Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

Wenn Kolosse umziehen müssen

NashornUmzug – das ist, glaube ich, für jeden Menschen eine Strapaze. Da muss der Umzug von Nashörnern von einem Nationalpark in einen anderen der reine Wahnsinn sein, oder? Der WWF hat trotzdem die Organisation dieses Unternehmens auf sich genommen. Denn es gilt, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: In Nepal sollen künftig wieder 800 Nashörner leben – so viele, wie es ursprünglich einmal waren.

Die Zahl dieser Tiere war dort in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend zurückgegangen, vor allem wegen der Wilderei. Man muss sich das einmal vorstellen: Nepal verlor pro Jahr 37 Nashörner durch Wilderer! Doch die vielen Aufklärungskampagnen von Kommunen, Naturschützern und auch der Regierung zeigen erste Erfolge. Seit 2011 ist jetzt schon in drei Jahren kein einziges Tier mehr der Wilderei zum Opfer gefallen. Mittlerweile gibt es wieder 645 Nashörner in Nepal.

Doch die Entwicklung läuft nicht überall gleich. So waren im Bardia Nationalpark etwa seit Anfang des neuen Jahrtausends praktisch sämtliche Nashörner durch Wilderei verschwunden. Dagegen ging ihre Zahl im Chitwan Nationalpark im Süden von Nepal wieder nach oben. Nun sollen die tonnenschweren Dickhäuter gleichmäßig in den Parks verteilt werden. Für diese Aktion ist ein Team von 250 Helfern im Einsatz – und über 30 Elefanten. Die sind nämlich das beste „Verkehrsmittel“, um die Nashörner zu entdecken.

Der WWF organisiert dann den Umzug der Tiere. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: per Lkw oder per Helikopter. Bei letzterem werden die Nashörner für den Transport unter Narkose gesetzt und baumeln dann kopfüber – mit verbundenen Augen – an einem Seil, das an ihren  Beinen und am Hubschrauber befestigt ist. Und das ein paar hundert Meter über Boden! Sieht irre aus, wird aber von Tierärzten streng überwacht. Der WWF hat vor einem Jahr auf diese Art und Weise zum Beispiel 19 Spitzmaulnashörner in Südafrika umgesiedelt. Ich finde, diese Naturschutzorganisation macht eine tolle Arbeit, die ich immer wieder gern unterstütze.

Hoffentlich wird es was mit dem Nashörnchen!

NASHORN-PaarungNa also! Wie von mir hier schon angedeutet, haben wir im Tiergarten Nürnberg ein neues Zuchtpaar, und das bei einer in der Natur äußerst bedrohten Tierart: den Panzernashörnern. Der erfahrene Zuchtbulle Ropen hat Sofie gedeckt, die im vergangenen Herbst aus England an den Schmausenbuck kam. Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist Sofie trächtig. (Das Foto, das mir der Tiergarten zur Verfügung gestellt hat, zeigt allerdings nicht Sofie und Ropen, sondern stammt von einer früheren  Paarung.)

Weil ein Panzernashornbaby noch immer etwas ganz  Besonderes für Zoologische Gärten ist, dürfen wir uns jetzt schon auf das Frühjahr 2017 freuen. Wegen der langen Tragzeit von 16 Monaten bei diesen Dickhäutern ist vorher nicht  mit der Geburt des Mini-Rhinozeros zu rechnen. Im vergangenen November hat Ropen seine neue Partnerin gedeckt. Für ihren Artgenossen Rap in Bewdley hat sie sich hingegen nie interessiert. Für den reifen Gentleman Ropen dagegen schon. Das lässt sich biologisch belegen: Nashorndamen bekommen nur dann einen Eisprung, wenn sie wirklich zur Paarung bereit sind. Ihre „Hochzeitsnacht“ haben Sofie und Ropen am 6. November 2015 verbracht.

Gegen 1.30 Uhr kam es zur Deckung. Das weiß man deshalb so genau, weil Tierpfleger Oliver Pürkel die Nacht über im Dickhäuterhaus blieb, um im Notfall einschreiten und seine beiden Schützlinge umsperren zu können. Denn die Paarung bei diesen Kolossen – Ropen bringt immerhin rund zweieinhalb Tonnen auf die Waage, Sofie an die 2000 Kilo – ist nicht gerade ein Spaziergang, beim Vorspiel kann es üble Verletzungen geben. Oft fließt dabei Blut. Oberflächliche kleinere Wunden bemerken die Tiere im Eifer des Gefechts aber kaum. Bei Sofie und Ropen verlief die Nacht zwar stürmisch, aber nicht zu brutal.

Zootierärztin Katrin Baumgartner hat einige Zeit später eine Blutprobe von Sofie genommen und ins Labor geschickt. Dort konnte das Schwangerschaftshormon Progesteron nachgewiesen werden. Beim früheren – inzwischen toten – Nürnberger Nashornweibchen Purana wurde der Kot auf das Hormon getestet. Ein insofern (zeit-)aufwendiges Verfahren, als diese spezielle Untersuchung nur in Wien möglich war. Doch damals blieb keine andere Möglichkeit: Die Veterinäre kamen bei Purana nicht an eine Blutprobe heran.

SofieWeil Sofie erstgebärend ist, besteht ein etwas höheres Risiko, dass etwas schiefgehen könnte. Aber meist läuft die Geburt bei dieser Tierart reibungslos. Panzernashörner bringen ein Jungtier zur Welt, das ungefähr 50 Kilogramm wiegt. Selbst wenn die Mutter noch keine Erfahrung hat, wie im Fall von Sofie, ist das nicht so schlimm: Die Kleinen sind in der Regel kräftig und halten es notfalls aus, in den ersten Stunden nicht gesäugt zu werden. Besondere Sicherheitsvorkehrungen wird es also nicht geben, bis auf eine: Die Mutter sollte bei der Geburt allein sein, deshalb wird sie prophylaktisch von Ropen getrennt. Bedingt durch die Figur von Panzernashörnern, wird man Sofie die Trächtigkeit wahrscheinlich kaum vor dem letzten Monat ansehen.

…da waren´s nur noch drei

BreitmaulnashornDa waren´s nur noch drei: Mit dem Tod von Nashorndame Nola im Zoo von San Diego gibt es jetzt weltweit lediglich noch drei (!) Exemplare Nördlicher Breitmaulnashörner. Sie leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia. Ursprünglich kamen diese Dickhäuter in einem riesigen Gebiet vor: vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad. Nola wurde im Alter von 41 Jahren eingeschläfert, nachdem sie vor wenigen Monaten wegen eines Hüftleidens operiert werden musste. Im Juli war in einem tschechischen Zoo ebenfalls ein Tier dieser Art gestorben.

Das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) wird als das seltenste Großsäugetier der Welt eingestuft und ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. Vor allem die starke Nachfrage aus Asien nach dem Horn dieser Tiere hat die Bestände ausbluten lassen. Dieses Horn besteht aus Keratinfasern und wird in Asien zur Herstellung traditioneller Medizin und einiger Wundermittelchen verwendet. Für ein Kilo Nashorn legen Vietnamesen Preise von bis zu 20.000 Euro auf den Tisch.

Breitmaulnashörner besitzen übrigens zwei Hörner; das vordere kann bei den Weibchen bis zu 165 Zentimeter lang werden. Sie sind die drittgrößten Landsäugetiere der Erde. Bei den Männchen kann die  Schulterhöhe bis zu 1,90 Meter betragen, und sie bringen ein Gewicht von bis zu 3,6 Tonnen auf die Waage. Breitmaulnashörner werden etwa 40 Jahre alt – insofern hatte Nola zumindest ein stolzes Alter erreicht. Aber dass die Art von der Erde verschwindet, lässt sich nicht mehr ändern.

Im Gegensatz zum Nördlichen Breitmaulnashorn sieht es für das Südliche Breitmaulnashorn ganz gut aus: Laut WWF haben Schutzmaßnahmen dazu beigetragen, dass der Bestand wieder auf über 20.000 Tiere angewachsen ist.

Ob es zwischen Sofie und Ropen funkt?

SofieDer Tiergarten Nürnberg hat seit einiger Zeit eine neue Panzernashorn-Dame. Die neunjährige Sofie kommt aus dem britischen Bewdley. Sofie wurde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP als Nachfolgerin für Seto Paitala bestimmt, die im August 2009 in Nürnberg das Licht der Welt erblickt hatte. Sie musste den Schmausenbuck verlassen, weil sie mittlerweile geschlechtsreif ist und die Gefahr bestehen würde, dass sie von ihrem eigenen Vater Ropen gedeckt wird. So kam es zu einem Tausch der Nashorn-Kühe zwischen dem Tiergarten Nürnberg und dem West Midland Safari Park in Bewdley. Ein paar Tage vor Sofies Ankunft am Schmausenbuck trat Seto Paitala die Reise nach England an, wo sie wohlbehalten angekommen ist.

Sofie ist etwas älter als unser „Weißfuß“: Sie kam im Dezember 2005 im Zoo Rotterdam auf die Welt und lebte seit Januar 2010 in Bewdley. Dort wollte man eigentlich mit ihr und dem dortigen Bullen Rap züchten – doch das klappte nicht. Nun hofft man, dass den Zuchtplänen mit Sofie in Nürnberg mehr Erfolg beschieden ist. Der 27-jährige Ropen ist ja ein erfahrener Zuchtbulle – ob es zwischen ihm und Sofie funkt, wird man sehen. Schön wäre es natürlich schon, wenn wir in Nürnberg wieder ein Nashörnlein bekämen.

Artenschutz seit 40 Jahren

Es ist eines der ältesten Umweltabkommen überhaupt: das Washingtoner Artenschutzabkommen, das am 3. März 1973 unterzeichnet wurde. Bei der diesjährigen Artenschutzkonferenz, die vom 3. bis 14. März in Bangkok stattfindet, feiern die 177 Mitgliedstaaten den 40. Jahrestag. Sie sind sich allerdings bewusst, dass das Abkommen zwar einiges zum Tier- und Artenschutz beigetragen hat, dass aber Wilderei und Schmuggel mit Tieren oder tierischen Produkten gerade in den letzten Jahren zugenommen haben.

Die Teilnehmer an der Konferenz in der thailändischen Hauptstadt haben eine eindrucksvolle Antragsliste abzuarbeiten und müssen über rund 70 Anträge entscheiden. Hier die wichtigsten Themen:

Zum Schutz der Afrikanischen Elefanten ist der Export von Elfenbein bis zum Jahr 2017 aus vier südafrikanischen Ländern verboten. Burkina Faso und Kenia verlangen, dass das Verbot für die Elefantenbestände aller Länder gelten soll.

Zum Schutz von Eisbären haben die USA den Antrag gestellt, den internationalen Handel mit Eisbärfellen und Eisbär-Jagdtrophäen komplett zu verbieten. Die USA sind mit gutem Beispiel vorangegangen: Dort gelten strenge Schutzmaßnahmen für Eisbären.

Nashörner haben besonders unter Wilderei zu leiden, weil ihr Horn für die traditionelle chinesische Medizin begehrt ist und auf dem Schwarzmarkt Wucherpreise erzielt. Kenia fordert deshalb, Jagdtrophäen-Exporte aus Südafrika und Swasiland zu verbieten. In anderen Ländern ist ein solches Verbot bereits in Kraft.

Bei Schildkröten soll eine ganze Reihe von Arten künftig besser geschützt werden. Manche Arten sind bedroht, weil sie dem Heimtierhandel auf internationaler Ebene satte Gewinne bringen, andere gefährdete Arten wandern in die Kochtöpfe der südostasiatischen Küche.

Unter anderem Deutschland verlangt, eine Reihe von Haiarten besser zu schützen. Brasilien will Handelsbegrenzungen für den Weißspitzen-Hochseehai. Haie geraten oft als Beifang in Thunfischnetze, ihre Flossen gelten in der südostasiatischen Küche als Delikatesse.

Bei anderen Tierarten soll der bisherige Schutz gelockert werden. So möchte Thailand wieder eine Erlaubnis für den Export von Krokodilen und Krokodilprodukten erreichen. Und Australien möchte eine Erlaubnis für den Export von Rattenkängurus und deren Produkten durchsetzen, weil sich diese Tiere stark vermehrt hätten.

Weil Tierschutz populärer ist als Pflanzenschutz, wird oft vergessen, dass es beim Washingtoner Artenschutzabkommen und bei der Artenschutzkonferenz auch um den Schutz von Pflanzen geht. In diesem Jahr hat zum Beispiel Madagaskar den Antrag auf eine Handelsbegrenzung für Ebenholz und Palisander gestellt. Diese Tropenhölzer sind in verschiedenen Nationalparks bereits bedroht.

Hoffnungsschimmer auf Sumatra

In einer Welt, in der immer mehr Tierarten vom Aussterben bedroht sind, macht diese Meldung zumindest ein wenig Hoffnung: In einem Nationalpark auf der Insel Sumatra wurde ein Sumatra-Nashorn geboren. Von diesen Nashörnern gibt es weltweit nur noch ungefähr 200 Exemplare.

Die Nashornart ist in einigen Gebieten, in denen sie früher verbreitet war, bereits ausgestorben: in Indien, Bangladesh, Kambodscha, Bhutan und Thailand, wo ihre Lebensräume nach und nach zerstört wurden. Heute kommt die Art der Roten Liste der Weltnaturschutzorganiostion IUCN zufolge nur noch in Malaysia und Indonesien vor, und zwar nur noch in Schutzgebieten. Dort können Wächter die Tiere schützen, auf die Wilderer sonst wegen ihrer wertvollen Hörner Jagd machen. Das Horn gilt vor allem in der Chinesischen Medizin als Wundermittel und wird zu schwindelerregenden Preisen gehandelt.

Das neugeborene Sumatra-Nashorn erblickte das Licht der Welt in einer Schutzstation des Nationalparks Way Kambas. Die Mutter des Babys (auf dem Foto zu sehen) war zum dritten Mal trächtig – aber die ersten beiden Schwangerschaften hatten schon nach wenigen Monaten geendet. Der Vater des Babys wurde zur Paarung eigens aus den USA in den Nationalpark gebracht. Nun hoffen die Mitarbeiter der Einrichtung, dass er auch mit zwei anderen im Reservat lebenden Nashorndamen für Nachwuchs sorgen wird. – Ob sich mit solchen einzelnen Erfolgen die Art wirklich retten lässt? Ich fürchte, da sind Zweifel angebracht. Aber man sollte zumindest den Versuch nicht aufgeben.

Stoppt die Nashorn-Jagd!

Tierschützer schlagen Alarm: Die Nashorn-Bestände in Südafrika sind so gefährdet wie schon lange nicht mehr. Wilderer töten diese gefährdeten Tiere derzeit in beängstigendem Tempo.

Der Grund dafür ist nach Informationen der Wildtierschutzorganisation TRAFFIC der Ansturm der Vietnamesen auf  Nashornpulver. Neureiche Vietnamesen sind derzeit ganz wild darauf. Dieses Wundermittelchen soll ja gegen alles Mögliche helfen. In China wurde ihm sogar Heilkraft gegen Krebs zugeschrieben. Einen Beweis für solche Wunderkräfte gibt es bisher nicht. In den letzten Jahren ist das Horn für viele Neureiche in Vietnam zum Luxusobjekt der Extraklasse geworden. Die Nachfrage ist so stark gestiegen, dass die Wilderei ein nie gekanntes Ausmaß angenommen hat.

In den 1970er Jahren befürchtete man bereits die Ausrottung der Nashörner in Südafrika. Verschiedene Rettungskampagnen waren aber erfolgreich, so dass sich der Bestand langsam wieder erholte. Heute geht man weltweit von 28 000 Tieren aus, wobei Südafrika das Hauptverbreitungsgebiet ist. Doch dort nimmt die Wilderei in erschreckendem Maße zu: Im Jahr 2009 wurden dort 122 Nashörner getötet, 2010 waren es 333 und im vergangenen Jahr 448. Heuer ist man in den ersten Monaten schon bei 150 getöteten Tieren angelangt. Südafrika hat Vietnam nun aufgerufen, gemeinsam gegen Wilderei und Schmuggel vorzugehen.

Übrigens: Die in Vietnam heimischen Java-Nashörner gelten bereits als ausgerottet. Das letzte Tier dieser Art wurde 2010 in einem Nationalpark tot gefunden, mit abgehacktem Horn und einer Schusswunde im Bein.

 

Aus Schaden nicht klug geworden

Also, irgendwie werden die Australier auch nicht schlauer: Nun hat ein Wissenschaftler aus Downunder die Idee, die immer wieder auftretenden Buschbrände mit Afrikanischen Elefanten zu bekämpfen. Dabei hat es in der Vergangenheit in Australien schon ein paarmal Probleme mit Tieren gegeben, die von anderswo importiert wurden: Kamele, die man ins Land holte, damit sie Waren in der Wüste transportieren, haben auf der Suche nach Wasser ganze Dörfer belagert (darüber habe ich hier schon geschrieben). Aga-Kröten aus Amerika, die in australischen Zuckerrohrplantagen Schädlinge bekämpfen sollten, haben sich übermäßig vermehrt und setzen mit dem Gift aus ihren Drüsen den einheimischen Tieren Australiens ganz schön zu.

Und jetzt sollen also Elefanten aus Afrika Feuerwehr spielen. Nicht etwa, indem sie mit ihrem Rüssel Löschwasser versprühen. Nein, sie sollen das Bartgras in der Savannne auffressen. Dieses Gras fängt nämlich extrem leicht Feuer und wirkt regelrecht als Brandbeschleuniger. Und jetzt kommt der Clou: Auch dieses Gras haben die Australier (sie nennen es „Gamba grass“) einst aus Afrika eingeführt – als Weidegras. Inzwischen breitet es sich unkontrolliert aus, und niemand schafft es, sein Wachstum in vernünftige Bahnen zu lenken.

Tiere, die von Natur aus in Australien leben, sind zu klein, um das sehr hoch wachsende Bartgras zu fressen – deshalb schielen die Forscher von der Universität Tasmanien nun nach größeren Viechern und sind auf die Elefanten gekommen. Auch Nashörner könnten ihrer Meinung nach geeignet sein, um das Gras zu vertilgen. Auf alle Fälle halten die Wissenschaftler die natürliche Unkrautvernichtungsmethode für besser als den Einsatz von Chemie: Die wäre wiederum eine Gefahr für einheimische Tierarten.

Tja, so hat man sich nun in einen Teufelkreis hineinmanövriert, weil man der Natur ständig ins Handwerk pfuscht. Ob der Mensch irgendwann einsieht, dass er nicht ungestraft Gott spielen darf?

Glück und Pech im Jahr 2011

Weihnachtsgans gut verdaut, unpassende Geschenke umgetauscht? Gut, dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen. Das heißt, so ganz alltäglich ist diese Zeit zwischen den Jahren ja nicht. Man macht sich Gedanken über Vergangenes und Zukünftiges, zieht Bilanz, blickt nach vorne. Das habe ich in den Vorjahren in meinem Blog ebenfalls getan und möchte auch zu diesem Jahreswechsel nicht darauf verzichten.

Für einige Tierarten ist das zu Ende gehende Jahr alles andere als ein gutes gewesen. Ganz besonders schlecht verlief es zum Beispiel für Grauwale: Die werden sowieso schon immer weniger, und die letzten 130 Exemplare vor der russischen Insel Sachalin sind auch noch durch Ölförderprojekte bedroht.  Wie schlimm es um Nashörner steht, habe ich erst im November geschrieben. Übel ist auch der Irawadi-Delfin in Südostasien dran: 85 Tiere gibt es nach Angaben des WWF noch im Mekong. Die Jungtier-Sterblichkeit ist ungewöhnlich hoch, und die Fischerei tut ein Übriges, um die lächerliche Bestandszahl weiter zu dezimieren.

Aber wir brauchen gar nicht so weit weg zu gehen: Auch in unseren Breiten sind Tiere beinahe ausgerottet, weil der Mensch nur an sich denkt. In der Donau waren zum Beispiel einmal sechs verschiedene Störarten vertreten – jetzt ist es nur noch eine. Das kommt mir irgendwie vor wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“. Schuld an der Entwicklung ist vor allem der illegale Handel mit Kaviar. Mittlerweile gibt es in der EU nur noch in Rumänien und Bulgarien wildlebende Störe.

Damit das Jahr in meinem Blog nicht nur mit solch traurigen Tier-Meldungen zu Ende geht, hier auch noch die eine oder andere positive Nachricht:

Es geht aufwärts mit den Berggorillas, die schon einmal kurz vorm Aussterben standen. Der WWF kommt bei seiner neuesten Zählung auf  insgesamt 780 Exemplare in teils grenzüberschreitenden afrikanischen Nationalparks in Uganda, in Ruanda und im Kongo. Aufatmen dürfen wir auch beim Europäischen Luchs: Man geht davon aus, dass im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald heute wieder etwa 25 Exemplare leben.

Beenden möchte ich die erfreulichen Entwicklungen mit den Przewalski-Wildpferden, die vor 15 Jahren als ausgestorben galten. Seit sie in der Monoglei ausgewildert werden, gibt es nun in freier Natur wieder rund 300 dieser Urwildpferde. Der Tiergarten Nürnberg hat mit seiner erfolgreichen Zucht einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Im Tiergarten kann man nach wie vor eine Przewalski-Herde beobachten, ebenso wie im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst. Obwohl – ich kenne Leute, die dort schon öfter waren und die Tiere noch nie zu Gesicht bekommen haben. Denen kann ich versichern: Die Urwildpferde sind dort, man muss aber schon ein wenig Glück und Geduld haben, sie zwischen Bäumen und Sträuchern in der weitläufigen Anlage zu entdecken.