Knut und der Krieg der Zoos

So etwas hat es in der deutschen Zoogeschichte noch nicht gegeben: Ab heute streiten sich der Berliner Zoo und der Tierpark Neumünster vor Gericht darum, wieviel für wen vom Millionengewinn abfällt, den Eisbär Knut in Berlin eingespielt hat.

Zum Hintergrund des Zwists: Neumünster pocht auf seinen Anteil, weil von dort Knut-Vater Lars an Berlin ausgeliehen wurde. Laut Vertrag gehöre Knut sogar dem Tierpark Neumünster. Berlin ist da anderer Meinung.

Statt Millionen vom Kuchen abzugeben, hat der Berliner Zoo-Chef großzügig „ein paar Pinguine“ als Gegenleistung vorgeschlagen. Damit hat er den Leiter des Tierparks in Schleswig-Holstein auf die Palme gebracht. Piguine habe man dort selbst. Er will Geld aus den Knut-Einnahmen sehen, um dringend nötige Renovierungen in seiner Anlage durchführen lassen zu können.

Nun wird es spannend, wie das Gericht den Fall behandelt. Ob der Berliner Zoo überhaupt offenlegen muss, was er an Knut verdient hat und noch verdient, bleibt abzuwarten. Außerdem ist der Fall interessant, weil sich andere kleinere Zoos, die fast alle unter chronischem Geldmangel leiden, den Fall als Vorbild für etwaige eigene Klagen nehmen könnten.

Ein Fall von Weihnachts-Depression?

Alle Jubeljahre wieder kommt – nein nicht das Christuskind, sondern kommt es vor, dass Menschen im Zoo ins Gehege von Raubtieren springen. Falsch verstandene Tierliebe, Verzweiflung, Todessehnsucht – es gibt die verschiedensten Motive für einen solchen Schritt. Im Nürnberger Tiergarten hatten wir das auch schon, da wollte sich vor einiger Zeit ein Mann von den Löwen fressen lassen. Es ist ihm gelungen.

Der neueste Fall hat sich im Berliner Zoo zugetragen. Dort sprang ein Mann – ja wohin wohl? Genau: ins Gehege des vielgeliebten Knut. Doch der Mann durfte dem tierischen Star einfach nicht nahekommen. Zoo-Mitarbeiter haben den Vorfall nämlich rechtzeitig mitgekriegt. Sie schafften es, Knut abzulenken und in seinen Käfig zu locken. Der Mann blieb unversehrt, wurde aber von der Polizei abgeführt. Außerdem bekommt er eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Da er überlebte, konnte man ihn fragen, warum er gesprungen war. Seine Antwort: Er habe sich einsam gefühlt, und Knut sei ja auch so ein Einsamer.

Ob das ein typischer Fall von Weihnachts-Depression war? Sollen ja viele Menschen durchdrehen in diesen Tagen. In diesem Sinne, liebe Blog-Leser: Bitte verfallt/verfallen Sie nicht in eine solche.

Schöne Weihnachten wünscht Euer/Ihr Wolf!!

Trauer um Thomas Dörflein

Thomas_D.JPGWer dieser Tage den Berliner Zoo besucht, dem bietet sich ein eigentlich Zoo-untypisches Bild: flackernde Grabkerzen in und um den Zoo herum. Immer wieder bringen Menschen damit ihre Trauer um den plötzlich verstorbenen Tierpfleger Thomas Dörflein zum Ausdruck, der als „Ziehvater“ des Eisbären Knut weltberühmt wurde. Auch unzählige Blumensträuße werden vor dem Nebeneingang des Zoos abgelegt,  vor Knuts Gehege ebenfalls. Und auf Zetteln und Fotos, die an Gittern und Absperrungen befestigt sind, kann man hauptsächlich ein Wort lesen: „Danke“.

Klar: Was Dörflein in Sachen Knut geleistet hat, war beeindruckend. Das will ich gar nicht bestreiten. Aber ich finde den Personenkult, der nun um den verstorbenen Tierpfleger betrieben wird, total überzogen. Genau wie die ganze „Knutmania“ in Berlin. Dörflein wollte den Riesenrummel vielleicht gar nicht. Aber durch seine aufsehenerregenden Auftritte mit Knut im Gehege hat er ihn wohl auch selbst mit hochgezüchtet. Aber das kann man dem Tierpfleger nicht anlasten – ihm lag bestimmt der kleine hilflose Knut am Herzen. Finanziell profitiert hat er persönlich ja nicht von seinem selbstlosen Einsatz für das Eisbärenbaby.

Ich meine aber, die Zooleitung hätte hier von vornherein eingreifen müssen. Warum hat man die Handaufzucht von Knut nicht mehreren Pflegern überlassen, wie in Nürnberg bei Flocke? Dann hätte sich der Kult um eine Einzelperson gar nicht in dieser Form entwickeln können. Doch In Berlin stand das Geschäftemachen mit Knut eindeutig im Vordergrund.

Hoffentlich wird Flocke nicht zum Knut

knutndr3.JPGDer Berliner Zoo boomt nach wie vor mit seinem Knut (im Bild links), doch das ruft Neider auf den Plan, die vom großen Kuchen was abhaben wollen. Hoffentlich droht uns so was  nicht auch noch mit unserer Flocke! Die soll lieber ein ganz normaler Eisbär bleiben und Botschafterin für den Klimaschutz und nicht zum Zankapfel mutieren, oder zu einem Fall, der irgendwann mal vor Gericht landet.

Wie es im Moment aussieht, ist in Nürnberg von der dicken Kohle mit Flocke allerdings auch noch gar nicht die Rede. Denn der Tiergarten hat erst einmal einen Haufen Geld in Maßnahmen gesteckt, um für einen möglichen Besucher-Ansturm gerüstet zu sein: zusätzliche Kassen, Klohäuschen, Hinweisschilder an der Autobahn und in der Stadt, Personal, das die Autofahrer zu den Parkplätzen leitet, Personal, das vor dem Eisbärengehege für Disziplin und Ordnung sorgt, Prospekte über Flocke und den Klimaschutz, Geld für das Kombiticket Tiergarten/Öffentlicher Nahverkehr und und und.

Das will alles wieder eingespielt sein. Zwar hat der Wonnemonat Mai sehr viele Besucher in den Tiergarten gelockt, aber die ganz großen Massen blieben bislang aus. Was ja für die Besucher wiederum angenehmer ist, denn wer drängt sich schon gerne durch einen Zoologischen Garten? Und vor allem: Kommt man wieder, wenn es einem deshalb nicht gefallen hat?

Was an Lizenzgebühren für verkaufte Flocke-Artikel reinkommt, steht im Moment auch noch in den Sternen. Es scheint sich aber abzuzeichnen: So viel wie Knut bringt Flocke nicht. Dafür wird die Vermarktung – Gott sei Dank – nicht aggressiv genug betrieben. So bleibt also die Hoffnung, dass niemand uns Flocke streitig macht. Dass sie deshalb in Nürnberg bleiben kann, heißt das jedoch noch lange nicht. Das hängt unter anderem vom künftigen Nachwuchs von Vera ab, von den Notwendigkeiten des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) und anderen Unwägbarkeiten. 

Knut und Flocke im Fernsehen

flockegeburtstag.jpgFlocke wird am 11. Juni genau sechs Monate alt. Aus diesem Anlass gibt der Tiergarten ihr Gewicht und ihre Maße bekannt: Also, sie ist 45 Kilo schwer und 1,20 Meter lang – wenn sie sich aufrichtet, hat sie in etwa die Größe eines sechsjährigen Kindes. Schaut man sich die neuesten Fotos von ihr an (siehe rechts), dann hat sie eigentlich schon fast alles Kindliche verloren. Schade, aber Eisbärenmädchen entwickeln sich eben noch schneller als Eisbärenjungs. Und Hauptsache ist schließlich, dass sie rundum gesund ist. Das bestätigt ihr Tierarzt Bernhard Neurohr. Er hält die Figur von „Madame“, wie Pfleger Horst Maußner Flocke mittlerweile gern nennt, für genau richtig: „Es besteht kein Moppelalarm!“

Knutfeiert.JPGGenau richtig zu Flockes Halbjährigem kommt am 11. Juni auch eine hoffentlich interessante Fernsehsendung im NDR (20.15 – 21.45 Uhr): „Verrückt nach Knut“. Der Film zeigt, wie ein Eisbär die Welt eroberte. Knut, im Dezember 2006 von seiner Mutter verstoßen und von Hand aufgezogen, bescherte dem Berliner Zoo Besucherrekorde. Das Foto links zeigt ihn an seinem ersten Geburtstag. Der Film will der Magie des weißen Sympathie-Trägers auf den Grund gehen, die höchstens von einer zu toppen ist: von unserer Flocke.

Flocke braucht keine Briefmarke, Knut schon

KINA___E.JPGEine Briefmarke mit Knuts Konterfei – warum nicht, sonst würde er ja jetzt in Vergessenheit geraden. Schließlich wissen wir Nürnberger, dass Knut gestern war, und da muss heute und morgen logischerweise an ihn erinnert werden.

Flocke braucht so was glücklicherweise noch nicht. Hätte sie wahrscheinlich auch – Knut hin oder her – nie bekommen. Denn sie besitzt keinen so berühmten Paten wie ihr Berliner Artgenosse, den sich Umweltminister Sigmar Gabriel als Patenkind sozusagen patentieren ließ. Gabriel wusste damals schon: Wenn man mit Biosprit und anderen problematischen Öko-Themen nicht punkten kann –  mit dem Eisbär-Star ist man immer auf der sicheren populistischen Seite.

So stören uns auch die kleinen Seitenhiebe von Finanzminister Steinbrück gegen das Flocke-Werbeplakat nicht. Es hat nämlich seinen Zweck erreicht: Jetzt spricht sogar die Bundes-SPD von Flocke. Dass es in Nürnberg „Tiergarten“ und nicht „Zoo“ heißt, raffen die beiden Herren Minister ebenso wenig wie die meisten Fernseh- und Rundfunk-Moderatoren: Am F-Day haben sie wieder einmal mit Unwissenheit geglänzt.

Noch ein kleiner Tipp für die Journalisten aus München: Auch wenn sich in der Landeshauptstadt der Zoo „Tierpark“ nennt – bei uns tut er das nicht. Hätte man leicht rausbekommen können, selbst wenn man zur Information nichts anderes gelesen hat als die Unterlagen zur Akkreditierung. 

Knut, der ewig Gestrige

Flockeplakat.JPG„Knut war gestern.“ Selbstbewusst verkündet das jetzt unsere Flocke überall auf neuen Plakaten an Haltestellen im Stadtgebiet. Ohne übrigens ihren eigenen Namen zu erwähnen.  Als echter Star hat sie das ja auch gar nicht nötig.  Und ein solcher ist sie inzwischen.  Ebenso wie einer ihrer Pfleger: Horst Maußner, über den ich in diesem Blog schon geschrieben habe. Auf diesem Foto ist allerdings nicht er zu sehen, sondern Jürgen Fischer von der Stadtrekalme.

Wenn Maußner in der ZDF-Doku-Soap „Nürnberger Schnauzen“ mit Flocke auftritt, dann freue ich mich inzwischen ebenso, wie er sich offensichtlich an Flocke freut. Kaum zu glauben, wie viele und welch einfallsreiche Kosenamen er für seinen Schützling in wenigen Sätzen unterbringt: Zuckermaus, Knutschkissen, Frankenkissen, Frankennudel, Kugel, Milchkugel, Mausi, Milchbauch, Madame, Madla… Und dann hat er jetzt auch noch voller Stolz verkündet: Flocke ist schon viel weiter als Knut einst in ihrem Alter: Der hat da nämlich noch nicht selbst pinkeln und koten können.

Ist halt ein ewig Gestriger, der Knut. Wie es die neuen Plakate der Nürnberger Stadtreklame verkünden.