Hat diese Art bei uns eine Zukunft?

AufSie galt eigentlich schon als ausgestorben, doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Europäische Sumpfschildkröte, die von der Deutschen Gesellschaft für Hepterologie und Terrarienkunde zum „Reptil des Jahres 2015“ erklärt wurde, scheint gerettet. Forscher sehen für sie eine Zukunft, wenn ihre Gelegeplätze und ihr Gewässerumfeld gezielt geschützt werden – sie braucht also miteinander verbundene Biotope in großräumigen Landschaften ohne Verkehr. Die schwarzgrünen Tiere mit ihren gelben Sprenkeln und Strichen werden meist um 20 Zentimeter groß (Panzerlänge). Sie bevorzugen flache, stehende Gewässer mit vielen Pflanzen im Wasser und im Uferbereich. Diese Schildkröten benötigen frostfreie Quartiere zum Überwintern und Ablegen ihrer Eier. Die Jungtiere müssen in ihrem Bereich vor Feinden wie Füchsen, Wildschweinen oder Waschbären geschützt sein. Europäischen Sumpfschildkröten fressen Wasserinsekten, Würmer, Fische, Kaulquappen und Aas.

Es gibt sechs regionalspezifische Unterarten; ob die an ihren originalen Verbreitungsgebieten noch gerettet werden können, hängt auch vom Verantwortungsbewusstsein von Reptilienhaltern ab. Wenn sie ihre Tiere nämlich eigenmächtig einfach auswildern, kommt es zu einer genetischen Vermischung, zum Beispiel der mitteleuropäischen mit einer süd- oder westeuropäischen Unterart. Solche Aktionen sind nur im Zuge wissenschaftlich kontrollierter Projekte zulässig, wie sie etwa der Frankfurter Zoo durchführt: Dort wachsen junge Schildkröten ungefährdet ein paar Jahre heran und werden dann in den Rheinauen frei gelassen.

Diese Tierart hatte es schon seit dem Mittelalter nicht leicht, denn da kam sie während der Fastenzeit häufig auf den Tisch. Mit der traurigen Folge, dass sie schon im 18. und 19. Jahrhundert deutlich dezimiert war. Und dann ging´s weiter bergab mit ihren Beständen. Zuletzt war die Europäische Sumpfschildkröte nur noch in Brandenburg vertreten. Danach wurden auch im Westen und Südwesten Deutschlands wieder vereinzelt Exemplare gesichtet. Allerdings lässt sich nicht immer hundertprozentig sagen, ob es sich um Originale oder ausgewilderte Haustiere handelt. Sicher ist man bei Schildkröten, die in den hessischen Rheinauen und im Raum Germersheim entdeckt wurden, weil bei ihnen der genetische Nachweis erbracht werden konnte.

Abenteuer für Freiwillige

EichhornbabyZootierpfleger: Dieser Beruf steht ganz weit oben auf der Wunschliste von jungen Leuten. Die vielen Zoo-Soaps im Fernsehen dürften ihren Teil dazu beigetragen haben. Dort sieht der Zuschauer die Pfleger im engen Kontakt mit netten Tieren, die zahm und folgsam sind oder zum Streicheln und Spielen einladen. Außerdem kommen Tierpfleger im TV häufig groß raus: Sie dürfen Interviews geben und sind als Experten gefragt. Die weniger rosigen Seiten des Berufs kriegt man allerdings nicht so häufig zu sehen: Stall ausmisten, verdreckte Becken und Käfige putzen, Obst und Gemüse schnippeln, an Wochenenden Dienst schieben usw.

Wer einmal ausprobieren möchte, ob ihm all das wirklich Spaß macht, kann sich bei VoluNation informieren, dem Expertenportal für weltweite Freiwilligenarbeit.

Andere Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige in Zoos bestehen zum Beispiel darin, Informationsstände zu Tier- und Artenschutzthemen zu betreuen und älteren Zoobesuchern oder Gästen mit Handicap beim Rundgang zu helfen. Ähnliche Aufgaben bieten Wildparks mit ihren Pflegestationen. Sie brauchen Freiwillige zum Füttern und Pflegen verlassener Jungtiere, vor allem jetzt im Frühjahr, wenn zum Beispiel junge Vögel und Küken aus dem Nest gefallen sind und von Hand aufgezogen werden müssen.

Ehrenamtliches Engagement in Zoos und Tierparks ist in Deutschland noch nicht so populär wie anderswo, aber auch bei uns wächst das Interesse. Es gibt bei VoluNation auch exotische Tierprojekte im Ausland, für die Teilnehmer gesucht werden, unter anderem ein Pinguin-Projekt oder eines in Südafrika, wo man sich auf einer Geparden-Farm engagieren kann. Darüber findet man hier weitere Informationen.

Freude oder Ärger über diese „neue Art“?

NandusWaschbären sind in meinem Blog schon ein Dauerthema. Kein Wunder, sie nehmen hierzulande einfach überhand. Nun kündigt sich der nächste Fall von Neozoen an – also von Tieren, die bei uns ursprünglich nicht vorkamen, aber mit Hilfe des Menschen auf verschiedenen Wegen hierher gelangt sind. Es handelt sich um wildlebende Nandus. Eigentlich in der südamerikanischen Pampa beheimatet und dort vom Aussterben bedroht, lassen sie sich immer öfter in Norddeutschland nieder und vermehren sich eifrig. Man trifft sie häufig auf Weiden an, wo Rinderherden grasen. Auch den Nandus schmeckt das frische Grün offensichtlich hervorragend. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern lässt die Laufvögel zahlenmäßig erfassen.

Nandus kann man recht leicht zähmen, sie werden deshalb auch von Vogelliebhabern privat gehalten. Wahrscheinlich ist die wilde Population dieser großen Vögel in Norddeutschland auf einige Einzelexemplare zurückzuführen, die einst aus einer Zucht bei Lübeck ausgebüxt sind. Momentan breiten sie sich weiter in Richtung Osten aus. Nach Schleswig-Holstein haben sie es jedoch auch geschafft, und dort wurde das Umweltministerium ebenfalls auf sie aufmerksam.

Da er eigentlich gar nicht in Deutschland lebt, hat der Nandu hier auch keine natürlichen Feinde – wie andere Neozoen auch. Höchstens die Nandu-Küken fallen manchmal Jägern wie dem Fuchs oder dem Adler zum Opfer. Oder – allerdings ganz selten – dem Menschen, beziehungsweise einer Waffe, die jeder besitzen darf: dem Auto.

Natürlich schimpfen – wie in solchen Fällen üblich – die Bauern besonders laut über die unerwünschten Eindringlinge: Sie fressen offenbar besonders gerne Rapsblüten oder zertrampeln sie, so dass die Pflanzen dann keine Früchte hervorbringen können. Bisher sind Nandus geschützt, weil sie auf der Artenschutzliste stehen. Die Landwirte dürfen sie nicht jagen – ja noch nicht einmal verscheuchen. Sie wollen, dass die Vorschriften geändert werden und fordern Ersatzzahlungen bei Schäden, die durch die Laufvögel verursacht werden. Forscher hingegen halten die durch Nadus entstehenden Verluste eher für gering. Die Bauern seien auch selber mit schuld an der Ausbreitung der Tiere: Weil sie auf riesigen Flächen Raps anbauen und so ideale Voraussetzungen für die Nandus schaffen, würden sie die Verbreitung der Vögel sogar unterstützen.

Und – zu welcher Meinung tendieren Sie/tendiert Ihr? Das würde mich interessieren, weil hier im Blog viele Leute Kommentare schreiben, die sich mit tierischen Themen bestens auskennen.

Hommage an Bernhard Grzimek

Wenige Wochen vor seinem 106. Geburtstag – geboren wurde er am 24. April 1909 – kehrt er ins Fernsehen zurück: der  große Bernhard Grzimek. Natürlich nicht er selbst, schließlich ist er schon 1987 gestorben. Grzimek ist in Person des Schauspielers Ulrich Tukur zu sehen (Foto unten). Die ARD drehte einen zweiteiligen Fernsehfilm über das Leben des berühmten Tierarztes, Frankfurter Zoodirektors und Tierfilmers Bernhard Grzimek. Ausgestrahlt wird das Werk auf einen Rutsch am Karfreitag, 3. April, ab 20.15 Uhr. Wer nach 165 Minuten noch immer nicht genug hat, kann sich danach noch eine halbstündige Doku über das Leben und Wirken von Grzimek reinziehen. Beide Sendungen tragen den schnörkellosen Titel „Grzimek“.
GrzimekVor sechs Jahren, zum 100. Geburtstag des großen Tierfreunds, habe ich ihn hier schon einmal gewürdigt. Sein Leben lang hat er sich unermüdlich für Tiere, Natur und Umwelt eingesetzt. Die Sendung „Ein Platz für Tiere“ – die mittlerweile Kult ist – hat ihn fast 30 Jahre lang direkt in die deutschen Wohnzimmer gebracht, immer zusammen mit einem lebendigen Tier, das bei seiner Moderation dabei sein durfte  – oder, aus heutiger Sicht, eher musste. „Ein Platz für Tiere“ startete in den 1950er Jahren, lief also in einer Zeit, als man noch nicht zwischen -zig Fernsehkanälen wählen konnte. Deshalb sah ihn praktisch jeder Zuschauer, der den Apparat an diesem Abend einschaltete.
Als Themen wie Tier-, Arten- und Naturschutz bei uns noch niemanden sonst interessierten, war Grzimek schon Vorkämpfer für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Tieren, vor allem auf dem afrikanischen Kontinet. Er engagierte sich dort für die Einrichtung von Naturreservaten und setzte sich mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ selbst ein Denkmal: Als erste deutsche Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg  wurde sie 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet. Aber Grzimeks Freude darüber dürfte sich in Grenzen gehalten haben, denn ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu diesem Werk kam sein Sohn Michael durch einen Flugzeugabsturz ums Leben; er wurde nicht einmal 25 Jahre alt. Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag traf Grzimek, als sein Adoptivsohn Thmoas 1980 Selbstmord beging.
Die Drehbuchautoren mussten in Grzimeks Fall nicht allzu viel Phantasie mitbringen. Denn das Leben dieses Mannes war gespickt mit privaten Höhen und Tiefen und bietet so jede Menge Stoff für großes Kino, oder besser gesagt: für großes Fernsehen. Regisseur Roland Suso Richter und die Besetzung der Person Grzimeks mit Ulrich Tukur sowie seiner Frau Hilde mit Barbara Auer lassen auf einen packenden Fernsehabend hoffen!

Auf zum Igel-Zählen!

10_31TOC2A0Ähnlich wie die seit zehn Jahren erfolgreiche „Stunde der Wintervögel“ verspricht auch das wieder ein interessantes Projekt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) zu werden: Unter dem Motto „Bürgerforscher“ sollen Tierfreunde mithelfen, mehr über Igel zu erfahren, die jetzt nach und nach aus dem Winterschlaf erwachen. Der LBV hat sich zu diesem Projekt entschlossen, weil Wissenschaftler noch gar nicht so viel über den Igel in Bayern wissen. Zum Beispiel hat man bisher keine gesicherten Zahlen, wie viele Exemplare es noch im Freistaat gibt, ebenso wenig weiß man genau, wo sie leben.

Bei der neuen LBV-Aktion kann jeder mitmachen, der einen Igel sieht. Von Ende März bis November können Fans der Stacheltiere ihre Igelfunde über eine Smartphone-App oder auf der Internetseite www.igel-in-bayern.de melden. Der LBV und bayerische Wissenschaftler sammeln die Daten und vergleichen sie mit früher erhobenen Angaben. Außerdem sollen Forschungsarbeiten neue Erkenntnisse bringen, etwa über Lebensräume und das Verhalten von Igeln. Es geht zum Beispiel um die Frage, welche Konsequenzen Landwirtschaft, Verkehr und andere Faktoren für die Igel haben. So will man herusfinden, wodurch genau der Igelbestand sich verändert und welche Gegenmaßnahmen zu ergreifen sind.

Der Bayerische Rundfunk macht Igel für dieses Projekt ab Montag, 23. März,  zum Schwerpunkt-Thema im Rundfunk und Fernsehen sowie online.

Ich hoffe mit dem LBV auf eine rege Teilnahme beim Igel-Zählen. Bitte machen Sie mit – so können Sie den Igeln in Bayern wirklich helfen! Und indirekt auch den Menschen.

Wer hat ein Herz für „Bufo bufo“?

KINA - Die Kröten sind losSie machen sich wieder auf den Weg: Erdkröten, Grasfrösche und Molche ziehen los, um ihre Laichplätze zu erreichen. Ende Februar/Anfang März starten sie – jetzt geht es also los. Die Laichsaison ist Ende April beendet. Die Wochen bis dahin bedeuten für die Amphibien höchste Lebensgefahr: immer dann, wenn sie Straßen überqueren.

Zum Schutz von „Bufo bufo“ – so der lateinische Name der Erdkröte – wurden zum Beispiel mobile Krötenzäune erfunden, auch fest installierte Betonplatten gibt es, die den Wanderweg an den Straßen unterbrechen. Auch wenn die Kröten eigens für sie angelegte Krötentunnel benutzen, gelangen sie ungefährdet auf die andere Straßenseite.

Um solche Schutzmaßnahmen bemühen sich seit Jahren verschiedenste Initiativen, auch städtische Einrichtungen sind aktiv. In Nürnberg beispielsweise engagieren sich Umweltamt, Naturschutzwacht und Privatleute für den Amphibienschutz. Natürlich trifft man die Kröten nicht im gesamten Stadtgebiet. Zwei Stadtteile, in denen es amphibienmäßig so richtig rundgeht, sind Brunn und Fischbach. Deshalb sucht das Umweltamt dort noch Naturfreunde, die den Tieren helfen, heil an den Laichgewässern anzukommen. Diese Leute haben die Aufgabe, Krötenzäune zu überwachen. Dafür müssen sie nur eine leistungsstarke Taschenlampe und wasserdichte Kleidung mitbringen – bei Regen sind die Amphibien nämlich besonders wanderlustig. Die Helfer sollten sich vor allem um Krötenpaare und Krötenweibchen kümmern; letztere sind daran zu erkennen, dass sie um einiges größer sind als die Männchen.

Wer mitmacht, muss bis zu zweimal pro Woche mit einem Einsatz rechnen. Der dauert in der Regel eine oder zwei Stunden und beginnt jeweils mit Einsetzen der Dämmerung. Bei Interesse wendet man sich an Reinhard und Ingrid Figel, Telefon 09 11/83 05 13, oder schickt eine E-Mail an das Umweltamt, und zwar an folgende Adresse: uwa3@stadt.nuernberg.de

Den Wintervögeln schlägt wieder die Stunde

Das Jahr 2015 ist eine Woche alt, und ich bin wieder aus südlichen Gefilden zurück. Winter in Mittelitalien – der ist in der Regel nicht wirklich prickelnd: Für unsere Begriffe weder richtig kalt, noch viel wärmer als zu Hause in Mittelfranken. Und da ich mich bei Schnee und Eiseskälte im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten „pudelwohl“ (besser gesagt vielleicht: „als Wolf in meinem eigentlichen Element“) fühle, habe ich mir die Wintermonate in „Bella Italia“ erspart.

WintermeiseDeutscher Winter – das bedeutet für mich als Tierliebhaberin auch so wunderbare Anblicke wie der auf nebenstehendem Foto, das in Heroldsberg (bei Nürnberg) aufgenommen wurde. Wintervögel aus nächster Nähe zu beobachten, das hat mir schon als kleines Mädchen riesigen Spaß gemacht. – Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch auf die neueste – inzwischen ist es schon die zehnte – Ausgabe der Aktion „Die Stunde der Wintervögel“ hinweisen, die der Landesbund für Vogelschutz in diesem Jahr von Freitag, 9. Januar, bis einschließlich Sonntag, 11. Januar, veranstaltet. Es geht also schon übermorgen los – bitte möglichst zahlreich bei der größten Vogelzähl-Aktion Bayerns mitmachen – und nicht doppelt zählen!!

Windkraft killt Fledermäuse

WindräderDas ist ein Thema, bei dem ich sehr zwiegespalten bin: Eigentlich finde ich Strom aus Windkraft natürlich gut. Doch dass in den Rotorblättern dieser Windräder jedes Jahr Tausende von Fledermäusen den Tod finden, ist die Schattenseite der Medaille. Nun haben Fachleute des in Berlin ansässigen Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung herausgefunden, dass nicht nur die bei uns heimischen Fledermäuse auf diese Weise gekillt werden, sondern auch verschiedene Fledermausarten, die in Nordosteuropa leben und sich im Herbst in ihre Winterquartiere im Süden aufmachen und dabei Deutschland durchqueren.

Die Forscher haben dafür Große Abendsegler untersucht, die in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen tot bei Windkraftanlagen gefunden wurden, und zwar in einem Zeiteaum von zehn Jahren. Haarproben der toten Tiere gaben Aufschluss über ihre Herkunft: Die Proben gelten als „geografischer Fingerabdruck“ und zeigten, dass über ein Viertel der getöteten Tiere aus Gebieten wie dem Baltikum, Russland, Weißrussland und Polen stammte. Die Fledermäuse sind den Wissenschaftlern zufolge nicht in der Lage, die schnellen Umdrehungen der Rotorblätter wahrzunehmen, um ihnen ausweichen zu können. Mit der traurigen Folge, dass die Tiere erschlagen werden, dass sie schwere Knochenbrüche davontragen oder dass durch den hohen Luftdruck innere Organe zerfetzt werden.

Fledermäuse gehören zu den laut Naturschutz streng geschützten Arten – sowohl die bei uns heimischen Arten als die anderen in Europa vorkommenden. Deshalb weisen die Forscher zu Recht auf die Verantwortung hin, die Deutschland gegenüber diesen Tieren hat. Besonders schlimm ist es, dass ausgerechnet junge und weibliche Fledermäuse die größte Zahl der Todesopfer ausmachen. Denn das wirkt sich natürlich sehr schlecht auf die gesamte Population aus. Die Wissenschaftler sind sich allerdings nicht einig darüber, wie viele Fledermäuse jedes Jahr an deutschen Windrädern zu Tode kommen. Die geschätzte Zahl reicht von einigen Tausend bis weit über 100 000. Aber auf jeden Fall ist jedes tote Exemplar eines zu viel.

Die Forscher haben sich bei diesem Problem nicht damit begnügt, auf die traurige Tatsache hinzuweisen. Sie haben auch versucht, einen Ausweg zu finden. Der Tipp der Wissenschaftler ist folgender: Die Windräder sollten sich nur bei wirklich kräftigem Wind drehen, denn bei solchen Verhältnissen fliegen die Fledermäuse nicht. Inwieweit dieser Vorschlag zu realisieren ist, kann ich allerdings nicht beurteilen. Aber einen Versuch wäre es jedenfalls wert.

Blick auf das „Barometer des Lebens“

Es ist kein Jubiläum, das Anlass zum Feiern gibt, aber eines, das für die Tierwelt und den Naturschutz äußerst wichtig ist: Die „Rote Liste“, auf der die gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt werden, gibt es seit 50 Jahren. Auf der Liste, die als absolute Richtschnur für den internationalen Naturschutz gilt, steht zum Beispiel auch das WM-Maskottchen Fuleco, über das ich hier auch geschrieben habe.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Liste 1964 ins Leben gerufen; die Organisation hat ihr Hauptquartier in Gland in der Schweiz. Am Anfang wurden nur Säugetiere und Vögel erfasst, inzwischen enthält die Liste alle Tierarten und zusätzlich Pflanzen. Nach dem neuesten Stand sind 22 000 Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Dazu gehört das Dreibindengürteltier Fuleco ebenso wie die Feuchtnasenaffen in Madagaskar, die Japanischen Aale oder mehrere Nashornarten in Afrika.

Rote ListeDie Liste wird an Tausende von Fachleuten verschickt. Es handelt sich mittlerweile um die umfangreichste – und leider ständig wachsende – Datensammlung, die den aktuellsten Zustand der Tier- und Pflanzenwelt wiedergibt und zusätzlich dokumentiert, was die einzelnen Arten für das Leben auf der Erde insgesamt bedeuten. In Fachkreisen wird die Liste auch als „Barometer des Lebens“ bezeichnet.

Auf der Liste gibt es neun verschiedene Stufen. Ganz unten steht „LC“ für Least Concern, was so viel wie „nicht gefährdet“ bedeutet. „VU“ ist die Abkürzung für „Vulnerable“ und kennzeichnet die als „verletzlich“ einzustufenden Arten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schon in naher Zukunft auszusterben – wie etwa das WM-Maskottchen. „CR“ heißt „Critically Endangered“: Diese Arten sind in unmittelbarer Gefahr, auszusterben, und mit „EX“ („Extinct“) werden bereits ausgestorbene Arten markiert.

So alarmierend die Berichte sind, so haben sie immerhin schon dazu beigetragen, dass in verschiedenen Teilen der Welt Naturschutzmaßnahmen ergriffen wurden, die ohne sie wohl niemals zustandegekommen wären. Trotzdem sterben Fachleuten zufolge jedes Jahr einige Tausend Tier- und Pflanzenarten aus. Das klingt erst einmal niederschmetternd, muss jedoch mit folgender Zahl in Zusammenhang gebracht werden: Nach Schätzungen existieren auf der Erde bis zu 100 Millionen Arten. Dazu zählen winzige Pilzkulturen ebenso wie riesige Meeressäugetiere. Auf der Roten Liste sind bisher „nur“ 74 000 Arten erfasst – es bleibt für die Mitarbeiter der IUCN also noch unendlich viel zu tun: Die Organisation hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der aufgeführten Arten auf 160 000 zu bringen. Eine wahre Mammutaufgabe – und eine teure dazu, denn pro Jahr kosten Dokumentation und Aktualisierung der Roten Liste immerhin fünf Millionen Dollar.

Veitshöchheim ist überall

Der Tiergarten Nürnberg bietet nicht nur seinen Zootieren – am Schmausenbuck werden rund 280 verschiedene Arten gehalten – ein Zuhause. Da es ein Landschaftszoo ist, der mitten im Reichswald liegt, leben natürlich auch viele heimische Tierarten dort, angefangen von Vögeln über Nagetiere bis hin zu Amphibien. Und natürlich jede Menge Insekten, die dort wegen der großen Pflanzenvielfalt beste Voraussetzungen vorfinden.

In den Souvenirläden des Tiergartens kann man eine Samenmischung kaufen, die sich „Veitshöchheimer Bienenweide“ nennt – eine besonders blütenreiche Mischung, die aus mehr als 40 ein- und mehrjährigen Wild- und Kulturarten besteht  – eine ideale Heimat für Schmetterlinge und Co.  Die verschiedenen Pflanzen blühen von April bis November, so dass man sich immer wieder an neuen Blüten freuen kann. Zusammengestellt wurde die Mischung von der bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. (Wahrscheinlich ist der Ort den meisten eher durch die „Fastnacht in Franken“ bekannt.) Die Samenmischung enthält zum Beispiel Buchweizen, Borretsch, Dill, Färberkamille, Fenchel, Wilde Malve, unterschieliche Kleesorten, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Margeriten, Luzerne, Schafgarbe, Wiesensalbei und Sonnenblumen, um nur die Bekanntesten zu nennen.

Ich habe vor meiner Abreise nach Italien, die mittlerweile schon drei Wochen zurückliegt, ein Tütchen mit der Mischung als Andenken an den Tiergarten geschenkt bekommen. Hier in Bolsena habe ich zum Glück eine Terrasse, auf der ich schon verschiedene Blumen angepflanzt habe. In einem Blumenkasten habe ich den Samen der Bienenweide ausgesät. Wir hatten in den letzten beiden Wochen hier allerdings wesentlich schlechteres Wetter als zu Hause in Mittelfranken, so dass es etwas gedauert hat, bis die Samen aufgegangen sind. Aber nun sieht man  schon die ersten Pflänzchen, und ich bin gespannt, ob daraus eine so bunte Wiese wird wie auf diesem Foto, das auf der Samentüte abgebildet ist. Eines weiß ich allerdings jetzt schon: Ein Känguru wird hier nicht im Kasten mit der Bienenweide herumspringen – schade eigentlich!