Stoppt endlich den Elfenbein-Schmuggel!

Ob sich Tierschützer in dieser Sache durchsetzen können? Nach dem Willen der Artenschutzorganisation Pro Wildlife soll die Bundesregierung das gesamte Elfenbein zerstören, das in den letzten Jahren in Deutschland beschlagnahmt wurde. Seit 1996 waren das laut Pro Wildlife über 6500 Schnitzereien aus Elfenbein und 135 komplette Stoßzähne. Elfenbein von frisch erlegten Tieren darf seit 1989 nicht mehr in die EU eingeführt werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat vor ein paar Wochen bei einer Konferenz in London eine Erklärung zur Vernichtung beschlagnahmter Wildtierprodukte mit
unterschrieben; daran muss sie sich jetzt messen lassen. Immerhin gibt es mittlerweile weltweit eine Bewegung, die dem millionenschweren Handel mit Elfenbein den Garaus machen will. Andere Staaten sind bei der Zerstörung von Elfenbein mit gutem Beispiel vorangegangen, etwa die USA, Kenia und Frankreich. In Deutschland halten die Behörden nichts davon, weil die hier gelagerten Elfenbein-Mengen nicht groß genug seien, um wirklich ein Zeichen gegen illegalen Wildtierhandel zu setzen. Statt dessen will man die beschlagnahmten Waren beispielsweise für Schulungen oder die Forschung hernehmen.

Die deutschen Behörden schlagen eine andere Lösung vor: Es sind große Mengen von Mammut-Elfenbein vorhanden, in Form von Stoßzähnen der ausgestorbenen Tiere. Davon liegen allein an der Polarmeerküste angeblich 700 000 Tonnen – das in Kanada oder Alaska im Permafrost konservierte Material noch gar nicht eingerechnet. Artenschützer sind davon allerdings nicht überzeugt, weil Laien den Unterschied zwischen Elefanten- und Mammut-Elfenbein kaum sehen. Sie befürchten deshalb, der Handel mit Mammut-Stoßzähnen könnte zum Einfallstor für Elfenbein von gewilderten Elefanten werden.

In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Einfallslose Australier

Über den Kampf gegen wilde Kamele – besser gesagt Dromedare – in Australien habe ich hier schon vor vier Jahren geschrieben. Damals schwante mir schon Schlimmes – aber was sich dort mittlerweile abgespielt hat, übersteigt meine Befürchtungen um einiges. In der Zwischenzeit haben Scharfschützen sage und schreibe rund 160 000 dieser Tiere abgeschossen. Dazu gab es einen genauen Plan, nach dem von Helikoptern aus auf einem drei mal so großen Gebiet wie die Bundesrepublik Jagd auf die Kamele gemacht wurde. Zu allem Überfluss kam auch noch eine außergewöhnliche Dürre, die weitere 100 000 Kamele das Leben kostete. So blieben nach Schätzungen noch rund 300 000 Exemplare übrig.

Die Behörden bewerten die Aktion als großen Erfolg, warnen aber davor, dass nach ausreichenden Regenmengen die Zahl der Tiere schnell wieder ansteigen könnte. Sie wollen deshalb weiterhin „Kontrollmaßnahmen“ durchführen, damit die Anzahl der Tiere nicht um zehn Prozent pro Jahr ansteigt. (Da kann sich jetzt jeder selbst seine Gedanken machen, was wohl darunter zu verstehen ist!) Das Fleisch der abgeschossenen Dromedare hat man übrigens zu Tierfutter verarbeitet.

Dass es die Menschen waren, die im 19. Jahrhundert Dromedare erst aus Indien wegholten, um sie dann als Lasttiere für den Bau einer riesigen Überland-Telegrafenleitung in Australien ansiedelten – eine Tierart, die auf diesem Kontinent von Natur aus überhaupt nicht vorkommt – interessiert heute niemanden mehr. Nun sieht man nur noch die Probelme, die durch die stark angewachsene Kamel-Population entstanden sind: Die wilden Herden zerstören auf der verzweifelten Suche nach Wasser Häuser in den Dörfern vor allem in Zentralaustralien. Die schwersten Schäden hatte es in Docker River (etwa 500 Kilometer südlich von Alice Springs) gegeben.

Eine andere Lösung des Problemes als das massenhafte Erschießen ist offenbar niemandem eingefallen – ein echtes Armutszeugnis für ein Land, das so viele Menschen als ihr Traumland sehen, in das sie am liebsten auswandern würden!

Höchster Schutz für Wölfe

Passend zum Wochenende – und zum Titel meines Blogs! – eine positive Meldung: Wölfe genießen in Europa weiterhin höchsten Schutz nach dem Berner Artenschutzabkommen, das 1979 abgeschlossen wurde und Hunderte von Tier- und Pflanzenarten in Europa schützt. Demnach gelten Wölfe als „besonders gefährdet“. Im Europarat in Straßburg wurde jetzt schon zum vierten Mal einen Antrag der Schweiz abgelehnt, mit dem das Land ein Recht auf den Abschuss von Wölfen erreichen wollte.

Umweltschutzorganisationen haben die Schweiz deswegen immer wieder kritisiert. Schließlich lebt dort nur etwa ein Dutzend Wölfe. Das Parlament der Eidgenossenschaft dagegen wollte sogar aus der Artenschutzkonvention austreten, falls der Antrag auf das Jagdrecht wieder nicht durchkommt. Die Schweiz hat sich in ihrem Antrag auf einen Artikel in dem Artenschutzabkommen berufen, der den Abschuss von Wölfen zulässt, wenn diese andere Tierarten gefährden. Doch die Experten im Europarat halten diese Voraussetzung bei den wenigen in der Schweiz ansässigen Wölfen für nicht gegeben.

Wer sich für Zahlen interessiert: Der WWF beziffert die Anzahl der in Europa (einschließlich Russland) frei lebenden Wölfe auf 18 000; rund 2000 sind es in Spanien, ein paar Hundert in Polen, den Ländern des Baltikums und in Italien, auf rund sechzig  wird die Anzahl in den französischen Alpen beziffert. Auch in Deutschland haben sich wieder einige Rudel angesiedelt, hauptsächlich in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Sachsen dürfen Einzeltiere in Ausnahmefällen mit Genehmigung des Umweltministeriums abgeschossen werden.

Die Waschbären sind los!

Ich habe in meinem Blog schon mehrmals über Waschbären geschrieben – zuletzt hier. Das Phänomen an sich ist bekannt: Diese Tiere breiten sich bei uns immer stärker aus. Nun liegen aber neue Zahlen vor, und die finde ich schon beeindruckend. Der Bestand in Deutschland wird mittlerweile auf eine halbe Million Tiere geschätzt, 40 000 werden durchschnittlich pro Jagdsaison erlegt; zwischen 1. April 2010 und 31. März 2011 waren es mit 67 700 allerdings deutlich mehr.

Auffallend ist, dass die Waschbären vor allem in Städten oder dicht besiedelten Gebieten immer häufiger auftauchen. Dort kommen die Allesfresser am leichtesten an Futter heran. Manchmal durchwühlen sie Mülltonnen, manchmal stehlen sie Obst aus Gärten, manchmal dringen sie bis in Häuser vor und klauen dort herumliegende Nahrungsmittel. In Berlin sollen bereits über 400 Waschbärfamilien leben. Wahre Waschbär-Hochburgen sind außerdem Hessen und Brandenburg.

Das hat seinen Grund. Denn Waschbären, die ursprünglich nicht bei uns heimisch sind, sondern in Nordamerika, wurden seit etwa 1920 nach Deutschland gebracht – in Pelztierzuchtfarmen. So brauchte man die Pelze nicht mehr für teures Geld aus den USA zu importieren. 1927 sollen aus einer Zuchtfarm in Hessen drei Paare ausgebüxt sein, weitere fünf Tiere 1929 und 1930 in der Eifel. 1934 wurden dann in Nordhessen die ersten Waschbären bewusst in die freie Wildbahn ausgesetzt. In Brandenburg schafften es 1945 mehrere Tiere, von einer Zuchtanlage in die Freiheit zu gelangen.

Waschbären haben bei uns keine natürlichen Feinde und können sich dadurch stark vermehren. Ob sie tatsächlich heimische Tierarten verdrängen bzw. eine Gefahr für die heimische Fauna und Flora darstellen, ist allerdings wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

Um den Fischotter tobt ein Streit

In Niederbayern ist ein Streit entbrannt, der schwer zu lösen sein dürfte. Es geht um den Fischotter. Die Teichwirte im Bayerischen Wald beklagen in diesem Jahr eine wahre Fischotter-Plage. Weil ihnen die Otter die Fische aus ihren Teichen wegfressen würden, fühlen sich manche in ihrer Existenz bedroht.

Nun steht der Fischotter in Bayern auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Eine Zeitlang befürchtete man sogar sein Aussterben. Mittlerweile hat sich der Bestand in manchen Regionen allerdings recht gut erholt. Für manche zu gut. Die Teichwirte jedenfalls und zuständige Fischereifachberater sind der Ansicht, dass die Otter überhandnehmen. Angeblich fangen sie nicht nur die Fischmengen, die sie wirklich benötigen, sondern würden alle Fische umbringen, die ihnen über den Weg schwimmen. Neben einigen Teichen sollen die Otter ihre Beute sogar regelrecht zu Haufen aufgetürmt haben. Inzwischen hat bereits eine Reihe von Teichwirten aufgegeben und den Betrieb eingestellt.

Genaue Zahlen zu den Otterbeständen liegen laut bayerischem Forstministerium zurzeit nicht vor. Man verspricht einen Bestandsbericht für den Bayerischen Wald, der in einigen Wochen erscheinen soll. Geschädigte Teichwirte fordern inzwischen sogar Schadensersatz von der Staatsregierung. Und: Einge Fischereivereine verlangen, das für den Fischotter geltende Jagdverbot wieder aufzuheben.

Dagegen läuft wiederum der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Sturm. Dort hält man die Klagen über die Otter für überzogen. Der NABU ist der Auffassung, Teichwirte und auch einige Politiker machten den Fischotter zum Sündenbock, um von Problemen beim Fließwässerschutz abzulenken. Manche der Schwierigkeiten seien eindeutig vom Menschen verschuldet, nicht vom Otter. Die Naturschützer kritisieren zum Beispiel, in vielen Teichen würden natürliche Versteckmöglichkeiten fehlen und viel zu viele Fische gehalten. Die Otter würden auf die Massentierhaltung dann eben auf ihre Weise reagieren.

Ich glaube kaum, dass das Thema schnell vom Tisch sein wird. Der Streit dürfte noch weiter eskalieren und sich noch eine ganze Zeit lang hinziehen. Hoffentlich suchen die Teichwirte nicht ihr Heil in der Selbstjustiz und schießen einfach Otter ab, wenn es ihnen zu viel wird!

Seehunde als Sündenbock

In Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt: Küstenfischer und Jäger machen sich dafür stark, Seehunde zum Abschuss freizugeben, weil die Population angeblich zu groß geworden ist. Tierschützer wie zum Beispiel der WWF  zeigen sich entsetzt angesichts dieser Forderung und halten sie für völlig absurd – nachdem der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark für die Seehunde den erwünschten Effekt gebracht und der Bestand sich auf über 24 000 Exemplare im gesamten Wattenmeer eingependelt habe. Die Seehund-Jagd war Mitte der 1970er Jahre eingestellt worden.

Dagegen beschweren sich die Fischer, dass die Seehunde ihren Fang deutlich beeinträchtigen. Es gebe im Watt fast keine Plattfische oder Kabeljau mehr. Das führen sie auf den großen Appetit der Seehunde zurück, die am Tag rund fünf Kilo Fisch verspeisen und damit den Fischern angeblich praktisch alles wegfressen.

Die Tierschützer können diese Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich würden die Seehunde nur kleinere Fische fressen, die sich für die Fischer sowieso nicht lohnen. Für die Küstenfischer seien außerdem Muscheln und Garnelen die Haupteinnahmequelle.

Auch schleswig-holsteinische Jäger haben sich in den Streit eingemischt. Sie befürchten, der große Seehund-Bestand könnte zum Ausbruch einer Seuche führen. Fachleute des WWF halten auch das für äußerst unwahrscheinlich. Ob die Robben eine Immunität gegen Krankheiten aufbauen oder nicht, habe nichts mit der Größe ihrer Population zu tun.

Während die Fischer in Schleswig-Holstein für den Abschuss von Seehunden plädieren und eine Begrenzung des Bestandes auf 15 000 Tiere fordern, wollen ihre Kollegen in Niedersachsen davon nichts wissen. Sie haben erkannt, dass die Jagd auf Seehunde in der Öffentlichkeit gar nicht gut ankommt und schlecht fürs Image ist.

Mir scheint die Diskussion auch an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Mensch für die Überfischung der Meere verantwortlich ist. Nun die Seehunde zum Sündenbock zu machen, stellt die Tatsachen schlichtweg auf den Kopf.

 

 

Bleimunition macht Kondore krank

Es sind die seltensten und größten Vögel Nordamerikas: die Kalifornischen Kondore. In den achtziger Jahren war es schon einmal so weit, dass die majestätischen Tiere kurz vor dem Aussterben standen. 1982 existierten weltweit nur noch 22 dieser Vögel.

Damals startete man eine groß angelegte Rettungsaktion. Kondore, die zu den Geiervögeln gehören, wurden eingefangen, gezüchtet und später wieder ausgewildert. Das lief durchaus erfolgreich: Mittlerweile ist die Population auf etwa 400 Kondore angewachsen, die Hälfte davon in Freiheit, die übrigen in Zuchtstationen und Zoos. Die Freude unter Natur- und Artenschützern war groß.

Doch nun gibt es die nächste Hiobsbotschaft: Vielen freilebenden Kondoren droht eine Bleivergiftung. Die wird dadurch verursacht, dass sich die Geiervögel von Kadavern großer Säugetiere ernähren, die von Jägern mit Bleimunition erlegt wurden. Schon jeder fünfte Kondor leidet laut Wissenschaftlern unter einer so schweren Bleivergiftung, dass er entgiftet werden müsste. Sonst würden die Tiere erkranken und schließlich jämmerlich zugrundegehen. Etwa ein Drittel der Kondore leidet immerhin schon an chronischen Vergiftungserscheinungen. Das Gift blockiert ein Enzym, das unbedingt notwendig ist, um rote Blutkörperchen zu produzieren.

Die Forscher haben nachgewiesen, dass der größte Teil der Vergiftungen auf Blei aus Munition zurückzuführen ist, also auf Schrot oder Kugeln, die Jäger verwenden. In Kalifornien ist dort, wo Kondore ihren Lebensraum haben, Bleimunition seit einigen Jahren verboten. Offenbar halten sich die meisten Jäger aber nicht an dieses Verbot. Die Forscher halten es für unmöglich, unter diesen Umständen eine stabile Population von Kondoren zu erreichen. Damit ist das Überleben der Art in Freiheit wiederum gefährdet.

Toter Wolf, Teil 2

Weil es auch bei meinen Kommentatoren Zweifel gab, ob der tote Wolf im Westerwald wirklich ein Wolf war, und weil nun doch alles aufgeklärt ist, hier noch ein Nachschlag zu dem Thema.

Also: Wissenschaftler des Senckenberg-Forschungsinstituts haben herausgefunden, dass es sich bei dem erschossenen Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Das hat dann im ganzen Land zu einer heftigen Auseinandersetzung über das Thema Tierschutz geführt. Denn bekanntlich dürfen Wölfe in Deutschland nicht abgeschossen werden. Sie gelten als streng geschützte Art, weil sie hierzulande vom Aussterben bedroht sind.

Derjenige, der den Wolf getötet hat, hat sich in dieser Woche selbst bei der Polizei gemeldet. Es war ein 71-jähriger Jäger. Er behauptet, er habe das Tier auf einem Waldgrundstück, das er gepachtet hat, erschossen: Angeblich hat er ihn für einen wildernden Hund gehalten. Jetzt tut dem Mann die Sache furchtbar leid. Ob der Jäger noch strafrechtlich belangt wird, hängt von der Staatsanwaltschaft ab, die den Vorfall prüft.

Der Tierschutzbeirat Rheinland-Pfalz will nun die Tötung von Haustieren wie Hunden und Katzen durch Jäger ein für allemal verbieten lassen. Unabhängig davon plant das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz, nun einen Wolfsmanagement-Plan aufzustellen. Der hat zum Ziel, die Bevölkerung umfassend darüber zu informieren, dass Wölfe künftig auch in Nordrhein-Westfalen eine willkommene Art sind. Es wird allerdings einer Menge Aufklärungsarbeit bedürfen, um den Menschen begreiflich zu machen, dass Wölfe für sie nicht gefährlich sind. Dafür hat der „böse Wolf“, wie er schon aus dem Märchen bekannt ist, einen zu schlechten Ruf.

Der Wolf ist tot!

Das ist ja mal wieder unmöglich gelaufen: Der Wolf, der während der letzten Wochen durch die Medien als „Westerwald-Wolf“ bekannt wurde, ist tot. (Das Foto rechts stammt vom Naturschutzbund NABU.)

Es war das erste Mal seit mehr als 130 Jahren, dass im Westerwald wieder ein Wolf auftauchte. Spaziergänger hatten das Tier Ende März entdeckt und auch gleich fotografiert. Seitdem kam der Wolf allerdings kaum noch zur Ruhe. In verschiedenen Gegenden in Ostdeutschland haben sich Wölfe seit dem Jahr 2000, als die ersten Exemplare dort gesichtet wurden, mittlerweile wieder ansiedeln können. Ungefähr 100 Tiere leben dort zurückgezogen in den Wäldern.

Doch im Westerwald (Rheinland-Pfalz) musste auf einen einsamen Wolfsrüden unbedingt Jagd gemacht werden. Angeblich allerdings nicht von offizieller Seite. Der Landesjagdverband hat es sogar bedauert, als das Tier erschossen aufgefunden wurde. Die Jäger haben in dem Revier keine Jagd veranstaltet, nicht einmal die zuständigen Jagdpächter waren dort anwesend. Der Landesjagdverband hält den Vorfall für äußerst dubios. Wölfe sind seit 1990 in Deutschland geschützt. Weil es sich deshalb um einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Naturschutzgesetz handelt, hat der Verband sogar eine Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Und auch die Polizei ermittelt.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieser Fall tatsächlich aufgeklärt wird. Genauso wenig wie es eine Antwort darauf geben wird, warum das Tier sterben musste.