Streit um Robben-Roboter

Wir Menschen finden Tierbabys süß –  und zwar umso mehr, je hilfloser die kleinen Geschöpfe auf uns wirken. Erinnern wir uns an unsere berühmte Nürnbergerin Flocke: winzig, weiß, schwarze Knopfaugen, von der Mutter getrennt, leise Jammerlaute ausstoßend. Da will man, da muss man als Mensch einfach helfen, streicheln, liebkosen. Das gleiche Phänomen stellt sich ein, wenn wir Babyrobben, sogenannte Heuler, zu Gesicht bekommen. Sie ähneln Flocke ja auch sehr: ebenfalls winzig, weiß, Knopfaugen, Jammerlaute. Viele Tierfreunde beneiden die Mitarbeiter von Robbenauffangstationen, wo die Babys aufgepäppelt werden, bis sie groß und stark genug zum Überleben in freier Natur sind.

Ein solcher Heuler erhitzt jetzt – ganz Jahreszeit-untypisch, denn Robben kommen bei uns im Frühjahr zur Welt – die Gemüter. Paro heißt er, und er ist nicht einmal ein echtes Tier, sondern ein von Menschen gemachtes. Ein Roboter, als Kuscheltier verkleidet. Paro stammt aus Japan und kommt nun auch in deutschen Pflegeheimen bei Demenzkranken zum Einsatz. Seinem künstlichen Augenaufschlag kann keiner widerstehen – man muss sich einfach um ihn kümmern, wenn er einen so treuherzig und hilfesuchend anblickt. Das ist gut für die Patienten, die von Paro emotional angesprochen werden sollen.

Was in Japan, den USA und in Europa bislang nur in Dänemark längst Praxis ist, stößt bei uns in Deutschland noch(?) auf ungläubiges Kopfschütteln: Roboter in der Altenpflege. Darf das sein? Computertechnik statt emotionaler Zuwendung? Kalte Elektronik statt menschlicher Wärme? Auf diese beiden Gegensätze reduziert man das Thema hierzulande im großen und ganzen – typisch deutsch. Statt die Vorzüge einer neuen Technik zu nutzen und sie dort einzusetzen, wo Pflegekräfte Mangelware sind und Demente verkümmern, weil der Pflegeschlüssel hinten und vorne nicht reicht, lehnen wir die Roboter-Robbe erst mal ab.

Ich sage nicht, dass Elektronik ein Ersatz für Betreuung durch Menschen und für Nächstenliebe sein kann. Aber sie darf Menschen dort unterstützen, wo sie es allein nicht schaffen. Und solange nicht mehr Pflegekräfte eingestellt bzw. gefunden werden, kann Paro erst mal das Schlimmste – nämlich die völlige Vereinsamung alter oder/und demenzkranker Menschen – verhindern. In einer Handvoll deutscher Heime, beispielsweise in Bremen, probiert man die elektronische Babyrobbe nun doch aus. Mit Erfolg übrigens: Paro, der in Bremen Ole heißt, löst Menschen, die sonst nicht mehr sprechen, die Zunge und zaubert Kranken, die sonst mit versteinerter Miene irgendwo in der Ecke sitzen, ein Lächeln auf die Lippen.

Der Fernsehsender ARTE – für mich eine Wohltat in der sonst meist trostlosen deutschen Fernsehwelt – greift das brisante Thema auf: Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September zeigt ARTE heute Abend um 21.50 Uhr die Dokumentation „Roboter zum Kuscheln – Heilsam für Demenzkranke?“ Die Sendung wird morgen, also am 17. September, um 9.55 Uhr im ZDF wiederholt.

 

Mit Cleo durch Deutschland

Ab und zu schreibe ich in meinem Blog über Bücher, die sich mit Tieren oder Natur im allgemeinen beschäftigen. Nachdem Andreas Kieling als Dokumentarfilmer vor allem durch seine Sendungen „Terra X“ im ZDF einem großen deutschen Publikum bekannt ist, stelle ich – obwohl ich es nicht hundertprozentig empfehlen kann – sein neuestes Buch vor: „Ein deutscher Wandersommer“ heißt es, ist bei Malik erschienen und kostet 22,95 Euro.

Diesmal ließ sich der „Bärenmann“ auf ein vergleichsweise harmloses Abenteuer ein: einen Fußmarsch entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Andreas Kieling, der zehn Jahre lang mit den Grizzlys in Alaska lebte, begab sich einen Sommer lang auf Wanderschaft, gemeinsam mit seiner Hündin Cleo. 1400 Kilometer legte er zu Fuß zurück, vom Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechische Republik bis an die Ostsee. Im ZDF hat er die Tour bereits unter dem Titel „Mitten im wilden Deutschland“ dokumentiert. Nun hat er auch diese Expedition wieder bei Malik in Buchform nachgeschoben.

Doch wie immer, wenn etwas zur Routine wird, ist Vorsicht geboten. Vermintes Land drohte Kieling nicht nur im Wortsinn auf dem ehemaligen Todesstreifen, sondern auch beim Niederschreiben seiner Erlebnisse. Was im Film frisch, direkt und uneitel daherkommt, wirkt in Schriftform schnell lapidar, platt und abgegriffen: „Ich fühlte mich in meinem Element, wie ein richtiger Fallschirmjäger, der auf feindlichem Gebiet abgesprungen war und die Lage sondierte. Nichtsdestotrotz war ich total aufgeregt.“ Oder: „Damit war das Eis gebrochen, und es sprudelte nur so aus der schönen Försterin heraus.“ Leider finden sich in dem 300 Seiten umfassenden Tagebuch einer Deutschland-Wanderung außer stilistischen Schwächen auch grammatikalische: „Manche (gemeint sind Orchideen) senden Duftstoffe aus, die dem Sexuallockstoff eines bestimmten Insekts täuschend ähnlich riechen.“ Ein weiteres Beispiel: „Also bin ich in meiner Sommer-Mittelmeer-Tauchmontur in den See.“ Kieling lässt außerdem Nandus „ausbüchsen“ – was möglicherweise an seiner Begeisterung für die Jagd liegt, über deren Nutzen er den Leser auf viel zu vielen Seiten aufklärt.

Ein guter Lektor hätte manch peinliche Stelle ausmerzen können und müssen, etwa diese: „Ich stand zwischen Baum und Borke, wie der Forstmann sagen würde.“ Oder: „An großen Tischen saßen richtige Kerle, das, was der Bayer ,gstandne Mannsbilder’ nennen würde.“ Dabei scheint Kieling zu allem Unglück auch noch der kleine – aber feine! – Unterschied zwischen Bayern und Franken unbekannt zu sein.

Aber genug des Meckerns. Der mit dem Bären tanzte habe im Sommer 2010 seine bisher emotionalste Reise angetreten, heißt es im Klappentext. Das merkt man dem Buch von der ersten bis zur letzten Seite an; so engagiert hat der Weltenbummler bislang kaum geschrieben. Kein Wunder, schließlich war er mit 16 Jahren aus der DDR geflohen und hat diese Flucht nun noch einmal an Ort und Stelle nachvollziehen können. Auch wenn dieses Kapitel sehr ausführlich geraten ist, empfindet man es in keinem Augenblick als langatmig.

Und wie immer bei Kieling lernt der Leser in einem einzigen Buch mehr über Tiere und Pflanzen als in einem ganzen Schuljahr im Biologieunterricht. Wussten Sie zum Beispiel, dass Hasenbabys die erste Zeit nach der Geburt keinerlei Witterung abgeben und damit selbst für Jagdhunde nicht aufzuspüren sind? Oder dass der Raubwürger, ein drosselgroßer Singvogel, seine Beute auf einen Dornbusch spießt? Dass Deutschland das waldreichste Land in Europa ist?

Wenn Sie mehr über Flussperlmuscheln in der Regnitz, Mufflons in Ostthüringen, Birkhähne in Hessen, Luchse im Harz, Uhus im Eichsfeld oder Seeadler auf dem Schalsee erfahren möchten, dann begleiten Sie Andreas Kieling quer – nein, längs! – durch Deutschland! 

Scheibe verkratzt – was nun?

Gerade mal ein paar Tage ist die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg für Zoobesucher zugänglich – schon hat einer (oder eine?) von ihnen der neuen Anlage für Große Tümmler, Seelöwen und Seekühe mutwillig Schaden zugefügt: Bereits in der vergangenen Woche wurde die riesige Panoramascheibe verkratzt, durch die man vom „Blauen Salon“ aus Delfinen und Seelöwen unter Wasser beim Schwimmen und Tauchen zuschauen kann (auf dem Foto ist der 51-jährige Moby durch die Scheibe zu erkennen, im Vordergrund eine der künstlichen Algen der Unterwasserlandschaft).

Der Tiergarten hat diese Sachbeschädigung nicht an die Medien weitergegeben – vielleicht aus Angst, andere damit auf dumme Ideen zu bringen, vielleicht auch aus Angst vor erneut schlechter Presse über die Lagune. Schließlich hatten im Vorfeld und am Tag der Eröffnung der Lagune zahlreiche Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender immer wieder negativ und einseitig über die Lagune berichtet. Auch das Bayerische Fernsehen hat sich da pseudokritisch eingereiht, wie hier bereits ausführlich berichtet.

Nun prangen in der Mitte der sündhaft teuren, 18 Meter langen, gekrümmten Acrylscheibe Kratzer in Zickzachform auf einer Fläche von ungefähr 25 mal 25 Zentimetern. Mancher Besucher mag sie im Halbdunkel gar nicht bemerken, vor allem wenn er in die Beobachtung der faszinierenden Meeressäuger vertieft ist. Andere werden sich vielleicht über den Akt von Vandalismus ärgern, wieder andere könnten sich animiert fühlen, dem bisher noch einsamen Kratzer einen weiteren zur Gesellschaft hinzuzufügen.

Leider ist man dem „Täter“ (warum eigentlich Anführungszeichen, es handelt sich ja eindeutig um eine Straftat?) nicht auf die Schliche gekommen. Die Überwachungskamera hat keine Bilder geliefert, auf denen man den Bösewicht erkennt. Tiergartenmitarbeiter, die immer wieder sozusagen auf Streife unterwegs sind, vermuten, es könnte ein Kind gewesen sein: Ständig tatschen nämlich Buben und Mädchen mit den Händen an die Scheibe und rennen davor auf und ab. Dabei könnte ein Kind ein „Werkzeug“ zum Verkratzen in der Hand gehabt haben. Es könnten auch Jugendliche gewesen sein, die sich ja überall im Stadtgebiet künstlerisch verewigen. Und dann bleibt natürlich die Möglichkeit, dass einer der Lagunen-Gegner seiner Wut über die Anlage freien Lauf gelassen hat.

Wie dem auch sei: Nun muss der Tiergarten die wertvolle Scheibe für teures Geld (die Kosten stehen noch nicht fest) reparieren lassen. Die Tiergartenleitung will vermeiden, dass sich irgendein zweiter Verrückter durch die Kratzer eingeladen fühlt, auch seine „Handschrift“ auf dem Acrylglas zu hinterlassen. An Absperrungen vor der Scheibe, die einen gewissen Sicherheitsabstand garantieren würden, denkt man – vorläufig jedenfalls – noch nicht. Denn der Besucher soll ja den Eindruck haben, dass die Tiere ganz nah auf ihn zuschwimmen. Da kann man nicht einen Meter entfernt vor der Scheibe stehen. Wenn die Überwachung verstärkt werden sollte, würde das auch zusätzliche Kosten verursachen. Was man schließlich auf keinen Fall möchte, ist, den Besuchern das Gefühl einer ständigen Überwachung zu vermitteln. In solch einer unguten Atmosphäre würde sich bestimmt niemand wohlfühlen – weder Mensch noch Tier.

Das Bayerische Fernsehen und die Lagune

Die neue Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg ist ab Samstag, 30. Juli,  endlich auch für die Zoobesucher zugänglich. „Endlich“ deshalb, weil sich nun jeder selbst ein Bild von der Anlage machen kann, die im Vorfeld deutschlandweit für einen Medienwirbel ohnegleichen gesorgt hat. Die Informationen, die über das Projekt gestreut wurden, waren tendenziös bis einseitig. Tierrechtler und Tierschutzaktivisten haben es geschafft, einen Großteil der Medien für sich zu vereinnahmen.

Eine ganze Reihe von Journalisten, die sich mit dem Thema Delfine bisher kaum beschäftigt haben, interviewten blauäugig Vertreter von PETA oder Pro Wildlife und ließen sich von denen alles Mögliche einreden, was vordergründig dagegen spricht, dass diese Tiere in Zoos gehalten werden können. Wobei offenbar weder die meisten Journalisten noch die Tierrechtler imstande sind,  zwischen „artgerecht“ und „naturgerecht“ zu unterscheiden.  Naturgerechte Haltung gibt es bei keinem Zootier, aber die Bestimmungen der Artenschutzgesetze werden in Zoos erfüllt; so auch in der Nürnberger Lagune.

In vielen Medien scheint es inzwischen Hauptsache zu sein,  sich als kritisch-engagiert zu geben – ob die Inhalte stimmen, ist dabei ganz egal. So macht man heutzutage Quote. Immer schön mit dem Mainstream schwimmen, sonst könnte man ja anecken und ein par Follower oder Freunde in den alles bestimmenden Internet-Foren verlieren.

Den Vogel abgeschossen hat für mich dabei das Bayerische Fernsehen. Am Donnerstag, als die Lagune offiziell eingeweiht wurde, brachte der Sender in der „Rundschau“ um 21 Uhr einen Beitrag über das Ereignis. Der Zuschauer erfuhr darin nicht sehr viel Neues über die Lagune und gar nichts über das Manatihaus, das immerhin ein Viertel der gesamten Investitionssumme des gemeinsamen Bauprojekts Lagune/Manatihaus ausmacht. In den Medien wurde das neue Zuhause für Seekühe allgemein sträflich vernachlässigt – leider, denn ich finde diese Tropenhalle als tiergärtnerische Anlage ehrlich gesagt wesentlich beeindruckender als die Lagune – ein echter Gewinn für den Tiergarten und die Stadt Nürnberg! Deshalb zeige ich einen Teil der Tropenhalle hier gern im Bild.

Aber zurück zum BR. Nachdem schon ein Großteil des aktuellen Beitrags über die Einweihung der Lagune aus Interviews mit Delfinariumsgegnern bestand, durfte hinterher im Studio auch noch eine Vertreterin von Pro Wildlife ihre Halbwahrheiten über die Biologie von Delfinen vom Stapel lassen. Sie behauptete zum Beispiel, die Delfine könnten in Becken wie der Lagune ihr Echolot-System nicht einsetzen. Das ist – mit Verlaub – Schwachsinn hoch drei! Delfine setzen dieses hochsensible Sonarsystem nämlich nur ein, wenn sie ihre Umgebung erkunden müssen. In Becken wie dem bisherigen Delfinarium, die sich über Jahre hinweg nicht verändern, können die Tiere auf das Echolot verzichten, weil sie es nicht brauchen; die Abmessungen des Beckens, Betonwände oder andere Hindernisse haben die Großen Tümmler längst sozusagen in ihrem Gedächtnis eingescannt. Erst wenn die Tiere die Umgebung wechseln (wie vor ein paar Wochen beim Umzug in die Lagune), aktivieren sie die Echolot-Peilung wieder. Sonst würden die schnellen Schwimmer brutal gegen die Beckenwände prallen. Haben sie die Formen, Wassertiefe und Maße der neuen Becken erst einmal neu im Gehirn programmiert, deaktivieren die Delfine das Sonarsystem.

Das ist nur ein Beispiel, wie diese Debatte seit Jahren geführt wird, und ein Grund, warum sie mir gelinde gesagt zum Hals heraushängt. Ich habe deshalb in meinem Blog lange Zeit nicht über Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien geschrieben. In den letzten Wochen blieb mir als Redakteurin der „Nürnberger Zeitung“ aus aktuellem Anlass aber nicht anderes übrig – die Delfinlagune ist halt nun mal ein Topthema für Nürnberg und die Region, das ich als Journalistin nicht ignorieren kann.

Eisbären als Fernsehstars

Der ganz große Hype um Eisbär Knut ist zwar vorüber, und auch das Flocke-Fieber hat sich längst gelegt. Trotzdem geht von den Polarbären für viele Menschen eine besondere Faszination aus. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Fernsehsendungen über Eisbären immer wieder hohe Einschaltquoten erreichen.

Auch in dieser Woche gibt es an zwei Abenden Fernsehbeiträge über Eisbären im Programm, die durchaus sehenswert sein dürften:

Heute, am 14. März, zeigt die ARD um 20.15 Uhr im Ersten in der Reihe „Erlebnis Erde“ die Folge „Eisbären hautnah“. Der berühmte britische Tierfilmer John Downer, für seine außergewöhnlichen Tieraufnahmen bereits zurecht mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, hat drei Jahre lang eine Eisbärenfamilie in Spitzbergen (Norwegen) filmisch begleitet. Um von den Tieren nicht bemerkt zu werden und so nah wie möglich an die Eisbären heranzukommen, hat er alle möglichen Tricks angewandt. So arbeitete er zum Beispiel mit ferngesteuerten Kameras, die als Eisscholle getarnt waren. Damit gelangen ihm spektakuläre Bilder von der Eisbärenmutter und ihren Jungen.

Auch „arte“ widmet sich dem Thema Eisbären. Am Mittwoch, 16. März, strahlt der Sender um 19.30 Uhr den Film „Herrscher des Nordens“ aus. Die Dokumentation geht der Frage nach, ob die Polarbären durch den Klimawandel wirklich so stark bedroht sind, wie Tierschützer und Umweltaktivisten es befürchten. Führt die Eisschmelze im Nordpolarmeer tatsächlich zum Aussterben der Weißen Riesen? Oder schaffen es diese Tiere, durch Anpassung neue Überlebensstrategien zu entwickeln? Wie sinnvoll sind die Pläne, die Eisbären zu retten, indem man sie in die kältere Antarktis umsiedelt?  – Im Sommer 2010 startete eine Expedition unter der Leitung von Falk Mahnke an die Nordküsten Spitzbergens, um das Leben der Eisbären zu ergründen. Die Forscher haben Überraschendes herausgefunden und stellen es in dieser Dokumentation vor.

Der Kampf ums Überleben

Tiersendungen im Fernsehen – da gibt es mittlerweile ein riesiges Angebot. Aber nicht immer bedeutet Masse auch Klasse. Manchmal möchte ich meinen Blog-Lesern aber eine Sendung empfehlen, die besonders interessant zu werden verspricht. Mein Tipp diesmal: „Erlebnis Erde: Das Wunder Leben“ am Montag, 10. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten. Im ersten Teil der BBC-Serie geht es um das Thema „Der Kampf ums Dasein“.

5_T1_Das_Wunder_LebenIn die preisgekrönte Produktion haben Reporter und Kameraleute der BBC über 3000 Drehtage investiert und mehr als 100 Tiere beobachtet. Sie haben Szenen von außergewöhnlichem Verhalten von Tieren mit der Kamera eingefangen, wie sie bisher noch nicht im Fernsehen gezeigt wurden. Und sie stellen dem Zuschauer Überlebensstrategien von Tieren vor, die wirklich spannend sind.

Große Tümmler vor der Küste Floridas etwa haben raffinierte Tricks für den Fischfang entwickelt. Sie tricksen ihre Beute mit Hilfe von Schlamm aus, den sie auf dem Meeresboden aufwirbeln. Ein weiteres Beispiel sind Kapuzineraffen in Nordbrasilien (siehe Foto), die sich äußerst erfindungsreich zeigen, wenn es darum geht, ihren Hunger zu stillen: Sie knacken die Kerne der Steinnusspalme mit Hilfe von „Hammer und Amboss“ – Werkzeuge, deren Einsatz die Affen mit Intelligenz und Geschicklichkeit gelernt haben.

Auch in technischer Hinsicht verspricht die BBC-Serie herausragende Bilder: So wurde mit HD-Superzeitlupe in 2000 Bildern pro Sekunde gedreht, um in allen Sequenzen zu zeigen, wie schnell manche Tiere reagieren. Die Zunge eines Chamäleons ist beispielsweise fünf Mal schneller als ein F 16-Jagdbomber.

Auf diese Serie kann man als Tierfreund nur gespannt sein. Nach der Auftaktsendung am 10. Januar sind weitere fünf Folgen zu sehen, immer montags im Ersten.

Die Flocke-Story im Fernsehen

Ich weiß schon: Derzeit dreht sich alles um die Fußball-Weltmeisterschaft. Das war vor ungefähr zwei Jahren ganz anders: Da war unsere Eisbärin Flocke Superstar und in allen Medien zugegen.

antibesNun ist die berühmte Eisbärin mit ihrem Rasputin schon seit fast zwei Monaten gar nicht mehr in Nürnberg – die beiden sind bekanntlich nach Antibes an die Côte d´Azur umgezogen. Nach ersten Fotos, die drei der Tierpfleger mitgebracht haben, die Flocke nach Südfrankreich begleitet haben, gibt es nun am Montag, 14. Juni, im ZDF einen Film über Flocke: „Flockes große Reise – ein Eisbär zieht um“ heißt er und wird um 15.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Die 45 Minuten lange Dokumentation blickt auch noch einmal zurück. Von Flockes Geburt im Dezember 2007 über die ersten aufregenden Wochen, in denen keiner wusste, ob das kleine weiße Fellknäuel überleben würde, und ihre Teenager-Zeit, als sie mit Rasputin gemeinsam die Besucher im Nürnberger Tiergarten begeistert hat, bis hin zum Abschied von Franken lässt der Film die „Flocke-Story“ noch einmal Revue passieren. Und dann bekommen die Zuschauer die Eingewöhnungsphase der zwei Eisbären im Marineland von Antibes zu sehen.

Ich glaube, der Beitrag kann eine erholsame Abwechslung im wochenlangen WM-Einerlei bieten. Schließlich ist ja nicht jeder Fußball-Fan.

Steffens entdeckt neue Tierwelten

urn:newsml:dpa.com:20090101:100315-10-10851Wieder einmal startet im Fernsehen eine neue Tiersendung: Heute um 15.15 Uhr gibt es im ZDF die erste Folge von „Steffens entdeckt“ mit Dirk Steffens zu sehen. Zehn Folgen davon stehen auf dem Programm.

Witzigerweise verdrängt sich Steffens mit der neuen Sendung sozusagen selbst von diesem Sendeplatz: Er moderiert dort sonst die Doku-Soap „Tierisch Kölsch“ mit Geschichten aus dem Kölner Zoo. Die sind wieder ab 2.April zu sehen, doch nun heißt es erst mal an zehn Nachmittagen „Steffens entdeckt“.

Steffens wollte, anders als in seinen Filmen für „Terra X“, diesmal keine Hochglanz-Doku. Die letzten Paradiese der Erde wurden mit kleinstem Stab gefilmt – und gleichzeitig die Frage gestellt, wie diese Paradiese gerettet werden können.
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Fernsehtipp: Berggorillas – nicht im Nebel

berggorillaAb und zu gebe ich hier ja gerne einen Tipp, wenn im Fernsehen ein vielversprechender Tierfilm gezeigt wird. Ich hoffe, das ist bei folgendem Streifen auch der Fall: Morgen, 14. Februar, strahlt das SWR Fernsehen um 17.15 Uhr in der Reihe „Länder – Menschen – Abenteuer“ einen Beitrag aus über „Berggorillas, Ugandas sanfte Riesen“.

Die Gorillaforscherin Martha Robbins sagt über sich selbst, sie sei eher zufällig an die Promatenforschung geraten. Egal – immerhin hat sie es zu einer der anerkanntesten „Primatologinnen“ auf der Welt gebracht. Sie erforscht im Auftrag des Max-Planck-Instituts Berggorillas in Ostafrika – und zwar in einer der gefährlichsten Krisenregionen der Welt. Auf ugandischer Seite wurde in den ältesten Urwäldern unserer Erde ein Gorilla-Schutzgebiet eingerichtet. Dort leben derzeit um die 320 Berggorillas – das ist rund die Hälfte der überhaupt noch existierenden Exemplare dieser Art.

Martha Robbins hat seit zehn Jahren einen 15-köpfigen Gorillaverband beobachtet und alle Verhaltensmuster dokumentiert. Da spielen sich anscheinend Dramen ab wie in einer Doku-Soap, Freundschaften und Feindschaften entstehen in guten wie in schlechten Zeiten, es geht um Liebe und Hass, Leidenschaft, Leben und Tod.

In dem Gebiet leben aber auch Menschen: Waldbewohner wie zum Beispiel die Batwa. Martha Robbins versucht, sie in die Naturschutzprojekte mit einzubeziehen. All das soll in dem Film zu sehen sein. Ein Team von „Länder – Menschen – Abenteuer“ hat die berühmte Wissenschaftlerin bei ihrer Arbeit begleitet. Sind wir mal gespannt, wie das Ergebnis ist!

Tierische Olympia-Maskottchen

Den Vorschlag von „mandy wagenknecht“, die in ihrem Kommentar auf meinen letzten Beitrag über Wölfe die Idee hatte, auch mal was über Werwölfe zu schreiben (gerade jetzt, da dieses Thema groß im Kino rauskommt), finde ich an sich gut. Aber der Aktualität wegen muss ich mich heute unbedingt um ein anderes Thema kümmern, das ich schon seit Tagen vor mir herschiebe: die Olympischen Spiele, die morgen in Vancouver beginnen.

Was soll denn Sport mit Tieren zu tun haben, mag sich nun vielleicht mancher fragen. Doch er vergisst, dass auf der Welt alles irgendwie zusammenhängt. Also: Auch bei diesen Spielen kommen wieder einmal tierische Maskottchen zum Einsatz. Das macht die sportlichen Ereignisse, die ich zu einem guten Teil auch am Fernseher verfolgen werde, für mich noch viel interessanter. Wenn ich schon vor einem Wettkampf den netten Glücksbringern begegne, steigt bei mir die Laune gleich ein Stück weiter nach oben. Und auch als Souvenirs werden sie eine Menge Geld in die Kassen spülen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100203-99-02064Diesmal heißen sie Sumi, Miga und Quatchi. Drei Figuren, denen die Kanadier jetzt dauernd über den Weg laufen und umgekehrt. Es handelt sich um Wesen, die für die Ureinwohner Kanadas eine bedeutende Rolle spielen. Sumi, das ist der Schutzengel für Tiere – womit ich wieder bei meinem oben erwähnten Beitrag „Schutzengel für die Wölfe“ wäre. Sumi besitzt Flügel, nämlich die des Donnervogels. Wenn er nicht fliegt, sondern geht, dann tut er das auf den starken Fellbeinen des Schwarzbären. Miga ist ein sportliches Seebär-Mädchen, das gerne surft und snowboardet. Miga ist halb Orca, halb Bär. Das rührt daher, dass sich in den Mythen der kanadischen Urbevölkerung Orca-Wale an Land in Bären verwandeln. Das Ungetüm Quatchi mit den Riesenfüßen und dem dicken Fell soll es tatsächlich gegeben haben. Quatchi ist allerdings ein sanfter, fast schüchtern zu nennender Riese, und er hat eine Schwäche für Eishockey. Toll: Da kommt wirklich (fast) alles zusammen, was Kanada ausmacht!

Dann gibt es da noch einen Vierten im Bunde, der allerdings kein offizielles Olympia-Maskottchen ist: Mukmuk, das Murmeltier. Mukmuk heißt in der Sprache der Ureinwohner so viel wie Essen, und das deutet auch schon auf MukMuks Lieblingsbeschäftigung hin: Er widmet einen großen Teil seiner Zeit der Nahrungsaufnahme.

Im Vergleich zu diesen Gestalten nehmen sich die Maskottchen früherer Olympischer Winterspiele direkt langweilig aus. Ich erinnere mich trotzdem gern an den Waschbären von Lake Placid (1980), der auf den schönen Namen Roni the Raccoon hörte. Oder an den kleinen Wolf Vucko von Sarajevo (1984), der immer so süß „Sarajevooooooooo“ heulte und dafür sorgte, dass das vorher schlechte Image der als ekelhafte Räuber verschrienen Wölfe sich schlagartig verbesserte. Und dann fallen mir noch die zwei Eisbären von Calgary (1988) ein, Hidy und Howdy. Ob die beiden auch ein wenig zum allgemeinen Eisbären-Hype beigetragen haben, der in den letzten Jahren überall auf der Welt ausgebrochen ist?