Babyboom bei den Flamingos

Und noch eine gute Nachricht aus dem Nürnberger Tiergarten: In diesem Jahr hat es wieder einmal mit der Nachzucht von Flamingos geklappt. Am Schmausenbuck werden zwei Arten gehalten: Chilenische und Rote Flamingos. Insgesamt sind in diesem Sommer neun Jungvögel geschlüpft – acht bei den Chilenischen Flamingos, einer bei den Roten Flamingos. Auf dem Foto sieht man sehr gut, wie sich der Nachwuchs von den ausgewachsenen Flamingos unterscheidet: Das Federkleid ist bei den Jungen noch grau gefärbt (Foto: Eduard Weigert). Das charakteristische Flamingo-Rosa entwickelt sich erst mit der Zeit durch entsprechende Nahrung, die dafür vor allem karotinhaltig sein muss. Derzeit leben am Stelzvogelweiher des Tiergartens zehn männliche und 16 weibliche erwachsene Rote Flamingos, außerdem 15 männliche und 19 weibliche Chilenische.

Die Flamingohaltung hat in Nürnberg eine lange Tradition, denn schon im Alten Tiergarten im Luitpoldhain gab es seit 1929 Rote Flamingos. Nach dem Umzug des Zoos an den Schmausenbuck im Jahr 1939 kamen Chilenische Flamingos hinzu. Seit fast 80 Jahren haben die Stelzvögel ihr angestammtes Revier am Vorderen Weiher des Tiergartens. Aber erst 1978 funktionierte dort die Aufzucht des ersten Roten Flamingos, ein Jahr später folgte der erste Chilenische. Bei Flamingos schlüpfen in Nürnberg längst nicht jedes Jahr Küken. Warum das so ist, kann niemand genau sagen. Offenbar hat aber der lange, heiße Sommer heuer die Fortpflanzung dieser Vögel begünstigt. Und weil das Wetter jetzt ja immer noch außerordentlich mild ist, sollte jeder, der es möglich machen kann, dem Tiergarten einen Besuch abstatten und das strahlende Rosa der Flamingos in der Herbstsonne bewundern.

Ende der Küken-Qualen in Sicht?

männliche KükenUnd hier noch die gute Nachricht zum Wochenende: Unter eine Form der Tierquälerei, die eher nebenbei geschieht – das Schreddern oder Vergasen von männlichen Küken – wollen Forscher in Dresden nun endlich einen Schlusstrich ziehen. Ihre neue Technik soll es möglich machen, das Geschlecht der Küken in einem frühen Entwicklungsstadium festzustellen und die männlichen Tiere schon im Ei und zu einem Zeitpunkt zu töten, an dem sie noch keinen Schmerz empfinden.

Im Labor untersuchen die Wissenschaftler Eier, die drei Tage lang bebrütet wurden, so dass sich schon Blutgefäße und das winzige Herz entwickelt haben, aber noch keine Nervenzellen und kein Schmerzempfinden. Zur Untersuchung wird das Ei vorsichtig angebohrt und mit einem Spektrometer durchleuchtet. Mit einem speziellen Computerprogramm können dann Unterschiede in der Biochemie des Blutes von männlichen und weiblichen Küken festgestellt werden – angeblich mit einer Trefferquote von 95 Prozent. Wächst im Ei ein männliches Küken heran, wird es entsorgt. Bei weiblichen Küken wird das Ei in den Brutkasten gelegt. Wenige Tage später schlüpft dann eine kleine Henne.

An dieser Forschung sind Tiermediziner, Chemiker, Ingenieure und Physiker beteiligt. Aus dem Experiment könnten später einmal Maschinen entwickelt werden, die bei allen Geflügelhaltern stehen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist daran gelegen, die Sache voranzutreiben, weil er sich ständig mit Protesten von Tierschützern gegen den massenhaften Kükentod konfrontiert sieht. Ein Verbot des Massentötens lehnt Schmidt allerdings ab: Seiner Meinung nach würden die Brütereien dann nämlich nur ins Ausland abwandern – den Tieren wäre damit nicht gedient. Schmidts Ministerium unterstützt die Forscher in Dresden auch finanziell.

Tötung von Eintagsküken bald verboten?

Endlich: Das abstoßende Töten von männlichen Eintagsküken könnte bald der Vergangenheit angehören. Der Bundesrat setzt sich für ein Verbot der Massentötung dieser Tiere ein. Nordrhein-Westfalen hatte dazu eine Gesetzesinitiative gestartet, der die Länderkammer nun zugestimmt hat. Das Töten von Tieren aus rein ökonomischen Gründen soll künftig im Bundestierschutzgesetz verboten werden.

Deutschlandweit werden in der Legehennenproduktion jedes Jahr 50 Millionen männliche Eintagsküken vergast und geschreddert, kurz nachdem sie geschlüpft sind. Diese grausame Praxis soll bald ein Ende haben. Nach dem Votum des Bundesrats ist jetzt an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt an der Reihe. Er sollte so schnell wie möglich ein entsprechendes Gesetz vorlegen.

Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: In der Legehennen-Zucht ist es ja in der gesamten EU üblich, die männlichen Küken innerhalb von 72 Stunden nach dem Schlupfen zu töten, weil sie weder Eier legen können noch für die Mast geeignet sind. Wenn Deutschland nun den Anfang macht, diese Praxis abzustellen, ist es gut – aber die anderen EU-Länder müssen so bald wie möglich folgen!