Delfin Nynke zurück in Nürnberg

Da wird wohl wieder ein Aufschrei von der Gemeinde der Delfinariums- und Zoogegner kommen: Der Nürnberger Delfin Nynke ist letzte Nacht wohlbehalten aus Harderwijk in den Niederlanden in den Tiergarten Nürnberg zurückgekehrt. Das 35 Jahre alte Tümmlerweibchen hat genau zehn Jahre im Dolfinarium Harderwijk verbracht.

Im Oktober 2008 war Nynke auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) zusammen mit zwei weiteren weiblichen Delfinen aus Nürnberg sozusagen auf Hochzeitsreise nach Harderwijk gegangen. Dort lebte sie in einer großen Delfingruppe, in der die Tiere das soziale Zusammenleben und auch die Aufzucht von Jungen voneinander lernen. Mit Erfolg – Nynke hat in Harderwijk zwei Jungtiere zur Welt gebracht und aufgezogen: Im August 2010 ihren Sohn Kai und im August 2013 ihre Tochter Zoe.

Die Rückkehr von Nynke nach Nürnberg war seit langem geplant, und der Transport aus den Niederlanden verlief reibungslos. Gleich nach ihrer Ankunft im Tiergarten hat sie sich bereits eine erste Mahlzeit schmecken lassen, kurz darauf schwamm sie zusammen mit ihrer alten Bekannten Jenny ein paar Runden durchs Becken (Foto: Tiergarten Nürnberg). In den nächsten Tagen soll sie wieder in die Nürnberger Tümmlergruppe eingegliedert werden und die für sie neue Delfinlagune erkunden. Ich wünsche Nynke von meinem Blog aus eine gute und schnelle Eingewöhnung!

Eine Schau für den Schabrackentapir

Tja, leider musste ich krankheitsbedingt mein Blog ein paar Monate ruhen lassen. Doch nun versuche ich mit neuer Kraft, die Welt der Tiere, die von Zoos im Allgemeinen und dem Nürnberger Tiergarten im Besonderen zu beleuchten. Fangen wir mit dem zuletzt genannten Nürnberger Tiergarten an. Dort läuft in diesen Stunden,  bei strahlendem Sonnenschein, noch das diesjährige Herbstfest, bei dem man viele Hintergrundinformationen über Tierhaltung in Zoologischen Gärten, über Tier- und Naturschutz bekommen kann.

Aber auch wenn in den nächsten Tagen das Wetter ungemütlicher zu werden droht, lohnt ein Besuch dieses herrlichen Landschaftszoos. Und zwar nicht nur, um Tiere zu sehen. Sollte es draußen zu kühl und regnerisch werden, kann man sich eine interessante Ausstellung mit Arbeiten von Corinna Smok im Naturkundehaus anschauen. Die in Fürth lebende und arbeitende Künstlerin widmet ihre Ausstellung den Schabrackentapiren.

Corinna Smoks Zeichnungen entstanden 2017 im Rahmen eines Kunstwettbewerbs des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg  zur Gestaltung einer Hausfassade in Nürnberg. Ihre Tierzeichnungen sind ausdrucksstark und atmosphärisch verdichtet. Mit sparsam eingesetzten Strichführungen hat Corinna Smok intensive Bilder geschaffen. Im Rahmen des Wettbewerbs sind große Tapir-Arbeiten entstanden, die das Leitthema der Ausstellung im Naturkundehaus des Tiergartens sind. Die Künstlerin hat sich dabei ungewöhnlich tief mit der Bedeutung dieser Tiere in Bezug zum Tiergarten Nürnberg auseinandergesetzt: Dieser Zoo ist verantwortlich für die Koordination des Europäischen Arterhaltungsprogramms für Schabrackentapire.

Übrigens: Die Hälfte der Erlöse der im Tiergarten verkauften Zeichnungen von Corinna Smok kommen dem Verein der Tiergartenfreunde in Form einer Spende zugute.  Die Ausstellung ist bis zum 16. November täglich während der Öffnungszeiten des Tiergartens von 8 bis 19.30 Uhr zu sehen (ab 4. Oktober abends nur  bis 18 Uhr).

Mini-Mini-Pigs

Kaum bin ich im Langlauf-Urlaub, da gibt es supersüßen Nachwuchs im Nürnberger Tiergarten, und zwar bei den Minischweinen. Gleich 15 Mini-Mini-Pigs haben dort das Licht der Welt erblickt. Im englischen Sprachraum nennt man sie auch „Teacup Pigs“ – daher das Fotomotiv (Foto: Tiergarten Nürnberg).  Die Ferkelchen sind kaum größer als eine Teetasse. Weil sie gar so niedlich sind, sind die Tiere auch als Haustiere beliebt. In letzter Zeit hat es einen regelrechten Minipig-Boom gegeben. Wer Minipigs bei sich zu Hause halten will, muss für die intelligenten, sozialen Tiere ein großes Außengehege mit verschieden strukturiertem Boden und Schattenplätzen zur Verfügung haben, und sie müssen unbedingt in einer Gruppe gehalten werden. So klein wie auf dem Foto bleiben die Ferkel natürlich nicht – je nach Zuchtlinie können ausgewachsene Minipigs bis zu 60 Kilogramm schwer werden.

Hilfe bei Untersuchung eines Delfinsterbens vor Brasilien

Da sieht man mal wieder, wie wichtig die Arbeit von Zoos sein kann: Die im Tiergarten Nürnberg ansässige Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha unterstützt finanziell ein Projekt zur Untersuchung eines der größten Delfinsterben, die Brasilien in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Seit November 2017 sind vor der Küste Rio de Janeiros 169 Sotalia-Delfine tot aufgefunden worden. Durch das Projekt der Organisation Instituto Boto Cinza können die toten Tiere geborgen werden, um die Todesursachen zu untersuchen, außerdem wird die Population in den kommenden Monaten überwacht. Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der ums Leben gekommenen Sotalia-Delfine um einiges größer ist als die der tot aufgefundenen Tiere, denn ein großer Teil der Kadaver wird nicht angespült. Die meisten Tiere wurden in der Bucht von Sepetiba geborgen, eine Bucht, die durch Schiffsverkehr und Industrieabfälle besonders belastet ist.

Untersuchungen der Delfinkadaver haben ergeben, dass offenbar eine Virusinfektion der Grund für das Massensterben ist: Vom Morbillivirus, das auch für die Rinderpest verantwortlich ist, gibt es zwei Arten, die Meeressäugern gefährlich werden können. In den letzten 25 Jahren hat dieses Delfin-Morbillivirus schon einige Delfinpopulationen dezimiert. Delfinsterben, die durch dieses Virus verursacht wurden, kennt man bisher allerdings nur von der australischen Küste, der Ostküste der USA und dem Mittelmeer. Die Viruserkrankung wirkt sich bei Delfinen so aus, dass es zu Hautläsionen, Lungenentzündungen und Entzündungen des Gehirns kommt. Der gegenwärtige Massenausbruch des Virus vor Brasilien könnte bedeuten, dass bis zu 80 Prozent der gesamten Sotalia-Population in den nächsten Wochen sterben könnte. Dadurch wäre diese lokale Population des Sotalia-Delfins stark bedroht.

Leise und sauber durch den Tiergarten


Elektro-Fahrzeuge für den Tiergarten Nürnberg: Das war ein Pressetermin, der leider total unterging im zu Ende gehenden Jahr 2017. Dabei hatten alle möglichen Zoomitarbeiter und auch der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg viel Zeit und Mühe investiert, um ihn noch vor Weihnachten auf die Reihe zu kriegen. Umso größer muss wohl die Enttäuschung gewesen sein, als keine Medienvertreter der Einladung folgten. Aber das ist typisch: Wenn bei einem Tiergarten-Termin keine süßen Tierbabys zu fotografieren oder filmen sind, kommt kein Medienvertreter. Falls sich nun meine Leser fragen sollten, warum ich denn nicht für die Nürnberger Zeitung hingegangen bin, kann ich das guten Gewissens beantworten: Ich wusste leider nichts davon. Aber ich möchte das Ganze wenigstens in meinem Blog nachholen.

Das Engagement des Vereins der Tiergartenfreunde für den Tiergarten im vergangenen Jahr war mit mehreren Projekten wie immer toll. Der Verein hat sich bei der Sanierung der Totenkopfaffen-Anlage ebenso finanziell beteiligt wie beim Kunstwerk „Für Vielfalt in Nürnberg“ von Christian Rösner an einer Nürnberger Hausfassade. Pünktlich zu Weihnachten schenkten die Tiergartenfreunde dem Zoo am Schmausenbuck drei elektrisch betriebene, umweltfreundliche Kleintransporter. Mit den emissionsfreien und fast lautlosen Fahrzeugen können die Tiergartenmitarbeiter umweltfreundlich große Lasten durch das Zoogelände transportieren oder technisch gut ausgerüstet zu medizinischen Einsätzen fahren. Zum „Weihnachtsgeschenk“ der Tiergartenfreunde gehören auch zwei alké-Elektrofahrzeuge mit Ladefläche und Planenaufbau, die den Tiergartenhandwerkern die Arbeit erleichtern. Für die Zootierärzte ist der kunterbunte Renault Kangoo Z.E. gedacht, ein Kastenwagen mit großem Laderaum oder bis zu fünf Sitzplätzen. Die Veterinäre können damit große medizinische Apparate wie Röntgen- oder Ultraschallgeräte zu den Tieren im Zoo transportieren, für Untersuchungen zu dem tiergarteneigenen Gut Mittelbüg in Schwaig bei Lauf fahren oder auch ins „Tucherland“ im Nürnberger Norden, wo Rotkopfschafe des Tiergartens gehalten werden. Ein weiterer Einsatzort ist der Tennenloher Forst in Erlangen, wo Przewalskipferde aus dem Tiergarten leben.

So – ich hoffe, mit diesem Blogbeitrag wird das Engagement der Tiergartenfreunde entsprechend gewürdigt und vielleicht auch einigen meiner Leser, die den Verein  noch nicht kannten, vorgestellt. Vielleicht möchte der oder die ein(e) oder andere ja im neuen Jahr auch selbst dem Verein beitreten? Das wäre sicher nicht der schlechteste Vorsatz, den man sich für 2018 vornehmen kann!

Auf geht´s zum „Ur-Amazonas“!

Das ehemalige „Nilpferdhaus“ im Tiergarten Nürnberg ist nun schon seit langem für Besucher geschlossen – wegen Umbau. Und die Flusspferde sind noch länger weg. Ich bedauere das sehr – und nicht nur ich! Diese Dickhäuter gehörten in Nürnberg für viele Zoogäste zu den Favoriten. Ein legendärer Liebling war der Flusspferd-Bulle Webbi, an den sich meine älteren Leser vielleicht noch erinnern. In dem Gebäude, das zu den ersten Tierhäusern des 1939 am Schmausenbuck eröffneten Tiergartens gehört und deshalb unter Denkmalschutz steht, soll den Zoobesuchern künftig etwas ganz anderes geboten werden: der Lebensraum Wüste unter dem Motto „Ur-Amazonas“.  Zuletzt war das Haus in die Schlagzeilen geraten, weil die vorübergehend im Außenbereich untergebrachten Präriehunde spurlos verschwanden und nie mehr auftauchten.

Die erste Etappe des Umbaus ist abgeschlossen: Das städtische Hochbauamt hat das Haus nach 14 Monaten Bauzeit am 1. Dezember an den Tiergarten übergeben (Foto: Stadt Nürnberg). Zoo-Mitarbeiter statten nun den Innenraum für die künftigen Bewohner aus. Die Eröffnung des Wüstenhauses für die Öffentlichkeit ist im kommenden Frühjahr geplant. Bis dahin sollen auch die Außenflächen fertig angelegt sein. Für die Darstellung des Lebensraums Wüste stehen rund 170 Quadratmeter zur Verfügung. Die Gesamtkosten für den Umbau betragen rund 980 000 Euro. Davon schießt der Bund 200 000 Euro zu – im Zuge der nationalen Klimaschutzinitiative: Weil es sich um eine besonders anspruchsvolle energetische Sanierung zum Passivhaus handelt, wird der Bau von der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Um gleichzeitig das alte Gemäuer zu erhalten, wurde ein Haus im Haus konstruiert. Um die Lichtverhältnisse zu verbessern, sind einige Fenster bis zum Boden vergrößert worden. Außerdem wurde das Dach komplett neu eingedeckt.

Die künftigen tierischen und pflanzlichen Bewohner des Hauses – darunter der pillendrehende Mistkäfer als Hauptperson – wollen es warm haben. Daher ist eine exakte Temperierung ebenso notwendig wie die Befeuchtung des Wüstensands. Um dieses Wüstenklima sicherzustellen, hat das Hochbauamt im Bodenaufbau auf mehreren Ebenen Heizspiralen und Wasserkreisläufe installiert. Man darf gespannt sein, ob es mit der für das Frühjahr 2018 angekündigten Eröffnung klappt. – Hoffentlich!

Auch Volodya hat den Tiergarten verlassen

Katinka und Samur sind nun wieder allein im Tigergehege im und am Raubtierhaus des Nürnberger Tiergartens. Denn auch Volodya (Foto: Tiergarten Nürnberg/Marion und Dieter Sempf), der zweite der beiden jungen Sibirischen Tiger, hat den Zoo am Schmausenbuck vor kurzem verlassen. Er ist in den Tierpark Chemnitz umgezogen, und zwar auf Empfehlung des Europäischen Ex-situ-Zuchtprogramms (EEP). Sibirische Tiger werden in Chemnitz seit den 1970er Jahren gehalten, zuletzt lebte dort ein weiterer Tigerkater, der 18 Jahre alt ist. Volodya hatte jetzt erst mal Zeit, sich an seine neue Heimat zu gewöhnen und war in dieser Anfangsphase nicht auf der großen Anlage zu sehen.

Volodya und sein Zwillingsbruder Aljoscha wurden am 6. Juli 2015 im Tiergarten Nürnberg geboren. Aljoscha ging im November 2016 in den Erlebnis-Zoo Hannover, für Volodya war es nicht ganz einfach, ein neues Zuhause zu finden, weil in den Zoos die Plätze für Tigerkater begrenzt sind. Aljoscha und Volodya sind die Söhne von Katinka, die 2011 in Moskau geboren wurde und im  Mai 2013 in den Tiergarten gekommen ist. Aufgewachsen ist sie in der Außenstation des Zoos von Moskau. Der Vater der Zwillinge ist Samur, geboren 2012 in Wuppertal und seit November 2013 in Nürnberg. Auch Samurs Großeltern lebten in der Moskauer Auffangstation. Katinka und Samur sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms und gehören aufgrund ihrer Abstammung zu den genetisch nur noch selten vertretenen und daher sehr wertvollen Sibirischen Tigern in Europa.

Nun ist das Werk vollendet

Für einige meiner Leser, die es unbedingt sehen wollten und denen ich   versprochen habe, es zu zeigen: Das Bild  von Christan Rösner auf einer Hausfassade am Nürnberger Nordostring – einer der meistbefahrenen Straßen in der Stadt –  ist nun vollendet (Foto:
Anestis Aslanidis). Heute wurde es offiziell vorgestellt. Es handelt sich nicht wirklich um  Reklame (die war aus Denkmalschutz-Gründen nach der Sanierung der Hauswand nicht mehr  zulässig), trotzdem ist das Kunstwerk mit Sicherheit eine tolle Werbung für den Tiergarten. Denn an dem Gebäude fahren  Schätzungen zufolge jeden Tag rund 20.000 Fahrzeuge vorbei, und an der Kreuzung stehen die Autos ziemlich lange, wenn die Ampel Rot zeigt. So haben die Menschen in den Fahrzeugen Gelegenheit, das Bild auch genauer zu betrachten. Werbeexperten gehen davon aus, dass das Tier(garten)motiv im Jahr bis zu zehn Millionen Blicke auf sich ziehen wird. Finanziert wird die – im wahrsten Sinne des Wortes – Kunst am Bau vom Verein der Tiergartenfreunde.

Christian Rösner hat das Motiv auch als Linolschnitt in Schwarzweiß gedruckt. Von der Gesamtauflage von 120 Stück werden 100 Exemplare für 100 Euro verkauft: über die Geschäftsstelle des Vereins der Tiergartenfreunde. Wer Interesse hat, kann sich unter der Adresse vonfersen@tgfn.de auch per Mail an den Vereinsvorstand wenden.

Eine Hauswand für die Tiere

Der Nürnberger Künstler Christian Rösner hat ein Faible für den Tiergarten Nürnberg. Von ihm stammt auch die große Holzskulptur im Eingangsbereich des Zoos am Schmausenbuck. Jetzt ist der engagierte Künstler wieder für den Tiergarten aktiv. „Für Vielfalt in Nürnberg“ heißt sein neuestes Projekt, ein haushohes Tier(garten)-Kunstwerk. Das Bild an der Kreuzung Bayreuther Straße 41/Hintermayrstraße ist ein Auftrag des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg: ein Fassadenbild mit vielen verschiedenen Tieren auf einem fünfstöckigen Haus. Im Zentrum steht ein Schabrackentapir – und das aus gutem Grund: Der Tiergarten koordiniert für diese Art die Erhaltungszucht innerhalb der europäischen Zoos. Der prominente Ort direkt an der Kreuzung der vielbefahrenen Äußeren Bayreuther Straße dürfte dem Kunstwerk viel Aufmerksamkeit verschaffen. Ausgeführt wird Christian Rösners künstlerischer Entwuf von einem Fürther Malerbetrieb, der auf Kirchenrestaurierung spezialisiert ist und dessen Mitarbeiter das Bild auf die Brandmauer des Hauses überträgt.

WDSF und ProWal mal wieder!

Gestern habe ich über die Schweinswal-Rettungsaktion vor der mexikanischen Küste geschrieben (Foto: Vaquita CPR). Heute lag mal wieder eine sogenannte Pressemitteilung des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) auf meinem Schreibtisch, als ich in die Redaktion kam.

Die Aktion könnte die einzige und letzte Chance sein, um den Vaquita vor der Ausrottung zu bewahren. Mittlerweile ereignete sich ein trauriger Zwischenfall: Ein Delfinweibchen starb beim Einfangen. Das WDSF macht daraus folgende Schlagzeile und verschickt sie als „Pressemitteilung“ an die Medien: „Bedrohter Vaquita-Schweinswal bei Gefangennahme verstorben“. Hinter dem im Jahr 2007 gegründeten WDSF verbirgt sich hauptsächlich eine Person: Jürgen Ortmüller. Beruflich ist er als Steuerberater tätig, er besitzt keinerlei zoologische oder biologische Ausbildung. Er ist alleiniger Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer des WDSF. Dieses ließ er 2008 als „Körperschaft des privaten Rechts mit Sitz in Hagen/Westfalen“ registrieren. Es handelt sich dabei nicht um eine Mitglieder-Organisation – angeblich, „um insbesondere die Verwaltungskosten niedrig zu halten“, heißt es auf der WDSF-Homepage.

Vielleicht, um nicht als Ein-Mann-Organisation an die Medien heranzutreten, hat sich Ortmüller für seine Presse-Info „ProWal“ ins Boot geholt (2009 aus der Privatinitiative „Walschutzaktionen“ von Andreas Morlok hervorgegangen). Morlok hatte sich davor jahrelang für den Schutz von Delfinen und Walen sowie deren Lebensräumen eingesetzt.
„Tierschützer fordern Stopp der Aktion“, steht über der Mail an die Medien. Das suggeriert, eine größere Zahl von Engagierten würde diese Forderung erheben. Doch die angeführten „Tierschützer“ sind wohl im Prinzip diese zwei Personen: Ortmüller und Morlok. Die beiden „befürchten durch den Tod des Schweinswal-Weibchens einen möglichen Zusammenbruch der Fortpflanzung des verbleibenden geringen Bestands“. Sie sprechen von „einer waghalsigen und offenbar schlecht vorbereiteten Aktion, die … sofort gestoppt werden müsse“. Weder Ortmüller noch Morlok sind Fachleute, glauben aber, die Aktion beurteilen zu können, ohne dabei gewesen zu sein. weiter lesen