Rätsel um ein Riesenauge

In Florida, ein Stück nördlich von Fort Lauderdale, lag in diesen Tagen ein ziemlich unheimliches  „Fundstück“ am Strand: Ein riesiges blaues Auge, etwa in der Größe eines Softballs, war angespült und von einem Spaziergänger entdeckt worden. Zunächst konnte man sich keinen Reim darauf machen.

Inzwischen wurde der Augapfel in einem Forschungslabor der staatlichen Behörde zum Schutz des Fischbestands untersucht, der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission (dabei entstand auch dieses Foto). Die Wissenschaftler konnten das Rätsel um seine Herkunft lösen: Es handelt sich um den Augapfel eines Schwertfischs. Endültig wollen sie sich zwar noch nicht auf dieses Ergebnis festlegen, aber die bisherigen Untersuchungen des Körperteils deuten auf diesen Raubfisch hin. Nun werden noch DNA-Tests durchgeführt, um das Auge hundertprozentig zuordnen zu können.

Die Forscher gehen davon aus, dass ein Angler den Augapfel aus dem Kopf eines Schwertfischs herausgeschnitten und dann ins Meer geworfen hat. Schwertfische sind riesige Raubfische, die eine Größe von über vier Metern erreichen können. Von so einem Riesen-Exemplar muss dann wohl auch das am Pompano Beach aufgetauchte Auge stammen, das für viel Medienrummel gesorgt hat.

 

Sushi am Stiel

Ab und zu lohnt es sich ja,  hier im Blog einen Film zu empfehlen. Das möchte ich nach längerer Zeit heute mal wieder tun, auch wenn es sich nicht um einen Tierfilm im herkömmlichen Sinn handelt.

Aus der Tradition der japanischen Küche heraus hat Sushi die Welt erobert. Der Siegeszug der ebenso schmackhaften wie gesunden Häppchen mit rohem Fisch und Reis ist nicht mehr zu stoppen. Doch was steckt hinter dem globalen Sushi-Boom? Dieser Frage geht Mark S. Hall in seinem Dokumentarfilm „Sushi – the Global Catch“ nach, der am 7. Juni in den deutschen Kinos startet (nebenstehendes Foto: Neue Visionen Filmverleih).

Japanische Köche zelebrierten die Zubereitung von Sushi und Sashimi einst als Kunst. Sie schufen Kreationen, bei denen Fisch und Reis eine Einheit bildeten. Die Ausbildung zum Sushi-Chef dauerte Jahre, und der Fisch, den sie verwendeten, zeichnete sich durch höchste Qualität aus. So läuft das heute nur noch in Restaurants der Spitzenklasse. Mittlerweile hat sich weltweit ein Industriezweig entwickelt, der Sushi zu Massenware gemacht hat: Sushi zum Mitnehmen, Sushi am Stiel, Sushi als Fastfood oder in Klarsichtfolie abgepackt im Supermarkt.

Spätestens seit in Ländern wie Indien und China die Nachfrage nach Sushi unaufhaltsam steigt, gibt es ein globales Problem, dessen Folgen noch gar nicht richtig absehbar sind: Der Bestand der großen Thunfischarten ist seit den 1950er Jahren um 90 Prozent geschrumpft. Vor allem die verschiedenen Arten des Blauflossenthunfischs sind vom Aussterben bedroht. Auf dem berühmten Tsukiji-Fischmarkt in Tokio wurde ein einziger Fisch bereits zum Preis von 700 000 US-Dollar versteigert. Wissenschaftler sagen voraus, dass die Weltmeere in 35 Jahren leergefischt sein werden und ihr ökologisches Gleichgewicht zerstört sein wird.

Kann der einzelne Verbraucher etwas dagegen tun, wenn ganze Regierungen dieser katastrophalen Entwicklung offenbar machtlos zusehen? Mark S. Hall holt in seinem Dokumentarfilm (Originalfassung mit Untertiteln) Restaurantbesitzer vor die Kamera, Meeresbiologen, Forscher, Vertreter von Umweltschutzorganisationen und Fischer. Er lässt einen Restaurant-Chef zu Wort kommen, der in San Francisco Sushi mit alternativen Fischarten anbietet und damit einen Riesenerfolg bei den Gästen gelandet hat. Er stellt Listen verschiedener Verbände vor, die den Konsumenten informieren, welche Fische er bedenkenlos essen kann und auf welche er lieber verzichten sollte.

Thunfischfarmen an der australischen Küste könnten eine Alternative zum Thunfisch-Wildfang bilden: Junge Thunfische werden aus dem Meer gefangen und gemästet. Der aus Deutschland stammende, in Australien lebende, Hagen Stehr betreibt ein Institut, in dem er Blauflossenthunfische zum Laichen bringt. Er versucht nun, die Fische an Futter aus Getreide und Pflanzenöl zu gewöhnen, um die Population der Beutefische nicht zu gefährden. Auch solche Hoffnungsschimmer beleuchtet der Film. Er besticht insgesamt durch seine nüchterne Bestandsaufnahme, die umso deutlicher vor Augen führt, dass etwas geschehen muss, wenn wir das Leben in den Ozeanen der Welt retten wollen.

Fukushima und die Folgen

Was viele längst befürchtet haben, ist nun von Wissenschaftlern nachgewiesen worden: Radioaktiviät aus dem japanischen Unglücksreaktor Fukushima ist von Tieren bis an die Kalifornische Küste transportiert worden. Um das zu beweisen, haben die Forscher Blauflossenthunfische vor San Diego untersucht. Diese Wanderfische überwinden die fast 10 000 Kilometer weite Strecke von Japan nach Kalifornien.

Die Wissenschaftler sind bei ihren Messungen erschrocken, als sie erhöhte Werte von radioaktiven Stoffen in den Thunfischen fanden, und zwar sowohl von Cäsium 134 als auch von Cäsium 137. Blauflossenthunfische werden bis zu drei Meter lang und können um die 450 Kilo auf die Waage bringen. So große Fische sind eigentlich in der Lage, radioaktive Substanzen abzubauen. Dass die Belastung trotzdem nachweisbar war, beunruhigt die Forscher nun. Sie beabsichtigen deshalb, weitere Untersuchtungsreihen mit Thunfischen durchzuführen.

Die Wissenschaftler geben allerdings Entwarnung für den Menschen: Die Belastungswerte der untersuchten Fische liegen unter den Grenzwerten, die von der US-Regierung und der japanischen Regierung festgelegt wurden. – Ob das wirklich eine Beruhigung sein kann? Da habe ich persönlich meine Zweifel.

Glück und Pech im Jahr 2011

Weihnachtsgans gut verdaut, unpassende Geschenke umgetauscht? Gut, dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen. Das heißt, so ganz alltäglich ist diese Zeit zwischen den Jahren ja nicht. Man macht sich Gedanken über Vergangenes und Zukünftiges, zieht Bilanz, blickt nach vorne. Das habe ich in den Vorjahren in meinem Blog ebenfalls getan und möchte auch zu diesem Jahreswechsel nicht darauf verzichten.

Für einige Tierarten ist das zu Ende gehende Jahr alles andere als ein gutes gewesen. Ganz besonders schlecht verlief es zum Beispiel für Grauwale: Die werden sowieso schon immer weniger, und die letzten 130 Exemplare vor der russischen Insel Sachalin sind auch noch durch Ölförderprojekte bedroht.  Wie schlimm es um Nashörner steht, habe ich erst im November geschrieben. Übel ist auch der Irawadi-Delfin in Südostasien dran: 85 Tiere gibt es nach Angaben des WWF noch im Mekong. Die Jungtier-Sterblichkeit ist ungewöhnlich hoch, und die Fischerei tut ein Übriges, um die lächerliche Bestandszahl weiter zu dezimieren.

Aber wir brauchen gar nicht so weit weg zu gehen: Auch in unseren Breiten sind Tiere beinahe ausgerottet, weil der Mensch nur an sich denkt. In der Donau waren zum Beispiel einmal sechs verschiedene Störarten vertreten – jetzt ist es nur noch eine. Das kommt mir irgendwie vor wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“. Schuld an der Entwicklung ist vor allem der illegale Handel mit Kaviar. Mittlerweile gibt es in der EU nur noch in Rumänien und Bulgarien wildlebende Störe.

Damit das Jahr in meinem Blog nicht nur mit solch traurigen Tier-Meldungen zu Ende geht, hier auch noch die eine oder andere positive Nachricht:

Es geht aufwärts mit den Berggorillas, die schon einmal kurz vorm Aussterben standen. Der WWF kommt bei seiner neuesten Zählung auf  insgesamt 780 Exemplare in teils grenzüberschreitenden afrikanischen Nationalparks in Uganda, in Ruanda und im Kongo. Aufatmen dürfen wir auch beim Europäischen Luchs: Man geht davon aus, dass im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald heute wieder etwa 25 Exemplare leben.

Beenden möchte ich die erfreulichen Entwicklungen mit den Przewalski-Wildpferden, die vor 15 Jahren als ausgestorben galten. Seit sie in der Monoglei ausgewildert werden, gibt es nun in freier Natur wieder rund 300 dieser Urwildpferde. Der Tiergarten Nürnberg hat mit seiner erfolgreichen Zucht einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Im Tiergarten kann man nach wie vor eine Przewalski-Herde beobachten, ebenso wie im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst. Obwohl – ich kenne Leute, die dort schon öfter waren und die Tiere noch nie zu Gesicht bekommen haben. Denen kann ich versichern: Die Urwildpferde sind dort, man muss aber schon ein wenig Glück und Geduld haben, sie zwischen Bäumen und Sträuchern in der weitläufigen Anlage zu entdecken.

 

Neun Augen, oder doch nur zwei?

Da haben wir´s – ein Tier, das gar kein Fisch ist, wurde zum Fisch des Jahres 2012 gekürt: das Neunauge. Rein biologisch gesehen, zählt es nämlich nicht zu den Fischen, sondern zu den Kieferlosen: Es hat keine Schuppen und auch kein richtiges Maul mit zwei Kiefern, sondern muss mit einem runden Saugmund auskommen; immerhin besitzt es unten ein paar Zähne.

Doch gönnen wir dem Neunauge die Wahl, denn das Viech hat´s schwer genug auf dieser Welt: Es leidet unter schmutzigem Wasser ebenso wie darunter, dass immer mehr Gewässer bebaut werden. Trotzdem haben die aalförmigen Tiere in Deutschland während der letzten Jahre zahlenmäßig ein wenig zulegen können. Aber es könnte besser bestellt sein um ihren Bestand.

Jedenfalls lohnt es sich, weiterhin ein Auge auf das Neunauge zu haben. Schließlich existiert dieses Tier schon seit ungefähr 500 Millionen Jahren und gehört damit zu den ältesten Wirbeltierarten. Das soll ihm erst mal einer nachmachen! Vielleicht hat das Neunauge nur deshalb so lang durchgehalten, weil es von Zeit zu Zeit zum Parasiten wird: Es saugt sich einfach an Fischen fest und bohrt sich, um an deren Blut und Gewebe heranzukommen, manchmal tief in den Körper ihrer „Opfer“ hinein. Gruselig irgendwie, aber so ist halt die Natur.

Wer sich jetzt noch fragt, warum das Neunauge „Neunauge“ heißt, dem kann ich dank dpa die Antwort sagen: Wenn man nicht so genau hinschaut, sieht es aus, als habe das Neunauge neun Augen. Die Nasenlöcher und Kiemen an der Seite sehen auch fast wie Augen aus. Aber selbst das Neunauge hat nur zwei Augen. Seinen Namen darf es von mir aus trotzdem behalten.

Schlägt die Natur zurück?

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein altes Sprichwort, das sich immer wieder bewahrheitet. So zum Beispiel jetzt gerade in Frankreich, in der Rhone südlich von Lyon. In dem Fluss ist ein eigenartiges Phänomen zu beobachten: Riesige Fische rotten sich im Wasser zusammen. Es handelt sich um Welse, die fast drei Meter groß und 100 Kilo schwer werden können. Die Viecher bilden große Gruppen und ballen sich zu kugelförmigen Schwärmen – allerdings schwimmen sie dabei nicht in dieselbe Richtung, wie es eigentlich normal wäre.

Forscher der Universität von Toulouse versuchen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Denn das Spektakel ist nicht nur unheimlich – es hat auch schlimme Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht der Rhone. Die Welse hinterlassen nämlich massenweise Kot und geben damit so viele Nährstoffe an das Wasser ab, dass der Fluss rund um Lyon umzukippen droht.

Die Europäischen Welse, die den ganzen Schlamassel verursachen,  haben indes nicht immer in der Rhone gelebt. Ursprünglich waren sie in Osteuropa heimisch. Doch den Menschen, die sich leider oft für allmächtig halten, gefiel es, Silurus glanis ein ganzes Stück weiter westlich in Europa anzusiedeln. Das war vor ungefähr 150 Jahren. Nun schlägt die Natur zurück. Niemand hat bisher eine Erklärung dafür, warum sich die Welse so verhalten. Die Wissenschaftler in Toulouse schließen auch aus, dass ein ausgefallenes Paarungsritual dahinter stecken könnte. Denn bei ihren regelmäßigen Tauchgängen haben sie seit zwei Jahren nie ein Balzverhalten unter den Fischen beobachtet. Die Welse schließen sich auch nicht zusammen, um gemeinsam auf Beutefang zu gehen.

Die Forscher sprechen schon vom höchsten, jemals in einem Süßwasser existenten, „biogeochemischen Hotspot“ (einem Wasserbereich, in dem Tiere mehr Nährstoffe produzieren, als Pflanzen abbauen können). – Tja, vielleicht hätten die Menschen vor 150 Jahren lieber nicht Gott spielen sollen. Das mag der nämlich überhaupt nicht.

 

Hamsterkäufe von Koi-Karpfen

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Auswirkungen, auf die man zunächst nicht einmal im Traum käme: Sie hat mittlerweile zu Hamsterkäufen von japanischen Koi-Karpfen bei uns in Deutschland geführt.

Gartenteichbesitzer, die Koi-Karpfen halten, sorgen sich nämlich, dass die besonders schönen, kräftig gefärbten Fische aus Japan künftig verstrahlt sein könnten. Viele dieser Tiere stammen aus speziellen Farmen in der Nähe von Niigata. Das liegt ungefähr 200 Kilometer entfernt von Fukushima. Aber derzeit kann niemand einschätzen, wie schnell sich verstrahltes Wasser über diese Distanz verbreitet und die gr0ßen Koi-Züchter in Japan erreicht.

Aus Angst, dass die Koi aus Japan im nächsten Jahr verstrahlt sind, haben auch verschiedene deutsche Koi-Händler, die ihre Karpfenbestellung für dieses Jahr eigentlich schon abgeschlossen hatten, noch einmal nachbestellt. Die Kunden wiederum ordern jetzt auch schon Koi-Futter auf Vorrat, weil sie verunsichert sind und nicht wissen, wie sich die Verstrahlung in Zukunft entwickelt.

Übrigens: Von amtlicher Seite gibt es in Deutschland bisher noch keinen Grund zur Beunruhigung. An den Flughäfen in Frankfurt und München, wo Maschinen mit Koi-Lieferungen aus Japan landen, haben die Veterinärämter noch keine verstrahlten Karpfen festgestellt.

 

Tiere des Jahres 2011

Wir starten voll durch ins neue Jahr 2011, und da dürfen natürlich auch die Tiere des Jahres 2011 nicht fehlen. Sie wurden von Naturschützern hauptsächlich ausgewählt, weil sie als gefährdete Tierarten gelten und weil die öffentliche Aufmerksamkeit auf sie gerichtet werden soll.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101008-99-00195Vogel des Jahres 2011 ist der Gartenrotschwanz, über den ich hier schon gleich berichtet hatte, als er gerade frisch gekürt worden war. Sein Bestand in Deutschland ist in den letzten 30 Jahren von 450 000 Brutpaaren auf 150 000 zusammengeschmolzen. Den männlichen Gartenrotschwanz erkennt man an seinem ziegelfarbenen Schwanz, der orangen Brust und der schwarzen Kehle. Dass die Zahl der Gartenrotschwänze zurückgeht, hat folgende Gründe: Sie finden immer weniger geeignete Nistplätze in Gärten und Baumhöhlen.  Vor allem in Gärten sind sie trotz ihres Namens immer seltener zu finden. Es gibt zu wenig Hecken, zu wenig Streuobstwiesen, zu viele fremdländische Gehölze und sterile Rasenflächen. Das bevorzugte Futter des Gartenrotschwanzes, nämlich Schmetterlinge, Raupen, verschiedenartigste kleine Insekten und Spinnen, ist auch immer schwerer zu finden. Denn durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden diese Beutetiere stark dezimiert.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101226-99-01794Fisch des Jahres 2011 ist die Äsche. Das größte Problem dieses Fisches ist die Verschmutzung der Gewässer, auf die er äußerst empfindlich reagiert; Gewässerverschmutzung lässt den Äschenbestand ständig schrumpfen. Denn diese Fischart braucht klares, kühles Wasser. Äschen haben einen kleinen Kopf und ein spitzes Maul, ihr Rücken schimmert graugrün oder bläulich-grau. An den Seiten und am Bauch sind die Äschen silberweiß bis messingfarben. Die Äsche war bereits Fisch des Jahres 1997 und ist durch die Berner Konvention in Europa geschützt.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101226-99-01796Schmetterling des Jahres 2011 ist der Große Schillerfalter, einer der schönsten Tagfalter in Europa. In Deutschland ist er allerdings selten geworden. Seine Flügelspannweite kann bis zu 65 Millimeter betragen. Die Flügel der Männchen schimmern blau (zu sehen auf dem oberen Foto), die Weibchen sind zurückhaltender dunkelbraun gefärbt (zu sehen auf dem unteren Foto). Im Gegensatz zu anderen Schmetterlingen findet man den Schillerfalter fast nie auf Blüten, denn er ernährt sich nicht von Blütennektar. Schillerfalter fliegen oft auf dem Boden, wo sie Aas oder Tierkot fressen. Die Falter ruhen sich gern auf Eichen aus.