Wie die Alten pfeifen…

Die Schreie, mit denen sich Murmeltiere untereinander verständigen, haben meine Leser sicher schon gehört – wenn nicht im Gebirge oder in einem Zoo, dann zumindest in Tierfilmen. Für uns Menschen klingen die Schreie wie Pfiffe. Die Tiere stoßen diese Pfeiftöne vor allem aus, wenn ihnen Gefahr droht.
Eine amerikanische Forschergruppe hat nun herausgefunden, dass Murmeltiere den individuellen Klang dieser Warnrufe an ihre Nachkommen vererben. Die Wissenschaftler haben dazu acht Jahre lang über 3000 Warnpfiffe von Gelbbauch-Murmeltieren in einer Forschungsstation in den Rocky Mountains ausgewertet. Dabei unterschieden die Forscher zum Beispiel, wie lang die Warnrufe dauerten, wie sie lauter und leiser wurden und wie hoch die Frequenz war. Genau analysiert wurde die Ähnlichkeit zwischen den Pfeiftönen, dabei berücksichtigten die Biologen die Verwandtschaft von Murmeltieren innerhalb einer Gruppe.
Bei den Untersuchungen zeigte es sich, dass die Pfiffe von Jungtieren zunächst denen der Weibchen glichen, unter deren Obhut sie aufgewachsen waren. Erst als der Nachwuchs ein Jahr alt war, stimmten seine Pfiffe mit denen der Eltern überein. Die Biologen kamen zu dem Ergebnis, dass die typischen Stimmmuster bei den Alarmrufen der Murmeltiere von den Eltern an ihre Jungen vererbt werden.

Sie pfeifen auf den Klimawandel

Was haben manche Zeitgenossen in den vergangenen Wochen unter der Hitze gestöhnt! Plötzlich waren Erderwärmung und Klimawandel, die im langen Winter und außergewöhnlich nasskalten Mai von vielen schon für Ammenmärchen gehalten wurden, wieder wichtige Themen. Aber so sind wir halt, wir Menschen.

MurmeltierGanz anders die Murmeltiere. Die freuen sich, dass es auf einmal so schön warm ist auf unserer Erde. Denn dadurch werden sie größer und dicker und brauchen nicht mehr so lange Winterschlaf halten wie früher. Was hatten sie es da stressig: In den vier bis fünf Monaten, die sie im Jahr wach waren, mussten sie sich abrackern wie die Verrückten. Fressen, fressen, fressen, damit der nächste Winterspeck auch wirklich dick genug wird, sich in kürzester Zeit vermehren, den Nachwuchs aufziehen. Stress pur.

Nun haben Forscher beobachtet, dass Murmeltiere im US-Staat Colorado aufgrund der längeren Sommer immer früher aus ihren Winterschlafstätten herauskommen und sich erst später im Jahr wieder dahin zurückziehen. Dazwischen haben sie mehr Zeit, um alles zu erledigen, und die Chance, Nachwuchs zu bekommen und den auch durchzubringen, erhöht sich. Sie können es also relaxter angehen lassen.

Tja: Murmeltier müsste man sein!

Tierische Olympia-Maskottchen

Den Vorschlag von „mandy wagenknecht“, die in ihrem Kommentar auf meinen letzten Beitrag über Wölfe die Idee hatte, auch mal was über Werwölfe zu schreiben (gerade jetzt, da dieses Thema groß im Kino rauskommt), finde ich an sich gut. Aber der Aktualität wegen muss ich mich heute unbedingt um ein anderes Thema kümmern, das ich schon seit Tagen vor mir herschiebe: die Olympischen Spiele, die morgen in Vancouver beginnen.

Was soll denn Sport mit Tieren zu tun haben, mag sich nun vielleicht mancher fragen. Doch er vergisst, dass auf der Welt alles irgendwie zusammenhängt. Also: Auch bei diesen Spielen kommen wieder einmal tierische Maskottchen zum Einsatz. Das macht die sportlichen Ereignisse, die ich zu einem guten Teil auch am Fernseher verfolgen werde, für mich noch viel interessanter. Wenn ich schon vor einem Wettkampf den netten Glücksbringern begegne, steigt bei mir die Laune gleich ein Stück weiter nach oben. Und auch als Souvenirs werden sie eine Menge Geld in die Kassen spülen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100203-99-02064Diesmal heißen sie Sumi, Miga und Quatchi. Drei Figuren, denen die Kanadier jetzt dauernd über den Weg laufen und umgekehrt. Es handelt sich um Wesen, die für die Ureinwohner Kanadas eine bedeutende Rolle spielen. Sumi, das ist der Schutzengel für Tiere – womit ich wieder bei meinem oben erwähnten Beitrag „Schutzengel für die Wölfe“ wäre. Sumi besitzt Flügel, nämlich die des Donnervogels. Wenn er nicht fliegt, sondern geht, dann tut er das auf den starken Fellbeinen des Schwarzbären. Miga ist ein sportliches Seebär-Mädchen, das gerne surft und snowboardet. Miga ist halb Orca, halb Bär. Das rührt daher, dass sich in den Mythen der kanadischen Urbevölkerung Orca-Wale an Land in Bären verwandeln. Das Ungetüm Quatchi mit den Riesenfüßen und dem dicken Fell soll es tatsächlich gegeben haben. Quatchi ist allerdings ein sanfter, fast schüchtern zu nennender Riese, und er hat eine Schwäche für Eishockey. Toll: Da kommt wirklich (fast) alles zusammen, was Kanada ausmacht!

Dann gibt es da noch einen Vierten im Bunde, der allerdings kein offizielles Olympia-Maskottchen ist: Mukmuk, das Murmeltier. Mukmuk heißt in der Sprache der Ureinwohner so viel wie Essen, und das deutet auch schon auf MukMuks Lieblingsbeschäftigung hin: Er widmet einen großen Teil seiner Zeit der Nahrungsaufnahme.

Im Vergleich zu diesen Gestalten nehmen sich die Maskottchen früherer Olympischer Winterspiele direkt langweilig aus. Ich erinnere mich trotzdem gern an den Waschbären von Lake Placid (1980), der auf den schönen Namen Roni the Raccoon hörte. Oder an den kleinen Wolf Vucko von Sarajevo (1984), der immer so süß „Sarajevooooooooo“ heulte und dafür sorgte, dass das vorher schlechte Image der als ekelhafte Räuber verschrienen Wölfe sich schlagartig verbesserte. Und dann fallen mir noch die zwei Eisbären von Calgary (1988) ein, Hidy und Howdy. Ob die beiden auch ein wenig zum allgemeinen Eisbären-Hype beigetragen haben, der in den letzten Jahren überall auf der Welt ausgebrochen ist?

Manchen Bauern stinken die Murmeltiere

MurmeltierViele Menschen freuen sich über die lustigen Murmeltiere in den Alpen. Wenn Bergwanderer einen der possierlichen Nager entdecken, sind sie vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen. Sind zu viele Leute unterwegs, verstecken sich die Murmeltiere allerdings lieber und lassen sich nicht blicken.

Des einen Freud´ ist aber auch hier des anderen Leid: Die meisten Bergbauern schätzen die Murmeltiere weniger. Denn sie graben wie die Wilden Löcher in die Bergwiesen, auf denen die Bauern ihre Rinder weiden lassen. Gerät ein Rind in ein solches Loch, kann es sich leicht das Bein brechen.

Das Problem ist: Die Murmeltiere verlieren offenbar ihre Scheu vor den Menschen und trauen sich immer näher an Berghütten heran. Dort sind sie nämlich vor ihrem größten Feind, dem Adler, sicher. Im Winter, wenn die Hütten nicht von Menschen bewohnt sind, suchen die Murmeltiere dort auch oft Zuflucht für ihren Winterschlaf  – und hinterlassen einen scharfen Gestank.

Manche Bergbauern würden Murmeltiere deshalb am liebsten abschießen, zumindest in der Nähe ihrer Berghütten. Aber für die „Murmelis“ gilt ein Jagdverbot. Dass das nicht geändert wird, dafür werden Tierschützer mit Sicherheit auch weiterhin eintreten.

Das unsterbliche Murmeltier Phil

„Guten Morgen, aufstehen, Tag des Murmeltiers!“ Wer den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gesehen hat, wird sich an diesen Text noch gut erinnern. Heute ist es wieder so weit: Es ist Tag des Murmeltiers.

Jedes Jahr am 2. Februar sagt Murmeltier Phil im schönen Ort mit dem unaussprechlichen Namen Punxsutawney im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania voraus, wann es in diesem Jahr Frühling wird. Zu dieser ganz besonderen Wettervorhersage findet dort eine ganz besondere Zeremonie statt. Veranstaltet wird sie von einer Gruppe älterer Herren, gewandet in schwarze Anzüge und mit Zylindern auf dem Kopf – dem Murmeltier-Club.

Heuer ist es schon die 123. Wettervorhersage, die Murmeltier Phil macht – der possierliche Nager ist angeblich unsterblich. Sein wahres Alter soll niemand nennen können. Bekannt ist dagegen sein Wohnort: Er lebt in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen im Zoo.

Am Abend vor dem Murmeltier-Tag bringt man Phil in den Wald und setzt ihn in einen Baumstumpf. Dort hirnt er über das Wetter. Am nächsten Morgen ruft Phil dann. Der Präsident des Murmeltier-Clubs klopft dreimal gegen den Stamm. Ein Betreuer holt Phil heraus und zeigt ihn den vielen Zuschauern, die dieses Ereignis jedes Jahr anlockt. Dann wird Phil oben auf den Stamm gesetzt, und der Club-Präsident spricht mit ihm. Schließlich liest der Stellvertreter des Club-Präsidenten Phils Wettervorhersage laut vor

Wie das funktioniert? Ganz einfach: Der Stellvertreter des Murmeltier-Club-Präsidenten nimmt immer zwei Schriftrollen mit: In einer steht, dass Phil sagt, der Winter werde noch sechs Wochen dauern. In der anderen steht, dass es Frühling wird. Was Phil aber letztlich vorhersagt, ist vorher nie bekannt.

Übrigens: Heute hat Phil seinen Schatten im Sonnenlicht gesehen – und das bedeutet: Der Winter hält noch bis mindestens Mitte März an – zumindest dort, wo Phil lebt.