Abenteuerliche Flucht durchs Abflussrohr

KrakeDass Kraken intelligent sind, ist ja nicht neu. In meinem Blog habe ich schon öfter darüber geschrieben. Und wir erinnern uns auch alle gern an den legendären Kraken Paul und seinen Nachfolger Paul II., die einst zur Fußball-WM als Orakel von sich reden machten. Nun hat ein neuer Krake das Zeug, zum Tier-Star zu avancieren. Er heißt Inky, ist auf dem Foto rechts zu sehen (Foto: Napier City Council/dpa) und lebte bis vor kurzem im Aquarium der neuseeländischen Stadt Napier. Fischer hatten ihn vor einem Jahr dorthin gebracht, weil sich das Tier anscheinend bei Kämpfen mit Fischen verletzt hatte. Im Aquarium wurde Inky wieder aufgepäppelt.

Das hat ihn aber nicht bekannt gemacht – zumindest nicht bis zu uns hier in Europa. Berühmt wurde er vielmehr durch seine spektakuläre Flucht aus eben diesem Aquarium, das nun dem riesigen Medienansturm wegen dieses „Ausbruchs“ kaum noch Herr werden konnte. Die Pressesprecherin der Einrichtung, Robyn McLean, spricht höcht respektvoll von Inky: „Er ist eben ein Genie“, sagte sie gegenüber dpa. Inkys Flucht hat sich bereits vor drei Monaten abgespielt, aber das Aquarium ist jetzt erst damit an die Öffentlichkeit gegangen. Wie genau Inkys Abenteuer ablief, ist nicht ganz klar. Unter Umständen hatten Mitarbeiter nachts das Drahtnetz über dem Wassertank nicht verschlossen, so dass er leicht entwischen konnte.

Wir glauben aber an die andere Variante – einfach weil sie viel schöner ist: Inky  hat das Netz von sich aus hochgedrückt. Dann zwängte sich das Tier, das etwa 30 mal 80 Zentimeter groß ist, durch den Spalt, glitt eine zwei Meter hohe Wand
hinunter und weiter über den Fußboden bis zu einem Abflussrohr, das nur 15
Zentimeter Durchmesser hat und – darauf kam es Inky wohl vor allem an –  in den Pazifischen Ozean führt. Die Mitarbeiter konnten bei Dienstantritt am nächsten Morgen die nasse Spur bis zu dem Rohr zurückverfolgen. Sich so klein zu machen, gelang Inky deshalb, weil Kraken keine Knochen besitzen und sich deshalb noch durch die schmalsten Spalten und engsten Rohre quetschen können.

Ob Inky in freier Wildbahn Überlebenschancen hat, lässt sich schwer beurteilen. Schließlich fehlen ihm seit seiner Verletzung einige Tentakel. Aber intelligent, wie er ist, wird er sich schon durchschlagen können. Da Kraken Einzelgänger sind, wird es ihn auf jeden Fall nicht stören, wenn er im Ozean nicht auf Artgenossen von früher trifft.

 

Nein – daraus wird kein Knoten!

Es ist immer wieder erstaunlich, womit Biologen sich befassen können. Manchmal gehen sie Fragen nach, die einem Normalsterblichen nicht einmal im Traum einfallen würden. Der Laie wundert sich zuerst, doch wenn man dann liest, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen, ist man fasziniert, auf welche Phänomene sie da wieder gestoßen sind.

So haben sich jetzt israelische Biologen mit dem Thema beschäftigt, warum Kraken sich nicht ständig selbst verknoten und verheddern. Schließlich befinden sich an jedem ihrer acht Arme Hunderte von Saugnäpfen. Normalerweise haften die bei Berührung sofort an jeder Oberfläche fest. Wenn sich ein Oktopus bewegt, streift er ständig seine eigenen Arme – da müsste er sich doch eigentlich an sich selbst festsaugen. Warum das nicht so ist, haben die Wissenschaftler nun erforscht. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, weil man weiß, dass sich die einzelnen Arme dieser Tiere voneinander unabhängig bewegen. Salopp ausgedrückt, weiß der Krake nicht, was jeder einzelne seiner acht Arme gerade tut.

Binyamin Hochner von der Hebrew University in Jerusalem und seine Mitarbeiter haben zur Lösung des Rätsels mit einzelnen, amputierten Armen von Kraken Experimente durchgeführt. Das ist möglich, weil sich die Extremitäten noch eine Stunde, nachdem sie abgetrennt wurden, weiter bewegen und sich an allem festsaugen, was ihnen in den Weg kommt. Bei den Versuchen blieben die Saugnäpfe aber nie an anderen Armen hängen. Nur wenn man den Armen die obere Haut entfernt hatte, taten sie es. Gegenständen, die von den Forschern mit Krakenhaut überzogen worden waren, wichen sie aus. Und sie blieben nur ganz schwach an Oberflächen hängen, die von den Biologen mit einem Extrakt aus den Krakenarmen behandelt worden waren. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Oktopusse in ihrer Haut chemische Stoffe herstellen, die den Haftmechanismus der Saugnäpfe stoppen. Allerdings ist es noch nicht gelungen herauszufinden, um welche Substanz es sich dabei genau handelt. – Aber wir können uns trösten: Mit dieser Frage werden sich diese Wissenschaftler bestimmt als nächstes befassen, und sicher finden sie auch darauf wieder eine erstaunliche Antwort.

Nelly kennt sich mit Fußball aus

Die Frauen-Fußball-WM ist zu Ende und damit auch die Zeit der Tier-Orakel, mit Hilfe derer das Siegerteam der einzelnen Begegnungen vorhergesagt werden sollte. Alle möglichen Zoos und Aquarien hatten sich dazu Aktionen mit verschiedenen Tierarten ausgedacht, um so für ihre jeweilige Einrichtung möglichst viel Werbung zu machen. Ich hatte hier ja schon über die Sea Life Aquarien geschrieben, die einen Nachfolger für Krake Paul suchten, der bei der Männer-Fußball-WM 2010 in Deutschland mit allen seinen Voraussagen richtig gelegen hatte.

Diesmal jedoch war der mit publikumsträchtigen Aktionen sehr geschickt agierenden Aquarienkette kein vergleichbarer Erfolg mehr beschieden. Das Rennen um das am besten orakelnde Tier machte eine ganz andere Tierart:  Sieger wurde eine Elefantenkuh aus dem Serengeti-Park in Hodenhagen (Niedersachsen). Nelly heißt das erst eineinhalbjährige Elefanten-Mädchen, das zwar bei den zwei Spielen des Halbfinales falsch lag,  sonst aber richtig tippte und auch auf Japan als Weltmeister gesetzt hatte. Zur Belohnung für ihren sportlichen Sachverstand bekam Nelly heute eine riesige Bananenstaude.

Wer ist so gut wie Paul?

Er hat bei der Fußball-WM 2010 von sich reden gemacht und wurde weltberühmt: Krake Paul, der den Ausgang der deutschen Spiele und des Finales mit seinen Orakeln richtig vorhergesagt hat. Nun beginnt bald die Frauen-Fußball-WM, aber Paul kann nicht mehr orakeln, denn er ist seit Oktober letzten Jahres tot.

Was tun? Einen richtigen Nachfolger für Paul gibt es bisher nicht. Da haben sich die geschäftstüchtigen deutschen Sea Life Center den Wettbewerb „Wer kann Paul?“ ausgedacht, in typisch neu-deutscher Werbesprache. Und so funktioniert das Ganze: An jedem der acht deutschen Standorte der Sea Life Aquarien tippt ein Krake an den Spieltagen mit deutscher Beteiligung den Ausgang der Spiele, später dann die Ergebnisse der Final-Begegnungen. Besucher der Aquarien können das Spektakel immer um 11 Uhr live miterleben, außerdem kann man die Kraken-Tipps im Internet verfolgen.

Am Ende gewinnt der Krake mit den meisten richtigen Tipps den Wettbewerb. Ob er dann Paul heißt oder wie immer seine Belohnung sonst aussieht – darüber wurde im Vorfeld noch nichts bekannt.

Paul II. ist inthronisiert

Krake Paul, der so treffsichere Tipps bei der Fußball-Weltmeisterschaft abgegeben hat und damit zum tierischen Star avancierte, ist in der vergangenen Woche gestorben. Darüber hat ja auch Greuther-Weib Kiki einen Beitrag aus fußballerischer Sicht geschrieben.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101103-10-11033Nun konnte es gar nicht schnell genug gehen, einen Nachfolger für Paul zu finden. Und tatsächlich: In Oberhausen wurde heute, begleitet von großem Medienrummel, im Sealife Aquarium Paul II. vorgestellt. Paul II. ist erst fünf Monate alt und stammt von einem südfranzösischen Züchter. Ob er mit dieser Herkunft ein Gespür für die deutsche Fußballnationalmannschaft entwickeln kann? Seine Pfleger jedenfalls sind begeistert von dem jungen Kraken. Vorwitzig und aufgeweckt finden sie ihn, und ein Klischee wird auch gleich bedient: Paul II. soll sehr charmant sein – ein typischer Franzose eben.

Der junge Oktopus präsentierte sich jedenfalls äußerst selbstbewusst den Fotografen und Kameraleuten. Ganz ohne Scheu schwamm er sofort aus dem Tonkrug heraus, in dem er in sein Becken gesetzt worden war, und schaute sich sein neues Zuhause ganz genau an. Französischer Charme hin oder her – das Sealife Aquarium wird es sicherlich verstehen, auch mit Pauls Nachfolger in die Schlagzeilen zu kommen. Egal, ob er nun mit seinen Tipps richtig liegt oder nicht.

Der treffsichere Tintenfisch

urn:newsml:dpa.com:20090101:100712-10-11567Als Cristiano Ronaldo, Messi oder Kaka schon die Heimreise angetreten hatten, drehte er erst so richtig auf und avancierte zum heimlichen Star der Fußballweltmeisterschaft: Paul, der treffsichere Tintenfisch, von dem natürlich auch im Tiergarten-Blog die Rede sein muss. Das Kraken-Orakel lag mit all seinen Tipps richtig. Es wusste zum Beispiel, dass Deutschland Argentinien schlagen, aber gegen Spanien verlieren würde. Und auch im Endspiel, als er erstmals den Ausgang eines Spiels mit nicht-deutscher Beteiligung vorhersagen sollte, war der Oktopus im Bilde: Er stürzte sich auf das mit der spanischen Flagge verzierte Muschelfleisch, Hollands Schicksal war besiegelt. 

Witzig sind die diversen Anekdoten, die sich um Paul ranken. Die englische Presse sah in ihm den idealen Fußball-Kommentator, da er viel Fachkompetenz habe, aber wenig rede. (Vielleicht wäre Paul mit acht Füßen und neun Gehirnen ja auch als Spieler erfolgreich…) Die Argentinier wiederum karrten nach der Vorhersage des Oktopus prompt eine Armada von Alternativ-Orakeln  an (zum Beispiel Papageien, Delfine), die sich für ein Weiterkommen der  Gauchos aussprachen. Und Politiker der spanischen Regierung (!) boten Paul nach dem Halbfinalsieg des späteren Weltmeisters gegen Deutschland gleichsam politisches Asyl an, damit „die Deutschen ihn nicht aufessen“.

Tintenfische gelten als die intelligentesten Weichtiere, und Paul hat einfach Fußball-Verstand. Jetzt dürfte seine Karriere zu Ende sein, denn mit 2,5 Jahren ist das Kraken-Orakel schon ein Oktopus-Opa, statistisch bleiben ihm nur noch sechs bis sieben Monate. Das Sea Life Oberhausen will ihm nun seine Ruhe gönnen und hat skurrile Anfragen – unter anderem sollte Paul die Lottozahlen voraussagen und Nationaltrainer Brasiliens werden – abgelehnt. Die Europameisterschaft 2012 dürfte Paul, der schon bei der EM 2008 viele richtige Tipps abgegeben hat, also nicht mehr erleben. Und ein Nachfolger wird schwer zu finden sein. Paul ist der einzige Oktopus im Sea Life Oberhausen. Vermutlich hat er deshalb so viel Zeit, sich mit Fußball zu befassen.

Achtarmige Intelligenzbestie

Nicht nur wenn Mensch und Tier auf zu engem Raum leben wie hier, sondern auch wenn Tiere intelligenter sind, als Menschen es für möglich halten, kommt es zu Problemen. Beispiel gefällig? Gerne.

Schauen wir also nach Kalifornien. Dort ist es einem Kraken-Weibchen gelungen, ein Besucher-Aquarium zu überschwemmen. Die achtarmige Dame fand ihr Dasein wohl zu langweilig und hat sich deshalb in ihrem Wasserbecken ein wenig als Klempner betätigt: Sie machte einfach ein Ventil auf und leitete einen Schlauch um. Dann wartete der Oktopus ab, was passieren würde.

Er hatte ganze Arbeit geleistet, wie Mitarbeiter des Santa Monica Pier Aquariums am nächsten Morgen zu ihrer Überraschung feststellten: Nachdem zehn Stunden lang das Wasser ausgelaufen war, hatte sich im Besucherraum ein riesiger Salzwasser-See gebildet. Das Raffinierte an der ganzen Aktion: Sie schadete keinem einzigen Tier – auch nicht dem „Übeltäter“, der noch munter im restlichen Wasser herumpaddelte -, dafür aber dem neuen Fußboden des Aquariums umso mehr.

Nun haben die Angestellten den Wassertank angeblich „krakensicher“ gemacht. Glauben sie jedenfalls.