Kraniche verloren Orientierung

Es mag ein wenig schwülstig klingen – aber für mich haben Kraniche etwas Erhabenes an sich. Es sind faszinierende Vögel, nicht zuletzt wegen ihrer spektakulären Balztänze – ein Ritual, das zur Paarungszeit im Frühling am beeindruckendsten ist.

Umso trauriger ist es, jetzt Meldungen darüber zu lesen, dass eine ganze Reihe von Kranichen auf dem Flug in ihre Sommerquartiere umgekommen sind. Schuld war der dichte Nebel, der über dem riesigen Waldgebiet Hainich in Thüringen hing. Er raubte den Kranichen die Orientierung. Normalerweise richten sie sich nach dem Magnetfeld der Erde und den Sternen. Doch wegen des Nebels mussten sie wesentlich niedriger fliegen als sonst. Dabei knallten eine Reihe von Vögeln gegen Hauswände, andere landeten vor Erschöpfung auf Straßen und wurden dort überfahren.

Einge verletzte Tiere konnten von Vogelschützern geborgen werden. Sie hoffen, die Tiere wieder gesundpflegen und anschließend auswildern zu können. Offenbar waren die Kraniche aufgrund des guten Wetters aus ihren Winterquartieren in Nordafrika oder Spanien aufgebrochen und trafen nun bei der Rückkehr des Winters in Deutschland völlig unerwartet auf Kaltluft. Das wurde ihnen zum Verhängnis.

Die Kraniche fliegen nach Süden

Für dieses Wochenende rechnen Vogelschützer mit dem großen Abflug der Kraniche aus unseren Breiten in Richtung Süden. Denn die Vögel benötigen für den „Reiseantritt“ Frost und Kälte – und beides ist für das Wochenende vorhergesagt.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) will die Flugstrecken der Kraniche genauer erforschen. Diese Vögel fliegen zwar seit Jahrtausenden auf festgelegten Routen, doch mittlerweile haben Ornithologen eine leichte Abweichung nach Westen festgestellt. Dafür gibt es auch einen Grund: Geschätzte 70 000 bis 80 000 Tiere sammeln sich seit einigen Jahren auf einem großen Rastplatz in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen. Diese Kraniche ziehen auf einer weiter westlich gelegenen Strecke nach Südspanien als diejenigen, die sich im Havelland oder bei Rügen sammeln.

Am vergangenen Wochenende sind schon ungefähr 20 000 Kraniche über Hessen in Richtung Extremadura in Südspanien geflogen. Aber nun stehen wahre Massenflugtage mit 50 000 bis 70 000 Vögeln bevor. Sie fliegen in ihren typischen Keilformationen, wobei die erfahrenen Tiere die Anführer sind, denen Familien mit Eltern und Jungvögeln folgen. Damit sie sich nicht verlieren, stoßen die ausgewachsenen Kraniche trompetenartige Laute aus.

 

 

Großes Kranichtreffen an der Ostsee

Es ist jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Naturereignis: die Herbstrast der Kraniche, die auf ihrem Flug nach Süden an der Ostseeküste eine Pause einlegen und Energie für ihre weite Reise tanken. Heuer haben sich die majestätischen Vögel früher als sonst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft versammelt. Und es sind mit 7000 Tieren nach Auskunft des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf auch fast 25 Prozent mehr Vögel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Die an der Ostseeküste lebenden Vögel haben schon vor einigen Wochen angefangen sich zu sammeln. Inzwischen haben sich noch rund 6000 Kraniche aus Skandinavien dazugesellt. Ein wirklich eindrucksvolles Bild wird sich den Vogelbeobachtern Anfang Oktober bieten: Man geht davon aus, dass die Zahl der Kraniche in der Rügen-Bock-Region dann bis zu 70 000 Tiere beträgt. Tausende von Tierfreunden und Fotografen wird es wieder zu diesem wunderbaren Naturschauspiel dort hinziehen.

In letzter Zeit beobachtet man allerdings einen neuen Trend: Nicht mehr alle Kraniche ziehen für die Winterzeit in wärmere Gefielde. Einige bleiben jetzt auch in Deutschland – die milderen bzw. kürzeren Winter machen es möglich.