Ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Nach dem allgemeinen Jahresrückblick auf tierische Kuriositäten heute ein spezieller Blick zurück auf das Jahr 2013 im Tiergarten Nürnberg, mit ich mich in meinem Blog ja besonders intensiv beschäftige – zur Freude eines großen Teils meiner Leser, während der Tiergarten bei einigen anderen immer ein Reizthema zu sein scheint. – Sei´s drum! Für den Tiergarten war es ein Jahr wie in einer Berg-und-Tal-Bahn: Es ging ständig rauf und runter.

Publikumslieblinge: Auf Erdmännchen fliegen alle, sie liegen in den Zoos auf der Beliebtheitsskala inzwischen vor Klassikern wie Elefanten oder Menschenaffen. Besucher umlagern auch in Nürnberg das Gehege, seit die possierlichen Tiere im Juli dort eingezogen sind. Sie leben dort zusammen mit Fuchsmangusten. Riesig ist die Begeisterung, als im Oktober vier Erdmännchenbabys das Licht der Welt erblicken.

Unnahbar: Katinka, die Sibirische Tigerin, „zickt“ ein wenig herum. Als sie im Mai von Moskau am Schmausenbuck eintrifft, zeigt sie sich den Besuchern erst mal selten – schließlich stammt sie aus einem Zentrum für bedrohte Tierarten und ist keine Menschen gewöhnt. Im September wäre es der Raubkatze beinahe gelungen, die Mauer ihres Freigeheges vom Wassergraben aus zu überwinden; Besucher hatten sie provoziert. Ob Samur, der Tiger aus dem Zoo Wuppertal, der Katinka seit November Gesellschaft leistet, das Herz der jungen Wilden erobern kann?

Niedlich: Während Tigernachwuchs noch in weiter Ferne liegt, hat es bei den Kleinen Pandabären geklappt: Patna und Rex junior sind nun stolze Eltern zweier Babys, ebenso wie die Buntmarder Gorbi und Alisa. Auch bei den Seelöwen in der Lagune und im Aquapark ist die einjährige Babypause überwunden – gleich vier Jungtiere erblicken das Licht der Welt. Daran könnte sich Schabrackentapir-Dame Pinola mit ihrem neuen Partner Manado aus England ein Beispiel nehmen.

Traurig: Mit Gepardin Kelly verliert der Tiergarten im September ein wertvolles Zuchttier. Ganz aufgeklärt wird die Todesursache nicht, die Raubkatze litt auf jeden Fall an Gastritis. Seekuh Luna stirbt im Oktober kurz vor ihrem zehnten Geburtstag an einer Autoimmunerkrankung. Die altersschwache Iberische Wölfin Cora wird im Juli eingeschläfert. Sie ist die letzte ihrer Art am Schmausenbuck – die Wolfshaltung wird bis auf weiteres eingestellt; in das Gehege sollen demnächst Luchse einziehen.

Umzüge: Die Delfingruppe in der Lagune erhält im Juni Verstärkung durch die beiden Männchen Kai und Rocco aus Harderwijk. Im Gegenzug tritt der Bulle Joker die Reise nach Holland an. Einen Wechsel gibt es auch im Menschenaffenhaus bei den Gorillas: Für Hakuna Matata, die zur Zucht nach Budapest abgegeben wird, kommt im Januar die sanfte Louna aus dem Zoo Leipzig. Abschied nehmen heißt es auch von den Eisbärenzwillingen Gregor und Aleut, die seit April im Warschauer Zoo leben.

Tierischer Rückblick auf das Jahr 2013

Wer hat an der Uhr gedreht, frage ich mich wie früher Paulchen Panther. Kann es sein, dass dieses Jahr schon fast wieder vorbei ist? Den Jahresrückblicken nach zu schließen, die überall erscheinen oder gesendet werden, müssten wir ja seit Wochen schon kurz vor Silvester stehen. Aber nun dauert es tatsächlich nicht mehr lange, bis 2014 beginnt. Ich möchte an meiner Tradition festhalten, einen tierischen Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr zu werfen – auf die kuriosen Ereignisse, die zum Teil fast unglaublich klingen, aber tatsächlich alle passiert sind.

Zu erstaunlicher Berühmtheit hat es ein Lama in Frankreich gebracht: Betrunkene ließen das Zirkustier aus seinem Käfig frei, um es anschließend zu ihrer nächtlichen Tour durch Bordeaux mitzunehmen – nicht etwa zu Fuß, nein, in der Straßenbahn. Klar, dass heutzutage ein solches Ereignis fotografiert und ins Internet gestellt wird. So war über Nacht ein neuer tierischer Star geboren.

Nicht alle Tiere sind so beliebt. Es gibt sogar welche, die man bekämpft – wozu man notfalls einen professionellen Helfer engagiert. Ein solcher Kammerjäger in Neuseeland ging bei seinem Kampf gegen Mäuse in einer Bäckerei nicht ganz so gründlich vor, wie sich der Bäcker das gewünscht hätte: Eine Maus landete in einer Brot-Backform. Ich kann mir die Szene ganz gut ausmalen, wie der Bäcker dieses Brot in seinem Laden anschneidet – die Empörung kannte keine Grenzen. Die Geschichte landete in einem „Ekel-Buch“, das im Herbst von Gesundheitsschützern herausgegeben wurde.

Liebe kann beflügeln und Kräfte verleihen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Den Beweis dafür lieferte ein Esel in Saarbrücken. Er hatte sich in die Stuten auf einem Reitgelände verknallt, und seine Liebesnot war so groß, dass er tagtäglich den Zaun der Pferdekoppel durchbrach, um die Pferdedamen – zumindest aber sich selbst – zu beglücken. Diagnose: „hormonelle Reizüberflutung“. Die Besitzerin musste das Gatter verstärken lassen.

Schwer Herr werden konnte man auch einer Wildschweinrotte, die sich an der Autobahn bei Heilbronn verschanzt hatte. Die Polizei wollte sie zurück in den Wald locken und sperrte dafür die Autobahn für ein paar Stunden. Doch die Aktion missglückte – von den Wildschweinen fehlte praktisch jede Spur.

Schlagzeilen machte ein englischer Zoo mit Kleidervorschriften für seine Besucher. Stoffmuster wie Tigerstreifen oder Leopardenfell hatten die Zoobewohner beinahe durchdrehen lassen. Daraufhin beschloss die Tierparkleitung: Wer mit solcher Kleidung an der Kasse erscheint, muss entweder wieder gehen oder einen vom Zoo zur Verfügung gestellten grauen Anzug überstreifen. – Diese Vorschrift wurde allerdings inzwischen wieder abgeschafft.

Und dann gab es da noch Tiere, die Menschen über einen längeren Zeitraum zum Besten hielten. Zum Beispiel ein Storch in Mecklenburg-Vorpommern, der mit seinem Schnabel auf Autos einhackte, sie verbeulte und auf diese Weise auch Glasscheiben an Haustüren zerschlug – möglicherweise, weil er sich in den glänzenden Objekten spiegelte und dieses Spiegelbild für einen Rivalen hielt. Die Bewohner des Ortes Bergholz wussten sich schließlich nicht anders zu helfen, als die Scheiben mit Decken zu verhüllen. Auch „Lotti“, die bayerische Version des Ungeheuers von Loch Ness, geisterte monatelang durch die Medien. Die Alligator-Schildkröte, die ihr Unwesen angeblich am Oggenrieder Weiher bei Irsee trieb, wurde jedoch nie gesehen. Dafür machte ein Bäcker mit „Lotti“-Semmeln Geschäft. Und die Suche nach dem Fabelwesen soll im nächsten Jahr weitergehen. – Na dann, auf mehr Erfolg im neuen Jahr!

Das war das Tiergarten-Jahr 2012

Einen tierischen Rückblick aufs Jahr 2012 gab es in meinem Blog ja hier schon zu lesen. Zum Jahreswechsel möchte ich aber auch noch einmal die wichtigsten Ereignisse im Tiergarten Nürnberg Revue passieren lassen.

Wir erinnern uns: Der Tiergarten hat im Mai sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Der Alte Nürnberger Tiergarten war am 11. Mai 1912 im Luitpoldhain eröffnet worden. Er musste 1939 an den Schmausenbuck umziehen, als die NS-Machthaber Platz für das Reichsparteitagsgelände brauchten.

Vor allem die Geparden sorgten dafür, dass das Jubiläumsjahr recht stürmisch verlief. Gepard Turbo brach im Januar aus seinem Gehege aus und sprang auf ein Shetlandpony los, das mit seiner Pflegerin am Gehege vorbeispazierte. Doch das Pony – die vier Jahre alte Graciella – wehrte sich, versetzte der geschmeidigen Raubkatze Tritte mit den Hufen und schlug sie in die Flucht. Nach zwei Stunden wurde Turbo mit leichten Verletzungen wieder eingefangen. (Mehr dazu hier)

Im März durfte Turbo dann Vaterfreuden genießen. Seine Partnerin Kelly brachte Fünflinge zur Welt, drei Kater und zwei Katzen. (Mehr dazu hier) Teilweise scheinen die Jungen den Freiheitsdrang von Turbo geerbt zu haben: Im Juni gelang es einem von ihnen, die Mauer, die das Gehege umgibt, und die Stromsicherung zu überwinden. Eineinhalb Tage dauerte der Ausflug des kleinen Ausreißers, dann ging er seinen Fängern ins Netz. Zum Glück, denn sonst wäre er wohl verhungert. (Mehr dazu hier)

Zu den traurigen Nachrichten dieses Tiergarten-Jahres gehörte der Tod von Tiger Cornelius im Oktober. Der Sibirische Tiger und sein Bruder Claudius sind eigentlich in Straubing zu Hause und nur vorübergehend in Nürnberg untergebracht, während in ihrem Heimatzoo eine moderne Raubtieranlage gebaut wird. Obwohl die sechs Jahre alten Zwillinge seit ihrer Geburt zusammenlebten und sich gut verstanden, kam es zwischen ihnen zu einer Rauferei, die nicht wie sonst spielerisch ablief. Vielmehr trug Cornelius schwere Verletzungen davon, die er nicht überlebte. (Mehr dazu hier)

Abschied nehmen hieß es im November auch von Purana, der 20-jährigen Panzernashorndame. Sie erholte sich nicht mehr von einer Fehlgeburt, die zu einer schweren Infektion führte. Während ihrer 19 Jahre am Schmausenbuck hatte sich Purana zu einem der beliebtesten Zootiere entwickelt – vor allem, weil sie drei gesunde Babys zur Welt brachte und liebevoll großzog: Die beiden Söhne Albrecht und Hans sowie eine Tochter, die wegen ihres heller gefärbten linken Vorderbeins Seto Paitala heißt. Das bedeutet auf Nepalesisch so viel wie „Weißer Fuß“. (Mehr dazu hier)

Tierischer Jahresrückblick auf 2012

Lieber Himmel, die Zeit vergeht mal wieder wie im Fluge. Das Jahr 2012 rast unweigerlich seinem Ende entgegen, im Fernsehen werden wir seit Wochen mit  Jahresrückblicken bombardiert. Auch in der Welt der Tiere gab es im vergangenen Jahr so manches denkwürdige, lustige oder auch traurige Ereignis. Eine Auswahl gefällig? – Bitteschön!

Im Februar wurde im Tierpark Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz ein seltenes Tier geboren: ein Hauskaninchen ohne Ohren, ein „Keinohrhase“ sozusagen, wie im Film von Til Schweiger (auf dem Foto ist das Kaninchen zusammen mit einem seiner fünf Geschwister zu sehen, die mit Ohren geboren wurden). Der Tierpark hoffte, mit dieser Sensation in den Medien groß rauszukommen. Das schien zunächst auch zu klappen. Ein Filmteam rückte im März an, um einen Beitrag über das Tierchen zu drehen. Doch das ging gehörig schief: Ein Kameramann trat versehentlich auf das Kaninchen und zerquetschte es.

In England sorgte Schafbock Randy (zu Deutsch: „geil“) für Schmunzeln, weil er seinem Namen alle Ehre machte: Er sprang über einen Zaun in ein Gehege, in dem weibliche Texelschafe lebten, und beglückte die Damen fast allesamt. Ein halbes Jahr später kamen 30 Lämmer von 30 verschiedenen Partnerinnen zur Welt. Respekt!

Romantischer veranlagt zeigte sich Pinguin Bonaparte im Zoo von Konstanz. Nachdem er sich im Jahr 2011 in den Gummistiefel seines Tierpflegers verliebt und damit Schlagzeilen gemacht hatte, fand er nun in dem weiblichen Pinguin Gertrud die Dame seines Herzens. Als Zeichen seiner Liebe verneigte er sich tief vor ihr und legte ihr zwar nicht die Welt, aber immerhin kleine Steinchen als Geschenk zu Füßen.

Weniger romantisch ging es im indonesischen Zoo Solo zu. Dort lebt die Orang-Utan-Dame Tori. Zehn Jahre lang hat sie geraucht wie ein Schlot und alle Zigaretten zu Ende gepafft, die Besucher ihr ins Gehege warfen. Nun wurde Tori Nikotinentzug verordnet. Damit büßte der Tierpark bei den Besuchern allerdings eine seiner Attraktionen ein.

Der Berliner Zoo musste den Tod eines seiner beliebtesten Tiere bekanntgeben: Dort starb der 34 Jahre alte Pandabär Bao Bao, der weltweit der älteste Panda in einem Zoo gewesen sein soll. Bao Bao war 1980 nach Berlin gekommen – und die Berliner sind ja bekanntermaßen große Fans von Bären.

Mit einem Video im Internet machte im Mai der Zoo von Portland von sich reden. Darauf war folgende Begebenheit zu sehen: Der kleine Jack, bekleidet mit einem schwarz-weiß gestreiften Kapuzenpullover, spielt am Raubtiergehege. Plötzlich schleicht sich von hinten Löwin Kya an und schnappt mehrmals nach dem einjährigen Kind. Glück für Jack, dass sich eine mehrere Zentimeter dicke – auf dem Video unsichtbare – Glaswand zwischen ihm und der Löwin befand. Kya hatte das Kind wohl mit einem Zebrababy verwechselt und leckere Beute gewittert.

 

Plagiate und falsche Rekorde

Es naht mit Riesenschritten, das Jahr 2012. Nach dem eher ernsten Rückblick auf das alte Jahr vor ein paar Tagen soll es in meinem Blog heute, der Silvesterlaune entsprechend, mit einigen eher amüsanten Tiergeschichten von 2011 zu Ende gehen.

Irgendwie war es das Jahr der Plagiate. Karl Theodor hat es vorgemacht – und er hat auch in der Tierwelt Nachahmer gefunden. Nehmen wir zum Beispiel einen berühmten Schimpansen, respektive Schimpansendame: Cheetah aus den Tarzan-Filmen der 30er Jahre. Kürzlich lief die Meldung über die Nachrichtenagenturen, der Affe sei im biblischen Alter von 80 Jahren gestorben – echt rekordverdächtig, denn normalerweise werden diese Menschenaffen in menschlicher Obhut höchstens 60 Jahre alt. Das Foto entstand kurz vor dem Tod von Cheetah.

War das tote Schimansenweibchen tatsächlich die Filmpartnerin von Johnny Weissmüller in den 30er und 40er Jahren, wie in diesem Video zu sehen? Und schreibt sie sich nun mit oder ohne H am Ende? – Fest steht nur, dass eine ganze Reihe von Schimpansen diese Rolle übernommen haben, von denen schon in den 1930er Jahren einer das Zeitliche segnete. Die Besitzerin der jetzt gestorbenen Cheetah, die ein Menschenaffen-Altersheim an der Golfküste Floridas leitet, hat angegeben, ihre Großeltern hätten Cheetah ungefähr 1960 von Johnny Weissmüller bekommen. Beweisen kann sie das allerdings nicht. Sie selbst ist 51 Jahre alt und behauptet, sie kenne das Tier schon, solange sie lebe, und als sie selbst noch ein Kleinkind war, sei Cheetah bereits ein ausgewachsener Schimpanse gewesen. Sollte das nicht stimmen, wäre es nicht die erste Cheetah-Fälschung. Denn bereits im Jahr 2008 war in Kalifornien der Tod von Tarzan-Cheetah gemeldet worden. Ein Journalist der „Washington Post“ kam aber dahinter, dass dieses Tier erst um 1960 geboren worden war.

Einen Rekord, der nicht lange hielt, gab es 2011 auch in Australien. Dort schaffte es „Cassius Clay“ mit seinen fast fünfeinhalb Metern als größtes in Gefangenschaft lebendes Krokodil ins Guinness-Buch der Rekorde. Doch der Stolz währte nur kurze Zeit: Mittlerweile wurde auf den Philippinen ein Krokodil gefangen, das Cassius Clay um 90 Zentimeter überragt!

Wagen wir zum Schluss einen Blick in die Zukunft. Da befürchte ich schon die nächste tierische Fälschung. Und zwar in Zusammenhang mit dem Pinguin Happy Feet – Sie wissen schon, der Pinguin, der im Sommer Tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat in der Antarktis vor Neuseeland gestrandet war, schwach und krank, weil er beim Fressen Sand mit Schnee verwechselt hatte. Als er wieder gesundet war, rüstete man ihn mit einem Peilsender aus und ließ ihn frei. Das Tier sollte auf dem Rückweg in seine Heimat geortet werden können. Der Kontakt riss aber bald ab, aus welchen Gründen auch immer. – Wetten, dass Happy Feet im neuen Jahr irgendwo wieder auftaucht? Spätestens aus dem Sommerloch 2012, als Ersatz für das Ungeheuer von Lochness, das dieses Loch in früheren Zeiten zu füllen pflegte?

Aber bis dahin liegt noch ein halbes Jahr vor uns. Sehen wir zu, dass es tierisch gut wird!

 

 

 

 

 

 

Glück und Pech im Jahr 2011

Weihnachtsgans gut verdaut, unpassende Geschenke umgetauscht? Gut, dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen. Das heißt, so ganz alltäglich ist diese Zeit zwischen den Jahren ja nicht. Man macht sich Gedanken über Vergangenes und Zukünftiges, zieht Bilanz, blickt nach vorne. Das habe ich in den Vorjahren in meinem Blog ebenfalls getan und möchte auch zu diesem Jahreswechsel nicht darauf verzichten.

Für einige Tierarten ist das zu Ende gehende Jahr alles andere als ein gutes gewesen. Ganz besonders schlecht verlief es zum Beispiel für Grauwale: Die werden sowieso schon immer weniger, und die letzten 130 Exemplare vor der russischen Insel Sachalin sind auch noch durch Ölförderprojekte bedroht.  Wie schlimm es um Nashörner steht, habe ich erst im November geschrieben. Übel ist auch der Irawadi-Delfin in Südostasien dran: 85 Tiere gibt es nach Angaben des WWF noch im Mekong. Die Jungtier-Sterblichkeit ist ungewöhnlich hoch, und die Fischerei tut ein Übriges, um die lächerliche Bestandszahl weiter zu dezimieren.

Aber wir brauchen gar nicht so weit weg zu gehen: Auch in unseren Breiten sind Tiere beinahe ausgerottet, weil der Mensch nur an sich denkt. In der Donau waren zum Beispiel einmal sechs verschiedene Störarten vertreten – jetzt ist es nur noch eine. Das kommt mir irgendwie vor wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“. Schuld an der Entwicklung ist vor allem der illegale Handel mit Kaviar. Mittlerweile gibt es in der EU nur noch in Rumänien und Bulgarien wildlebende Störe.

Damit das Jahr in meinem Blog nicht nur mit solch traurigen Tier-Meldungen zu Ende geht, hier auch noch die eine oder andere positive Nachricht:

Es geht aufwärts mit den Berggorillas, die schon einmal kurz vorm Aussterben standen. Der WWF kommt bei seiner neuesten Zählung auf  insgesamt 780 Exemplare in teils grenzüberschreitenden afrikanischen Nationalparks in Uganda, in Ruanda und im Kongo. Aufatmen dürfen wir auch beim Europäischen Luchs: Man geht davon aus, dass im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald heute wieder etwa 25 Exemplare leben.

Beenden möchte ich die erfreulichen Entwicklungen mit den Przewalski-Wildpferden, die vor 15 Jahren als ausgestorben galten. Seit sie in der Monoglei ausgewildert werden, gibt es nun in freier Natur wieder rund 300 dieser Urwildpferde. Der Tiergarten Nürnberg hat mit seiner erfolgreichen Zucht einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Im Tiergarten kann man nach wie vor eine Przewalski-Herde beobachten, ebenso wie im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst. Obwohl – ich kenne Leute, die dort schon öfter waren und die Tiere noch nie zu Gesicht bekommen haben. Denen kann ich versichern: Die Urwildpferde sind dort, man muss aber schon ein wenig Glück und Geduld haben, sie zwischen Bäumen und Sträuchern in der weitläufigen Anlage zu entdecken.

 

Tiergarten zieht Bilanz für 2010

Im Nürnberger Tiergarten blickt man mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2010 zurück. Fangen wir mit dem Positiven an. Freuen kann sich der Zoo über die Tierbabys, die im vergangenen Jahr am Schmausenbuck zur Welt kamen und erfolgreich großgezogen wurden: vier Geparde, zwei Schneeleoparden, eine Giraffe, drei Seelöwen, ein Fischotter, fünf Pelikane, vier Humboldtpinguine, ein Zwergseidenäffchen und 27 Seepferdchen. Dazu kommen noch die im Dezember geborenen Eisbären-Zwillinge, denen es nach wie vor – den Aufzeichnungen der Überwachungskamera in der Wurfhöhle nach zu urteilen – gut geht. Wenn sie sich so weiterentwickeln wie bisher, werden die Kleinen im März oder April mit ihrer Mutter Vera die Höhle verlassen und im Freigehege der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weniger schön ist die Besucher-Bilanz für 2010. Erstmals seit dem Jahr 2000 liegt sie mit 933 107 unter der Millionengrenze. Man führt das zum einen auf das miserable Wetter von Ostern bis Pfingsten zurück, ein Defizit, das nicht mehr aufzuholen war.  Zum anderen hat vor allem die Großbaustelle der Delfinlagune und der Umbau der Berberaffen-Anlage, beide gleich im vorderen Bereich des Tiergartens, viele Leute von einem Zoobesuch abgeschreckt. Der Besucherrückgang beeutet 600 000 Euro weniger Einnahmen. Mit dem Geld hätten eigentlich eine neue Brücke im Aquapark und eine Anlage für Tigeriltisse gebaut werden sollen – beide Projekte müssen nun verschoben werden.

Zum Jahresende 2010 lebten im Tiergarten 2653 Einzeltiere aus 261 Arten. An neuen Arten sind hauptsächlich die Bewohner der im August eröffneten Mittelmeeranlage zu nennen: Ziesel, Perleidechsen, Landschildkröten, Scheltopusiks und Steinhühner.

BlattschneiderameisenAußerdem leben seit einiger Zeit vier Staaten von Blattschneidermeisen am Schmausenbuck. Noch sind sie in einem Container versteckt, der für Besucher nicht zugänglich ist. Dort züchtet man sie, damit sie später im neuen Manatihaus präsentiert werden können. Um wie viele Einzeltiere es sich handelt, weiß niemand zu sagen. Im vergangenen August sind bereits einmal Zigtausende dieser Insekten ausgebüxt. Sie wurden tagelang mit einem Staubsauger wieder eingefangen.

Für das neue Jahr steht im Tiergarten als größte Veränderung die Eröffnung der Delfinlagune mit dem dazugehörigen Manatihaus an. Wenn beim Bau nichts dazwischenkommt, soll sie im August erfolgen. Dann soll auch die neue Strecke für die Kleinbahn fertig sein und der „Kleine Adler“ die Besucher wieder durch das Zoogelände fahren. Anstelle des alten Kiosk auf dem Vorplatz des Delfinariums, der abgerissen wurde, entsteht bis zum Sommer ein neues Bistro. Und auch der Kassenbereich wird umgestaltet; statt wie bisher fünf Kassen stehen dann an Spitzentagen acht Kassen zur Verfügung.

Die Zooleitung geht davon aus, dass Delfinlagune und Manatihaus dem Tiergarten ein deutliches Besucherplus bescheren. Man rechnet mit einem Schnitt von 1,18 Millionen Besuchern im Jahr. Die werden dann auch einen höheren Eintrittspreis bezahlen müssen: Es gibt künftig keine getrennten Karten für Tiergarten und Lagune, weil diese frei zugänglich sein wird. Wie viel die Billetts kosten sollen, wird derzeit noch ausgetüftelt.

Tierischer Jahresrückblick

Das Jahr 2010 neigt sich langsam dem Ende zu. Die Medien bringen einen Jahresrückblick nach dem anderen. Da bietet sich für „Achtung, Wolf!“  natürlich ein tierischer Jahresrückblick an.

060410BER317Blau: Für Furore sorgten in diesem Jahr Blaue Störche in Brandenburg und in der Elbmarsch, über die ich auch in meinem Blog mehrfach geschrieben habe, zuletzt hier. Die Aufregung war groß, immer wieder gab es Schlagzeilen über die absonderlichen Vögel und jede Menge Schaulustige, die in die Dörfer mit den blauen Störchen fuhren, um sie zu fotografieren. Letzten Endes wurde das vogelige Rätsel gelöst: Die Störche waren bei einer Zwischenlandung auf einer Mülldeponie mit blauer Industriefarbe in Berührung gekommen.

Teuer: Einen jungen Mann in Mülheim/Ruhr kam sein außergewöhnlicher Geschmack in Sachen Haustier teuer zu stehen. Er hielt sich eine giftige Monokelkobra, die plötzlich verschwand. Es begann eine groß angelegte Suchaktion in dem Mietshaus, bei der sogar Bodendielen herausgerissen wurden. Alle Mieter mussten vorübergehend aus dem Haus ausziehen, weil es versiegelt wurde. Am Ende tauchte die kleine Giftschlange wieder auf – allerdings nicht mehr lebendig. Ein ausgelegtes Klebeband war zur tödlichen Falle für sie geworden: Die Schlange blieb daran kleben und vertrocknete. Die Suchaktion und ihre Folgen kosteten den Schlangenbesitzer immerhin um die 100 000 Euro.

Bekloppt 1: Ein Mann in Essex (England) wollte seiner Frau zuliebe eine Spinne töten. Er zielte mit einer Spraydose auf das Tier und wollte dann sichergehen, dass es auch wirklich tot war. Zu diesem Zweck hielt er ein Feuerzeug an die Spinne. Dadurch gab es eine Verpuffung, die den Mann quer durch den Raum schleuderte. Im Gegensatz zur Spinne überlebte er.

Bekloppt 2: Wenig Glück hatte ein Mann in der Steiermark (Österreich), der einem kleinen Nagetier an den Kragen wollte. In seinem neuen Haus versuchte er, ein Mauseloch mit Kunststoffschaum zu verkleben. Durch eine in der Nähe stehende brennende Kerze entzündeten sich die Dämpfe des Schaumes, und bald brannte die ganze Wand.

Wertvoll: Ein Hund in den USA hat das wertvollste Häufchen des Jahres 2010 produziert. Das Tier hatte einen Diamanten im Wert von ungefähr 15 000 Euro verschluckt, den es später auf natürlichem Wege wieder ausschied. Wohl selten hat ein Hundehaufen für so viel Aufregung gesorgt.

Tiere gezählt, gewogen und gemessen

SetoaufwaageIm ganzen Land machen die Zoos in diesen Tagen Inventur: Tiere werden gezählt, gewogen und gemessen. So auch im Tiergarten Nürnberg. Um den Pressevertretern das an sich wenig spannende Zahlen-Material attraktiver zu präsentieren, musste das Ende August 2009 geborene Panzernashorn-Baby Seto Paitala als Zugpferd dienen: Für die Kameras lockte es sein Pfleger Oliver Pürkel mit leckerem Gemüse auf die Waage. 309 Kilo waren dort abzulesen – die Kleine hat also ganz schön zugelegt in den letzten Monaten! Es wird nicht mehr lange dauern, dann darf sie sich  nicht mehr auf die Waage stellen, denn die geht nur bis 400 Kilo. Der Pfleger nutzte auch gleich die Gelegenheit, um die Schulterhöhe des weißbeinigen Nashornbabys zu messen: 97 Zentimeter.

Panzernashörnchen ist derzeit – neben den drei kleinen Tigern – einer der großen „Stars“ im Tiergarten. Natürlich lockt auch Flocke noch viele Besucher an, zusammen mit ihrem Freund Rasputin ist sie ja nur noch wenige Wochen lang in Nürnberg, um dann nach Südfrankreich umzuziehen. Aber der Mega-Run auf Flocke hat doch deutlich abgenommen. So haben im vergangenen Jahr „nur“ noch 1,04 Millionen Menschen den Tiergarten besucht. Das Rekord-Jahr war 2008, als Eisbärenbaby Flocke die Riesenattraktion war; damals kamen fast 19 Prozent mehr Besucher als 2009.

Lesern, die sich für Zahlen interessieren, möchte ich weitere Ergebnisse der Inventur nicht vorenthalten: 2009 lebten 2548 Tiere aus 254 Arten in dem Zoo am Schmausenbuck. Sie haben 28 Tonnen Karotten verspeist, außerdem 13 500 Salatköpfe, 19 Tonnen Äpfel, sieben Tonnen Birnen, 3,7 Tonnen Bananen, 160 Tonnen Runkelrüben, 137 Tonnen Heu, 30,8 Tonnen Kraftfutter, 76,5 Tonnen Fisch und 23,7 Tonnen Fleisch.

2009 war für den Tiergarten ein Jahr der Um- und Neubauten: Das sanierte Raubtierhaus wurde nach über zwei Jahren wiedereröffnet, der neue Pavianstall in Eingangsnähe in Betrieb genommen, das Guanako-Gehege zum Natur-Erlebnis-Garten umgestaltet. Außerdem zog sich der Bau zweier zusätzlicher, ansprechend gestalteter Toiletten-Anlagen eine Zeitlang hin.

Die größte Baustelle des alten Jahres wird auch im neuen nicht verschwinden: Die Delfinlagune mit angeschlossenem Seekuh-Haus soll 2011 fertig sein – wenn alles klappt. Denn in diesem Bauwerk stecken eine Reihe von Unwägbarkeiten. Sollte etwa beim Transport der riesigen Unterwasser-Einsicht-Scheibe aus Acryl (zweieinhalb Meter hoch, 12 Meter breit, 30 Zentimeter dick), irgendetwas schiefgehen, kann sich die Bauzeit gleich um Monate verlängern. Das gute Stück kommt per Schiff und Lkw aus Japan. Nur dort und in den USA gibt es einen Anbieter dafür.

Tierischer Jahresrückblick

Auf Jahresrückblicke stößt man derzeit allüberall – leider nicht nur gerade jetzt, da das Jahr wirklich zu Ende geht, sondern schon seit Anfang Dezember. Was danach noch passiert ist, konnte eben nicht mehr in solchen Jahresrückblicken erscheinen. – Sei´s drum!

Auch ich möchte für meine Blog-Leser einen Blick zurück werfen – nicht im Zorn, sondern auf  Tiere, die im ablaufenden Jahr Schlagzeilen gemacht haben.

First DogDa hätten wir zunächst das wichtigste Tier des Jahres: Wer sonst könnte das sein als der „First Dog“ in den USA? Bei seiner Wahl zum US-Präsidenten hatte Barack Obama seinen beiden Töchtern Malia und Sasha versprochen, dass sie einen Hund bekommen würden. Wochenlang fieberte die ganze Welt mit, welche Hunderasse es sein würde, für die sich die Präsidentenfamilie entscheiden würde. Die US-Medien berichteten fast täglich über den neuesten Stand der Dinge. Schließlich gab man einem Portugiesischen Wasserhund den Vorzug. Er heißt „Bo“. Im April zog er ins Weiße Haus ein. Der schwarze, wuschelige Hund eroberte im Sturm die Herzen der Menschen.

Das verschlafenste Tier des Jahres ist für mich ein Dachs, der betrunken mitten auf der Straße seinen Rausch ausschlief. Dabei schlummerte er so tief, dass ein Autofahrer ihn für tot hielt. Der Mann alarmierte die Polizei. Als die Beamten eintrafen, wachte der Dachs endlich auf, war aber immer noch beschwipst.  Es stellte sich heraus, dass er zu viele überreife Kirschen gefressen hatte, die von einem Kirschbaum gefallen waren. Die Geschichte trug sich in Goslar (Niedersachsen) zu.

Der Unglücksrabe des Jahres unter den Tieren ist für mich ein kleiner Igel, der in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) mit einem Sahnebecher auf dem Kopf durch die Fußgängerzone irrte. Das Tierchen hatte offenbar die Reste aus dem Becher ausschlecken wollen und war dann in dem Gefäß steckengeblieben. Die Polizei konnte den Igel schließlich befreien.

Dann wäre da noch das diebischste Tier des Jahres. Nein, es handelt sich nicht um eine Elster, sondern um einen Fuchs. Der hat auch nicht die Gans gestohlen – aber so um die 200 Schuhe. Die klaute er nachts aus Gärten und Hauseingängen in Föhren (Rheinland-Pfalz) und schleppt sie anschließend in seinen Bau. Ob der Fuchs ein Schuh-Fetischist ist oder aus welchem anderen Grund er Nacht für Nacht auf Diebestour ging, konnte bis zum heutigen Tag nicht geklärt werden.