Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Australier schon wieder beim Tieretöten

WildpferdeIn diesem Blog habe ich mich schon öfter über die Australier aufgeregt, die, was die Tötung von Tieren angeht, unglaublich schnell bei der Sache sind. Jetzt ist es wieder mal so weit. Die australischen Behörden schieben die Schuld für schwere Umweltschäden in einer Region südwestlich von Sydney den dort lebenden rund 6000 Wildpferden – „Brumbies“ genannt – in die Schuhe. Die Herde soll deshalb „drastisch reduziert werden“, wie es im Amtsdeutsch (respektive im Behörden-Englisch 😉 ) heißt. Gemeint ist: Hunderte von Tieren sollen abgeknallt werden.

Mit dieser Ankündigung hat man natürlich die Tierfreunde auf den Plan gerufen. Der Vorsitzende der Organisation „Rettet die Brumbies“ durfte seinem Unmut in der Zeitung „Sydney Morning Herald“ freien Lauf lassen. Er appelliert an die Verantwortlichen, diese Tiere zu schützen und artgerecht zu behandeln, weil sie in dieser Region zur Kultur gehören. Sogar als „Ikonen“ hat er sie bezeichnet.

Aber die Regierung des Bundesstaates New South Wales will im
Kosciuszko-Nationalpark in 20 Jahren höchstens noch 600 Wildpferde
dulden. Angeblich zerstören die Brumbies die alpine Landschaft. Als Gegenmaßnahmen wollen die Behörden Wildpferde einfangen, umsiedeln, Maßnahmen zur Geburtenkontrolle ergreifen, Zäune errichten – aber auch Tiere erschießen. Die Regierung hat nun die Öffentlichkeit um Stellungnahmen dazu gebeten. Aber eines wage ich hier mal zu prophezeien: Die Stellungnahme von Tierschützern wird kaum berücksichtigt werden.

Die Vorfahren der in Australien lebenden Wildpferde – man geht von einer Zahl von bis zu einer Million aus! – wurden einst von den weißen Siedlern auf den fünften Kontinent gebracht. Und nun ist es wie beim Kampf gegen die wilden Kamele vor einiger Zeit in Down Under: Erst bringt der Mensch die Tiere dorthin, und wenn sie sich dann stärker vermehren als erwünscht, bringt sie der Mensch eben mal kurz um die Ecke. Sind ja bloß Tiere! Ich weiß gar nicht, wie die Leute dort drauf sind!

Wenn Kolosse umziehen müssen

NashornUmzug – das ist, glaube ich, für jeden Menschen eine Strapaze. Da muss der Umzug von Nashörnern von einem Nationalpark in einen anderen der reine Wahnsinn sein, oder? Der WWF hat trotzdem die Organisation dieses Unternehmens auf sich genommen. Denn es gilt, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: In Nepal sollen künftig wieder 800 Nashörner leben – so viele, wie es ursprünglich einmal waren.

Die Zahl dieser Tiere war dort in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend zurückgegangen, vor allem wegen der Wilderei. Man muss sich das einmal vorstellen: Nepal verlor pro Jahr 37 Nashörner durch Wilderer! Doch die vielen Aufklärungskampagnen von Kommunen, Naturschützern und auch der Regierung zeigen erste Erfolge. Seit 2011 ist jetzt schon in drei Jahren kein einziges Tier mehr der Wilderei zum Opfer gefallen. Mittlerweile gibt es wieder 645 Nashörner in Nepal.

Doch die Entwicklung läuft nicht überall gleich. So waren im Bardia Nationalpark etwa seit Anfang des neuen Jahrtausends praktisch sämtliche Nashörner durch Wilderei verschwunden. Dagegen ging ihre Zahl im Chitwan Nationalpark im Süden von Nepal wieder nach oben. Nun sollen die tonnenschweren Dickhäuter gleichmäßig in den Parks verteilt werden. Für diese Aktion ist ein Team von 250 Helfern im Einsatz – und über 30 Elefanten. Die sind nämlich das beste „Verkehrsmittel“, um die Nashörner zu entdecken.

Der WWF organisiert dann den Umzug der Tiere. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: per Lkw oder per Helikopter. Bei letzterem werden die Nashörner für den Transport unter Narkose gesetzt und baumeln dann kopfüber – mit verbundenen Augen – an einem Seil, das an ihren  Beinen und am Hubschrauber befestigt ist. Und das ein paar hundert Meter über Boden! Sieht irre aus, wird aber von Tierärzten streng überwacht. Der WWF hat vor einem Jahr auf diese Art und Weise zum Beispiel 19 Spitzmaulnashörner in Südafrika umgesiedelt. Ich finde, diese Naturschutzorganisation macht eine tolle Arbeit, die ich immer wieder gern unterstütze.

Auf zum Eiersammeln!

In diesen Tagen bekommen Biologen auf den Galápagos-Inseln wieder jede Menge Arbeit: Sie sammeln die Eier der berühmten Riesenschildkröten ein und bringen sie in Brutkästen. Diese Maßnahme dient dazu, die Schildkröten vor dem Aussterben zu bewahren. Denn Ratten, verwilderte Hunde, Schweine und andere Tiere, die einst zusammen mit menschlichen Siedlern auf die Inseln kamen, gefährden die Riesenschildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie fressen mit Vorliebe Eier und Jungtiere aller Art.

Die Wissenschaftler hoffen, im Galápagos-Nationalpark, der mehrere Inseln umfasst, ungefähr 300 Schildkröteneier einsammeln zu können. Seit 1965 sind immerhin mehr als 5000 Riesenschildkröten geschlüpft. Dies stuft das Umweltministerium in Ecuador als Erfolg für das Brutprogramm auf der Insel Santa Cruz ein.

Bis die Schildkröten schlüpfen, dauert es etwa 60 Tage. In freier Wildbahn graben die Tiere eine Grube, die bis zu 40 Zentimeter tief sein kann, um dort ihre Eier abzulegen. Dann schützen die Schildkröten die Eier mit einer Paste aus Urin und Exkrementen. Mittlerweile haben Studien ergeben, dass die Temperatur im Nest das Geschlecht bestimmt: Bei 29,5 Grad schlüpfen Weibchen, bei 28 Grad Männchen.

Lichtblick für Schimpansen

Das könnte interessant werden und – wenn es funktioniert – für andere als Vorbild dienen: Mit Hilfe von Ökotourismus-Projekten soll die beängstigend schnell zurückgehende Schimpansenpopulation im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste gerettet werden. Hauptsächlich die Abholzung der Regenwälder ist schuld daran, dass das Überleben der Menschenaffen dort gefährdet ist. Laut der Organisation World Wide Fund for Nature (WWF) ist die Schimpansenpopulation in der Elfenbeinküste in den letzten 20 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2008 sollen es nach einer Untersuchung des WWF in der Elfenbeinküste noch zwischen 8000 und 12 000 Schimpansen gegeben haben, inzwischen sollen die Zahlen weiter gesunken sein. Den weltweiten Bestand schätzt die Organisation auf 150 000 bis 200 000 Schimpansen.

Die Regierung der Elfenbeinküste will nun gemeinsam mit Tierschützern gegen diese negative Entwicklung kämpfen. Seit Jahrzehnten sind Wissenschaftler in dem Nationalpark damit beschäftigt, die Schimpansen an Menschen zu gewöhnen – mit Erfolg: Die Tiere akzeptieren mittlerweile die Anwesenheit von Wildhütern und nehmen auch Futter an, das die Wildhüter ihnen bereitstellen. Nun hofft man, die Einheimischen so weit zu bringen, zu erkennen, dass sie durch Ökotourismus Gewinn machen können und auf diese Weise begreifen lernen, wie wertvoll der Regenwald auch für sie ist. In den letzten Jahrzehnten haben sie riesige Regenwald-Gebiete abgeholzt, vor allem um Kakao-Felder anzulegen, für die man immer mehr Platz benötigte, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Zwei von der Regierung betriebene Ökotourismus-Projekte sollen nun zu einem Umdenken der Bevölkerung verhelfen. Es werden mehrtägige Wandertouren für Touristen angeboten, durch den Wald, inklusive Aufstieg auf den Mont Nienokoue und Übernachtungen im Zelt. Dadurch werden für die Einheimischen Arbeitsplätze geschaffen. Noch sind die Zahlen der Touristen nicht hoch, aber sie nehmen langsam, aber sicher zu. Die Wild Chimpanzee Foundation hat außerdem Natur-Clubs eingerichtet, in denen Freiwillige Schulkindern beibringen, wie wichtig der Regenwald für das Gleichgewicht der Natur ist. Die Tierschützer organisieren auch freiwillige Beobachtertrupps: Dabei überwachen Einheimische die kontrollierte Abholzung von Waldgebieten.

Im Südwesten fehlt ein Nationalpark

Nationalparks sind wichtig für den Natur- und Tierschutz. In Südwestdeutschland besteht aber noch eine große Lücke im Netz der deutschen Nationalparks. Deshalb fordert die Umweltschutzorganisation WWF einen „Nationalpark Schwarzwald“, der diese Lücke schließen könnte.

Für diese Forderung hat der World Wide Found for Nature,  der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert,  in der Stuttgarter Innenstadt mit 1600 Pandabär-Figuren und geworben, außerdem mit 72 Auerhähnen; der Panda ist bekanntlich das Wappentier des WWF. Auf diese Zahlen kamen die Veranstalter, weil es weltweit noch rund 1600 Pandas in freier Wildbahn gibt und 72 Auerhähne auf der Fläche des geplanten Nationalparks leben.  – Das Foto zeigt die Aktion auf dem Stuttgarter Rathausplatz mit Diana Pretzell, der Leiterin des Bereichs Naturschutz Deutschland beim WWF, und dem grünen baden-württembergischen Naturschutzminister Alexander Bonde.

Das Drama muss ein Ende haben!

Afrikanische Elefanten gehören zu meinen absoluten Lieblingstieren – sie sind einfach ungeheuer beeindruckend; irgendwie strahlen sie für mich etwas Majestätisches aus. Umso unglaublicher finde ich es, dass jedes Jahr über 10 000 (!) von diesen wunderbaren Tieren wegen ihrer wertvollen Stoßzähne von gewissenlosen Wilderern regelrecht niedergemetzelt werden.

Allein im Norden Kameruns wurden im vergangenen Frühjahr laut WWF in einem Zeitraum von nur wenigen Wochen über 350 Elefanten von kriminellen Banden getötet – aus Profitgier, weil der Handel mit Elfenbein nach wie vor ein äußerst lukratives Geschäft ist: In China und Japan werden bis zu 1600 Euro für ein Kilo des „weißen Goldes“ gezahlt (ein Stoßzahn wiegt 12 bis 15 Kilo). Der Elfenbeinhandel blüht. So wurden erst jetzt wieder, am Wochenende, in Hongkong vom Zoll vier Tonnen geschmuggeltes Elfenbein sichergestellt.

Der WWF will diesem kriminellen Treiben nicht länger tatanlos zusehen und hat eine Initiative zur Rettung afrikanischer Elefanten gestartet, die ich in meinem Blog gerne vorstellen möchte. Die Naturschutzorganisation warnt davor, dass die Wilderer in Kamerun täglich näher in Richtung des Lobe-Nationalparks vorrücken. Im länderübergreifenden Schutzgebiet Tri-National de la Sangha leben die äußerst seltenen Waldelefanten, die nun auch von professionellen Wilderer-Banden bedroht sind.

Der WWF hat eine Art „Überlebensplan“ für die Tiere erarbeitet. Er will in diesem Nationalpark mehr Wildhüter als bisher auf Patrouille schicken und sie besser mit Funk- und GPS-Geräten ausrüsten. Nur eine ausreichende Anzahl von Wildhütern mit guter Ausstattung ist in der Lage, Wilderer dingfest machen. Außerdem unterstützt der WWF die Ausbildung von Artenschutzspürhunden, die das Elfenbein erschnüffeln, wenn es über die Grenzen gebracht werden soll. Über 20 WWF-Nationalbüros fordern schärfere Gesetze gegen Wilderei und illegalen Elfenbeinhandel. Die Mitarbeiter machen sich in den Hauptabnehmerländern wie China oder Thailand dafür stark, die Nachfrage nach Elfenbein zu unterbinden. Ziel ist es, den Handel zu einem äußerst riskanten und wenig Profit bringenden Geschäft werden zu lassen.

Für dieses Programm benötigt der WWF finanzielle Unterstützung. Weitere Informationen darüber gibt es hier. – Ich denke, das ist eine gute Sache.

 

 

 

Großes Kranichtreffen an der Ostsee

Es ist jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Naturereignis: die Herbstrast der Kraniche, die auf ihrem Flug nach Süden an der Ostseeküste eine Pause einlegen und Energie für ihre weite Reise tanken. Heuer haben sich die majestätischen Vögel früher als sonst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft versammelt. Und es sind mit 7000 Tieren nach Auskunft des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf auch fast 25 Prozent mehr Vögel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Die an der Ostseeküste lebenden Vögel haben schon vor einigen Wochen angefangen sich zu sammeln. Inzwischen haben sich noch rund 6000 Kraniche aus Skandinavien dazugesellt. Ein wirklich eindrucksvolles Bild wird sich den Vogelbeobachtern Anfang Oktober bieten: Man geht davon aus, dass die Zahl der Kraniche in der Rügen-Bock-Region dann bis zu 70 000 Tiere beträgt. Tausende von Tierfreunden und Fotografen wird es wieder zu diesem wunderbaren Naturschauspiel dort hinziehen.

In letzter Zeit beobachtet man allerdings einen neuen Trend: Nicht mehr alle Kraniche ziehen für die Winterzeit in wärmere Gefielde. Einige bleiben jetzt auch in Deutschland – die milderen bzw. kürzeren Winter machen es möglich.

Tiger mutieren zu Nachttieren

Wir Menschen schaffen es tatsächlich, die Natur auf den Kopf zu stellen. So haben sich Tiger im Chitwan Nationalpark in Nepal zu Nachttieren entwickelt. – Warum das? Um den Menschen aus dem Weg zu gehen!

Das hat jetzt ein internationales Team von Forschern mit Hilfe von Fotofallen (Foto: Michigan State University/CSIS/Neil Carter) herausgefunden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Tiger und Menschen imstande sind, auf engem Lebensraum zusammenzuleben – und zwar so, dass beide nicht darunter leiden.

In dem 1000 Quadratkilometer großen Nationalpark leben 121 Tiger. Das Waldgebiet rund um den Park nutzen viele Menschen häufig zum Sammeln von Holz oder Tierfutter, und der Nationalpark selbst ist bei Touristen äußerst beliebt. Die Forscher haben die Aktivitäten von Menschen und Tigern über zwei Jahre lang regelmäßig untersucht und dazu Fotofallen an den Wegen im Park und in dessen Umgebung aufgestellt. Die Fotofallen lösten automatisch aus, wenn ein Lebewesen die Lichtschranke durchbrach.

Dabei zeigte es sich, dass die Tiger von Chitwan sich an die Menschen angepasst haben: Eigentlich jagen sie auch am Tag, aber um nicht mit Menschen in Kontakt zu kommen, verschoben sie ihre Jagd – vor allem  in der Nähe der Nationalparkgrenzen – auf die Nacht. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass sich damit neue Chancen für das friedliche Zusammenleben von Menschen und Raubkatzen auf relativ engem Raum eröffnen. Wegen des Anwachsens der menschlichen Bevölkerung sei es immer schwieriger, die bisherige Praxis aufrechtzuerhalten, Schutzgebiete für die Raubkatzen weit weg von menschlichen Siedlungen einzurichten. Wenn sich die Tiere aber so arrangieren können wie im Chitwan Nationalpark, sehe die Zukunft für die bedrohten Tiger wohl nicht so schwarz aus wie bislang angenommen.

Allerdings reicht der Forschungszeitraum im Chitwan Nationalpark erst mal nur für kurzfristige Schlüsse aus der Verhaltensänderung der Raubkatzen. Langfristig muss zum Beispiel noch herausgefunden werden, ob die Tiger bei der nächtlichen Jagd genügend Beute erlegen oder ob sich die veränderte Jagdzeit für die Tiere nachteilig auswirkt.

Vielleicht sollte man das Ganze wirklich so positiv interpretieren wie diese Wissenschaftler. Ich persönllich habe trotzdem meine Zweifel, ob solche Veränderungen sich langfristig nicht doch negativ auf die Abläufe in der Natur auswirken.

Seehunde als Sündenbock

In Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt: Küstenfischer und Jäger machen sich dafür stark, Seehunde zum Abschuss freizugeben, weil die Population angeblich zu groß geworden ist. Tierschützer wie zum Beispiel der WWF  zeigen sich entsetzt angesichts dieser Forderung und halten sie für völlig absurd – nachdem der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark für die Seehunde den erwünschten Effekt gebracht und der Bestand sich auf über 24 000 Exemplare im gesamten Wattenmeer eingependelt habe. Die Seehund-Jagd war Mitte der 1970er Jahre eingestellt worden.

Dagegen beschweren sich die Fischer, dass die Seehunde ihren Fang deutlich beeinträchtigen. Es gebe im Watt fast keine Plattfische oder Kabeljau mehr. Das führen sie auf den großen Appetit der Seehunde zurück, die am Tag rund fünf Kilo Fisch verspeisen und damit den Fischern angeblich praktisch alles wegfressen.

Die Tierschützer können diese Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich würden die Seehunde nur kleinere Fische fressen, die sich für die Fischer sowieso nicht lohnen. Für die Küstenfischer seien außerdem Muscheln und Garnelen die Haupteinnahmequelle.

Auch schleswig-holsteinische Jäger haben sich in den Streit eingemischt. Sie befürchten, der große Seehund-Bestand könnte zum Ausbruch einer Seuche führen. Fachleute des WWF halten auch das für äußerst unwahrscheinlich. Ob die Robben eine Immunität gegen Krankheiten aufbauen oder nicht, habe nichts mit der Größe ihrer Population zu tun.

Während die Fischer in Schleswig-Holstein für den Abschuss von Seehunden plädieren und eine Begrenzung des Bestandes auf 15 000 Tiere fordern, wollen ihre Kollegen in Niedersachsen davon nichts wissen. Sie haben erkannt, dass die Jagd auf Seehunde in der Öffentlichkeit gar nicht gut ankommt und schlecht fürs Image ist.

Mir scheint die Diskussion auch an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Mensch für die Überfischung der Meere verantwortlich ist. Nun die Seehunde zum Sündenbock zu machen, stellt die Tatsachen schlichtweg auf den Kopf.