Kopf ab – soll das lustig sein?

GänsereitenIn Bochum-Wattenscheid gibt es eine alte Karnevalstradition am Rosenmontag: das „Gänsereiten“. Ein Brauch, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, als man so etwas vielleicht noch lustig fand: Eine eigens zu diesem Zweck getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Wer das schafft, wird für ein Jahr zum „Gänsereiterkönig” ernannt. Die Gans wird anschließend verspeist.

Das Spektakel gibt es auch in anderen Städten, doch dort verwendet man längst  Attrappen statt der echten Tiere. Nur in Bochum-Wattenscheid hängt man an der echten toten Gans. Der Brauch wurde einst von spanischen Kriegern abgekupfert, als körperliches und psychisches Training für die Reiter: Sie sollten möglichst alle Skrupel verlieren, um in den Krieg ziehen zu können. In den Anfängen des „Gänsereitens“ riss man sogar einer lebenden Gans den Kopf ab. Das wurde aber schon im Jahr 1806 verboten.

Tierschützer fordern seit einiger Zeit, dass Gänse für diesen Karnevalsbrauch nicht getötet werden dürfen. Sie argumentieren auch damit, dass die Misshandlung von Tieren der Misshandlung von Menschen vorausgehe und vor allem dazu führe, bei jungen Leuten Gewalt zu verharmlosen. Gegner dieser Veranstaltung fordern die Stadt Bochum auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder das blutige Schauspiel nicht sehen sollten, weil es zu grausam sei. Mittlerweile wurde eine Petition gestartet, bei der man gegen das „Gänsereiten“ unterzeichnen kann. Wer das tun möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Plage oder Segen?

In Deutschland breiten sich freilebende Schwanen- und Nilgänse immer weiter aus. Fachleute schätzen ihre Zahl mittlerweile auf 30 000 Tiere. Ursprünglich stammen sie aus Sibirien und Afrika, sie siedeln sich aber über den Umweg von Tiergärten auch in unseren Breiten immer häufiger an. Diese Vögel leben mit einem festen Partner zusammen und legen bis zu dreimal im Jahr Eier. Im Schnitt schlüpfen zwölf Küken, von denen jedes dritte überlebt.

Eines der „Ballungszentren“ von Schwanen- und Nilgänsen sind die Neckarwiesen bei Heidelberg. Ornitholgen gehen davon aus, dass dort etwa 300 Nilgänse leben. Das besonders milde Klima bekommt ihnen besonders gut, und Spaziergänger zeigen sich großzügig und bringen dem Federvieh regelmäßig Futter mit. Das spricht sich in Gänsekreisen herum: Vogelkundler haben herausgefunden, dass diese Tiere mit ihren Artgenossen so kommunizieren, dass sie sich untereinander über besonders günstige Aufenthaltsgebiete informieren.

Viele Menschen freuen sich über die vielen Nilgänse bei Heidelberg, manche beklagen aber auch die Anhäufung von Gänsekot auf den Wiesen. Außerdem besteht die Gefahr, dass einheimische Arten verdrängt werden. Der Jagdpächter vermittelt deshalb im Sommer immer wieder Schwanen- und Nilgänse an Zoologische Gärten, Freilichtmuseen oder Privatleute, die große Gartenteiche besitzen. Es gab auch schon Stimmen, die einen Abschuss überzähliger Gänse forderten. Doch die Jagd auf die Gänse ist in Heidelberg nicht möglich: Die Uferstreifen sind Sperrbezirke für Jäger. Nur außerhalb der Stadt Heidelberg dürfen Jagdpächter einen Antrag auf Jagderlaubnis stellen.

Die Amis sind tierisch drauf

Also, ich kann mich immer wieder nur über Amerika wundern. Dort passieren absolut widersprüchliche Dinge, die für mich einfach nicht zusammengehen. Zum Beispiel heute: Die so tierbegeisterten Amerikaner freuen sich über die neue Fluglinie „Pet Airways“. Sie transportiert nur Tiere. Eine echte Erleichterung, weil die sonst meist im Frachtraum landen, was manchen ganz und gar nicht gut bekommt. Verschiedene Linien lehnen tierische Fluggäste auch ganz ab. „Pet Airways“ bringt die Hunde, Katzen und sonstigen Vierbeiner im Flugzeug selbst unter, wo sie in Käfigen transportiert werden. Allerdings ohne die Begleitung von Herrchen und Frauchen, die mit einer „Menschenlinie“ fliegen müssen.

So weit, so gut. Doch am selben Tag erreicht uns die Meldung aus den USA, dass die Stadt New York 2000 kanadische Gänse (Foto: pixelio/kklausi) umbringen lässt – „aus Sicherheitsgründen“. Denn diese Vögel hatten letztlich die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River im Januar dieses Jahres verschuldet. Schon bisher wurden deshalb immer wieder Gänse gekeult, aber jetzt müssen 2000 Artgenossen im Umkreis von acht Kilometern um die Flughäfen JFK und LaGuardia zur Strafe ihr Leben lassen, damit sie nicht mit Flugzeugen zusammenstoßen können! Besonders unfair: Die Tierfänger nutzen die Zeit der Mauser, in der die Gänse nicht einmal fliehen können.

Als ob nur Gänse Flugzeugen gefährlich werden könnten! Da sollten die so sicherheitsbewussten Zuständigen auch gleich noch alle Singvögel mit abschlachten, denn auch Schwärme von kleineren Vögeln haben schon zu Flugzeug-Unfällen geführt.  Als Asterix-Fan fällt mir dazu nur ein: Die spinnen, die Amis!