Brisant – aber offen und ehrlich

Gerade erst auf Facebook entdeckt – der Beitrag lief bereits am 10. Mai  in der ARD-Sendung „Brisant“.

Ich finde die Sendung informativ und vor allem objektiv. Das Verfüttern von im Zoo getöteten überzähligen Tieren wie Antilopen, Hirschen, Rindern, Kaninchen oder anderen Nagetieren sollte kein Tabu sein. Dass die Tierrechtsorganisation Peta das anders sieht, ist bekannt. Ein Peta-Vertreter kommt in dem Beitrag auch zu Wort. Er kann mich aber nicht überzeugen. Für mich gibt es keine Alternative dazu, vom Aussterben bedrohte Arten wie zum Beispiel die im Film gezeigten Mendesantilopen in Zoos zu halten und im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP zu züchten. Wenn dann wegen der Haremsbildung zu viele männliche Nachkommen da sind – warum sollte man die ins Tierkrematorium karren und verbrennen oder auf einem Tierfriedhof verscharren, wenn sie gesund sind und als besonders hochwertiges Futter für die Raubtiere verwendet werden können?

Es freut mich, dass endlich auch eine Fernseh-Redaktion das ohne Emotionen zeigt und nicht wieder die üblichen Tierretter-Freibiergesichter vor die Kamera geholt hat, die – wie leider mehrmals in den letzten Jahren – wieder mal gegen den Nürnberger Tiergarten vom Leder ziehen. Ein Beitrag, der aufklärt und nicht aufhetzt!

 

Wie Marderhunde für Mode missbraucht werden

MarderhundHeute mal wieder ein Fernsehtipp: Am Freitag, 29. April, um 13.15 Uhr geht es bei der Sendung „Planet Wissen“ in der ARD um „Das blutige Geschäft mit dem Pelz“ – in diesem Fall um das Fell von Marderhunden. Deren Pelz verwenden Modemacher gern, um Mantelkragen aufzupeppen. Das ist leider wieder richtig „in“.

Die Sendung ist allerdings nur etwas für Leute mit starken Nerven. Der Tierschützer und Dokumentarfilmer Manfred Karremann hat für den Beitrag zum Beispiel gefilmt, wie Marderhunde auf einem Markt in China mit einer Metallstange erschlagen werden. Als ob diese Quälerei nicht schon genug wäre, ziehen die Händler den Tieren dann meist auch noch bei lebendigem Leib das Fell ab.

Manfred Karremann ist Gründer der Tierschutzorganisation „Animalnetwork“, die er im Jahr 1997 ins Leben gerufen hat, um Patenschaften für Tiere in Not zu vermitteln und Missstände aufzudecken. Er selbst ist Vegetarier. Im Lauf der letzten Jahre hat er 170 Tiere bei sich aufgenommen, die sonst getötet worden wären.

Löwen sterben leise

Löwe ZDFAls „König der Tiere“ gilt er seit langer Zeit. Doch wenn es schlimm kommt – und danach sieht es derzeit leider aus – werden wir uns ein anderes Tier als König suchen müssen. Denn noch nie stand es um den Bestand er Löwen so schlecht wie heute. Die niederschmetternden Ergebnisse eines internationalen Forscherteams, das in Afrika in Sachen Löwen unterwegs war, sind am kommenden Sonntag, 31. Januar, um 14.55 Uhr im ZDF zu sehen, in der „planet e.“-Dokumentation „Das leise Sterben der Löwen“.

Der deutsche Zoologe und Löwen-Forscher Philipp Henschel arbeitet bei der Wildkatzen-Schutzorganisation „Panthera“ mit. Nach seinen Angaben ist die Zahl der Löwen seit Mitte des letzten Jahrhunderts um rund 90 Prozent zurückgegangen, er geht von aktuell noch rund 20.000 wild lebenden Löwen aus. Experten schätzen außerdem, dass diese Tiere nur noch in etwa acht Prozent ihres einstigen Verbreitungsgebietes leben. Diese wirklich dramatische Entwicklung hat sich still und leise vollzogen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil in den großen afrikanischen Nationalparks Löwen immer noch leicht zu beobachten sind. Dieser Eindruck täuscht jedoch über die Realität hinweg: Außerhalb von Schutzgebieten geht der Bestand der Raubkatzen besorgniserregend zurück – und das hat verschiedene Ursachen:

  • Große Flächen werden in Acker- und Nutzland umgewandelt, weil die Bevölkerung ständig wächst. Dadurch werden Gebiete, in denen Löwen leben, zerschnitten. Es bleiben kleinere Gruppen übrig, in denen es zu Inzucht kommt.
  • Wenn noch genügend Lebensraum  vorhanden ist, finden Löwen oft nicht mehr ausreichend Nahrung. Denn Menschen sind auch Nahrungs-Konkurrenten der Löwen und jagen deren Beute zum Teil für den eigenen Kochtopf.
  • Rinder- und Ziegenherden in menschlicher Obhut fressen den wild lebenden Artgenossen das Futter weg. Deshalb reißen die Großkatzen immer wieder Nutztiere. Die Bauern töten dann manchmal Löwen aus Rache.

Die schwedische Löwenforscherin Ingela Jansson versucht, da gegenzusteuern und erforscht im Ngorongoro-Schutzgebiet in Tansania, wie die Nachbarschaft von Löwen und Menschen sowie deren Vieh abläuft. Auch darüber berichtet  die Sendung „planet e.“

Nichts aufgedeckt!

Krassen Fällen von Steuerverschwendung will die Sendung auf den Zahn fühlen, unter dem Motto  „Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Dabei kommt eine eigenartige Mischung aus Comedy-Show und Polit-Magazin heraus, und das auf unterstem Niveau. Warum die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens darin auftauchte, bleibt für den Zuschauer, der nicht das ganze Vorgeplänkel mitbekommen hat, nach der Sendung ein Rätsel. Denn um Steuerverschwendung bei der Lagune ging es gar nicht – konnte es ja auch nicht, weil es die eben nicht gibt. Und so hatte sich auch der Bund der Steuerzahler, der mit seinem Präsidenten Reiner Holznagel regelmäßig bei Mario Barth zu Gast ist, vorab via Facebook auf die Frage eines Users folgendermaßen geäußert: „Einige Fälle von Steuergeldverschwendung, die bei ‚Mario Barth deckt auf‘ gezeigt werden, stammen aus dem alljährlichen Schwarzbuch von uns. Dieser nicht.“

Der inhaltlich mehr als dünne Beitrag über die Lagune brachte keine neuen Erkenntnisse. Darüber konnten auch die prall sitzenden Glitzer-Shorts von Moderatorin Nina Heinemann nicht hinwegtäuschen, die dem „5-Sterne-Wasserpark“ Lagune am Ende alle Sterne aberkannte. Das ist sie von ihren Hotel-Tests her so gewöhnt. Viel mehr als ein paar Fragen zu rückläufigen Besucherzahlen im Tiergarten seit Eröffnung der Lagune  (die aber mittlerweile ja wieder im Steigen begriffen sind) fiel ihr nicht ein. Mussten also die sattsam bekannten Baumängel herhalten, die ja keiner bestreitet, für die aber die Stadt bzw. der Tiergarten nichts kann. Und weil auch dieses Thema nicht genug hergab, kam zum gefühlt millionsten Mal die Gabe von „Beruhigungspillen“ an die Großen Tümmler aufs Tapet.

Wohl um den wenig eindrucksvollen Fakten ein wenig mehr Gewicht zu verleihen, wurde ein Video zugespielt, in dem der ehemalige Flipper-Trainer und heutige Delfinariengegner Ric O´Barry die Menschen aufforderte, Delfinarien nicht zu besuchen und die Tiere lieber in eine „delfinwürdige Bucht“ zu entlassen. Und dann wurde noch ein wenig Werbung gemacht für das „Dolphin Care“-Projekt des Wal- und Delfinschutzforums WDSF. Der kurze Auftritt von dessen Vertreter Jürgen Ortmüller blieb so blass, dass er gar nicht weiter erwähnenswert ist.

Insgesamt war das viel Vorab-Lärm um nichts. Würde die Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, würde ich mal nachfragen wollen, wie viel dafür von unseren Steuergeldern verschwendet wird.

Soll das investigativer Journalismus sein?

Diese Sendereihe arbeitet mit billigen Vorurteilen und erreicht damit ein Millionenpublikum: Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Bei der neuesten Ausgabe der RTL-Sendung geht es am 7. Oktober um 20.15 Uhr unter anderem um die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens. Im Vorfeld schlagen im Internet bereits seit ein paar Wochen die Wellen hoch: Auf Facebook werfen Delfinariums-Befürworter dem RTL-Team Voreingenommenheit und Beeinflussung durch das Wal- und Delfinschutz-Forum vor.

Der Comedian Barth will laut Angaben von RTL mit seinem Team aus prominenten „Spürhunden“ in seiner Show „Verschwendung und Behördenwahnsinn“ auf den Grund gehen. „Leider versickern viele Gelder immer noch in extrem kostspieligen Neu- oder Umbaumaßnahmen, die am Ende keiner wirklich will oder braucht“, heißt es auf der Homepage des Senders. Fälle von „grober Steuerverschwendung“ sollen in der Show angeprangert werden.

Wie dazu ein Beitrag über die Delfinlagune passt, frage ich mich ebenso wie die Delfinfreunde gegen die Delfinarenhasser – so heißt eine Gruppe bei Facebook. Denn die Lagune ist lediglich zu rund elf Prozent aus Steuergeldern finanziert. Den Löwenanteil der Gesamtkosten von 31 Millionen Euro (inklusive Manatihaus) finanziert der Tiergarten entsprechend einer Vereinbarung mit der Stadt Nürnberg über Zinstilgung über einen jährlichen Budgeteinbehalt von derzeit rund einer Million Euro. 7,7 Millionen Euro stammen aus Spenden, und 3,5 Millionen Euro kommen aus dem gesamtstädtischen Haushalt zur Deckung der angefallenen Mehrkosten. Es sind also bisher lediglich 3,5 Millionen Euro an Steuergeldern in die Lagune geflossen.

Die Recherchen und Interviews zur Sendung sind offenbar, um es vorsichtig zu formulieren, etwas einseitig verlaufen. Tiergartendirektor Dag Encke hat sie mir gegenüber als „sehr tendenziös“ bezeichnet. Er habe bei Fragen – zum Beispiel zu den Besucherzahlen nach Eröffnung der Lagune – nicht die Möglichkeit gehabt, in Fragen verpackte Behauptungen richtigzustellen. Als „Spürhündin“ im Fall Lagune hat Mario Barth Nina V. Heinemann losgeschickt. Die ist Hoteltesterin, Fitness- und Reiseexpertin und Fernsehmoderatorin. Sie ist außerdem Mitglied bei „Dolphin Care“, einem Projekt, das im November 2014 von ProWal und WDSF ins Leben gerufen wurde. Hinter dem WDSF  (Wal- und Delfinschutz-Forum) steckt Jürgen Ortmüller, von Beruf Steuerberater in Hagen. Im Namen des WDSF kämpft er seit Jahren gegen Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien im allgemeinen. Zusammen mit der Organisation ProWal hat sich das WDSF mit „Dolphin Care“ zum Ziel gesetzt, ein Zentrum für verletzte Delfine und deren Wiederaussiedlung im Roten Meer in Ägypten einzurichten.

Auf Facebook existiert auch eine Gruppe namens „Dolphin Care“, bei der Nina V. Heinemann Mitglied ist. Sie hat sich zudem vor den Dreharbeiten in Nürnberg öffentlich gegen die Delfinhaltung ausgesprochen – und Ortmüller hat sich bereits vor Ausstrahlung der Sendung beim RTL-Team im Netz für den „tollen Dreh“ bedankt. Bei Facebook-Gruppen, die sich für Delfinarien einsetzen, werden seit einigen Wochen schon Vorwürfe erhoben, mit der neuesten Ausgabe von „Mario Barth“ werde eine Fernsehsendung von Delfinariumsgegnern als Forum missbraucht, um Stimmung gegen die Lagune zu machen.

Ich bin mal gespannt, was nun wirklich für ein Beitrag bei dem Ganzen herausgekommen ist, und werde mir die Sendung natürlich anschauen.

Fernsehtipp: „Wölfe im Visier“

planet e.: Wölfe im VisierAlles rund um das Thema Wolf bzw. Wölfe interessiert mich natürlich wegen meines Namens immer ganz besonders. Deshalb werde ich mir am kommenden Sonntag eine Sendung im ZDF anschauen, die sich mit dem Thema beschäftigt, und gleichzeitig wieder einmal einen Fernsehtipp an meine Leser weitergeben: Am Sonntag, 16. August, ist im ZDF um 14.45 Uhr die Dokumentation „Wölfe im Visier“ zu sehen. Darin folgt der  „planet e.“-Autor und Zoologe Axel Gomille Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Pferdezüchtern, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir Menschen uns mit den Wölfen arrangieren können.

In Deutschland leben heute wieder rund 25 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Sie kommen sogar bis vor die Tore von Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Was Artenschützer freut, empfinden andere als große Gefahr. Und obwohl der Wolf als eine der seltensten Tierarten in der Europäischen Union streng geschützt ist, werden immer wieder Tiere illegal abgeschossen. Dabei kann der Abschuss eines Wolfs mit hohen Geldstrafen und sogar mit Gefängnis geahndet werden. Das scheint die „Wolfsjäger“ aber nicht abzuschrecken. So ermittelt zum Beispiel das Landeskriminalamt Sachsen derzeit gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Da es sich um den Vater eines Wolfsrudels handelte, war der Verlust besonders groß: Die Wolfsmutter konnte ihre Jungen nicht allein versorgen. So verendeten die Welpen über den Sommer schließlich. Vermutlich waren sie verhungert – eine Tragödie, die zeigt, wie durch einen einzigen Schuss eine ganze Tierfamilie ausgelöscht werden kann.

Ich glaube, die Sendung könnte spannend werden – und da es zumindest bei uns in Bayern am Wochenende einen Wettersturz geben soll, verpasst man draußen wohl auch nicht sehr viel.

„Manege frei“ für Zirkustiere?

Das Thema Wildtiere im Zirkus spaltet die Menschheit ähnlich wie das Thema Delfine in Delfinarien. Befürworter und Gegner haben ihre feste Meinung, von der sie sich kaum abbringen lassen. Argumenten, und mögen sie noch so einleuchtend sein, sind beide Seiten nur in Ausnahmefällen zugänglich. Spätestens seit in einigen Ländern wie Österreich, Belgien und Finnland ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt wurde, fordern Tierschutzaktivisten bei uns das auch. Weniger rigoros zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund, der die Tierhaltung in Zirkussen nur dann ablehnt, wenn sie nicht bestimmten Vorgaben entspricht. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ wiederum setzt sich ausdrücklich für die Zirkustierhaltung ein.
In der Wissenschaft beschäftigt sich bei uns in Deutschland vor allem der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin, Gründer des Vereins „Verhaltensforschung bei Tieren“, mit dem Thema Zirkustiere. Er vertritt im Großen und Ganzen die These, dass  den Tieren das Leben im Zirkus nicht  schadet – vorausgesetzt, ihnen wird  gute und ausreichend Beschäftigung geboten, und die Unterbringung der Tiere erfüllt bestimmte Mindeststandards. Birmelin geht sogar so weit zu sagen, die Größe eines Käfigs oder eines Zeltes sei weniger wichtig, wenn sich die Zirkusleute intensiv um ihre tierischen Kollegen kümmern und ihnen ein geeignetes Programm gegen die Langeweile bieten. Im Proinzip also eine ähnliche Argumentation wie die von Zoo-Befürwortern.
Nun beschäftigt sich auch das deutsche Fernsehen mit der Problematik. Im WDR sind ab Pfingstmontag die beiden ersten Folgen der fünfteiligen Dokumentation „Manege frei“ zu sehen, die sich um das Verhalten von Zirkustieren drehen. Immanuel Birmelin wirkt bei der Reihe mit. Er führt verschiedene Experimente durch, die zeigen, wie Tiere selbst auf Problemlösungen kommen und wie dies dann in Zirkusnummern eingebaut wird. Auch auf die enge Beziehung zwischen Zirkustieren und ihren Dompteuren – ich bevorzuge dieses Wort, auch wenn heute meist von „Tierlehrern“ gesprochen wird – geht die Doku ein. Birmelin will anhand von Messungen des Stresshormons Cortisol außerdem beweisen, dass Zirkustiere bei guter Haltung, regelmäßiger medizinischer Kontrolle und nicht zu weiten Transporten nicht unter Stress stehen. Auch hier sind die Parallelen zu Zoos unübersehbar. Der Tiergarten Nürnberg beispielsweise hat ebenfalls immer wieder Cortisolmessungen bei den Großen Tümmlern vorgenommen und keine erhöhten Werte festgestellt.
Die ersten Folgen von „Manege frei“ drehen sich um Zirkuslöwen und -elefanten. Ich gehe davon aus, dass Immanuel Birmelin nach der Ausstrahlung von Tierrechtlern massiv angefeindet wird, denn er kommt zu einem für die Zirkusse mit kontrolliert guter Tierhaltung postitiven Ergebnis. Tierschutzaktivisten, etwa die Organisation Peta, behaupten das Gegenteil. Und werden diesen Standpunkt mit Sicherheit nicht aufgeben.
Die Sendetermine im WDR:
Pfingstmontag 25. Mai, 16.35 bis 17.20 Uhr: Folge 1: „Schule der Löwen“ (Wiederholung Dienstag, 26. Mai, 6.15 bis 7 Uhr)
Sonntag, 31. Mai, 15 bis 15.45 Uhr: Folge 2: „Elefanten im Spiegel“ (Wiederholung Freitag, 5. Juni, 5.30 bis 6.10 Uhr)

So, nun bleibt mir nur noch, meinen Lesern schöne Pfingsten – vielleicht mit dem einen oder anderen Tiererlebnis – zu wünschen!

Hommage an Bernhard Grzimek

Wenige Wochen vor seinem 106. Geburtstag – geboren wurde er am 24. April 1909 – kehrt er ins Fernsehen zurück: der  große Bernhard Grzimek. Natürlich nicht er selbst, schließlich ist er schon 1987 gestorben. Grzimek ist in Person des Schauspielers Ulrich Tukur zu sehen (Foto unten). Die ARD drehte einen zweiteiligen Fernsehfilm über das Leben des berühmten Tierarztes, Frankfurter Zoodirektors und Tierfilmers Bernhard Grzimek. Ausgestrahlt wird das Werk auf einen Rutsch am Karfreitag, 3. April, ab 20.15 Uhr. Wer nach 165 Minuten noch immer nicht genug hat, kann sich danach noch eine halbstündige Doku über das Leben und Wirken von Grzimek reinziehen. Beide Sendungen tragen den schnörkellosen Titel „Grzimek“.
GrzimekVor sechs Jahren, zum 100. Geburtstag des großen Tierfreunds, habe ich ihn hier schon einmal gewürdigt. Sein Leben lang hat er sich unermüdlich für Tiere, Natur und Umwelt eingesetzt. Die Sendung „Ein Platz für Tiere“ – die mittlerweile Kult ist – hat ihn fast 30 Jahre lang direkt in die deutschen Wohnzimmer gebracht, immer zusammen mit einem lebendigen Tier, das bei seiner Moderation dabei sein durfte  – oder, aus heutiger Sicht, eher musste. „Ein Platz für Tiere“ startete in den 1950er Jahren, lief also in einer Zeit, als man noch nicht zwischen -zig Fernsehkanälen wählen konnte. Deshalb sah ihn praktisch jeder Zuschauer, der den Apparat an diesem Abend einschaltete.
Als Themen wie Tier-, Arten- und Naturschutz bei uns noch niemanden sonst interessierten, war Grzimek schon Vorkämpfer für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren, vor allem auf dem afrikanischen Kontinet. Er engagierte sich dort für die Einrichtung von Naturreservaten und setzte sich mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ selbst ein Denkmal: Als erste deutsche Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg  wurde sie 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet. Aber Grzimeks Freude darüber dürfte sich in Grenzen gehalten haben, denn ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu diesem Werk kam sein Sohn Michael durch einen Flugzeugabsturz ums Leben; er wurde nicht einmal 25 Jahre alt. Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf Grzimek, als sein Adoptivsohn Thmoas 1980 Selbstmord beging.
Die Drehbuchautoren mussten in Grzimeks Fall nicht allzu viel Phantasie mitbringen. Denn das Leben dieses Mannes war gespickt mit privaten Höhen und Tiefen und bietet so jede Menge Stoff für großes Kino, oder besser gesagt: für großes Fernsehen. Regisseur Roland Suso Richter und die Besetzung der Person Grzimeks mit Ulrich Tukur sowie seiner Frau Hilde mit Barbara Auer lassen auf einen packenden Fernsehabend hoffen!

Frei nach Marx: Opium für Delfine

YouTube Preview ImageDiese Meldung und das dazugehörige Video haben in dieser Woche Furore gemacht: Delfine, die „high“ sind, nachdem sie vorsichtig auf Kugelfischen herumgekaut haben und diese dann in der Gruppe herumgehen lassen wie ein Haschischpfeifchen. Der kleine Film dient als Werbung für eine neue Doku der BBC über die Meeressäuger und wurde prompt von Bloggern, Radio- und Fernsehsendern und in sozialen Netzwerken aufgegriffen. Die „kiffenden Delfine“ sorgten fast für so viel Aufsehen wie das Kokain, das bei Aldi zwischen Bananen gefunden wurde. Und dabei sind wir noch ein ganzes Stück vom 1. April entfernt, an dem so etwas normalerweise als Scherz die Runde macht.

Zurück zu den Großen Tümmlern. Wissenschaftler haben folgendes herausgefunden: Die Meeressäuger nutzen es aus, dass die Kugelfische ein Nervengift absondern, sobald sie angegriffen werden. Dieses Gift – in kleinen Dosen genossen – sorgt für einen Rauschzustand bei den Delfinen, den Fernsehkameras eindrucksvoll eingefangen haben. Die Tümmler ließen sich im Wasser herum- und, die Nase nach oben, an die Oberfläche hochtreiben und schienen dort von ihrem eigenen Spiegelbild fasziniert zu sein, beschrieb der britische Zoologe Rob Pilley diesen Zustand; Pilley ist einer der Produzenten der Doku-Serie.

Irre Geschichte, finde ich. Aber statt nur darüber zu schmunzeln und Witze zu reißen, sollte man vielleicht lieber mal überlegen, ob man dieses Phänomen nicht für die Zoohaltung von Delfinen nutzen könnte. Wenn die Großen Tümmler in Delfinarien – zum Beispiel im Zoo Duisburg oder im Tiergarten Nürnberg – so leiden, wie es Delfinariums-Gegner wie Peta, WDSF, die Grünen oder neuerdings auch die Piraten behaupten, dann könnte man den Tieren ab und zu doch ein paar Kugelfische spendieren – und schon würden sie ihr hartes Los nicht mehr – oder nur noch eingeschränkt – mitbekommen. Das wäre, analog zum „Opium des Volkes“, wie Karl Marx die Religion umschrieb, „Opium für Delfine“ –  und auf jeden Fall realistischer als Auswilderung.

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!