Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

A „Zar“ is born!

Man könnte meinen, der Fasching hat jetzt sogar schon im Tierreich Einzug gehalten. Dieses Raubkatzenbaby wäre demnach ein Tiger, der sich als Löwe verkleidet hat – oder umgekehrt. Im Ernst: Es handelt sich bei dem Tier um einen sogenannten Liger, eine Kreuzung  zwischen Löwe und Tiger. Er besitzt das beige Fell eines Löwen und hat im Gesicht die Zeichnung eines Tigers. Das seltene Exemplar hat in einem Wanderzoo bei Rostow am Dom (Südrussland) das Licht der Welt erblickt und heißt – typisch russisch – Zar. Das passt, denn seine Tiger-Mama heißt Prinzessin, sein Löwen-Vater Cäsar. Und als ob das ganze Arten-Kuddelmuddel nicht schon genug wäre, auch das noch: Eine Ziege aus dem Wanderzoo ist als Amme für den kleinen Zar eingesprungen und säugt ihn.

Liger gelten als die größten Raubkatzen der Welt. In der Wildnis kommen sie praktisch nicht vor, weil Tiger bekanntlich nur in Asien leben und Löwen in Afrika – abgesehen von den ganz wenigen Persischen oder Indischen Löwen. Solche wiederum kann man immerhin im Nürnberger Tiergarten sehen. Momentan soll es weltweit nur rund 20 Liger geben. Einer davon heißt Herkules und lebt – na klar, dort, woll alles „great“ ist seit Trump – in den USA. Er ist laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit die größte Raubkatze der Welt: 418 Kilogramm bringt er auf die Waage und ist 3,33 Meter lang. Mal sehen, ob ihn der vor zweieinhalb Monaten in Russland geborene Zar nicht eines Tages verdrängt, wenn er erst mal erwachsen ist!

Löwen sterben leise

Löwe ZDFAls „König der Tiere“ gilt er seit langer Zeit. Doch wenn es schlimm kommt – und danach sieht es derzeit leider aus – werden wir uns ein anderes Tier als König suchen müssen. Denn noch nie stand es um den Bestand er Löwen so schlecht wie heute. Die niederschmetternden Ergebnisse eines internationalen Forscherteams, das in Afrika in Sachen Löwen unterwegs war, sind am kommenden Sonntag, 31. Januar, um 14.55 Uhr im ZDF zu sehen, in der „planet e.“-Dokumentation „Das leise Sterben der Löwen“.

Der deutsche Zoologe und Löwen-Forscher Philipp Henschel arbeitet bei der Wildkatzen-Schutzorganisation „Panthera“ mit. Nach seinen Angaben ist die Zahl der Löwen seit Mitte des letzten Jahrhunderts um rund 90 Prozent zurückgegangen, er geht von aktuell noch rund 20.000 wild lebenden Löwen aus. Experten schätzen außerdem, dass diese Tiere nur noch in etwa acht Prozent ihres einstigen Verbreitungsgebietes leben. Diese wirklich dramatische Entwicklung hat sich still und leise vollzogen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil in den großen afrikanischen Nationalparks Löwen immer noch leicht zu beobachten sind. Dieser Eindruck täuscht jedoch über die Realität hinweg: Außerhalb von Schutzgebieten geht der Bestand der Raubkatzen besorgniserregend zurück – und das hat verschiedene Ursachen:

  • Große Flächen werden in Acker- und Nutzland umgewandelt, weil die Bevölkerung ständig wächst. Dadurch werden Gebiete, in denen Löwen leben, zerschnitten. Es bleiben kleinere Gruppen übrig, in denen es zu Inzucht kommt.
  • Wenn noch genügend Lebensraum  vorhanden ist, finden Löwen oft nicht mehr ausreichend Nahrung. Denn Menschen sind auch Nahrungs-Konkurrenten der Löwen und jagen deren Beute zum Teil für den eigenen Kochtopf.
  • Rinder- und Ziegenherden in menschlicher Obhut fressen den wild lebenden Artgenossen das Futter weg. Deshalb reißen die Großkatzen immer wieder Nutztiere. Die Bauern töten dann manchmal Löwen aus Rache.

Die schwedische Löwenforscherin Ingela Jansson versucht, da gegenzusteuern und erforscht im Ngorongoro-Schutzgebiet in Tansania, wie die Nachbarschaft von Löwen und Menschen sowie deren Vieh abläuft. Auch darüber berichtet  die Sendung „planet e.“

Rettungspläne für den König der Tiere

LöwenIch habe hier schon vor fast zwei Jahren darüber geschrieben, nun gibt es neue Erkenntnisse in Form einer aktuellen Studie – niederschmetternde Erkenntnisse, muss man leider sagen: In einer ganzen Reihe von afrikanischen Regionen sind Löwen vom Aussterben bedroht. Es gibt nur einen winzigen Hoffnungsschimmer: In Schutzgebieten im südlichen Afrika steigt die Zahl der Tiere. Das hat eine internationale Forschergruppe um Hans Bauer von der Universität Oxford herausgefunden.

Die Wissenschaftler haben Studien aus 47 verschiedenen Regionen Afrikas aus den letzten 25 Jahren verglichen und festgestellt, dass  es große regionale Unterschiede gibt. Alarmierend ist – wie in meinem Beitrag vom Januar letzten Jahres schon beschrieben – die Situation in West- und Zentralafrika. Die Forscher gehen davon aus, dass dort in den nächsten 20 Jahren die Hälfte der Löwen verschwunden sein wird. Schlimm sieht es außerdem in Ostafrika aus, wo die Löwenpopulationen ebenfalls abnehmen.

Immerhin: In Botsuana, Namibia, Südafrika und Simbabwe verzeichnen die Forscher eine steigende Zahl der Raubkatzen. Allerdings leben die Löwen dort in eingezäunten Schutzgebieten. Was zumindest zeigt, dass Reservate unverzichtbar sind, um den Bestand dieser Tiere zu retten.

Die Wissenschaftler um Hans Bauer kommen auch zu der Erkenntnis, dass der beängstigend schnelle Rückgang der Raubkatzen in großen Teilen Afrikas auf eine deutliche ökologische Verschiebung hinweise: Löwen spielen demnach nicht mehr die Schlüsselrolle des obersten Räubers.

Der WWF Deutschland beklagt, dass Löwen unter dem zunehmenden Verlust ihrer Lebensräume durch den Menschen leiden und die Konflikte mit Siedlern und Bauern dem Bestand schaden. Außerdem führe die menschliche Jagd dazu, dass es immer weniger Beutetiere für die Löwen gibt. Und der Handel mit Körperteilen von Löwen für medizinische Zwecke gibt dem „König der Tiere“ dann den Rest. Der WWF setzt sich deshalb dafür ein, die Beutetiere der Löwen zu schützen und Schutzgebiete durch Wildtier-Korridore miteinander zu verbinden.

Warum die ganze Aufregung?

ZooOdenseVor allem auf Facebook schlugen die Protestwellen hoch, als die Ankündigung des dänischen Zoos in Odense bekannt wurde, dass man vor den Augen der Zoobesucher einen Löwen sezieren wolle.
Eine Online-Petition gegen die Sezierung hatte rund
130 000 Unterstützer gefunden. Das Tier wurde bereits vor neun Monaten gekeult, der Kadaver seitdem in einem Kühlfach aufbewahrt. Hintergrund für die Tötung der Raubkatze war, dass kein Platz mehr für junge Löwen in anderen Zoos vorhanden war und das Tier deshalb nicht abgegeben werden konnte. Im eigenen Zoo hätte die Gefahr von Inzucht bestanden.

Kinder und Erwachsene konnten nun heute zusehen, wie zwei Biologen den Kadaver aufschnitt und Herz, Lunge und andere Organe herausnahm, sie den Zoobesuchern zeigte und beschrieb. Der Zoo in Odense seziert seit 20 Jahren regelmäßig Tiere in den Schulferien. Für dänische Kinder ist das also nichts Besonderes – für sie sind solche Biologiestunden der besonderen Art normal. Auch die Europäische Vereinigung für Zoos und Aquarien unterstützt dieses Vorgehen.

Im Ausland dagegen gab es jede Menge Empörung – eine Aufregung, die man in Dänemark wiederum nicht versteht. Mir geht es genauso: Was soll schlimm daran sein, wenn Kinder anschaulich lernen, wie es im Inneren von Tierkörpern aussieht? Auf diese Art und Weise wird auch deutlich, dass es sich bei Zootieren keineswegs um Kuscheltiere handelt – ein Eindruck, der mancherorts durchaus entstehen könnte. Schließlich wird ja auch niemand gezwungen hinzugehen und sich die Sektion anzuschauen.

Dänische Zoos geraten immer wieder mit Aktivitäten in die Schlagzeilen, die anderswo als zu grausam empfunden werden. Wir erinnern uns:  Im vergangenen Jahr hatten der Tod und das öffentliche Zerlegen der Giraffe Marius im Zoo von Kopenhagen auf der ganzen Welt wahre Entrüstungsstürme ausgelöst. Das ging so weit, dass der Zoodirektor sogar Morddrohungen bekam.

Unfassbare Fehlentscheidung der EU

loeweDas war eine herbe Enttäuschung für alle Tierschützer in dieser Woche: Die EU hat am 15. September entschieden, die Einfuhr von Löwentrophäen aus Tansania trotz massiver Bestandsrückgänge in dem afrikanischen Land zu genehmigen. Die NABU International Naturschutzstiftung und Pro Wildlife kritisieren diese Entscheidung und fordern ein umgehendes Importverbot. Sie halten die EU-Entscheidung für inkonsequent und unverantwortlich, darüber hinaus stehe sie im klaren Widerspruch zu den EU-Vorschriften für Nachhaltigkeit. Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen.

Es ist, wie man so schön sagt, fünf vor zwölf: Der „König der Tiere“ verschwindet langsam, aber sicher aus Afrika. In mindestens zwölf afrikanischen Ländern sind diese wunderbaren Raubkatzen bereits ausgestorben. Laut der Roten Liste bedrohter Tierarten der Weltnaturschutzunion ist der Löwenbestand seit 1993 um 42 Prozent zurückgegangen. Das Verbreitungsgebiet der Löwen schrumpfte auf weniger als 20 Prozent.  Dafür gibt es mehrere Ursachen, u.a. den Verlust von Lebensraum, Konflikte mit Viehbesitzern und eben auch die Großwildjagd.

Tansania ist eine der letzten Hochburgen für Löwen, lockt dadurch aber natürlich auch besonders viele Löwenjäger an. Studien haben nachgewiesen, welche negativen Auswirkungen die Großwildjagd in Tansania innerhalb von 30 Jahren hatte. Trotz dieser Bedrohung dürfen Jäger die Trophäen in die EU importieren, sofern die zuständige Behörde des Einfuhrstaates das genehmigt. Und es gibt eine Reihe von Befürwortern der Jagd: Sie bringe Devisen ins Land, mit denen bedrohte Arten geschützt werden könnten. Doch verschiedene Studien widerlegen dies. In Tansania wird zudem die Landbevölkerung kaum an den Jagderlösen beteiligt.In dem Land ist die Korruption gerade bei der Jagd und beim Naturschutz besonders verbreitet.  Die Großwildjäger sind vor allem auf erwachsene Löwenmännchen im besten Fortpflanzungsalter scharf. Mit deren Abschuss vernichten sie die für den Erhalt der Löwenpopulation wichtigsten Tiere und betreiben eine unnatürliche Selektion, die folgenschwere Auswirkungen für den Bestand hat: Wird der Anführer eines Löwenrudels getötet, übernimmt ein neues Männchen das Rudel. Dann tötet er den Nachwuchs seines Vorgängers, um seine eigenen Fortpflanzungschancen zu erhöhen.

„Manege frei“ für Zirkustiere?

Das Thema Wildtiere im Zirkus spaltet die Menschheit ähnlich wie das Thema Delfine in Delfinarien. Befürworter und Gegner haben ihre feste Meinung, von der sie sich kaum abbringen lassen. Argumenten, und mögen sie noch so einleuchtend sein, sind beide Seiten nur in Ausnahmefällen zugänglich. Spätestens seit in einigen Ländern wie Österreich, Belgien und Finnland ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt wurde, fordern Tierschutzaktivisten bei uns das auch. Weniger rigoros zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund, der die Tierhaltung in Zirkussen nur dann ablehnt, wenn sie nicht bestimmten Vorgaben entspricht. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ wiederum setzt sich ausdrücklich für die Zirkustierhaltung ein.
In der Wissenschaft beschäftigt sich bei uns in Deutschland vor allem der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin, Gründer des Vereins „Verhaltensforschung bei Tieren“, mit dem Thema Zirkustiere. Er vertritt im Großen und Ganzen die These, dass  den Tieren das Leben im Zirkus nicht  schadet – vorausgesetzt, ihnen wird  gute und ausreichend Beschäftigung geboten, und die Unterbringung der Tiere erfüllt bestimmte Mindeststandards. Birmelin geht sogar so weit zu sagen, die Größe eines Käfigs oder eines Zeltes sei weniger wichtig, wenn sich die Zirkusleute intensiv um ihre tierischen Kollegen kümmern und ihnen ein geeignetes Programm gegen die Langeweile bieten. Im Proinzip also eine ähnliche Argumentation wie die von Zoo-Befürwortern.
Nun beschäftigt sich auch das deutsche Fernsehen mit der Problematik. Im WDR sind ab Pfingstmontag die beiden ersten Folgen der fünfteiligen Dokumentation „Manege frei“ zu sehen, die sich um das Verhalten von Zirkustieren drehen. Immanuel Birmelin wirkt bei der Reihe mit. Er führt verschiedene Experimente durch, die zeigen, wie Tiere selbst auf Problemlösungen kommen und wie dies dann in Zirkusnummern eingebaut wird. Auch auf die enge Beziehung zwischen Zirkustieren und ihren Dompteuren – ich bevorzuge dieses Wort, auch wenn heute meist von „Tierlehrern“ gesprochen wird – geht die Doku ein. Birmelin will anhand von Messungen des Stresshormons Cortisol außerdem beweisen, dass Zirkustiere bei guter Haltung, regelmäßiger medizinischer Kontrolle und nicht zu weiten Transporten nicht unter Stress stehen. Auch hier sind die Parallelen zu Zoos unübersehbar. Der Tiergarten Nürnberg beispielsweise hat ebenfalls immer wieder Cortisolmessungen bei den Großen Tümmlern vorgenommen und keine erhöhten Werte festgestellt.
Die ersten Folgen von „Manege frei“ drehen sich um Zirkuslöwen und -elefanten. Ich gehe davon aus, dass Immanuel Birmelin nach der Ausstrahlung von Tierrechtlern massiv angefeindet wird, denn er kommt zu einem für die Zirkusse mit kontrolliert guter Tierhaltung postitiven Ergebnis. Tierschutzaktivisten, etwa die Organisation Peta, behaupten das Gegenteil. Und werden diesen Standpunkt mit Sicherheit nicht aufgeben.
Die Sendetermine im WDR:
Pfingstmontag 25. Mai, 16.35 bis 17.20 Uhr: Folge 1: „Schule der Löwen“ (Wiederholung Dienstag, 26. Mai, 6.15 bis 7 Uhr)
Sonntag, 31. Mai, 15 bis 15.45 Uhr: Folge 2: „Elefanten im Spiegel“ (Wiederholung Freitag, 5. Juni, 5.30 bis 6.10 Uhr)

So, nun bleibt mir nur noch, meinen Lesern schöne Pfingsten – vielleicht mit dem einen oder anderen Tiererlebnis – zu wünschen!

Trauer in Dortmund

MoreniDamit hatte im Zoo Dortmund wohl niemand gerechnet. Mitten in den Vorbereitungen zur „Geburtstagsfeier“ des Zoos – am Pfingstsonntag wird die beliebte Freizeiteinrichtung 62 Jahre alt – gab es heute früh einen tragischen Todesfall: Ausgerechnet einer der der größten Publikumslieblinge, die Löwin Moreni (Foto: Stadt Dortmund), wurde totgebissen. Die 14-jährige Moreni war in den vergangenen Monaten auf der Krankenstation untergebracht. Nun sollte sie wieder ins Raubtiergehege zurückkehren, wo ihr dreijähriger Sohn Lolek lebt. Schritt für Schritt war diese „Familienzusammenführung“ geplant worden. Doch dann ging leider alles schief, was in so einem Fall schieflaufen kann.

Als Moreni ins Gehege kam, sprang Lolek plötzlich auf sie zu. Die Löwin unterwarf sich dem Kater, so, wie es bei diesen Raubtieren üblich ist: Sie legte sich auf den Rücken und präsentierte ihre Kehle. Aber diese Geste verstand das männliche Tier als Aufforderung zum Angriff. Lolek ließ so richtig den Chef heraushängen und setzte zum Todessprung an. Vier Tierpfleger versuchten verzweifelt,  die beiden Tiere voneinander zu trennen – doch vergeblich: In Sekundenschnelle verlor Moreni durch einen Biss in die Kehle ihr Leben. Erst als seine Mutter tot war, reagierte der Löwe wieder auf die Kommandorufe seiner Pfleger. Leider zu spät.

Vonseiten der Zoodirektion hieß es, diese Verhaltensweise sei natürlich, es gebe „bei der Arbeit mit Tieren immer einen Faktor des Ungewissen“. Der ganze Zoo trauert um Moreni, sicher auch viele Stammgäste. Und das Raubtierhaus bleibt erst einmal geschlossen, damit Lolek wieder zur Ruhe kommen kann. Er ist nun der einzige Löwe im Dortmunder Zoo. Sein Zwillingsbruder Bolek lebt mittlerweile in der „Zoom Erlebniswelt“ in Gelsenkirchen, und Lukas, der Vater der Löwen-Zwillinge, starb schon vor zwei Jahren.

Sicher wird jetzt eine Diskussion darum beginnen, ob dieser Vorfall nicht zu vermeiden gewesen wäre. Dass ein junger, starker Löwenmann ein gewisses Risiko für seine Artgenossen darstellt, ist bekannt. Vor allem, wenn kein anderer Löwe da ist, der dem älteren, schwächeren Tier notfalls beiseite steht. Da ist es auch ganz egal, ob es sich um die eigene Mutter handelt – Löwen sind eben keine Kuscheltiere, auch wenn sie im Zoo manchmal fast so wirken.

P.S. Irgendwie ist das ein schlechter Tag für Löwen. Auch der 17 Jahre alte Heinrich im Schweriner Zoo wurde heute eingeschläfert. Geboren wurde er 1997 in Karlsruhe. Heinrich war leicht an seinem dunklen, wegen einer Hautveränderung beinahe haarlosen Gesicht zu erkennen. In Schwerin soll bis zum Frühjahr 2017 eine neue, großzügige Anlage für Löwen entstehen. Dann will man mit einem Kater und zwei Katzen ein Rudel aufbauen.

Jetzt geht es nur noch um das Eine

samursexneuSeit 14 Monaten lebten sie in derselben Anlage im Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens, doch „getrennt von Tisch und Bett“- ich erlaube mir hier diesen Ausdruck, auch wenn es sich nicht um Menschen, sondern um Sibrische Tiger handelt: Katinka und Samur, zwei wahre Prachtexemplare ihrer Art. Zu jung sind die beiden jungen Raubkatzen bisher gewesen, um als Paar  zusammenzuleben, ohne dass es sozusagen zu Mord und Totschlag geführt hätte. Denn Tiger sind in freier Wildbahn Einzelgänger, die sich einander nicht grün sind. Selbst Weibchen und Männchen treffen sich nur, wenn es ihnen um das Eine geht, das im Tierreich an oberster Stelle steht: sich vermehren, um als Art zu überleben.

Die dreijährige Katinka und der um ein Jahr jüngere Samur kamen über das Europäische Arterhaltungsprogramm EEP an den Schmausenbuck, auf dass sie dort wachsen, gedeihen und sich mehren mögen. Letzteres scheiterte bislang daran, dass die aus Moskau stammende Tigerdame als gleichzeitig kratzbürstiger und scheuer Typ gilt und deshalb nicht auf den gutmütigen Kater aus dem Wuppertaler Zoo losgelassen werden konnte. Seine „Zukünftige“ war Samur ihm auch körperlich überlegen.

Doch nun ist Katinka rollig und damit bereit zur Empfängnis, Samur ist fast ausgewachsen; die zwei sind geschlechtsreif. Es kann also losgehen – richtiger: Es ist schon losgegangen. Katze und Kater haben in jeder Hinsicht Gefallen aneinander gefunden und gönnen sich kaum eine ruhige Minute. Wenn sie sich weiter so stark zueinander hingezogen fühlen, dürfen sie ihre „Flitterwochen“  ungestört und allein im Raubtierhaus verbringen – ohne die indiskreten Blicke der Besucher: Die müssen nämlich erst mal draußen bleiben.

Die Löwen wohnen in den nächsten Tagen und Nächten in der Außenanlage und überlassen das Tigerpaar im Raubtierhaus seinem Liebesglück – kein Problem für asiatische Löwen, schon gar nicht in diesem milden Winter. Jetzt brauchen sie sich die Aufmerksamkeit der Besucher einmal nicht mit den attraktiven Tigern zu teilen. – Nennt man so etwas eine Win-Win-Situation? Ich glaube, ja.

Löwentötung im Kreuzfeuer der Kritik

Der Zoo von Kopenhagen kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Nachdem dort im Februar eine Giraffe namens Marius geschlachtet und vor den Augen von Besuchern an Löwen verfüttert worden war, woraufhin ein weltweiter Aufschrei im Internet folgte, ging es jetzt den Löwen selbst an den Kragen: Zwei erwachsene Löwen und deren Junge wurden eingeschläfert, um Platz für ein neues Zuchttier zu schaffen und Inzucht zu verhindern. Im Internet gab es auf der Homepage des Zoos einen Shitstorm, rund 100 000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, und auch sonst reißen die Proteste nicht ab. Mittlerweile kritisieren auch deutsche Zoodirektoren das Vorgehen ihrer dänischen Kollegen.

Sie sind der Ansicht, dass man sich vor dem Züchten von Jungtieren genau überlegen müsse, wie bzw. wo der Nachwuchs später einmal untergebracht werden kann. Mit einer vorausschauenden Planung hätte man das Töten der Löwen vermeiden können, meint etwa der Frankfurter Zoochef Niekisch. Für Raubtiernachwuchs aus dem Frankfurter Zoo habe man bisher immer einen Platz in einem anderen Zoo gefunden. In der Stuttgarter Wilhelma teilt man diese Ansicht und betont, dass aus Gründen drohender Inzucht keine Tiere getötet werden dürften. Statt dessen solle man auf bestehende Verhütungsmethoden zurückgreifen.

Die Zooleitung in Kopenhagen dagegen wünscht sich eine sachliche Debatte über die Angelegenheit. Generell lehnt man dort die Verniedlichung der Natur ab – ebenso wie die Empfängnisverhütung bei Löwen. Letztere auch, weil deren Folgen nicht genügend bekannt seien. Da ist allerdings wirklich etwas dran: Im Nürnberger Tiergarten hat man die Erfahrung gemacht, dass „die Pille“ bei den Löwinnen zu Krebserkrankungen führen kann.