Tierisch effizient!

Lange Zeit war mein Tier-Blog jetzt verwaist. Im Gegensatz zu meinem Kollegen Peter Viebig, Autor des NZ-Blogs „vipRaum“, der diesen privatisiert hat, weil er in Rente gegangen ist, werde ich aber noch ein paar Jahre bei der NZ arbeiten. In dieser Zeit will ich in „Achtung, Wolf!“ auch weiterhin über die Welt der Tiere und über Themen aus dem Bereich Zoologische Gärten – speziell aus dem Tiergarten Nürnberg – schreiben. Die tierische Zwangspause war auf eine mehrmonatige Erkrankung zurückzuführen, von der ich mich nun aber Gott sei Dank erholt habe.

Beginnen möchte ich mit einem Super-Tipp für alle Zoo-Freunde. Da gibt es am Samstag, 16. September, im Tiergarten Nürnberg eine von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, der Stadt Nürnberg, dem Bionicum und dem Zoo am Schmausenbuck gemeinsam konzipierte Veranstaltung unter dem Motto „Tierisch effizient“. Was kann man sich darunter vorstellen? Nun ja: Bekanntlich sind Tiere energieeffizient. Sie setzen Energie sparsam ein und passen sich an ihre Umgebungsbedingungen an. Ein Meister darin sind zum Beispiel Eisbären (auf dem Foto oben ist die Nürnberger Eisbärendame Vera, die Mutter von Flocke, zu sehen). Wie das alles funktioniert, erfahren die Zoobesucher an diesem Tag. Die Gäste erwartet ein abwechslungsreiches Programm, dazu gibt es tolle Gewinnspiele. weiter lesen

Felix – ein Womanizer

felixinrhenenEr gilt als Womanizer unter den männlichen Eisbären: Eisbär Felix aus dem Tiergarten Nürnberg. Er ist der Vater der berühmten Nürnberger Eisbärin Flocke, die mittlerweile im „Marineland“ Antibes lebt und selbst eine Tochter namens Hope hat. Gerade erst hat Felix acht Monate lang Eisbärin Corinna in der Stuttgarter Wilhelma beglückt, nun ist er weitergereist in den holländischen Zoo Rhenen. Dort soll Felix wieder andere Eisbärinnen umgarnen, und das auf einer nagelneuen Anlage. Wie ich über Facebook von Jane J. de Wilde erfahren habe, kommt er in Rhenen offenbar für die Eisbärin Huggie als Partner in Frage.

Auf jeden Fall dürften die holländischen Eisbärendamen Gefallen an ihm finden, denn Felix ist ein wirklich imposanter Bär: In Stuttgart hat er 70 Kilo zugelegt und bringt jetzt fast eine halbe Tonne (genau 490 Kilo) auf die Waage.

Ob sein Aufenthalt in Stuttgart Folgen hatte, wird sich noch in diesem Winter zeigen. Auf jeden Fall hat der Koordinator des Europäischen Arterhaltungsprogramms (EEP) Corinna schon mal vorsorglich Ruhe vor männlicher Gesellschaft verordnet, damit sie ihren eventuellen Nachwuchs ungestört austragen kann. Der Koordinator hat auch den Umzug von Felix nach Rhenen eingefädelt.

Mit seinen 14 Jahren ist Felix, der 2001 in Wien geboren wurde, schon ziemlich weit in Europa herumgekommen. Nach einer Zwischenstation in Karlsruhe kam er 2004 nach Nürnberg, machte von Franken aus aber immer wieder Abstecher in andere Zoos, zum Beispiel nach Gelsenkirchen und Aalborg (Dänemark). Er ist mittlerweile so ans Reisen gewöhnt, dass er ohne zu zögern die Transportkiste betritt. Vor der Abreise, während der Fahrt und nach der Ankunft bleibt er jeweils ganz entspannt.

In Nürnberg haben Vera, die langjährige Partnerin von Felix, und seine jüngste Tochter Charlotte nun voraussichtlich für das ganze nächste Jahr das Freigehege für sich und können sich dort nach Herzenslust austoben.

Eisbärenbabys, wohin man schaut!

Eisbaer_AquaPark_BuglHugo_2014-05-28_12-02-43_1407Gestern, am 27. Februar, war „Welt-Eisbär-Tag“ beziehungsweise „International Polar BearDay“. Dieser Tag soll seit 2004 unter anderem auf die Folgen der globalen Klimaerwärmung aufmerksam machen – und damit auf die Zerstörung des Lebensraums der Eisbären in der Arktis. Wird die Erderwärmung nicht aufgehalten, dürfte der Eisbär in nicht allzu ferner Zukunft aussterben. Die Zoologischen Gärten argumentieren, dass sie gerade deshalb diese größten Landraubtiere der Welt halten und züchten müssten. Tierrechtsaktivisten wie Peta fordern ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos, weil sie nicht artgercht sei, und nähmen das Aussterben der Tierart in Kauf, wenn deren Überleben in der Natur nicht mehr möglich ist. Dieses Streitthema hat sich in den vergangenen Jahren fast so sehr hochgeschaukelt wie der Streit um die Delfinhaltung.

Derzeit werden in 58 europäischen Zoos Eisbären gehalten, allein in Deutschland und Österreich präsentieren 14 Zoologische Gärten ihren Besuchern Polarbären. Die süßen Babys der weißen Riesen sollen als Botschafter einer bedrohten Tierart fungieren und den Menschen vermitteln, wie man den Klimawandel zumindest bremsen könnte und was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Auch Flocke, die 2007 im Tiergarten Nürnberg das Licht der Welt erblickte, hatte einst diese Aufgabe. Als ihr „Pate“ trat Achim Steiner auf, Direktor des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen. (Für den berühmten Berliner Eisbären Knut hatte ein Jahr zuvor der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Patenschaft übernommen.) Doch die Tiergartenbesucher waren weniger an der Klimabotschafterin Flocke interessiert als am niedlichen, knuddeligen weißen Fell-Knäuel Flocke.

weiter lesen

Streit um Robben-Roboter

Wir Menschen finden Tierbabys süß –  und zwar umso mehr, je hilfloser die kleinen Geschöpfe auf uns wirken. Erinnern wir uns an unsere berühmte Nürnbergerin Flocke: winzig, weiß, schwarze Knopfaugen, von der Mutter getrennt, leise Jammerlaute ausstoßend. Da will man, da muss man als Mensch einfach helfen, streicheln, liebkosen. Das gleiche Phänomen stellt sich ein, wenn wir Babyrobben, sogenannte Heuler, zu Gesicht bekommen. Sie ähneln Flocke ja auch sehr: ebenfalls winzig, weiß, Knopfaugen, Jammerlaute. Viele Tierfreunde beneiden die Mitarbeiter von Robbenauffangstationen, wo die Babys aufgepäppelt werden, bis sie groß und stark genug zum Überleben in freier Natur sind.

Ein solcher Heuler erhitzt jetzt – ganz Jahreszeit-untypisch, denn Robben kommen bei uns im Frühjahr zur Welt – die Gemüter. Paro heißt er, und er ist nicht einmal ein echtes Tier, sondern ein von Menschen gemachtes. Ein Roboter, als Kuscheltier verkleidet. Paro stammt aus Japan und kommt nun auch in deutschen Pflegeheimen bei Demenzkranken zum Einsatz. Seinem künstlichen Augenaufschlag kann keiner widerstehen – man muss sich einfach um ihn kümmern, wenn er einen so treuherzig und hilfesuchend anblickt. Das ist gut für die Patienten, die von Paro emotional angesprochen werden sollen.

Was in Japan, den USA und in Europa bislang nur in Dänemark längst Praxis ist, stößt bei uns in Deutschland noch(?) auf ungläubiges Kopfschütteln: Roboter in der Altenpflege. Darf das sein? Computertechnik statt emotionaler Zuwendung? Kalte Elektronik statt menschlicher Wärme? Auf diese beiden Gegensätze reduziert man das Thema hierzulande im großen und ganzen – typisch deutsch. Statt die Vorzüge einer neuen Technik zu nutzen und sie dort einzusetzen, wo Pflegekräfte Mangelware sind und Demente verkümmern, weil der Pflegeschlüssel hinten und vorne nicht reicht, lehnen wir die Roboter-Robbe erst mal ab.

Ich sage nicht, dass Elektronik ein Ersatz für Betreuung durch Menschen und für Nächstenliebe sein kann. Aber sie darf Menschen dort unterstützen, wo sie es allein nicht schaffen. Und solange nicht mehr Pflegekräfte eingestellt bzw. gefunden werden, kann Paro erst mal das Schlimmste – nämlich die völlige Vereinsamung alter oder/und demenzkranker Menschen – verhindern. In einer Handvoll deutscher Heime, beispielsweise in Bremen, probiert man die elektronische Babyrobbe nun doch aus. Mit Erfolg übrigens: Paro, der in Bremen Ole heißt, löst Menschen, die sonst nicht mehr sprechen, die Zunge und zaubert Kranken, die sonst mit versteinerter Miene irgendwo in der Ecke sitzen, ein Lächeln auf die Lippen.

Der Fernsehsender ARTE – für mich eine Wohltat in der sonst meist trostlosen deutschen Fernsehwelt – greift das brisante Thema auf: Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September zeigt ARTE heute Abend um 21.50 Uhr die Dokumentation „Roboter zum Kuscheln – Heilsam für Demenzkranke?“ Die Sendung wird morgen, also am 17. September, um 9.55 Uhr im ZDF wiederholt.

 

Eisbärenbabys ließen Fotografen warten

Mit Spannung haben die Nürnberger darauf gewartet, dass die beiden im Dezember geborenen Eisbärenbabys Gregor und Aleut endlich mit ihrer Mutter Vera aus der Geburtshöhle im Eisbärengehege herauskommen. Heute war es endlich so weit. Frech wie Oskar haben sie ihre Freianlage erkundet. Dabei hat es sie auch nicht gestört, dass sie öfter mal über eine Stufe in den Sandsteinfelsen hinunterpurzelten. Die Pfleger hatten zur Sicherheit der Bärchen alles gut mit Stroh ausgelegt, so dass die Kleinen weich fielen.

Eisbärenmutter Vera hatte ihre Jungen allerdings erst ins Freie gelassen, nachdem sie alles genau erkundet hatte. Sie kontrollierte sogar, ob der Schieber zum Nachbargehege auch wirklich geschlossen war. Denn dort wohnt Felix, der Vater der Eisbärenzwillinge. Eisbärenväter sind Einzelgänger und haben mit ihrem Nachwuchs keinen Kontakt. In freier Natur ziehen sie weiter, sobald sie eine Bärin gedeckt haben. Felix würde Gregor und Aleut also nicht als seine Jungs erkennen, sondern sie als Konkurrenten begreifen. Das würde für die zwei tödlich enden.

Die Zwillinge haben bei ihrem ersten Ausflug auch gleich das Schwimmbecken für sich in Beschlag genommen. Erst streckten sie vorsichtig die Pfoten ins kühle Nass, doch schon bald ließen sie sich ganz ins Wasser gleiten und bewiesen, dass Eisbären von Natur aus schwimmen können. Mutter Vera hielt sie trotzdem in Schach und ließ sie nicht zu weit von sich weg schwimmen.

Im Gegensatz zum ersten öffentlichen Auftritt von Flocke, der Schwester von Aleut und Gregor, gab es diesmal keinen riesigen Medienhype. Die Zooleitung hatte das von Anfang an zu verhindern versucht. Die Anzahl von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten hielt sich in Grenzen. Umso ärgerlicher war es, dass die Bärchen just in dem Moment wieder in ihrer Höhle verschwanden, als ein Großteil der Medienvertreter pünktlich zum vom Tiergarten angesetzten Pressetermin eintraf. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Babys schon zweieinhalb Stunden lang voll verausgabt und brauchten dringend einen Erholungsschlaf. So mussten sich die Fotografen in Geduld üben, während Gregor und Aleut selig in ihrer Höhle schlummerten.

Schöner als Flocke?

Flocke„Schöner als Flocke“: Mit diesem Slogan wird derzeit in einer Kleinanzeige in der Rubrik „Tiermarkt“ der „Nürnberger Zeitung“ geworben. Allerdings nicht für süße kleine Eisbären, sondern für weiße Schäferhund-Welpen, die natürlich reinrassig sind, außerdem gechipt, geimpft, entwurmt etc.

Sind jetzt also alle weißen, knuddeligen Tierbabys Flocke oder Knut? Nur weil die eine Zeitlang die Schlagzeilen in den Medien beherrscht haben? Da darf man direkt gespannt sein, ob sich demnächst auch flauschige weiße Angora-Zwergkaninchen mit Flocke vergleichen lassen müssen. Oder wird es bei denen – in Anspielung auf den den neuesten tierischen Medienstar, das berühmte schielende Opossum im Leipziger Zoo – eher heißen: „Putziger als Heidi“?

Wieder Eisbärenbabys im Nürnberger Tiergarten

WurfhöhleFreude im Tiergarten Nürnberg: Eisbärin Vera, die Mutter von Flocke, hat am 2. Dezember in ihrer Wurfhöhle wieder zwei Babys zur Welt gebracht. Nach den Aufnahmen der Überwachungskamera zu urteilen, sind die Kleinen gesund und munter. Leider ist die Qualität des Standbildes der Videokamera nicht gut. Ich möchte es meinen Lesern trotzdem nicht vorenthalten. Interessanter sind die bewegten Bilder. Der Tiergarten hat ein Video auf seine Homepage gestellt, das zeigt, wie sich Vera um ihre Babys kümmert, sie ableckt usw. Das Video ist hier zu sehen.
Nun heißt es mitfiebern: Wird es diesmal klappen, dass Vera ihren Nachwuchs allein aufzieht und die Bärchen gesund bleiben? Vor zwei Jahren hatte Vera ebenfalls zwei Junge geboren, die sich unter der Fürsorge ihrer Mama zunächst gut entwickelten. Doch nach drei Wochen wirkten die beiden auf den Videoaufnahmen plötzlich immer schwächer. Die zwei starben kurz hintereinander – wie sich später herausstellte, waren sie von gefährlichen Darmparasiten (Kokzidien) befallen worden.
In diesem Jahr haben die Tierpfleger Vera schon seit Monaten an die Geburtshöhle in den Sandsteinfelsen des Eisbärengeheges gewöhnt. Sie haben den Stall mit den beiden etwa fünf Quadratmeter großen Wurfboxen  dick mit Stroh ausgelegt. Vera wurde seit  Herbst regelmäßig darauf trainiert, bei verschlossener Tür in der Höhle zu fressen. Sie hat gelernt, dass ihr nichts passiert und dass sie ganz entspannt bleiben kann, wenn die Tür zu ist. Seit 15.  November haben die Pfleger den Stall verschlossen gelassen, weil alles darauf hindeutete, dass die Geburt bald bevorstehen würde.
Ein dicker Strohballen vor der Tür soll das Licht und alle Geräusche abschirmen, die von außen in die Eisbären-Kinderstube dringen und Vera womöglich nervös machen könnten. Vera soll absolute Ruhe genießen, wie  in einer Wurfhöhle im Polareis.
Eine Videokamera hat die Geburt eines der beiden Babys am 2. Dezember um 3.35 Uhr nachts aufgezeichnet. Als das andere zur Welt kam,  lag Vera mit dem Rücken zur Kamera. Eisbärenjunge wiegen bei der Geburt nur etwa 500 Gramm, sind also etwa so groß wie ein Meerschweinchen. Vera kümmert sich bisher gut um die Kleinen. Die Eisbärenmama ist in diesem Winter extrem kräftig. Sie hat sich im Herbst einen richtigen Speck angefressen.
Im Dezember  2007 hatte Vera  Flocke zur Welt gebracht. Auch damals schien  das Baby gut zu gedeihen. Doch dann schleppte die Eisbärenmutter, die offenbar durch ein Kamerateam in ihrer Ruhe gestört wurde, ihr Baby aus der Wurfhöhle. Die Bilder, wie Vera das kleine Fellbündel im Maul trug und immer wieder fallen ließ, gingen um die Welt. Die Tiergartenleitung entschied schließlich, Flocke von vier Pflegern aufziehen zu lassen – wochenlang wurde  in den Medien über das Schicksal des Eisbärenbabys berichtet.
Seit April  lebt Flocke bekanntlich im  „Marineland“ in Antibes an der Cote d’Azur, wo sie am 11. Dezember drei Jahre alt wird. Sie teilt sich das Gehege dort  mit ihrem Gefährten Rasputin. Die zwei waren zwischenzeitlich für ein paar Wochen getrennt, weil sie sich nicht mehr gut verstanden; doch inzwischen herrscht wieder eitel Sonnenschein in dieser Eisbärenfreundschaft.

Knut hat kein Glück mit den Frauen

urn:newsml:dpa.com:20090101:101019-10-11439Auch ein Eisbärenleben kann ganz schön hart sein. Das sieht man am Beispiel von Eisbär Knut im Berliner Zoo, der in seinem erst vier Jahre währenden Leben schon einiges wegstecken musste. Das begann schon kurz nach der Geburt, als seine Mutter Tosca ihn verstieß. Kaum hatte sich Knut an seinen menschlichen Elternersatz in Person von Tierpfleger Thomas Dörflein gewöhnt, erlitt der einen Herzinfarkt und starb. Später musste Knut bei seiner ersten Begegnung mit einem weiblichen Eisbären, es war Gianna aus München, eine schallende Ohrfeige einstecken.

Und jetzt wird er auch noch von den drei Eisbärdamen, mit denen er seit einiger Zeit das Gehege teilen muss, gemobbt. Seine eigene Mutter Tosca (24 Jahre alt) gehört zu diesem „Trio infernal“, außerdem die gleichaltrige Katjuscha und die 21-jährige Nancy. Sie führen immer wieder Attacken gegen den jungen Bären. Mal brüllen sie ihn laut an, mal beißen sie ihn – wenn auch nicht lebensbedrohlich, aber doch so, dass Knut es durch sein dickes Fell hindurch spürt. Der Ärmste scheint schon komplett eingeschüchtert und zieht sich oft auf einen schmalen Felsen oder in den – bei den Damen weniger begehrten – unteren Bereich des Geheges zurück, um seine Ruhe zu haben. Er kann sich einfach nicht gegenüber den drei kräftigen Bärinnen durchsetzen. Trotz der vielen kleinen Raufereien im Gehege spekuliert die Zooleitung immer noch darauf, dass Knut der neue Zuchtbulle in Berlin werden soll.

Doch zumindest im Augenblick ist Knut noch längst nicht so weit, um diese Aufgabe übernehmen zu können. Er müsste vor allem an Gewicht zulegen. Mit seinen 270 Kilo, die er jetzt auf die Waage bringt, ist er der weiblichen Übermacht nicht gewachsen. Und er interessiert sich auch viel stärker für die menschlichen Besucher als für seine Artgenossinnen. Möglicherweise sind ihm die drei auch zu alt. Das haben anscheinend auch Knuts Betreuer schon überlegt. Sie suchen jetzt in ganz Europa nach einer jüngeren Gespielin für Knut. Von Flocke war bislang nicht die Rede. Trotzdem darf man gespannt sein, wie es mit Knut und seinem schwierigen Verhältnis zu den Frauen weitergeht.

Stand da Flocke Modell?

Tja, der schönste Urlaub geht mal zu Ende. So auch meiner. Im Médoc war es einfach toll: Nicht nur der Rotwein, auch das Essen war ein Genuss, außerdem natürlich der Atlantik mit seinen herrlich langen und sauberen Sandstränden an der Côte d´Argent und die riesigen Pinienwälder dahinter, durch die wunderbare Fahrradwege führen.

Danke für die Anregung von „Dumba“ und „HeidiH“ zu meinem Abschieds-Beitrag vor dem Urlaub, einen Umweg zu machen und mal bei Flocke im „Marineland“ in Antibes vorbeizuschauen. Das wären allerdings Hunderte von Kilometern Umweg gewesen, vom äußersten Westen Frankreichs an die Côte d´Azur im Südosten. So weit geht meine Tierliebe denn doch nicht. (Und umwelttechnisch gesehen, wäre das ja auch höchst verwerflich!)

BlayeSo ein weiter Weg war auch gar nicht nötig: Bei einem meiner Ausflüge in die kleinen Dörfer und Städte des Médoc bin ich in Blaye eisbärenmäßig voll auf meine Kosten gekommen – nicht etwa in einem Zoo, sondern in einer Kunstausstellung, die auf der berühmten historischen Festungsanlage von Blaye noch bis zum 8. August zu sehen ist. Was – ist Flocke in so kurzer Zeit schon so bekannt geworden in ihrer neuen Heimat, dass sie bereits Künstlern Modell steht?,  dachte ich mir. Das Gemälde von Thierry Bisch fand ich jedenfalls sehr gelungen, und so habe ich mich eben damit ablichten lassen. Zugegeben, kein richtiger Ersatz für Flocke – aber immerhin!

Ich bin dann mal im Médoc

Wenn ich in den letzten Jahren in den Urlaub gefahren bin, habe ich mich meist bei Flocke, unserer berühmten Nürnberger Eisbärin, „abgemeldet“ – schließlich hatte ich sie seit ihrer Geburt im Nürnberger Tiergarten journalistisch begleitet, und man sorgt sich ja um so ein Tier, wenn man für einige Zeit weg ist. Jetzt ist Flocke weg, in Südfrankreich. Also melde ich mich bei meinen Lesern ab und kündige schon mal an, dass mein Kollege Marco Puschner ab und zu einen Beitrag für mein Blog schreiben wird – wenn er denn dazukommt: Er hat nämlich in der Lokalredaktion der NZ sozusagen die Fußball-WM am Hals. Je weiter die deutsche Nationalmannschaft kommt, umso mehr Arbeit hat Marco.

Also habe ich selbst schon ein bisschen vorgesorgt und einige Beiträge „auf Vorrat“ geschrieben, die dann nach und nach veröffentlicht werden. Denn ich will mir meine Leser ja nicht vergraulen, sondern bei der Stange halten.

Buch 001Zum Abschied habe ich mir auch noch etwas überlegt: Ich habe wieder mal einen Buchtipp für Tierfreunde. „Kamasutra kopfüber“ heißt der Band von Tobias Niemann, erschienen ist er bei C.H. Beck. Keine Sorge, „Achtung, Wolf!“ mutiert jetzt nicht zum Erotik-Blog, das überlasse ich weiterhin anderen Autoren. Alles, was bei mir erscheint, hat etwas mit Tieren zu tun – wie auch dieses Buch.

Es geht darin um „Die 77 originellsten Formen der Fortpflanzung“ im Tierreich, die der Diplombiologe Tobias Niemann zusammengestellt hat. Unheimlich witzig geschrieben, mit Zeichnungen des bekannten Illustrators Günter Mattei garniert, bietet die Lektüre jede Menge Spaß und gleichzeitig interessante Informationen über ein Kapitel der Biologie, das den meisten unbekannt sein dürfte. Oder haben Sie schon mal was von „Ganzkörperoralverkehr“ gehört, von weiblichen Tieren, die zwei Vaginae besitzen, oder von männlichen Tieren mit einem zweizipfeligen Penis? Auch die Jungfernzeugung ist im Tierreich – im Gegensatz zur Bibel – wissenschaftlich nachweisbar.

Mehr will ich nicht verraten. Wer mehr über solche beinahe unglaublichen Dinge wissen will, muss das Buch selber lesen.

So, und jetzt fahre ich in die Ferien. Nach Südwestfrankreich geht es diesmal. Nicht an die Côte d´Azur zu Flocke, sondern ins Médoc, eines der berühmtesten Rotwein-Gebiete der Welt. Au revoir!