Es ist so weit: Die ersten Klon-Affen sind da


Das wird sicherlich als Riesenerfolg in die Geschichte der Wissenschaft eingehen: Über 20 Jahre nach der Geburt von Klonschaf Dolly haben chinesische Forscher jetzt zwei Affen mit der bei Dolly angewandten Klon-Methode „erzeugt“. Die beiden Äffchen sind Javaneraffen und haben die Namen Zhong Zhong und Hua Hua bekommen (Foto: dpa). Die zwei wurden lebendig geboren und haben bereits die ersten Wochen überlebt. Das kann man als echte Sensation einordnen, denn bisher hat die Dolly-Klon-Methode noch nie bei Affen funktioniert – bei anderen Tierarten wie zum Beispiel Kühen, Schweinen und Hunden hat sie dagegen geklappt.

Ich bin grundsätzlich skeptisch, was das Klonen von Tieren angeht. Mag sein, dass die Klon-Technik für die Erforschung neuer Therapien – beispielsweise gegen neurologische Krankheiten – Erfolge bringen kann. Auch für die Entwicklung neuer Arzneien soll sie hilfreich sein. Aber in ethischer Hinsicht empfinde ich das Klonen als äußerst fragwürdige Methode. Nun sind wir also schon bei Klon-Affen angelangt. Da ist der Schritt, auch Menschenaffen zu klonen, meiner Ansicht nach nicht mehr weit, auch wenn das offiziell immer strikt ablehnt wird. Ich fürchte, irgendeine ehrgeizige Forschergruppe wird sich eines Tages nicht mehr davon abhalten lassen. Auch bei den beiden Javaneraffen geht es mit Sicherheit nicht nur um hehre Wissenschaft, sondern auch um das Prestige von China: Die beiden Namen der Äffchen wurden bestimmt nicht zufällig gewählt. Zusammengenommen, also „Zhonghua“,  bedeuten sie so viel wie „chinesische Nation“.

Alternativen zu Tierversuchen?

Das Thema Tierversuche ist ein äußerst leidiges und wurde auch in diesem Blog von mir immer wieder beackert, zum Beispiel hier. Da es bestimmt noch Jahrzehnte dauern wird, bis die Forschung auch ohne Tierversuche auszukommen glaubt, kann man sich schon freuen, wenn jetzt in Deutschland – und zwar an der Uni Konstanz – wenigstens ein Wissenschaftler Alternativen zu Tierversuchen erforscht: der Toxikologe Marcel Leist. Er ist auch Leiter des 2010 gegründeten Zentrums für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe). Leist plädiert dafür, Tierversuche wenigstens so stress- und schmerzfrei wie möglich zu halten.

In den Vereinigten Staaten ist man auf diesem Gebiet schon etwas weiter. Man forscht in den USA an Organen im Miniformat („organs on a chip“) die von Wissenschaftlern hergestellt werden. Dafür gab es auch entsprechend viel Geld: etwa 150 Millionen Euro allein im vergangenen Jahr. Von der EU kamen auch 150 Millionen Euro – aber in einem Zeitraum von sage und schreibe 15 Jahren!

Sogar im guten alten Europa existieren ja schon Alternativen zu Tierversuchen. So werden etwa bei In-Vitro-Verfahren Substanzen an menschlichen oder tierischen Zellen getestet. Außerdem werden tierversuchsfreie Testverfahren entwickelt, um Chemikalien auf ihre Schädlichkeit für das Nervensystem zu untersuchen. Doch derzeit ist die Zahl der Tiere, die hierzulande für – teils sogar tödliche – Experimente herangezogen werden, noch erschreckend hoch: Über eine halbe Million Wirbeltiere waren es beispielsweise im Jahr 2012 nur in Baden-Württemberg, in ganz Deutschland im selben Jahr fast 3,1 Millionen Tiere. Am häufigsten mussten Mäuse dafür herhalten, gefolgt von Ratten, Fischen und Kaninchen. Dagegen sind Tierschützer ohne Erfolg Sturm gelaufen. Es gibt auch den Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, der diese Tests aus ethisch-moralischen Gründen ablehnt. Und auch aus medizinischen, denn menschliche Krankheiten lassen sich diesen Medizinern zufolge nicht durch Tierversuche erforschen, die Ergebnisse nicht auf Menschen übertragen.

Der in Konstanz forschende Marcel Leist spricht erfreulicherweise endlich auch mal Klartext in Richtung Industrie: Es geht bei Tierversuchen um Geld, um viel Geld. Und er fordert seine Kollegen auf, sich zu fragen, ob es ihnen nicht nur um die Befriedigung ihrer Neugier geht. Das finde ich sehr mutig, und ich fürchte, dieser Mann wird sich nicht sehr beliebt machen. Hoffentlich bekommt er mit dieser Einstellung überhaupt weiterhin Forschungsmittel.

Eins, zwei – was ist im Ei?

Die Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei, hat schon so manchen Philosophen beschäftigt. Nun sind Forscher der Frage nachgegangen, was im Ei drin ist. Da wird der eine oder andere meiner Leser sagen: Was soll schon drin sein – ein Küken natürlich. Tja – mit so einer Antwort gibt sich ein echter Wissenschaftler nicht zufrieden; zumindest nicht an der Uni Leipzig. Dort haben sie jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem man bestimmen kann, welches Geschlecht das Küken hat – und zwar schon bevor es geschlüpft ist.

Sollte jemand glauben, in Leipzig wüssten ein paar ehrgeizige Biologen gar nicht mehr, was sie noch alles erforschen sollen und hätten sich sich deshalb diese neue Aufgabe vorgenommen – dann kann ich das zwar nachvollziehen. Doch es sieht so aus, als würde in dem betreffenden Institut Forschung durchaus anwendungsbezogen betrieben. Die Antwort auf die Frage, welches Geschlecht das Küken im Ei hat, bevor es die Schale geknackt hat, soll dem kleinen Vogel tatsächlich nützen und ihm Leid ersparen.

Wie das?, höre ich schon wieder den einen oder anderen ungeduldigen Leser. Ganz einfach: Wenn man vorher weiß, ob das Küken männlich oder weiblich ist, kann man die männlichen Exemplare früher aussortieren und töten als bisher – bereits vor dem Schlüpfen, zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch kein Schmerzempfinden entwickelt haben. Männliche Tiere umzubringen – ja, bei Küken ist das gang und gäbe! Sie eignen sich nämlich weder zur Zucht noch zur Hähnchenmast. Deshalb werden jedes Jahr 40 bis 50 Millionen Küken in Deutschland getötet, sobald sie aus dem Ei gekrochen sind. In der Regel verwendet man dabei Kohlendioxid – die männlichen Küken werden also vergast.

An der Universität Leipzig hat eine Tierärztin im Zuge ihrer Doktorarbeit das neue Verfahren der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung entwickelt: Durch ein winzig kleines Loch in der Eierschale entnimmt man dem Embryo einen Tropfen Urin und untersucht die darin enthaltenen Geschlechtshormone. Bei dieser Methode landen die Forscher in 98 Prozent aller Fälle einen Treffer. Das heißt, die Geschlechtsbestimmung ist fast immer korrekt.

Die Professorin, bei der die Tierärztin promoviert, betont: Noch wisse man nicht, ob die Embryonen irgendwie weitervermarktet werden könnten. – Na dann!! Schöne neue Welt, mehr möchte ich dazu gar nicht mehr sagen.

Erinnern Sie sich an Dolly?

Erinnern Sie sich noch an Dolly? Genau, das war das Klonschaf, das in die Geschichtsbücher einging. Am 14. Februar vor zehn Jahren ist es gestorben.

Als Dolly am 5. Juli 1996 in Schottland zur Welt kam, glaubten viele, dass nun bald auch die Zeit geklonter Menschen kommen werde – für manche eine Hoffnung, für andere eine erschreckende Vorstellung. Den Forschern vom Roslin-Institut bei Edinburgh war jedenfalls eine bahnbrechende Technik geglückt: Erstmals gelang es, ohne biologischen Vater, sondern durch Verpflanzung von Zellkernen die genaue Kopie eines erwachsenen Säugetiers zu schaffen. Dolly wurde von einer Ersatzmutter geboren, der man die Eizelle einpflanzte. Zunächst wuchs Dolly als gesundes walisisches Bergschaf heran. Aber bald schon zeigte sich, dass sie kränkelte. Letztlich musste man sie wegen mehrerer Alterserkrankungen einschläfern. Sie wurde nicht einmal sieben Jahre alt – ein kurzes Leben für diese Schafrasse, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von zehn bis zwölf Jahren hat. Für die Nachwelt lebt Dolly trotzdem weiter: ausgestopft im Royal Museum in Edinburgh.

Nach Dolly wurde mit dem Klonen von Säugetieren munter weitergemacht. Es gab bald geklonte Pferde, aber auch Ziegen, Schweine, Hunde, Mäuse und Rinder. In der Landwirtschaft dient das Klonen dazu, besonders wertvolle Tiere zu kopieren. Seit Dolly ist auch die Grundsatzdiskussion über Ethik in der Wissenschaft nicht abgeschlossen, sie lodert immer wieder von Neuem auf. In den 1990er Jahren kam außerdem die Befürchtung auf, dass bald auch Menschen geklont würden. Das hat sich bisher nicht bewahrheitet – noch nicht jedenfalls. Für die medizinische Forschung arbeiten Wissenschaftler aber seit Dolly an Klontechniken weiter, zum Beispiel für die Resistenz gegen Krankheitserreger oder um Ersatzgewebe für Patienten heranzuzüchten. Was die Wissenschaft im Bereich der Stammzellenforschung darf und was nicht, diese Frage wird uns sicher auch in Zukunft noch beschäftigen.

Die Rückkehr der Wildkatze

Leider kommt man in einem Tier-Blog nicht umhin, immer wieder über bedrohte Tierarten zu schreiben. Umso mehr bin ich froh, bei diesem Thema einmal auf eine positive Nachricht zu stoßen: Die Wildkatze breitet sich in Deutschland wieder aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein genetisches Monitoring-Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Bundesamts für Naturschutz, das auf mehrere Jahre angelegt ist. Genetischen Analysen zufolge gibt es im Odenwald und im Kottenforst bei Bonn wieder mehrere Individuen dieser Katzenart – also in Wäldern, in denen sie vor kurzer Zeit gar nicht mehr vorkam.

Wildkatzen haben hierzulande vor allem ein Problem: Die Zerstückelung der Landschaft durch Straßen- und Siedlungsbau sowie durch intensive Landwirtschaft führte dazu, dass sich die Tiere in isolierte Waldgebiete zurückziehen mussten. Dadurch ist der Genaustausch zwischen den einzelnen Wildkatzen-Populationen äußerst schwierig. Somit besteht die Gefahr der Inzucht, was wiederum den Fortbestand der Art gefährdet.

Der BUND bemüht sich seit Jahren, die Waldgebiete durch sogenannte grüne Korridore miteinander zu verbinden. Nun zeichnen sich die ersten Erfolge ab, die durch das Monitoring-Projekt erfasst werden. Die genetischen Untersuchungen durch Auswertung von Haarproben sollen noch drei bis vier Jahre weitergehen, auch um neue Erkenntnisse über das Wanderverhalten und die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere zu gewinnen.

Genmais-Studie in der Kritik

Kürzlich habe ich hier im Blog über eine Genmais-Ratten-Studie geschrieben. Die hat mittlerweile für viel Wirbel unter Forschern gesorgt und die Diskussion um die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa angeheizt. Nun üben Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Kritik an der Untersuchung französischer Wissenschaftler: Sie sei schlichtweg nicht aussagekräftig, weil sie handwerkliche Mängel aufweise. Deshalb – und weil heute auch „Max“ meinen Blogbeitrag kommentiert hat – will ich noch einmal kurz auf das Thema eingehen.

Die Forscher der Efsa monieren unter anderem die viel zu geringe Zahl von Versuchstieren bei der Studie. Außerdem würde die Rattenart, mit der die Tests durchgeführt wurden, sowieso vergleichsweise oft an Krebs erkranken. Die Efsa bemängelt auch fehlende Daten zum Futter und zu den Schäden, die während der zweijährigen Untersuchung bei den Tieren auftraten. Jetzt haben die Autoren der Studie die Möglichkeit, Daten nachzuliefern. Die Efsa will Ende Oktober eine neue, ausführlichere Stellungnahme zu der Untersuchung abgeben.

Vor der Efsa hatten auch schon das deutsche Bundesamt für Risikobewertung und verschiedene Wissenschaftler die Studie kritisiert.

 

Tödliche Folgen von Genmais

Viele Menschen haben Angst davor, was gentechnisch veränderte Lebensmittel anrichten könnten. Unbegründet ist das nicht, wenn man sich das Ergebnis einer neuen Studie anschaut: Französische Forscher haben herausgefunden, dass Ratten, die mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert wurden, früher sterben und häufiger Krebs bekommen.

Die Wissenschaftler haben 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Eine Gruppe bekam Genmais zu fressen, eine andere Genmais, der mit einem Pestizid behandelt worden war, eine dritte Gruppe herkömmlichen, ebenfalls mit dem Pestizid behandelten Mais. Der Mais machte dabei 11 Prozent des Gesamtfutters aus – dieser Anteil entspricht den Ernährungsgewohnheiten von Menschen in den USA. So wurde die langfristige Auswirkung von Genmais und Pestiziden auf die Gesundheit gleichzeitig getestet.

Nach knapp eineinhalb Jahren waren bei dem Versuch von den mit Genmais gefütterten Ratten fünfmal mehr Tiere tot als bei der Vergleichsgruppe. Die weiblichen Ratten bekamen meistens Brustkrebs, die männlichen Haut- oder Nierentumore.

Die Studie hat bereits zu neuen Diskussionen über die Zulassung von Genpflanzen in der EU geführt. Grünen-Abgeordnete aus Frankreich verlangen zum Beispiel, dass die Zulassungen für eine gentechnisch veränderte Mais- und eine Kartoffelsorte in Europa wieder aufgehoben werden. Der für die Studie verwendete Genmais ist in Europa für den Anbau nicht zugelassen, für die Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln aber schon.