Kralle, Schnute oder Balou?

Wie soll der kleine Lippenbär im Berliner Zoo heißen? Darüber sollen jetzt die Fans des vor drei Monaten geborenen Tierbabys bis zum 3. April  über Facebook abstimmen. Zur Auswahl stehen drei Namen: Kralle (wegen der langen Krallen, die Lippenbären haben), Schnute (weil die Bären eine ganz charakteristische Schnauze besitzen) oder Balou (wie der Bär aus dem Dschungelbuch). Das noch namenlose Jungtier durfte jetzt zum ersten Mal im Freigehege des Berliner Zoos spielen. Dabei grub das drei Monate alte Männchen mit seinen schon angesprochenen Krallen wild in der Erde. Seine Mutter, die den Namen Kaveri trägt, kümmert such vorbildlich um ihren Nachwuchs und überwacht jeden Schritt, den der Kleine macht.

Lippenbären leben in freier Wildbahn in Indien und Sri Lanka, vereinzelt auch in Bangladesch, Bhutan und Nepal. Ihr Lebensraum reicht von den tropischen Feuchtwäldern bis hin zu feuchten Grasländern und Laubwäldern. Sie ernähren sich hauptsächlich von Termiten, lieben aber auch süße Früchte, Blüten und Honig. Ihre langen Krallen setzen sie geschickt ein, um Termitenbauten aufzubrechen. Ihre Beute saugen sie dann mit gespitzten Lippen auf – daher die Bezeichnung Lippenbär. Das kleine Exemplar in Berlin wird noch von der Mutter gesäugt, ist aber sehr temperamentvoll und klettert schon auf Seilen und Baumstämmen herum. Seine Mutter beißt er manchmal in die Schnauze – was wohl als Liebkosung zu verstehen ist.  Kaveri und ihr Nachwuchs sind jetzt jeden Tag im Außengehege zu beobachten – oder auf einem Video. Man darf gespannt sein, was sich der Zoo anlässlich der Namensgebung einfallen lässt.

P.S.: Es ist entschieden: Wie mir Leserin heidi_z freundlicherweise mitgeteilt hat, heißt der Kleine Balou. Gefällt mir, kann ich da nur sagen, denn das war ja auch mein Favorit!

Warum die ganze Aufregung?

ZooOdenseVor allem auf Facebook schlugen die Protestwellen hoch, als die Ankündigung des dänischen Zoos in Odense bekannt wurde, dass man vor den Augen der Zoobesucher einen Löwen sezieren wolle.
Eine Online-Petition gegen die Sezierung hatte rund
130 000 Unterstützer gefunden. Das Tier wurde bereits vor neun Monaten gekeult, der Kadaver seitdem in einem Kühlfach aufbewahrt. Hintergrund für die Tötung der Raubkatze war, dass kein Platz mehr für junge Löwen in anderen Zoos vorhanden war und das Tier deshalb nicht abgegeben werden konnte. Im eigenen Zoo hätte die Gefahr von Inzucht bestanden.

Kinder und Erwachsene konnten nun heute zusehen, wie zwei Biologen den Kadaver aufschnitt und Herz, Lunge und andere Organe herausnahm, sie den Zoobesuchern zeigte und beschrieb. Der Zoo in Odense seziert seit 20 Jahren regelmäßig Tiere in den Schulferien. Für dänische Kinder ist das also nichts Besonderes – für sie sind solche Biologiestunden der besonderen Art normal. Auch die Europäische Vereinigung für Zoos und Aquarien unterstützt dieses Vorgehen.

Im Ausland dagegen gab es jede Menge Empörung – eine Aufregung, die man in Dänemark wiederum nicht versteht. Mir geht es genauso: Was soll schlimm daran sein, wenn Kinder anschaulich lernen, wie es im Inneren von Tierkörpern aussieht? Auf diese Art und Weise wird auch deutlich, dass es sich bei Zootieren keineswegs um Kuscheltiere handelt – ein Eindruck, der mancherorts durchaus entstehen könnte. Schließlich wird ja auch niemand gezwungen hinzugehen und sich die Sektion anzuschauen.

Dänische Zoos geraten immer wieder mit Aktivitäten in die Schlagzeilen, die anderswo als zu grausam empfunden werden. Wir erinnern uns:  Im vergangenen Jahr hatten der Tod und das öffentliche Zerlegen der Giraffe Marius im Zoo von Kopenhagen auf der ganzen Welt wahre Entrüstungsstürme ausgelöst. Das ging so weit, dass der Zoodirektor sogar Morddrohungen bekam.

Nichts aufgedeckt!

Krassen Fällen von Steuerverschwendung will die Sendung auf den Zahn fühlen, unter dem Motto  „Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Dabei kommt eine eigenartige Mischung aus Comedy-Show und Polit-Magazin heraus, und das auf unterstem Niveau. Warum die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens darin auftauchte, bleibt für den Zuschauer, der nicht das ganze Vorgeplänkel mitbekommen hat, nach der Sendung ein Rätsel. Denn um Steuerverschwendung bei der Lagune ging es gar nicht – konnte es ja auch nicht, weil es die eben nicht gibt. Und so hatte sich auch der Bund der Steuerzahler, der mit seinem Präsidenten Reiner Holznagel regelmäßig bei Mario Barth zu Gast ist, vorab via Facebook auf die Frage eines Users folgendermaßen geäußert: „Einige Fälle von Steuergeldverschwendung, die bei ‚Mario Barth deckt auf‘ gezeigt werden, stammen aus dem alljährlichen Schwarzbuch von uns. Dieser nicht.“

Der inhaltlich mehr als dünne Beitrag über die Lagune brachte keine neuen Erkenntnisse. Darüber konnten auch die prall sitzenden Glitzer-Shorts von Moderatorin Nina Heinemann nicht hinwegtäuschen, die dem „5-Sterne-Wasserpark“ Lagune am Ende alle Sterne aberkannte. Das ist sie von ihren Hotel-Tests her so gewöhnt. Viel mehr als ein paar Fragen zu rückläufigen Besucherzahlen im Tiergarten seit Eröffnung der Lagune  (die aber mittlerweile ja wieder im Steigen begriffen sind) fiel ihr nicht ein. Mussten also die sattsam bekannten Baumängel herhalten, die ja keiner bestreitet, für die aber die Stadt bzw. der Tiergarten nichts kann. Und weil auch dieses Thema nicht genug hergab, kam zum gefühlt millionsten Mal die Gabe von „Beruhigungspillen“ an die Großen Tümmler aufs Tapet.

Wohl um den wenig eindrucksvollen Fakten ein wenig mehr Gewicht zu verleihen, wurde ein Video zugespielt, in dem der ehemalige Flipper-Trainer und heutige Delfinariengegner Ric O´Barry die Menschen aufforderte, Delfinarien nicht zu besuchen und die Tiere lieber in eine „delfinwürdige Bucht“ zu entlassen. Und dann wurde noch ein wenig Werbung gemacht für das „Dolphin Care“-Projekt des Wal- und Delfinschutzforums WDSF. Der kurze Auftritt von dessen Vertreter Jürgen Ortmüller blieb so blass, dass er gar nicht weiter erwähnenswert ist.

Insgesamt war das viel Vorab-Lärm um nichts. Würde die Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, würde ich mal nachfragen wollen, wie viel dafür von unseren Steuergeldern verschwendet wird.

Soll das investigativer Journalismus sein?

Diese Sendereihe arbeitet mit billigen Vorurteilen und erreicht damit ein Millionenpublikum: Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Bei der neuesten Ausgabe der RTL-Sendung geht es am 7. Oktober um 20.15 Uhr unter anderem um die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens. Im Vorfeld schlagen im Internet bereits seit ein paar Wochen die Wellen hoch: Auf Facebook werfen Delfinariums-Befürworter dem RTL-Team Voreingenommenheit und Beeinflussung durch das Wal- und Delfinschutz-Forum vor.

Der Comedian Barth will laut Angaben von RTL mit seinem Team aus prominenten „Spürhunden“ in seiner Show „Verschwendung und Behördenwahnsinn“ auf den Grund gehen. „Leider versickern viele Gelder immer noch in extrem kostspieligen Neu- oder Umbaumaßnahmen, die am Ende keiner wirklich will oder braucht“, heißt es auf der Homepage des Senders. Fälle von „grober Steuerverschwendung“ sollen in der Show angeprangert werden.

Wie dazu ein Beitrag über die Delfinlagune passt, frage ich mich ebenso wie die Delfinfreunde gegen die Delfinarenhasser – so heißt eine Gruppe bei Facebook. Denn die Lagune ist lediglich zu rund elf Prozent aus Steuergeldern finanziert. Den Löwenanteil der Gesamtkosten von 31 Millionen Euro (inklusive Manatihaus) finanziert der Tiergarten entsprechend einer Vereinbarung mit der Stadt Nürnberg über Zinstilgung über einen jährlichen Budgeteinbehalt von derzeit rund einer Million Euro. 7,7 Millionen Euro stammen aus Spenden, und 3,5 Millionen Euro kommen aus dem gesamtstädtischen Haushalt zur Deckung der angefallenen Mehrkosten. Es sind also bisher lediglich 3,5 Millionen Euro an Steuergeldern in die Lagune geflossen.

Die Recherchen und Interviews zur Sendung sind offenbar, um es vorsichtig zu formulieren, etwas einseitig verlaufen. Tiergartendirektor Dag Encke hat sie mir gegenüber als „sehr tendenziös“ bezeichnet. Er habe bei Fragen – zum Beispiel zu den Besucherzahlen nach Eröffnung der Lagune – nicht die Möglichkeit gehabt, in Fragen verpackte Behauptungen richtigzustellen. Als „Spürhündin“ im Fall Lagune hat Mario Barth Nina V. Heinemann losgeschickt. Die ist Hoteltesterin, Fitness- und Reiseexpertin und Fernsehmoderatorin. Sie ist außerdem Mitglied bei „Dolphin Care“, einem Projekt, das im November 2014 von ProWal und WDSF ins Leben gerufen wurde. Hinter dem WDSF  (Wal- und Delfinschutz-Forum) steckt Jürgen Ortmüller, von Beruf Steuerberater in Hagen. Im Namen des WDSF kämpft er seit Jahren gegen Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien im allgemeinen. Zusammen mit der Organisation ProWal hat sich das WDSF mit „Dolphin Care“ zum Ziel gesetzt, ein Zentrum für verletzte Delfine und deren Wiederaussiedlung im Roten Meer in Ägypten einzurichten.

Auf Facebook existiert auch eine Gruppe namens „Dolphin Care“, bei der Nina V. Heinemann Mitglied ist. Sie hat sich zudem vor den Dreharbeiten in Nürnberg öffentlich gegen die Delfinhaltung ausgesprochen – und Ortmüller hat sich bereits vor Ausstrahlung der Sendung beim RTL-Team im Netz für den „tollen Dreh“ bedankt. Bei Facebook-Gruppen, die sich für Delfinarien einsetzen, werden seit einigen Wochen schon Vorwürfe erhoben, mit der neuesten Ausgabe von „Mario Barth“ werde eine Fernsehsendung von Delfinariumsgegnern als Forum missbraucht, um Stimmung gegen die Lagune zu machen.

Ich bin mal gespannt, was nun wirklich für ein Beitrag bei dem Ganzen herausgekommen ist, und werde mir die Sendung natürlich anschauen.

Schon wieder haltlose Vorwürfe

gorillafbZugegeben: Dieses Foto vom verletzten Fuß der Gorilladame Habibu im Tiergarten Nürnberg sieht schrecklich aus. Es wurde von der Tierrechtsorganisation Great Ape Project im Internet verbreitet, die dem Zoo eine mangelnde medizinische Versorgung des achtjährigen Gorillaweibchens vorwirft. Auf Facebook erschienen dazu die üblichen Kommentare, etwa „Dieser Zoo gehört angezeigt!“. In einem Beitrag wird behauptet, die Tierärzte seien untätig und würden wohl lieber in den Biergarten sitzen, statt etwas zu unternehmen.

Und das ist das, was mich genauso aufregt wie die Verantwortlichen im Tiergarten oder in anderen Zoos: Irgendwelche Behauptungen oder Unwahrheiten lassen sich kinderleicht über das Netz verbreiten. Die Zoos geraten jedesmal in Zugzwang und müssen sich verteidigen. Am Ende bleibt immer der Eindruck, dass wohl schon was dran sein wird an den Vorwürfen.

Dabei könnte man vieles durch einfaches Nachfragen klären. Das hat in diesem Fall eine Kommentatorin auf Facebook auch getan. Sie hat Antwort vom Tiergarten bekommen und diese ebenfalls gepostet. Doch manche interessiert die Antwort gar nicht. Sie werfen dieser Kommentatorin lieber Naivität und was weiß ich noch alles vor.

Ich habe für die „Nürnberger Zeitung“ bei Zootierärztin Katrin Baumgartner nachgefragt, was mit Habibu los ist. Die Veterinärin hat mir erzählt, dass die Fußverletzung schon einige Zeit her ist und ganz gut verheilt war, aber Habibu kratzt sie sich immer wieder auf. Weil das Tier auch immer wieder Magen- und Darmprobleme hat, wurde es vor kurzem für eine umfangreiche Untersuchung, bei der ein Humanmediziner und ein Zahnarzt hinzugezogen wurden, in Narkose gelegt. Es wurde eine Gastroskopie gemacht, außerdem Ultraschall, und Habibu wurde Blut abgenommen. Bisher konnte aber noch keine Ursache für die instabile Gesundheit des Gorillas gefunden werden. Derzeit wird Habibu mit Antibiotika behandelt.

Gibbons: die Tierstars des Jahres 2015

Unglaublich, wie die Zeit dahinfliegt. Das neue Jahr ist schon wieder fünf Wochen alt. Für mich heißt das: Allerhöchste Eisenbahn, einen Beitrag zum „Gibbon-Jahr 2015“ zu schreiben, das die WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) ausgerufen hat. Bei Facebook bin ich auf einen interessanten Text über diese Affen gestoßen, verfasst von Andreas Jakesch, veröffentlicht in der Gruppe Die Besten Zoos der Welt:

Gibbons sind eine Familie der Primaten und beschreibt baumbewohnende Primaten, die in Südostasien leben. Gibbons sind die Schwestergruppe der Menschenaffen und werden daher auch als kleine Menschenaffen bezeichnet. Gibbons erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 90 cm und einem Gewicht von bis zu 13 kg. Der Siamang ist dabei die größte Art. Gibbons sind tagaktive Waldbewohner die streng territorial leben. Ihre Reviere können bis zu 50 ha groß sein. In den Revieren lebt jeweils ein Paar mit seinem Nachwuchs. Gibbons leben monogam. Ihre Hauptnahrung sind reifes Obst und andere pflanzliche Kost. Tierische Kost nehmen sie nur selten zu sich. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Indien, Myanmar, China über Indochina und Malaysia bis nach Java und Borneo. Ihr bevorzugter Lebensraum ist der Tropische Regenwald. Aufgrund von Bejagung und dem massiven Verlust ihres Lebensraumes, sind alle Arten vom Aussterben bedroht.

Gibbons werden in Vier Gattungen unterteilt.
# Symphalngus – einzige Art ist der Siamang
# Nomascus – Schopfgibbons – 7 Arten
# Hoolock – einzige Art ist der Weißbrauengibbon
# Hylobates – Kleine Gibbons – 7 Arten

In unseren Zoos (Deutschland, Österreich und die Schweiz):

Derzeit kann man in unseren Zoos acht Arten der Gibbons sehen. Mit 37 Haltungen ist der Weißhandgibbon die häufigste Art. Die weiteren Arten sind der Siamang (12 Haltungen), Nördlicher Weißwangengibbon (4), Kappengibbon (3), Borneogibbon (2), Südlicher Gelbwangengibbon (2), Silbergibbon (1), Carpenter-Weißhandgibbon (1), und der Schlankgibbon (1).

Für Fans von Tiergärten finde ich besonders den letzten Absatz sehr informativ und übersichtlich, denn Zoobesuche lassen sich damit gut planen. Doch so viel Spaß es auch machen mag, diese Tiere live und aus nächster Nähe zu sehen und vielleicht auch zu riechen, sollte man dabei eines nicht vergessen: Alle Gibbonarten gelten als in ihrem Bestand gefährdet oder bedroht. Auch deshalb will der Weltzooverband in diesem Jahr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Affen lenken. Dabei kann man ihn nur unterstützen.

Bald ein Baby für Pinola?

Auf Facebook hatten es ja einige Besucher des Nürnberger Tiergartens schon mit Foto gepostet, nun hat auch das Presseamt der Stadt Nürnberg die freudige Botschaft und eine Fotografie davon an die Medien verschickt: Pinola, die nach dem beliebten Spieler des 1. FC Nürnberg, Javier Pinola, benannte Schabrackentapirdame, hat einen Partner aus England bekommen. Manado heißt der Auserwählte, der am 14. Januar dieses Jahres im Zoo von Port Lympne in der schönen Grafschaft Kent das Licht der Welt erblickte.

Manado kam heimlich, still und leise am 5. August am Schmausenbuck an und wurde zunächst einmal in einem Einzelabteil seines neuen Zuhauses untergebracht. Vor einer Woche hatten Pinola und Manada dann ihr erstes Date. Das war offenbar erfolgreich, die beiden verstehen sich jedenfalls so gut, dass sie seitdem gemeinsam in der Anlage leben.

Mit dem neuen Mann aus England will der Tiergarten wieder in die Zucht von Schabrackentapiren einsteigen, die er seit 1964 mit riesigem Erfolg betreibt. Fünf Zuchtpaare haben seitdem für 15 Jungtiere gesorgt, die alle gesund und munter aufgewachsen sind. Der Tiergarten hat deshalb auch die Koordination für Schabrackentapire beim Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP übertragen bekommen; darin sind derzeit 50 Tapire erfasst.

Für alle, die bei den Verwandtschaftsverhältnissen der Tapire im Tiergarten nicht so recht durchblicken: Nach dem Tod des alten Weibchens Indah vor über einem Jahr lebten am Schmausenbuck noch Pinola und ihr Vater Pi. Als Pinola geschlechtsreif wurde, musste Pi an einen anderen Zoo abgegeben werden, um Inzucht zu vermeiden. Er übersiedelte im Juli nach Spanien – genauer: in den Zoo von Fuengirola.

Lebenswichtige soziale Netzwerke

Wer sagt denn, soziale Netzwerke existieren erst seit Beginn des digitalen Zeitalters und funktionieren nur über Twitter, Facebook usw. ? Weit gefehlt! Völlig daneben liegt auch, wer annimmt, sie seien vom Menschen erfunden. Nein, es gibt auch verschiedene Tierarten, die schon vor langer Zeit soziale Netzwerke entwickelt haben. Für manche von ihnen ist es sogar lebenswichtig, gut in sozialen Netzwerken eingebunden zu sein. Sind sie es nämlich nicht, kann ihr Überlebenskampf noch viel härter werden, als er es für die meisten Tiere in freier Wildbahn sowieso schon ist.

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir dafür die neuesten Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland her, die sich den sozialen Verbänden bei Totenkopfaffen gewidmet haben. Die Forscher haben vor kurzem herausgefunden, dass diejenigen Gruppenmitglieder am schnellsten an unbekannte Futterquellen herankommen, die am besten sozial vernetzt sind. Für die Versuche arbeiteten die Wissenschaftler mit den „Bossen“ zweier Totenkopfaffen-Gruppen: Die beiden Affen bekamen jeweils ein verschlossenes Gefäß mit Futter präsentiert und wurden dann in unterschiedlichen Methoden trainiert, dieses Behältnis zu öffnen.

Nach der Schulung kehrten die Alpha-Tiere in ihren Affenstaat zurück (frei nach dem „Dschungelbuch“; leider steht unter dem YouTube-Video fälschlicherweise „Affenstall“ statt „Affenstaat“, wie es im Lied heißt, und der Name des Affenkönigs ist auch falsch geschrieben, richtig wäre Louie, nicht Lui). Die Forscher konnten genau folgende Abläufe beobachten: Die Gruppenmitglieder, die über die vielfältigsten sozialen Verbindungen verfügen, sind rascher in der Lage, sich die Technik von ihrem Chef abzuschauen und selbst anzueignen, als die Äffchen, die eher Randfiguren im Verbund sind. Und noch etwas stellten die Biologen fest. Etwas, das ich als Aufmunterung für diejenigen unter meinen Lesern betonen möchte, die – wie ich selbst – nicht mehr die Jüngsten sind: Das Alter der Affen spielte bei den Experimenten überhaupt keine Rolle!!! Dieser Aspekt des Studienergebnisses wundert mich allerdings überhaupt nicht. Ähnliches beobachte ich tagtäglich in meiner näheren Umgebung.

Uni Augsburg: Alles für die Katz´

An der Universität Augsburg hat sich ein Tier zum Star entwickelt: Dort gibt es neuerdings eine Campuskatze, die durch Facebook Berühmtheit erlangt hat. Die Katze ist kein Streuner, sondern gehört einer Frau, die im Uni-Viertel wohnt und das Tier auch versorgt.

Trotzdem streift die Katze mit dem rot-weißen Fell gern und oft über das Unigelände und liebt es, sich von den Studenten streicheln zu lassen. Alle Studenten und Uni-Mitarbeiter kennen das Tier. Der BWL-Student Akilnathan Logeswaran hat im Sommer eine Facebook-Seite für das Tier eingerichtet, nachdem die Katze ihn während seiner Prüfungs-Vorbereitungen regelmäßig besucht hatte und er mit ihr Freundschaft geschlossen hatte. Inzwischen bekommt der 24-Jährige jede Menge E-Mails mit Fotos von Studenten, die die „Campus Cat“ im Arm halten. Logeswaran wünscht sich, dass die Katze Maskottchen der Universität wird.

Auf ihrer Facebook-Seite hat die Katze inzwischen bereits mehr „Gefällt mir“-Klicks als die Uni Augsburg. Die Uni-Leitung hat das auch schon registriert und ein Foto der Katze in den Adventskalender für die Partner der Universität gestellt. Noch konnte man sich aber nicht durchringen, sie zum offiziellen Maskottchen zu machen.

An der Uni Konstanz ist man da schon weiter: Dort wird der „Uni-Kater“ komplett vermarktet. Es gibt sogar Postkarten mit seinem Foto.

Hunde würden Obama wählen

In wenigen Tagen entscheidet sich, wer der nächste US-Präsident wird: Bleibt Barack Obama im Amt, oder wird er von Mitt Romney abgelöst? Während noch spekuliert wird, ob der „Frankenstorm“ Sandy letztlich den Wahlausgang entscheiden könnte, spielt sich im Internet ein „tierischer“ Wahlkampf ab: Haustierfreunde haben auf Facebook unter dem Titel „Pet Lovers for Obama“ eine erfolgreiche Kampagne für Obama gestartet, die schon über 42 000 „Gefällt mir“-Angaben hat.

Der Präsident punktet bei den Tierliebhabern aber auch durch geschickt inszenierte Auftritte seiner Familie mit dem „First Dog“, einem Portugiesischen Wasserhund namens Bo, über den ich in diesem Blog auch schon geschrieben habe, zum Beispiel hier.

Zum Geburtstag von Bo im Oktober hat das Weiße Haus eine nette Mischung von Fotos und Videos aus Bo´s vergangenem Amtsjahr ins Netz gestellt. Eines der Fotos zeigt Obama zusammen mit seinem Hund in der Präsidentenlimousine. Dazu erschien ein Text, der übersetzt etwa folgendermaßen lautet: Wie fürsorgliche Besitzer ihre Hunde transportieren.

Damit wird auf die Herzlosigkeit Mitt Romneys Hunden gegenüber angespielt: In den achtziger Jahren hatte der seinen Hund Seamus während einer Urlaubsfahrt zwölf Stunden lang in eine Kiste auf dem Autodach eingesperrt. Dieser Vorfall hat Romney viel Ärger eingebracht und sich auch schon bei den vergangenen republikanischen Vorwahlen negativ ausgewirkt. Im jetzigen Wahlkampf wurde der Autodach-Skandal wieder aus der Mottenkiste hervorgeholt. Die Initiative mit dem Namen „Dogs against Romney“ prangert an, dass Romney Hunde quält und dass diese Botschaft weiterverbreitet werden soll.

Werden also Hunde eine ausschlaggebende Rolle bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen spielen? Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint das durchaus möglich.