Sogar Kinder können Pate werden

Nach meinem letzten Beitrag über ein trauriges Ereignis im Nürnberger Tiergarten nun wieder eine erfreuliche Nachricht von dort: Vor 25 Jahren begann für den Zoo am Schmausenbuck die Geschichte der Tierpatenschaften; die hießen damals noch „Futterpatenschaften“. Der Aufruf in verschiedenen Medien – auch in der Nürnberger Zeitung – löste schnell eine große Resonanz bei Zootierfreunden aus. Und die Zahl der Menschen, die ihre Lieblinge auf diesem Weg unterstützen, steigt seit einem Vierteljahrhundert stetig (Foto: Manuel Mederer).

Inzwischen sind es mehr als 770 Paten, die sich auf diese Art und Weise engagieren. Sie haben dafür gesorgt, dass bisher über 1,7 Millionen Euro zusammenkamen. Mit dem Geld, das dadurch für Tierfutter eingespart wurde, konnten zum Beispiel das Mediterraneum sowie die Anlagen für Buntmarder, Erdmännchen und Fischkatzen teilfinanziert werden. Tierpatenschaften werden übrigens gern verschenkt, und zwar zu allen möglichen Anlässen wie etwa Geburtstag, Weihnachten, Taufe, Schulanfang oder Hochzeit. Rund um das Thema Tierpatenschaften kann man sich bei Zoo-Mitarbeiterin Monika Prell informieren, die diesen Bereich betreut. Entweder telefonisch unter 09 11/5 45 48 38, per Mail unter monika.prell@stadt.nuernberg.de oder man klickt einfach hier. weiter lesen

Alles Gute zum Geburtstag, Tiergarten!

Vor zwei Jahren hat der Nürnberger Tiergarten sein 100-jähriges Bestehen gefeiert – ich habe hier darüber geschrieben. Und nun steht schon das nächste Zoo-Jubiläum an: Vor 75 Jahren musste der Tiergarten vom Luitpoldhain in den Lorenzer Reichswald am Schmausenbuck umziehen, weil die Nationalsozialisten die Fläche am Dutzendteich zum Ausbau ihres gigantischen Reichsparteitagsgeländes brauchten. In einer Rekordzeit von nur zwei Jahren war am Schmausenbuck auf einer mehr als doppelt so großen Fläche – etwa 67 Hektar – ein Landschaftszoo entstanden, der am 5. Mai 1939 feierlich eingeweiht wurde (siehe Foto).

Die Anlage war so geplant worden, dass sich Tierhäuser, Gehege und Wege möglichst harmonisch in den Wald und die Sandsteinbrüche am Schmausenbuck einfügten; die Nürnberger kannten dieses Gelände schon seit alters her als Naherholungegebiet. Der Baustil der Tierhäuser und Ställe lehnte sich an den von ländlichen Bauten in  Franken an, es wurde viel mit Holz gearbeitet, und die tief heruntergezogenen Dächer der Gebäude waren damals alle noch strohgedeckt. Der artenreiche, exotische Tierbestand des Alten Tiergartens im Luitpoldhain wurde übernommen. Denn obwohl die Nazis den Umzug des Zoos erforderlich gemacht hatten, ging ihr Einfluss doch nicht so weit, dass etwa nur heimische Tiere gezeigt wurden, wie es dem nationalsozialistischen Gedankengut entsprochen hätte. – Über die Frage, ob und wie die Anlage des Tiergartens am Schmausenbuck vom Nationalsozialismus beinflusst wurde, hält der Diplombiologe Mathias Orgeldinger am Donnerstag, 8. Mai, um 19.30 Uhr im Naturkundeshaus des Tiergartens einen Vortrag; ein Termin, den ich allen ans Herz legen möchte, die sich für Zoogeschichte interessieren!

Während des Zweiten Weltkriegs wurde nicht nur die Nürnberger Innenstadt Ziel zahlreicher Luftangriffe  – auch die meisten Gebäude und Gehege des Tiergartens wurden zerstört, viele Tiere kamen dabei um. Der Wiederaufbau der Tierhäuser war Ende der 1950er Jahre abgeschlossen.

Heute zählt der Tiergarten Nürnberg mit rund 2500 Tieren aus 270 verschiedenen Arten zu den größten Zoologischen Gärten Europas. Er ist an einer ganzen Reihe von  Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen beteiligt  – beispielsweise vnon Gorillas, Seekühe, Schabrackentapiren, Netzgiraffen oder Sibirischen Tigern, um nur einige zu nennen -, ebenso an einigen Wiederansiedlungsprojekten von Tieren in ihren ursprünglichen Lebensräumen, wie den Przewalski-Pferden oder den Uralkäuzen. Der Tiergarten arbeitet außerdem mit Organisationen zusammen, die für den Schutz bedrohter Tierarten eintreten. So engagiert sich etwa die 1992 im Tiergarten gegründete Gesellschaft Yaqu Pacha für den Schutz wasserlebender Säugetiere Südamerikas und die Erhaltung ihres Lebensraums.

Das Jubiläum feiert der Zoo nicht jetzt, genau 75 Jahre nach dem Tag der Eröffnung am 5. Mai 1939, sondern mit einem großen Sommerfest am 6. Juli. An diesem Tag wird der „Schmausen-Biergarten“ eröffnet, benannt nach Georg Schmausen, der im 17. Jahrhundert ein reicher Rotbierbrauer in Nürnberg war. Von ihm hat auch der Schmausenbuck seinen Namen: Georg Schmausen hatte im Jahr 1670 die Vogelherde im „Sandbühl“ – dem heutigen Schmausenbuck – erworben.