„Gentleman“ Ropen ist tot

Er galt in der Damenwelt als „Gentleman“. Mit seinen Partnerinnen ging er nämlich äußerst zuvorkommend um: der mächtige Rhinozerusbulle Ropen, der seit elf Jahren im Tiergarten Nürnberg lebte. Am vergangenen Sonntag starb er. Die Tierärzte des Zoos am Schmausenbuck hatten sich schweren Herzens entschlossen, das 29 Jahre alte und rund zweieinhalb Tonnen wiegende Tier einzuschläfern.

Seit vielen Jahren, schon als Jungbulle, hatte Ropen unter Problemen mit seinen Füßen gelitten, die ihm immer wieder große Schmerzen bereiteten. Er war bereits mit dieser gesundheitlichen Einschränkung nach Nürnberg gekommen. Am 8. Mai 1988 im britischen Zoo Whipsnade geboren, zog er – koordiniert über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP – im November 1990 nach Aussig an der Elbe (Tschechien) um, und zwar in den Zoo Dvur Kralove. Im November 2006 traf er am Schmausenbuck ein. Hier versuchte man von Anfang an, Ropens Fußproblemen durch eine Umgestaltung der Böden in den Dickhäuter-Anlagen beizukommen. Das gelang zumindest teilweise: Gerade in jüngster Vergangenheit stellten Tierärzte und -pfleger trotz des hohen Alters von Ropen eine Besserung am Zustand seiner Füße fest.

Letzte Woche begannen die Schwierigkeiten aber erneut. Ropen konnte nicht mehr richtig stabil auf den Hinterbeinen stehen. Am 1. Oktober, gegen Mittag, fiel Ropen auf einmal um. Er versuchte zunächst, sich wieder aufzurappeln, kam jedoch einfach nicht mehr auf die Beine. Wäre dem Schwergewicht das nicht in einem Zoo, sondern in freier Wildbahn passiert, hätte es einen grausamen Tod zur Folge gehabt: Es wäre zum „Festliegen“ gekommen. Um ihm dieses qualvolle Sterben zu ersparen, entschieden sich die Tiergarten-Verantwortlichen, dem Nashorn ein Beruhigungsmittel zu verabreichen und es schließlich durch einen Schuss zu töten. Mit seinen 29 Jahren hat Ropen ein für männliche Panzernashörner hohes Alter erreicht. Sein Kadaver wird nun pathologisch untersucht; das Ergebnis dürfte allerdings einige Wochen auf sich warten lassen. weiter lesen

Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können. weiter lesen

Ein echter Siegertyp

Über das vor gut vier Wochen im Tiergarten Nürnberg geborene Panzernashorn-Baby habe ich hier ja schon ausführlich geschrieben. Heute mal ein kurzer Zwischenstand: Der kleine Bulle namens Sanjai wächst und gedeiht prächtig. Mittlerweile bringt er schon 99 Kilogramm auf die Waage und hat damit über die Hälfte seines Geburtsgewichts (60 Kilogramm) zugelegt. Der Kleine macht seinem Namen, den die Tierpfleger ihm gegeben haben,  alle Ehre: Sanjai ist ein in Indien beliebter männlicher Name und bedeutet so viel wie „Der Siegreiche“. Wie ein echter Siegertyp erobert er bei den milden Frühlingstemperaturen derzeit sein Freigehege. Mama Sofie lässt ihn natürlich trotzdem nicht aus den Augen. Für den Zoo am Schmausenbuck ist Sanjai ein Glücksfall: Gerade in dieser Jahreszeit, in der es die Menschen ins Grüne hinauszieht, kann er mit dem Nashorn-Racker eine echte Sensation bieten. Auch bei den Mähnenwölfen hat sich bekanntlich Nachwuchs eingestellt, den man als Besucher keinesfalls versäumen sollte. Na dann: Ich wünsche allseits einen schönen Tag im Tiergarten!

Schwerer Schlag gegen die Wildtiermafia!

Folgende gute Nachricht passt hervorragend zu meinem letzten Beitrag, deswegen möchte ich sie – in gekürzter Form – vom WWF übernehmen:

Innerhalb nur weniger Tage haben Zollfahnder und Strafvollzugsbehörden in Asien und Afrika große Mengen an Nashorn und Elfenbein sichergestellt und damit die perfekte Vernetzung und die mannigfaligen Verbindungen der Wildtiermafia zwischen Thailand, Vietnam, Gambia, Malawi und Kamerun nachgewiesen. In Thailand stießen die Beamten bei einer Routine-Untersuchung in zwei Koffern auf 21 Nashorn-Hörner mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilogramm. Die Koffer hatten zwei Thailänderinnen dabei, als sie aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geflogen kamen. Der Wert des Fundes wird auf fünf Millionen Dollar geschätzt, damit ist es einer der größten während der letzten Jahre.

Erst wenige Tage zuvor wurden in Thailand in einem Container 422 Elefanten-Stoßzahnteile konfisziert – 33 Kilogramm Elfenbein! Die Fracht kam aus Malawi. Beamte durchsuchten die Container, weil Malawi seit einigen Jahren als wichtiger Teil der internationalen Elfenbein-Schmuggelroute bekannt ist. Auch in Hanoi ist den Zollbeamten ein Schlag gegen die Wildtiermafia gelungen. Am Noi Bai-Flughafen wurden in zwei Koffern 118 Kilogramm Nashorn-Horn sichergestellt. Die Kofferbesitzer kamen aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Außerdem glückte afrikanischen Behörden ein Coup gegen den Elfenbeinhandel. In Kamerun fanden Kontrolleure in einem LKW 159 Stoßzähne. Drei Männer konnten verhaftet werden; sie waren offenbar auf dem Weg nach Norden, um das Elfenbein nach Nigeria zu schmuggeln.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Lage der für die Wildtiermafia interessanten Tierarten in Afrika dramatisch. So wurden innerhalb von nur 24 Stunden (!) in Südafrika Anfang dieses Monats zum Beispiel 13 Nashörner getötet. Die erfolgreiche Strafverfolgung und Aufdeckung des verbotenen Handels mit Elfenbein und Nashorn-Horn ist auch nur ein Teil der Anti-Wildereiarbeit – genauso wichtig ist es, den Tod der Tiere für medizinischen Irrglauben und Statussymbole zu verhindern. Da haben Organisationen wie der WWF noch viel zu tun und verdienen jede nur mögliche Unterstützung bei ihrer Arbeit.

Nashörner ohne Horn – ist das die Zukunft?

So weit ist es jetzt schon gekommen: Nach dem grauenhaften Anschlag auf ein Nashorn im Zoo von Thoiry bei Paris reagiert nun der tschechische Zoo Dvur Kralove  und schneidet aus Angst vor Wilderern seinen Nashörnern die Hörner zurück. Der Zoo hält insgesamt 21 Nashörner. Bei Paris hatten Unbekannte – für mich sind es Wahnsinnige! – vor einer Woche ein seltenes Breitmaulnashorn in seinem Gehege erschossen, um an sein Horn heranzukommen, es abzusägen und zu stehlen. Damit hofften sie, auf dem asiatischen Schwarzmarkt einen guten Preis für aus Nashorn hergestellte vermeintliche Wundermittel zu erzielen.

„Ein Nashorn ohne Horn ist immer noch besser als ein totes Nashorn“, sagte eine Sprecherin des Tierparks Dvur Kralove laut dpa-Bericht. Die Hornkürzung werde unter Narkose vorgenommen und sei für die Tiere völlig schmerzlos, außerdem sei das Horn nicht lebensnotwendig. Es soll sogar in der Natur hin und wieder vorkommen, dass ein Horn abbricht, ohne dass es den Tieren schadet. Mit dem Zoo Dvur Kralove tauscht übrigens der Nürnberger Tiergarten immer wieder Tiere aus. Auf obigem Foto ist allerdings nicht ein Nashorn zu sehen, bei dem das Horn zurückgeschnitten wurde, auch kein Breitmaulnashorn, sondern der Panzernashornbulle Albrecht, als er im  Januar 2001 anlässlich der Tiergarten-Inventur in Nürnberg für die Medien vermessen wurde. Albrecht rieb sich sein Horn immer an den Sandsteinfelsen an seinem Gehege ab – so wie auch andere Nashörner in Nürnberg (früher waren es noch Breitmaulnashörner, die am Schmausenbuck inzwischen nicht mehr gehalten werden). Übrigens: Auch Natal, der älteste Nashornbulle von Dvur Kralove, wetzt sein Horn selbst ab.

Ich halte von der Maßnahme in dem tschechischen Zoo überhaupt nichts. Erstens, weil man damit Verbrechern nachgibt, statt Verbrechen zu bekämpfen. Zweitens, weil man die Nashörner nicht nur verunstaltet, sondern auch in ihrer Unversehrtheit verletzt. Wenn sich ein Nashorn sein Horn selbst abwetzt, ist das doch etwas ganz anderes!

Und das Tiergarten-Jahr geht gut weiter!

In einem Kommentar von „heidi_z“ ist die freudige Botschaft ja schon zu lesen, und ich widme ihr selbstverständlich einen eigenen Blog-Beitrag: Im Nürnberger Tiergarten wurde ein männliches Panzernashornbaby geboren. Diese Tierart ist in freier Wildbahn bedroht – umso wichtiger ist dieser Nachzucht-Erfolg in einem Zoo.

In diesem Fall kann man wirklich sagen, was lange währt, wird endlich gut. Denn die Tragzeit hat immerhin 481 Tage lang gedauert. Dafür ging bei der Geburt alles sehr schnell, und das, obwohl die Mutter Sofie zum ersten Mal ein Jungtier zur Welt brachte. Schon 20 Minuten nach dem Platzen der Fruchtblase war das 60 Kilogramm schwere Kalb geboren, und nach fünf Stunden hat es zum ersten Mal getrunken. Die Mutter kümmert sich vorbildlich um ihren Nachwuchs. Der Kleine wurde auf den Namen Sanjai getauft, weil das Hauptverbreitungsgebiet der Panzernashörner in Indien liegt. „Sanjai“ bedeutet „Der Siegreiche“ – ein Name, der in Indien sehr beliebt ist.

Zwischen Sofie (elf Jahre alt), die im September 2015 im Tausch mit Seto Paitala aus dem britischen West Midland Safari Park nach Nürnberg kam, und dem jetzt 28-jährigen Nashornbullen Ropen ging es nach einer kurzen Kennenlern-Phase schnell zur Sache. Gleich die erste Paarung war offenbar erfolgreich. Weil Sofie für eine Erstgebärende erstaunlich ruhig und entspannt ist, können Tiergartenbesucher mit ein wenig Glück Mutter und Kind im Dickhäuterhaus oder, wenn es draußen warm genug ist, auch in der Außenanlage bewundern.

Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

Wenn Kolosse umziehen müssen

NashornUmzug – das ist, glaube ich, für jeden Menschen eine Strapaze. Da muss der Umzug von Nashörnern von einem Nationalpark in einen anderen der reine Wahnsinn sein, oder? Der WWF hat trotzdem die Organisation dieses Unternehmens auf sich genommen. Denn es gilt, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: In Nepal sollen künftig wieder 800 Nashörner leben – so viele, wie es ursprünglich einmal waren.

Die Zahl dieser Tiere war dort in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend zurückgegangen, vor allem wegen der Wilderei. Man muss sich das einmal vorstellen: Nepal verlor pro Jahr 37 Nashörner durch Wilderer! Doch die vielen Aufklärungskampagnen von Kommunen, Naturschützern und auch der Regierung zeigen erste Erfolge. Seit 2011 ist jetzt schon in drei Jahren kein einziges Tier mehr der Wilderei zum Opfer gefallen. Mittlerweile gibt es wieder 645 Nashörner in Nepal.

Doch die Entwicklung läuft nicht überall gleich. So waren im Bardia Nationalpark etwa seit Anfang des neuen Jahrtausends praktisch sämtliche Nashörner durch Wilderei verschwunden. Dagegen ging ihre Zahl im Chitwan Nationalpark im Süden von Nepal wieder nach oben. Nun sollen die tonnenschweren Dickhäuter gleichmäßig in den Parks verteilt werden. Für diese Aktion ist ein Team von 250 Helfern im Einsatz – und über 30 Elefanten. Die sind nämlich das beste „Verkehrsmittel“, um die Nashörner zu entdecken.

Der WWF organisiert dann den Umzug der Tiere. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: per Lkw oder per Helikopter. Bei letzterem werden die Nashörner für den Transport unter Narkose gesetzt und baumeln dann kopfüber – mit verbundenen Augen – an einem Seil, das an ihren  Beinen und am Hubschrauber befestigt ist. Und das ein paar hundert Meter über Boden! Sieht irre aus, wird aber von Tierärzten streng überwacht. Der WWF hat vor einem Jahr auf diese Art und Weise zum Beispiel 19 Spitzmaulnashörner in Südafrika umgesiedelt. Ich finde, diese Naturschutzorganisation macht eine tolle Arbeit, die ich immer wieder gern unterstütze.

Hoffentlich wird es was mit dem Nashörnchen!

NASHORN-PaarungNa also! Wie von mir hier schon angedeutet, haben wir im Tiergarten Nürnberg ein neues Zuchtpaar, und das bei einer in der Natur äußerst bedrohten Tierart: den Panzernashörnern. Der erfahrene Zuchtbulle Ropen hat Sofie gedeckt, die im vergangenen Herbst aus England an den Schmausenbuck kam. Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist Sofie trächtig. (Das Foto, das mir der Tiergarten zur Verfügung gestellt hat, zeigt allerdings nicht Sofie und Ropen, sondern stammt von einer früheren  Paarung.)

Weil ein Panzernashornbaby noch immer etwas ganz  Besonderes für Zoologische Gärten ist, dürfen wir uns jetzt schon auf das Frühjahr 2017 freuen. Wegen der langen Tragzeit von 16 Monaten bei diesen Dickhäutern ist vorher nicht  mit der Geburt des Mini-Rhinozeros zu rechnen. Im vergangenen November hat Ropen seine neue Partnerin gedeckt. Für ihren Artgenossen Rap in Bewdley hat sie sich hingegen nie interessiert. Für den reifen Gentleman Ropen dagegen schon. Das lässt sich biologisch belegen: Nashorndamen bekommen nur dann einen Eisprung, wenn sie wirklich zur Paarung bereit sind. Ihre „Hochzeitsnacht“ haben Sofie und Ropen am 6. November 2015 verbracht.

Gegen 1.30 Uhr kam es zur Deckung. Das weiß man deshalb so genau, weil Tierpfleger Oliver Pürkel die Nacht über im Dickhäuterhaus blieb, um im Notfall einschreiten und seine beiden Schützlinge umsperren zu können. Denn die Paarung bei diesen Kolossen – Ropen bringt immerhin rund zweieinhalb Tonnen auf die Waage, Sofie an die 2000 Kilo – ist nicht gerade ein Spaziergang, beim Vorspiel kann es üble Verletzungen geben. Oft fließt dabei Blut. Oberflächliche kleinere Wunden bemerken die Tiere im Eifer des Gefechts aber kaum. Bei Sofie und Ropen verlief die Nacht zwar stürmisch, aber nicht zu brutal.

Zootierärztin Katrin Baumgartner hat einige Zeit später eine Blutprobe von Sofie genommen und ins Labor geschickt. Dort konnte das Schwangerschaftshormon Progesteron nachgewiesen werden. Beim früheren – inzwischen toten – Nürnberger Nashornweibchen Purana wurde der Kot auf das Hormon getestet. Ein insofern (zeit-)aufwendiges Verfahren, als diese spezielle Untersuchung nur in Wien möglich war. Doch damals blieb keine andere Möglichkeit: Die Veterinäre kamen bei Purana nicht an eine Blutprobe heran.

SofieWeil Sofie erstgebärend ist, besteht ein etwas höheres Risiko, dass etwas schiefgehen könnte. Aber meist läuft die Geburt bei dieser Tierart reibungslos. Panzernashörner bringen ein Jungtier zur Welt, das ungefähr 50 Kilogramm wiegt. Selbst wenn die Mutter noch keine Erfahrung hat, wie im Fall von Sofie, ist das nicht so schlimm: Die Kleinen sind in der Regel kräftig und halten es notfalls aus, in den ersten Stunden nicht gesäugt zu werden. Besondere Sicherheitsvorkehrungen wird es also nicht geben, bis auf eine: Die Mutter sollte bei der Geburt allein sein, deshalb wird sie prophylaktisch von Ropen getrennt. Bedingt durch die Figur von Panzernashörnern, wird man Sofie die Trächtigkeit wahrscheinlich kaum vor dem letzten Monat ansehen.

…da waren´s nur noch drei

BreitmaulnashornDa waren´s nur noch drei: Mit dem Tod von Nashorndame Nola im Zoo von San Diego gibt es jetzt weltweit lediglich noch drei (!) Exemplare Nördlicher Breitmaulnashörner. Sie leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia. Ursprünglich kamen diese Dickhäuter in einem riesigen Gebiet vor: vom Kongo über Uganda und den Sudan bis hinein in den Tschad. Nola wurde im Alter von 41 Jahren eingeschläfert, nachdem sie vor wenigen Monaten wegen eines Hüftleidens operiert werden musste. Im Juli war in einem tschechischen Zoo ebenfalls ein Tier dieser Art gestorben.

Das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) wird als das seltenste Großsäugetier der Welt eingestuft und ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. Vor allem die starke Nachfrage aus Asien nach dem Horn dieser Tiere hat die Bestände ausbluten lassen. Dieses Horn besteht aus Keratinfasern und wird in Asien zur Herstellung traditioneller Medizin und einiger Wundermittelchen verwendet. Für ein Kilo Nashorn legen Vietnamesen Preise von bis zu 20.000 Euro auf den Tisch.

Breitmaulnashörner besitzen übrigens zwei Hörner; das vordere kann bei den Weibchen bis zu 165 Zentimeter lang werden. Sie sind die drittgrößten Landsäugetiere der Erde. Bei den Männchen kann die  Schulterhöhe bis zu 1,90 Meter betragen, und sie bringen ein Gewicht von bis zu 3,6 Tonnen auf die Waage. Breitmaulnashörner werden etwa 40 Jahre alt – insofern hatte Nola zumindest ein stolzes Alter erreicht. Aber dass die Art von der Erde verschwindet, lässt sich nicht mehr ändern.

Im Gegensatz zum Nördlichen Breitmaulnashorn sieht es für das Südliche Breitmaulnashorn ganz gut aus: Laut WWF haben Schutzmaßnahmen dazu beigetragen, dass der Bestand wieder auf über 20.000 Tiere angewachsen ist.