So mächtig können kleine Tiere sein

urn:newsml:dpa.com:20090101:101004-99-00790Täglich demonstrieren Zehntausende von Menschen gegen Stuttgart 21. Ob ihr Protest den Bau des umstrittenen unterirdischen Bahnhofs verhindern kann? Man wird sehen. Vielleicht macht aber ein kleines Tier dem Projekt noch einen Strich durch die Rechnung: der Juchtenkäfer, gerade mal so groß wie ein Mistkäfer.

Wie das? Dieser vom Aussterben bedrohte Käfer kommt ausgerechnet auf dem Gelände von Stuttgart 21 vor. Und zwar auf  Bäumen, die zum Teil allerdings schon gefällt wurden. Deshalb hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bereits Anzeige gegen die Deutsche Bahn erstattet. Der Juchtenkäfer, der auch unter dem Namen Eremit bekannt ist, lebt zurückgezogen in Baumhöhlen – besonders in sehr alten Eichen, wie sie auf dem Stuttgart-21-Gelände stehen. Oft verbringt dieses seltene Tier sein ganzes Leben in den Höhlen. Nicht einmal zur Nahrungsaufnahme muss es sie verlassen, denn es ernährt sich von Mulm, also vom zersetzten toten Holz alter Laubbäume. Der Name Juchtenkäfer lässt sich folgendermaßen erklären: An heißen Tagen kriechen die männlichen Käfer manchmal an den Eingang der Baumhöhlen und verströmen einen intensiven Geruch nach mit Öl behandeltem Juchtenleder.

Der Juchtenkäfer ist übrigens nicht das erste Tier, das ein riesiges Bauvorhaben zumindest gefährden könnte. Die Deutsche Presseagentur hat aus ihrem Archiv einige interessante Beispiele ausgegraben, wie kleine Tiere große Projekte (fast) schon gestoppt haben. Ein tolles Thema, das ich hier gerne an meine Leser weitergeben möchte.

Die Agentur erinnert etwa an die Kleine Hufeisennase: Diese bedrohte Fledermausart hat es immerhin geschafft, den Bau der Dresdener Waldschlösschenbrücke eine Zeitlang lahmzulegen. Die Belange dieser Tierart seien nicht ausreichend berücksichtigt, urteilte damals das Verwaltungsgericht Dresden. Das war im Jahr 2007. Auch wenn der Bau nicht verhindert wurde, ordnete das Gericht zumindest an, dass Auflagen zum Schutz der Tiere beachtet werden mussten.

Noch bei einer anderen Fledermausart, nämlich der großen Mopsfledermaus, wurde die Nachrichtenagentur fündig. Diese Tiere haben den Ausbau der Start- und Landebahn am Hunsrück-Flughafen Hahn in Rheinland Pfalz um eineinhalb Jahre bis 2007 verzögert.

Auch dem Frankfurter Flughafen kam beim Bau einer 150 Millionen teuren Halle schon einmal ein kleines Tier in die Quere: der Hirschkäfer. Erst als der Betreiber des Flughafens dafür gesorgt hatte, dass die Käferbrut umgesiedelt wurde, erhielt er die Erlaubnis, Wald für die Halle zu roden.

Den Bau der Ostseeautobahn A 20 konnte der Wachtelkönig (ein mittelgroßer geschützter Vogel) zwar nicht stoppen. Aber immerhin gelang es ihm, in Hamburg im Stadtteil Neugraben 1997 ein großes Wohnungsbauprojekt zu verhindern. Und wegen Kammmolchen musste im Jahr 2005 die Streckenführung der Autobahn A 49 zwischen Kassel und der A 5 bei Gemünden geändert werden.

Massensterben bei Fledermäusen

urn:newsml:dpa.com:20090101:100805-10-10589Nein, aus den Vereinigten Staaten kommen, was die Tierwelt anbelangt, derzeit keine guten Meldungen. Erst sterben alle möglichen Tierarten qualvoll an den Folgen der Ölpest am Golf von Mexiko. Nun geht es den Fledermäusen an den Kragen: Ein aggressiver Pilz hat schon mehr als eine Million von Tieren befallen und dahingerafft.

Dieser Pilz verbreitet sich offenbar rasend schnell nicht nur in den USA, sondern auch in West- und Südkanada. Er löst das „Weißnasen-Syndrom“ aus:  Kleine weiße Polster befallen Nase, Flügelmembranen und Ohren der Fledermäuse – und das gemeinerweise während ihres Winterschlafs. Die Fledermäuse wachen dadurch immer wieder auf und verhungern schließlich.
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Gibt´s bald keine Feldhamster mehr?

Sie ist wirklich alarmierend: die neue Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Von 478 heimischen Wirbeltier-Arten, deren Vorkommen bei uns untersucht wurde, sind 207 Arten – immerhin 42 Prozent!! –  gefährdet und 132 Arten (38 Prozent)  „akut in ihrem Bestand bedroht“.  Zu den analysierten Wirbeltieren gehören Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche und Süßwasserfische.

FeldhamsterMan muss sich das mal vorstellen: Der Feldhamster ist laut dieser Liste bei uns vom Aussterben bedroht! Das heißt, er ist aus der Kategorie „stark gefährdet“ noch einmal weiter nach oben gerückt, sozusagen in Alarmstufe eins. Früher kamen diese Tiere fast so häufig vor wie Mäuse. Heute gibt es für die niedlichen Nagetiere so gut wie keinen geeigneten Lebensraum mehr bei uns: An den Äckern sind die – früher üblichen – breiten Randstreifen verschwunden.

Kiebitzen oder Seggenrohrsängern ergeht es auch nicht viel besser: Ihr bevorzugter Lebensraum, die sogenannten Feuchtwiesen, verschwinden in Deutschland nach und nach. Schuld daran ist die im Vergleich zu früher intensivere Landwirtschaft, aber auch der Bau von Siedlungen und Straßen trägt seinen unrühmlichen Teil zum Verlust tierischer Lebensräume bei.

Die Rote Liste gefährdeter Wirbeltiere in Deutschland wird alle zehn Jahre aktualisiert. Seit dem letzten Mal hat sich zumindest für einige Arten etwas zum Positiven gewendet: Durch die unterschiedlichsten Schutzprogramme hat sich zum Beispiel der Bestand von Seehunden, Fischottern, Bibern, Fledermäusen, Uhus, Weißstörchen und sogar von Seeadlern leicht erholt. Immerhin ein gewisser Trost!

Man muss also nicht machtlos zusehen, wie eine Art nach der anderen ausstirbt. Mit Natur- und Artenschutz lässt sich durchaus etwas erreichen. Doch die entsprechenden Organisationen wie Bund Naturschutz, Naturschutzbund Deutschland oder Landesbund für Vogelschutz müssten dafür auch politisch mehr Unterstützung bekommen als bisher.

65 Zwergfledermäuse tot

Der August ist der Monat, in dem viele junge Fledermäuse ausfliegen und sich auf die Suche nach einem passenden Quartier machen. Dabei sind sie auch im Stadtgebiet unterwegs und landen – sozusagen aus Versehen – manchmal auch in Wohnungen oder Büros.

Obwohl die Tiere harmlos sind, reagieren manche Menschen völlig panisch, wenn sie bei sich zu Hause Fledermäuse entdecken. Und die wenigsten wissen, was sie in so einem Fall tun können.

Die Mitarbeiter des Landesbundes für Vogelschutz bieten ihre Hilfe an: Sie haben auch heuer wieder ein „Fledermaus-Notruftelefon“ eingerichtet: Unter der Nummer 09 11/45 47 37 kann man im Großraum Nürnberg anrufen.

ZwergfledermausManchmal kommen die LBV-Mitarbeiter aber zu spät, um noch helfen zu können. So einen Fall hat es gerade wieder gegeben: 65 Zwergfledermäuse starben, nachdem sie in ein Hotelzimmer geflogen waren und sich dort im Vorhang vergfangen hatten. Manche konnten sich zwar noch befreien, fanden aber den Weg nach draußen nicht mehr. Das Zimmer war länger nicht benutzt worden, so dass niemand die Tierchen bemerkte. Die Fledermäuse waren deshalb völlig ausgehungert und fast verdurstet. Die alarmierte Spezialistin des LBV konnte nichts mehr für die Tiere tun.