Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Der Eiserne Vorhang im Kopf

Es wird ja immer wieder gern behauptet, dass der sogenannte Eiserne Vorhang – obwohl längst verschwunden  – in den Köpfen vieler Menschen noch weiter existiere. Ob das stimmt, vermag ich nicht zu sagen. Dass er in den Köpfen von manchen Tieren noch weiterlebt, hat jedenfalls eine neue Studie bewiesen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Forschung an Elefanten, die ja für ihr gutes Gedächtnis bekannt sind, sondern um eine Langzeitbeobachtung von Rothirschen.

Zoologen im Nationalpark Böhmerwald haben folgendes entdeckt: Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds laufen fast 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges immer noch nicht weiter in Richtung Westen, als bis an die Stelle, an der einst der Stacheldraht gespannt war, der den Sperrbereich vor der Grenze zwischen Bayern und der Tschechoslowakei kennzeichnete. Und vice versa: Auf der anderen Seite überschreiten die Hirsche aus Bayern diesen Punkt ebenfalls nicht. Beobachtet haben die Forscher das mithilfe von Funk-Halsbändern, und zwar über den relativ langen Zeitraum von sechs Jahren.

Warum die Tiere sich so verhalten, ist allerdings nicht hundertprozentig sicher. Man vermutet, dass Hirschkühe Informationen über die Grenzen ihres Terrritoriums an ihren Nachwuchs weitergeben, und zwar über Generationen hinweg. Das kennen wir Menschen dann ja auch wieder ganz gut: Was einmal auf der Festplatte drauf ist, kriegt man gar nicht so leicht wieder runter…

 

Luchskiller im Bayerischen Wald

So erfreulich die Neuigkeit vom Fledermaus-freundlichen Kloster Plankstetten war, so schrecklich ist eine Nachricht, die jetzt aus dem Nationalpark Bayerischer Wald kommt. Dort hatten Spaziergänger vor kurzem am Silberberg, in der Nähe von Bodenmais, einen toten Luchs entdeckt und das der Polizei gemeldet. Bei der Untersuchung des Kadavers hat sich nun herausgestellt, dass es sich um ein etwa zwei Jahre altes weibliches Tier handelte, das von einem Unbekannten durch einen Schuss in die Brust getötet wurde. Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass die Luchsin mit drei Föten trächtig war.

Damit ist im Nationalpark Bayerischer Wald nun schon zum zweiten Mal ein weiblicher Luchs unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen: Im letzten Jahr war ein Tier namens Tessa mit dem Insektizid Carbofuran vergiftet worden (Foto). Der Tod von Tessa hatte für viel Wirbel gesorgt. Sie war von Mitarbeitern des Nationalparks mit einem Halsband mit GPS und Minisender ausgerüstet worden, um die Streifzüge der Luchsin und ihre Wege durch den Nationalpark verfolgen zu können. Der Nationalpark berichtete regelmäßig über Tessa, die dadurch in der Öffentlichkeit eine gewisse Popularität erreichte. Die Staatsanwaltschaft nahm nach dem Tod von Tessa die Ermittlungen auf, musste sie aber im Herbst ohne Ergebnis einstellen.

Ich befürchte, dass bei den polizeilichen Ermittlungen in Sachen der jetzt erschossenen Luchsin auch nicht mehr herauskommt als bei damals bei Tessa. Ob es sich womöglich um denselben Täter handelt? Der Tod der beiden Tiere ist jedenfalls nicht nur traurig. Er bedeutet auch einen Rückschlag für die Population der Luchse. Denn diese größte heimische Wildkatze gilt in unseren Wäldern als vom Aussterben bedroht. In den 1980er Jahren waren auf tschechischer Seite des Böhmerwaldes 17 Luchse ausgewildert worden. Infolgedessen hatten Luchse sich langsam auch im Bayerischen Wald wieder angesiedelt. Der Nationalpark Bayerischer Wald hat einige Luchse mit Peilsendern ausgestattet, um Daten zu sammeln. Dabei handelte es sich um ein auf vier Jahre angelegtes Projekt, das Ende dieses Monats zu Ende geht. Die Ergebnisse sollen demnächst präsentiert werden. Und da wird ausgerechnet kurz vorher wieder ein Luchs getötet – ein eigenartiger Zufall!

Europa hilft auch dem Uralkauz

Vor lauter Europawahl- und Rock-im-Park-Berichterstattung in den verschiedenen Medien ist in der vergangenen Woche eine Meldung aus dem Tiergarten Nürnberg leider ein wenig untergegangen. Dort gibt es Nachwuchs bei den Uralkäuzen: Drei Küken schlüpften bereits Ende April aus den Eiern; inzwischen  sind sie schon so groß wie ihre Eltern, werden aber noch ungefähr zwei Monate lang von den Altvögeln gefüttert.

Das ist wieder so eine Tierart, bei der sich der eine oder andere denken mag: Na, der Kracher sind diese Vögel ja nicht gerade. Mag sein – aber eben nur auf den ersten Blick. Denn Uralkäuze, die man wegen ihrer Federfärbung auch Habichtskäuze nennt, sind die seltenste Eulenart in Deutschland. Wer die Jungen noch sehen will, die jetzt bereits flügge werden, sollte sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen. Die drei Vögel werden nämlich noch heuer im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert, damit der Bestand im Freiland sich weiter vergrößert.

Der Bayerische Wald war bis ins 19. Jahrhundert Heimat dieser Eulenart – das westlichste Gebiet, in dem sie lebte. Man weiß, dass auf der tschechischen Seite im Jahr 1926 der letzte Uralkauz abgeschossen wurde. Das erste Wiederansiedlungsprojekt begann 1975, und der Nürnberger Tiergarten hat dazu schon mit zehn Jungvögeln beitragen können. Er ist einer der Zoos, in dem die nicht ganz einfache Nachzucht schon sehr früh, nämlich 1965, gelang.

Inzwischen – und da wären wir wieder beim Thema Europa wie zu Beginn – beteiligen sich auch andere europäische Nachbarn an dem Artenschutzprojekt: Österreich und die Tschechische Republik.

Deutschlands next Supermodel

Uralkauz.JPGDeutschlands next Supermodel – sitzt im Tiergarten in einer Voliere. Normalerweise stellt sich der kleine Uralkauz dort praktisch tot. Es haben sogar schon Besucher nachgefragt, ob es sich womöglich um ein künstliches Tier handelt, wenn er sich mal wieder stundenlang nicht bewegt hat.

Doch kaum rückten heute die Pressefotografen mit ihren Blitzlichtern an, ließ sich der sechs Wochen alte Kauz aus der Reserve locken. Sofort reckte er sich, schob seinen Kopf von einer Seite auf die andere und probierte mal eine durchaus eindrucksvolle Drohgebärde aus. Kurz gesagt: Er gab alles, um auf dem Foto möglichst vorteilhaft rüberzukommen. Ganz schön eitel, der Bursche (oder das Mädel? ist leider noch nicht bekannt).

Dass der flauschige Eulenvogel mit den wunderschönen Augen für eine Model-Karriere aber vielleicht doch nicht so gut geeignet ist, könnte an seinem Riesenappetit liegen: Kaum bekommt er ein paar tote Mäuse in die Voliere geworfen, zieht er sich mit seiner fetten Beute in ein ruhiges Eckchen zurück und genießt (siehe Foto). Drei bis vier Exemplare vertilgt er pro Tag – immerhin!

Der sechs Wochen alte Jungvogel muss aber auch groß und stark werden. Denn wenn er erst mal flügge ist, wird er nicht mehr lange in der Obhut seiner Eltern und des Tiergartens bleiben: Er soll im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert werden, wo seit 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt für die Uralkäuze läuft. Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse einer genetischen Untersuchung besagen: Die aus Deutschland, Österreich und Tschechien ausgewilderten Tiere kommen den vor über 100 Jahren im Bayerischen Wald ausgerotteten Blutlinien so nahe, dass sie und ihre Nachkommen nach heutigen strengen Maßgaben als „Original“ des Uralkauzes durchgehen können, der im Bayerwald einst heimisch war.

Der junge Kauz wird übrigens die Nummer zehn sein, die von Nürnberg in den Bayerischen Wald reist.