Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

Pro oder kontra Katzensteuer?

Dieses dpa-Foto ist schon über fünf Jahre alt. Aufgenommen wurde es 2011 in Brandenburg. Die Kinder, die das selbstgemalte Schild damals an einer Futterstelle für Vögel aufgestellt haben, haben schon damals auf ein Problem aufmerksam gemacht, was nun in der Diskussion hochkocht: Sind Katzen daran schuld, dass es in öffentlichen Grünanlagen und Gärten immer weniger Singvögel gibt? Jagen Katzen, die als Freigänger draußen unterwegs sind, inzwischen so viele Vögel, dass man von staatlicher Seite einschreiten und eine Katzensteuer erheben sollte? Quasi als Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden in der natürlichen Umgebung, zu der eben auch Wildvögel in bestimmter Anzahl gehören?

Natürlich war schon der erste Aufschrei von Katzenbesitzern zu vernehmen, die den Befürwortern einer Katzensteuer wiederum unterstellen, so etwas hätten sich nur Hundebesitzer ausdenken können. Weil die für ihre Vierbeiner auch vom Fiskus zur Kasse gebeten werden und schon lange finden, dass – nach dem Gleichheitsgrundsatz – auch Katzenbesitzer zahlen müssten. Eine Art Neid-Debatte, wie gerade wir in Deutschland sie gern führen. Immerhin gibt es hierzulande nach Schätzungen rund 13 Millionen Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass mindestens zwei Millionen davon auf der Straße leben; dazu zählen auch Parks oder Industriebrachen.

Ist also eine Katzensteuer berechtigt? Politiker trauen sich in Wahljahren naturgemäß nicht an ein solch emotionsgeladenes Thema heran. Es könnte sie schließlich eine Menge Wählerstimmen kosten. Andere Interessenvertreter haben solche Ängste nicht. So spricht sich etwa der Deutsche Jagdverband für eine Katzensteuer aus. Mit dem Argument, die zweieinhalb Millionen besitzerlosen und unterernährten Katzen würden die Artenvielfalt gefährden. Katzenbesitzer müssten einfach mehr Verantwortung übernehmen. Wenn eine Kastrations- und Meldepflicht für Katzen – wie sie zum Beispiel die Stadt Paderborn 2008 eingeführt hat und weitere 430 Kommunen in Deutschland so oder ähnlich inzwischen haben – nicht den gewünschten Erfolg bringe, dann müsste eben die Politik mit der Katzensteuer eingreifen.

Der Tierschutzbund fordert wegen der zunehmenden Zahl von Katzen in Tierheimen und auf der Straße längst die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Diese Tiere sind für die explosionsartige Fortpflanzung der Straßenkatzen schließlich mit verantwortlich. Der Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen ein. Der Naturschutzbund Deutschland, Nabu, setzt auf Kastrationspflicht, erteilt aber der Katzensteuer eine Absage. Eine der Hundesteuer ähnliche Katzensteuer hält man dort für politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Dass Katzen besonders junge Vögel jagen, liege in ihrer Natur als Raubtier begründet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat das Thema vor kurzem erneut aufs Tapet gebracht – und Katzenfreunde auf die Palme. Klar: Die Sache polarisiert wie wenige andere. In den sozialen Netzwerken schlägt die Diskussion natürlich auch hohe Wellen. – Und wie ist die Meiung der Leser dieses Blogs? Sind Sie für oder gegen die Katzensteuer?

Kopf ab – soll das lustig sein?

GänsereitenIn Bochum-Wattenscheid gibt es eine alte Karnevalstradition am Rosenmontag: das „Gänsereiten“. Ein Brauch, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, als man so etwas vielleicht noch lustig fand: Eine eigens zu diesem Zweck getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Wer das schafft, wird für ein Jahr zum „Gänsereiterkönig” ernannt. Die Gans wird anschließend verspeist.

Das Spektakel gibt es auch in anderen Städten, doch dort verwendet man längst  Attrappen statt der echten Tiere. Nur in Bochum-Wattenscheid hängt man an der echten toten Gans. Der Brauch wurde einst von spanischen Kriegern abgekupfert, als körperliches und psychisches Training für die Reiter: Sie sollten möglichst alle Skrupel verlieren, um in den Krieg ziehen zu können. In den Anfängen des „Gänsereitens“ riss man sogar einer lebenden Gans den Kopf ab. Das wurde aber schon im Jahr 1806 verboten.

Tierschützer fordern seit einiger Zeit, dass Gänse für diesen Karnevalsbrauch nicht getötet werden dürfen. Sie argumentieren auch damit, dass die Misshandlung von Tieren der Misshandlung von Menschen vorausgehe und vor allem dazu führe, bei jungen Leuten Gewalt zu verharmlosen. Gegner dieser Veranstaltung fordern die Stadt Bochum auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder das blutige Schauspiel nicht sehen sollten, weil es zu grausam sei. Mittlerweile wurde eine Petition gestartet, bei der man gegen das „Gänsereiten“ unterzeichnen kann. Wer das tun möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Katzenmusik – oder doch lieber Bach?

KatzenmusikMusikalische Tiere? Gibt es so was? – Ich würde sagen: ja. Allerdings kann ich da nur aus der Erfahrung sprechen, die ich während der Wochen gesammelt habe, in denen ich über Jahre hinweg immer wieder einen Kater betreut habe, während seine Besitzer im Urlaub waren. Pino hieß der mittlerweile leider verstorbene, ganz normale Bauernkater (nicht die – auch sehr sympathische – Katze auf diesem dpa-Foto!), der Musik liebte. Vor allem bei klassischer Musik kam er vom entlegensten Winkel in der Wohnung sofort angerannt, sprang auf „seinen“ Hocker im Wohnzimmer, rollte sich ein – und lauschte. Seine besonders groß geratenen Ohren richteten sich deutlich sichtbar nach den Lautsprechern aus, und man konnte zusehen, wie er die Musik so richtig genoss. Bei den Instrumenten waren es vor allem Violine und Cello, die er liebte, und bei den Komponisten bevorzugte er eindeutig Johann Sebastian Bach.

Insofern lese ich die vor mir liegende Agenturmeldung zumindest mit einem leisen Zweifel: David Teie, Profi-Cellist und Mitglied des National Symphony Orchestra Washington, der außerdem an der Universität von Maryland Musik lehrt, komponiert nun Klänge speziell für Katzenohren. „Hohe Harfenläufe, die an zwitschernde Vögel erinnern, unterlegt mit einer Art computergeneriertem Katzenschnurren als Bass“, heißt es in der Agenturmeldung. Teies Werke heißen zum Beispiel „Rusty’s Ballad“ oder „Cozmo’s Air“, und sie klingen offenbar wie esoterisch angehauchte New Age-Musik auf Harfe, Cello oder Geige. Manchen Katzen sollen sie echte Entspannung bringen.

Das ist jedenfalls bei einer Studie herausgekommen, die im Fachjournal „Applied Animal Behaviour Science“ veröffentlicht wurde: 77 Prozent der Katzen zeigten positiv-erregte oder entspannte Reaktionen auf die Katzenmusik von Teie, aber nur 38 Prozent auf Musik, die wir Menschen als Meisterwerke empfinden, etwa wie Bachs „Air in G-Dur“. Es soll die erste Studie sein, die zeigt, dass Katzen überhaupt auf Musik reagieren. Teie hat mit einem Experten für Tierverhalten extra ein Musikprofil entwickelt, das zum Teil in Frequenzbereiche geht, die Katzen vertraut sind, von Menschen jedoch nicht gehört werden. In seine Katzenmusik hat er aber auch für Menschenohren erträgliche Frequenzen eingebaut.

Als Journalistin bin ich bei der Meldung gleich misstrauisch und denke mir: Da geht es doch bestimmt wieder nur ums Geld. Und tatsächlich: Ganz am Schluss der – langen – Meldung lese ich folgendes: „Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat Teie jetzt binnen gut eines Monats mehr als 240 000 US-Dollar von gut 10 000 Spendern gesammelt, um das Projekt voranzutreiben und sein Studio, bisher improvisiert im heimischen Badezimmer, zu professionalisieren. Was steht an? Die erste Katzenmusik-CD.“

Fernsehtipp: „Wölfe im Visier“

planet e.: Wölfe im VisierAlles rund um das Thema Wolf bzw. Wölfe interessiert mich natürlich wegen meines Namens immer ganz besonders. Deshalb werde ich mir am kommenden Sonntag eine Sendung im ZDF anschauen, die sich mit dem Thema beschäftigt, und gleichzeitig wieder einmal einen Fernsehtipp an meine Leser weitergeben: Am Sonntag, 16. August, ist im ZDF um 14.45 Uhr die Dokumentation „Wölfe im Visier“ zu sehen. Darin folgt der  „planet e.“-Autor und Zoologe Axel Gomille Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Pferdezüchtern, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir Menschen uns mit den Wölfen arrangieren können.

In Deutschland leben heute wieder rund 25 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Sie kommen sogar bis vor die Tore von Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Was Artenschützer freut, empfinden andere als große Gefahr. Und obwohl der Wolf als eine der seltensten Tierarten in der Europäischen Union streng geschützt ist, werden immer wieder Tiere illegal abgeschossen. Dabei kann der Abschuss eines Wolfs mit hohen Geldstrafen und sogar mit Gefängnis geahndet werden. Das scheint die „Wolfsjäger“ aber nicht abzuschrecken. So ermittelt zum Beispiel das Landeskriminalamt Sachsen derzeit gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Da es sich um den Vater eines Wolfsrudels handelte, war der Verlust besonders groß: Die Wolfsmutter konnte ihre Jungen nicht allein versorgen. So verendeten die Welpen über den Sommer schließlich. Vermutlich waren sie verhungert – eine Tragödie, die zeigt, wie durch einen einzigen Schuss eine ganze Tierfamilie ausgelöscht werden kann.

Ich glaube, die Sendung könnte spannend werden – und da es zumindest bei uns in Bayern am Wochenende einen Wettersturz geben soll, verpasst man draußen wohl auch nicht sehr viel.

Ein Tier-Selfie gefällig?

TierselfieneuSelfies sind ja für manche Zeitgenossen inzwischen so eine Art Nachweis dafür geworden, dass sie existieren. Nach dem Motto: Ich stelle ein Selfie ins Netz, also bin ich – und umgekehrt. Ich finde das ziemlich armselig, aber der Hang zur Selbstdarstellung ist nun mal eine Erscheinung unserer Zeit.

Und deshalb gibt es jetzt auch Selfies von Tieren. Und zwar von Tieren im Serengeti-Nationalpark, also in Tansania und Kenia. In einem Teil dieses ostafrikanischen Landstrichs haben Wissenschaftler um Alexandra Swanson von der University of Minnesota in Minneapolis in den vergangenen Jahren 225 Spezialkameras aufgestellt. Wenn sich denen ein Tier nähert, wird die Kamera automatisch ausgelöst. Und so entstehen dann diese neuartigen Selfies, bisher Hunderttausende. Darunter finden sich lustige Bilder, etwa der Riesenhintern eines Flusspferdes, oder originelle Schnappschüsse wie der von einem Pavian, der aussieht, als würde er die Kamera klauen wollen. Natürlich wurden die Kameras nicht für Tier-Selfies aufgestellt, sondern für die Erforschung der Tierwelt in der Serengeti. Aber die Fotos sehen aus wie Selfies, weil die meisten Tiere ganz nahe an die Kamera herankommen und der Ausschnitt genauso unprofessionell wirkt wie bei einem Selfie.

Von wegen „Tierschützer“!

Sie nennen sich Tierschützer, aber sie greifen zu teils kriminellen Methoden wie etwa Brandanschlägen, Einbrüchen, Körperverletzung oder sogar Morddrohung, um ihre Ziele durchzusetzen. Dabei quälen sie manchmal auch noch Tiere, die sie angeblich retten wollen, auf brutalste Weise!

PutenIn der Nähe von Schwäbisch-Hall schlichen sich kürzlich drei Tierschutz-Aktivisten nachts in einen Putenstall, um die ihrer Meinung nach miserable Haltung des Geflügels mit einer Kamera zu filmen. Dabei verletzten sie den Geflügelhalter, der sie dabei erwischte, mit Pfefferspray. Bei einem Einbruch von Tierbefreiern im Kreis Rems-Murr gerieten die Puten in Panik, mit der traurigen Folge, dass 250 Tiere starben. In Niedersachsen, wo traditionell die Hühnerzucht eine wichtige Rolle spielt, besetzen Tierrechtler immer wieder Felder und Bauplätze oder blockieren Schlachthöfe. Die „Animal Liberation Front“ hat allein in Niedersachsen in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren fünf Brandanschläge verübt.

Ein Fall, der Schlagzeilen machte, war die in Großbritannien gegründete „Animal Liberation Front“, die im Jahr 2009 mit Molotov-Cocktails einen norditalienischen Zoo in Brand setzte, um gegen die dort „inhaftierten Vögel“ zu protestieren. Dumm nur, dass dabei 40 Mäusebussarde, Falken und Eulen elendiglich verbrannten.

Erst vor kurzem gingen der Fall des Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis durch die Presse, der an Affen Versuche durchführte. Er wurde über Monate hinweg bedroht und erklärte zuletzt, die Experimente mit Affen zu stoppen und in Zukunft nur noch Ratten dafür zu verwenden. Dem Forscher soll es nach der langen Zeit der Schlammschlacht gegen ihn körperlich und psychisch schlecht gehen.

Damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt: Ich will keinesfalls Massentierhaltung verteidigen. Ich unterstütze Tierschutz selbst, wenn ich kann. Aber echte Tierschützer lehnen jede Form von Gewalt ab, vor allem die gegen Menschen. Und dazu gehört für mich auch die bewusste Verbreitung von Behauptungen, die nicht der Wahrheit entsprechen, um Personen oder Institutionen zu schädigen, nur weil sie mit der eigenen Gesinnung nicht kompatibel sind. Man denke nur an die Leitung des Nürnberger Tiergartens, die sich ständig gegen Vorwürfe bezüglich der Delfinhaltung wehren muss, die jeder Realität entbehren. Wertvolle Zeit, die normalerweise für die Zootiere verwendet würde, geht so verloren. Tierschutz-Aktivisten wie Peta oder WDSF erreichen nicht selten das Gegenteil ihrer – angeblichen – Absicht!

Gläubige und ungläubige Zoo-Menschen

Dag Encke, seit 2005 Nürnberger Tiergartendirektor, hat es mit den Medien nicht immer leicht – vor allem mit denen, die nicht in Nürnberg beheimatet sind. Immer wieder muss er zu denselben Vorwürfen in Sachen Delfinhaltung/Lagune Stellung nehmen. Die Fragen ähneln sich, die Artikel oder Sendungen ebenso. Einige Journalisten-Kollegen „recherchieren“ schon vor dem Hintergrund einer vorgefassten Meinung, die sie dann auch nicht mehr aufgegeben angesichts dessen, was sie vor Ort vorfinden. Die Artikel oder Berichte, die dabei herauskommen, lassen oft jede Neutralität vermissen, wie es zum Beispiel in der „Zeit“ vor einigen Wochen der Fall war. Delfine in Zoos oder Delfinarien – dass dieses Thema die Menschheit spaltet, haben wir ja immer wieder auch hier im Blog gesehen.

Ludwig Schick und Dan Encke im GesprächEs geht mittlerweile aber auch um die Frage, ob Zoos heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind. Ob Tierhaltung dort womöglich gegen ethische Grundsätze verstößt. Oder gegen die von Gott gewollte Ordnung. Derart dürften wohl die Hintergedanken für ein Gespräch gewesen sein, das vom Bildungszentrum Nürnberg veranstaltet wurde: Dag Encke und Erzbischof Ludwig Schick saßen sich gegenüber und unterhielten sich – wie immer in der Reihe „Starke Köpfe“ – in persönlicher Atmosphäre und ohne Moderator. Ludwig Schick ist seit 2002 Erzbischof von Bamberg. Bevor er sich für die Theologie entschied, hatte er Medizin studiert und kann von daher wissenschaftliche Gedankengänge besser nachvollziehen als so mancher reine Theologe. Schick hat außerdem alle Kontinente bereist und immer wieder Tiere in freier Wildbahn erlebt, die in unseren Breiten nur in Zoos zu sehen sind.

Eine gute Basis also für ein anregendes Gespräch – das dann wesentlich philosophischer geriet, als viele es wohl erwartet hatten. Eher nebenbei erfuhren die Zuhörer interessante persönliche Geschichten. Etwa, dass Encke als Zehnjähriger tief gläubig war, später aber „abschwor“ und einem naturwissenschaftlichen Weltbild für seine Lebensauffassung und -führung den Vorzug gab. Heute bezeichnet er sich selbst als „ungläubigen Zoo-Menschen“. Oder dass Schick früher zur Jagd ging und durchaus nachvollziehen kann, wenn jemand auf eine Trophäe wie zum Beispiel ein Geweih stolz ist. Die beiden Männer auf dem Podium vertraten – zu ihrem eigenen Erstaunen – oft gemeinsame Standpunkte, wenn auch vor einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund.

Dag Encke merkte man an, dass er froh war, einmal losgelöst von Vorwürfen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung über ethische und philosphische Fragen plaudern zu können. Dabei glänzte er mit einem breiten Wissen, mit dem er selbst den Erzbischof beeindruckte. Encke sprach aber auch von sich aus seine Haltung an, dass er kein Problem damit hat, Tiere zu töten und anschließend Zootieren zum Fressen vorzuwerfen – womit er in der Öffentlichkeit schon aneckte. Beim Erzbischof stieß er damit auf (Ein-)Verständnis. Schick seinerseits nahm Tierrechtlern den Wind aus den Segeln, die etwa Menschenrechte für Tiere fordern; er lehnt es auch strikt ab, „Tiere zu verherrlichen“. Aber er betonte auch: Tierrechte gibt es, und die sind einzuhalten – gerade von Zoos. Da waren die beiden Männer einer Meinung. Encke will im Tiergarten Tiere so zeigen, dass er sich nicht dafür schämen muss und misst sich selbst an diesem Anspruch. Zu Recht, wie der Applaus im Publikum nach eineinhalb spannenden Stunden unterstrich.

Grundrechte für Menschenaffen?

Das Thema kehrt in regelmäßigen Abständen immer wieder auf die Tagesordnung zurück. Es geht um die Frage, ob Menschenaffen – also Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos – Grundrechte zugestanden werden sollten. Nun hat eine Initiative beim zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition eingereicht, weil sie für diese Rechte eintritt. Die Menschenaffen seien, so argumentiert die Gruppe, ähnlich empfindungs- und leidensfähig wie Menschen. Daher müsse ihnen ein Rechtsstatus zustehen, der der Menschenwürde gleichkomme. Diese Tiere müssten auch durch Gesetze mit Verfassungsrang geschützt werden. Der Petitionsausschuss hat das Anliegen nun zu prüfen – was aber ziemlich lange dauern dürfte, denn in dieser Frage gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander.

Bisher unterliegen Menschenaffen, wie andere Tiere auch, im deutschen Grundgesetz dem Tierschutz. Deutschland ist damit im Vergleich zu anderen Ländern sehr fortschrittlich, es hat im Jahr 2002 in der Europäischen Union die Vorreiterrolle übernommen, als es dem Tierschutz Verfassungsrang eingeräumt hat. Der Staat muss demnach laut Artikel 20a im Grundgesetz die natürlichen Lebensgrundlagen der Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung schützen. Weitere Regelungen laufen über das Tierschutzgesetz, in dem es Ordnungswidrigkeiten gibt, aber auch Tatbestände, die als Straftat geahndet werden. Das gilt zum Beispiel in Fällen, in denen Wirbeltiere „ohne vernünftigen Grund“ getötet werden oder ihnen „aus Rohheit erhebliche Schmerzen“ zugefügt werden. Bei solchen Delikten können saftige Strafen die Folge sein oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Reicht das deutsche Tierschutzgesetz damit aus, oder brauchen manche Tiere tatsächlich Grundrechte, die an die der Menschenwürde heranreichen? – Ich bezweifle, dass der Petitionsausschuss überhaupt zu einer klaren Entscheidung kommen wird. Aber die Begründungen dürften interessant werden.

Die "Mille Miglia" in Bolsena

Ich habe viele Bekannte, die glänzende Augen bekommen und völlig verzückt sind, wenn sie diesen Begriff hören: „Mille Miglia“, auf Italienisch „Tausend Meilen“. Dieses Autorennen war von 1927 bis 1957 der Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen schlechthin, und eines der härtesten obendrein. 1977 wurde es als Neuauflage beziehungsweise als Hommage an das Original wieder eingeführt. Diese „Mille Miglia Storica“  ist wohl der spektakulärste Oldtimer-Event der Welt und findet einmal im Jahr in Italien statt, und zwar immer im Frühjahr. An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Über 450 historische Rennwagen nehmen an der Tour teil, die von Brescia in Norditalien nach Rom und wieder zurück führt. Ich habe Glück: Die Route geht durch das Latium, und heute Vormittag kamen die Autos auch durch meine derzeitige Wahlheimat Bolsena.

Die Straße war dicht gesäumt von Schaulustigen, die den Fahrern zujubelten, alles fotografierten und filmten. Die Motoren der Wagen ließen den ganzen Ort erbeben. Für jeden, der Oldtimer liebt, war es eine echte Offenbarung. Es sind Fahrzeuge unterwegs, die in ähnlicher Form auch bei den Rennen zwischen 1927 und 1957 dabei waren. Da sind Mercedes Flügeltürer ebenso zu sehen wie der BMW 328, der Porsche 356 oder der Bugatti 35A. Heute geht es aber nicht mehr um Höchstgeschwindigkeit, sondern hauptsächlich um die Zuverlässigkeit der historischen Boliden. Und das Ganze ist ein gesellschaftliches Ereignis höchsten Ranges. Die Teilnehmer müssen tief in die Tasche greifen. Denn abgesehen davon, was sie für ihr Fahrzeug finanziell schon aufgebracht haben, kostet es rund 10 000 Euro, bei diesem „Rennen“ überhaupt mitfahren zu dürfen. In diesem Jahr gibt es übrigens eine Neuerung. Während die insgesamt 1708 Kilometer der „Mille Miglia“ bisher in drei Etappen zurückgelegt wurden, sind es nun vier: Von Brescia über Therme Abano Montegrotto, Rom und Bologna zurück nach Brescia.