In diesem Fall geht es um Humboldt-Piguine im „Spreewelten-Bad“ in Lübbenau (Brandenburg), die in einer 400 Quadratmeter großen Anlage leben (das Foto zeigt einen Pinguin mit Tierpflegerin Laura Schäfer). In diesem „Erlebnisbad“ wird u.a. mit der Attraktion „Schwimmen mit Pinguinen“ geworben, was es in Europa sonst nirgends gibt. Wobei die Besucher gar nicht wirklich mit den Tieren schwimmen. Die Badegäste sind vielmehr in einem Außenbecken von den Pinguinen lediglich durch eine Plexiglasscheibe getrennt und können direkt an die Scheibe heran, um möglichst nahe an die im und unter Wasser schwimmenden Tiere zu kommen. Es geht genau genommen also um Blick-, nicht um Körperkontakt.

Die Pinguine von Lübbenau scheinen sich dort ganz wohlzufühlen – zumindest vermehren sie sich wie die Karnickel (die mir den Gebrauch der Redewendung verzeihen mögen), so dass es für die vielen Tiere zu eng wird. Für zehn junge Pinguine, die im vergangenen Jahr geschlüpft sind, wurde deshalb ein neues Zuhause gesucht und mittlerweile gefunden. Jetzt haben sie den schönen Spreewald (kann ich zumindest für einen Kurzurlaub nur empfehlen!) verlassen und die Reise nach Tschechien angetreten. Dort sollen sie allerdings nicht bleiben. Ihr nächstes Ziel ist die Türkei: In Antalya sollen sie in einer Hotel-Freizeitanlage untergebracht werden, um auch dort für die Unterhaltung der Gäste zu sorgen. Es gab in den letzten Jahren übrigens auch schon Pinguin-Nachwuchs aus Lübbenau, der nach Philadelphia (USA) und Südkorea geschickt wurde.

In der Türkei gibt es bekanntlich auch Hotelanlagen, wo Delfine zum Amusement von Touristen gehalten werden. Das wurde und wird – meiner Meinung nach zu recht – von Tierschützern heftig kritisiert. Ich habe aber noch nicht gehört, dass sich bei den Pinguinen darüber aufregt. Gehört wohl wieder in die Rubrik „doppelte Moral“ von gewissen Leuten…

PETA hat wieder mal zugeschlagen!

Zwei Wochen war ich im Urlaub, beim Langlaufen in Ramsau am Dachstein. Der eine oder andere wird sich schon gewundert haben, warum nicht so häufig wie sonst neue Beiträge in meinem Blog erschienen sind.

Im Urlaub hat mich eine Überschrift der online-Ausgabe unserer Zeitung kurz aufgeschreckt: „Im Tiergarten Nürnberg mussten 60 Tiere getötet werden“. Oh Gott, dachte ich, was ist denn da passiert, gerade jetzt, wo ich nicht da bin? Der folgende Text erwies sich allerdings als wesentlich harmloser. Es handelte sich lediglich um einen Vortrag, den Zoodirektor Dag Encke gehalten hatte. Darin ging es um den Artenschutz, der manchmal nur durch die Tötung von Tieren zu gewährleisten sei. Das Populationsmanagement könne sich für einen Zoo manchmal als problematisch erweisen. PavianjungesIn Nürnberg gibt es zum Beispiel derzeit elf überzählige Paviane, die im zoo-eigenen Gut Mittelbüg untergebracht sind. Man hofft, sie an einen chinesischen Zoo vermitteln zu können, der die europäischen Anforderungen an die Haltung erfüllt. Der erste Vermittlungsversuch schlug allerdings fehl.

Heute, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, hat sich die Tierrechtsorganisation PETA zu dem Thema gemeldet und – wer PETA kennt, wird sich darüber kaum noch wundern – wieder mal eine Anzeige gegen den Tiergartendirektor erstattet. Grund: Das Töten gesunder „Überschusstiere“ im Rahmen des Populationsmanagements eines Zoos stelle „keinen vernünftigen Grund nach § 17 des Tierschutzgesetzes“ dar. Schon im Mai 2015 hatte PETA gegen Encke Anzeige erstattet, ebenfalls „wegen der Tötung eines gesunden Pavians ohne vernünftigen Grund“. Jetzt geht die Organsisation noch weiter und fordert, dass der Zoochef sofort entlassen wird, weil er „offenbar unbesonnen weiter strafrechtlich relevant Tiere tötet“, so PETA.

PETA hat den Tiergarten Nürnberg seit Jahren auf dem Kieker, hauptsächlich wegen der Eisbären- und Delfinhaltung und des vermeintlichen „Bauskandals um die Delfinlagune“. Die bisherigen Anzeigen der Tierschutzaktivisten gegen die Tiergartenleitung hatten keinen Erfolg – haben aber den Verantwortlichen im Zoo schon unendlich viel Zeit gestohlen, die sie für wichtigere Arbeit hätten verwenden können.

Der Trost von Wühlmäusen

WühlmäuseWir Menschen, die Wissenschaftler zumal, fühlen uns Tieren ja meist weit überlegen. Von der Intelligenz her, aber auch mit dem Argument, Tiere hätten – abgesehen vielleicht von wenigen Ausnahmen – kein Mitgefühl. Tierfreunde denken natürlich nicht so, sie wissen es längst besser. Deshalb wundert mich folgendes nicht – freut mich aber umso mehr: Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Präriewühlmäuse  große Empathie und Mitleid aufbringen können. Die Nager erkennen, wenn es befreundeten Artgenossen nicht gut geht und spenden ihnen sogar Trost. Allerdings stellt sich für mich schon die Frage, ob man als Tierfreund die Versuche, die zu dieser Erkenntnis geführt haben, gutheißen kann.

Denn so lief das Ganze ab: Forscher der Emory University in Atlanta untersuchten das Verhalten an Präriewühlmäusen im Labor. Bei dieser Art ziehen beide Elternteile die Jungen auf. Für den Versuch wurden vorübergehend zwei Tiere voneinander getrennt. Einem von beiden versetzte man schwache Stromstöße. Danach ließ man sie wieder zusammen. Die Maus, die keine Stromstöße abbekommen hatte, kümmerte sich sofort um die andere. Zum Beispiel leckte sie das durch die Stromstöße verstörte Tier ab und hatte ein paar Streicheleinheiten in Form von Fellpflege als Trost parat. Wurden die Tiere ohne Verabreichung von Stromstößen eine Zeitlang getrennt, gab es nach der Zusammenführung keine besondere Zuwendung.

Weitere Versuche zeigten, dass das nicht geschockte Tier die Empfindungen des anderen nachfühlt. Denn der Gehalt an Stresshormonen in seinem Blut stieg an, wenn es den Artgenossen nach dem Test nur durch eine Trennwand beobachten konnte. Ließ man die beiden dagegen richtig zusammen und es gab die Möglichkeit, den anderen zu trösten, war es durch das Trostspenden selbst weniger gestresst. Allerdings lief das nur bei verwandten und gut bekannten Artgenossen so ab, nicht bei fremden. In einer weiteren Stufe blockierten die Wissenschaftler bei den Tieren den Rezeptor für das Hormon Oxytocin im Gehirn. Und siehe da: Es war keine Fürsorge mehr zu beobachten.

Beim Menschen ist der Oxytocin-Rezeptor für Empathie und die Wahrnehmung von Gefühlen zuständig. Einige psychische Erkrankungen – wie zum Beispiel Autismus oder Schizophrenie – hängen damit zusammen, dass die Betroffenen Gefühle anderer nicht erkennen und entsprechend darauf reagieren können. Die genauere Untersuchung des hormonabhängigen Trost-Verhaltens bei den Präriewühlmäusen führt vielleicht zu einem besseren Verständnis dieser Erkrankungen. Die Forscher wollen deshalb mit Präriewühlmäusen im Labor den biologischen Mechanismen hinter bestimmten psychischen Erkrankungen bei Menschen auf die Spur kommen.

Kopf ab – soll das lustig sein?

GänsereitenIn Bochum-Wattenscheid gibt es eine alte Karnevalstradition am Rosenmontag: das „Gänsereiten“. Ein Brauch, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, als man so etwas vielleicht noch lustig fand: Eine eigens zu diesem Zweck getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Wer das schafft, wird für ein Jahr zum „Gänsereiterkönig” ernannt. Die Gans wird anschließend verspeist.

Das Spektakel gibt es auch in anderen Städten, doch dort verwendet man längst  Attrappen statt der echten Tiere. Nur in Bochum-Wattenscheid hängt man an der echten toten Gans. Der Brauch wurde einst von spanischen Kriegern abgekupfert, als körperliches und psychisches Training für die Reiter: Sie sollten möglichst alle Skrupel verlieren, um in den Krieg ziehen zu können. In den Anfängen des „Gänsereitens“ riss man sogar einer lebenden Gans den Kopf ab. Das wurde aber schon im Jahr 1806 verboten.

Tierschützer fordern seit einiger Zeit, dass Gänse für diesen Karnevalsbrauch nicht getötet werden dürfen. Sie argumentieren auch damit, dass die Misshandlung von Tieren der Misshandlung von Menschen vorausgehe und vor allem dazu führe, bei jungen Leuten Gewalt zu verharmlosen. Gegner dieser Veranstaltung fordern die Stadt Bochum auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder das blutige Schauspiel nicht sehen sollten, weil es zu grausam sei. Mittlerweile wurde eine Petition gestartet, bei der man gegen das „Gänsereiten“ unterzeichnen kann. Wer das tun möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

ARCHIV - Der kondensierende Atem der Eisbärin Tosca ist am 29.01.2011 im Zoologischen Garten in Berlin bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa "Mutter von Eisbär Knut soll eingeschläfert werden" vom 23.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Tosca (siehe Foto), die Mutter des berühmten Eisbären Knut, ist eingeschläfert worden. Für diese Entscheidung wurde zum ersten Mal im Berliner Zoo eine Ethik-Kommission einberufen, bestehend aus Tierärzten, Tierschutzbeauftragten, Kuratoren und Pflegern. Diese Kommission hatte die Entscheidung, die fast 30 Jahre alte Eisbärin einzuschläfern, in den letzten Tagen getroffen. Tosca war mittlerweile blind, taub und hatte keinen Geruchssinn mehr. So konnte sie nicht einmal mehr selbstständig ihr Futter finden. Deshalb wollte man der Eisbären-Seniorin unnötiges Leid ersparen.

Eine Entscheidung, die in einem Zoo eigentlich zum Alltag gehört. Gut, Eisbären sind besondere – auch umstrittene – Zootiere, aber das mit der Ethik-Kommission halte ich doch für reichlich übertrieben. Warum muss man das so hoch hängen? Ist doch klar, dass Tierärzte, Pfleger und Direktion in so einem Fall gemeinsam beraten, was das Beste für das Tier ist – und entsprechend handelt man dann.

Der Medien-Hype um Toscas Sohn Knut mag die Zooleitung dazu bewogen haben, mit der Ethik-Kommission an die Medien zu gehen. Auch die Kritik am früheren Zoodirektor, der mit seinen oft herzlos wirkenden Statements über seine Zootiere und über Zoos im Allgemeinen ein schlechtes Bild abgab. Aber eine Ethik-Kommission für Tiere ist in meinen Augen zu viel der Ehre. Und ich bin wirklich eine große Tierfreundin!

Tosca soll nun in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht werden, wo Pathologen den Grund ihrer Krankheit untersuchen sollen.  Da frage ich mich auch: Was soll schon der Grund gewesen sein – Tosca war einfach altersschwach! In freier Wildbahn werden Eisbärenweibchen 25 bis 30 Jahre, also hatte sie ein stolzes Alter erreicht. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, gehörte später zum Staatszirkus der DDR und kam 1998 in den Berliner Zoo. Dort lebt jetzt nur noch eine Eisbärin, ebenfalls eine „alte Dame“: die 30-jährige Katjuscha. Da Eisbären Einzelgänger sind, kann sie ihren Lebensabend gut allein im Zoo verbringen – vielleicht sogar besser, als wenn es manchmal zu Streit zwischen den Tieren kommt. Das war in der Vergangenheit manchmal der Fall gewesen.

Knut ist seit vergangenem Jahr übrigens auch wieder in Berlin: Im Naturkundemuseum in der Invalidenstraße kann man ihn als Präparat bewundern.