Europas Geier in Lebensgefahr!

Europas Geier sind in Lebensgefahr! Davor warnen der Naturschutzbund NABU, sein internationaler Partner BirdLife International und die European Vulture Conservation Foundation. Die Gefahr geht von dem Wirkstoff Diclofenac aus, einem starken schmerz- und entzündungshemmenden Mittel. Wenn die Greifvögel von toten Tieren fressen, die damit behandelt wurden, sterben sie einen qualvollen Tod: Ihre Nieren versagen. Auf diese Weise wurden schon die meisten Geierarten in Indien, Pakistan und Nepal beinahe ausgerottet. Dieses Schicksal könnte sich nun in Europa wiederholen, befürchten die Vogelschützer. Sie fordern daher ein Verbot des Einsatzes von Diclofenac bei Nutztieren. Das Mittel wurde kürzlich für die Behandlung von Tieren wie Rindern, Schweinen und Pferden in Italien und Spanien zugelassen – dabei gibt es andere Medikamente für Tiere, die für Geier unschädliche Wirkstoffe enthalten. In den genannten Ländern leben 80 Prozent aller Geier Europas. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.

Fachleute von NABU und BirdLife International befürchten ein Geier-Massensterben in Europa. Das wäre doppelt tragisch, denn zuletzt haben jahrzehntelange Schutzprogramme für die Greifvögel endlich Erfolge gezeigt. Die in Europa vorkommenden vier Geierarten sind Schmutzgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier (siehe Foto) und Bartgeier. Gänsegeier und Bartgeier haben sich in ihrem Bestand einigermaßen erholt – durch Schutzmaßnahmen, die die Europäische Union Millionen Euro gekostet haben. Es wurden auch erfolgreiche Auswilderungen durchgeführt, beispielsweise mit Bartgeiern aus dem Tiergarten Nürnberg.

Auf dem indischen Subkontinent haben Millionen von Geiern in den 1990er Jahren mit dem Leben dafür bezahlt, dass sie Rinder-Kadaver gefressen haben, die Diclofenac-Rückstände enthielten. Innerhalb von etwa zehn Jahren sind so 99 Prozent aller Geier Indiens verschwunden. Fast wären sie ganz ausgestorben, wenn nicht Naturschützer über das Netzwerk SAVE-Vultures ein Verbot der Anwendung von Diclofenac bei Tieren durchgesetzt hätten. In den EU-Mitgliedsstaaten gilt die EU-Vogelschutzrichtlinie und eine Gesetzgebung, die Tier-Medikamente vorschreibt, die keinen ökologischen Schaden anrichten.  Der NABU hat deshalb die Bundesregierung aufgefordert, bei der EU-Kommission eine europaweite Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.

Geier als Hilfspolizisten?

Als ich diese Meldung entdeckt habe, dachte ich erst: Soll das womöglich ein verspäteter Aprilscherz sein? Aber nein, es handelt sich um eine ganz seriöse Nachricht. Also: In Niedersachsen will die Polizei künftig mit Geiern zusammenarbeiten. Nicht mit Pleitegeiern, sondern mit Truthahngeiern. Diese Tiere sollen auf menschlichen Aasgeruch abgerichtet werden und in sehr großen Gebieten oder in für Spürhunde und Menschen unzugänglichem Gelände nach Leichen suchen. Bisher ist es das einzige Polizei-Geier-Projekt auf der ganzen Welt.

Truthahngeier haben ein schwarzes Gefieder und werden etwa zwei Kilogramm schwer. Ihr Kopf ähnelt dem eines Truthahns. Sie besitzen nicht nur scharfe Augen, sondern verfügen außerdem über einen außerordentlichen Geruchssinn – ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Geierarten.

Im Vogelpark Walsrode übt ein Truthahngeier namens Sherlock schon seit einigen Jahren für seinen künftigen Job als Spürgeier. Im letzten Jahr hat er durch zwei Artgenossen aus einem österreichischen Zoo Verstärkung bekommen: Miss Marple und Columbo sollen praktisch später einmal zusammen mit Sherlock ein Sondereinsatzkommando bilden. Im Vogelpark Walsrode arbeitet ein Spezialtrainer mit den drei Geiern.

Sie üben natürlich nicht mit richtigen Leichen. Ein Stück Leichentuch muss für das Training genügen. Sherlock ist beim Aufspüren dieses Tuchs schon sehr erfolgreich. Das Problem ist nur: Er macht sich bisher lieber zu Fuß auf die Suche, statt in der Luft über dem Gebiet zu kreisen, so, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Nun hofft man, dass die drei Geier zusammen sich doch noch zum Aufspüren von Leichen im Flug aufraffen. Diese Vögel fliegen nämlich nur in der Gruppe über längere Strecken. Das Training zielt jetzt also auf den gemeinsamen Flug der drei künftigen Polizeigeier ab. Noch steht es aber in den Sternen, ob und wann die Vögel tatsächlich ihren Dienst für die Polizei antreten werden.