Ein Frosch, der abfärbt

Forscher haben wieder einmal eine neue Tierart entdeckt. Im dichten Regenwald von Panama sind sie auf den Gelbfärber-Regenfrosch (Diasporus citrinobapheus) gestoßen. Das Tierchen ist gerade mal zwei Zentimeter groß, aber es zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Zum einen stoßen die Männchen äußerst ungewöhnliche Paarungsrufe aus, die sich offenbar ganz anders anhören als die anderer Froscharten. Diese Rufe brachten die deutsch-panamische Expeditionsgruppe überhaupt erst darauf, nach dem Frosch zu suchen. Zum anderen fällt das Tier durch sein leuchtendes Gelb auf – und der Frosch färbt auch noch ab, sobald man ihn berührt. Bisher können sich die Wissenschaftler allerdings nicht erklären, warum er die Farbe abgibt. Sie schließen nur aus, dass der Gelbfärber-Regenfrosch auf diese Weise Feinde abwehren will, denn die gelbe Farbe enthält keinerlei Giftstoffe.

Die Expedition hat außer der Neuentdeckung noch eine andere positive Erkenntnis gebracht: In der unzugänglichen Bergwelt Panamas haben mehr Amphibien einer Pilzerkrankung trotzen können als gedacht. Ursprünglich befürchtete man, dass die Ende des 20. Jahrhunderts in Mittelamerika wütende Krankheit, an der viele Tiere gestorben sind, ganze Arten auslöschen könnte. Das Forschungsteam stieß bei der letzten Expedition zum ersten Mal wieder auf eine Salamanderart, die seit ihrer Entdeckung vor 34 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden konnte und auf einen Frosch, von dem seit 27 Jahren jede Spur fehlte. Mittlerweile sind die Amphibien in Panama nach Ansicht der Wissenschaftler stärker durch mangelnden Lebensraum bedroht als durch die Pilzerkrankung. Die Forscher fordern deshalb, auf den geplanten Kupferabbau in dem entlegenen Gebiet zu verzichten und aus dem Areal ein Schutzgebiet zu machen. Ob sie sich mit diesem Vorschlag gegen wirtschaftliche Interessen durchsetzen können, bleibt allerdings abzuwarten.

Überfahrene Kröten bitte melden!

Nun beginnt bei uns wieder die Zeit der Amphibienwanderungen: Die Zeit, in der Kröten und Frösche von ihrem Winterquartier zum Laichgewässer aufbrechen. Dabei werden jedes Jahr unzählige Tiere beim Überqueren von Straßen getötet – trotz der Bemühungen von Tierschützern,  Straßen und andere Gefahrenstellen zu untertunneln und die Tiere auf sicheren Wegen zu leiten.

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (lbv) startet jetzt ein neues Projekt: Er möchte die Anzahl und die Fundorte von überfahrenen Kröten und Fröschen auf  Bayerns Straßen erfassen, um einen besseren Überblick über das Ausmaß der Todesfälle und nicht gesicherte Wanderstrecken zu erhalten. Die Naturschützer rufen alle Kraftfahrer auf, diese Tiere zu melden. Die Registrierung erfolgt online. Außerdem appelliert der lbv an alle Kraftfahrer, auf den entsprechend gekennzeichneten Strecken vorsichtig und langsam zu fahren, damit es zu möglichst wenig Unfällen mit Kröten kommt.

Ich hoffe, dass möglichst wenig Tiere überfahren werden und wünsche dem lbv Erfolg für sein neues Zähl-Projekt. Hier geht es zum Online-Meldeformular für Totfunde des lbV.

Die Rekorde purzeln immer schneller

In der Tierwelt überschlagen sich die Rekorde: Erst im Dezember haben Forscher den angeblich kleinsten, in Papua-Neuguinea neu entdeckten Frosch der Welt präsentiert, der nicht länger als 8,5 bis 9,3 Millimeter lang wird. Sie gaben ihm den klangvollen Namen „Paedophryne dekot“ und „paedophryne verrucosa“.

Doch Rekorde sind schließlich da, um eingestellt zu werden. Und so haben jetzt Wissenschaftler einen Frosch im Tropenwald von Papua-Neuguinea gefunden, der nur sieben bis acht Millimeter lang wird und damit wirklich das winzigste Wirbeltier der Welt sein soll. Diesen kleinen Gesellen – um mal einen Lieblingsbegriff von Bernhard Grzimek zu verwenden – haben sie „Paedophryne amauensis“ getauft, frei nach dem Dorf Amau, wo sie dem Tierchen auf die Spur kamen. Zum Größenvergleich sitzt er auf diesem Foto auf einer amerikanischen Zehn-Cent-Münze. Der Winzling kann außer mit seiner (nicht vorhandenen) Größe noch mit einer weiteren Besonderheit auftrumpfen: Er kann schrille Schreie ausstoßen. Allerdings geht ihm dabei schnell die Puste aus und er muss erst wieder Energie auftanken, bevor er weiterquaken kann.

Tja, ich bin mal gespannt, wie lange dieser Rekord hält. Wahrscheinlich macht sich in Papua-Neuguinea schon der nächste Forscher auf die Frosch-Suche.

Wer rettet die unentdeckten Arten?

urn:newsml:dpa.com:20090101:101025-11-10297Es ist faszinierend, wie riesig die Artenvielfalt der Tiere  im Regenwald des Amazonas-Gebietes ist. In einem Zeitraum von zehn Jahren haben Forscher dort rund 1200 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt, von deren Existenz vorher niemand etwas geahnt hatte.

Eine dieser Tierarten ist der hier abgebildete, wunderbar gezeichnete und gefärbte Frosch, dem die Experten den Namen „Ranitomeya amazonica“ gegeben haben. Auch ein Papagei mit Glatzkopf gehört zu den neu erforschten Arten. Das Problem ist nur: Der Lebensraum dieser Tiere und Pflanzen, der Regenwald, wird vom Menschen durch Rodung immer weiter zerstört – und das immer schneller. Wissenschaftler vermuten, dass es im Amazonas-Gebiet noch andere bislang unbekannte Arten gibt. Doch durch das Schrumpfen der Regenwaldflächen werden manche dieser Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

Natur- und Tierschützer warnen zwar regelmäßig vor den Auswirkungen der Regenwald-Zerstörung und starten Projekte zur Rettung des Waldes. Doch mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist das wohl nicht …

Der Mulu-Frosch: ein Verwandlungskünstler

urn:newsml:dpa.com:20090101:100421-99-03598Die Insel Borneo ist unter naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten immer wieder für Überraschungen gut. Jetzt haben Forscher dort einen neuen Frosch entdeckt: der Mulu-Frosch. Sein Markenzeichen: Er ist imstande, seine Farbe zu wechseln, von grün in der Nacht zu braun am Tag.

Und: Der Mulu-Frosch kann fliegen. Das schafft er mit Hilfe von Flughäuten zwischen den Zehen und Fingern. Kurze Gleitflüge von einem Baum zum nächsten kann er damit locker bewältigen.

In den letzten drei Jahren sind immerhin über 20 bisher unbekannte Tier- und Pflanzenarten auf  der südostasiatischen Insel entdeckt worden. Der WWF hat genau Buch darüber geführt.  Es waren 66 neue Pflanzenarten, 17 Fische, fünf  Frösche, drei Schlangen, 29 Wirbellose, zwei Echsen und eine neue Vogelart.

Findige Frosch-Forscher

Das ist doch mal eine positive Meldung: Deutsche Forscher haben auf Madagaskar 130 neue Froscharten – vielleicht sogar 200 – entdeckt. Bisher ging man davon aus, dass auf der Insel im Indischen Ozean knapp 250 verschiedene Froscharten leben. Diese Zahl erhöht sich nun beträchtlich durch die gründliche Arbeit einer Gruppe Biologen um den Braunschweiger Professor Miguel Vences. Sie haben keine Mühe gescheut, in der Regenzeit unter widrigsten Bedingungen mehr als 2800 Amphibien an 170 verschiedenen Orten auf Madagaskar zu analysieren. Eine derart vollständige Bestandsaufnahme existierte bisher nicht.

Viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nur auf dieser Insel, sonst nirgends auf der Welt. Wissenschaftler nennen das ein „endemisches Vorkommen“. Unter den neuen Fröschen sind einige, die wiederum nur in einzelnen, winzigen Waldstücken leben. So zum Beispiel diese Neuentdeckung, die zur Gattung Platypelis gehört und auf Madagaskar höchstwahrscheinlich nur auf einer Fläche von lediglich 100 mal 100 Metern existiert. Dieser Frosch ist schwarzweiß und zweieinhalb Zentimeter groß.

Die große Freude der deutschen Entdecker wird allerdings gleich wieder geschmälert durch die Sorge um die unsichere Lage auf der Insel: Nach den Fortschritten, die es in letzter Zeit in ökologischer Hinsicht auf Madagaskar gab, sind nun wieder viele Lebensräume der Tiere bedroht: durch unerbittliches Abholzen von Wäldern.

Lieber ein paar Kröten plattfahren lassen?

Jeder plattgefahrene Frosch ist ein toter Frosch zu viel, sagen Tierschützer. Alle Jahre wieder im Frühling bringen sie deshalb Amphibien in Sicherheit, die den Weg zu ihren Laichplätzen sonst mit dem Leben bezahlen müssten.

Lieber ein paar Kröten überfahren lassen, das kann dem Fortbestand einer Art unter Umständen mehr nützen als gut gemeinte, aber schlecht ausgeführte Rettungsaktionen, sagen Vertreter des Artenschutzes.  

Leider unterlaufen den Tierschützern manchmal Fehler: Sie pflegen z.B. die Kunststoffzäune, die sie an Straßenrändern aufbauen, nicht genügend. So entstehen darin oft Löcher, durch die dann doch Tiere hindurchkommen und letztlich überfahren werden. Oder sie leeren die Eimer, die an den Zäunen in den Boden eingelassen sind und in die Frösche und Kröten hineinrutschen, nicht oft genug – mit der Folge, dass Tiere darin verenden oder sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Manchmal geraten auch andere Tiere wie Mäuse in die Behälter und sind darin gefangen.

Immer wieder sind außerdem die Abstände zwischen den Eimern oder zwischen Amphibien-Tunneln unter Straßen zu weit voneinander entfernt. Dann haben die Tiere keine Lust mehr und kehren um, nach dem Motto: Diese Menschen können mich mal! Dann wird nichts aus der Fortpflanzung im Laichgewässer – und ganze Generationen bestimmter Arten fallen flach. Das wiederum kann sich zum Problemfür den Gesamtbestand entwickeln.

Tierschützer leisten tolle Arbeit, sie engagieren sich und opfern viel Freizeit. Trotzdem verlieren sie den Artenschutz dabei manchmal aus den Augen.  – Was meint Ihr/sagen Sie dazu? – Ausführlichere Informationen zum Thema im heutigen Lokalteil der „Nürnberger Zeitung“ hier.