Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können. weiter lesen

Tiger top, Panda tot

KatinkamitjungenEnde Januar habe ich hier noch über das „Liebesglück“ der beiden Tiger im Tiergarten Nürnberg geschrieben. Das war während der ersten Rolligkeit von Tigerin Katinka. Die damaligen Deckungsversuche von Samur waren dann letztlich doch nicht von Erfolg gekrönt. Aber bei der „zweiten Rolle“, wie die Tierpfleger sagen, hat es dann geklappt: Katinka wurde trächtig. Am 6. Juli hat sie ihre zwei Babys zur Welt gebracht – zwei Jungs, die von den Tierpflegern die Namen Aljoscha und Volodya bekommen haben.

Das Brüderpaar wurde jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem das Raubtierhaus in den letzten beiden Monaten geschlossen war, um Katinka mit ihrem Nachwuchs die nötige Ruhe zu gewähren. Die Kleinen haben mittlerweile schon ganz schön zugelegt und bringen schon 9,1 und 8,3 Kilo auf die Waage. Sie werden noch gesäugt, knabbern aber auch schon an Katinkas Fleischportionen mit herum. Geimpft wurden Aljoscha und Volodya ebenfalls schon, bei dieser Gelegenheit wurden sie auch mit Transpondern versehen.

Ab kommendem Montag, 7. September, dürfen die ersten Zoobesucher wieder ins Raubtierhaus: Vorerst täglich zwischen 10 und 11.30 Uhr lassen die Pfleger immer wieder kleinere Gruppen ins Raubtierhaus, um die Tigerin und ihre Babys nach und nach an Publikum zu gewöhnen. Wenn das klappt, soll das Haus so bald wie möglich wieder regulär geöffnet werden.

PatnaLeider wird das gedeihliche Heranwachsen der Tigerbabys vom Tod der Kleinen Panda-Dame Patna überschattet, die tot in ihrem Gehege gefunden wurde. Das ist vor allem auch deshalb tragisch, weil Patna hat zwei Junge hat, die erst vor zwei Monaten geboren wurden. Sie müssen nun von Hand aufgezogen und langsam auf feste Nahrung umgestellt werden. Woran Patna gestorben ist, bleibt vorerst ein Rätsel, denn noch am Tag vor ihrem Tod hat sich die fünf Jahre alte Katzenbärin ganz unauffällig verhalten. An ihrem Körper waren auch keine Verletzungen sichtbar. Per Obduktion will der Tiergarten nun hausfinden, was die Todesursache war. Schon einmal hatte es ja im Jahr 2009 im Tiergarten zwei tote Kleine Pandas gegeben. Damals kam es zu wilden Theorien, warum die Tiere von einem damals noch im selben Gehege lebenden Muntjak umgebracht wurden.

Wie viele Tiere verschwinden noch, Teil 2

Muntjak
Kann das noch mit rechten Dingen zugehen? Nun ist schon wieder ein Tier aus dem Tiergarten Nürnberg verschwunden: ein Chinesischer Muntjak (ein Zwerghirsch). Diese Art wird in 26 Mitgliedszoos des Verbands der Zoologischen Gärten gehalten. Am Schmausenbuck lebt ein Paar zusammen mit den Panzernashörnern in einer Anlage, nämlich im früheren Elefanten-Freigehege. Erst vor kurzem war das junge Rotkopf-Schaf Rosi aus dem Tiergarten nach München ins Rotlicht-Milieu „entführt“ worden, dann wurde bekannt, dass die Präriehunde nach dem Winterschlaf nicht mehr aufgetaucht waren. Das Verschwinden des Muntjaks ist hingegen weniger rätselhaft: Am Sonntag, 31. Mai, suchte der kleine Hirsch bei tierpflegerischen Arbeiten in seinem Gehege das Weite. Sechs Tage später wurde er höchstwahrscheinlich außerhalb des Tiergartenzauns gesichtet. Die Zooleitung hat Forstbehörden und Jäger informiert. Wer den Muntjak sieht, wird gebeten, dem Tiergarten Bescheid zu geben, damit der Kleinhirsch wieder eingefangen werden kann.

Wir erinnern uns: Mit den Muntjaks hatte der Tiergarten vor einigen Jahren schon einmal Probleme – darüber habe ich hier geschrieben. Und nun büxt also ein Muntjak-Männchen aus. Naja, vielleicht wollte es nicht mehr mit den Nashörnern in einer WG leben oder hatte Streit mit seiner Partnerin? Wollte es womöglich den Tierpflegern einen Streich spielen oder dem Zoochef  neue Sorgen bereiten? Wer weiß. Ich hatte ja kürzlich schon gefragt, wie viele Tiere wohl noch aus dem Tiergarten verschwinden. Und langsam kommt mir das wirklich komisch vor. Passiert das alles jetzt aus Zufall so kurz nacheinander? Handelt es sich um eine Pechsträhne? Ich bin schon gespannt, was jetzt wieder für Gerüchte in die Welt gesetzt werden.

 

Kleine Pandas aus China nach Nürnberg?

Kleine Pandas haben in Zoos offenbar öfter Pech. Im Nürnberger Tiergarten kann man ein Lied davon singen – dort wurden die auch „Katzenbären“ genannten possierlichen Tiere bekanntlich von den Muntjas gemeuchelt.

Nun geht die Pechsträhne dieser Tierart weiter: Im Zoo von Taiyuan in der nordchinesischen Provinz Shanxi freute man sich vor ein paar Wochen über die Geburt von zwei Kleinen Pandabären. Und was geschah? Ihre Mutter hat sie nicht angenommen!

Doch dann kam das berühmte Glück im Unglück ins Spiel: Man fand eine Ersatzmutter für die zwei Babys in Gestalt einer Hündin, die gerade selbst Junge hat. Und seit die Kleinen von der Hundemutter auf einem Bauernhof aufgepäppelt werden, wachsen und gedeihen sie prächtig – ihre Körpergröße haben sie sogar schon verdoppelt!

Stellt sich nur noch die Frage, ob die Kleinen, wenn sie erst mal groß geworden sind, nicht vielleicht nach Nürnberg kommen könnten. Da wartet man seit der Muntjak-Tragödie ja immer noch vergeblich auf einen Ersatz für die getöteten Pandas. Aus der Ankündigung, im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms wieder Kleine Pandas nach Nürnberg zu bringen, ist bislang nichts geworden. Sehr zum Ärger für die Tiergarten-Besucher, die die schönen Tiere zu Recht vermissen.