Trauer in Dortmund

MoreniDamit hatte im Zoo Dortmund wohl niemand gerechnet. Mitten in den Vorbereitungen zur „Geburtstagsfeier“ des Zoos – am Pfingstsonntag wird die beliebte Freizeiteinrichtung 62 Jahre alt – gab es heute früh einen tragischen Todesfall: Ausgerechnet einer der der größten Publikumslieblinge, die Löwin Moreni (Foto: Stadt Dortmund), wurde totgebissen. Die 14-jährige Moreni war in den vergangenen Monaten auf der Krankenstation untergebracht. Nun sollte sie wieder ins Raubtiergehege zurückkehren, wo ihr dreijähriger Sohn Lolek lebt. Schritt für Schritt war diese „Familienzusammenführung“ geplant worden. Doch dann ging leider alles schief, was in so einem Fall schieflaufen kann.

Als Moreni ins Gehege kam, sprang Lolek plötzlich auf sie zu. Die Löwin unterwarf sich dem Kater, so, wie es bei diesen Raubtieren üblich ist: Sie legte sich auf den Rücken und präsentierte ihre Kehle. Aber diese Geste verstand das männliche Tier als Aufforderung zum Angriff. Lolek ließ so richtig den Chef heraushängen und setzte zum Todessprung an. Vier Tierpfleger versuchten verzweifelt,  die beiden Tiere voneinander zu trennen – doch vergeblich: In Sekundenschnelle verlor Moreni durch einen Biss in die Kehle ihr Leben. Erst als seine Mutter tot war, reagierte der Löwe wieder auf die Kommandorufe seiner Pfleger. Leider zu spät.

Vonseiten der Zoodirektion hieß es, diese Verhaltensweise sei natürlich, es gebe „bei der Arbeit mit Tieren immer einen Faktor des Ungewissen“. Der ganze Zoo trauert um Moreni, sicher auch viele Stammgäste. Und das Raubtierhaus bleibt erst einmal geschlossen, damit Lolek wieder zur Ruhe kommen kann. Er ist nun der einzige Löwe im Dortmunder Zoo. Sein Zwillingsbruder Bolek lebt mittlerweile in der „Zoom Erlebniswelt“ in Gelsenkirchen, und Lukas, der Vater der Löwen-Zwillinge, starb schon vor zwei Jahren.

Sicher wird jetzt eine Diskussion darum beginnen, ob dieser Vorfall nicht zu vermeiden gewesen wäre. Dass ein junger, starker Löwenmann ein gewisses Risiko für seine Artgenossen darstellt, ist bekannt. Vor allem, wenn kein anderer Löwe da ist, der dem älteren, schwächeren Tier notfalls beiseite steht. Da ist es auch ganz egal, ob es sich um die eigene Mutter handelt – Löwen sind eben keine Kuscheltiere, auch wenn sie im Zoo manchmal fast so wirken.

P.S. Irgendwie ist das ein schlechter Tag für Löwen. Auch der 17 Jahre alte Heinrich im Schweriner Zoo wurde heute eingeschläfert. Geboren wurde er 1997 in Karlsruhe. Heinrich war leicht an seinem dunklen, wegen einer Hautveränderung beinahe haarlosen Gesicht zu erkennen. In Schwerin soll bis zum Frühjahr 2017 eine neue, großzügige Anlage für Löwen entstehen. Dann will man mit einem Kater und zwei Katzen ein Rudel aufbauen.

Jetzt geht es nur noch um das Eine

samursexneuSeit 14 Monaten lebten sie in derselben Anlage im Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens, doch „getrennt von Tisch und Bett“- ich erlaube mir hier diesen Ausdruck, auch wenn es sich nicht um Menschen, sondern um Sibrische Tiger handelt: Katinka und Samur, zwei wahre Prachtexemplare ihrer Art. Zu jung sind die beiden jungen Raubkatzen bisher gewesen, um als Paar  zusammenzuleben, ohne dass es sozusagen zu Mord und Totschlag geführt hätte. Denn Tiger sind in freier Wildbahn Einzelgänger, die sich einander nicht grün sind. Selbst Weibchen und Männchen treffen sich nur, wenn es ihnen um das Eine geht, das im Tierreich an oberster Stelle steht: sich vermehren, um als Art zu überleben.

Die dreijährige Katinka und der um ein Jahr jüngere Samur kamen über das Europäische Arterhaltungsprogramm EEP an den Schmausenbuck, auf dass sie dort wachsen, gedeihen und sich mehren mögen. Letzteres scheiterte bislang daran, dass die aus Moskau stammende Tigerdame als gleichzeitig kratzbürstiger und scheuer Typ gilt und deshalb nicht auf den gutmütigen Kater aus dem Wuppertaler Zoo losgelassen werden konnte. Seine „Zukünftige“ war Samur ihm auch körperlich überlegen.

Doch nun ist Katinka rollig und damit bereit zur Empfängnis, Samur ist fast ausgewachsen; die zwei sind geschlechtsreif. Es kann also losgehen – richtiger: Es ist schon losgegangen. Katze und Kater haben in jeder Hinsicht Gefallen aneinander gefunden und gönnen sich kaum eine ruhige Minute. Wenn sie sich weiter so stark zueinander hingezogen fühlen, dürfen sie ihre „Flitterwochen“  ungestört und allein im Raubtierhaus verbringen – ohne die indiskreten Blicke der Besucher: Die müssen nämlich erst mal draußen bleiben.

Die Löwen wohnen in den nächsten Tagen und Nächten in der Außenanlage und überlassen das Tigerpaar im Raubtierhaus seinem Liebesglück – kein Problem für asiatische Löwen, schon gar nicht in diesem milden Winter. Jetzt brauchen sie sich die Aufmerksamkeit der Besucher einmal nicht mit den attraktiven Tigern zu teilen. – Nennt man so etwas eine Win-Win-Situation? Ich glaube, ja.

Löwentötung im Kreuzfeuer der Kritik

Der Zoo von Kopenhagen kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Nachdem dort im Februar eine Giraffe namens Marius geschlachtet und vor den Augen von Besuchern an Löwen verfüttert worden war, woraufhin ein weltweiter Aufschrei im Internet folgte, ging es jetzt den Löwen selbst an den Kragen: Zwei erwachsene Löwen und deren Junge wurden eingeschläfert, um Platz für ein neues Zuchttier zu schaffen und Inzucht zu verhindern. Im Internet gab es auf der Homepage des Zoos einen Shitstorm, rund 100 000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, und auch sonst reißen die Proteste nicht ab. Mittlerweile kritisieren auch deutsche Zoodirektoren das Vorgehen ihrer dänischen Kollegen.

Sie sind der Ansicht, dass man sich vor dem Züchten von Jungtieren genau überlegen müsse, wie bzw. wo der Nachwuchs später einmal untergebracht werden kann. Mit einer vorausschauenden Planung hätte man das Töten der Löwen vermeiden können, meint etwa der Frankfurter Zoochef Niekisch. Für Raubtiernachwuchs aus dem Frankfurter Zoo habe man bisher immer einen Platz in einem anderen Zoo gefunden. In der Stuttgarter Wilhelma teilt man diese Ansicht und betont, dass aus Gründen drohender Inzucht keine Tiere getötet werden dürften. Statt dessen solle man auf bestehende Verhütungsmethoden zurückgreifen.

Die Zooleitung in Kopenhagen dagegen wünscht sich eine sachliche Debatte über die Angelegenheit. Generell lehnt man dort die Verniedlichung der Natur ab – ebenso wie die Empfängnisverhütung bei Löwen. Letztere auch, weil deren Folgen nicht genügend bekannt seien. Da ist allerdings wirklich etwas dran: Im Nürnberger Tiergarten hat man die Erfahrung gemacht, dass „die Pille“ bei den Löwinnen zu Krebserkrankungen führen kann.

Alarmstufe dunkelrot!

Jetzt heißt es wirklich allmählich: Alarmstufe rot, wenn nicht schon dunkelrot! Westafrikas Löwen sind beinahe ausgerottet. Nur noch 250 erwachsene Exemplare – das heißt solche in einem Alter, in dem sie sich fortpflanzen können – und 150 Jungtiere leben dort noch laut Angaben von Panthera. Diese Tierschutzorganisation führt ein  Programm durch, mit dem über sechs Jahre hinweg die Löwen gezählt werden, die noch in Westafrika übrig sind. Dieses Ergebnis ist einfach niederschmetternd: Man stelle sich vor, nur noch 400 Löwen – ein wenig mehr als ein Prozent aller afrikanischen Löwen – in fünf Staaten! Und 90 Prozent davon leben nicht einmal in richtig „freier Wildbahn“, sondern im W-Arly-Pendjari-Reservat, das zwischen Benin, Burkina Faso und dem Niger liegt.

Das ist auch deshalb so besorgniserregend, weil zum Erhalt der Gesamtpopulation möglichst unterschiedliche Gensequenzen nötig sind. Die differieren bei den Löwen in West- und Zentralafrika von denen der Tiere im Süden und Osten des Kontinents.

Hauptursache für das Verschwinden der Löwen in Westafrika ist der Mensch, der ihre Jagdgebietezerstört, indem er landwirtschaftlich genutzte Flächen daraus macht. Der Mensch ist auch bei der Jahd nach Wild zum Konkurrenten der Löwen geworden. Obendrein jagen Viehzüchter Löwen, um ihr Nutzvieh vor den Raubkatzen zu schützen.

Während man in Ost- und Südafrika begriffen hat, dass sich auch mit Löwen Touristen für Safari-Urlaube anlocken lassen, die jede Menge Geld für den wirtschaftlichen Aufbau der Länder mitbringen, ist man in Westafrika noch nicht so weit. Bis man das gecheckt hat, könnte es für die Löwen zu spät sein.

 

Kein Platz mehr für Löwen in Afrika?

In dieser vorweihnachtlichen Zeit möchte man ja eigentlich lieber Besinnliches lesen und hören. Aber unsere Welt ist leider nicht so heil und besinnlich, wie wir sie gerne hätten. Meldungen wie die folgende kann man deshalb nicht einfach ignorieren.

Internationale Wissenschaftler schlagen Alarm: Der Lebensraum für die Löwen in Afrika wird in rasender Geschwindigkeit immer kleiner. Teils, weil ein Großteil der Savanne in Ackerland umgewandelt wurde, teils, weil die Bevölkerungsdichte in Afrika immer stärker zunimmt. Die Savannengebiete, die sich für den König der Tiere, wie er gerne genannt wird, als Lebensraum eignen und ihm genügend Beute zur Ernährung bieten können, sind um 75 (!) Prozent geschrumpft. Es gibt auf dem ganzen afrikanischen Kontinent überhaupt nur noch 67 voneinader isolierte Gebiete mit nennenswerten Löwenpopulationen. Von denen wiederum sind viele zu klein oder zu zerstückelt, so dass Inzucht und andere Probleme drohen.

Ein internationales Forscherteam kam jetzt zu dem erschütternden Ergebnis, dass in Afrika insgesamt nur noch 15 Gebiete übrig geblieben sind, in denen mehr als 500 Löwen leben. Diese Größenordnung gilt als Voraussetzung für eine Population, die auf lange Sicht stabil bleibt. Die einzelnen Löwenpopulationen weisen geringe genetische Unterschiede auf, so dass der Verlust einer Population die genetische Vielfalt der ganzen Art verringert.

Heute gibt es nach den neuesten Zählungen in Afrika insgesamt noch 32 000 Löwen. Aber die Bestände sind nur noch in den großen Naturschutzgebieten im Osten und Süden des Kontinents stabil, in denen 24 000 Löwen leben. Dort investieren die Regierungen in Schutzmaßnahmen, weil Löwen viele Touristen und damit Geld in die Gebiete bringen. In West- und Zentralafrika hat der Rückgang der Löwen dagegen ein dramatisches Ausmaß erreicht, auch, weil man die wirtschaftliche Bedeutung der Großkatzen dort noch nicht erkannt hat. Ohne Schutzmaßnahmen, so warnen die Wissenschaftler, seien die Löwenpopulationen langfristig nicht zu retten.

Na, dann wissen wir doch gleich, was wir uns vom Christkind wünschen: mehr Schutz für Afrikas Löwen und ihre Lebensräume!

 

Sensationelles Foto

Nach der unsäglichen Geschmacklosigkeit der Fotos auf Facebook, die grausame Tierquälerei zeigten, heute zu einem erfreulichen Tier-Foto: Es wurde von dem Wildtier-Fotografen Bruno D´Amicis aufgenommen, der für den Naturschutzbund Deutschland (NABU) arbeitet. Auf den ersten Blick mag man das Bild vielleicht nicht so außergewöhnlich finden. Aber wenn man die Zusammenhänge kennt, dann ist es eine echte Sensation.

Denn das Foto zeigt erstmals einen Löwen – beziehungsweie eine Löwin – in einem afrikanischen Regenwald. Bisher ging man immer davon aus, dass Afrikanische Löwen ihren Lebensraum nicht in feuchten Regionen haben, sondern in der trockenen Savanne. Zwar hatten die Bewohner von Kafa, dem Biosphärenreservat in Südäthiopien, wo das Foto entstanden ist, schon früher erzählt, dass sie dort Löwen gesehen hätten. Aber dafür gibt es jetzt durch das Foto zum ersten Mal einen Beweis.

Die Naturschützer nehmen an, dass die Löwen während der Trockenzeit auf ihrer Reise von Ost- nach Zentralafrika durch diesen Regenwald hindurchziehen. Auf jeden Fall hat der NABU angekündigt, das Verhalten der Löwen in dieser Region nun weiter zu erforschen. Könnte ein interessantes Projekt werden, das neue, aufschlussreiche Erkenntnisse über die Afrikanischen Löwen liefert. Diese Tiere gelten als gefährdet; in Äthiopien soll es nur noch 1500 Exemplare geben.

Giraffe auf der Speisekarte – na und?

Also, manchmal muss ich mich schon wundern, wie Agenturmeldungen kritiklos von den Medien übernommen werden.  „Giraffenbaby an Löwe verfüttert – Kinder entsetzt“, lautete eine solche Meldung vor ein paar Tagen.

Statt so etwas in den (virtuellen) Papierkorb zu werfen oder zu ignorieren, hat es leider auch die NZ gebracht – immerhin aber grammatikalisch richtig („an Löwen verfüttert“, hieß es dort). Doch inhaltlich wurde das Ganze dadurch auch nicht besser.

Um was ging es genau? Zoowärter in Kaliningrad haben ein bereits totes Giraffenbaby mit Haut und Haaren einem Löwen zum Fraß vorgeworfen. –  Ja und? Was soll schlimm daran sein? Etwa, dass zufällig gerade Kinder vor dem Gehege standen und zuschauten, wie sich der Löwe das Giraffenkind einverleibte? Dem Löwen hat diese Mahlzeit sicher besser geschmeckt als die faden Fleischbrocken, die er sonst serviert bekommt. Erwiesenermaßen stecken gerade im Fell und in den Knochen lebenswichtige Nährstoffe, die in Zoos sonst durch Futterzusatz verabreicht werden müssen. Und dass die Giraffe vorher nicht zerteilt wurde, dürfte ein guter Test für die Qualität des Löwen-Gebisses gewesen sein.

Aus diesen Gründen werden auch im Nürnberger Tiergarten immer wieder mal tote Zootiere an die Raubkatzen verfüttert (siehe Foto). Meist handelt es sich um Rinder, Hirsche oder Antilopen – ein totes Giraffenbaby kommt hierzulande nicht so häufig vor. Im Tiergarten bemüht man sich auch, die Besucher über den Sinn und Zweck der Ganzkörperverfütterung aufzuklären – und stößt dabei auf erstaunlich viel Verständnis. Raubkatzen sind nun mal keine Schmusetiere – davon müssten selbst Kinder schon einmal etwas gehört haben. Dass Fleisch aus ganzen Tieren herausgeschnitten wird – auch zur Verwendung durch den Menschen – wissen heute zwar viele Kinder nicht mehr; umso besser, dass sie es jetzt in dem Zoo einmal mitbekommen haben.

Dass die jungen Zoobesucher in Kaliningrad nun gar „traumatisiert“ sein sollen, halte ich für eine starke Übertreibung russischer Medien. Schließlich hat der Löwe die Giraffe ja nicht vor ihren Augen gerissen. Und was schauen sich die lieben Kleinen denn tagtäglich im Internet an? Da dürfte durchaus stärkerer Tobak dabei sein! Ganz abgesehen von dem, was russische Kinder immer wieder in ihrem Lebensumfeld mitbekommen und mit dem sie fertig werden müssen. Da gibt es eindeutig Schlimmeres als ein totes Giraffenbaby!

Südafrikas Tiere leiden unter der WM

Es ist gekommen, wie es kommen musste: Die wunderbaren Nationalparks in Südafrika werden durch die Fußball-WM von Touristen geradezu überrannt. Das wäre vielleicht noch nicht sooo schlimm, aber leider führen die sich dort in ihrem WM-Taumel auf wie die bekannte Axt im Walde – und die Leidtragenden sind – wer sonst? – die Tiere.

NationalparksDummheit und Unverfrorenheit mancher WM-Touristen scheinen kaum noch steigerungsfähig zu sein, nach dem zu urteilen, was die Parkranger so berichten. Im Krüger-Nationalpark zum Beispiel sind Besucher aus ihrem Auto gestiegen und haben sich direkt vor einem Rudel Löwen fürs Fotoalbum ablichten lassen. Andere wahren, um tolle Tierfotos aus nächster Nähe  zu bekommen, keinerlei Abstand zu den Wildtieren. Die Ranger haben alle Hände voll zu tun, um die Touristen zur Räson zu bringen und in ihre Wagen zurück zu bugsieren. Weil offenbar alle glauben, die Tiere seien zahm wie in einem Streichelzoo, nehmen sie nicht einmal Angriffe der Tiere ernst. So haben sich Fans aus Lateinamerika bei geöffneten Autotüren fotografieren lassen, als ein Elefantenbulle auf das Fahrzeug zustürmte und einen Scheinangriff startete. Die Touristen lachten nur darüber, obwohl sie dem Tod näher waren, als sie es sich jemals hätten träumen lassen.
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Ein rabenschwarzer Tag

Das ist heute ein rabenschwarzer Tag für die beiden großen Zoos in Bayern, den Tierpark Hellabrunn (München) und den Nürnberger Tiergarten: Zwei Tierbabys sind tot!

loewenbabyBeginnen wir, weil er uns einfach näher ist, mit dem Tiergarten Nürnberg. Von dort wurde heute der Tod des Löwenbabys gemeldet, das erst am 4. Juni geboren worden war und von dem ein paar Tage danach ein Foto an die Öffentlichkeit gelangt war, das ich hier gezeigt habe. Das Kleine ist offenbar schon am 10. Juni gestorben, die Nachricht wurde aber erst heute gemeldet. Der Tiergarten steht vor einem Rätsel: Die Löwenmutter namens Keera hat anscheinend die Aufzucht ihres Jungen einfach abgebrochen. Warum, weiß man derzeit noch nicht.

Auf jeden Fall kann es nicht daran gelegen haben, dass sie unerfahren ist. Denn sie hat im Tiergarten schon zwei gesunde Töchter geboren und aufgezogen. Die beiden leben jetzt in Berlin, wo Keera während des Raubtierhaus-Umbaus im Nürnberger Tiergarten vorübergehend untergebracht war. Ihr allererstes Baby, das ebenfalls in Nürnberg zur Welt kam, hatte Keera allerdings auch schon nicht großgezogen. Es könnte sein, dass Löwenmütter, wenn ihr Wurf nicht größer ist als ein Baby, die Aufzucht als zu aufwändig empfinden und es deshalb gleich sein lassen. Denn in der Natur hat ein einziges Jungtier kaum eine Überlebenschance.
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Es gibt keine Geheimnisse mehr!

LoewenbabyEs gibt Informationen, die ein Zoo eigentlich lieber nicht nach draußen geben möchte, sondern erstmal unter Verschluss hält. Meist zum Wohl der Tiere, wie auch jetzt wieder im Nürnberger Tiergarten: Dort hat Löwendame Keera Nachwuchs. Mindestens ein Junges kam zu Welt, vielleicht auch mehrere, wie hier nachzulesen. Um die Löwin und ihren Nachwuchs keinem Besucherrummel und damit Unruhe auszusetzen, solange das Kleine bzw. die Kleinen noch nicht überm Berg ist/sind, hat die Zooleitung das freudige Ereignis erst mal verschwiegen.

Doch wie das so ist in unserer multimedialen Wunderwelt: Heutzutage kann so etwas, und sollte es noch so gut gemeint sein, einfach nicht mehr funktionieren. Jemand kriegt per Zufall die Geburt selbst mit oder entdeckt das Tierbaby kurz danach, schon ist ein Foto gemacht – meist per Handy. Und das Bild geht dann unter Umständen um die ganze Welt. Oder die Nachricht wird schnell getwittert, und schon ist das vermeintlich wohl gehütete Geheimnis keines mehr, sondern das Gegenteil, eine sich rasend schnell verbreitende Nachricht. Zoo-Gegner wittern natürlich sofort Verdacht. Warum meldet der Tiergarten so was nicht? Stimmt da womöglich etwas nicht, soll etwas vertuscht werden, ist das Baby gar krank? Schnell schießen in so einem Fall Spekulationen ins Kraut.

So war es auch heute in Nürnberg. Die Pressesprecherin des Tiergartens wurde durch den Anruf einer Boulevardzeitung überrascht, der ein Foto vom neugeborenen Löwenbaby vorlag und die nun Informationen darüber haben wollte. Die Zoosprecherin wusste selbst noch nichts von dem freudigen Ereignis und musste sich erst einmal kundig machen, um wenigstens ein paar dürre Informationen zusammenzukratzen.

Obiges Foto, das Zoobesucher Michael Knierieme gemacht hat, ist von der Qualität her eine Katastrophe und wäre früher nie in irgendeinem Medium abgedruckt bzw. gezeigt worden. Heute aber wird es allein durch seinen Neuigkeitswert interessant, egal ob das Löwenbaby nur ganz winzig hinter dem Baumstamm zu sehen ist und von der Mutter lediglich ein Stück Schnauze – wohl mehr zufällig! – ins Bild geraten ist. Schöne neue Medienwelt, kann ich da nur sagen!