Der Triumphzug des Esels

Eigentlich wollte ich zu Weihnachten schon über ihn schreiben, doch irgendwie habe ich es dann doch versäumt. Jetzt gibt es aber wieder einen Anlass, nämlich den Palmsonntag am kommenden Wochenende. Die bibelfesten unter meinen Lesern werden schon wissen, wen ich meine: den Esel. Das Grautier gilt ja gemeinhin als störrisch – eine Eigenschaft, die ich sehr schätze. Denn lieber den eigenen Willen durchsetzen als immer nur das abnicken, was von oben kommt. Es muss ja auch einen Grund geben, warum ausgerechnet der Esel eine so wichtige Rolle in der christlichen Überlieferung spielt: der Esel neben dem Ochsen im Stall von Bethlehem, der Esel als Transportmittel für Maria, Josef und das Jesuskind auf der Flucht nach Ägypten, der Esel, auf dem Jesus in Jerusalem einzieht. Warum ist er auf einem Esel geritten statt auf einem edlen Pferd? Für mich hatte der Mann Geschmack. Er gab nichts auf das Gerede von Menschen, die dem Esel außer Eigensinn auch noch Dummheit unterstellen.

Das mit der Dummheit lässt sich für mich gar nicht nachvollziehen, für das störrische Wesen kann man biologische Gründe finden. Der ursprüngliche Lebensraum von Eseln sind schließlich trockene, wüstenähnliche oder bergige Gebiete. Da ist es durchaus klug, nicht gleich loszurennen, sondern erst mal Vorsicht walten zu lassen und stehen zu bleiben, um die Lage zu orten. Der Afrikanische Esel (der auch als Echter Esel bezeichnet wird) ist mittlerweile in freier Wildbahn stark gefährdet: Er kommt nur noch in wenigen Gebieten im nordöstlichen Afrika vor. Um die Art zu schützen, wurden mehrere Nationalparks ausgewiesen, besonders in Äthiopien. Auch in Israel gibt es ein Wildreservat. Der Syrische Halbesel ist sogar schon ganz ausgestorben.

In Somalia wurde der Wildesel fast ausgerottet. 1970 kaufte der Direktor des Basler Zoos einem Tierhändler in Kenia fünf Afrikanische Esel für seinen Tierpark ab – zum Großteil sogar aus eigener Tasche. In dem Schweizer Zoo wurde im Jahr 1972 das erste Jungtier geboren. Von dieser Gruppe stammen alle Somalischen Wildesel in Zoologischen Gärten ab, inzwischen sind es über 200 Tiere. Wieder einmal sieht man – auch wenn mancher es nicht gern hören mag -, wie wichtig die Rolle von Zoos bei der Erhaltung bedrohter Arten ist.

Waschbär fährt auf Kirchenglocken ab

KINA - Wie der Waschbär nach Deutschland kamWir haben zwar erst Januar – aber folgende Meldung aus dem fabelhaften Reich der Tiere landet am Ende dieses Jahres mit Sicherheit unter den „Top Ten“ der witzigsten Nachrichten über Tiere (oder sie schafft es in die „Top Twelve“, wenn man jeden Monat eine auswählt).

Die Geschichte hat sich kürzlich im romantischen Bad Nauheim (Hessen) zugetragen. Haupt“person“ ist ein Waschbär, der offenbar das Geräusch von Kirchenglocken heiß und innig liebt. Weil das Geläut einer Nauheimer Kirche gerade keinen Ton von sich gab, entschloss sich der Waschbär zur Selbsthilfe: Für das Tier war es dank seiner Kletterkünste ein Leichtes, vom Kirchdach aus in das Gebäude hineinzugelangen. Technisch versiert, wie dieses „Procyon“-Exemplar (so der wissenschaftliche Name) offenbar ist, ist es zielsicher zu dem Knopf gelaufen, mit dem sich die Glocken in Bewegung setzen lassen.

Der Kleinbär mag sich gefreut haben – die in der Nähe des Gotteshauses lebenden Menschen fanden die Angelegenheit weniger lustig. Es war nämlich vier Uhr morgens, als sie von dem Läuten unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Der Herr Pfarrer und der Mesner hingegen scheinen so an das bimmelnde Geräusch gewöhnt zu sein, dass sie selig weiterschlummerten wie die Murmeltiere und erst nach hartnäckigem Klingeln an der Haustür aufwachten. Die Kirchenglocken hatten die Anwohner zu diesem Zeitpunkt schon seit ein paar Stunden genervt.

Der kleine Einbrecher kam übrigens auch nicht ganz unbeschadet davon: Er hatte sich beim Einstieg in die Kirche verletzt. Man konnte ihn einfangen und schaffte ihn ins Tierheim, wo er medizinisch versorgt wurde. Auf dem Krankenlager hat der gewiefte Räuber (ich meine natürlich: das gewiefte Raubtier) bestimmt schon von seinem nächsten Glocken-Konzert geträumt…

Gottes Segen für Tiere

Ökumenischer Tiergottesdienst in TrierSo religiös die Menschen hier in Bolsena (nur gut 100 Kilometer entfernt vom Zentrum der Katholischen Kirche in Rom) auch sein mögen – das würde ihnen wohl niemals einfallen: einen Gottesdienst für Tiere abzuhalten.

In Deutschland dagegen, wo die Kirchenbesucher im Gegensatz zu hier immer weniger werden, sind Tiergottesdienste im Kommen. Egal, ob Hund oder Katze, Goldhamster, Zwergkaninchen oder Wellensittich – Tierbesitzern ist es offenbar wichtig, dass auch ihre tierischen Schützlinge Gottes Segen erhalten. Die Herrchen und Frauchen erhoffen sich vom Besuch solcher Veranstaltungen, dass ihre Lieblinge gesund bleiben und möglichst lange leben.

In manchen Städten werden schon regelmäßige Tiergottesdienste organisiert; meist kümmern sich die örtlichen Tierschutzvereine darum. Katholische Priester, die das Ganze zelebrieren, stehen auf dem Standpunkt, dass Tiere genauso Teil der Schöpfung sind wie Menschen. Für sie sind Tiersegnungen deshalb nichts Besonderes, sie gehören schließlich längst zur Tradition. Denn früher ließen die Bauern häufig ihre Nutztiere segnen, um sie vor Krankheiten, Seuchen oder sonstigem Unheil zu schützen. In der Evangelischen Kirche stand man Tiergottesdiensten bisher eher reserviert gegenüber. Aber auch dort scheint sich jetzt die Einstellung zu ändern; man hat erkannt, dass für viele Menschen Tiere als Gefährten und Begleiter eine immer wichtigere Rolle spielen. In einigen Städten – wie etwa in Trier, wo auch das Foto oben entstand – hat es sich als praktisch erwiesen, Tiergottesdienste als ökumenische Veranstaltung anzubieten.