Bei Feueralarm: weiterbeten!

FruchtfliegeMitten im November – eigentlich ein Trauermonat – habe ich eine Meldung gefunden, die ich im ersten Augenblick für einen Aprilscherz hielt. Aber bei genauerem Hinschauen stellte sie sich als wahre Geschichte heraus, als eine Tiergeschichte. Und weil sie in einem ehrwürdigen Gotteshaus spielt, passt sie doch auch gut zum Monat Novamber.

Hauptpersonen sind Vertreter eines ganz unspektakulären Tierart, nämlich Fruchtfliegen. Diese winzigen Lebewesen haben es in den letzten Wochen tatsächlich geschafft, achtmal einen Feueralarm im Dom zu Altenberg im Bergischen Land auszulösen. Bevorzugte Tatzeit: der frühe Abend.

Der Pfarrer hat eine Erklärung für dieses verblüffende Phänomen: Die Tierchen leben direkt neben den Feuermeldern am Holztragewerk des Domgewölbes, fliegen immer wieder dort hinein – und schon geht der Feueralarm los.

Die Feuerwehr ist nicht nur einmal  angerückt, sondern bisher jedesmal. Die Wehrmänner schaffen sich dann immer über den Hintereingang Zugang zum Kirchengebäude. Die Gottesdienstbesucher kriegen offenbar von dem Ganzen kaum etwas mit. Wer die Chose bezahlt, war allerdings nicht in Erfahrung zu bringen. Ebenso wenig eine Antwort, um welche Art von Fruchtfliegen es sich handelt: die Drosophilidae (Taufliegen, auch als Obst- oder Essigfliegen bekannt), mit der als biologisches Forschungsobjekt berühmt gewordenen Drosophila melanogaster (auf obigem Foto zu sehen), oder Tephritidae (die man auch als Bohrfliegen bezeichnet).

Vielleicht weiß ja einer meiner – oft hochspezialisierten – Leser die Lösung. Und wenn nicht: Für mich gehört diese Tiergeschichte auf jeden Fall schon jetzt zu den originellsten dieses Jahres!

Wie macht der Siebenschläfer das bloß?

SiebenschlaeferOh je! Schon mal aus dem Fenster geschaut heute? Und? Genau! Das ist mal wieder so überhaupt nicht das, was man sich vorsstellt, wenn man an einen Sommertag Ende Juni denkt. Was erschwerend hinzukommt: Heute ist der 27. Juni, also der Siebenschläfertag. Nach einer alten Bauernregel soll das Wetter an diesem Tag richtungweisend für die nächsten Wochen sein: „Regnet es am Siebenschläfer-Tag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.“ Und nun ist wettermäßig – zumindest bei uns hier in Mittelfranken – das Schlimmste eingetroffen: „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“

Dabei ist der Siebenschläfer so ein nett ausehendes, mit seinen großen Knopfaugen richtig süßes Tier, oder? Auf dem Foto macht er auf mich jedenfalls einen richtig sympathischen Eindruck, der kleine, gerade mal 100 Gramm schwere Wicht. Doch Bauernregel hin oder her: Den drolligen Zeitgenossen interessiert das Wetter eigentlich überhaupt nicht. Und er taugt auch nicht als Wetterprophet. Wie sein Name schon sagt, hat er eine Lieblingsbeschäftigung: schlafen. Von allen bei uns vorkommenden Wildtieren ist es das verschlafenste. Erst vor wenigen Wochen ist er aus dem Winterschlaf erwacht. Und seitdem denkt er nur an das Eine: Sex! Naja, das ist jetzt vielleicht eher die menschliche Sichtweise. Sagen wir es biologisch korrekt: Er muss jetzt unbedingt für Nachwuchs sorgen. Und da er ja die meiste Zeit seines Lebens verschläft, muss er sich nun ziemlich ranhalten. Ranhalten heißt bei ihm auch, für ausreichend Nahrung zu sorgen, damit die Jungen, wenn sie erst mal das Licht der Welt erblickt haben, genügend zu fressen haben.

Auch wenn der Siebenschläfer wie gesagt nicht wirklich ein Wetterfrosch ist, hat er doch sozusagen eine hellseherische Fähigkeit: Er weiß schon kurz nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf, ob dieses Jahr ein gutes Bucheckern-Jahr wird oder nicht. Denn diese Baumfrüchte sind seine Lieblingsspeise. Gibt es seinem Dafürhalten nach im kommenden Herbst viele, zeugt er viele Jungen, wenn nicht, hält sich die Anzahl der Nachkommen in Grenzen: Familienplanung, die durch den Magen geht. Die Weibchen können nach einer Tragezeit von 30 Tagen zwischen einem und zehn Babys zur Welt bringen. Sind die geboren, beginnt das große Fressen, um sich so schnell wie möglich eine Speckschicht für den nächsten langen Schlaf zuzulegen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Bucheckern, daneben auch Kastanien oder Eicheln.

Woher der Siebenschläfer weiß, wie die Bucheckern-Ernte ausfallen wird, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht. Ebenso wenig ist bekannt, warum im Norden weniger von diesen mausähnlichen Tieren vorkommen als im Süden. Sicher ist nur eines: Schon Ende September wird der Siebenschläfer wieder müde. Er macht es sich in Asthöhlen oder Baumnestern gemütlich zurück und schlummert ein. Je tiefer der Schlaf, umso mehr nimmt seine Herzfrequenz ab: von etwa 300 Herzschlägen pro Minute auf nur noch fünf. Gleichzeitig sinkt seine Körpertemperatur auf fünf Grad. Und dann wacht er erst nach sieben bis acht Monaten auf.

So, jetzt kommt noch die klassische Erklärung für die Legende um den Siebenschläfertag (speziell für meinen Chefredakteur). Sie hängt mit den sieben Schläfern von Ephesus zusammen: Die sieben Brüder Johannes, Serapion, Martinianus, Dionysius, Constantinus, Maximus und Malchus sollen im Jahr 251 n. Chr. vor der Christenverfolgung durch Kaiser Decius in eine Höhle bei Ephesus geflohen sein. Dort wurden sie von ihren Verfolgern eingemauert und fielen daraufhin angeblich in einen tiefen Schlaf. Sie wachten erst wieder auf, als etwa 200 Jahre später die Höhle entdeckt wurde.

Bolsena als Filmkulisse

In diesen Wochen um Ostern herum sieht man in Bolsena jede Menge Pilger aus allen möglichen Gegenden Italiens. Man gewöhnt sich an den Anblick dieser Gruppen, die in riesigen Bussen anreisen und meist von Priestern begleitet beziehungsweise geführt werden. Aber vor ein paar Tagen habe ich doch gestockt, als ich auf dem Weg zum Einkaufen diese Szene gesehen habe: Junge Männer in Priestergewändern filmten im Stadtteil Santa Cristina mit Videokameras eigenwillig kostümierte Gestalten. Zum Glück hatten Freunde, die gerade in Bolsena zu Besuch waren, einen Fotoapparat dabei und haben das Ganze für mich erst mal im Bild festgehalten.

Dann waren wir natürlich neugierig und sprachen die „Priester“ an. Sie erzählten uns, sie seien Mitglieder beim „Institut des fleischgewordenen Wortes“, einer Ordensgemeinschaft, die 1984 in Argentinien unter dem Namen „Instituto del Verbo Encarnado“ – abgekürzt IVE – gegründet wurde. Die Mitglieder sind Ordenspriester. Der Name IVE bezieht isch auf das Johannes-Evangelium, in dem es heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden…“ Ziel des Ordens ist es, mit allen Kräften das Evangelium zu verkünden. Die Mitglieder der Gemeinschaft sind in Pfarreien tätig, aber auch in Bildungszentren und anderen Weiterbildungseinrichtungen. Sie arbeiten außerdem mit Kindern und Jugendllichen und unterstützen ökumenische Projekte. Im Jahr 2001 wurde das „Internationale Seminar San Vitaliano Papa“ in Segni (Provinz Rom) eingerichtet, das zur Ausbildung von Priestern dient. 2012 ist das Seminar nach Montefiascone – ganz in der Nähe von Bolsena – umgezogen.

Das Video, das in Bolsena gedreht wurde, soll bei einer Veranstaltung morgen, am 1. Mai, der hier in Italien groß gefeiert wird, vorgeführt werden. Wir haben allerdings nicht ganz herausfinden können, worum es sich inhaltlich genau handelt. Aber jede Menge Spaß gemacht hat es allen Beteiligten auf jeden Fall – auch uns!