Genmais-Studie in der Kritik

Kürzlich habe ich hier im Blog über eine Genmais-Ratten-Studie geschrieben. Die hat mittlerweile für viel Wirbel unter Forschern gesorgt und die Diskussion um die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa angeheizt. Nun üben Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Kritik an der Untersuchung französischer Wissenschaftler: Sie sei schlichtweg nicht aussagekräftig, weil sie handwerkliche Mängel aufweise. Deshalb – und weil heute auch „Max“ meinen Blogbeitrag kommentiert hat – will ich noch einmal kurz auf das Thema eingehen.

Die Forscher der Efsa monieren unter anderem die viel zu geringe Zahl von Versuchstieren bei der Studie. Außerdem würde die Rattenart, mit der die Tests durchgeführt wurden, sowieso vergleichsweise oft an Krebs erkranken. Die Efsa bemängelt auch fehlende Daten zum Futter und zu den Schäden, die während der zweijährigen Untersuchung bei den Tieren auftraten. Jetzt haben die Autoren der Studie die Möglichkeit, Daten nachzuliefern. Die Efsa will Ende Oktober eine neue, ausführlichere Stellungnahme zu der Untersuchung abgeben.

Vor der Efsa hatten auch schon das deutsche Bundesamt für Risikobewertung und verschiedene Wissenschaftler die Studie kritisiert.

 

Stierkampf in Frankreich weiter erlaubt

Mit Spannung wurde darauf gewartet, nun hat der Verfassungsrat in Frankreich seinen Beschluss gefasst: Im Süden Frankreichs dürfen auch weiterhin Stierkämpfe abgehalten werden – sie verstoßen nicht gegen die französische Verfassung. Ein harter Schlag für alle Tierschützer!

Die eigentlich spanische Corrida, also der Stierkampf, an dessen Ende der Stier mit einem Degenstoß getötet wird, hat sich längst auch in Südfrankreich einen festen Platz erobert. In Städten wie Nimes oder Arles zieht er scharenweise Touristen an und spielt deshalb natürlich eine wichtige wirtschaftliche Rolle.

In Frankreich tobt aber auch seit Jahren ein Streit zwischen den Anhängern des Stierkampfs und den Gegnern. Die Befürworter argumentieren, die Kämpfe gehörten zum Gemeinwohl der Region und seien Ausdruck eines kulturellen, sozialen und regionalen Pluralismus. Dagegen empören sich Tierschützer über die Grausamkeit und Brutalität des Spektakels. Vor allem die Schauspielerin Brigitte Bardot ist seit Jahren als Kämpferin gegen den Stierkampf bekannt. Zusammen mit  ihren Leinwand-Kollegen Jean-Paul Belmondo und Alain Delon hat sie einen Aufruf verfasst, in dem es heißt: „Es ist Fakt, dass der spanische Stierkampf nicht Teil der französischen Kultur ist.“

Übrigens ist in Frankreich jeder „Akt der Grausamkeit“ gegen Tiere verboten. Bei einem Verstoß drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu 30 000 Euro. Bisher gab es jedoch Ausnahmen bei Stier- und Hahnenkämpfen in Gegenden, wo sie als örtliche Tradition gelten. Diese Ausnahmeklausel hat der Verfassungsrat nun als verfassungsgemäß erklärt.
In Spanien selbst ist der Stierkampf in der Region Katalonien verboten, und zwar seit 2010 – darüber habe ich hier schon gechrieben.

Tödliche Folgen von Genmais

Viele Menschen haben Angst davor, was gentechnisch veränderte Lebensmittel anrichten könnten. Unbegründet ist das nicht, wenn man sich das Ergebnis einer neuen Studie anschaut: Französische Forscher haben herausgefunden, dass Ratten, die mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert wurden, früher sterben und häufiger Krebs bekommen.

Die Wissenschaftler haben 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Eine Gruppe bekam Genmais zu fressen, eine andere Genmais, der mit einem Pestizid behandelt worden war, eine dritte Gruppe herkömmlichen, ebenfalls mit dem Pestizid behandelten Mais. Der Mais machte dabei 11 Prozent des Gesamtfutters aus – dieser Anteil entspricht den Ernährungsgewohnheiten von Menschen in den USA. So wurde die langfristige Auswirkung von Genmais und Pestiziden auf die Gesundheit gleichzeitig getestet.

Nach knapp eineinhalb Jahren waren bei dem Versuch von den mit Genmais gefütterten Ratten fünfmal mehr Tiere tot als bei der Vergleichsgruppe. Die weiblichen Ratten bekamen meistens Brustkrebs, die männlichen Haut- oder Nierentumore.

Die Studie hat bereits zu neuen Diskussionen über die Zulassung von Genpflanzen in der EU geführt. Grünen-Abgeordnete aus Frankreich verlangen zum Beispiel, dass die Zulassungen für eine gentechnisch veränderte Mais- und eine Kartoffelsorte in Europa wieder aufgehoben werden. Der für die Studie verwendete Genmais ist in Europa für den Anbau nicht zugelassen, für die Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln aber schon.

"Unser Madla" wird heute vier

Der Dezember ist der Monat der Eisbären-Geburtstage. Da kleine Eisbären auf der ganzen Welt in diesen Wochen geboren werden, feiern jetzt auchg diverse Zoos ihre Polarbären. Im Zoo Berlin versammelten sich zu Knuts Geburtstag am 5. Dezember Fans des tierischen Mega-Stars, um seiner zu gedenken; bekanntlich ist Knut im vergangenen Frühjahr gestorben. In Wuppertal wird Lars (der Vater von Knut) am 12. Dezember 18 Jahre alt. Heute stehen dort die „Eisbärfreunde“ am Eisbärengehege und verkaufen Fan-Artikel von der Postkarte bis zum Kerzenständer.

Und was macht der Tiergarten Nürnberg mit seinen Eisbärengeburtstagen? – Nichts! Tiere sollen nicht vermenschlicht werden, daher gibt es auch keine Geburtstagsparty, so ist dort die Meinung der Zooleitung. Ich finde das im Prinzip richtig. Aber so ganz totschweigen möchte ich ein paar Daten in meinem Blog trotzdem nicht. Also: Am 2. Dezember sind die Zwillinge Gregor und Aleut am Schmausenbuck ein Jahr alt geworden – ohne Rummel in der Öffentlichkeit. Und heute ist ein besonderer Tag: Flocke wird vier Jahre alt, die Eisbärin, die ich von Anfang an mit der NZ und meinem Blog begleiten durfte. Einen Brief wie zum ersten Geburtstag schreibe ich ihr nicht mehr, aber ein paar Worte möchte ich doch über sie verlieren.

Auch wenn unser fränkischer Eisbär-Superstar Flogge seine Heimat längst verlassen hat und mittlerweile im „Marineland“ von Antibes an der Côte d´Azur lebt – wir haben „unser Madla“ nicht vergessen. Einige Flocke-Fans vermissen die junge Bärendame so sehr, dass sie ihr regelmäßig einen Besuch abstatten. Zu diesen Leuten gehört Petra Fritz, eine der beiden „Ziehmütter“, die Flocke als Baby hochgepäppelt haben, nachdem man sie von ihrer Mutter Vera hatte trennen müssen. Zweimal im Jahr versucht Petra Fritz, nach Südfrankreich zu reisen, um zu sehen, was aus ihrem Ziehkind geworden ist. Ich habe mich mit ihr unterhalten, und sie hat mir freundlicherweise die beiden Fotos für diesen Blog-Beitrag zur Verfügung gestellt, die beim letzten Mal entstanden sind. Das Bild unten zeigt Flocke in der künstlichen Eishöhle, die zur großzügigen Eisbärenanlage in Antibes gehört.
Die Tierpflegerin freut sich, dass Flocke sie immer noch erkennt – an der Stimme und auch am Geruch – und auf sie reagiert. Inzwischen hat Petra Fritz den schlimmsten Trennungsschmerz überwunden, und sie kann sich darüber freuen, dass es ihrem einstigen Zögling auch weit weg vom Schmausenbuck so gut geht.

Dass Flocke mittlerweile ein flotter Teenager ist, scheint nicht nur die Pflegerin zu finden, sondern auch Rasputin, der Spielgefährte von Flocke, der mit ihr zusammen nach Südfrankreich gezogen ist. Im vergangenen Frühjahr hat der gleichaltrige Eisbär – laut Petra Fritz „ein cooler Typ“ – mehrmals Anstalten gemacht, Flocke zu decken. Aber die war nur genervt. Deshalb hat man die zwei für einige Zeit voneinander getrennt und sie auch mal das Gehege tauschen lassen. Inzwischen sind beide wieder relaxt.

Petra Fritz könnte sich vorstellen, dass Flocke im nächsten Frühling schon anders auf Rasputins Annäherungsversuche reagiert. Dann ist die Bärin fast viereinhalb Jahre alt – genauso alt wie Vera, als sie zum ersten Mal von Felix gedeckt wurde und daraufhin mit Flocke trächtig war. In Antibes wäre man in jedem Fall froh, wenn es zu einer erfolgreichen Eisbärenzucht käme. Das „Marineland“ dort ist weit und breit der einzige Zoo, der mit der Sensation Eisbären aufwarten kann.

Flocke und Rasputin sind die ersten Vertreter ihrer Art in Südfrankreich und wurden in der Werbung für den Zoopark entsprechend angepriesen. Große Schilder mit der Aufschrift „Nouveauté: Ours polaires“ säumten im vergangenen Jahr die Straßen an der Côte d’Azur. Am Eisbärengehege im „Marineland“ steht eine Informationstafel, auf der Eisbären als Botschafter für den Klimaschutz ausgerufen werden. Dort heißt es auch, dass Flocke und Rasputin eines Tages hoffentlich für Eisbärenbabys sorgen werden. Als die neue Anlage für Flocke und Rasputin gebaut wurde, hat man gleich ein großzügiges Mutter-Kind-Abteil mit eingerichtet.
Bisher ist Flocke allerdings eher in ihren Tierpfleger Bruce verliebt, erzählt Petra Fritz lachend: „Wenn sie mit dem Schwanz wedeln könnte, würde sie das tun, immer wenn er in ihre Nähe kommt.“

Schlägt die Natur zurück?

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein altes Sprichwort, das sich immer wieder bewahrheitet. So zum Beispiel jetzt gerade in Frankreich, in der Rhone südlich von Lyon. In dem Fluss ist ein eigenartiges Phänomen zu beobachten: Riesige Fische rotten sich im Wasser zusammen. Es handelt sich um Welse, die fast drei Meter groß und 100 Kilo schwer werden können. Die Viecher bilden große Gruppen und ballen sich zu kugelförmigen Schwärmen – allerdings schwimmen sie dabei nicht in dieselbe Richtung, wie es eigentlich normal wäre.

Forscher der Universität von Toulouse versuchen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Denn das Spektakel ist nicht nur unheimlich – es hat auch schlimme Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht der Rhone. Die Welse hinterlassen nämlich massenweise Kot und geben damit so viele Nährstoffe an das Wasser ab, dass der Fluss rund um Lyon umzukippen droht.

Die Europäischen Welse, die den ganzen Schlamassel verursachen,  haben indes nicht immer in der Rhone gelebt. Ursprünglich waren sie in Osteuropa heimisch. Doch den Menschen, die sich leider oft für allmächtig halten, gefiel es, Silurus glanis ein ganzes Stück weiter westlich in Europa anzusiedeln. Das war vor ungefähr 150 Jahren. Nun schlägt die Natur zurück. Niemand hat bisher eine Erklärung dafür, warum sich die Welse so verhalten. Die Wissenschaftler in Toulouse schließen auch aus, dass ein ausgefallenes Paarungsritual dahinter stecken könnte. Denn bei ihren regelmäßigen Tauchgängen haben sie seit zwei Jahren nie ein Balzverhalten unter den Fischen beobachtet. Die Welse schließen sich auch nicht zusammen, um gemeinsam auf Beutefang zu gehen.

Die Forscher sprechen schon vom höchsten, jemals in einem Süßwasser existenten, „biogeochemischen Hotspot“ (einem Wasserbereich, in dem Tiere mehr Nährstoffe produzieren, als Pflanzen abbauen können). – Tja, vielleicht hätten die Menschen vor 150 Jahren lieber nicht Gott spielen sollen. Das mag der nämlich überhaupt nicht.