Um den Fischotter tobt ein Streit

In Niederbayern ist ein Streit entbrannt, der schwer zu lösen sein dürfte. Es geht um den Fischotter. Die Teichwirte im Bayerischen Wald beklagen in diesem Jahr eine wahre Fischotter-Plage. Weil ihnen die Otter die Fische aus ihren Teichen wegfressen würden, fühlen sich manche in ihrer Existenz bedroht.

Nun steht der Fischotter in Bayern auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Eine Zeitlang befürchtete man sogar sein Aussterben. Mittlerweile hat sich der Bestand in manchen Regionen allerdings recht gut erholt. Für manche zu gut. Die Teichwirte jedenfalls und zuständige Fischereifachberater sind der Ansicht, dass die Otter überhandnehmen. Angeblich fangen sie nicht nur die Fischmengen, die sie wirklich benötigen, sondern würden alle Fische umbringen, die ihnen über den Weg schwimmen. Neben einigen Teichen sollen die Otter ihre Beute sogar regelrecht zu Haufen aufgetürmt haben. Inzwischen hat bereits eine Reihe von Teichwirten aufgegeben und den Betrieb eingestellt.

Genaue Zahlen zu den Otterbeständen liegen laut bayerischem Forstministerium zurzeit nicht vor. Man verspricht einen Bestandsbericht für den Bayerischen Wald, der in einigen Wochen erscheinen soll. Geschädigte Teichwirte fordern inzwischen sogar Schadensersatz von der Staatsregierung. Und: Einge Fischereivereine verlangen, das für den Fischotter geltende Jagdverbot wieder aufzuheben.

Dagegen läuft wiederum der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Sturm. Dort hält man die Klagen über die Otter für überzogen. Der NABU ist der Auffassung, Teichwirte und auch einige Politiker machten den Fischotter zum Sündenbock, um von Problemen beim Fließwässerschutz abzulenken. Manche der Schwierigkeiten seien eindeutig vom Menschen verschuldet, nicht vom Otter. Die Naturschützer kritisieren zum Beispiel, in vielen Teichen würden natürliche Versteckmöglichkeiten fehlen und viel zu viele Fische gehalten. Die Otter würden auf die Massentierhaltung dann eben auf ihre Weise reagieren.

Ich glaube kaum, dass das Thema schnell vom Tisch sein wird. Der Streit dürfte noch weiter eskalieren und sich noch eine ganze Zeit lang hinziehen. Hoffentlich suchen die Teichwirte nicht ihr Heil in der Selbstjustiz und schießen einfach Otter ab, wenn es ihnen zu viel wird!

Lutra lutra zurück im Münsterland

Kürzlich hat Thomas Schneider in seinem Kommentar hier im Blog geschrieben, wie er sich freut, endlich einmal eine positive Meldung über den Bestand bedrohter Tiere zu lesen. Ich bin auch immer froh, solche Nachrichten zu finden. Hier ist wieder eine – diesmal nicht aus dem fernen Indien, sondern aus Deutschland.

Genauer gesagt: aus Nordrhein-Westfalen. Dort war der Fischotter vor gut 50 Jahren ausgestorben. Doch jetzt kehrt Lutra lutra – so der wissenschaftliche Name – zurück. Die ersten Otter wurden an Bächen im westlichen Münsterland entdeckt. Ihre momentane Zahl im Münsterland schätzt man auf zehn. Da es sehr schwierig ist, die nachtaktiven Tiere zu beobachten, wurden Fotofallen an Bachufern aufgestellt, die Bilder von den Fischottern geliefert haben.

Man wollte natürlich auch wissen, woher die Fischotter gekommen sind. Dazu hat man die Kotspuren der Tiere verfolgt und aufgesammelt. Das Ergebnis hat selbst Experten staunen lassen: Die Tiere stammen offenbar aus Niedersachsen. Und das heißt, dass sie 150 bis 200 Kilometer zurückgelegt haben, um ins Münsterland zu gelangen. Allerdings verraten die Tierexperten nicht, wo genau sich die Fischotter niedergelassen haben. Sie befürchten einen Massenansturm von Begeisterten, die die Tiere unbedingt mit eigenen Augen sehen wollen. Weil Fischotter aber sehr empfindlich auf solche Störungen reagieren, würden sie womöglich gleich wieder vertrieben.

 

Meeressäugetiere in Gefahr

Die Ölpest im Golf von Mexiko erreicht neue Dimensionen: Während an der Wasseroberfläche vergleichsweise wenig von dem unaufhörlich sprudelnden Erdöl treibt, gibt es in den Tiefen des Ozeans erschreckende Mengen davon. Riesige Ölschwaden wurden dort entdeckt, in bisher nicht gekanntem Ausmaß: Bis zu 16 Kilometer lang, sechs Kilometer breit und 100 Meter hoch.

Gulf Oil SpillDiese Schwaden haben verheerende Auswirkungen für die im Meer lebenden Tiere: Der Sauerstoffgehalt in ihrer Nähe liegt ungefähr ein Drittel unter dem Normalwert. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass Chemikalien verwendet wurden, die das Öl unter Wasser zersetzen. So gelangt es zwar nicht – oder nur in geringen Mengen – an die Oberfläche, richtet aber weiter unten schlimme Schäden an.

Für die Seevögel, die normalerweise unter einer Ölpest am meisten zu leiden haben, ist das zumindest im Augenblick günstig. Doch die im Meer lebenden Tiere sind nun extrem gefährdet. Auch Säugetiere wie Delfine, Seekühe, Wale, Robben oder Otter – Tiere, die wir Menschen besonders lieben – schweben nun in Lebensgefahr. Kommen sie mit dem Öl in Kontakt, können sie ersticken, außerdem drohen ihnen Vergiftung, Unterkühlung und Hungertod.
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Süße, aber scheue Otter-Babys

Zuerst muss ich mich bei den regelmäßigen Lesern meines Blogs entschuldigen. Sie werden bemerkt haben, dass ich schon eine Woche lang keinen neuen Beitrag mehr geschrieben habe. Tut mir leid – ich war krank und konnte nicht auf die Suche nach Neuigkeiten aus der Welt der Tiere gehen.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich heute wieder in die NZ-Lokalredaktion kam und gleich ein wunderbares Tierfoto auf meinem Schreibtisch fand. Es zeigt Dascha, die Fischotter-Dame im Nürnberger Tiergarten, mit ihren beiden Babys. Dieses Bild möchte ich meinen Lesern natürlich auf keinen Fall vorenthalten.

OtterbabysGelungen ist dieser tolle Schnappschuss David und Micha Sheldon. Das war sicher gar nicht so einfach, denn die beiden Otter-Kinder sind äußerst scheu. Obwohl sie schon im Juli geboren wurden, dürften sie bisher nur wenige Tiergartenbesucher zu Gesicht bekommen haben. Denn meistens verstecken sich die Kleinen im dichten Gebüsch ihres Geheges. Doch nun scheinen sie etwas mutiger geworden zu sein. Oder sie trauen sich deshalb eher aus ihren Verstecken heraus, weil in dieser Zeit des Jahres weniger Trubel im Tiergarten herrscht. Diese Chance sollte man sich als Tierfreund nicht entgehen lassen!

Der Fischotter-Nachwuchs ist aus Sicht des Tiergartens auch deshalb besonders erfreulich, weil die stolzen Otter-Eltern noch gar nicht lange in dem Zoo am Schmausenbuck leben. Otter-Mama Dascha ist dort erst im Mai eingezogen, ihr Partner Tim im Februar. Sie kamen beide über eine Otter-Auffangstation in Tschechien nach Nürnberg. In dieser Station waren sie aber noch nicht in direkten Kontakt miteinander gekommen. – Im Tiergarten scheint es ja schnell bei ihnen gefunkt zu haben!

Gibt´s bald keine Feldhamster mehr?

Sie ist wirklich alarmierend: die neue Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Von 478 heimischen Wirbeltier-Arten, deren Vorkommen bei uns untersucht wurde, sind 207 Arten – immerhin 42 Prozent!! –  gefährdet und 132 Arten (38 Prozent)  „akut in ihrem Bestand bedroht“.  Zu den analysierten Wirbeltieren gehören Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche und Süßwasserfische.

FeldhamsterMan muss sich das mal vorstellen: Der Feldhamster ist laut dieser Liste bei uns vom Aussterben bedroht! Das heißt, er ist aus der Kategorie „stark gefährdet“ noch einmal weiter nach oben gerückt, sozusagen in Alarmstufe eins. Früher kamen diese Tiere fast so häufig vor wie Mäuse. Heute gibt es für die niedlichen Nagetiere so gut wie keinen geeigneten Lebensraum mehr bei uns: An den Äckern sind die – früher üblichen – breiten Randstreifen verschwunden.

Kiebitzen oder Seggenrohrsängern ergeht es auch nicht viel besser: Ihr bevorzugter Lebensraum, die sogenannten Feuchtwiesen, verschwinden in Deutschland nach und nach. Schuld daran ist die im Vergleich zu früher intensivere Landwirtschaft, aber auch der Bau von Siedlungen und Straßen trägt seinen unrühmlichen Teil zum Verlust tierischer Lebensräume bei.

Die Rote Liste gefährdeter Wirbeltiere in Deutschland wird alle zehn Jahre aktualisiert. Seit dem letzten Mal hat sich zumindest für einige Arten etwas zum Positiven gewendet: Durch die unterschiedlichsten Schutzprogramme hat sich zum Beispiel der Bestand von Seehunden, Fischottern, Bibern, Fledermäusen, Uhus, Weißstörchen und sogar von Seeadlern leicht erholt. Immerhin ein gewisser Trost!

Man muss also nicht machtlos zusehen, wie eine Art nach der anderen ausstirbt. Mit Natur- und Artenschutz lässt sich durchaus etwas erreichen. Doch die entsprechenden Organisationen wie Bund Naturschutz, Naturschutzbund Deutschland oder Landesbund für Vogelschutz müssten dafür auch politisch mehr Unterstützung bekommen als bisher.

Ja wo stecken sie denn, die Otter?

Seit Jahren ärgern sich viele Besucher des Nürnberger Tiergartens, dass sie die Fischotter nie zu Gesicht bekommen. Die possierlichen Tiere, die in einer weitläufigen, naturnah gestalteten Anlage im sogenannten Aquapark des Zoos – in der Nachbarschaft von Eisbären, Seelöwen und Pinguinen – leben, verschlafen die meiste Zeit des Tages oder verstecken sich im dichten Gebüsch. Nur zur Fütterungszeit am Nachmittag werden sie aktiv und lassen sich blicken.

Ein neuer Revierleiter versucht nun, diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern. Er möchte das Füttern auf zweimal täglich – mit jeweils kleineren Portionen – verteilen. Außerdem trainiert er die Otter mit einem „Target“. Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Ziel“. Im diesem Fall ist es ein Ast, der an einem Ende dick mit einem gelben Band umwickelt ist. Die Otter sollen aus dem Wasser hochspringen und mit der Nase das Target berühren. Dann gibt es zur Belohnung einen Leckerbissen.

Dieses Training soll in die Fütterung eingebunden werden, die außerdem kommentiert werden soll – so wie bisher schon bei den Delfinen, Seelöwen oder Pinguinen. Die Zoobesucher erfahren dann etwas darüber, wie die Fischotter im Zoo und in freier Natur leben, wie sie sich ernähren, fortpflanzen usw. Wenn diese Pläne umgesetzt werden, wird das mit Sicherheit eine Bereicherung fürs Publikum. Hoffentlich gelingt die Realisierung!

Wer mehr über die Fischotter im Nürnberger Tiergarten erfahren möchte, kann diesen Artikel, den ich für die „Nürnberger Zeitung“ geschrieben habe, lesen (Erscheinungstag: Samstag, 8. August).