Bleimunition macht Kondore krank

Es sind die seltensten und größten Vögel Nordamerikas: die Kalifornischen Kondore. In den achtziger Jahren war es schon einmal so weit, dass die majestätischen Tiere kurz vor dem Aussterben standen. 1982 existierten weltweit nur noch 22 dieser Vögel.

Damals startete man eine groß angelegte Rettungsaktion. Kondore, die zu den Geiervögeln gehören, wurden eingefangen, gezüchtet und später wieder ausgewildert. Das lief durchaus erfolgreich: Mittlerweile ist die Population auf etwa 400 Kondore angewachsen, die Hälfte davon in Freiheit, die übrigen in Zuchtstationen und Zoos. Die Freude unter Natur- und Artenschützern war groß.

Doch nun gibt es die nächste Hiobsbotschaft: Vielen freilebenden Kondoren droht eine Bleivergiftung. Die wird dadurch verursacht, dass sich die Geiervögel von Kadavern großer Säugetiere ernähren, die von Jägern mit Bleimunition erlegt wurden. Schon jeder fünfte Kondor leidet laut Wissenschaftlern unter einer so schweren Bleivergiftung, dass er entgiftet werden müsste. Sonst würden die Tiere erkranken und schließlich jämmerlich zugrundegehen. Etwa ein Drittel der Kondore leidet immerhin schon an chronischen Vergiftungserscheinungen. Das Gift blockiert ein Enzym, das unbedingt notwendig ist, um rote Blutkörperchen zu produzieren.

Die Forscher haben nachgewiesen, dass der größte Teil der Vergiftungen auf Blei aus Munition zurückzuführen ist, also auf Schrot oder Kugeln, die Jäger verwenden. In Kalifornien ist dort, wo Kondore ihren Lebensraum haben, Bleimunition seit einigen Jahren verboten. Offenbar halten sich die meisten Jäger aber nicht an dieses Verbot. Die Forscher halten es für unmöglich, unter diesen Umständen eine stabile Population von Kondoren zu erreichen. Damit ist das Überleben der Art in Freiheit wiederum gefährdet.